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Jürgen Trittin
Jürgen Trittin (* 25. Juli 1954 in Bremen-Vegesack) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen).
Er ist seit 2009 Fraktionsvorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und einer der beiden Spitzenkandidaten für seine Partei bei der Bundestagswahl 2013. Von 1990 bis 1994 war er niedersächsischer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, von 1998 bis 2005 Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und von 2005 bis 2009 stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Grünen.
Familie, Studium, Beruf
Jürgen Trittin wuchs zusammen mit zwei jüngeren Geschwistern in einer bürgerlichen Familie auf; sein Großvater war Bankdirektor in Delmenhorst.[1] Seine Mutter ist Helene Trittin, sein Vater Klaus Trittin (1923–1998) war Geschäftsführer und Prokurist in der Bremer Tauwerk-Fabrik F. Tecklenborg und Co. in Bremen-Vegesack.
Während des Zweiten Weltkriegs diente Klaus Trittin ab 1941 als Freiwilliger in Fronteinsätzen in der Waffen-SS,[2] zuletzt als Zwanzigjähriger im Rang eines SS-Obersturmführers. Bis 1950 war Klaus Trittin in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Die eigene Vergangenheit ließ ihn nicht mehr los. Er redete, anders als andere Männer seiner Generation, offen über seine Vergangenheit, auch gegenüber seinen Kindern. In einem Interview berichtete Jürgen Trittin von einem Besuch des KZ Bergen-Belsen, zu dem er als 15-jähriger gemeinsam mit seinem Bruder vom Vater mitgenommen worden war. Dabei habe Klaus Trittin seine Söhne mit den Worten gemahnt: „Guckt euch das an, das haben wir verbrochen. So etwas dürft ihr nie wieder zulassen“.[3]
Jürgen Trittin wurde konfirmiert und war bei den Pfadfindern. Wegen des Schweigens der Kirche zum Massaker von My Lai trat er als Gymnasiast aus der Kirche aus.[2] Trittin absolvierte 1973 das Abitur am Gerhard-Rohlfs-Gymnasium in Bremen-Vegesack und begann im April 1974 mit der Ableistung von sechs von fünfzehn Monaten seines Grundwehrdienstes bei der Bundeswehr in Bremen, da seine Kriegsdienstverweigerung (KDV) zunächst nicht anerkannt wurde, da sie politisch und nicht mit dem Gewissen begründet worden sei.[4] Erst über den Klageweg beim Verwaltungsgericht konnte er ab Januar 1975 Zivildienst in einem Heim für schwer erziehbare Jungen bei Bremen ableisten.[5] Anschließend absolvierte er von 1975 bis 1981 ein Studium der Sozialwissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen, das er als Diplom-Sozialwirt beendete. Er war danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Göttingen und als freier Journalist für die lokale Göttinger Stadtzeitung (goest) tätig.
Trittin ist mit Angelika Büter verheiratet, die im Europareferat des Bundestags arbeitet.[2] Er hat eine Tochter, die er mit Mitte zwanzig adoptierte, und eine Enkeltochter.[6] Er lebt in Berlin-Pankow. Trittin erlitt 2010 einen Herzinfarkt, der keine bleibenden gesundheitlichen Schäden hinterließ.[7] Trittin besitzt keinen Führerschein.[2]
Politik
Kommunistischer Bund und Gründung der Grünen
Mit fünfzehn beteiligte er sich an Straßenkrawallen in Bremen. Während seines Studiums (1977) war Trittin für die Sozialistische Bündnisliste (SBL), einem Zusammenschluss aus maoistischem Kommunistischem Bund (KB), Mitgliedern der trotzkistischen Gruppe Internationale Marxisten (GIM) und weiterer linksradikaler Studenten, Mitglied im Fachschaftsrat Sozialwissenschaften. Diese koalierte mit der Sponti-Gruppe Bewegung undogmatischer Frühling (BUF) und stellte den Allgemeinen Studentenausschusses (AStA) der Universität Göttingen, der wiederum die Studentenzeitung Göttinger Nachrichten herausgab, die zuvor (1977) den Mescalero-Aufruf und damit die Sympathieerklärung für den Mord am damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback veröffentlichte. Die Sueddeutsche Zeitung (SZ), die tz und die Abendzeitung stellten 2001 klar, Trittin sei nie Mitglied der Redaktion gewesen. Auch der damalige AStA-Vorsitzende Jürgen Ahrens bestritt eine Beteiligung Trittins, wie es die Bildzeitung behauptete. Trittin verteidigte in den 1970er Jahren den Aufruf, was er später als „schweren Fehler“ bezeichnete. 1978 kandidierte er zum ersten Mal auf der Liste demokratischer Kampf (LDK) des Kommunistischen Bundes für den AStA. Von 1979 bis 1980 war Trittin dann in einer Funktion im AStA, zuständig für das Außenreferat. Zeitgleich war er von 1979 bis 1980 Präsident des Studentenparlaments (StuPa). Dort lernte er auch den Sozialdemokraten Thomas Oppermann kennen. In dieser Funktion organisierte er Demonstrationen u. a. gegen Rekrutengelöbnisse der Bundeswehr und war er als Hausbesetzer in Göttingen tätig. Trittin bewegte sich als bekennender Kommunist im breiten Umfeld der Göttinger K-Gruppen und war aktives Mitglied (bis 1980) des vom Verfassungsschutz beobachteten Kommunistischen Bundes.[8] Nach Aussagen ehemaliger Kommilitonen wurde er jedoch nie wie Joschka Fischer militant oder gewalttätig aktiv. Trittin bezeichnete später seinen links-maoistischen Aktivismus als „illegal“.
Trittin gehörte dann Anfang der 1980er Jahre – wie auch die Politiker Thomas Ebermann und Rainer Trampert – der Gruppe Z an, einer Abspaltung des Kommunistischen Bundes, welche die neu gegründeten Grünen zu unterwandern versuchte. Seine spätere Frau, Gründungsmitglied der grünen Partei in Göttingen, holte ihn 1980 zu den Grünen.[2] Seit diesem Jahr ist Trittin offizielles Parteimitglied. 1981 wurde er wissenschaftlicher Assistent der Stadtratsfraktion der linken Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste (AGIL) in Göttingen. Von 1982 bis 1984 war Trittin Geschäftsführer der AGIL-Stadtratsfraktion. 1984 wurde er vom Kreisverband der Grünen in Göttingen als Kandidat für den Niedersächsischen Landtag auf die Landesliste in einer Kampfabstimmung gegen Sonja Schreiner gewählt.
Landtagsabgeordneter und Minister in Niedersachsen (1984–1994)
Nachdem Trittin von 1984 bis 1985 Pressesprecher der Grünen-Landtagsfraktion Niedersachsen war, rückte er 1985 aufgrund des damals bei den Grünen praktizierten Rotationsprinzips in den Niedersächsischen Landtag nach und wurde noch im selben Jahr zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Das Amt hatte er bis 1986 und erneut von 1988 bis 1990 inne.
Von 1990 bis 1994 war er im Kabinett Schröder I Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Niedersachsen. Wegen des bei den Grünen herrschenden Prinzips der Trennung von Amt und Mandat schied Trittin aus dem Landtag aus. Nach dem Ende der rot-grünen Koalition kehrte er 1994 in den Landtag zurück und wurde stellvertretender Fraktionsvorsitzender.
Bundessprecher von Bündnis 90/Die Grünen (1994–1998)
Im Dezember 1994 wurden Trittin und Krista Sager als Sprecher des Bundesvorstandes von Bündnis 90/Die Grünen gewählt. Trittin erhielt ohne Gegenkandidaten 499 von 584 gültigen Stimmen.[9] Sein Landtagsmandat legte er deshalb erneut nieder.
Ab 1996 bildete er zusammen mit Gunda Röstel das Führungsduo an der Parteispitze. 1998 gab er dieses Amt mit dem Einzug in den Bundestag auf.
Bundesumweltminister (1998–2005)
Nach der Bundestagswahl 1998 löste die erste rot-grüne Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder die bisherige schwarz-gelbe Koalition unter Helmut Kohl ab. Bündnis 90/Die Grünen besetzten drei Ressorts im Kabinett Schröder I. Joschka Fischer übernahm das Außen-, Andrea Fischer das Gesundheits- und Trittin das Umweltministerium. Am 27. Oktober 1998 wurde Trittin als Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vereidigt.
In der ersten Legislaturperiode der rot-grünen Regierung war Trittin das bevorzugte Angriffsziel der Opposition und der Wirtschaft.[10] Konfliktthemen waren besonders der von Trittin ausgehandelte Atomausstieg und die Ökosteuer. Dabei geriet er wiederholt in Auseinandersetzungen mit dem Bundeskanzler, in deren Folge mehrfach über einen Rücktritt Trittins spekuliert wurde.[11] So wies Gerhard Schröder Trittin nach Intervention der deutschen Autohersteller unter Hinweis auf seine Richtlinienkompetenz an, die Altautorichtlinie der EU im Ministerrat abzulehnen.[10] Diese sah vor, dass Hersteller Altfahrzeuge zurücknehmen müssten. Trittin setzte im Ministerrat einen Kompromiss durch, der auch vom Europäischen Parlament verabschiedet wurde.[10] Die deutsche Umsetzung der Richtlinie erfolgte am 1. Juli 2002 durch die Altfahrzeugverordnung. Es gilt als wahrscheinlich, dass Gerhard Schröder seinen Umweltminister andernfalls aus dem Kabinett entlassen hätte.[10] Im Januar 2000 musste Trittin auf Druck der Energiewirtschaft und des Bundeskanzlers zudem den Stopp der Atommülltransporte zur Wiederaufarbeitung zurückziehen.[10]
Ein Leitgedanke der rot-grünen Politik war die sogenannte Energiewende. Am 1. April 2000 trat das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft, das als „Herzstück der rot-grünen Energie- und Klimapolitik“ galt.[12] Das Gesetz förderte die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien in Deutschland entscheidend. Am 14. Juni 2000 wurde der Atomkonsens durch einen Vertrag zwischen der Bundesrepublik mit den Betreibergesellschaften eingeleitet, der den Atomausstieg innerhalb von 32 Jahren vorsah. Der Vertrag wurde 2002 durch die Novellierung des Atomgesetzes rechtlich abgesichert. Am 14. November 2003 ging als erstes das AKW Stade vom Netz. Der Atomausstieg war ein zentrales und identitätsstiftendes Ziel seit der Gründung der Grünen Partei. Deshalb galt der Atomausstieg einerseits als wichtigster Erfolg der rot-grünen Politik, andererseits wurde dieser gerade von der Parteibasis als viel zu zögerlich kritisiert.[11] Trittin wurde als verantwortlicher Bundesminister die Schuld daran gegeben. 2001 wurde das AKW Philippsburg, für dessen Betrieb die Landesregierung von Baden-Württemberg zuständig war, auf Druck Trittins für mehrere Wochen abgeschaltet.[11]
Weitere wichtige Projekte waren das Klimaschutzprogramm vom 18. Oktober 2000 und eine Novelle zum Bundesnaturschutzgesetz im Jahr 2001. Zu einem Machtkampf mit der Industrie kam es durch die Einführung des Dosenpfands.[12]
In der zweiten Legislaturperiode der rot-grünen Bundesregierung nach der Bundestagswahl 2002 gab es deutlich weniger Konflikte. Offene Spannungen traten jedoch zwischen dem Umweltministerium und dem von Wolfgang Clement geführten Wirtschaftsministerium aus. Während Trittin erneuerbare Energien unterstützte, setzte der ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Clement auf die heimische Steinkohle.[13]
Nachdem die Landwirtschaftsministerin Renate Künast zur Vorsitzenden der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen gewählt wurde, nahm Trittin ab dem 4. Oktober 2005 kurzzeitig zusätzlich die Geschäfte des Bundesministers für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft wahr. Nach der Wahl von Angela Merkel zur Bundeskanzlerin schied er am 22. November 2005 endgültig aus dem Amt.
In der Opposition (seit 2005)
Nach der Bundestagswahl 2005 scheiterte er bei der Wahl zum Fraktionsvorsitzenden gegen Fritz Kuhn[14] und wurde stattdessen stellvertretender Vorsitzender sowie politischer Koordinator des Fraktionsarbeitskreises IV „Außenpolitik, auswärtige Kulturpolitik, Menschenrechte, Entwicklungspolitik, Verteidigung, Europa“. Als Direktkandidat im Wahlkreis Göttingen erreichte er bei der Bundestagswahl 2005 7,8 % der Erststimmen.
Im November 2008 wählte die Bundesdelegiertenversammlung der Grünen Renate Künast und Trittin zu ihren Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2009. Er führte, gemeinsam mit Brigitte Pothmer, erneut die niedersächsische Landesliste an und war zudem wieder Direktkandidat im Wahlkreis Göttingen, wo er 13,0 % der Erststimmen erhielt. Nach der Wahl wurde er am 6. Oktober 2009 zusammen mit Renate Künast Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Trittin ist Mitglied im Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union, im Unterausschuss Vereinte Nationen und stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss. Er gehört außerdem seit 2000 dem Parteirat der Grünen an.
Im September 2010 wurde er Opfer eines Tortenwurfs in Hannover, als er an einer Podiumsdiskussion in einem der Republik Freies Wendland nachempfundenen Hüttendorf teilnahm.[15]
Im Oktober 2012 bestimmten die Mitglieder seiner Partei ihn und Katrin Göring-Eckardt in einer Urwahl zu den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013.[16]
Trittin ist stets über die Landesliste Niedersachsen in den Deutschen Bundestag eingezogen.
Nebentätigkeiten, Einkünfte und Mitgliedschaften
Trittin erzielt keine dem Bundestagspräsidenten anzeigepflichtigen Einkünfte.[17] Honorare für Vorträge und Fernsehauftritte spendet er nach eigenen Angaben sozialen Projekten.[18]
Er ist Mitglied im Beirat der Akademie Waldschlößchen, Schirmherr von Borneo Orangutan Survival Deutschland und des deutsch-polnischen Projekts zur Waldökosystemforschung Inpine, Kuratoriumsmitglied des Weltfriedensdienstes, der Stiftung Initiative Mehrweg[17] und nach eigenen Angaben Mitglied bei fesa e. v. (Freiburg), der Gewerkschaft ver.di sowie der Europa-Union Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag.[18]
1989 war er Mitbegründer der antifaschistischen Zeitschrift Der Rechte Rand.
Von März bis August 2012 war Trittin Umweltbotschafter des SV Werder. Diesen Posten gab er ab, als der Klub einen Sponsorenvertrag mit Wiesenhof abschloss und hierfür kritisiert wurde.[19]
Politische Positionen
Trittin wurde im Jahr 1998 zum linken Flügel der Partei gerechnet.[20] In den parteiinternen Flügelkämpfen der Grünen fiel ihm deshalb lange die Rolle eines linken Gegenpols zu dem „Realo“ Joschka Fischer zu.[21] Zugleich gilt er als pragmatischer und nüchterner Taktierer.[14] Anders als die sogenannten Fundamentalisten („Fundis“) steht er für die Idee einer Durchsetzung sozialer und ökologischer Politikziele durch die Beteiligung der Grünen an Regierungskoalitionen.
Seit seinem Ausscheiden aus dem Amt des Umweltministers engagiert sich Trittin in seiner parlamentarischen Arbeit vor allem in der Außenpolitik und der Europapolitik. In der Energieaußenpolitik setzt er sich für einen weltweiten Ausbau der Erneuerbaren Energien und gegen die Abhängigkeit der Weltwirtschaft vom Erdöl ein.
1998 erklärte er, er wolle die NATO „nicht auf-, sondern ablösen“.[22] Als Mitglied des Bundeskabinetts warb er 2000 für die Abschaffung der Wehrpflicht, was jedoch vom Bundesminister der Verteidigung Rudolf Scharping zurückgewiesen wurde.[23]
Nach dem NSA Skandal 2013 forderte Trittin eine Revision der Beziehungen zur USA und forderte Asyl für den Whistleblower Edward Snowden.[24]
In der Eurokrisenpolitik stellt sich Trittin sowohl gegen Peer Steinbrücks wie auch Angela Merkels Positionen. So stellt er sich offen für einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland.[25]
Öffentliche Wahrnehmung
Trittin wurde während seiner Amtszeit als Bundesminister als „fleißig, machtbewusst, rhetorisch stark, ‚störrisch‘, links, fachlich kompetent, staatsmännisch, polarisierend, provokativ; kantig, kämpferisch, Mann mit eigener Meinung“ charakterisiert.[26] Als Parteisprecher galt er als geradlinig, zielstrebig und konfliktbereit, aber auch als arrogant, unnahbar und verbohrt.[9] Krista Sager beschrieb ihn als „innerlich wie gepanzert“.[9] Joschka Fischer formulierte positiver: „Er kann gut wegstecken“.[26]
Er wird aufgrund seiner Auftritte (u. a. bei einer Kundgebung der linken Initiative Gelöbnix 1998) und seiner oft scharfen Polemik, etwa der Bezeichnung eines öffentlichen Gelöbnisses der Bundeswehr als „ein perverses Ritual“ oder das Treffen der NATO-Außenminister in Berlin diene der „Militarisierung der europäischen Außenpolitik“,[27] von politischen Gegnern immer wieder heftig kritisiert. Beispielhaft dafür stehen Beschimpfungen in Richtung Trittin wie „Ökostalinist“ durch den ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Michael Glos[28] oder „Salonbolschewist“ durch den damaligen Generalsekretär der CSU Markus Söder.[29]
Trittin wurde 2001 von Michael Buback in die Nähe des sogenannten Mescalero-Briefs gerückt,[30] in dem 1977 von „klammheimlicher Freude“ über den Tod des RAF-Opfers Siegfried Buback die Rede war.[31] Trittin machte sich den Inhalt des Briefes explizit nicht zu eigen und verteidigte seine damaligen Anmerkungen als Fachschaftsvertreter an der Georg-August-Universität Göttingen als eine „trotzige Verteidigung der Meinungsfreiheit“.[32] Im selben Jahr gab sich der Literaturwissenschaftler und Deutschlehrer Klaus Hülbrock gegenüber der taz als der Göttinger Mescalero zu erkennen.[33]
Im März 2001 unterstellte Trittin in einem Interview dem damaligen Generalsekretär der CDU Laurenz Meyer, er habe „die Mentalität eines Skinheads und nicht nur das Aussehen“, da dieser vorher in einem Interview geäußert hatte, er sei „Patriot und stolz darauf, Deutscher zu sein“.[34] Trittin relativierte seine Äußerung später und räumte ein, sich im Ton vergriffen zu haben.[35]
Im Sommer 2012 war er Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz im amerikanischen Chantilly (Virginia), einem Treffen von Personen aus Wirtschaft, Politik und anderen gesellschaftlichen Bereichen, was in seiner Partei gespaltene Reaktionen hervorrief.[36][37]
Schriften
- Kriegsbeteiligung oder Friedenspolitik. Drei Interventionen. Niedersächsisches Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten, Pressereferat, Hannover [1991].
- Das Grundrecht auf Asyl ist eine mahnende Lehre aus dem Tagebuch der Anne Frank. Niedersächsische Landeszentrale für Politische Bildung, Hannover 1992. (= Schriftenreihe der Niedersächsischen Landeszentrale für Politische Bildung, Aktuelles zum Nachdenken; Folge 5)
- Gefahr aus der Mitte. Die deutsche Politik rutscht nach rechts. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 1993, ISBN 3-923478-88-7.
- From Rio to Johannesburg. Contributions to the globalization of sustainability. Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin 2001. (= Heinrich-Böll-Stiftung, World summit papers of the Heinrich Boell Foundation; Nr. 5)
- Welt um Welt. Gerechtigkeit und Globalisierung. Aufbau-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-351-02542-4.
Literatur
- Jürgen Trittin. In: Eckart Spoo (Hrsg.): Wie weiter? Plädoyers für eine sozialistische Bundesrepublik. 2. Auflage, Verlag Am Galgenberg, Hamburg 1988, ISBN 3-925387-39-0, S. 146 ff.
- Hans-Werner Kuhn: Trittin, Jürgen. In: Udo Kempf, Hans-Georg Merz (Hrsg.): Kanzler und Minister 1998–2005. Biografisches Lexikon der deutschen Bundesregierungen. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-14605-8, S. 359–369.
Weblinks
- Literatur von und über Jürgen Trittin im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Jürgen Trittin, Internationales Biographisches Archiv 50/2012 vom 11. Dezember 2012 (la), im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- Website von Jürgen Trittin
- Biographie beim Deutschen Bundestag
- Lebenslauf bei der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
- Interview in der Zeit vom 24. April 2011
- Jürgen Trittin auf abgeordnetenwatch.de
Einzelnachweise
- ↑ Jürgen Trittin, Internationales Biographisches Archiv 50/2012 vom 11. Dezember 2012 (la), im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Jens König:Die Wandlung. Linksradikaler, Rüpel, Ökostalinist - das war gestern. Heute gibt der grüne Spitzenkandidat den Staatsmann. Der lange Marsch des Jürgen Trittin. Stern, 47/2012, S.53-59
- ↑ stern.de: Trittins Vater war bei Waffen-SS, 14. November 2012
- ↑ Gordon Repinski, Konstantin von Hammerstein: Das ist jetzt aber unfair. In: Der Spiegel, 26. November 2012.
- ↑ Christoph Schult: Zivildienst. Hat sich Joschka Fischer gedrückt?, Spiegel online, 17. April 2001.
- ↑ Christoph Hickmann: Ich und ich. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 96, 25. April 2013, S. 3.
- ↑ Der Spiegel: Grünen-Fraktionschef Trittin: Schockiert vom Herzinfarkt, 21. März 2010, abgerufen am 17. Juni 2013
- ↑ Jochen Bölsche: Die verlorene Ehre der Apo, Spiegel online, 29. Januar 2001.
- ↑ 9,0 9,1 9,2 Saskia Richter: Führung ohne Macht? Die Sprecher und Vorsitzenden der Grünen, in: Die Parteivorsitzenden in der Bundesrepublik Deutschland 1949–2005, herausgegeben von Daniela Forkmann und Michael Schlieben, Wiesbaden 2005, S. 194.
- ↑ 10,0 10,1 10,2 10,3 10,4 Hans-Werner Kuhn: Trittin, Jürgen, in: Kanzler und Minister 1998-2005, hrsg. v. Udo Kempf, Hans-Georg Merz, Wiesbaden 2008, S. 361.
- ↑ 11,0 11,1 11,2 Hans-Werner Kuhn: Trittin, Jürgen, in: Kanzler und Minister 1998-2005, hrsg. v. Udo Kempf, Hans-Georg Merz, Wiesbaden 2008, S. 362.
- ↑ 12,0 12,1 Hans-Werner Kuhn: Trittin, Jürgen, in: Kanzler und Minister 1998-2005, hrsg. v. Udo Kempf, Hans-Georg Merz, Wiesbaden 2008, S. 363.
- ↑ Hans-Werner Kuhn: Trittin, Jürgen, in: Kanzler und Minister 1998-2005, hrsg. v. Udo Kempf, Hans-Georg Merz, Wiesbaden 2008, S. 364.
- ↑ 14,0 14,1 Matthias Geis: Der Triumph des ewigen Zweiten. Die Zeit, 13. September 2007.
- ↑ Spiegel Online vom 23. September 2010: Trittin verzichtet auf Anzeige
- ↑ Grünen-Basis macht Trittin und Göring-Eckardt zum Spitzenduo Spiegel Online, 10. November 2012
- ↑ 17,0 17,1 Seite beim deutschen Bundestag
- ↑ 18,0 18,1 Angabe auf www.trittin.de
- ↑ SPOX (Hrsg.): Trittin tritt als Werder-Botschafter zurück. 29. August 2012, abgerufen am 13. Dezember 2012. taz.de: "Es gibt eben Grenzen". 30. August 2012, abgerufen am 13. Dezember 2012.
- ↑ Claus Christian Malzahn: Der Fehler des Strategen, Der Spiegel 12/1998.
- ↑ Nicht_immer_Aber_zu_oft Matthias Geis: Nicht immer. Aber zu oft. Die Zeit 13/2001.
- ↑ Feuer frei. In: Der Spiegel, 11. Mai 1998, S. 38.
- ↑ Trittin: Wehrpflicht schnell abschaffen. Spiegel Online, 23. April 2000.
- ↑ http://www.welt.de/politik/deutschland/article118042345/Trittin-fordert-Revision-der-Zusammenarbeit-mit-USA.html
- ↑ http://www.wsj.de/article/SB10001424127887323681904578643641189143814.html
- ↑ 26,0 26,1 Hans-Werner Kuhn: Trittin, Jürgen, in: Kanzler und Minister 1998-2005, hrsg. v. Udo Kempf, Hans-Georg Merz, Wiesbaden 2008, S. 367.
- ↑ Franz Walter: Grüner Spitzenkandidat Trittin. Der schüchterne Bürgerschreck, Spiegel online, 8. Mai 2009.
- ↑ „Öko-Stalinist“ gegen „Mitnahme-Mentalität“. Unwort des Jahres 2004. Spiegel online, 7. Dezember 2004.
- ↑ Laut Trittin in einer Rede vom 20. November 2008
- ↑ Michael Buback, Meine Begegnung mit Jürgen Trittin. Über den „Mescalero“-Text, seine faschistoide Sprache und die folgenreiche Unterredung im Zug nach Berlin. Die Zeit, 06/2001.
- ↑ Mescalero-Nachruf: Gegenangriff
- ↑ Jürgen Trittin: Der Fremde im Zug. In: Der Tagesspiegel, 23. Januar 2001.
- ↑ Eine Begegnung mit Klaus Hülbrock. Auf dem Fernsehapparat blüht ein gelbes Blümchen In: taz, 10. Februar 2001: Vor zwei Jahren erklärte sich Mescalero zum ersten Mal in einem Brief an Bubacks Sohn Michael.
- ↑ Absurdes Getöse. Spiegel online, 26. März 2001.
- ↑ Skinhead-Vergleich. Trittins laue Entschuldigung. Spiegel online, 13. März 2001.
- ↑ Trittin und sein Bilderberg-Problem auf Spiegel Online
- ↑ Matthias Kamann, Michael Stürmer: Trittin nach Bilderberg-Konferenz in Erklärungsnot. welt.de, 5. Juni 2012, abgerufen am 6. Juni 2012.
Walter Wallmann (CDU, 1986–1987) | Klaus Töpfer (CDU, 1987–1994) | Angela Merkel (CDU, 1994–1998) | Jürgen Trittin (Grüne, 1998–2005) | Sigmar Gabriel (SPD, 2005–2009) | Norbert Röttgen (CDU, 2009–2012) | Peter Altmaier (CDU, 2012–2013) | Barbara Hendricks (SPD, 2013–2018) | Svenja Schulze (SPD, 2018-2021) | Steffi Lemke (Grüne, seit 2021)
Gerhard Schröder (SPD) |
Joschka Fischer (Grüne) |
Otto Schily (SPD) |
Herta Däubler-Gmelin (SPD) |
Oskar Lafontaine (SPD) |
Werner Müller (parteilos) |
Karl-Heinz Funke (SPD) |
Walter Riester (SPD) |
Rudolf Scharping (SPD) |
Christine Bergmann (SPD) |
Andrea Fischer (Grüne) |
Franz Müntefering (SPD) |
Jürgen Trittin (Grüne) |
Edelgard Bulmahn (SPD) |
Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) |
Bodo Hombach (SPD)
ab 1999: Hans Eichel (SPD) |
1999–2000: Reinhard Klimmt (SPD) |
ab 2000: Kurt Bodewig (SPD) |
ab 2001: Renate Künast (Grüne) | Ulla Schmidt (SPD) |
ab 2002: Peter Struck (SPD)
Gerhard Schröder (SPD) | Joschka Fischer (Grüne) | Otto Schily (SPD) | Brigitte Zypries (SPD) | Hans Eichel (SPD) | Wolfgang Clement (SPD) | Renate Künast (Grüne) | Peter Struck (SPD) | Ulla Schmidt (SPD) | Manfred Stolpe (SPD) | Jürgen Trittin (Grüne) | Renate Schmidt (SPD) | Edelgard Bulmahn (SPD) | Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD)
1980–1993: Die Grünen
August Haußleiter |
Petra Kelly |
Norbert Mann |
Dieter Burgmann |
Manon Maren-Grisebach |
Wilhelm Knabe |
Rainer Trampert |
Rebekka Schmidt |
Jutta Ditfurth |
Lukas Beckmann |
Christian Schmidt |
Regina Michalik |
Verena Krieger |
Ralf Fücks |
Ruth Hammerbacher |
Renate Damus |
Hans-Christian Ströbele |
Heide Rühle |
Ludger Volmer |
Christine Weiske
ab 1993: Bündnis 90/Die Grünen
Marianne Birthler |
Ludger Volmer |
Krista Sager |
Jürgen Trittin |
Gunda Röstel |
Antje Radcke |
Renate Künast |
Fritz Kuhn |
Claudia Roth |
Angelika Beer |
Reinhard Bütikofer |
Cem Özdemir |
Simone Peter |
Annalena Baerbock |
Robert Habeck
Fraktionssprecher Die Grünen (1983–90):
Marieluise Beck-Oberdorf |
Petra Kelly |
Otto Schily |
Annemarie Borgmann |
Waltraud Schoppe |
Antje Vollmer |
Sabine Bard |
Hannegret Hönes |
Christian Schmidt |
Annemarie Borgmann |
Hannegret Hönes |
Ludger Volmer |
Willi Hoss |
Thomas Ebermann |
Bärbel Rust |
Waltraud Schoppe |
Helmut Lippelt |
Regula Schmidt-Bott |
Christa Vennegerts |
Helmut Lippelt |
Jutta Oesterle-Schwerin |
Antje Vollmer |
Willi Hoss |
Waltraud Schoppe |
Marianne Birthler |
Antje Vollmer
Gruppensprecher Bündnis 90/Die Grünen (1990–94):
Werner Schulz
Fraktionsvorstände Bündnis 90/Die Grünen (seit 1994):
Joschka Fischer |
Kerstin Müller |
Rezzo Schlauch |
Krista Sager |
Katrin Göring-Eckardt |
Fritz Kuhn |
Renate Künast |
Jürgen Trittin |
Katrin Göring-Eckardt |
Anton Hofreiter
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Trittin, Jürgen |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (Bündnis90/Die Grünen), MdL, MdB, Bundesminister |
| GEBURTSDATUM | 25. Juli 1954 |
| GEBURTSORT | Bremen-Vegesack |
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- Bundestagsabgeordneter (Niedersachsen)
- Vorsitzender der Bündnis-90/Die-Grünen-Bundestagsfraktion
- Umweltminister (Bundesrepublik Deutschland)
- Landwirtschaftsminister (Bundesrepublik Deutschland)
- Landtagsabgeordneter (Niedersachsen)
- Minister für Bundesangelegenheiten (Niedersachsen)
- Minister für Europaangelegenheiten (Niedersachsen)
- Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen
- Bündnis-90/Die-Grünen-Mitglied
- KB-Mitglied
- AStA-Vorstandsmitglied
- Person (Bremen)
- Deutscher
- Geboren 1954
- Mann
