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Jüdischer Friedhof (Laupheim)

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Der Jüdische Friedhof Laupheim ist ein Friedhof, der sich auf dem Judenberg in Laupheim, einer oberschwäbischen Stadt im Landkreis Biberach in Baden-Württemberg befindet. Der Friedhof ist ein geschütztes Kulturdenkmal.

Geschichte

Die Anlage des Friedhofs erfolgte nach 1730 durch die jüdische Gemeinde Laupheim. In der Folge mußte er mehrfach erweitert werden. Die Südseite der Anlage ist den Frauen, die Nordseite den Männern vorbehalten. Der älteste, allerdings nur noch fragmentarisch lesbare Grabstein stammt aus dem Jahr 1740. 1822 errichtete die Gemeinde die erste Leichenhalle (Taharahaus), die 1907 von einem Neubau ersetzt wurde, in der auch der Friedhofswärter eine Wohnung besaß. Heute umfaßt er eine Fläche von 46,27 Ar. Die erste Beisetzung fand 1732 statt. Die Zeit des Nationalsozialismus überstand das Gräberfeld fast ohne Schäden, allerdings wurden Ende 1942 alle Metallteile von den Grabsteinen entfernt um sie für Kriegszwecke einzuschmelzen. Lediglich die Bronzetafel mit den jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs, blieb am Kriegerdenkmal erhalten. Die jüdische Gemeinde, die seit 1923 zum Rabbinat Ulm gehörte, war bereits 1939 aufgelöst worden.[1]

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das in Biberach an der Riß existierende britische Internierungslager Lindele auch als Austauschlager genutzt. Zu diesem Zweck wurden jüdische Insassen mit südamerikanischen Pässen aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen nach Biberach verbracht. Von den dort Verstorbenen sind manche oft in sekundärer Bestattung kurz nach dem Krieg auf dem jüdischen Friedhof Laupheim beerdigt worden.[2]

Auch in der jüngeren Gegenwart wurden Grabstellen belegt. So wurde unter anderem die 1956 im amerikanischen Exil verstorbene Laupheimerin Melanie Steiner-Herz hier beigesetzt[3] und 1983 fand die Bestattung des in Laupheim geborenen Dichters, Lyrikers und Schriftstellers Siegfried Einstein (1919–1983) statt. 1984 wurde vor dem Eingang eine Gedenktafel mit den Namen von 100 Opfern des Holocausts aus der jüdischen Gemeinde von Laupheim angebracht. Insgesamt befinden sich heute auf dem Areal noch rund 1.000 Grabsteine (Mazewot). Zu den prominenten Verstorbenen auf dem jüdischen Friedhof Laupheim gehört Rebekka Lämmle, die 1883 in Laupheim verstorbene Mutter des spätern Mitbegründers der Filmindustrie in Hollywood, Karl Lämmle (Carl Laemmle).[4]

2013 wurde die Leichenhalle zu einer Begegnungs- und Gedenkstätte umgebaut.[5]

Die Pflege des Friedhofs hat die Stadt Laupheim, unterstützt von Privatpersonen, übernommen. 120 Grabsteine wurden in der Vergangenheit von dem 2010 verstorbenen Laupheimer Ehrenbürger und Träger des Obermayer German Jewish History-Award, Ernst Schäll, aus restauriert. Um an das Engagement Schälls zu Erinnern, wurde ein Platz am Judenberg nach ihm benannt.[5]

Literatur

  • Klaus-Dieter Alicke: Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum. 3 Bände. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2008, ISBN 978-3-579-08035-2.
  • Schalom Ben-Chorin: Weil wir Brüder sind. Zum christlich-jüdischen Dialog heute. Bleicher, Gerlingen 1988. ISBN 3-88350-231-6.
  • Joachim Hahn und Jürgen Krüger: Synagogen in Baden-Württemberg. Band 2: Joachim Hahn: Orte und Einrichtungen. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1843-5 (Gedenkbuch der Synagogen in Deutschland. Band 4).
  • Nathanja Hüttenmeister: Der jüdische Friedhof Laupheim. Eine Dokumentation. Verkehrs- und Verschönerungsverein, Laupheim 1998, ISBN 3-00-003527-3.
  • Ernst Schäll: Der jüdische Friedhof in Laupheim. In: Schwäbische Heimat, 47, 4 (1996), S. 404–417.

Anmerkungen

  1. Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. Denkmale, Geschichte, Schicksale. Mit einem Beitrag von Julius Wißmann. Zur Geschichte der Juden in Württemberg 1924-1935. (= Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, Bd. 18), Kohlhammer, Stuttgart 1966. S. 120.
  2. Reinhold Adler: Das war nicht nur „Karneval im August“. Das Internierungslager Biberach an der Riß, 1942-1945. Geschichte, Hintergründe. Federsee, Bad Buchau 2002, ISBN 3-9806818-2-3. u.a.: S. 233–234, S. 290.
  3. Walter Strauß (Hrsg.): Lebenszeichen. Juden aus Württemberg nach 1933. Bleicher, Gerlingen 1982. ISBN 3-88350-600-1. S. 294.
  4. Cristina Stanca-Mustea: Carl Laemmle – Der Mann, der Hollywood erfand. Osburg, Hamburg 2013, ISBN 978-3-95510-014-8. S. 1875.
  5. 5,0 5,1 Roland Ray: Stadt gestaltet beim jüdischen Friedhof einen Ernst-Schäll-Platz. In: Internetauftritt der Schwäbischen Zeitung, 16.04.2013. Abgerufen am 20. Juli 2013.

Weblinks

 Commons: Jüdischer Friedhof Laupheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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