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Große Synagoge (Bad Wildungen)

Aus Jewiki
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Ansicht der Großen Synagoge in Bad Wildungen von Westen, um 1914
Eins der insgesamt sechs hohen Fenster. In der Symbolik dargestellt sind jeweils zwei Söhne Isaaks.

Die Große Synagoge wurde 1914 in Bad Wildungen erbaut. Sie bestand nur 24 Jahre und wurde während der Novemberpogrome 1938 zerstört. Das Haus in der Straße Dürrer Hagen 11 prägte die Silhouette der Stadt, ist aber heute weitgehend unbekannt, weil es kaum Fotoaufnahmen von ihr gibt.

Baugeschichte

Die Synagoge löste einen Raum im Waisenhof in der Waisengasse ab, der seit 1890 der jüdischen Bevölkerung als Betraum gedient hatte (das ehemalige Waisenhaus war Mitte des 19. Jahrhunderts in Privatbesitz übergegangen). Die jüdische Gemeinde in Bad Wildungen stellte 1913 den Bauantrag für das neue Gotteshaus beim städtischen Magistrat. Die Synagoge war bereits im Juli 1914 vollendet. Es scheint keine feierliche Einweihung gegeben zu haben. Grund dafür war der Beginn des Ersten Weltkrieges im August und die vorangegangene Julikrise. So gab es noch im Juli in der neuen Synagoge einen „Bittgottesdienst für Kaiser, Reich sowie für die ausziehenden Truppen und für den Erfolg unserer Waffen“.

Finanziert wurde das Gotteshaus von der jüdischen Gemeinde, aber auch von jüdischen Kurgästen aus aller Welt. Es bot daher Platz für 200 Gläubige, obwohl die Gemeinde selbst nur maximal 140 Menschen umfasste. Der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt durch den Kur- und Badebetrieb im Kaiserreich war also Voraussetzung für diesen großen Bau, dessen Kosten sich auf 50.000 Mark beliefen.

Architektur

Die Synagoge galt „als eines der schönsten und ungewöhnlichsten jüdischen Gebetshäuser deutscher Kleinstädte“. Errichtet in Hanglage, zudem freistehend, war sie weithin sichtbar. Sie wirkte imposant, wuchtig und orientalisch. Architekt der Synagoge war Ernst Cohn, der Kompagnon des Essener „Ateliers für Architektur und Kunstgewerbe J. Bremenkamp & Ernst Cohn“ war. Er war vom Architekten Edmund Körner beeinflusst, der die Alte Synagoge in Essen erbaute. Sie war (zusammen mit der Hurva-Synagoge in Jerusalem) ein Vorbild war für das Gotteshaus in Bad Wildungen. Der Baustil der neuen Monumentalität war Ausdruck eines in der Gesellschaft des Kaiserreiches aufsteigenden und selbstbewusst gewordenen Judentums.

Über eine Treppe und einen Vorhof erreichte man die Vorhalle und schließlich den Kuppelraum mit dem Emporengeschoss für die Frauen. Im Hauptraum stand der Almemor mit dem Toraschrein. Der Kuppelbau, bedeckt mit einem Kupferblech, maß über zwölf Meter Durchmesser. Auf den unteren, sechs rechteckigen Fenster waren die Schöpfungstage dargestellt. Die Fenster im oberen Teil des Kuppelsaals stellten in zwölf runden Fensterbildern die Söhne Isaaks dar, die zu den Stammvätern der zwölf Stämme Israels wurden. Es sind nur einzelne Schwarz-weiß-Fotografien dieser Fenster erhalten, die in ihrer Darstellungsintensität einmalig gewesen sein sollen.

Nutzung

Der Synagogenbau war Andachts-, Lehr- und Kommunikationszentrum in einem und umfasste auch ein Ritualbad. Im Untergeschoss wohnte die Familie des Lehrers und Kantors Jonas Hecht; von 1935 bis 1938 war dies Hermann Stern, der nach Wiesbaden wechselte. Sie erteilten auch den Religionsunterricht für jüdische Kinder. Hier fanden ebenso Sitzungen und Veranstaltungen statt, etwa des Israelitischen Humanitätsvereins unter Leitung von Isaac Hirsch. Zum Synagogenvorstand zählten Mitte der 1920er Jahre Adolf Hammerschlag, Sally Hirsch und Leopold Marx.

Pogromnacht 1938 und die Folgen

Die Bad Wildunger Synagoge am 1. Dezember 1938

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge geplündert und brannte ab.[1] Ein Zeitzeuge erinnert sich, die Tora gerettet und auf der Flucht mit nach Bolivien genommen zu haben. Der Vorstand der Gemeinde musste kurz darauf das Grundstück an die Stadt Bad Wildungen abtreten, die als Gegenleistung die Reste der Synagoge entfernte. Am 13. Dezember 1938 wurde das Kuppeldach gesprengt. 1951 verkaufte die Stadt das Grundstück an einen Privatmann, heute sind keine Reste der Synagoge mehr sichtbar. Ein 1946 auf dem ehemaligen Synagogengrundstück errichteter Gedenkstein wurde später auf den jüdischen Friedhof gestellt. Eine 1985 eingeweihte Gedenktafel befindet sich unterhalb des Grundstücks.

Gedenken

Zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome am 9. November 2013 plant die AG Synagoge Bad Wildungen als Arbeitsgruppe interessierter Bürger, die Synagoge in besonderer Weise in Szene zu setzen. Eine weitgehend authentische Darstellung soll vor allem mittels zeitgenössischer Fotos erfolgen.

Literatur

  • Wildunger Zeitung, 6. August 1914
  • Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen, Bd. 2, Frankfurt/M. 1971
  • Volker Berbüsse: Ein Gotteshaus im Stil der „neuen Monumentalität“, in: Waldeckische Landeszeitung, 23. April 1987
  • Klasse 11 des Gustav-Stresemann-Gymnasiums: Die Juden und ihr Friedhof in Bad Wildungen. Ein Reader, Bad Wildungen 1988
  • Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945?, Königstein 1988
  • Heike Luesse/Werner Bley: Studie zur Geschichte Bad Wildungens im Nationalsozialismus. Spurensicherung und Forschungsansätze, Kassel 1990

Weblinks

 Commons: Große Synagoge (Bad Wildungen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Synagoge in Bad Wildungen, aufgerufen am 23. Februar 2013.
51.1191549.127099
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Große Synagoge (Bad Wildungen) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.