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Gretel Bergmann
Gretel Bergmann (Margaret Bergmann-Lambert; * 12. April 1914 in Laupheim) ist eine ehemalige deutsche Leichtathletin.
Leben
Gretel Bergmann begann ihre Karriere in ihrem Heimatort Laupheim. Ab 1930 trat sie für den Ulmer Fußball-Verein 1894 (UFV) an. 1931 stellte sie bei den Süddeutschen Meisterschaften im Hochsprung mit einer übersprungenen Höhe von 1,51 m einen deutschen Rekord auf. Im April 1933 wurde sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft aus ihrem Sportverein ausgeschlossen. Daraufhin verließ sie Deutschland und nahm 1934 an den britischen Meisterschaften teil. Dabei gewann sie den Hochsprung mit 1,55 m.
Die Nationalsozialisten zwangen die jüdische Gretel Bergmann danach zur Rückkehr und zum Training für die Olympischen Spiele für Deutschland, indem sie ihrer in Deutschland verbliebenen Familie mit Repressalien drohten. Hintergrund war das Ziel der Nationalsozialisten, Deutschland als weltoffenes und tolerantes Land zu präsentieren. Entscheidend dürfte auch gewesen sein, dass die Amerikaner die Teilnahme deutscher Juden forderten, da sie andernfalls die Spiele boykottiert hätten.[1] 1935 gewann sie die württembergische Meisterschaft, 1936 stellte sie den deutschen Rekord (1,60 m) ein. Dieser Rekord wurde erst 2009 vom DLV anerkannt.[2] Kurz vor Beginn der Wettkämpfe wurde ihre Startberechtigung für die Olympischen Spiele zurückgezogen, mit der Begründung, ihr Leistungsstand sei nicht ausreichend.
Im folgenden Jahr wanderte Bergmann in die Vereinigten Staaten aus. Mit Gelegenheitsarbeiten verdiente sie sich ihren Unterhalt. 1937 heiratete sie den Arzt Bruno Lambert, der mit ihrer finanziellen Unterstützung aus Deutschland ausgewandert war. Margaret Bergmann-Lambert gewann auch in den USA die nationalen Meisterschaften im Hochsprung (1937, 1938) und im Kugelstoßen (1937). Mit dem Kriegsbeginn 1939 war ihre sportliche Karriere beendet. 1942 nahm sie die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Sie lebt in New York.
Im Jahr 1980 wurde Margaret Bergmann-Lambert in die International Jewish Sports Hall of Fame[3] aufgenommen, 1995 erfolgte die Aufnahme in die US-amerikanische National Jewish Sports Hall of Fame and Museum.[4] 1999 erhielt sie den Georg von Opel-Preis, 2012 wurde sie in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen [5], außerdem wurden Sportstätten in Berlin und Laupheim nach ihr benannt.
Biografischer Film
Im August 2008 wurde ihr Leben von der Gemini Film für das Kino verfilmt. Der Film lief am 10. September 2009 in den deutschen Kinos unter dem Titel Berlin '36 an. Die Regie führte Kaspar Heidelbach, die Rolle der Gretel Bergmann spielte Karoline Herfurth.
Darin wird auch im Rahmen künstlerischer Freiheit unter anderem eine Beziehung zu einer „Marie Ketteler“ (reale Olympiateilnehmerin: Dora Ratjen) aus dem Olympiakader dargestellt, die nach den Unterlagen so nicht stattgefunden hat.[6]
Literatur
- Gretel Bergmann: „Ich war die große jüdische Hoffnung.“ Erinnerungen einer außergewöhnlichen Sportlerin. Hrsg. v. Haus der Geschichte Baden-Württemberg, G. Braun Buchverlag, Karlsruhe 2003, ISBN 3-7650-9056-5.
- Berno Bahro/Jutta Braun: Berlin '36: Die unglaubliche Geschichte einer jüdischen Sportlerin im „Dritten Reich“. Berlin 2009, ISBN 978-3-86650-037-2.
- Bernd Bahro, Jutta Braun und Hans Joachim Teichler (Hrsg.): Vergessene Rekorde. Jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2010 ISBN 978-3-86650-038-9.
- Klaus Brinkbäumer: The German Mädel. In: Der Spiegel. Nr. 35, 2009, S. 112 (online).
- Klaus Brinkbäumer: „Ich wollte zeigen, dass ein jüdisches Mädchen die Deutschen besiegen kann.“ Spiegel online, 25. August 2009 (Interview).
Film
- Die Angst sprang mit – Die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann. (SWR, 2004, Fernsehen, Inhaltsangabe)
- Hitler's Pawn – The Margaret Lambert Story. (USA, 2004, biogr. Dokumentation)
- Berlin 36 – Die wahre Geschichte einer Siegerin (Deutschland 2009), Regie Kaspar Heidelbach, Darsteller der Gretel Bergmann ist Karoline Herfurth
Radio
- Karin Sommer: Die gestohlene Medaille. Die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann und die Olympischen Spiele von 1936, Radiosendung vom 19. März 1994, Bayerischer Rundfunk
- Natalja Kurz: Der Samstagabend aus dem Land: Deutschland verdient meinen Hass nicht mehr, Feature (59 min) vom 6. März 2004, Südwestrundfunk (SWR2)
Weblinks
- Portrait, Daten und Biografie von Margaret Bergmann-Lambert in der Hall of Fame des deutschen Sports (Link auf das „Register“, direkte Verlinkung nicht möglich)
- Hitlers unerwünschte Favoritin, DIE WELT 2004
- Nie wieder Deutschland, sportsfrauen.de, 2005
- Voices on Antisemitism Interview mit Margaret Lambert (Englisch)
- „So gut kann eine Jüdin sein, ihr Bastarde!“ DIE ZEIT 2009
- „German-Jewish high jumper reflects on career cut short by Nazis“ Haaretz, 2009
Einzelnachweise
- ↑ Tagesschaubericht zur Rückkehr (nicht mehr online verfügbar)
- ↑ DLV erkennt Bergmann-Rekord nach 73 Jahren an
- ↑ Gretel Bergmann in der International Jewish Sports Hall of Fame
- ↑ Margaret Lambert in der National Jewish Sports Hall of Fame
- ↑ faz.net: Die guten Geister
- ↑ Spiegel-online-Artikel zum Film (Zitate: „Für Forscher und Journalisten, die dem Fall Bergmann und damit auch dem Fall Ratjen nachgegangen sind, ist die Geschichte, wie sie der Kinofilm jetzt aufbereitet hat, von den Fakten nicht gedeckt.“ Der Potsdamer Historiker Berno Bahro, der für das Buch zum Film verantwortlich ist, spricht von „deutlichen Abweichungen zwischen Realität und Darstellung.“)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bergmann, Gretel |
| ALTERNATIVNAMEN | Bergmann-Lambert, Margaret; Lambert, Margaret |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-US-amerikanische Hochspringerin |
| GEBURTSDATUM | 12. April 1914 |
| GEBURTSORT | Laupheim |
| Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Gretel Bergmann aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar. |
- Mitglied der Hall of Fame des deutschen Sports
- Kugelstoßer
- Hochspringer (Deutschland)
- Britischer Meister (Leichtathletik)
- US-amerikanischer Meister (Leichtathletik)
- Person (Laupheim)
- Judentum in Laupheim
- Württemberger
- Deutscher
- Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus
- US-Amerikaner
- Geboren 1914
- Frau
