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Geschichte der jüdischen Familie Berthold Marx (Heilbronn)

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Das Relief zeigt Papierrollen, und weist auf die jüdische Papierhandlung Berthold u. Ludwig Marx im Haus hin.

Die Geschichte der jüdischen Familie Berthold Marx aus Heilbronn beschreibt das Leben, die Enteignung, Verfolgung und Ermordung der jüdischen Familie Berthold Marx (Papiergroßhandlung an der Wilhelmstraße 54) zudem die Rückerstattungsverfahren der Nachkriegszeit.

Dem Leben und Tod von Mitgliedern der Familie Berthold Marx aus Heilbronn haben sich Hans Franke,[1]


Alberto Cavaglion[2]


Susan Zuccotti widmet sich insbesondere der Flucht und dem Überleben des Sohnes Walter Marx.[3] [4]


Liliana Picciotto Fargion widmet sich dem Schicksal von Johanna Isaac.[5]


Jens Westemeier beschreibt die gesamte Familie, dessen Leben und Sterben „exemplarisch für das Schicksal Unzähliger“[6] steht.

Das im Rahmen der Arisierung unter Wert veräußerte Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Geschichte

Familie Berthold Marx

Das denkmalgeschützte Haus Wilhelmstr. 54 in Heilbronn gehörte Berthold Marx + Ludwig Marx, Papiergroßhandlung

Stammbaum

  1. Berthold Marx (geb. 1. Juni 1866 in Oberdorf, damals Kreis Neresheim; gest. 15. Januar 1943 im Ghetto Theresienstadt) Papiergroßhandlung, Wilhelmstraße 54 ∞ Emma Marx geb. Jaraczewsky (geb. 24. März 1870; gest. 25. Februar 1926 in Heilbronn)[7][8][9]
    1. Berta Eskeles geb. Marx (geb. 18. März 1895 in Heilbronn; gest. am 25./29. November 1941 im Fort IX) ∞ Hugo Eskeles (geb. 6. Februar 1888 in Offenbach; gest. am 25./29. November 1941 im Fort IX)
      1. Senta Lore Eskeles (geb. 4. Oktober 1925 in Zweibrücken; gest. am 25./29. November 1941 im Fort IX)[10][11]
    2. Ludwig Marx (geb. 8. Februar 1897 in Heilbronn; gest. 4. März 1943 in Majdanek) Papiergroßhandlung, Wilhelmstraße 54 ∞ Johanna (geb. 29. April 1900 Fremersdorf; deportiert am 7. November 1943 nach Auschwitz) wurde als Tochter von Isidor Isaac und Rosa geb. Reiss in Fremersdorf geboren.[12][13][14]
      1. Walter Herbert Marx (geb. 27. Februar 1926 in Heilbronn; in New York)
    3. Hanna Isaac geb. Marx (geb. 16. Februar 1899 in Heilbronn; in New York) ∞ Leon Isaac (geb. 5. August 1894 in Fremersdorf; gest. 16. September 1942 in Auschwitz)
      1. Werner Isaac (geb. 30. Juni 1926 in Fremersdorf; in New York)

Leben und Wirken

Das Familie Berthold Marx und seinem Sohn Ludwig Marx gehörte eine jüdische Papiergroßhandlung, die im Haus Wilhelmstraße 54 (Heilbronn) beheimatet war. Hans Franke nennt in Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn als Bewohner des Hauses auch Curt Flamm einen Lehrer, Berthold Marx‘ Tochter Hansi, die Leon Isaac aus Fremersdorf geheiratet hatte, sowie Hansi Isaacs Sohn Werner sowie Ludwig Marx‘ Sohn Walter.[15]

Flucht und Ermordung

Berthold Marx wurde am 26. Juli 1939 nach Herrlingen deportiert, wo er in das von den Geschwistern Essinger gegründete jüdische Altersheim kam. Von Herrlingen kamen die verfolgten Juden nach Oberstotzingen.[16] Dort war er im Schloss Oberstotzingen untergebracht.[17] Von dort wurde er am 22. August 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert, wo er am 15. Januar 1943 verstarb. Seine Ehefrau Emma Marx geb. Jaraczewsky war bereits am 25. Februar 1926 in Heilbronn verstorben.

Ein Teil der Familie hielt sich ab 1939 in Luxemburg auf, musste aber am 7. November 1940 nach Frankreich flüchten. Nachdem sie einer Festnahme im August 1942 entkommen konnten, flüchteten sie nach Montpellier und anschließend nach Lamalou-les-Bains (Hérault), wo Ludwig Marx im Februar 1943 jedoch von der französischen Polizei inhaftiert, in das Sammellager Drancy bei Paris gebracht und einen Monat später ins KZ Majdanek deportiert und zwei Tage nach seiner Ankunft ermordet wurde. Die Überlebenden der Familie des Berthold Marx bestanden nun aus Walter Marx, Johanna Marx und Werner Isaac. Sie konnten in die italienische Besatzungszone Frankreichs und in das südfranzösische Alpenstädtchen Saint-Martin-Vésubie flüchten, wo sich fast 1000 Juden befanden. Walter Marx, Johanna Marx und Werner Isaac bekamen Papiere und hatten sich jeden Tag bei der italienischen Militärpolizei zu melden. Mit der Kapitulation Italiens am 8. September 1943 flüchteten die Juden mit den abziehenden italienischen Truppen über die Alpen: „Es dauerte zwei bis drei Tage, bis wir die Alpen zu Fuß überquert hatten. Der Flüchtlingszug erinnerte an das Bild vom ›biblischen Exodus‹. Männer und Frauen, beladen mit Koffern und Taschen, die Babys und Kindern [sic!] trugen“.[6] Am 12. September kamen Walter Marx, Johanna Marx und Werner Isaac in Borgo San Dalmazzo an, wo sie im Gasthaus Cavallo Rosso wohnten. Nach einigen Tagen war Joachim Peiper dort. Laut Liliana Picciotto Fargion wurde die Mutter Johanna Isaac in Borgo S. Dalmazzo (CN) am 18.09.1943 von den Deutschen (»da tedeschi«) inhaftiert und in "Borgo S. Dalmazzo campo" festgehalten. Am 21. November 1943 wurde sie über das Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert, wo sie verstarb. [18]


Sohn Walter Marx entging der Deportation im November 1943, weil er im Krankenhaus war. Bis zum Ende des Krieges versteckte sich Walter Marx in den Bergen der Provinz Cuneo, wo er im Widerstand aktiv war.

Berthold Marx‘ Tochter Berta Eskeles, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter Lore in Zweibrücken und später München wohnte, wurde am 20. November 1941 von München aus nach Fort IX deportiert, wo sie am 25. November 1941 ermordet wurde. Das gleiche Schicksal erlitten ihr Ehemann Hugo Eskeles und das einzige Kind, Lore Eskeles. Ihre jüngere Schwester Hanna Isaak emigrierte Juli 1939 über England[19] in die USA, von wo aus sie zusammen mit ihrem Neffen Walter Herbert Marx die Rückübertragung des Hauses ihres Vaters beantragte.[20]

Arisierung und Rückerstattungsverfahren

Das im Dritten Reich arisierte Unternehmen und das Haus Wilhelmstraße 54 des Berthold Marx waren in der Nachkriegszeit Gegenstand eines Rückerstattungsverfahrens, das durch Berthold Marx‘ Tochter – die Witwe Hannchen Isaac geb. Marx – und durch Berthold Marx‘ Enkelsohn Walter Herbert Marx – alle wohnhaft in New York – geführt wurde.[21]

Stolpersteine

Laut Liliana Picciotto Fargion war Ludwig Marx mit Johanna Isaac verheiratet, die aus der jüdischen Gemeinde Rehlingen-Siersburg, Kreis Saarlouis bestehend aus Rehlingen mit Büren, Fremersdorf, Itzbach und Siersdorf, stammte. „Seit Mai 2010 wurden in Rehlingen-Siersburg "Stolpersteine" zur Erinnerung an die in der NS-Zeit Umgekommenen verlegt […] In Rehlingen-Siersburg werden heute zehn weitere "Stolpersteine" in die Gehsteige eingelassen. “[22][23]


Berthold Marx‘ Tochter Hanna war mit Leon Isaac aus Fremersdorf verheiratet, der aus der jüdischen Gemeinde Rehlingen-Siersburg stammte. „Seit Mai 2010 wurden in Rehlingen-Siersburg "Stolpersteine" zur Erinnerung an die in der NS-Zeit Umgekommenen verlegt […] In Rehlingen-Siersburg werden heute zehn weitere "Stolpersteine" in die Gehsteige eingelassen. “[24]Die Deportation der Geschwister Isaac, die über das Sammellager Drancy nach Ausschwitz deportiert wurden in die Heilbronner Familie Marx eingeheiratet hatten beide bei der Flucht über Luxemburg in der NS-Zeit umkamen stammen die Angaben aus den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945. [25]

Literatur

  • Alberto Cavaglion: Nella notte straniera : gli ebrei di S. Martin Vésubie e il campo di Borgo S. Dalmazzo, 8 settembre-21 novembre 1943, L'arciere, Cuneo 1981, OCLC 9098012, S. 132–158.
  • Liliana Picciotto Fargion:Il libro della memoria: gli ebrei deportati dall'Italia (1943-1945), Mursia, Milano 1991, OCLC 27897479, S. 351.
  • Hans Franke: Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn. Vom Mittelalter bis zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgungen (1050–1945). Heilbronn 1963 (= Veröffentlichungen des Archivs Heilbronn. Heft 11), OCLC 600889368, S. 137, 286, 308, 347, 348, 358, 363.
  • Jens Westemeier: Himmlers Krieger: Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit. (= Dissertation, Universität Postdam 2009) Ferdinand Schöningh, Paderborn 2014, ISBN 978-3-506-77241-1, S. 268f.
  • Susan Zuccotti: Holocaust Odysseys: The Jews of Saint-Martin-Vésubie and Their Flight through France and Italy. Yale University Press, New York 2007, ISBN 978-0-3001-2294-7, S. 229f.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Franke, S. 137, 286, 308, 358, 363.
  2. Alberto Cavaglion:Nella notte straniera : gli ebrei di S. Martin Vésubie e il campo di Borgo S. Dalmazzo, 8 settembre-21 novembre 1943, L'arciere, Cuneo 1981, OCLC 9098012, S. 132–158.
  3. „Marx, Walter - born in Heilbronn, Germany in 1926 to Johanna Isaac and Ludwig Marx, Germans […] Walter escaped deportation in November because he was in the hospital. Until the end of the war, he hid in the mountains of the province of Cuneo, where he was active in the Resistance.“

    Susan Zuccotti: Holocaust Odysseys: The Jews of Saint-Martin-Vésubie and Their Flight through France and Italy. New York 2007, S. 229f.
  4. online
  5. Liliana Picciotto Fargion:Il libro della memoria :gli ebrei deportati dall'Italia (1943-1945), Mursia, Milano 1991, OCLC 27897479, S. 351:

    „ISAAC JOHANNA, nata a Fremersdorf in Germania il 29.04.1900, figlia di Isidoro e Reiss Rosa, conjugata con Marx Lodovico. Ultima residenza nota: Francia meridionale. Arrestata a Borgo S. Dalmazzo (CN) il 18.09.1943 da tedeschi. Detenuta a Borgo S. Dalmazzo campo. Deportata da Borgo S. Dalmazzo il 21.11.1943 ad Auschwitz via Drancy […]“

    Liliana Picciotto Fargion:Il libro della memoria :gli ebrei deportati dall'Italia (1943-1945), Mursia, Milano 1991, OCLC 27897479, S. 351.
  6. 6,0 6,1 Jens Westemeier: Himmlers Krieger:Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit. S. 268. (online)
  7. Daten von Berthold und Emma Marx geb. Jaraczewsky auf steinheim-Institut.de
  8. Daten von Berthold Marx auf stadtgeschichte-Heilbronn.de
  9. Daten von Berthold Marx auf Bundesarchiv.de
  10. Daten zu Berta Eskelses geb. Marx auf Bundesarchiv.de
  11. Daten von Berta, Hugo und Lore Eskeles auf holocaustcontroversies.yuku.com
  12. Liliana Picciotto Fargion:Il libro della memoria :gli ebrei deportati dall'Italia (1943-1945), Mursia, Milano 1991, OCLC 27897479, S. 351.
  13. Daten von Johanna Marx auf Bundesarchiv.de
  14. Daten von Ludwig Marx auf Bundesarchiv.de
  15. Franke, S. 371.
  16. Franke, S. 347.
  17. Franke, S. 348.
  18. Liliana Picciotto Fargion:Il libro della memoria :gli ebrei deportati dall'Italia (1943-1945), Mursia, Milano 1991, OCLC 27897479, S. 351
  19. Franke, S. 358.
  20. Signatur B033-460 in der Datenbank HEUSS (Rückerstattungsverfahren für das Gebäude Wilhelmstraße 54; Vorb.: Berthold Marx)
  21. Signatur B033-460 in der Datenbank HEUSS (Rückerstattungsverfahren für das Gebäude Wilhelmstraße 54; Vorb.: Berthold Marx)
  22. Jüdische Gemeinde Rehlingen-Siersburg, Kreis Saarlouis bestehend aus Rehlingen mit Büren, Fremersdorf, Itzbach und Siersdorf. auf alemannia-judaica.de: „Aus Fremersdorf sind umgekommen: Leon Isaac (1894), Johanna Marx (1900).“
  23. „Pressemitteilung vom 7. April 2011: "Rehlingen-Siersburg: Gemeinde erhält neue "Stolpersteine". In Rehlingen-Siersburg werden heute zehn weitere "Stolpersteine" in die Gehsteige eingelassen. “ auf alemannia-judaica.de
  24. Jüdische Gemeinde Rehlingen-Siersburg, Kreis Saarlouis bestehend aus Rehlingen mit Büren, Fremersdorf, Itzbach und Siersdorf. auf alemannia-judaica.de: „Aus Fremersdorf sind umgekommen: Leon Isaac (1894), Johanna Marx (1900).“
  25. Beschreibung der Deportationen der Geschwister Isaac aus Fremersdorf, eingeheiratet in die Heilbronner Familie Marx auf Bundesarchiv.de

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