Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzy­klo­pädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

How to read Jewiki in your desired language · Comment lire Jewiki dans votre langue préférée · Cómo leer Jewiki en su idioma preferido · בשפה הרצויה Jewiki כיצד לקרוא · Как читать Jewiki на предпочитаемом вами языке · كيف تقرأ Jewiki باللغة التي تريدها · Como ler o Jewiki na sua língua preferida

Friedlich in die Katastrophe

Aus Jewiki
Version vom 1. Juli 2023, 02:52 Uhr von Techniker (Diskussion | Beiträge) (Neu: Artikel)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Filmdaten
OriginaltitelFriedlich in die Katastrophe
ProduktionslandWest-Deutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2012
Länge125 Minuten
Stab
RegieMarcin El
DrehbuchMarcin El (Drehbuch),
Holger Strohm (Autor)
ProduktionHolger Strohm
Musikriccicomoto (Enrico Regini)
KameraMarcin El, Florian Pristouschek, Bryan Smith
SchnittMarcin El

Der Film Friedlich in die Katastrophe – Ein Plädoyer für das Überleben (in der englischsprachigen Version als Quietly into Disaster – A Plea for Survival) ist eine zweistündige Dokumentation über die Nutzung der Kernenergie, wobei Marcin El die Regie führte und gemeinsam mit dem Autor Holger Strohm, der gleichzeitig als Produzent fungierte, ein informatives Filmwerk vorstellte, das eine aufklärerische Wirkung entfaltet.[1]

Hintergrund

Die Sprecher im Film sind Eva Mattes und Gunter Schoß. Einige Studenten haben an der Produktion des Films ehrenamtlich mitgearbeitet. Der Film wurde ab 12 Jahren freigegeben, weil es bestimmte Szenen gibt, die jüngeren Kindern nicht zugemutet werden dürfen. Das 1360 Seiten lange Werk von Holger Strom ist ein umfassendes Sachbuch, das damals von den Verlagen nicht gedruckt wurde. Dieser entschied sich dann dafür, sein Buch selbst zu drucken und wurde dabei von dem Kleinverlag "Association" unterstützt. 1981 konnten dann über 130.000 Exemplare des Buches verkauft werden.

Strohm wurde nach der Publizierung seines Buches heftig kritisiert und aus der SPD ausgeschlossen, obwohl er bei Wahlen als einer der Spitzenkandidaten vorgesehen gewesen ist. Der auf dem Sachbuch basierende Dokumentarfilm wurde 40 Jahre später nach dreijähriger Vorarbeit in einem Studio in Hamburg mit einem Budget von rund 100.000 Euro produziert. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace unterstützte die Produktion und einige deutsche Fernsehsender wollten ebenfalls mitwirken, weshalb dieselben eigens zu diesem Zweck kürzere Filmszenen zur Verfügung stellten.[1]

Inhalt

Der Film Friedlich in die Katastrophe warnt vor der Nutzung der Kernenergie nach der Atomreaktorkatastrophe von Fukushima. Es gibt bis heute keinen vergleichbaren Film, der sich so detailreich mit allen Aspekten der Nutzung der Atomkraft auseinandersetzt. Die Nutzung soll friedlich, ökonomisch, physikalisch, sozial und politisch sein. Es werden hier wirtschaftliche und politische Zusammenhänge analysiert, sowie die Funktionsweise der unterschiedlichen Typen von Atomkraftwerken beschrieben. Die ganze Technik des atomenergetischen Tätigkeitkomplexes wird ebenfalls deutlich geschildert. Außerdem stellen der Regisseur Marcin El und der Produzent Holger Strohm die Folgen radioaktiver Strahlung für Natur und Mensch ausführlich und umfassend dar. Die Nutzung der Atomkraft ist nämlich mit vielen Unfallrisiken verbunden.

Weitere Aspekte wie der Umweltschutz, die Politik und Energieversorgung werden ebenso thematisiert, sodass den Zuschauern mehrere Perspektiven und vielseitige Aspekte aufgezeigt werden. Die Dokumentation wurde produziert, um der Allgemeinbevölkerung, was mit dem Planeten Erde momentan tatsächlich passiert und das grundlegende und umfassende Veränderungen zum gemeinnützigen Vorteil nur durch enge Kooperation auf Grundlage einer umsichtigen Übereinkunft durchführbar sind. Die Dokumentation ist ein Aufruf zur Überwindung des individuellen und kollektiven Bösen in all seinen lasterhaften Ausdrucksweisen, wie beispielsweise Gier und Habsucht, um die Menschheit zu retten. Strohm bezeichnet in seinem Werk die menschliche Spezies als "Unmenschen" und vermittelt den Eindruck eines authentischen Apokalyptikers.

Zwanzig Spezialisten helfen dem Autor und tun während der Dokumentation ihre ebenfalls Meinungen kund. Eine Reihe von Talking Heads können von den Zuschauern also beobachtet werden. Hochwertiges Archivmaterial, wie etwa historische Aufnahmen werden auch immer wieder eingestrahlt. Experten wie Karl Bechert, die Umweltministerin Bärbel Höhn, der Fotograph Günter Zins und der Nobelpreisträger Robert Jungk, sowie der Strahlenbiologe Edmund Langfelder nehmen im Verlauf des Films ebenfalls Stellung. Während der Dokumentation wurde auch Jürgen Trittin interviewt und nach seiner Meinung zur Atomkraft gefragt.[1]

Kritiken und Fazit zum Film

Wie bei der öffentlichen Wahrnehmung der kritischen Darstellung eines umstrittenen Thematik, wurden Versuche unternommen sowohl den Film als auch den Strohm zu diskreditieren. Holger Strohm war der erste Kritiker der Atomindustrie, der richtig ernst genommen wurde. Dennoch ist der Film Friedlich in die Katastrophe die beste Darstellung über die spezifischen Risiken der friedlichen Nutzung der Atomkraft. Es wurden bereits mehrmals Versuche unternommen, den Kritiker mundtot zu machen, doch Strohm blieb in seiner Eigenschaft als Aktivist und Kritiker standhaft.

Die Dokumentation wurde bis in die unmittelbare Gegenwart nur selten ausgestrahlt, wobei die Ursache hierfür nicht abschließend geklärt ist. Obwohl es sich hier um einen Katastrophenfilm handelt, findet er dennoch keinen Verleih. Aus diesem Grund engagierte sich Strohm eigentätig und hat seinen Film in Einzelvorstellungen in über 200 Städten vorführen lassen. Im Eigenversand von Strohm kann der Film sogar als DVD gekauft werden. Die geringe positive Resonanz der Dokumentation innerhalb der Gesellschaft ist vermutlich darauf, zurückzuführen, dass der Film ein ernsthaftes Thema zum Gegenstand hat und dasselbe darin objektiv darstellt wird.

Der Film Friedlich in die Katastrophe ist aufgrund der beunruhigenden Eindrücke und Informationen geistig schwer aufzunehmen und zu verarbeiten. Das war jedoch das Ziel, weil die Öffentlichkeit dazu angeregt werden soll, über die Zukunft künftiger Generationen nachzudenken. Die Dokumentation vermittelt einen seriösen und glaubhaften Eindruck, wobei jedoch Strohm als Protagonist des Films wegen seiner Angespanntheit kein Vertrauen beim Publikum erweckt. Er wurde als zwiespältig wahrgenommen, weil er die Politik verbal angreift und dabei bisweilen sogar beleidigend wirkt. Strohm hätte aufgrund seines öffentlichen Rufs als Verschwörungstheoretiker sich lediglich als Produzent des Films betätigen sollen.[1]

Buch und Autor

Holger Strohm studierte Fertigungstechnik in Berlin, Business Administration in Toronto und Göteborg sowie Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg. Er arbeitete als Lehrer und war in der Industrie als Angestellter sowie als Organisations- und Industrieberater tätig. 1971 schrieb er mit Friedlich in die Katastrophe sein erstes Sachbuch über die Gefahren der Atomenergie, dem der Historiker Joachim Radkau bescheinigt, dass es einen "erheblichen Niveausprung in der bundesdeutschen Kernkraft-Kritik" darstellte.

„Der Stern nannte es "die Bibel der Anti-Atomkraft-Bewegung", und bis heute gibt es kein vergleichbares Buch auf der Welt, das sich derart umfassend mit allen Aspekten der "friedlichen Nutzung" der Atomkraft auseinandersetzt – den physikalischen, ökonomischen, ökologischen, politischen und sozialen. Für die Anti-AKW-Bewegung war das Werk unerlässliches Handwerkszeug für die Argumentation.

Mit beeindruckender Detailkenntnis analysiert Holger Strohm politische und wirtschaftliche Zusammenhänge, beschreibt minuziös die Technik und Funktionsweise der verschiedenen Typen von Atomkraftwerken, erklärt die Folgen radioaktiver Strahlung für Mensch und Natur und weist auf Unfallrisiken hin. Ausführlich geht er auf Sicherheitsmaßnahmen, Strahlenschutz und die Endlager-Problematik ein und zeigt mögliche Alternativen zur Atomkraft auf. Wer dieses Buch gelesen hat, kann unmöglich noch für Atomkraft sein.“

[2]

Nachdem die Publizierung seines Buches von über 80 Verlagen abgelehnt wurde, veröffentlichte Strohm es zunächst im Privatdruck und dann im Kleinverlag Association. Von der 1981 bei Zweitausendeins erschienenen Neuausgabe wurden schnell 130.000 Exemplare verkauft.

Einzelnachweise

Siehe auch

Netzverweise

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Friedlich in die Katastrophe aus der freien Enzyklopädie WikiMANNia. Der WikiMANNia-Artikel steht unter der Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0). In der WikiMANNia ist eine Liste der Autoren verfügbar, die vor Übernahme in Jewiki am Text mitgearbeitet haben.