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Eva Warburg

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Eva Warburg (* 31. Dezember 1912 in Hamburg) war eine deutsche Kindergärtnerin, die nach der Kristallnacht mithalf, mehrere Hundert jüdische Kinder aus Deutschland nach Schweden zu schaffen, von wo aus sie nach Palästina auswandern sollten. Seit ihrer Heirat im Jahre 1946 trägt sie den Namen Unger-Warburg.

Leben

Eva Warburg ist eine von drei Töchtern des Ehepaares Anna und Fritz Warburg und Teil der Warburg-Familie. Sie war seit 1946 mit dem 1909 geborenen Naftali Unger († 1987) verheiratet.[1]

Eva Warburg konnte am 31. Januar 2012 ihren einhundertjährigen Geburtstag feiern.[2] An dieses Ereignis erinnerte die Schule, die in Hamburg den Namen ihrer Mutter trägt und der Eva Unger-Warburg, eng verbunden blieb.[3]

Obwohl es viele Hinweise auf Eva Warburgs Aktivitäten zum Überleben jüdischer Kinder gibt, sind biografische Daten über sie nur vereinzelt vorhanden. Anne E. Dünzelmanns kurzer Abriss aus dem Jahr 2015 ist fast schon das Kompexeste, was man über Eva Warburg Leben in Erfahrung bringen kann: „Tochter von Anna und Fritz Warburg [..] aus Hamburg und von Beruf Kindergärtnerin. Reiste nach der Pogromnacht 1938 nach Stockholm und arbeitete dort für die Jüdische Gemeinde. War Mitarbeiterin des Hilfsvereins deutscher Juden* und kümmerte sich um die Kinderalijah bzw. Kindertransporte nach Schweden (vgl. Klas Back). 1945 wanderten sie und ihr Mann nach Palästina aus. Lebt aktuell in Rehovot/Israel.“[4]

Eva Warburgs Schwestern sind Ingrid Warburg Spinelli und Noni Warburg, die 1939 an der Quäkerschule Eerde ihr Examen abgelegt hatte und anschließend in einem von den Quäkern betreuten Kindergarten in Stockholm arbeitete. Im Gegensatz zu Ingrid, die bis zu ihrem Tod in Rom lebte, übersiedelten die beiden anderen Schwestern nach Israel.

Die Kinder von Blankenese ist ein deutsches TV-Dokudrama aus dem Jahr 2010. Ort der Handlung ist das sogenannte „Weiße Haus“ der Familie Warburg in Hamburg-Blankenese. „Der gesamte Besitz auf dem Kösterberg in Blankenese wurde während der nationalsozialistischen Herrschaft requiriert. [..] Nach Beendigung des 2. Weltkrieges erhielt Erik Warburg, zurückgekehrt aus dem Exil, die Besitztümer auf dem Kösterberg wie u.a. das Weiße Haus zurück. Für die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen, die als Überlebende in den Konzentrationslagern (insbesondere Bergen-Belsen) durch die alliierten Truppen befreit worden waren, stellte die Familie Warburg von 1946–1948 das Weiße sowie das Rote Haus zur Verfügung.[5] Im Weißen Haus, auch bekannt als Warburg Chiidrens Health Home erfuhren die aus dem KZ befreiten Kinder „Zuwendung und Wärme. Ihre Erzieher und Erzieherinnen umarmten sie, küßten sie, kämmten ihnen ihre Haare, umhegten und versorgten die verängstigten Kinder. Die meisten von ihnen haben diese Zärtlichkeit nie vergessen. In Israel gründeten sie einen Verein und hielten immer Kontakt zu Eva Warburg-Unger, der Cousine von Eric Warburg, die sie betreute und heute in Israel lebt.“[6]

Hilfe für verfolgte jüdische Kinder in Schweden

Die schwedische Politik gegenüber Juden, die nach Schweden einreisen wollten, war eher restriktiv:

„Until 1939, the care and support of refugees was seen entirely as the responsibility of the organization or individual who had provided authorities with the guarantees made on behalf of the refugees. [..] Jewish refugees were seen primarily as the responsibility of Sweden’s small Jewish communities. In 1933, there were approximately 7,000 Jews in Sweden, 4,000 of whom lived in Stockholm. Because membership in a religious congregation was mandatory according to Swedish law, all Jews with Swedish citizenship belonged to one of the official Jewish communities. All of the major communities created their own relief committees to raise and distribute funds for Jewish victims of Nazi persecution.
Despite Sweden’s restrictive immigration policy, local Jewish representatives managed to negotiate a few concessions. The first was a transmigration quota that allowed for temporary residence permits to be given to young Jews who did their agricultural re-training on Swedish farms. The program was run by the Zionist Hechaluz movement and gave the youth the work experience required to obtain immigration certificates to Palestine. The second was a similar quota for German Jewish school children who attended the Landschulheim Kristinehov boarding school.[7]

Gleichwohl war noch 1938 der damalige schwedische Außenminister der Meinung, der Zuzug jüdischer Menschen „könnte ‚die öffentliche Meinung im Land negativ beeinflussen.‘ Darin unterstützt wurde er durch die Jüdische Gemeinde in Stockholm, ‚die mit ihren, als minderwertig angesehnen Glaubensgenossen aus dem Osten nichts zu tun haben wollte‘, so Weiss. Trotzdem durfte nach 1939 ein Kontingent von 400 Juden in Schweden einreisen, ausgehandelt von Cora Berliner von der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland. Ebenso konnten dank der Bemühungen von Eva Warburg 450-500 deutsch-jüdische Kinder aufgenommen werden.“[8]

Eva Warburg lebte 1938 bereits in Schweden und kümmerte sich insbesondere um die Minderjährigen im Rahmen der Kinder- und Jugendalija. Wie bei den Kindertransporten nach England hatten sich auch in Schweden „jüdische Spender und die jüdische Gemeinde als Bürgen für die Kinder zur Verfügung gestellt. Den Eltern sollte dadurch die Ausreisemöglichkeit in ein Exilland erleichtert werden. Die Jugendlichen der Kinder- und Jugendalija waren zwar auf der Kinderquote ins Land gekommen, sollten jedoch, anstatt in einem Exilland mit ihren Eltern wiedervereint zu werden, zusammen mit anderen Jugendlichen in Kibbuzim nach Palästina auswandern. Ein großer Teil von ihnen war in einem von Eva Warburg initiiertem Heim in der Nähe der Stadt Falun untergebracht worden. Dort arbeiteten die meisten bei den Bauern der Umgebung. Sie wohnten und lernten allerdings gemeinsam im Heim, was dadurch einem Kibbuz glich.“[9]

Doch nicht für alle dieser etwa 500 Kinder und Jugendlichen, die mit Eva Warburgs Unterstützung nach Schweden gekommen waren, gab es auch die Perspektive einer Auswanderung nach Palästina. Gleichwohl grenzte es bereits an ein Wunder, „dass die Jewish Agency die gesteigerte Gefahr für die Kinder in Schweden realisiert hatte und entgegen ihrer bisherigen Politik insgesamt großzügig 95 der von ihr im Auftrag der Mandatsregierung verwalteten Zertifikate für die Einreise nach Palästina auf einmal für die Jugendlichen in Schweden erteilte.“[9] Doch damit war die tatsächliche Ausreise noch immer nicht gesichert. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte nämlich weitreichende Folgen für die Auswanderung aus Schweden. Kommunikations- und Reisewege waren plötzlich drastisch eingeschränkt und verursachten hohe Kosten, denn faktisch stand „nur noch der sehr beschwerliche und zudem sehr teure Landweg über die Sowjetunion“ offen, und die dafür benötigten Mittel von jüdischen Netzwerken in Westeuropa oder den USA konnten nach dem deutschen Westfeldzug nicht mehr transferiert werden.[9] Eva Warburg versuchte, diesen Wegfall der ausländischen finanziellen Unterstützungen durch eine erhöhte Spendenbereitschaft der jüdischen Gemeinde in Stockholm zu kompensieren. Allerdings waren deren finanzielle Ressourcen schon ziemlich erschöpft, weshalb Eva Warburg argumentierte, durch die Ausreise der Kinder und Jugendlichen würden eben auch Mittel frei, die bisher für deren Unterbringung in Schweden benötigt worden seien. Durch diese Gegenrechnung – eingesparte Aufenthaltskosten in Schweden versus Reisekosten für den Transfer nach Palästina – konnte Eva Warburg überzeugen.[9]

Nachdem die Finanzierung der Ausreise nach Palästina gesichert war, taten sich andere schwerwiegende Hindernisse auf. „Neben den Kosten gestaltete sich die Visaerteilung als größtes Hindernis. Auf der geplanten Route wurden Visen für Litauen, die Sowjetunion, die Türkei und Syrien benötigt. Insbesondere die türkische Regierung schien zögerlich gewesen zu sein. In Ankara bestand man auf schriftlichen Garantien, dass alle anderen Länder Durchgangsvisen erstellt hatten. Das syrische Visum hing jedoch vom türkischen ab. Nicht nur Chaim Weizmann, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, setzte sich persönlich beim türkischen Botschafter in London ein, die Jewish Agency schickte einen eigenen Vertreter nach Istanbul.“[9] Entsprechend „den seit 1938 geltenden türkischen Bestimmungen war Juden aus Ländern mit judenfeindlicher Gesetzgebung (das waren inzwischen die meisten Staaten Ost- und Südosteuropas) eine Einreise in oder der Transit durch die Türkei generell verboten. Ausnahmegenehmigungen bedurften einer Entscheidung der türkischen Regierung. [..] Die Tatsache, dass jede Transitgenehmigung einen eigenen Beschluss des gesamten türkischen Kabinetts erforderte, unterstreicht, wie schwierig der Transit für größere Zahlen von Flüchtlingen durch die Türkei war.“[10]

Guttstadt erwähnt, dass im August 1940 von der türkischen Regierung „ein Transitvisum für die Durchreise einer Gruppe von 450 deutsch-jüdischen Kindern und Begleitern [gewährt worden sei], die im Dezember stattfand“[11], die von Eva Warburg betreuten Kinder und Jugendlichen aus Schweden waren aber offensichtlichg nicht darunter. Ende September 1940 lag in Stockholm noch kein Transitvisum für die Türkei vor, und bis heute herrscht keine Klarheit darüber, ob die Gruppe Schweden tatsächlich noch verlassen hat.

„Darüber, ob die Kinder letztlich wirklich nach Palästina gelangten, gibt uns die Quelle selbst keinen Aufschluss. In den Aufzeichnungen der jüdischen Gemeinde Stockholm und ihres Hilfskomitees finden sich für die Zeit nach Oktober 1941 keine Berichte über die Ausreise einer so großen Anzahl von Kindern und Jugendlichen und Hälsinggården wurde nicht aufgelöst. Im Gegenteil, der Kibbuz wuchs sogar weiter an, als die Chaluzim aus Dänemark im Oktober 1943 nach Schweden kamen. [..] Es ist zu hoffen, dass es einigen nach der Befreiung Europas 1945 gelang, doch noch nach Palästina auszuwandern.[9]

Das in dem Zitat erwähnte Kibbuz Hälsinggården war ein Projekt, das Eva Warburg in der Zeit des Wartens auf das Transitvisum gestartet hatte. Es sollte eine Zweiganstalt der Jugendalija werden und war vermutlich auch zu einem Teil der Resignation über die sich hinziehenden Visaverhandlungen geschuldet.[9][12]

Werke

  • Eva Unger Warburg; Philip Warburg: From Mittelweg to the Middle East. Warburg family migrations to Israel. Warburg family reunion, Mohonk Mountain House, Rehovot, 1999. Nachweis ausschließlich im WordCat: From Mittelweg to the Middle East. Der Titel spielt an auf die Wohnung Mittelweg 17 in Hamburg, in der Eva Warburg einen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbrachte.

Literatur

  • Pontus Rudberg: Sweden and Jewish Refugees from Nazi Germany, 1933–1939, in: International Holocaust Remembrance Alliance (Ed.): Bystanders, Rescuers or Perpetrators? The Neutral Countries and the Shoah, Metropol Verlag & IHRA, Berlin, 2016, ISBN 978-3-86331-287-9, S. 65–76. Dieses Buch ist komplett online einsehbar unter Bystanders, Rescuers or Perpetrators? The Neutral Countries and the Shoah. Umfassender mit der Thematik hat sich Rudberg in seiner 2015 veröffentlichten Dissertation auseinandergesetzt:
  • Pontus Rudberg: The Swedish Jews and the victims of Nazi terror, 1933–1945, Studia historica Upsaliensia, Band 253, Uppsala Universitet, Uppsala 2015, ISBN 9789155493585.
  • Corry Guttstadt: Die Türkei, die Juden und der Holocaust, Assoziation A, Berlin und Hamburg, 2008, ISBN 978-3-935936-49-1.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Eva Warburg & Naftali Unger
  2. Auf den Spuren der Namenspatronin
  3. Anna-Warburg-Schule gratuliert Eva Unger-Warburg zum 100. Geburtstag
  4. ANNE E. DÜNZELMANN: STOCKHOLMER SPAZIERGÄNGE, S. 64. Auf youtube gibt es – in hebräischer Sprache – ein über einstündiges Interview mit Eva Unger-Warburg aus dem Jahre 2014.
  5. Geschichte des Weißen Hauses in Blankenese
  6. Die Kinder von Blankenese
  7. Pontus Rudberg: Sweden and Jewish Refugees from Nazi Germany, 1933–1939, S. 68–69
  8. ANNE E. DÜNZELMANN: STOCKHOLMER SPAZIERGÄNGE, S. 6
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 9,4 9,5 9,6 Clemens Maier-Wolthausen: Eine unmögliche Reise (Weblink)
  10. Corry Guttstadt: Die Türkei, die Juden und der Holocaust, S. 237
  11. Corry Guttstadt: Die Türkei, die Juden und der Holocaust, S. 237
  12. Die Geschichte des Kibbuz Hälsinggården war Gegenstand des Films „Der Kibbuz in Falun“, über den die Zeitung DAGEN am 29. Januar 2009 berichtete und in dem auch Eva Warburg zu Wort kam. Kibbutzen i Falun blev en fristad för 60 judiska barn (Der Kibbuz in Falun wurde ein Hafen für 60 jüdische Kinder)
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