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Enzo Sereni
Enzo Chaim Sereni (hebräisch אֶנְצוֹ חיים סֶרֶנִי, geboren am 17. April 1905 / י"ב בניסן תרס"ה in Rom; ermordet am 18. November 1944 im KZ Dachau) war ein italienischer Zionist, einer der Gründer von Givat Brenner und ein heldenhafter Fallschirmjäger. Als Pazifist war er um die friedliche Koexistenz von arabischen und jüdischen Bürgern Palästinas bemüht.
Leben (Übersicht)
Enzo Sereni wuchs in einer traditionsreichen assimilierten jüdischen Familie auf. Sein Vater, Prof. Schmuel Sereni, Mediziner und Histologe, war als Arzt unter anderem für den italienischen König Viktor Emanuel III. tätig. Enzo Serenis Onkel, der Jurist und Rechtsanwalt Angelo Sereni, war 35 Jahre lang Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde von Rom und gehörte zu den bedeutendsten zionistischen Geschäftsleuten in Italien. Er war ein hochrangiges Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens, diente zweimal als Minister in der italienischen Regierung und wurde 1948 zum Senator gewählt.
Enzo Sereni besuchte mit Auszeichnung eine städtische Schule in Rom und setzte seine Schulbildung am Visconti-Gymnasium fort. Im Juli 1922 begann er ein Studium der Philosophie an der Universität La Spezia, Ligurien. Nach seinem Examen an der Universität Rom wanderte Enzo Sereni mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter Hannah am 17. Februar 1927 nach Palästina aus.[1] Zunächst wohnten sie bei ihrem Bekannten Moshe Beilinson in Tel Aviv und dann in Rechovot, wo sie sich der Kibbuz- und der Gewerkschaftsbewegung der Histadrut anschlossen. Sie gehörten 1928 zu den Mitbegründern des Kibbuz Givat Brenner.[1]
1931 ging Sereni als britischer Gesandter nach Deutschland, um die deutsch-jüdische Jugend zur Einwanderung ins Land Israel zu bewegen.[1] Mit seiner Familie siedelte Sereni Mitte der 1930er Jahre nach New York über, wo sie in einer zionistischen Kommune am Riverside Drive lebten.[1] Von dort kehrten sie nach Givat Brenner zurück.[1]
1942 reiste er nach Bagdad, vorgeblich, um eine Verbindung zwischen dem Solel-Boneh-Büro[2] im Irak und der britischen Armee herzustellen. Seine eigentliche Aufgabe war es, zionistische Gruppen im Irak zu lokalisieren und aufzubauen, eine Gruppe von Hechaluz-Beratern und angegliederter Jugendorganisationen auszubilden, Hebräischunterricht für diese Jugendlichen zu erteilen sowie die Einwanderung geeigneter Jugendlicher zu organisieren und die Selbstverteidigung der dortigen jüdischen Gemeinschaften zu sichern.
1943 schloss er sich den Soldaten aus Erez Israel an, die in Süditalien kämpften, und war einer der ersten Juden, der sich mit den Juden von San Nicandro traf, mit denen es eine besondere Bewandtnis hatte: Es handelte sich um eine grössere Anzahl von ursprünglich christlichen Familien, die im Judentum die wahre Religion erblickten und geschlossen zum Judentum übertraten oder übergetreten waren.[3]
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs hatte er sich zu den britischen Streitkräften gemeldet und war nach Einsätzen in Ägypten und dem Irak als Fallschirmspringer der Special Operations Executive (SOE) ausgebildet worden.[1] Am 15. Mai 1944, im Alter von 39 Jahren, sprang er im deutsch besetzten Norditalien ab, um einen gemeinsam von der Jewish Agency und der SOE geplanten Einsatz auszuführen. Er hatte trotz der Einwände der Leiter seiner hebräischen Siedlung in Eretz Israel mit einer Gruppe von Fallschirmjägern den von ihm selbst organisierten Yishuv in Richtung des besetzten Europa verlassen, um dort Partisanengruppen zur Selbstverteidigung zu organisieren. Er wurde schliesslich von deutschen Einheiten gefasst, in ein Arbeitslager verbracht und später im KZ Dachau auf besonderen Befehl erschossen.[4]
Sereni war verheiratet mit Ada Ascarelli (1905–1998), die 1945 bis 1948 die 38 Alija-Bet-Flüchtlingsschiffe aus Italien organisierte. Gemeinsam hatten sie drei Kinder: Hannah (* 1926), Hagar (* 1927) und Daniel (1931–1954). „Im Juli 1954 fand zum Gedenken an Enzo Sereni und andere Fallschirmjäger am Ufer des Sees Genezareth in der Nähe des Kibbuz Ma‘agan ein Staatsakt statt. Eine Piper-Maschine, die an einer Luftschau teilnahm, stürzte in die Menge. Unter den Toten waren Daniel Sereni, Enzos und Adas Sohn, und seine Frau.“[5]
Frühe schriftstellerische Aktivitäten
Schon früh zeigte Enzo Sereni seine sprachliche und literarische Ausdrucksfähigkeit: in seinen Notizen, in Romanen, Gedichten und Theaterstücken. Sein erstes Buch trug den Titel "Gute Jungs" (נערים טובים) und schilderte seine Kindheit in Rom. Er begann auch bald, ein Tagebuch zu führen. Im einleitenden Teil seines Tagebuchs beschrieb er sich selbst als „ein wenig romantisch, gutmütig, freundlich und sozialistisch“ – Eigenschaften, die sich in seiner Zukunft noch deutlicher zeigen sollten. Er beschäftigte sich auch mit lateinischen Übersetzungen und übertrug Werke des Horaz. Auch verfasste er Liebeslieder in Bezug auf manche junge Frau, die er sah, kannte oder hörte.
Nach der Bar Mizwa begann er mit umfangreichen literarischen Werken, einem heroischen Gedicht über Garibaldi, einem Roman namens "Die Pflicht", eine Novelle mit dem Titel "Die drei Schwestern", einem Theaterstück "Sehnsüchte“ ... die Themen waren immer groß und erhaben: Liebe, Verrat und Heldentod. Er nahm an einem Wettbewerb der Schriftstellervereinigung teil und veröffentlichte eine Auswahl seiner Gedichte unter dem Titel "Lieder von Finsternis und Licht".
Zionistische Aktivitäten
Enzo Serenis ersten Kontakt mit der zionistischen Bewegung erhielt er durch seinen Bruder, der die italienische Delegation einer Konferenz organisierte, die das Schicksal des Landes Israel diskutierte. Die zionistische Bewegung stimmte zu, dass sich zwei Vertreter des italienischen Judentums einer von Chaim Weizmann angeführten Delegation anschließen würden, was in Abstimmung mit der italienischen Regierung geschah, die dieses als eine nicht ungefährliche Entwicklung ansah.
Am Ende des Krieges schloss sich Sereni einer Jugendbewegung in Rom namens „Giornalino“ an – einer nichtjüdischen Jugendbewegung, deren Mitglieder allerdings meist Juden waren. Erklärtes Ziel der Bewegung war es, den Bürgern ein Nationalgefühl sowie Wissen über die demokratische Verfasstheit des Staates zu vermitteln.
Sein nächster Kontakt mit der zionistischen Bewegung war 1921, als er Deutschland und Österreich bereiste; dort erfuhr er von der Existenz des Zionistenkongresses in Karlsbad, Tschechoslowakei. Er beschloss, die Gegend zu besuchen, und blieb dort die ganzen Tage des Kongresses.
Ende 1921 wurde nach einem Besuch des Agrarwissenchaftlers Israel Reichert aus Eretz Israel, der sich auf einer Ausbildungsreise zur Errichtung einer Versuchsstation im Land Israel befand, in Rom und Florenz die Jugendbewegung "Avodah" als Teil der Hapoel Hatzair-Bewegung gegründet. Der 17-jährige Sereni wurde zum Sekretär der Bewegung gewählt. 1922 erlangte die Gruppe die Anerkennung der jüdischen Gemeinschaft und erhielt eine regelmäßige Kolumne in der italienisch-jüdischen Zeitschrift "Israel". Sereni kannte den Herausgeber der Zeitschrift, Alfonso Pacifici, der von Mussolini wegen seines großen Einflusses auf die Juden Italiens "Prophet der Juden" genannt wurde. Aufgrund seiner Nähe zu Pacifici wandte sich Sereni schließlich wieder stärker dem traditionellen Judentum zu.
1923 nahm er abermals am Zionistenkongress in Karlsbad teil.
Schriften (Auswahl)
- Enzo Sereni mit R.E. Ashery: Arabs and Jews in Palestine: studies in a national and colonial problem. Hechalutz Press, New York City 1936.
- Enzo Sereni: האביב הקדוש: יומנים, מכתבים, מאמרים, קובץ (He-Aviv ha-Qadosch: Yomanim, Michtavim, Ma'amarim, Qovez; Der heilige Frühling: Tagebücher, Briefe, Artikel, Sammelband), ‘Am ‘Oved, Tel Aviv 1947
- Enzo Sereni: מקורות הפאשיזם האיטלקי (Meqorot ha-Faschizm ha-Italqi; Wurzeln des italienischen Faschismus). Ha-Qibbuz ha-Me'uchad, Tel Aviv / Yafo 1951
- Enzo Sereni und Emilio Sereni: Politica e utopia: lettere 1926-1943 (Politik und Utopie: Briefe 1926–1943), besorgt von David Bidussa und Maria Grazia Meriggi. La nuova Italia, Florenz 2000.
Ehrungen
- Während der Zeit der illegalen Einwanderung wurde ein Einwanderungsschiff nach ihm benannt (1946).
- Der Kibbuz Netzer Sereni wurde nach ihm benannt (1955).
- Eine Straße in Haifa trägt seinen Namen.
- Eine israelische Briefmarke wurde ihm gewidmet.
- Das 1947 eingeweihte Kulturhaus in Givath Brenner wurde nach Sereni benannt.[6]
Literatur (Auswahl)
- Ruth Bondy: The Emissary: a life of Enzo Sereni. Nachwort Golda Meir. Übersetzung aus dem Hebräischen Shlomo Katz. Little / Brown, Boston 1977
- Clara Sereni: Il gioco dei regni. Giunti, Florenz 1993
- Arno Lustiger: Zum Kampf auf Leben und Tod! Das Buch vom Widerstand der Juden 1933–1945. Köln : Kiepenheuer & Witsch, 1994, ISBN 3-462-02292-X, S. 577f.
Weblinks (Auswahl)
- Literatur von und über Enzo Sereni in der bibliografischen Datenbank WorldCat
- Kurzbiografie (englisch) (Zionism and Israel - Biographies)
- Strassen von Tel Aviv, ausführliche Biografie mit viel Bildmaterial (englisch)
- השליח - חייו ומותו של אנצו סרני Projekt Ben Jehuda. Text von Ruth Bondy (hebräisch)
- Ada Sereni, bei Jewish Women’s Archive (englisch)
- Bild der Briefmarke mit dem Konterfei Serenis
- Das Heldentum von Enzo und Ada Sereni - Artikel von Saul Jay Singer, 10.2.2021 mit Media Ergänzung von Ari Lipinski (deutsche, noch unredigierte Version; Original Englisch)
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Tom Segev: 1967: Israels zweite Geburt. [ו1967־והארץ שינתה את פניה Hoza’ah Kether, Tel Aviv / Yafo 2005; dt.] Helmut Dierlamm, Hans Freundl und Enrico Heinemann (Übs.). Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2007, ISBN 3-89331-789-9, S. 637 (=Schriftenreihe; Band 635).
- ↑ Solel-Boneh ist das älteste und grösste Hoch- und Tiefbauunternehmen Israels, vgl. סולל בונה
- ↑ Vgl. den entsprechenden Artikel in der hebräischsprachigen Wikipedia.
- ↑ Tom Segev: 1967: Israels zweite Geburt. [ו1967־והארץ שינתה את פניה Hoza’ah Kether, Tel Aviv / Yafo 2005; dt.] Helmut Dierlamm, Hans Freundl und Enrico Heinemann (Übs.). Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2007, ISBN 3-89331-789-9, S. 637 f. (=Schriftenreihe; Band 635).
- ↑ Tom Segev: 1967: Israels zweite Geburt. [ו1967־והארץ שינתה את פניה Hoza’ah Kether, Tel Aviv / Yafo 2005; dt.] Helmut Dierlamm, Hans Freundl und Enrico Heinemann (Übs.). Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2007, ISBN 3-89331-789-9, S. 638 (=Schriftenreihe; Band 635). Auslassungen nicht im Original.
- ↑ Dapim vom Dezember 1947
Andere Wikis
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sereni, Enzo |
| ALTERNATIVNAMEN | Sereni, Enzo Chaim (vollständiger Name); אֶנְצוֹ חיים סֶרֶנִי (hebräisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Zionist und Widerstandskämpfer gegen den Faschismus |
| GEBURTSDATUM | 17. April 1905 |
| GEBURTSORT | Rom |
| STERBEDATUM | 18. November 1944 |
| STERBEORT | KZ Dachau |
| Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Enzo Sereni aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar. |
