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Emmanuel Macron
Emmanuel Macron (* 21. Dezember 1977 in Amiens) ist ein ehemaliger Investmentbanker der Pariser Rothschild-Bank, Millionär und seit August 2014 Minister für Wirtschaft, Industrie und Digitales Frankreichs.
Biografie
Macron wurde als Sohn eines Ärzteehepaares im nordfranzösischen Amiens geboren: sein Vater Jean-Michel Macron ist Professor für Neurologie; seine Mutter Françoise Macron-Noguès ist beratende Ärztin der gesetzlichen Sozialversicherung. Mit 16 Jahren gewann er einen öffentlichen Wettbewerb in Französisch und später einen dritten Preis im Klavierspiel am Konservatorium in Amiens. Er machte am Pariser Elitegymnasium Henry IV das Abitur.
Macron studierte zunächst an der Elitehochschule für Politikwissenschaften (Sciences-Po) Philosophie, schrieb seiner Magisterarbeit über Machiavelli und seine Diplomarbeit über Hegel, während der Zeit war er von 1999 bis 2001[1] Assistent des Philosophen Paul Ricoeur[2] Danach absolvierte er die Verwaltungshochschule École nationale d’administration (ENA) und zählte dort zur Abschlussklasse „Léopold Senghor“ (frz.: promotion Senghor)[3]. Wie alle „Enarchen“ bekam er danach ein Amt in einer der drei höchsten Institutionen der Administrative angeboten und arbeitete ab 2005 als Finanzdirektor im öffentlichen Dienst bei der Inspection des Finances. Formal ist es nur ein Teil des Finanzministeriums, doch als die finanzpolitische Leitzentrale des Staates kamen aus dem Schatzamt häufig die Leiter des Präsidialamtes. Dort lernte ihn dann Jacques Attali kennen, ein Wirtschaftsprofessor, Publizist, langjähriger Wirtschaftsberater von Staatspräsident Francois Mitterand, der ihn als Berater des neuen Präsidenten Francois Hollande empfahl.[4][5]
Danach ging er an das Pariser Think Tank Institut Montaigne. Daran anschließend bekam er 2008, von Serge Weinberg und Jacques Attali[6] eingeführt, mit 31 Jahren eine Position als Investmentbanker bei der Pariser Rothschild-Bank Rothschild & Cie (RCB)[7][8] und wurde der Protegé von David de Rothschild.[9] Zwei Jahre später wurde er Partner (co-gérant) bei Rothschild & Cie. 2012 hat eine der größten Übernahmen des Jahres begleitet, den Kauf der Säuglingsnahrungsparte des US-Pharmakonzerns Pfizer durch den weltweit agierenden Nahrungsmittelkonzern Nestlé für 9 Milliarden Euro. Damit baute Nestlé sein Geschäft vor allem in den Schwellenmärkten China und Lateinamerika mit ihren großen und schnell wachsenden Bevölkerungen aus, Macron erhielt eine siebenstellige Provision.[10][11] Der Schweizer Konzern Nestlé setzte sich beim Kampf um die seit längerem zum Verkauf stehende Pfizer-Sparte gegen den französischen Konkurrenten Danone durch.[12]
Als François Hollande die Wahl 2012 gewann, gab Macron seinen Job bei Rothschild auf und wechselte in den Präsidialstab und wurde dessen Berater für Wirtschafts- und Finanzpolitik. Zudem machte Hollande ihn von Mai 2012 bis Juni 2014 zum stellvertretenden Generalsekretär des Präsidentenamtes im Élysée-Palast.[13] Am 26. August 2014 wurde er von Hollande zum Minister für Wirtschaft, Industrie und Digitales im Kabinett Valls II ernannt wurde.[14] Macron löste damit Arnaud Montebourg ab, der diese Position im Kabinett Valls I und davor im Kabinett Ayrault II bekleidet hatte. Macrons Nominierung wurde als Signal interpretiert, dass Hollande es ernst meint mit dem von ihm eingeschlagenen unternehmerfreundlicheren Kurs. Macron steht für einen sozialdemokratischen Reformkurs.[15][16] Macron war es, der als wichtigster Wirtschaftsberater Hollandes federführend jenes Reformpaket mit entwarf, das unter dem Titel Pacte de Responsabilité et Solidarité[17] mit Steuererleichterungen für Unternehmen in Höhe von 30 bis 40 Milliarden Euro (binnen drei Jahren) die stagnierende französische Wirtschaft ankurbeln sollte.[18]
Am 17. Februar 2015 ist die „Loi Marcon“, ein Vorstoß für umfassende liberale Arbeitsmarktreformen, in der Nationalversammlung eingebracht worden. Das Gesetz hatte sich während der langwierigen parlamentarischen Beratung - mit etwa 3.000 Änderungsanträgen - zu einem Werk mit 200 Artikeln ausgewachsen. Anders als die Radikalreform des Arbeitsmarktes durch die Hartz-Gesetze in Deutschland beinhaltet die „Loi Macron“ zwar keine radikalen Änderungen für weite Teile der Gesellschaft, so wurde weder die 35-Stunden-Woche noch der Kündigungsschutz oder der Mindestlohn angetastet. Die Reformen waren aber so umstritten, dass sie nur gegen den Widerstand von Parlament und Parteien mit dem Griff nach dem antidemokratischen Artikel 49-3 der französischen Verfassung durchgebracht werden konnten. Der 49-3 erlaubt es der Exekutive diese „autoritäre Maßnahme“ einmal im Jahr, falls ein Gesetzeswerk als besonders wichtig erachtet wird und seine Verabschiedung im Parlament als unsicher gilt, oder die Regierung zu stürzen.[19]
Privatleben
Seit 2007 ist Macron mit seiner früheren Französischlehrerin Brigitte Trogneux verheiratet, sie ist 20 Jahre älter als er. Die beiden lernten sich kennen, als er war gerade 17 und in der in der elften Klasse im von Jesuiten geführten Privatschule, dem Lycée La Providence in Amiens war.[20] Aus Furcht vor einem Skandal zog er deswegen nach Paris um und machte dort sein Abitur.[21]
Weblinks
- Odile Benyahia-Kouider: Emmanuel Macron, "l'hémisphère droit" de François Hollande, L’Obs vom 26. August 2014 (französisch)
- Leo Klimm: Lässiger Mozart aus dem Élysée-Palast, Süddeutsche Zeitung vom 27. August 2014
Fußnoten
- ↑ http://www.lemonde.fr/politique/article/2012/05/16/emmanuel-macron-un-banquier-d-affaires-nomme-secretaire-general-adjoint-de-l-elysee_1702135_823448.html
- ↑ Junger Wirtschaftsminister darf Frankreich verführen, Die Welt, 27. August 2014
- ↑ Anmerkung: an der ENA erhält jeder Jahrgang den Namen eines Prominenten; z.B. hieß der berühmte Jahrgang von François Hollande, Ségolène Royal, Michel Sapin und Dominique de Villepin Voltaire; siehe z.B. hier (frz.). Nach dem Abschluss dieses Jahrgangs wurde wegen eines Formfehlers keine Rangfolge verkündet (Le Monde)
- ↑ Inspection générale des finances: M. Macron (Emmanuel), legifrance.fr vom 9. April 2004
- ↑ Emmanuel Macron, un banquier d'affaires nommé secrétaire général adjoint de l'Elysée, Le Monde vom 16. Mai 2012
- ↑ [Vgl.: Martine Orange: Rothschild, une banque au pouvoir. (https://books.google.de/books?id=NWCS2WVL7DgC&lpg=PT183&ots=vFZh7fajGU&dq=Macron%20%22Inspection%20des%20Finances%22&hl=de&pg=PT183#v=onepage&q=Macron%20%22Inspection%20des%20Finances%22&f=false)]
- ↑ Emmanuel Macron, monsieur superlatif, Le Monde, 27. August 2014
- ↑ Emmanuel Macron - Le cerveau droit de François Hollande, Le Figaro, 13. Dezember 2012
- ↑ [1]
- ↑ [2]
- ↑ Ils ont marqué 2012: Emmanuel Macron, l'enfant prodige de l'Elysée, L’Obs, 28. Dezember 2012
- ↑ http://bourse.lesechos.fr/infos-conseils-boursiers/infos-conseils-valeurs/infos/amerique-latine-nestle-mandate-rothschild-pour-ceder-des-actifs-839462.php
- ↑ Hollande macht Vertrauten zum Wirtschaftsminister, FAZ Online, 26. August 2014
- ↑ Das Kabinett des Präsidenten, Homepage des Elysée-Palastes, 26. August 2014
- ↑ Viele Bekannte und ein frisches Etikett, sueddeutsche.de, 26. August 2014
- ↑ spiegel.de: Hollandes Tabubrecher (Überlegungen zum Ende der 35-Stunden-Woche)
- ↑ etwa: „Pakt der Verantwortung/Verantwortlichkeit und Solidarität“ Portail du Gouvernement: Pacte de Responsabilité et Solidarité, franz. Regierungsseite, aufgerufen am 27. August 2014
- ↑ zeit.de (Macron neuer Wirtschaftsminister (26. August 2014)) schreibt, der Pakt solle Frankreichs Unternehmen inklusive CICE binnen drei Jahren Abgabenentlastungen in Höhe von 41 Milliarden Euro bringen; sueddeutsche.de nennt 30 Milliarden Euro (vermutlich ohne CICE). CICE = fr:Crédit d'impôt pour la compétitivité et l'emploi
- ↑ Premierminister Manuel Valls hebelt kurz mal die Demokratie aus , eurojournalist.eu, 19. Februar 2015
- ↑ Avec Macron l'Elysée decroche le poupon, Libération, aufgerufen am 26. August 2014
- ↑ Junger Wirtschaftsminister darf Frankreich verführen, Die Welt, 27. August 2014
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Macron, Emmanuel |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Banker und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 21. Dezember 1977 |
| GEBURTSORT | Amiens, Département Somme |
| Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Emmanuel Macron aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar. |