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Elieser Gordon

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Elieser Gordon (auch Laizer Telzer und ähnliche Namensformen; geb. 1841 nahe Wilna; gest. 1910 auf einer Reise in London) war Rabbiner und langjähriger Telscher Rosch Jeschiwa in Litauen.

Leben

Elieser Gordon wurde nahe Wilna geboren. Sein Vater Avrohom Schmuel Gordon war ein Schüler von Chaim Volozhin. Als junger Mann studierte Elieser Gordon in der Zaretza-Jeschiwa in Wilna. Von dort wechselte er zur Jeschiwa Israel Salanters in Kowno, wo sich unter den herausragendsten Schülern jener Zeit u. a. Yitzchak Blazer, Simcha Zissel Ziv, Naftali Amsterdam, Jerucham Perlman und Jacob Joseph befanden.

Raw Salanter realisierte schnell Elieser Gordons Potential und ernannte ihn trotz seiner jungen Jahre zum Maggid Schiur. Für nur wenige Monate wurde er zum Rabbiner von Kowno ernannt, ab 1874 dann zum Oberrabbiner von Kelm, wo er neun Jahre blieb und eine Jeschiwa gründete.

Im Anschluss übernahm er für kurze Zeit die Leitung der Slabodka-Jeschiwa und ging dann schliesslich 1884 nach Telsch, um dort als Rabbiner zu amtieren. 1875 hatten an jenem Ort die Rabbiner Meir Atlas, Zvi Yaakov Oppenheim und Shlomo Zalman Abel die Telsche Jeschiwa gegründet. Als Rabbiner der Stadt war Elieser Gordon zugleich der oberste Leiter der noch jungen Institution, der er wesentliche neue Impulse und Richtlinien gab, die mittlerweile zu Standards vergleichbarer Organisationen geworden sind – z. B. die Aufteilung der gesamten Studentenschaft in Klassen nach Altersjahrgängen und den jeweils verschiedenen intellektuellen Anforderungen. Elieser Gordon installierte eine andere Art der Annäherung an den Lernstoff, indem er logisches Denken und das Verständnis des Talmuds in den Mittelpunkt rückte. Während andere Jeschiwot sich auf das Studium der Acharonim konzentrierten, förderte er den Rückgriff auf die Rischonim (Ramban, Rashba, Ritva und andere). Als Salanter-Schüler förderte Elieser Gordon in der Jeschiwa auch das Mussar-Studium, wenn auch nicht verpflichtend für alle. Weiterhin ernannte er spezielle Lehrer für die ethischen Fächer. Der erste Maschgiach ruchani war Rabbi Ben Zion Kranitz, ein Schüler von Rabbi Simcha Zissel Ziv von Kelm. Kranitz hatte einen milden Charakter und übte keinerlei Druck aus – im Gegensatz zu seinem Nachfolger als Maschgiach ruchani, dem 1897 ernannten, ungestümen Leib Chasman, der ein sehr striktes Mussar-Regime installierte, das den Widerspruch einer grossen Zahl von Studenten hervorrief, der so stark wurde, dass Leib Chasman letzten Endes die Jeschiwa verliess.

Rabbi Gordon sah es ebenso als erfolgsentscheidend an, den Versuch zu unternehmen, die besten Lehrer an die Jeschiwa zu verpflichten, die man haben konnte. Unter Gordons Leitung engagierte die Jeschiwa u. a. die Rabbanim Shimon Shkop, Yosef Leib Bloch und Chaim Rabinowitz. Erfolglos versuchte Gordon, Rabbi Yitzchok Yaakov Rabinowitz ("Reb Itzele Ponovezher") für die Jeschiwa zu gewinnen. Rabbi Gordon selbst erteilte Schiurim auf dem höchsten Niveau.

Im Jahr 1908 hatte eine Feuersbrunst einen Grossteil der Telscher Häuser einschliesslich der Jeschiwa zerstört. 1910 unternahm Raw Gordon, beinahe 70 Jahre alt, gemeinsam mit seiner Frau und seinem jüngeren Freund, Rabbi Aharon Walkin (dem "Teshuvos Zekan Aharon von Pinsk"), eine Reise nach Berlin und London, um Gelder für den Wiederaufbau zu sammeln. Es war Winter, Gordons Ärzte hatten ihn gewarnt, das Wetter in England könne seine Gesundheit schwer beschädigen, insbesondere nach einem Herzinfarkt, den er einige Jahre zuvor erlitten hatte – aber er liess sich davon nicht abschrecken. In London erlitt Raw Gordon einen weiteren, diesmal tödlichen Herzinfarkt. Die Beerdigung geriet zu einer der grössten, die London bis dahin gesehen hatte: 50 000 Menschen wohnten ihr bei. Führende europäische Rabbiner hielten Traueransprachen, darunter in jiddischer Sprache Shmuel Yitzchok Hillman aus Glasgow, Moshe Mordechai Epstein von Slabodka, Yaakov Dovid Wilovsky (der "Ridvaz" von Slutzk), Eliyahu David Rabinowitz-Teomim (der "Aderet") sowie in Englisch von Dajan Moses Hyamson (vom Londoner Bet Din) und von Moses Gaster, dem Chacham der spanisch-portugiesischen Gemeinschaft. Rabbi Gordon wurde auf dem Friedhof der Edmonton Federation begraben.

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