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Diskussion:Morris Dickstein
tachles 6.4.2021:
Morris Dickstein verstorben
Der bedeutende Kulturkritiker und Historiker wurde 81 Jahre alt.
Bereits Ende März ist in New York Morris Dickstein der Parkinsonschen Krankheit erlegen. In einem Nachruf zitiert die «New York Times» den prominenten Philosophen Michael Walzer mit der Würdigung, Dickstein sei «einer der letzten jüdischen Intellektuellen aus New York» gewesen. Mit «NY Jewish intellectual» ist eine bestimmte Gruppe von Gelehrten und Denkern jüdischer Herkunft gemeint, die während der Depressions- und Kriegszeit als Kinder osteuropäisch-jüdischer Immigranten in primär jüdischen Vierteln wie der Lower East Side Manhattans aufgewachsen sind und dann über den Besuch der guten Schulen und der öffentlichen Universitäten – vor allem der City University (CUNY) – gebührenfrei Zugang zu Bildung und Karrieren fanden.
Diese Persönlichkeiten begannen ihren Weg im politischen Spektrum meist auf der Linken, wurden dann aber auch zu Vordenkern der «Neocons». Nicht so Dickstein. 1940 in eine orthodoxe Familie geboren, besuchte er eine Yeshiva und studierte anschliessend Englisch an der Columbia University im Norden Manhattans, war gleichzeitig aber auch am Jewish Theological Seminary eingeschrieben. Dickstein setzte seine Ausbildung an der Yale University und dem Clare College im britischen Cambridge fort, ehe er 1967 bei Harold Bloom an Yale seinen Doktor ablegte. Bloom war ein intellektueller Titan der amerikanischen Nachkriegsszene. Doch Dickstein hatte bereits an Columbia mit dem Journalismus begonnen und war im Gegensatz zu seinem Doktorvater stärker an praktischeren Fragen interessiert. Er hat von Mitte der 1970er Jahre an bahnbrechende Studie über die amerikanische Populär-Kultur wie «Garden of Eden: American Culture in the Sixties» (1977), «Leopards in the Temple: The Transformation of American Fiction, 1945-1970» (2002) und «Dancing in the Dark: A Cultural History of the Great Depression» (2009), sowie die Memoiren «Why Not Say What Happened: A Sentimental Education» (2015) geschrieben. Dickstein war zudem ein produktiver Essayist und hatte eine lange akademische Karriere am Queens College und dem renommierten City University Graduate Center.
2010 hat Dickstein ein Essay zu «Dancing in the Dark» für unsere Zeitschrift aufbau beigetragen und erwies sich seinerzeit als ebenso freundlicher, wie aufgeschlossener Gesprächspartner (Link).