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Benutzer:Reinhard Breymayer
Reinhard Breymayer (geb. 1944) ist ein deutscher Philologe, Pietismusforscher und Experte für die Geschichte der Rhetorik.
Kindheit, Ausbildung und Studium
Reinhard Breymayer wurde am 4. Januar 1944 in Urach (Württemberg), heute Bad Urach, geboren und wuchs in Unterweißach und Hülben auf. Er war Schüler an den Evangelisch-Theologischen Seminaren Maulbronn und Blaubeuren (altsprachlichen Gymnasien) und machte dort 1963 Abitur. Er studierte an den Universitäten in Tübingen, Köln, Bonn und Bochum. Von 1964 bis 1967 war er Stipendiat des Evangelischen Stifts Tübingen als Inhaber einer Philologen-Freistelle. 1971 erwarb er an der Universität Bonn den Grad des Magister Artium in den Fächern Germanistik, Allgemeine Sprachwissenschaft und Allgemeine Rhetorik.
Beruf, Forschung und Lehrtätigkeit
Nach dem Studium war er seit 1971 an den Universitäten Bonn, Heidelberg und Stuttgart, den Pädagogischen Hochschulen Heidelberg und Schwäbisch Gmünd sowie für die Arbeitstelle Stuttgart der Historischen Kommission zur Erforschung des Pietismus in Berlin am Landeskirchlichen Archiv Stuttgart als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.
Seit 1989 ist er Lehrbeauftragter für Allgemeine Rhetorik an der Eberhard Karls Universität Tübingen und seit 1996 Deutschlandkorrespondent der Stiftung ADAMAS – Stiftung Götz Hübner für interkulturelle Studien am griechisch-deutschen und polnisch-deutschen Beispiel in Schorndorf (Kuratorium: Deutsches Literaturarchiv Marbach am Neckar).
Von 1971 bis 1976 wirkte er bei der Herausgabe der Zeitschrift Linguistica Biblica (Bonn) mit. 1982 – 2000 war er Mitglied des Redaktionskomitees der Zeitschrift ARIES (Paris / Sorbonne), die das Judentum mitbeücksichtigt. Seit 1992 ist er Herausgeber der Suevica. Beiträge zur schwäbischen Literatur- und Geistesgeschichte (Stuttgart) in der Reihe Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik. Die Suevica berücksichtigen vor allem die Schwäbische Romantik.
Breymayer ist Verfasser von über 200 Veröffentlichungen vor allem zum Pietismus, zur Rhetorik und zur deutschen Philologie. Genannt seien die von ihm mitherausgegebenen Bände 1 und 3 der historisch-kritischen Edition der Werke des Theosophen Friedrich Christoph Oetinger (Berlin, New York 1977 und 1999). Er hat auch zahlreiche Beiträge zu Ehren renommierter Institutionen und Personen veröffentlicht, z. B. des Evangelischen Stifts Tübingen 1986, des Sorbonne-Professors Antoine Faivre 2001 bzw. des in Toronto tätigen Professors Hartmut Fröschle 2005.
Breymayer hat erstmals die Frage nach dem Verbleib der Privatbibliotheken solch führender Pietisten wie Philipp Jacob Spener, August Hermann Francke und Gottfried Arnold gestellt und auf Grund neu gefundener Auktionskataloge zu diesen Privatbibliotheken teilweise beantworten können.
Ehrungen und Auszeichnungen
- 1989 erhielt Breymayer auf Vorschlag des Präsidenten der Universität Tübingen den Philipp-Matthäus-Hahn-Preis der Stadt Kornwestheim als erster Träger.
- 2001 wurde ihm ein Fritz-Thyssen-Stipendium der Franckeschen Stiftungen zu Halle (Saale) verliehen.
Schriften
Von den mitherausgegebenen Schriften ist vor allem die Edition eines Werks des pietistischen Theosophen Oetinger zu nennen, das 1763 aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums der kabbalistischen Lehrtafel der Prinzessin Antonia von Württemberg erschienen war, außerdem eine Edition von Oetingers Biblischem und Emblematischen Wörterbuch ([Heilbronn am Neckar : Johann Adam Zobel,] 1776):
- Friedrich Christoph Oetinger: Die Lehrtafel der Prinzessin Antonia. Hrsg. von Reinhard Breymayer und Friedrich Häußermann. De Gruyter, Berlin/New York 1977, ISBN 3-11-004130-8;
- Friedrich Christoph Oetinger: Biblisches und Emblematisches Wörterbuch. Hrsg. von Gerhard Schäfer in Verbindung mit Otto Betz [Tübingen], Reinhard Breymayer, Eberhard [Martin] Gutekunst, Ursula Hardmeier [, geb. Paschke], Roland Pietsch, Guntram Spindler. De Gruyter, Berlin/New York 1999, ISBN 3-11-004903-1.
Weitere Informationen zu Leben und Werk von Reinhard Breymayer
Vorbemerkung
Die Werke von Reinhard Breymayer aus den Jahren 1969 – 2009 sind unter der folgenden Internetadresse verzeichnet:
http://www.angelfire.com/yt/pietismus/copy_of_index.html.
Die dortige Website enthält auch die von Reinhard Breymayer als Administrator seinerzeit erstellten Angaben aus den früher selbständigen Websites zur Zeitschrift Suevica. Beiträge zur schwäbischen Literatur- und Geistesgeschichte und zu Reinhard Aulich, Assessor des Lehramts (jetzt in Aschaffenburg).
Eine umfassende Übersicht über Leben und Werk findet sich in der Internet-Enzyklopädie PlusPedia unter folgender Internetadresse:
http://de.pluspedia.org/wiki/Reinhard_Breymayer.
Lebenslauf; Werke seit Dezember 2009
Mein Name ist Reinhard Breymayer. Ich bin am 4. Januar 1944 in Urach (Württemberg), der heutigen Stadt Bad Urach, geboren und zunächst in Unterweißach bei Backnang, dem heutigen Ortsteil von Weissach im Tal, dann zwei Jahrzehnte lang (bis Ende März 1966) in Hülben bei Urach (Württemberg) aufgewachsen. Meine Eltern waren Friedrich Georg Breymayer (1914 – 1945), Pfarrer in Unterweißach, und Ruth Breymayer, geb. Kullen (1914 – 1995), Lehrerin in Feldstetten, Neckartenzlingen, Urach (Württemberg), Hülben, Großbettlingen und Reutlingen-Sickenhausen.
Prägend wurde nach dem 1959 abgelegten Evangelischen Landexamen vor allem die Schulzeit in den Evangelisch-Theologischen Seminaren Maulbronn und Blaubeuren mit altsprachlichem Abitur, Musikprüfung in Klavier und Oboe und der Wettbewerbsprüfung zur Aufnahme für das Evangelische Stift Tübingen 1963.
Frühzeitig kam ich mit dem heutigen württembergischen "Altpietismus" in Berührung und beschäftigte mich schon als Schüler mit pietistischer Literatur, wissenschaftlich dann seit 1966 (zunächst in Köln und Bonn) mit dem Halleschen Pietismus August Hermann Franckes, dann seit September 1968 intensiv auch wissenschaftlich mit dem schwäbischen Pietismus vor allem Friedrich Christoph Oetingers.
Von 1963 bis 1971 oblag ich an den Universitäten Tübingen, Köln, Bonn und Bochum einem vielseitigen philologischen Studium, das auch Klassische Philologie und Beschäftigung mit Russisch und Altkirchenslawisch einschloss. Von 1964 bis 1967 gehörte ich als Stipendiat der Evangelischen Seminarstiftung dem Verband des Evangelischen Stifts Tübingen an.
1971 erwarb ich an der Universität Bonn den Grad eines Magister Artium in den Fächern Germanistik, Allgemeine Sprachwissenschaft und Allgemeine Rhetorik. Die Prüfung im Fach Allgemeine Rhetorik legte ich bei Professor Dr. Dr. h. c. (mult.) Walter Jens an der Universität Tübingen ab.
Unveröffentlichte Magisterarbeit an der Universität Bonn
Reinhard Breymayer: Untersuchungen zur Rhetorik pietistischer Texte. (Bonn: Reinhard Breymayer, 1970.) – 312 Blatt 4°. – Magisterarbeit an der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn vom 2. Juni 1971.
Breit gefächtertes, enzyklopädisches, Studium an den Universitäten Tübingen, Köln, Bonn und Bochum
Meine Studien umfassten eine umfangreiche Beschäftigung mit sprachvergleichenden, sprachhistorischen und kirchengeschichtlichen Forschungen. Dabei kam ich auch mit orientalischen, vor allem semitischen, Sprachen in Berührung. 1976 erhielt ich einen Ruf als letzter Assistent meines Magistervaters Professor Dr. Dr. h. c. (mult) Hugo Moser (Bonn, Mannheim, Stuttgart). Zugunsten des großen Einsatzes für die historisch-kritische Edition des Buches von Friedrich Christoph Oetinger: Offentliches Denckmahl Der Lehr-Tafel einer weyl[and]. Würtembergischen Princeßin Antonia (1763) unter dem Titel Die Lehrtafel der Prinzessin Antonia (Berlin, New York: Walter de Gruyter & [und] Co., 1977) verzichtete ich auf die Verwaltung dieser Stelle. Die von Dr. Friedrich Häußermann und mir unter der Leitung von Archivdirektor D. Dr. Gerhard Schäfer herausgegebene Edition wurde von Professor D. Dr. Martin Brecht, D. D., als "ein komfortables Glanzstück deutscher Editionsarbeit" bezeichnet.
1989 erhielt ich auf Vorschlag des Präsidenten der Universität Tübingen den Philipp-Matthäus-Hahn-Preis der Stadt Kornwestheim als erster Träger (Dotation damals 10 000 DM), 2001 wurde mir ein Fritz-Thyssen-Stipendium der Franckeschen Stiftungen zu Halle an der Saale zuerkannt.
Seit dem Sommersemester 1989 bin ich Lehrbeauftragter für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen, seit 1992 auch Herausgeber der Zeitschrift Suevica. Beiträge zur schwäbischen Literatur- und Geistesgeschichte in der Reihe Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik.
Von 1971 bis 1976 (Heft 2 bis 39) wirkte ich bei der Herausgabe der Zeitschrift Linguistica Biblica. Interdisziplinäre Zeitschrift für Theologie und Linguistik (Bonn) mit.
Kurzfristig gehörte ich dem Förderkreis der Zeitschrift PTL (Poetics and Theory of Literature), Tel Aviv, an.
Von 1982 bis 2000 war ich Mitglied des Redaktionskomitees der Zeitschrift ARIES (Paris / Sorbonne), seit 1995 als Deutschland-Korrespondent.
1996 wurde ich von Dr. Götz Eberhard Hübner zu einem der Deutschland-Korrespondenten von Adamas - Stiftung Götz Hübner für interkulturelle Studien am griechisch-deutschen und polnisch-deutschen Beispiel (Schorndorf / Württemberg; Kuratorium: Deutsches Literaturarchiv Marbach am Neckar) ernannt.
Meine Publikationsliste umfasst über 200 Veröffentlichungen seit 1969, die vor allem dem Pietismus und auch der Rhetorikgeschichte gelten. Vgl. die Liste auf der Website http://www.breymayer.eu.
Im Jahre 2009 erschien die 2. Auflage meines Artikels über den Monnickendamer lutherischen Pastor Hermann Jung:
- Reinhard Breymayer; Red[aktion]: Jung, Junge, Jungius, Hermann. In: [Walther] Killy. Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraumes. 2. Auflage. Hrsg. von Wilhelm Kühlmann, Bd. 6. Berlin, New York: Walter de Gruyter & [und] Co., 2009, S. 212 – 213.
Bis zum 30. Juni 2011 war ich über 30 Jahre lang Vertrauensmann der Promotion, d. h. des Jahrgangs, 1959/1963 der Evangelisch-Theologischen Seminare Maulbronn und Blaubeuren. Ein Erinnerungsbuch für unsere Seminarzeit der Jahre 1959 bis 1963 trägt folgenden Titel:
- Fünfzig Jahre Promotion 1959–[19]63 in Maulbronn und Blaubeuren, hrsg. von Christoph Wetzel. (Göppingen: Selbstverlag Redaktionsbüro Heidi [Wetzel] & [und] Christoph Wetzel, 2009.) – 181, [II] S. – ISBN 978-3-00-029793-9.
Hierin stammen drei Beiträge von mir:
- Reinhard Breymayer: Zur Begrüßung. Ansprache im Faustzimmer des Maulbronner Restaurants "Klosterschmiede" beim Treffen der Promotion am 26. April 2009. (S. 6 – 7.)
- Reinhard Breymayer: Die eigene Forschung begann 1968. [Autobiographischer Rückblick.] (S. 152 – 155.)
- Reinhard Breymayer: Pietismus (S. 172 – 173.)
Ein selbständig erschienener Beitrag zur Goetheforschung trägt den Titel
- Reinhard Breymayer: Prälat Oetingers Neffe Eberhard Christoph v. Oetinger, in Stuttgart Freimaurer und Superior der Illuminaten, in Wetzlar Richter am Reichskammergericht - war dessen mit Goethe verwandte Gattin, Charlotte, geb. v. Barckhaus, ein Vorbild für Werthers "Fräulein von B.."?. Tübingen: Noûs-Verlag Thomas Leon Heck, 2009, ISBN 978-3-924249-49-6 (mit umfangreichen Literaturhinweisen und Registern). – 215, [I] S.; 2., verbesserte Aufl. Tübingen, ebd., 2010. – 215, [I] S.
Das Buch ist jetzt u. a. in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main Johann Christian Senckenberg, der Universitätsbibliothek Siegen Westfalen), der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, der Universitätsbibliothek Tübingen, der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar (Thüringen), der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, im Stadtarchiv Stuttgart und im Historischen Archiv der Stadt Wetzlar vorhanden, ferner in der Harvard University Library in Cambridge, Massachusetts, in der Princeton University Library u. a.
Im Mai 2010 ist folgender Aufsatz erschienen:
- Reinhard Breymayer: Johann Lorenz Schmidlins Programmschrift 'Pictura docens' für die kabbalistische Lehrtafel der Prinzessin Antonia in Bad Teinach. Aus Anlass einer bedeutenden Edition und mit neuen Hinweisen zur geistesgeschichtlichen Nachwirkung im Umfeld von Hölderlin und Hegel. In: Heilige Kunst. Mitgliedsgabe des Kunstvereins der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Jg. 36 (2007/2008). Im Auftrag des Kunstvereins hrsg. von Michael Kessler. (Ostfildern:) Schwabenverlag (2010), ISBN 978-3-7966-1469-9; S. 12 – 30 (S. 13 Abb.), hier S. 17 – 30: "Zur Nachwirkung der 'Pictura docens' im Idealismus".
Im Juli 2010 eine leicht erweiterte, verbesserte Fassung:
- Reinhard Breymayer: Johann Lorenz Schmidlins Programmschrift 'Pictura docens' für die kabbalistische Lehrtafel der Prinzessin Antonia in Bad Teinach. Aus Anlass einer bedeutenden Edition und mit neuen Hinweisen zur geistesgeschichtlichen Nachwirkung im Umfeld von Hölderlin und Hegel. Als Manuskript gedruckt. Nicht im Buchhandel erhältlich. Ofterdingen: Selbstverlag von Reinhard Breymayer (2010). – [VII], 18 Bl. 4°. – Standort: Universitätsbibliothek Tübingen; Württembergische Landesbibliothek Stuttgart.
Ebenfalls im Juli 2010 ist folgender Buchbeitrag erschienen:
- Reinhard Breymayer: „ ... eine weiland Amasia Göthen’s ... welche ihm auch schmachtende Augen zuwarf“: Charlotte von Barckhaus. Die mit Goethe verwandte Gattin des Wetzlarer Richters E. C. von Oetinger als ein Vorbild für Werthers „Fräulein von B.“. Auf der Spur einer unbekannten Verbindung zwischen der Familie des Prälaten F. C. Oetinger und Goethe.
In: Kulturgeschichte im Dialog. Eine Freundesgabe für Josef Nolte. Hrsg. von Rudolf W[illy] Keck, Joachim Köhler, Manfred Richter und Dieprand von Richthofen unter redaktioneller Mitwirkung von Johannes Köhler. (Hildesheim:) (Verlag Gebrüder) Gerstenberg (2010) (Hildesheimer Beiträge zur Kulturgeschichte. Hrsg. von Christian Juranek, Rudolf W[illy] Keck, Hansjörg Küster und Josef Nolte, Bd. 2), S. 23 – 31.
[Corrigendum: Im Titel muß es "noch schmachtende Augen" und "Fräulein von B.." heißen.]
Im Herbst 2010 wurde die Neubearbeitung zweier Lexikonartikel veröffentlicht:
- Reinhard Breymayer: Müller, (Johann) Daniel, auch: Daniel, Elias (Artista), Messias. In: [Walther] Killy. Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraumes. 2. Auflage. Hrsg. von Wilhelm Kühlmann, Bd. 8. Berlin, New York: Walter de Gruyter 2010, ISBN 978-311-022046-9, S. 382 – 383.
- Reinhard Breymayer: Oetinger, Friedrich Christoph, auch: Halatophilus Irenaeus. Ebenda, S. 686 f.
Im Herbst 2010 erschien auch
- (Reinhard Breymayer:) [Mitteilung über meine] neuesten Forschungen [zu Eberhard Christoph Ritter und Edlem von Oetinger in Wetzlar].
In: Kreisblatt der A. V. [Akademischen Verbindung] Föhrberg (TBK [Tübinger Bibelkreis]). Freundschaft – Glaube – Wissenschaft. (Redaktion: Nicola Hülskamp; [Redaktion] Kleine Nachrichten: Martin Bregenzer.) (Tübingen.) Herbst 2010, S. 2624, Zeile 7 – 22.
Im Jahr 2010 ist folgende Edition erschienen:
- Friedrich Christoph Oetinger: Die Lehrtafel der Prinzessin Antonia. Hrsg. von Reinhard Breymayer und Friedrich Häußermann, Teil 1. Text; Teil 2. Anmerkungen. Berlin, New York: Walter de Gruyter 1977. Reprint Hardcover 2010. (Texte zur Geschichte des Pietismus. Im Auftrag der Historischen Kommission zur Erforschung des Pietismus hrsg. von Kurt Aland, Erhard Peschke und Martin Schmidt, Abteilung 7. Friedrich Christoph Oetinger. Hrsg. von Gerhard Schäfer und Martin Schmidt; Band 1, Teil 1. 2.) – Zusammen 965 S. Großoktav. – ISBN 978-3-11-004130-0.
- Seit November 2010 auch als eBook (derzeit nur für Bibliotheken und Institutionen) ISBN 978-3-11-083496-3.
Ein aktueller Beitrag zum Kleistjahr 2011 ist folgendes neue Buch:
- Reinhard Breymayer: Zwischen Prinzessin Antonia von Württemberg und Kleists Käthchen von Heilbronn. Neues zum Magnet- und Spannungsfeld des Prälaten Friedrich Christoph Oetinger. Dußlingen: Noûs-Verlag Thomas Leon Heck, 2010. - 229 S. 4°. - ISBN 978-3-924249-51-9. – EAN 9783924249519. – 32,80 Euro. – Anschrift des Verlags: Hallstattstraße 17/1, D-72144 Dußlingen.
Das Buch würdigt die Ausstrahlung des Magnetismusfreundes Oetinger u. a. über den Heilbronner Magnetiseur Dr. med. Eberhard Gmelin auf Kleists Dresdner Freund Gotthilf Heinrich Schubert und viele andere wichtige Persönlichkeiten des deutschen Geisteslebens.
Vgl. dazu [Klaus-Peter Grasse:] Heinrich von Kleist war kein Pietist - aber ... | Literatur | 200 Jahre nach dem Tod des Dichters Heinrich von Kleist (unter anderem Autor von "Käthchen von Heilbronn") zeigt ein Buch seine Beeinflussung durch den schwäbischen Pietismus.
In: idea Spektrum. Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt, Nr. 49. idea e. V., Wetzlar, 7. Dezember 2011, S. 37, Sp. 1 – 3.
[Klaus-Peter Grasse,] [Redakteur der Evangelischen Nachrichtenagentur] idea: Neues von Dichter Heinrich von Kleist, der vor 200 Jahren starb. Mit viel schwäbischem Pietismus.
In: Evangelisches Gemeindeblatt für Württemberg | Stuttgarter Evangelisches Sonntagsblatt. Ausgabe: Schwarzwald, Alb und Oberschwaben, Jg. 106, [Nr.] 50, 3. Advent, 11. Dezember 2011, S. 24, Sp. 1 – 4.
(Sp. 1: "Info | Beide Bücher erhalten Sie in jeder Buchhandlung und beim Gemeindeblatt-Bestell-Telefon 0711-60100-28".)
Vgl. ferner dazu:
Reinhard Breymayer: "Zwischen Prinzessin Antonia von Württemberg und Kleists Käthchen von Heilbronn. [...]." [Autorreferat.] In: Kreisblatt der A. V. [Akademischen Verbindung] Föhrberg (TBK [Tübinger Bibelkreis]). Freundschaft – Glaube – Wissenschaft. (Redaktion: Christoph Jab; [Redaktion] Kleine Machrichten und Föhrberg-Autoren: Martin Bregenzer.) (Tübingen.) Frühjahr 2012, S. 2750.
Elisabeth Klaper: Einfluss Oetingers auf Dichter unterschätzt. Neue Forschungen zeigen geistesgeschichtliche Wirkung und Bedeutung der Werke des Murrhardter Prälaten. Der heute vor 310 Jahren geborene Murrhardter Prälat Friedrich Christoph Oetinger beeinflusste berühmte Dichter seiner Zeit stärker als bisher bekannt. Die geistesgeschichtliche Bedeutung und Wirkung seiner Werke ist größer, als dies früher beachtet wurde. Zu diesem Ergebnis kommt der Tübinger Germanist und Pietismusforscher Reinhard Breymayer in seinen neuesten Forschungen und Veröffentlichungen.
In: Murrhardter Zeitung. Amtliches Bekanntmachungsblatt für die Stadt Murrhardt (Rems-Murr-Kreis). Anzeigenblatt und Heimatzeitung für das obere Murrtal und Umgebung. Jg. 2012, Nummer 101. Mittwoch, 2. Mai 2012. S. 17, Sp. 2 – 5 (mit Wiedergabe des von Georg Adam Eger im Jahre 1775 verfertigten Oetinger-Porträts).
Im Frühjahr 2011 erschien folgender Nekrolog auf meinen entfernten Verwandten, Kompromotionalen (Schulkameraden in den Evangelisch-Theologischen Seminaren Maulbronn und Blaubeuren), Studiengenossen und Bundesbruder Hansjörg Krauß:
- Reinhard Breymayer: Hansjörg Krauss, Pfarrer i. R. ([Kneipname:] Schauma) 21.1.1944 – 23.2.2011.
In: Kreisblatt der A. V. [Akademischen Verbindung] Föhrberg (TBK [Tübinger Bibelkreis]). Freundschaft – Glaube – Wissenschaft. (Redaktion: Nicola Hülskamp; [Redaktion] Nachrufe: Christof Fröschle.) (Tübingen.) Frühjahr 2011, S. 2659 – 2663.
Im Sommer 2011 erschien folgender von mir sprachlich redigierter Aufsatz:
- Tomiyasu Kakegawa: Biblische Hermeneutik und Trinitätslehre in den Prolegomena der CR/1 [Christlichen Religion/1] (1924) Karl Barths (6): Zur Sagbarkeit des Wortes Gottes und deren <diskursiver>> "Rationalisierung". Sprachliche Bearbeitung von Reinhard Breymayer ([Universität] Tübingen, [Seminar für] Allgemeine Rhetorik).
In: Journal of The Institute of Language and Culture. Ibaraki Christian University, Hitachi, Ibaraki, Japan; number 17 (2011), S. 37 – 54. – ISSN 1348-0006.
Anläßlich der Erinnerung an den Untergang der Titanic vor 100 Jahren mag an ein von mir mitherausgegebenes Buch erinnert werden, das auch im Schulunterricht beachtet worden ist:
Zu den Texten, die im Fach Evangelische Religion beim (schriftlichen) Landesabitur in Hessen der Klausur zugrunde gelegt wurden, gehörte eine von mir mitherausgegebene Predigt, die der Pfarrer Willy Veit in Frankfurt am Main gehalten hatte:
Grundkurs Haupttermin: 12. März 2008
Vorschlag C: Die Frage nach Gott beim Untergang der Titanic.
Text: Willy Veit: „Wo war der ‚liebe Gott’ beim Untergang der Titanic?“ [Predigt, gehalten am Sonntag, den 28. April 1912 in der St. Katharinenkirche zu Frankfurt a. M.] In:
- Johannes Kuhn, Reinhard Breymayer (Hrsg.): Wo die Hoffnung Hand und Fuß hat. Predigten aus zehn Jahrhunderten. Mit fünf Abbildungen. (Stuttgart, Wien : ) Edition Erdmann in K[arl]. Thienemann[s] Verlag (1987).
Im April 2012 ist eine Veröffentlichung erschienen, zu der ich zusammen mit vielen anderen Persönlickeiten an einigen Teilen redaktionell mitgewirkt habe; einige wenige Sätze sind auch von mir verfaßt worden:
- Göttliche Originale. Kurzbiographien zu ausgewählten Gestalten der Kirchen- und Geistesgeschichte. Ein Leseheft zur Information und persönlichen Orientierung wie auch für die Fächer Deutsch, Ethik, Geschichte, Latein, Philosophie und Religion ... Herausgeber/Redaktion: Walter Stäbler. [Auf dem Umschlag: Für Fortbildungszwecke hrsg. von Walter Stäbler.] Kommunikationsdesign: Helge Reibold. Begriffslexikon: Gudrun Weißenborn. In Zusammenarbeit mit Andreas R. Batlogg SJ, Arnd Breuning, Paul Dieterich [...]. Metzingen [in Württemberg] : [ Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium ] 2012. – 71, [I] S. 4°. Mit zahlreichen, teils farbigen, Abbildungen.
Vgl. z. B. Manfred Kriessler: Johannes Calvin (Jean Cauvin) 1509–1564, ebd., S. 20 f., daran anschließend S. 21, Sp. 1, Z. 61, bis S. 62, Sp. 2, Z. 59 [Reinhard Breymayer: Zum Einfluß von Calvins Prädestinationslehre auf Kultur und Wirtschaft].
Im Oktober 2012 erschien folgende Veröffentlichung:
- Reinhard Breymayer: Friedrich Christoph Steinhofer – ein pietistischer Theologe zwischen Oetinger, Zinzendorf und Goethe. Mit der Lösung eines quellenkritischen Problems bei Karl Barth. In: Dicbtung – Gelehrsamkeit – Disputationskultur. Festschrift für Hanspeter Marti zum 65. Geburtstag. Hrsg. von Reimund B. Sdzuj, Robert Seidel und Bernd Zegowitz. Wien, Köln, Weimar [in Thüringen] : Böhlau Verlag 2012, S. (196) – 230.
Am 12. Dezember 2012 erschien folgende Veröffentlichung:
- Reinhard Breymayer: Goethe, Oetinger und kein Ende. Charlotte Edle von Oetinger, geborene von Barckhaus-Wiesenhütten, als Wertherische "Fräulein von B..". Dußlingen : Noûs-Verlag Thomas Leon Heck, 2012. – 143 S. DIN A 4. – ISBN-10 3-924249-54-7. – € 29,80.
Am 15. Dezember 2012 schloß sich diesem folgendes Buch an:
- Reinhard Breymayer: Friedrich Christoph Steinhofer. Ein pietistischer Theologe zwischen Oetinger, Zinzendorf und Goethe. Mit der Lösung eines quellenkritischen Problems bei Karl Barth und einem Exkurs über die Bedeutung von Tugendlehre und Biblischen Summarien für die Lehrtafel in Steinhofers Amtsort Teinach. [Motto:] Da stehn in Pergament und Leder | Voran die frommen Schwabenväter: | Andreä, Bengel, Rieger zween | Samt Ötinger sind da zu sehn." Eduard Mörike: "Der alte Thurmhahn. Idylle" (1840). Dußlingen : Noûs-Verlag Thomas Leon Heck, 2012. – [IV], 183 S. DIN A 4. – ISBN-10 3-924-249-53-9. ISBN-13 978-3-924-249-53-3. – 32,80 €.
Am 28. Dezember 2012 erschien mein Beitrag zu der Debatte um eine angemessene Bezeichnung für die seit langem "Mohrenkopf" genannte Süßigkeit, die ich als "aphrokephale Memorial-Gebildesüßigkeit" kategorisiere. "Aphrokephal" habe ich nach den griechischen Wörtern "aphrós", "Schaum", und "kephalé", "Kopf", gebildet. "Aphrokephal" als Bezeichnung für Eigenheiten des kopfförmigen "Schaumkusses" klingt dabei auch an "afrokephal" an, was für die besondere Physiognomie eines "Afrikanerkopfs" stehen könnte, zugleich aber auch an die "schaumgeborene" Aphrodite als Göttin der Schönheit. Die Schwarzen Madonnen, deren Gestaltung an die Aussage der auf Maria gedeuteten Sulamith im Hohenlied 1, 5 ("Ich bin schwarz und schön") zurückgeht, sind dann als "Afroditen" zu verstehen. Die Black Theology hatte auch politische Auswirkungen auf Bürgerrechtsbewegungen, etwa die von Martin Luther King(!) mitgetragene, für die sein Ausspruch "I am black and I am beautiful!" steht.
Der Titel des Leserbriefs lautet:
- Reinhard Breymayer: Inwendiges Leben [redaktionelle Überschrift]. In: Schwäbisches Tagblatt. Südwest Presse. Tübinger Chronik. Rottenburger Post. Steinlach-Bote. www.tagblatt.de. Unabhängige Tageszeitung für den Landkreis Tübingen und die Region, Jg. 68, Nr. 300, (Tübingen), Freitag, 28. Dezember 2012, S. 22 ("Leserbriefe"), Sp. 4, 49 Zeilen.
– Die fünf Leserbriefe in Spalte 4 – 6 erschienen unter der Gesamtüberschrift "Fortsetzung der 'Mohrenkopf'-Debatte".
Ich schlage als Bezeichnung für die Süßigkeit "Neguskopf" vor, da "Negus" "König"/"King"(!) bedeutet und daher nicht abwertend gemeint ist und der bekannteste Negus, Haile Selassie I., neben "Negus" bzw. "Negus Negesti" (Kaiser) auch den "Ras" ("Kopf" wie arabisch "ras" und hebräisch "rôsch", "Oberhaupt", "Herzog", "Feldmarschall") im Namen führte. Wie ich nachträglich festgestellt habe, wird das Wort "Negus" im Deutschen auch für eine Art von Glühwein verwendet, so daß zugunsten größerer Klarheit das Kompositum "Neguskopf" für die Süßigkeit vorzuziehen wäre.
Schon im Jahre 1969 habe ich mich in Heft 6 der Zeitschrift bibelreport unter dem Titel "Ein neues Denken in Sprachforschung und Mission" mit ähnlicher Thematik beschäftigt. Durch meine Korrespondenz mit dem bekannten Kirchenhistoriker Professor D. Ernst Benz, D. D., der mich bei meinen Forschungen zu Friedrich Christoph Oetinger sehr gefördert hat, wurde ich um 1975 mit seinem bedeutenden Aufsatz "Die Signatur der Dinge. Aussen und innen in der mystischen Kosmologie in Schriftauslegung und Physiognomik" bekannt. Der Beitrag erschien in dem Tagungsband Correspondences in Man and World = Die Welt der Entsprechungen = Le monde des correspondances. Hrsg. Adolf Portmann, Rudolf Ritsema (Eranos yearbook, vol. 42. 1973), S. 517 – 580. Vgl. besonders S. 536 – 552 zum Hohen Lied 1, 5; hier zum Beispiel S. 548 – 552: "Theologie der Schwärzung – der Erhellung – der Verfinsterung – der Erleuchtung". Zur Bürgerrechtsbewegung vgl. S. 539: " 'Black is beautiful': die durch den Boxer Cassius Clay bekannt gewordene Formel der Black Muslims findet sich dem Sinne nach schon bei Origenes."
Am 4. Januar 2013, meinem 69. Geburtstag, erschien mein Beitrag zu einer nach dem Widerstandskämpfer Jakob Textor in Mössingen zu benennenden Straße in Mössingen unter folgendem Titel:
"Ein ganz Gewand." [Darüber:] "Im August [2012] hatte Eike Freese angeregt, eine Textor-Straße in Mössingen zu installieren."
In: Schwäbisches Tagblatt. Südwest Presse. Tübinger Chronik. Rottenburger Post. Steinlach-Bote. www.tagblatt.de. Unabhängige Tageszeitung für den Landkreis Tübingen und die Region, Jg. 69, Nr. 3. (Tübingen), Freitag, 4. Dezember 2012, S. 20 ("Leserbriefe"), Sp. 6, 52 Zeilen.
Im Juni 2013 ist folgendes Buch erschienen: Denis Diderot: Ein funkensprühender Kopf. 100 Gedanken [Werke, Auszüge]. Ein Mosaik zum 300. Geburtstag des französischen Philosophen. Eingeleitet und ausgewählt von Werner Raupp. (Lektorat: Reinhard Breymayer <Ofterdingen>.) ([Marburg an der Lahn:] Tectum Verlag, 2013), ISBN: 978-3-8288-3164-3. – 154 S. – Vgl. S. (9)–80: (Werner Raupp:) Einleitung; hier S. 80, Anm. 54 zur Danksagung für Professor Tomiyasu Kakegawa (Hitachi/Tokio) bzw. Professor Gu, Zhengxiang (Tübingen) für Hinweise auf die Rezeption Diderots in Japan bzw. China; S. (81) – 139: (Denis Diderot:) 100 Gedanken – ein Mosaik.
Im Dezember 2013 ist folgende Gedenkschrift erschienen:
- Aufklärung und Kritik. Zeitschrift für freies Denken und humanistische Philosophie. Hrsg. von der Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg, Jahrgang 20 (2013), [Heft] 4 [Dezember]. Schwerpunkt: Denis Diderot zum 300. Geburtstag. Hrsg.: Wulf Kellerwessel, Werner Raupp, ISSN 0945-6627. – S. 292 – 312: "Literaturverzeichnis". Zusammengestellt von Reinhard Breymayer und Werner Raupp. Siehe das Digitalisat von S. 1 – 3 (Titel, Inhalt, Porträt) und S. 14 – 61 (Streifzug durch Leben und Werk); http://www.denis-diderot.info/Denkschrift.pdf
Ich habe auch folgende darin enthaltene Übersetzung durchgesehen: Marin Hobson: "Der Standpunkt und der Rückspiegel: Diderot oder wie man Zeit vorstellt. Übersetzt von Alenoosh Stepanians" (S. 253–265 (vgl. die Danksagung der Übersetzerin auf S. 264, Sp.1, Anm. ** zu S. 253). Folgender Aufsatz in dem Sonderheft ist mir im Blick auf meinen damals bevorstehenden 70. Geburtstag gewidmet: Werner Raupp: "Denis Diderot – "ein einzig Individuum". Ein Streifzug durch Leben und Werk des französischen Philosophen mit einem Blick auf seine Wirkungsgeschichte in Deutschland" (S. 14 – 62). Die Widmung auf S. 14 lautet: "Dédié au polymathe Reinhard Breymayer à l'occasion de son soixante-dixième anniversaire le 4 janvier 2014, en gratitude".
Im April 2014 ist folgendes schulhistorische Buch erschienen:
Johann Friedrich Jüdler, Friedrich Christoph Oetinger, Erhard Weigel: Realvorteile zum Informieren. Johann Friedrich Jüdlers ehmaligen Schulmeisters zu Stetten im Ramstal Realvorteile zum Informieren für die Anfänger in deutschen und lateinischen Schulen nach den Absichten der Realschule zu Berlin. Aus dem Mund und Gespräch des Herrn Spezialsuperintendenten Oetingers geschöpft und dem Druck übergeben <1758>. (Historisch-kritische Edition und Faksimile-Neudruck der Ausgabe Heilbronn [am Neckar] : Johann Friedrich Majer, 1758.) Wiederentdeckt und hrsg. von Reinhard Breymayer. – Dußlingen : Noûs-Verlag Thomas Leon Heck, 2014. – 179 S. DIN A 4. – ISBN: 978-3-924249-56-4. – Ladenpreis: 32,80 €. (Auslieferung durch Reinhard Breymayer, Starenweg 5, D-72131 Ofterdingen.)
S. (39) – [158]: "Edition der von Johann Friedrich Jüdler veröffentlichten Schrift", hier S. 139–[159]: "Faksimile der Schrift von Johann Friedrich Jüdler, Friedrich Christoph Oetinger und Erhard Weigel REAL-Vortheile zum informiren Heilbronn 1758". "Der faksimilierte Text umfaßt in der vorliegenden Edition die Seiten [141]–[158], entsprechend den Seiten (1) – 18 des Originals". – S. (91)–117: "Personengeschichtlicher Kommentar".
Vorlage ist das bis auf weiteres als Unicum zu betrachtende Exemplar der University Library, University of Illinois at Urbana-Champaign, Urbana, Illinois, USA; Signatur: 372.943 J91r. – Die Schrift wird in der Abteilung "Rare Books and Manuscript Library" aufbewahrt. Auf Grund von Reinhard Breymayers Hinweis auf die außerordentliche Seltenheit der Schrift war deren Digitalisierung im "Unica Project" der Bibliothek erfolgt. Die besitzende Bibliothek ist mit einem Bestand von etwa 13 Millionen Büchern die größte öffentliche Universitätsbibliothek der USA.
Johann Friedrich Jüdler, getauft in Göppingen am 3. August 1706, gest. nicht vor 1763, vielleicht in Löwenstein (Württemberg); 1725 – 1752 Schulmeister in Stetten im Remstal; danach entlassen. Stellvertretender Taufzeuge war für ihn Johann Christoph Oetinger II. (1668 – 1733), Stadt- und Amtsschreiber in Göppingen, der Vater des pietistischen Prälaten Friedrich Christoph Oetinger (1702 – 1782), der von 1752 bis 1759 Spezialsuperintendent und Stadtpfarrer in Weinsberg war.
Der japanische Theologe und Religionswissenschaftler Tomiyasu Kakegawa hat jetzt folgende von Reinhard Breymayer sprachlich bearbeitete Abhandlung veröffentlicht:
Tomiyasu Kakegawa: Betrieb und Ethik bei Hisao Otsuka (1907–1996); Rationalität und Religiosität in Wirtschaft und Gesellschaft des frühen Kapitalismus. In Erinnerung an Prof[essor]. Tomoo Matsuda (1911–1995). (Sprachlich bearbeitet von Reinhard Breymayer, Tübingen.) In: Academic Journal of Ibaraki Christian College, vol. 32. I. Hitachi, Ibaraki [, Japan] : Ibaraki Christian University Library, December 2014, S. 41 – 103.
B) Rezensionen 1969–1989
1) [Rez.:] Lily Hindley [geb. Hoselitz]: Die Neologismen Andrej Belys. München (1966) = Forum Slavicum, 3. Zugl. Phil. Diss. Heidelberg vom 23. Juli 1962. In:
Linguistische Berichte. Forschung. Information. Diskussion, [Heft] 1 [der Gesamtfolge] = [Jg. 1/]1969, Heft 1, S. 51.
2) [Rez.:] Ludwig Fischer: Gebundene Rede. Dichtung und Rhetorik in der literarischen Theorie des Barock in Deutschland. Tübingen 1968 = Studien zur deutschen Literatur, 10. Zugl. Phil. Diss. Tübingen vom 23. April 1968. In:
Literature. Music. Fine Arts. A Review of Germann-language Research Contributions on Literature, Music, and Fine Arts. With Bibliographies = German Studies, Section III, Vol. 6. (Tübingen) 1973, Number 2, S. 146 – 148 unter dem Titel: Fischer, Ludwig: Metrical Speech. Poetry and Rhetoric in the Literary Theory of the Baroque in Germany.
3) [Rez.:] (Emanuel) Swedenborgs (und anderer) irdische und himmlische Philosophie von Friedrich Christoph Oetinger. Hrsg. von Karl Chr[istian]. Eberhard Ehmann. Eingeleitet und neu hrsg. von Erich Beyreuther. Stuttgart (1977) = Friedrich Christoph Oetinger: Sämtliche Schriften [vielmehr: Werke, Teilsammlung]. Gesammelt und hrsg. von Karl Chr[istian]. Eberhard Ehmann. Eingeleitet und neu hrsg. von Erich Beyreuther. Zweite Abteilung: Theosophische Schriften. Zweiter Band, In:
Blätter für württembergische Kirchengeschichte. Im Auftrag des Vereins für württembergische Kirchengeschichte hrsg. von Gerhard Schäfer und Martin Brecht, Jg. 77 (1977). Stuttgart [1978], S. 218 – 222.
4) [Rez.:] Henry F[rancis] Fullenwider: Friedrich Christoph Oetinger. Wirkungen auf Literatur und Philosophie seiner Zeit. Göppingen 1975 ([ausgeliefert] 1976) (Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Nr. 174 / Veröffentlichungen des Stadtarchivs Göppingen, Bd. 11). In:
Blätter für württembergische Kirchengeschichte. Im Auftrag des Vereins für württembergische Kirchengeschichte hrsg. von Gerhard Schäfer und Martin Brecht, Jg. 77 (1977). Stuttgart [1978], S. 222 – 228.
5) [Rez.:] Die Psalmen Davids von Friedrich Christoph Oetinger [Psalmi Davidis, klassifiziert, ins Deutsche übersetzt und hrsg. von Friedrich Christoph Oetinger]. Hrsg. von Karl Chr[istian] Eberhard Ehmann. Eingeleitet und neu hrsg. von Erich Beyreuther. Stuttgart (1977) = Friedrich Christoph Oetinger: Sämtliche Schriften [vielmehr: Werke, Teilsammlung]. Gesammelt und hrsg. von Karl Chr[istian] Eberhard Ehmann. Eingeleitet und neu hrsg. von Erich Beyreuther. Zweite Abteilung: Theosophische Schriften, Dritter Band. In:
Blätter für württembergische Kirchengeschichte. Im Auftrag des Vereins für württembergische Kirchengeschichte hrsg. von Gerhard Schäfer und Martin Brecht, Jg. 78 (1978). Stuttgart [1979], S. 265 – 270.
6) [Rez.:] Deutsche Chronik. Hrsg. von Christian Friedrich Daniel Schubart. Jahrgang 1774–1777. Neudruck Band I (.II.III.IV): Deutsche Chronik auf das Jahr 1774 (.1775.1776.1777). Hrsg. von Christian Friedrich Daniel Schubart. (Faksimiledruck. Mit einem Nachwort hrsg. von Hans Krauß) Heidelberg (1975) = Deutsche Neudrucke. Hrsg. von Karl Stackmann; Erich Trunz; Paul Böckmann und Friedrich Sengel; Arthur Henkel; Walther Killy. Reihe: Goethezeit. Hrsg. von Arthur Henkel. In:
Blätter für württembergische Kirchengeschichte. Im Auftrag des Vereins für württembergische Kirchengeschichte hrsg. von Gerhard Schäfer und Martin Brecht, Jg. 79 (1979). Stuttgart [1980], S. 221 – 225.
7) [Rez.:] Johann Heinrich Jung-Stilling (d. i. Johann Heinrich Jung, genannt Stilling): Lebensgeschichte. (Erstmals 1777–1817.] Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath. [1. Aufl.] Darmstadt 1976. In:
Blätter für württembergische Kirchengeschichte. Im Auftrag des Vereins für württembergische Kirchengeschichte hrsg. von Gerhard Schäfer und Martin Brecht, Jg. 79 (1979). Stuttgart [1980], S. 225 – 235.
8) [Rez.:] Adalbert Geduhn: Simplicitas evangelica. Rhetorik in den Predigten bei C(harles). H(addon). Spurgeon. Münster [in Westfalen] 1978. Zugl. Ev.-theol. Diss. Münster [in Westfalen] vom 3. Febr. 1979. In:
Rhetorik. Ein internationales Jahrbuch. Hrsg. von Joachim Dyck gemeinsam mit Ludwig Fischer, Walter Jens, Klaus Pawlowski, Gert Ueding, Bd. 1 (Stuttgart-Bad Cannstatt 1980), S. 161 – 163.
9) [Rez.:] Ernst Harnischfeger: Mystik im Barock. Das Weltbild der Teinacher Lehrtafel. (Stuttgart 1980). In:
Blätter für württembergische Kirchengeschichte. Im Auftrag des Vereins für württembergische Kirchengeschichte hrsg. von Gerhard Schäfer und Martin Brecht, Jg. 80/81 (1980/1981). Stuttgart [1981], S. 396 – 399.
10) [Rez.:] Hans Jürgen v[on] Wilckens: Die Leichenpredigten der Lüneburger Ratsbücherei, aus dem Nachlaß hrsg. von Uta Reinhardt. Lüneburg 1975. In:
Die alte Stadt. Zeitschrift für Stadtgeschichte, Stadtsoziologie und Denkmalpflege, Jg. 8 (1981), Bd. 1 (= S. 1-132), S. 114 – 115.
11) [Rez.:] Makarij, Bischof von Vologda. Die Makarij-Rhetorik <"Knigi sut' ritoriki dvoi po tonku v voprosech spisany ...">. Mit einer einleitenden Untersuchung hrsg nach einer Handschrift von 1623 aus der (V[ukol]-M[ichajlovič]-)Undol'skij-Sammlung <Leninbibliothek Moskau> von Renate Lachmann. Köln, Wien 1980 = Rhetorica Slavica, Bd. 1 / Slavistische Forschungen. Hrsg. von Reinhold Olesch, Bd. 27/1. In:
Rhetorik. Ein internationales Jahrbuch. Hrsg. von Joachim Dyck gemeinsam mit Ludwig Fischer, Walter Jens, Klaus Pawlowski, Gert Ueding, Bd. 2. (Stuttgart-Bad Cannstatt 1981), S. 181 – 182.
12) [Rez.:] Ernst Harnischfeger: Mystik im Barock. Das Weltbild der Teinacher Lehrtafel. (Stuttgart 1980) und Ernst Harnischfeger: Antonia (Prinzessin von Württemberg) oder die Gutsinspektion, Novelle. Mit vier Federzeichnungen von Horst Wolniak. Stuttgart 1981. In:
Stuttgarter Zeitung, Jg. 38 / Nr. 104, W[oche]. 18, Stuttgart, Freitag, 7. Mai 1982, S. 40, Sp. 4 – 5, unter dem Titel der Zeitungsredaktion: Feministische Theologie. "Lehrtafel der Prinzessin Antonia [von Württemberg]" in Bad Teinach.
13) [Rez.:] Lampros Mygdales: Wilhelm-Waiblinger-Bibliographie. (Heilbronn/Neckar) 1976 = Kleine Schriftenreihe des Archivs der Stadt Heilbronn. Im Auftrag der Stadt Heilbronn hrsg. von Helmut Schmolz, 8. In:
Die alte Stadt. Zeitschrift für Stadtgeschichte, Stadtsoziologie und Denkmalpflege, Jg. 9 (1982), Bd. 3 (= S. 213 – 308) S. 307.
14) [Rez.:] (Friedrich Christoph Oetinger:) Etwas Ganzes vom Evangelium. Friedrich Christoph Oetingers Heilige Philosophie [werke, Auszug.] ([Rückentitel:] Oetinger Brevier.) Unter Mitarbeit von Richard Haug ausgewählt und zusammengestellt von Guntram Spindler. Metzingen/Württ[emberg]. (1982). In:
aub. Für Arbeit und Besinnung. Zeitschrift für die Evang[elische]. Landeskirche in Württemberg, Jg. 37, Nr. 10 (= S. 389 – 428). (Stuttgart), 15. Mai 1983, S. 411 – 413.
Eine veränderte Fassung siehe unter Nr. 16.
15) [Rez.:] [Melchior] Douzetemps: Le Mystère de la croix. (Milano) 1975 = Collection Sebastiani. [In der Titelei leicht veränderter Faksimileneudruck der Ausgabe [Melchior Douzetemps:] Le Mystère de la croix [...]. [Hrsg.: C. J. Steward.] London and Edinburgh 1860]. In:
ARIES. Association pour la Recherche et l'Information sur l'Esotérisme, no 2 (1984), S. 49 – 58.
16) [Rez.:] (Friedrich Christoph Oetinger:) Etwas Ganzes vom Evangelium [1982; wie Nr. 14]. In:
Pietismus und Neuzeit. Ein Jahrbuch für Geschichte des neueren Protestantismus, Bd. 10 (1984). Schwerpunkt: Friedrich Christoph Oetinger. Göttingen (1984), S. 256 – 259.
Veränderte Fassung von Nr. 14.
17) [Rez.:] Gerhard Tersteegen: Geistliche Reden [Geistliche Brosamen]. Hrsg. von Albert Löschhorn und Winfried Zeller. Göttingen (1979) = Texte zur Geschichte des Pietismus. Im Auftrag der Historischen Kommission zur Erforschung des Pietismus hrsg von K[urt] Aland, E[rhard] Peschke, M[artin] Schmidt, Abt. V: Gerhard Tersteegen: Werke. Hrsg. von W[infried] Zeller, Bd. 1. In:
Philosophy and History. A Review of German-language Research Contributions on Philosophy, History and Cultural Developments. With Bibliographies = German Studies, Section I, Vol. 18. (Tübingen) 1985, Number 1 (= S. 1 – 96), S. 63 unter dem Titel: Löschhorn, Albert – Winfried Zeller (Eds.): Tersteegen, Gerhard: Religons [recte: Religious] Orations.
18) [Rez.:] August Hermann Francke: Streitschriften. Hrsg. von Erhard Peschke. Berlin / New York 1981 = Texte zur Geschichte des Pietismus. Im Auftrag der Historischen Kommisison zur Erforschung des Pietismus hrsg von K[urt] Aland, E[rhard] Peschke, M[artin] Schmid, Abt. II: August Hermann Francke: Schriften und Predigten. Hrsg. von Erhard Peschke, Bd. 1. In:
Literatur. Music. Fine Arts. A Review of German-language Research Contributions on Literature, Music, and Fine Arts. With Bibliographies = German Studies, Section III, Vol. 18. (Tübingen) 1985, Number 2 (= S. 129 – 224), S. 150 – 153 unter dem Titel: Peschke, Erhard (Ed.): August Hermann Francke. Polemic Writings.
Englische Übersetzung von Nr. 21.
19) [Rez.:] Klaus J[oachim] Heinisch: Der Wassermensch. Entwicklungsgeschichte eines Sagenmotivs. (stuttgart 1981). In:
ARIES. Association pour la Recherche et l'Information sur l'Esotérisme. Directeurs: Antoine Faivre, Pierre Deghaye, Roland Edighoffer, no 3, (Mars 1985), S. 98 – 104.
20) [Rez.:] Feofan Prokopovič: De arte rhetorica libri X [decem] Kijoviae [Kiev] 1706. Mit einer einleitenden Untersuchung und Kommentar hrsg. nach zwei Handschriften aus den Beständen der Kiever Zentralen Akademie-Bibliothek von Renate Lachmann. Handschriftenredaktion: Bernd Uhlenbruch. Köln / Wien 1982 = Rhetorica Slavica, Bd. 11 / Slavistische Forschungen, hrsg. von Reinhold Olesch, Bd. 27/11. In:
Rhetorik. Ein internationales Jahrbuch. Hrsg. von Joachim Dyck gemeinsam mit Ludwig Fischer, Walter Jens, Klaus Pawlowski, Gert Ueding, Bd. 4. (Stuttgart-Bad Cannstatt 1985), S. 227 – 231.
21) [Rez.:] August Hermann Francke: Streitschriften (1981; wie Nr. 18). In:
ARIES. Association pour la Recherche et l'Information sur l'Esotérisme. Directeurs: Antoine Faivre, Pierre Deghaye, Roland Edighoffer, no 4, (Décembre 1985), S. 97 – 100.
Deutsches Original von Nr. 18.
22) [Rez.:] Erich Psczolla: Johann Friedrich Oberlin. 1740 – 1826. (Gütersloh 1979). In:
Blätter für württembergische Kirchengeschichte. Im Auftrag des Vereins für württembergische Kirchengeschichte hrsg. von Gerhard Schäfer und Martin Brecht, Jg. 85 (1985). Stuttgart (1986), S. 197 – 200.
23) [Rez.:] Johann Henrich Reitz: Historie Der Wiedergebohrnen. Vollständige Ausgabe der Erstdrucke aller sieben Teile der pietistischen Sammelbiographie (1698 – 1745) mit einem werkgeschichtlichen Anhang der Varianten und Ergänzungen aus den späteren Auflagen. Hrsg. von Hans-Jürgen Schrader, Bd. 1 – 4. Tübingen 1982 = Deutsche Neudrucke. Reihe: Barock. Begründet von Erih Trunz. Hrsg. von Conrad Wiedemann, 29/1–4. In:
Buchhandelsgeschichte. Aufsätze, Rezensionen und Berichte zur Geschichte des Buchwesens. Hrsg. von der Historischen Kommission des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Jg. 1986/4 = [Beilage zu:] Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel - Frankfurter Ausgabe - Nr. 94 (= S. B 121 – B 160), vom 25. November 1986, S. B 150, Sp. 1, – S. B 153, Sp. 1.
24) [Rez.:] Gert Ueding / Bernd Steinbrink: Grundriß der Rhetorik. Geschichte. Technik. Methode. (2. Aufl.) Stuttgart (1986). (1. Aufl. u. d. T.: Gert Ueding: Einführung in die Rhetorik. Geschichte. Technik. Methode. Unter Mitarbeit von Chritine Brüggemann, Elfriede Callier [...] und Bernd Steinbrink). In:
Rhetorik. Ein internationales Jahrbuch. Hrsg. von Joachim Dyck, Walter Jens, Gert Ueding, Bd. 6. Rhetorik und Psychologie. (Hrsg.: Joachim Dyck.) Tübingen 1987, S. 207 – 211.
25) [Rez.:] Rudolf Lang: Neues zur Seherin von Prevorst [d. i. Friederike Hauffe geb. Wanner]. Innsbruck (1983) = Institut für Grenzgebiete der Wissenschaft (Innsbruck). Grenzfragen. Schriftenreihe für Grenzgebiete der Wissenschaft, hrsg. von Andreas Resch, 11. In:
ARIES. Association pour la Recherche et l'Information sur l'Esotérisem. Directeurs: Antoine Faivre, Pierre Deghaye, Roland Edighoffer, no 7, (Juin 1988), S. 68 – 69.
Kurzfassung von Nr. 26.
26) [Rez.:] Rudolf Lang: Neues zur Seherin von Prevorst [1983]; wie Nr. 25]. In:
Suevica. Beiträge zur schwäbischen Literatur- und Geistesgeschichte. Hrsg. von Harmut Froeschle [Fröschle], Bd. 4 (1987). Stuttgart (1988) (Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik, Nr. 212), S. 101 – 105.
Ausführliche Fassung der unter Nr. 25 verzeichneten Rezension; vor dieser abgefaßt.
27) [Rez.:] Hans Weder: Die "Rede der Reden". Eine Auslegung der Bergpredigt heute. Zürich (1985). In:
Rhetorik. Ein internationales Jahrbuch. Hrsg. von Joachim Dyck, Walter Jens, Gert Ueding, Bd. 7. Rhetorik heute I. (Hrsg.: Gert Ueding.) Tübingen 1988, S. 176 – 178.
28) [Rez.:] Petra Zwerenz: Lüftelos. Gedichte. (Reutlingen-)Reicheneck 1988) = Aldus-Presse [Reutlingen-]Reicheneck, Ausgabe 42. In:
Suevica. Beiträge zur schwäbischen Literatur- und Geistesgeschichte. Hrsg. von Hartmut Froeschle [Fröschle], Bd. 5 (1989). Stuttgart (1989) = Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik, Nr. 230, S. 187 – 189.
29) [Rez.:] ARIES. Association pour la Recherche et l'Information sur l'Esotérisme. Directeurs Antoine Faivre, Pierre Deghaye, Roland Edighoffer, No 1–8. Paris, [octobre 1983] – décembre 1988. In:
Suevica 5 [1989; wie Nr. 28], S. 191 – 194.
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Zu Friedrich Christoph Oetingers Werken – eine neue, umfassende Bibliographie
- Bibliographische Notierung der Bibliographie
Im März 2015 ist nach jahrzehntelanger Vorbereitung das folgende Werk erschienen:
- Die Werke Friedrich Christoph Oetingers. Chronologisch-systematische Bibliographie 1707 – 2014, bearbeitet von Martin Weyer-Menkhoff, Reinhard Breymayer. (Berlin; München; Boston [, Massachusetts, USA] : ) (Walter) de Gruyter (GmbH), 27. März 2015 (Bibliographie zur Geschichte des Pietismus, Band 3. Im Auftrag der Historischen Kommission zur Erforschung des Pietismus [Hannover, bei der Union Evangelischer Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland] hrsg. von Hans Schneider, Hans Otte, Hans-Jürgen Schrader). – VIII, 445 S. Großoktav. – Leinen: ISBN 978-3-11-041450-9; eBook (PDF): e-ISBN 978-3-11-041460-8; eBook (EPUB): e-ISBN 978-3-11-041465-3; Print/eBook: ISBN 978-3-11-041461-5.
- Beschreibung des Inhalts der Bibliographie
Die Beschäftigung mit Oetingers Werk ist auch wegen Unübersichtlichkeit und seiner ausufernden Bezugnahmen eine schwierige Sache, obwohl manche gute bibliographische Vorarbeit existiert (so die Bibliographie zur Geschichte des Pietismus, Band 1).
- Daraus ergab sich die Notwendigkeit des Projekts einer annotierten Bibliographie. Sie präsentiert übersichtlich gestaltet 167 gedruckte Werktitel in knapp 1.000 Ausgaben, und zwar sowohl chronologisch als auch in einer Systematik, die Zusammenhänge offenlegt. Neueste Forschungsergebnisse und Entdeckungen werden dokumentiert. So wurde etwa eine Fülle unbekannter Oetinger-Drucke aufgespürt. Dabei erwiesen sich Genealogie und Netzwerkanalyse als effektive Methoden auch bei der Identifikation und Verortung wenig bekannter Autoren. Falsche Titelwiedergaben oder Autorenzuweisungen konnten so beseitigt werden. 29 Exkurse zu editorischen, genealogischen Fragen aus den Gebieten Theologie, Philosophie, Germanistik, Hermetik und Naturwissenschaften machen dieses Werk zu einer Fundgrube des 18. Jahrhunderts und seiner Wirkungsgeschichte. 5 umfangreiche Register erschließen das Ganze.
- For the first time, a lucid, annotated bibliography that strives for completeness is available for the often rare and hard to find printed works of the pietistic theologian, philosopher, and polymath Friedrich Christoph Oetinger. The work is structured to provide an overview of his complicated, interconnected body of work. With many new discoveries, directories, 29 excursuses, and 5 indices, the bibliography is an 18th century treasure trove.
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Leserbrief zum Ausbaubedarf der wissenschaftlichen Pietismusforschung in Württemberg
- Reinhard Breymayer: Schmal aufgestellt. Zu Was Pietisten antreibt, 21. Mai 2015 [, Seite 22]. In: Stuttgarter Zeitung. Die unabhängige Zeitung für Baden-Württemberg, Jahrgang 71, Woche 23, Nr. 123. Stuttgart, Montag, 1. Juni 2015, S. 16, Spalte 1: "Leserforum", hier Zeile 67 – 97:
»Der Artikel über die Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart erschließt wie diese überzeugend die Bedeutung des Pietismus für Württemberg. Nur ein Satz erzeugt bei Kennern einen "Pisa"-Schock: "Der Frankfurter Pfarrer Johann Jakob Spener veröffentlichte 1675 seine Schrift 'Pisa desideria' ("Fromme Wünsche")'. Es muss "Philipp Jakob" und "Pia desideria" heißen. – "Pisa desideria" sind "ersehnte Erbsen" (französisch: "pois désirés").
Nach meiner 49jährigen Forschung über den Pietismus, zu der auch eine Veröffentlichung an der Universität Pisa über einen Radikalpietisten gehört, stelle ich fest: In der sonst exzellenten Hochschul- und Studienhaus-Landschaft Südwestdeutschlands ist die wissenschaftliche Pietismusforschung allzu schmal aufgestellt – gemessen am Potenzial gerade Württembergs. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ausstellungen wie diese nähren die "Hoffnung besserer Zeiten" (Spener), in der historische Kenntnisse noch fester verankert sind.« ____________________________________________________________________________________________________________________________
Vorstellung der neuen chronologisch-systematischen Oetinger-Bibliographie
- Reinhard Breymayer: [Autorreferat über die Bibliographie] Die Werke Friedrich Christoph Oetingers [...]. Bearbeitet von Martin Weyer-Menkhoff und Reinhard Breymayer. (Berlin, München, Boston 2015.) In:
Kreisblatt der A. V. [Akademischen Verbindung] Föhrberg (TBK [Tübinger Bibelkreis]). Freundschaft – Glaube – Wissenschaft [Umschlagtitel]. (Redaktion: Christoph Jag; [Redaktion] Kleine Nachrichten und Föhrberg-Autoren: Martin Bregenzer.) (Tübingen.) Herbst 2015 (= S. [3009]–[3060]), S. 3049, Zeile 22–35.
Hier Zeile 31–35 Bezugnahme auf den Leserbrief in der Stuttgarter Zeitung vom 1. Juni 2015, S. 16, zum Ausbaubedarf der württembergischen Pietismusforschung)
Die Miszelle findet sich in der S. 3048–3058 umfassenden Rubrik "kleine Nachrichten". ([Mitgeteilt von] Martin Bregenzer.)
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Zur Veröffentlichung sind die folgenden Texte vorgesehen:
- Reinhard Breymayer: "Dees ischd 'a Abbild dessen davon ..." Zum pietistischen Sprachgebrauch in einer schwäbischen Erbauungsstunde des 20. Jahrhunderts. In: Wirkungen des Pietismus in Literatur und Heilkunde. Tagungsberichtsband Marbach [am Neckar]/Frankfurt [am Main]. Hg. von Irmtraut Sahmland und Hans-Jürgen Schrader. Göttingen [Niedersachsen] : Vandenhoeck & [und] Ruprecht [2015?] (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus). - Es handelt sich um die Veröffentlichung eines auf einer Tagung der Historischen Kommission zur Erforschung des Pietismus und des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar gehaltenen Referats von Reinhard Breymayer.
- Reinhard Breymayer: Der Theosoph Friedrich Christoph Oetinger im Gravitationsfeld von Erhard Weigel und seinem Schüler Detlev Clüver. Dem Andenken des bedeutenden Oetinger-Forschers Guntram Spindler (1940–2014).
- In: Katharina Habermann, Klaus-Dieter Herbst (Hrsg.): Erhard Weigel (1625–1699) und seine Schüler. Göttingen [Niedersachsen] : Universitätsverlag Göttingen, 2016 [vor der Drucklegung].
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A) Zwei quellenkritische Ergänzungen von Reinhard Breymayer zu Johann Albrecht Bengel
Im Frühjahr 2013 hat Reinhard Breymayer zwei philologische Probleme gelöst, die in einem ausgezeichneten, sorgfältig redigierten Artikel von Herrn Privatdozent Pfarrer Dr. theol. Rolf Noormann in den Blättern für württembergische Kirchengeschichte noch offen geblieben waren. Die Im Juni 2013 Herrn Dr. Noormann übermittelten Ergänzungen beziehen sich auf:
Rolf Noormann: Frömmigkeit und Bildung. Johann Albrecht Bengels Denkendorfer Antrittsrede. In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte 112 (2012), S. 45 – 113.
A. Zwischen Hippokrates und Chrysostomus
Bei Bengel liegt offenbar eine Kontamination zwischen dem Corpus Hippocraticum und Chrysostomus vor.
1. „Und das Beten ist zwar gut ...“ findet sich im Corpus Hippocraticum. Im Griechischen lautet es, wie folgt:
"Kaì tò mèn eúchesthai agathón, deî dè kaì autòn syllambánonta toùs theoùs epikaleîsthai."
Vgl. Fortunat Hoeskly: Heilverfahren. Studien zum Ritual der archaischen und klassischen Zeit sowie zum Corpus Hippocraticum. Göttingen 2001 (Hypomnemata, 135) (Veranwortlicher Herausgeber: Christoph Riedweg), S. 299, Anm. 256: "Vict. IV 87 (VI 642L = CMG I 2, 4 p. 218, 14 ff.)." Gemeint ist: Hippokrates [Zuschreibung; teilweise beteiligter Verfasser]: De victu (perì diaítes, Über die Diät): IV 87 (VI 642L = Corpus Medicorum Graecorum I 2, 4 p. 218, 14 ff.). Hippokrates legt im Gegensatz zur frühen griechischen Medizin Wert auf die Eigenbeteiligung des Menschen bei Heilverfahren. Maimonides zum Beispiel legt den Akzent auf das Gebet.
2. Mit der Rede vom Gebet als erstrangigem Gut assoziiert Bengel offenbar zugleich eine Aussage des heiligen Chrysostomus, mit dem er sich ja nachhaltig beschäftigt hat, wie auch die von Dr. Dieter Ising edierten Briefe beweisen. Die entscheidende Stelle findet sich bei Chrysostomus: Homilie 6, De precatione. Siehe Migne: Patrologia Graeca 64, 462: "Κορυφαιότατον ἀγαθòν εὐχὴ καì ὁμιλία θεοῦ […]." „lien“ könnte an „homilia“ anklingen.
Eine lateinische Übersetzung lautet: „Summum bonum est precatio et colloquium cum Deo, nam est consociatio et unio cum Deo."
Hier findet sich auch ein Beleg für die in Psalm 19, 15 zu findende Vorstellung vom Gebet als Gespräch (des Herzens) mit Gott. (Die Definition „Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung“ im württembergischen Katechismus seit etwa 1910 klingt im ersten Teil an Psalm 19, 15, und daran anknüpfende Traditionen an, was vielfach übersehen worden ist.) Die Anschauung vom Gebet als Reden des Herzens mit Gott stammt inhaltlich nicht, wie oft behauptet, von Luther, der Psalm 19, 15 folgendermaßen übersetzt hat: „Las dir wolgefallen die rede meines mundes / Vnd das gesprech meines hertzen fur dir. HERR mein Hort / Vnd mein Erlöser.“ (1545.)
Interessant ist vor allem aber die Frage nach der Mitwirkung des Menschen mit Gott (die cooperatio hominis cum Deo etwa bei Luther, W. A., Bd. 8). Von Friedrich Christoph Oetinger stammt ja die Formulierung: „Beten heißt, mit Gott wirken.“ Vor allem aber auch ist die Devise des heiligen Benedikt von Nursia einzubeziehen: „Ora et labora“ oder die Vorstellung der Alchemisten vom Laboratorium als einem Oratorium.
B. Summa summarum
Seneca: Epistulae morales 40, 14: „summa summarum haec erit“: „Das Endergebnis wird folgendes sein“. „ Die Summe der Summen“, „Summe aller Summen“, bedeutet das Hauptergebnis, das Ergebnis aus allem Vorigen; die Wendung wird meist verwendet im Sinn von insgesamt, alles in allem, um alles mit einem Worte zu sagen.
Die Übersetzung von Bengels Äußerung muß also lauten: „Um mit der Wendung ‚alles in allem‘ einen Ausdruck Senecas zu gebrauchen, heißt das: „Ein frommer Mensch hat einen gnädigen Gott […].“
Bengel folgt mit seiner Wendung „ut Senecae verbo utar“ selbst dem Sprachgebrauch Senecas, der sich mit der entsprechenden Wendung offensichtlich nicht auf einen ganzen Ausspruch (für den „verbum“ an sich durchaus als pars pro toto stehen könnte) bezieht.
Seneca: Epistulae morales ad Lucilium 17, 2 sagt: „[...] necdum scis, quantum ubique nos adiuvet, quemadmodum et in maximis, ut Ciceronis utar verbo, ‘opituletur’ <et> in minima descendat.“
Hier wird gezielt das einzelne Wort „opituletur“ als Äquivalent für „adiuvetur“ angesprochen. Ebenso bezieht sich Bengel nicht auf den Ausspruch über Gott als Quelle der Weisheit, sondern nur auf die Formel (linguistisch gesprochen „Nominalphrase“ / englisch „noun phrase“) „summa summarum“.
Ebenso verfährt Quintilian: De institutione oratoria, 6, 3, 23: „Nostra ridicule indicamus et, ut verbo Ciceronis utar, dicimus aliqua subabsurda.“ Hier bezieht er sich auf das Einzelwort „subabsurda“.
B) Reinhard Breymayer: Skizze einer Besprechung: Personengeschichtliche und bibliographische Erläuterungen zu Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein (einem Neffen von Philipp Matthäus Hahns Auftraggeber Fürst Joseph Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen), Aufklärung und Illuminismus, Mystik und Mechanik – Friedrich Christoph Oetinger (Philipp Matthäus Hahn?) und Wolfgang Amadeus Mozart. Zu einem exzellenten Buch von Ivo Cerman (Budweis) mit einigen weiterführenden Hinweisen
Ivo Cerman: Aufklärung oder Illuminismus? Die Enzyklopädie des Grafen Franz Josef Thun. (Stuttgart) : Franz Steiner Verlag (2015) (Contubernium. Tübinger Beiträge zur Universitäts- und Wirtschaftsgeschichte. Hrsg. von Jörg Baten, Ewald Frie, Sigrid Hirbodian, Andreas Holzem, Ulrich Köpf, Anton Schindling, Jan Thiessen und Urban Wiesing, Bd. 82). – 322, [II] S.
Zunächst sollen einige kurze Hinweise zur Forschungslage gegeben werden, auf der Cerman in eigenständiger Weise aufbaut und die er, vor allem durch eine glückliche Entdeckung, weiterführt.
Herr Professor Dr. Dr. Antoine Faivre (Paris-Sorbonne) hat wichtige Forschungsergebnisse zu Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein im Rahmen seiner großen Arbeit zu Karl von Eckartshausen vorgelegt.
Der Titel dieser grundlegenden Arbeit lautet:
Antoine Faivre: Eckartshausen et la théosophie chrétienne. Paris : Librarie C. Klincksieck, 1969. – 788 S.
An dieser Stelle kann nur summarisch auf dieses kaum auszuschöpfende Werk verwiesen werden. Faivre zeigt, daß Franz Joseph Reichsgraf von Thun mit Karl von Eckartshausen sowie Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart persönlich bekannt war und nicht nur im Briefwechsel mit Johann Caspar Lavater, dem Brief- und Gesprächspartner von Friedrich Christoph Oetinger, Jakob Friedrich Klemm und Philipp Matthäus Hahn stand, sondern diesen im Jahr 1781 auch einmal in Zürich besuchte. Faivre würdigt Franz Joseph Thuns therapeutischen Einsatz des animalischen Magnetismus und seine Geisterseherei, die Beziehung zu dem Geist, „spiritus familiaris“, Gablidone, von dem Thun im Juli 1781 Lavater bei einem etwa 14 Tage währenden Besuch in Zürich berichtet; vgl. S. 195 mit Anm. 149 zur Korrespondenz Thun-Lavater in der Zentralbibliothek Zürich. Dort befinden sich 13 Briefe von Thun an Lavater aus den Jahren 1777 – 1784 unter der Signatur: FA Lav MS 529 und 16 Briefe von Lavater an Thun aus den Jahren 1777 – 1782 unter der Signatur: FA Lav MS 584.
Im Jahre 1787 erschien eine hauptsächlich offen gegen Lavater und den durch Anonymisierung als „Graf T***“ rücksichtsvoller behandelten Grafen Franz Joseph von Thun und Hohenstein gerichtete Satire unter dem Titel:
[Johann Caspar] Lavater [ursprünglicher Verfasser; Hauptobjekt der Schmähschrift neben dem darin erwähnten ***, d. i. Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein]; [Anonymus] [Gegnerischer Hrsg. und Mitverfasser]:
[Johann Caspar] Lavaters | Protokoll | über | den Spiritus Familiaris | Gablidone. || Mit | Beylagen und einem Kupfer. || [Zierleiste] | Frankfurth [Frankfurt am Main] und Leipzig [Messeorte; wahrer Verlagsort und Verleger sowie Drucker wie Druckort unbekannt], | 1787. – 84 S. [5] Blatt, [1] gefaltetes Blatt; 1 Abbildung (Kupferstich). Standort: Nationalbibliothek der Tschechischen Republik, Prag; Signatur: L 1339; Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar; Österreichische Nationalbibliothek Wien, Signatur: 32 221 – A.
Vgl. dazu Cerman: Aufklärung, S. 13 mit Anm. 8. Cerman hat das Prager Exemplar herangezogen.
S. (3) – 24: [Gegnerischer Anonymus]: Erklärende Einleitung.
S. (25) – 58: A. | Gablidone | eine Nachricht | von | [Johann Caspar] Lavater. | [Blatt] B 5 [a].
Wichtig ist hier die Charakterisierung von *** [d. i. Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein durch Lavater: „Sein Haupttalent ist Mechanik.“ (S. [27 = Blatt B 6 a].)
Vgl. auch die Anspielung von Franz Joseph Reichsgraf von Thun auf „ein seltsames Stück aus meinem mechanischen Schul-Sack“ (zitiert bei Cerman: Aufklärung, S. 74 mit Anm. 275). Cerman, der zwar grundsätzlich Thuns zeitweilige Aktivität als logenangehöriger Freimaurer anerkennt, deren Nachhaltigkeit aber in Zweifel zieht, stellt fest: „Die ältere Literatur überliefert, dass er bereits seit 1776 zu den Anhängern der Strikten Observanz gehört und sogar als freimaurerischer Berater des Herzogs Albrecht Casimir von Sachsen-Teschen fungiert habe.“ (Cerman: Aufklärung, S. 84 mit Anmerkung 315.) Faivre: Eckartshausen, S. 193 mit Anm. 138, berichtet unter Berufung auf René Le Forestier, Thun habe daraufhin den Namen „Eques ab Horologio“ angenommen, also ‚Ritter von der Uhr‘. Das könnte nach Ansicht des Schreibers dieser Zeilen wieder ein Zeichen für mögliches Interesse an Uhren Philipp Matthäus Hahns oder seiner Mitarbeiter sein.
S. 59 – 84: B. | Buchstäbliche Probe | von | der vorgeblich überirrdischen Weisheit | und dem hohen Sinn | des | Gablidone. || Aus den von ihm dictirten Papieren | gezogen.
[Satirischer Anhang:]
S. (85) – (91) = Blatt F 3 a – F 6 a: „Auf [Johann Caspar] Lavaters Aufenthalt in Zürich und seine vorgeschlagene Magnetische Kuren. Angeblich von einem Geistlichen aus Bremen verfertiget. ||
Mel[odie]. Wie schön leucht’t uns der Morgenstern. [Kontrafaktur: Spottlied mit 13 Strophen zu je 9 Versen.]
1.
Wie schön leucht’t uns von Zürich her
Der Wundertäter Lavater
Mit seines Geistes Gaben.
Sein neues Evangelium
Hat uns bezaubert um und um
Thut blöde Seelen laben.
Wunder, Plunder,
Magnetismus, Prophetismus
Zauberkuren, zeigen seiner Finger Spuren.
[…].“
S. (92) – 94 = Blatt F 6 b – F 7 b: „Erklärung des Kupferstiches, wie sie nemlich von den Anhängern der Sache gegeben wird.“
Antoine Faivre teilt in einer E-Mail vom 24. August 2015 seine neuen Forschungsergebnisse zur Gablidone-Affäre mit. Er hat sich intensiv mit der geheimnisvollen Affäre des Pfarrerssohns Carl Friedrich Tiemann (auch: Tieman) befaßt. Dieser wurde 1743 in Niedergörsdorf bei Jüterborg geboren. Der Ort gehörte damals zum wettinischen Fürstentum Sachsen-Querfurt; seit 1997 ist er Ortsteil der Großgemeinde Niedergörsdorf, Landkreis Teltow-Fläming im Land Brandenburg. Tiemann starb 1802 in Sankt Petersburg, der damaligen Hauptstadt des Kaiserreichs Rußland. Tiemann stand mit vielen Größen wie Johann Georg Hartmann (iunior; 1730 – 1788) und Johann Caspar Lavater (1740 – 1801) in Verbindung und war eine Zeitlang Hofmeister zweier Kinder der Zarin Katharina II. der Großen von Rußland (1729 – 1796), wie Antoine Faivre herausgefunden hat. Das Ergebnis seiner jahrzehntelangen Forschungen über Tiemann und seine Umwelt wird er voraussichtlich im Spätherbst des Jahres 2015 zur Veröffentlichung in Form eines „ziemlich umfangreichen Buches“ einreichen. Der Titel des Buches lautet: De Londres à Saint-Pétersbourg: Carl Friedrich Tieman [1743–1802] aux carrefours des courants illuministes et maçonniques. Wir nennen aus dem Buch Faivre: Eckartshausen (1967) exemplarisch weitere Seiten, auf denen Wesentliches für unser Thema zu finden ist:
Bonnet, Charles: 51, 52, 144, 150, 498, 499, 623, ab
Mozart, Leopold: 133
Mozart, Wolfgang Amadeus: 53. 133. 193. 588
Oetinger, Friedrich Christoph: 9, 150, 181, 280, 325, 435, 584, 643 – 645, 647, 729
Thun und Hohenstein, Franz Joseph Reichsgraf von: 133, 134, 183, 187, 191 – 199, 215, 226, 565; (im Personenregister) S. 759, Sp. 1, Zeile 36 – 37 S. 191 – 199: "[Sebastian] Winkelhofer [1743 – 1806], grand prédicateur, et [Franz Joseph Reichgraf von] Thun [und Hohenstein], fameux magicien. La correspondence avec [Johann Gottfried] Herder et Jung-Stilling [Johann Heinrich Jung genannt Stilling]".
Thun [und Hohenstein], Joh[ann] Jos[eph] Reichsgraf von Thun [und Hohenstein]: 193, Anmerkung 137. S. 193, Anmerkung 137, zitiert Faivre aus dem Buch von Richard Koch [II.]. Dessen Titel lautet:
Br.•. [Bruder] Mozart. Freimaurer und Illuminaten. Nebst einigen freimaurerischen kulturhistorischen Skizzen. Nach geheimen Dokumenten und Quellen im Museum Carolino Augusteum zu Salzburg. (Reinertrag zum Besten des Reichenhaller Kurfonds und Sanatoriums. Milde Fr[eimaurerische?]. Stiftung.) Als Ms. [Manuskript] gedruckt. Bad Reichenhall (1911), S. 15: „Graf Joh. Jos. Thun, Beförderer der Musik in Prag (I[er] Aufs[eher]. der Loge Zu den sieben Weisen in Linz [an der Donau, R. B.] […]. Es gehörten damals fünf Grafen Thun dem Freimaurerbunde an !)“ (Zum genauen Buchtitel siehe ebenda, S. 133, Anmerkung 215.) – Richard Koch [II.] war Direktor des Museums, des heutigen Salzburg Museums in der Neuen Residenz in Salzburg, der Hauptstadt des Bundeslandes Salzburg der Republik Österreich. Der Hinweis darauf, daß es sich bei Johann Joseph Thun um den Vater von Franz Joseph Thun handelt, wäre zu ergänzen. [R. B.]
Thun [und Hohenstein], Mme [Madame] [Maria Wilhelmina Anna Josepha] Reichsgräfin von, [geb. Comtesse von] Ulfeld: 193 mit Anmerkung 137; im Personenregister S. 759, Sp. 1, Zeile 38, und Sp. 2, Zeile 30
Zum erwähnten neuen Buch von Ivo Cerman
Neuerdings, im Jahr 2015, hat Dozent Dr. Dr. Ivo Cerman von der Südböhmischen Universität Budweis in seinem wichtigen Buch auf die Rezeption Friedrich Christoph Oetingers bei dem zeitweiligen Freimaurer Reichsgraf Franz Joseph von Thun und Hohenstein hingewiesen. Die von Reinhard Breymayer im vorliegenden Text herausgestellte verwandtschaftliche Beziehung des Grafen zu einem Onkel mütterlicherseits, Philipp Matthäus Hahns Auftraggeber Joseph Friedrich Wilhelm Eugen Johannes Franz Xaver Meinrad Reichsfürst von Hohenzollern-Hechingen, läßt bei „dem regen Interesse des Grafen Thun für Maschinen und technologischen Fortschritt“ (S. 13) aufhorchen. Es ist denkbar, daß der Graf Thun, der sich, wie bereits erwähnt, das Pseudonym "Eques ab Horologio" zugelegt hat, etwa die eine oder andere Uhr oder Waage von Philipp Matthäus Hahn oder seinem Umkreis erworben hat. Diese konkrete Fragestellung wäre in den Recherchen von Dr. Cerman noch zu ergänzen.
Vgl. Philipp Matthäus Hahn:
a) Kurze Beschreibung einer kleinen beweglichen Welt-Maschine. Faksimile-Neudruck der wiederentdeckten Ausgabe Konstanz 1770. Hrsg. von Reinhard Breymayer. Mit einem Geleitwort von Alfred Munz. Tübingen : Nôus-Verlag Thomas Leon Heck 1988. – XXXIV, [IV], 14 S. 4°.
b) Teilauflage mit Zusatz: Sonderauflage für das Württembergische Landesmuseum [Stuttgart].
Bedeutsam ist die wahrhaft „glückliche Entdeckung“ (Cerman: Aufklärung S. 12 – 14), daß der Graf Thun nicht nur ein weltfremder Mystiker war, sondern sich auch als Schriftsteller und Philosoph betätigte, dabei durchaus auch der Aufklärung Tribut zollte, also zwischen Aufklärung (den „Lumières“) und Illuminismus (im Sinne der Nachtseite der Aufklärung, entsprechend dem französischen Begriff „Illuminisme“) vermittelte.
Vgl. Reinhard Breymayer: "Elie Artiste": Johann Daniel Müller de Wissenbach / Nassau <1716 jusqu'après 1785>. Un aventurier entre le Piétisme radical et l'Illuminisme. In:
Université de Pise. Istituto di Lingua e Letteratura francese / Universite d'Angers. Centre de Recherches sur l'Europe du XVIIIe siècle; Université de Clermont II. Centre de Recherches Révolutionnaires et Romantiques [Korporative Verfasser]: Actes du Colloque International 'Lumières et Illuminisme'. Textes réunis par Mario Matucci. Pisa (1985) (Critica e Storia Letteraria, 9), S. 65 – 84. – Der bibliographische Hinweis rechtfertigt sich außer durch die Berücksichtigung des Begriffspaars “Lumières – Illuminisme“ auch dadurch, daß´der Musiker und selbsternannte Stifter einer Vereinigungsreligion „Offenbarung Christi“ als „Élie Artiste“ („Elias Artista“) ein bis zu Breymayers Aufdeckung des Pseudonyms im Dunkeln gebliebener Patron der „Illuminés d’Avignon“ war, mit denen auch Thun Kontakt aufnahm. Vgl. Faivre: Eckartshausen, S. 194 mit Anm. 143: „En 1785, on trouve Thun en rapport avec les Illuminés d’Avignon, dont [Marie Daniel Bourrée de] Corberon fait partie un peu plus tard.“
Die Adressen von Dozent Dr. Dr. Dr. Ivo Cerman von der Südböhmischen Universität Budweis / České Budějovice (Jihočeská univerzita v Českých Budějovicích) –
Filozofická fakulta Jihočeské univerzity v Českých Budějovicích:
doc. PhDr. et Dr. phil. Ivo Cerman, Ph.D. http://www.ff.jcu.cz/doc.-phdr.-et-dr.-phil.-ivo-cerman-ph.d. ... Branišovská 31a, 370 05 České Budějovice; Tel: +420-387 774 801; Fax: +420 387 774 812; E-mail: dekanat@ff. jcu.cz.
Privat: doc. PhDr. et Dr. phil. Ivo Cerman, Ph.D. Kontakt: Pracovna 02 029; Telefon: +420-387 774 834; E-mail: cerman@ff.jcu.cz .
Dabei hat Dozent Dr. Dr. Cerman an die Vorarbeit von Professor Dr. Dr. Antoine Faivre angeknüpft.
S. 21 mit Anmerkung 43 von Wouter [Jacobus] Hanegraaf stellt Cerman fest, daß Antoine Faivre „zu Recht als der Begründer der historischen Esoterikforschung gilt“.
S. 22 berücksichtigt Cerman (gegenüber Faivre etwas zurückhaltender) auch die Forschungen des Kirchenhistorikers Ernst Benz: „Seine Karriere im Nachkriegsdeutschland begann mit grundlegenden Monographien über Swedenborg, die er mit Beiträgen über dessen Anhänger in Deutschland ergänzte.“ [Anmerkung 49: Ernst Benz: Emanuel Swedenborg. Naturforscher und Seher. München 1948; Ders.: Swedenborg in Deutschland. F. C. Oetingers und I. Kants Auseinandersetzung mit der Person und Lehre Swedenborgs. Frankfurt am Main 1947.]
„Diese Arbeit war bis zu der kürzlich erschienen[en] Darstellung von Friedemann Stengel die einzige umfassend theologische Untersuchung zu Swedenborgs Ansichten.“ [Anmerkung 50: Friedemann Stengel: Aufklärung bis zu[m] Himmel. Emanuel Swedenborg im Kontext der Theologie und Philosophie des 18. Jahrhunderts. Tübingen 2011.]
S. 22 sagt Cerman über Ernst Benz weiterhin: „Da seine Studien jedoch nicht an Esoterikforscher gerichtet waren, übten sie keinen vergleichbaren Einfluss auf die Entwicklung dieses Faches aus, wie die Werke Antoine Faivres. Dennoch kann die Erforschung der Esoterik des 18. Jahrhunderts nützliche Anregungen von Benz erhalten. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für zahlreiche deutsche Arbeiten zur Geschichte des Pietismus und zu einzelnen Theologen des 18. Jahrhunderts, aber eine Darstellung dieses Literaturgebiets würde unser Anliegen weit überschreiten.“
Hier wäre zu sagen, daß Antoine Faivre selbst vielfach dankbar an Forschungen von Ernst Benz angeknüpft hat und daß beispielsweise der südwestdeutsche Pietismusforscher Reinhard Breymayer seinerseits frühzeitig mit Ernst Benz und Antoine Faivre persönlich bekannt und von ihren Studien angeregt worden ist, zunächst vor allem durch Ernst Benz als wichtigen Oetingerforscher und dann nachhaltig durch Antoine Faivre und seine Kollegen Roland Edighoffer und Pierre Deghaye als maßgebende Esoterismusforscher. Für weitere Untersuchungen zu Leben und Werk des Grafen Franz Joseph von Thun und seiner Familie wäre das Gespräch mit der Pietismusforschung wichtig und weiterführend.
In der von Cerman vorgelegten Darstellung liegt der Akzent auf dem Verhältnis von Illuminismus und Aufklärung, für dessen Untersuchung der Budweiser Dozent über beeindruckende Kenntnisse verfügt.
Cerman würdigt S. 45 mit Anmerkung 144 und S. 46 mit Anmerkung 146 auch das bedeutende Werk von Rolf Christian Zimmermann: Das Weltbild des jungen Goethe, Bd. 1. Elemente und Fundamente. München 1969; Bd. 2. Interpretation und Dokumentation. München 1979 – zu ergänzen wäre die zweite, durchgesehene und erweiterte Auflage von Bd. 1. München 2002 und der besondere Beitrag Zimmermanns zur Wirkung von Friedrich Christoph Oetingers Anschauungen auf Goethe. Hier könnten auch einige Arbeiten des Oetinger- und Goethe-Forschers Reinhard Breymayer genannt werden.
Bedeutsam ist die Verbindung zu Leopold Mozart und vor allem Wolfgang Amadeus Mozart durch die Ehefrau des Reichsgrafen, Maria Wilhelmina Reichsgräfin von Thun und Hohenstein, geb. Reichsgräfin von Uhlfeld, die in Wien einen musikalischen Salon unterhielt, in dem Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und der Römisch-Deutsche Kaiser verkehrten. Philipp Matthäus Hahn hat Kaiser Joseph II. im Jahr 1777 in Stuttgart seine Rechenmaschine vorgefüht; dieser Kaiser war also mit dem berühmten Mechanikerpfarrer Philipp Matthäus Hahn wie mit dem mechanikfreundlichen Neffen von dessen Auftraggeber Joseph Wilhelm Reichsfürst von Hohenzollern-Hechingen, Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein, persönlich bekannt.
Cerman bezieht sich in seinem Buch Aufklärung (2015), S. 77 – 78, Anmerkung 286 zu S. 77, auf folgende Abhandlungen über die Familie Thun:
Rudolph Angermüller: Die Familie des alten Grafen Thun. In: Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum 46 (1998), S. 26 – 41, hier S. 26; speziell zu den Beziehungen zwischen Mozart und den Grafen von Thun: Cornelius Preihs: Mozarts Beziehungen zu den Familien von Thun-Hohenstein. In: Mozart-Jahrbuch 3 (1943), S. 63 – 87; Alfred Orel: Gräfin Wilhelmine Thun. Mäzenatentum in Wiens klassischer Zeit. In: Mozart-Jahrbuch 1954, S. 89 – 101; Simon P. Keefe; Artikel Thun-Hohenstein family. In: Cliff Eisen / Simon P. Keefe (Hrsg.): The Cambridge Mozart Encyclopedia. Cambridge 2007, S. 508 – 509; Christian Fastl: Artikel Thun-Hohenstein (Familie). In: Gerno Gruber / Joachim Brügge (Hrsg.): Das Mozart-Lexikon. Laaber 2005, S. 832 – 833; Volkmar Braunbehrens: Mozart ve Vídní. Prag 2006 (1. Aufl. Mozart in Wien 1781 – 1791. München 1986), S. 126 – 133.
Wolfgang Amadeus Mozart besaß ausweislich des Verzeichnisses seiner nachgelassenen Privatbibliothek ein Werk Oetingers, die Metaphysic in Connexion mit der Chemie. Sch[wäbisch] Hall [1770], worauf der Oetinger-Kenner und berühmte Mozartforscher Alfons Rosenberg, geb. München 6. Januar 1902, gest. Zürich 1. September 1985, hingewiesen hat.
Reinhard Breymayer hat im Katalog der Mozart-Ausstellung in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel genaue bibliographische Nachweise gegeben und dann in weiteren Veröffentlichungen zu Freimaurern im Umkreis Friedrich Christoph Oetingers gezeigt,daß Oetingers Neffe Eberhard Christoph Ritter und Edler von Oetinger (1743 – 1805), der spätere Freimaurer, durch seine Tätigkeit am Reichshofrat in Wien 1767/1768 nachmals der Rezeption Oetingers bei den Wiener Freimaurern die Wege geebnet haben kann, ebenso der mit Oetinger über dessen mütterliche Familie verwandte Christian Friedrich (von) Jäger (1739 – 1808), Medizinprofessor und Stuttgarter Logenbruder Eberhard Christoph von Oetingers. Jäger hatte in Tübingen, Leiden, Berlin und Wien studiert.
R[einhard] Br[eymayer]: Die Metaphysick in Connexion mit der Chemie, von J. Oetinger, Schw. Halle. In: Ulrich Konrad, Martin Staehelin (Hrsg.): "allzeit ein buch". Die Bibliothek Wolfgang Amadeus Mozarts. VCH, Acta humaniora, Weinheim
1991 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek [Wolfenbüttel], Nr. 66), ISBN 3-527-17827-9. S. 73 – 75. [Zum Thema "Mozart und Friedrich Christoph Oetinger".]
Die handschriftliche Notiz im Verzeichnis der nachgelassenen Bücher Mozarts bezieht sich auf folgendes Buch: [Friedrich Christoph Oetinger, Hauptverfasser und Hrsg.]; Halophilus Irenäus [„Salzlieb Friedlich“, Pseudonym für Theophilus (auch: Gottlieb) Friedrich Oetinger [aus Zensurgründen vorgeschobener Hrsg., tatsächlicher Mitverfasser]: Die Metaphysic in Connexion mit der Chemie […], ans Licht gegeben von Halophilo Irenäo [Halophilus Irenäus, d. i. Theophilus Friedrich] Oetinger, Medicinae Licentiato und Philos[ophiae]. Hermeticae cultore, in Cl[oster]. Murrhard[t]. Schw[äbisch]. Hall. Gedruckt bey Johann Christoph Messerer. [1770.] – [X], 634, [XVI] S. 8°.
Breymayer fußt auf einer Vorarbeit des bereits erwähnten bedeutenden römisch-katholischen Mozartforschers jüdischer Herkunft Alfons Rosenberg (1902 – 1985). Dieser ist auch als Oetinger-Kenner hervorgetreten und hat auf die Erwähnung der Metaphysic im Verzeichnis von Mozarts Nachlaß hingewiesen. Breymayer hat die bibliographische Notierung und inhaltliche Würdigung weiter präzisiert.
Zum Namen „Thun“: In den Urkunden des 11. bis 13. Jahrhunderts wurden die Angehörigen des Adelsgeschlechts auch Thunne, Tunnum, Tonnum, Tonno, Tono und Tunno genannt.
Stammsitz des Tiroler Adelsgeschlechts von Thun war das Castell (die Burg) Thun auf dem Nonsberg nahe der Gemeinde Thun in Tirol (heute Castel Thun bei der Gemeinde Ton im Nonstal (italienisch Val di Non), in 609 Meter Höhe über dem Meeresspiegel, nördlich von Trient in der autonomen Region Trentino/Südtirol, Italien). Ton liegt etwa 20 km nördlich von Trient und hat eine Fläche von 26 Quadratkilometern. Auf dem Gebiet der Gemeinde außer der Burg Thun auch die Ruine der mittelalterlichen Burg Ton (italienisch Castel San Pietro). Die Ruine der Höhenburg liegt im Nonstal (italienisch: Val di Non) in 864 Meter Höhe über dem Meeresspiegel.
Für verschiedene Adelsgeschlechter im Harz wurde die im 12. Jahrhundert errichtete. 1627 zerstörte Burg Hohnstein (Hohestein, Hohenstein, Honstein) namengebend.
Die Ruine der Burg Hohnstein befindet sich im Naturpark Südharz im heutigen Land Thüringen, etwa 1 km nördlich des Kernorts von Neustadt (Harz) , Landkreis Nordhausen. einer Gemeinde am Südrand des Harzes, auf dem bewaldeten, felsigen Bergsporn des Schloßbergs (402,9 m ü. NN).
Christoph Simon von Thun (seit 1604 Freiherr, seit 1629 Reichsgraf; * 12. September 1582; † 27. März 1635) war Prior des Johanniter- beziehungsweise Malteserordens in Ungarn und Obersthofmeister von Ferdinand III. Insbesondere durch ihn verlagerte sich der Schwerpunkt der Familie nach Böhmen. Nach der Niederschlagung des böhmischen Aufstandes in der Schlacht am Weißen Berge hat er zahlreiche von den Anhängern der Bewegung konfiszierte Güter und Besitzungen erworben. Nach dem Erlaß der Religionsedikte und der Abwanderung des protestantischen Adels kamen weitere Güter hinzu. Zu den Besitzungen gehörten unter anderem die Herrschaften Tetschen (Děčín) – dort wurde später Franz Joseph Graf von Thun und Hohenstein geboren – und Blankenheim, seit 1621 bis Mai 1945 das Schloß in Klösterle an der Eger (der Name der Stadt lautet heute Klášterec nad Ohří) sowie zahlreiche weitere Güter.
Er erwarb 1628 die Grafschaft Hohnstein für 60 000 Gulden. Seither nennt sich die Linie des Geschlechts auch Thun-Hohenstein. Der Besitz selbst ging dem Grafengeschlecht Thun 1642, endgültig 1648, verloren.
Hier die wichtigsten Hinweise:
Zur Familie der Reichsgrafen von Thun und Hohenstein ist zunächst heranzuziehen:
Ivo Cerman: Habsburgischer Adel und Aufklärung. Bildungsverhalten des Wiener Hofadels im 18. Jahrhundert. Stuttgart : Franz Steiner Verlag 2010 (Contubernium. Tübinger Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte. Hrsg. von Jörg Baten, Ewald Frie, Andreas Holzem, Ulrich Köpf, Sönke Lorenz, Anton Schindling, Jan Schröder und Urban Wiesing, Bd. 72). Leicht überarbeitete und erweiterte Fassung der Phil. Diss. Tübingen 2006. – XIV, 503, [III] S.
Standort: WLB Stuttgart; Signatur: 60/11647
S. (491) – 494: „Ortsregister“.
Prag und Wien werden häufig erwähnt.
Teschen [das von 1290 bis 1918 bestehende Herzogtum Teschen, tschechisch: Těšínské knížectví, polnisch: Księstwo Cieszyńskie) mit der Hauptstadt Teschen (alttschechisch Tessjn, tschechisch Těšín, polnisch Cieszyn) in Mährisch Schlesien, der heutigen Doppelstadt Cieszyn (deutsch: Teschen, tschechisch: Těšín) in der Wojewodschaft Schlesien der Republik Polen / Český Těšín (deutsch: Tschechisch Teschen, polnisch: Czeski Cieszyn, schlesisch: Czeski Ćeszyn) in der Mährisch-Schlesischen Region der Tschechischen Republik; als böhmisches Kronlehen in Schlesien durch den Römisch-Deutschen Kaiser Karl VI. am 22. Mai 1722 an Herzog Leopold von Lothringen als Herzog von Teschen verliehen; nicht zu verwechseln mit Tetschen in Böhmen] 110
S. (495) – 503: „Personenregister“.
Thun, Familie 188
Thun, Marie Christine, geb. Comtesse von Thun und Hohenstein, * 25. April 1738, gest. 4. März 1788; seit 1764 verheiratete Gräfin von Dietrichstein 356 – 360, 362 f., 365, 373
Sie war eine Schwester des Grafen Franz Joseph von Thun und Hohenstein und eine Nichte von Philipp Matthäus Hahns Auftraggeber Fürst Joseph Friedrich Wilhelm Eugen Johannes Franz Xaver Meinrad von Hohenzollern-Hechingen (1718 [1717?] – 1798)
Ihr Ehemann, Johann Karl Graf (seit 24. Okt. 1784 Fürst) von Dietrichstein, * Nikolsburg (Mähren) 27. Juni 1728, 5. Mai 1808, war laut S. 356 „Oberhaupt der Freimaurer in der Habsburgermonarchie“ 116, 119, 142, 160, 166, 292, 344 – 346, 349, 351, 355 – 357, 359, 365, 369, 381 f.
Weitere Publikationen von Ivo Cerman zur Aufklärung in Böhmen:
Ivo Cerman, Luboš Velek (Hg.): Adelige Ausbildung. Die Herausforderung der Aufklärung und die Folgen. (München : ) Martin Meidenbauer (Verlagsbuchhandlung) (2006) (Studien zum mitteleuropäischen Adel. Herausgegeben von: Alessandro Catalano, Zdeněk Bezecný, Ivo Cerman, William D. Godsey Jr., Milan Hlavačka, Lothar Höbelt, Milena Lenderová, Josef Matzerath, Miloš Řezník, Tatjana Tönsmeyer, Luboš Velek, Bd. 1). – 305, [XVII] S.
S. 9 – 14: Ivo Cerman: Die aufklärerische Herausforderung? Zum Geleit.
S. 117 – 141: Ingrid Štibraná: Die blauen Damen. Konvikt für adelige Mädchen beim Orden Notre Dame in Bratislava und Porträts dessen Absolventinnen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Waldstein, Marie Josefine Gräfin von: 130
Maria Josepha Gräfin Pálffy von Erdöd, geb. Gräfin von Waldstein, * Rozdalowitz 2. Februar 1720, gest. Preßburg 29. März 1763, war die erste Ehefrau Hochzeit Wien 21. Januar 1739) von Leopold II. Stephan Joseph Johann Judas Thaddäus Antal [Anton] Graf Pálffy Erbherrn von Biebersburg und von der Fideikommißherrschaft Stampfen, geb. Wien 14. Dezember 1716, gest. Preßburg 9. April 1773, einem bedeutenden ungarischen Militärwürdenträger. Er wurde am 4. Oktober 1760 Generalfeldmarschall. Der Ehe entstammten neun Kinder. Maria Josepha war Tochter von Johann Wenzel Arnold Ernst Joseph Leopold Wilhelm Graf von Waldstein und von Maria Barbara Gräfin Pálffy von Erdödi (1694 – 2769). Eine Tochter des Ehepaars Pálffy/Waldstein war Charlotte Gräfin von Kornis, geb. Comtesse Pálffy von Erdöd (1741 – 1799). Sie heiratete Michael Graf von Kornis (Gróf Kornis Mihály) und hatte eine Tochter, Anna. Vgl. zu Charlotte ebd., S. 129 f., dazu auf S. 130 die Anm. 42 (zu S. 129 f.) und Anm. 43 (zu S. 130).
S. 143 – 168: Ivo Cerman: Habsburgischer Adel und Theresianum: Wissensvermittlung, Sozialisierung und Berufswege.
Ivo Cerman: Chotkové. Přiběh úřednické šlechty. Praha [Prag] 2008.
Ivo Cerman, Luboš Velek (Hg.): Adel und Wirtschaft. Lebensunterhalt der Adeligen in der Moderne. München : Martin Meidenbauer (Verlagsbuchhandlung) (2009) (Studien zum mitteleuropäischen Adel. Herausgegeben von: Alessandro Catalano, Zdeněk Bezecný, Ivo Cerman, William D. Godsey Jr., Milan Hlavačka, Lothar Höbelt, Milena Lenderová, Josef Matzerath, Ralph Melville, Miloš Řezník, Tatjana Tönsmeyer, Luboš Velek, Bd. 2). – 302, [II] S.
S. 9 – 19: Ivo Cerman: Jenseits des Marxismus. Der Adel in der modernen Wirtschaftsgeschichte.
Ivo Cerman: Šlechtická kultura v 18. století : filozofové, mystici, politici [Adelskultur im 18. Jahrhundert. Philosophen, Mystiker, Politiker.] - Vyd. 1 [1. Aufl.] Praha [Prag]: Nakl. Lidové Noviny, 2011 Česká historie ; 27). – 761 S.; ISBN: 978-80-7422-122-4, S. 369 – 386.
The enlightenment in Bohemia: religion, morality and multiculturalism. Editey by Ivo Cerman, Rita Krueger and Susan Reynolds. Oxford: Voltaire Foundation 2011 SVEC (formerly known as Studies on Voltaire and the Eighteenth Century. General editor Jonathan Mallinson; associate editors Daniel Brewer; Michel Delon; Sarah Mazah; 2011, 7). – XII, 339 S.
- S. 1 – 35: Ivo Cerman: Introduction: the Enlightenment in Bohemia.
- Waldstein, Franz Adam, Count 19
S. 19: "The campaign against modern irreligion was publicly supported by aristocratic writers. [...] Apart from that, there are manuscript refutations of freethinkers or of [Claude Adrien] Helvétius written by Franz Adam Count, Waldstein; [...]."
Franz Adam (Franz de Paula Adam Norbert Wenzel Ludwig Valentin) Graf von Waldstein und Wartenberg, geb. Wien 14. Februar 1759, gest. Oberleutensdorf in Böhmen 24. Mai 1823; war k. k. Kämmerer; ursprünglich Soldat, dann Naturwissenschaftler, besonders (seit 1789) Botaniker. Er war ein jüngerer Bruder des Grafen Joseph Karl Emanuel von Waldstein und Wartenberg.
- Waldstein, Joseph Karl, Count 31
S. 31: "Giacomo Casanova settled in the chateau of Dux in 1785, where he profited from the generosity of Count Joseph Karl Waldstein."
Joseph Karl Emanuel Graf von Waldstein und Wartenberg und Herr zu Dux und Oberleutensdorf, geb. 16. Februar 1755, gest. 17. März 1815, stellte 1785 Casanova als Schloßbibliothekar in Dux an.
- S. 55 – 67: Ivo Cerman: The Enlightenment universities.
- S. 131 – 145: Ivo Cerman: Ethics and natural law: Jesuit Wolffianism in Prague 1750 – 1773.
- S. 147 – 168: Ivo Cerman: Secular moral philosophy: Karl Heinrich Seibt.
- S. 169 – 189: Ivo Cerman: Moral anthropology of Joseph Nikolaus Windischgrätz.
- S. 193 – 207: Martin Gaži: The Englightenment from below: the Catholic regular clergy in Bohemia and Moravia.
- Waldstein, Emanuel Ernst, Bishop of Litoměřice 201
S. 201 mit Anm. 25: "The bishop of Litoměřice, Emanuel Ernst, Count Waldstein, recorded his personal experiences only on his journeys, while at home he kept books of extensive excerpts from the letters he received."
Em(m)anuel Franz Ernst Reichsgraf von Waldstein (tschechisch Emanuel Arnošt Valdštejn); geb. Prag 17. Juli 1716; gest. Leitmeritz 7. Dezember 1789, entstammte dem Arnauer Zweig der Adelsfamilie Waldstein. Seine Eltern waren Johann Joachim Karl Anton Reichsgraf von Waldstein, geb. 27. Februar 1679, gest. 19. Juli 1763, und dessen Ehefrau, Johanna Anna Catharina, geb. Comtesse von Waldstein, * 24. November 1678, gest. 11. April 1745, Tochter von Johann Carl Ferdinand Reichsgraf von Waldstein, gest. 16. Oktober 1708. Emanuel Franz Ernst war seit 1746 Domherr zu Prag, vom 23. Mai 1756 bis zum 19. Juli 1759 Titularbischof von Amyclae (d. i. Tegea in Arkadien im Zentrum der Peloponnes, das im Mittelalter Amyklion bzw. Nikli genannt wurde und heute ein Gemeindebezirk der Gemeinde Tripoli ist) und Weihbischof in Prag, seit 1760 Bischof von Leitmeritz. Er war vom Spätjansenismus beeinflußt. Seine Privatbibliothek befindet sich als "Waldstein-Nachlaß" in der Bischöflichen Bibliothek (Biskupská knihovna) in Leitzmeritz, die Handschriftensammlung im Staatlichen Gebietsarchiv Leitzmeritz (Státní oblastní archiv v Litoměřicích). Emanuel Franz Erst Reichsgraf von Waldstein war durch die gemeinsame Abstammung von Adam von Waldstein, geb. 8. Juni 1570, gest. Prag 24. August 1638, ein Vetter dritten Grades von Franz Joseph Oktavian Ladislav Reichsgraf von Waldstein geb. 25. Oktober 1680, gest. Prag 24. Februar 1722 (dem Großvater von Emanuel Philibert Reichsgraf von Waldstein-Wartenberg) und von dessen Bruder Johann Joseph Reichsgraf von Waldstein, geb. 26. Juni 1684, gest. 22. April 1731.
- S. 209 – 229: Jaroslav Lorman: The concept of moral theology of Augustin Zippe, a moral theologist at the turn of the epoch.
- Waldstein, Emanuel Ernst, Bishopf of Litoměřice 217
S. 217: "None other than Augustin Zippe was appointed rector of the Prague gerneral seminary, Zippe whom, as the Wiener Zeitung wrote, 'the bishop of the diocese, Emanuel Count of Waldstein, described as "the pearl of his dicocese'"". Siehe dazu Anmerkung 44: "Wiener Zeitung (1816), p. 302."
Ivo Cerman: Aloys von Sonnenfels and the Blood libel in the Early Enlightenment. In: Judaica Bohemiae 47, Nr. 2 (2012), S. 35 – 56.
Ivo Cerman: "Seeing in the Dark": Franz Joseph Thun and his Encyclopedia. In: Central Europe 2012, 10, S. 91 – 107.
Ivo Cerman: Lidská práva v rakouském osvícenství. Wolff, Martini a Windischgrätz. In: Český časopis historický [Tschechische Historische Zeitschrift] 111 (2013), S. 300 – 334.
Ivo Cerman: Aufklärung oder Illuminismus? Die Enzyklopädie des Grafen Franz Josef Thun. (Stuttgart) : Franz Steiner Verlag (2015) (Contubernium. Tübinger Beiträge zur Universitäts- und Wirtschaftsgeschichte. Hrsg. von Jörg Baten, Ewald Frie, Sigrid Hirbodian, Andreas Holzem, Ulrich Köpf, Anton Schindling, Jan Thiessen und Urban Wiesing, Bd. 82). – 322, [II] S.
Standort: WLB Stuttgart; Signatur: 65/2419.
S. 66: „Die Aufgabe, die richtige Stelle des Menschen zu bestimmen, lösten die Esoteriker mit Hilfe der Theorie der großen Kette der Wesen – der Mensch war das Mittelding, als weder Geist noch Tier angesehen.“ (Anm. 230 dazu verweist auf Arthur Lovejoy: The Great Chain of Being. A Study of the history of an Idea. Cambridge, MA 1936.”)
[…]
Paradoxerweise war es diese überspannte Ausdehnung der großen Kette die den Naturwissenschaftler Charles Bonnet zu seiner protoevolutionistischen Theorie inspirierte. (Dazu verweist Anm. 231 auf Charles Bonnet: Traité d’insectologie. Paris 1745, und zieht vergleichend Lovejoy: The Great Chain, S. 282 – 284, heran.)
In seiner Kette machten die drei Grundelemente der Erde den Anfang, gefolgt von Metallen, Salzen und Steinen bis hin zu Pflanzen und Tieren. Die Stufe direkt unter dem Menschen wurde den Affen und Orang-Utans eingeräumt.
S. 130: In Thuns Welt wird der Mensch als Glied in der großen Kette von Wesen gesehen. Thun vertritt jene Auffassung einer Kette, die von den leblosen Elementen bis zum Menschen reicht. (Dazu Anm. 508: Besonders wichtig für Thuns Verständnis der grossen Kette der Wesen sind Artikel Licht (2), Kraft, Leben und Bestimmung (1).)
Die Beschreibung dieser Lehre unter dem Stichwort Bestimmung (1) ist aus Eckartshausens Gebetsbuch Gott ist die reinste Liebe abgeschrieben. (Dazu verweist die Anmerkung 509 auf Thun: Encyclopedie, Artikel Bestimmung (1); Auszug aus: Eckartshausen: Gott ist die reinste Liebe. Wien 1800 (1. Aufl. München 1790), S. 7 – 9.)
Thun verbindet diese Auffassung der großen Kette jedoch mit der von Oetinger übernommenen „elektrischen“ Sichtweise der Welt. […] Im Artikel Licht konzediert Thun jedoch, dass die Geschöpfe in bewegliche und unbewegliche unterteilt werden können. (Dazu Anm. 510: In die erste Klasse der beweglichen Geschöpfe gehören Menschen und Tiere, die weiterhin in denkende und nichtdenkende abgestuft seien, in die zweite Klasse gehören Pflanzen und Mineralien. Diese Auffassung ähnelt derjenigen des oben erwähnten Botanikers Charles Bonnet in dessen protoevolutionistischen Schriften, wenngleich mit weni-[S. 131] gen Details. [Dazu Anm. 511: Vgl. Charles Bonnet: Traité d’insectologie. Paris 1745.]
Es lässt sich jedoch vermuten, dass die wahre Inspiration von Thuns Auffassung in Eckartshausens Schriften zu suchen ist. [Dazu verweist die Anmerkung 512 vergleichend auf Eckartshausen: Stufen-Folge der Geschöpfe. In: Eckartshausen: Aufschlüsse, Bd. 1 (1788), S. 75 – 87; Seelenfortschreitung. In: Eckartshausen: Aufschlüsse, Bd. 2 (1806), S. 111 – 115; Stuffengang der Menschen. Ebd., S. 319 – 321.] Wie Thun vertritt auch Eckartshausen zum Teil ähnliche Auffassungen wie Friedrich Christoph Oetinger – „qu’Eckartshausen ne cite pas – “ (Faivre: Eckartshausen, S. 645) , etwa „die Leiblichkeit des Geistigen“, den „réalisme spirituel“ ("Berdiaev" [Николай Александрович Бердяев, Nikolaj Aleksandrovič Berdjaev]). Zwar muß der Einfluß Oetingers auf Thun durch inhaltliche Analysen erschlossen werden – Cerman bemerkt: „Ein direkter Kontakt zwischen ihm und Oetinger ist allerdings nicht belegt“ (Aufklärung, S. 48), doch sind nach Cermans Befunden Thuns gedankliche Übernahmen eindeutig. Vgl. auch ebenda, S. 113 über Thun: „Letztendlich ist auch seine Auffassung vom Tier- und Geist-Menschen von Oetinger inspiriert. Gleichwohl gibt es in Thuns Enzyklopädie keinen direkten Hinweis auf das Wörterbuch des schwäbischen Theosophen oder auf dessen Namen.“ Dagegen ist der persönliche Kontakt von Thun mit der Leopold Mozart, Wolfgang Amadeus Mozart und Eckartshausen dokumentarisch belegt, und die gedanklichen Übernahmen Thuns von diesem sind durch viele explizite wörtliche Zitate evident. Vgl. Faivre: Eckartshausen, S. 133, Anm. 215: „De plus, les Mozart connaissaient F.-J. Thun, qui lui-même connaissait E. [d. i. Eckartshausen, R. B.] […].”
S. 305 Quellennachweis:
Státní oblastní archiv v Litoměřicích | Archivy severních a severozápadních Čech ([Kurzform:] SOA Litoměřice), Pobočka Děčín, Děčín-Podmokly, okres Děčín, Ústecký kraj, Česká republika [Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz | Archive in Nord- und Nordwestböhmen, Zweigstelle Tetschen an der Elbe in Nordböhmen, Ortsteil IV: Bodenbach (größter linkselbischer Stadtteil), Bezirk Tetschen, Aussiger Region, Tschechische Republik] – Familienarchiv des in Klösterle an der Eger begüterten Zweigs der Familie Thun-Hohenstein. Klösterle ist heute Klášterec nad Ohří, okres Chomutov, Ústecký kraj (= Klösterle an der Eger, Bezirk Komotau, Aussiger Region, Tschechische Republik)
Zweigstelle Tetschen-Bodenbach (Děčín)
Pobočka Děčín Budova archivu Zbrojnicka 14/1 405 02 Děčín-Podmokly Email: decin@soalitomerice.cz Tel.: +420 477 755 942 Fax: +420 477 755 943
Öffnungszeiten im Benutzerraum: Montag 8:30 – 18:00 Uhr Dienstag 8:30 – 16:00 Uhr Mittwoch 8:30 – 18:00 Uhr
Ergänzend wäre wohl auch das Kreisarchiv Tetschen heranzuziehen;
Státní okresní archiv (SOkA) Děčín – Staatliches Kreisarchiv Tetschen Budova archivu Dlouhá jízda – zámek 1253 405 02 Děčín I, CZ Email: sokadecin@soalitomerice.cz Tel.: +420 477 755 932 Fax: +420 477 755 933
Öffnungszeiten im Benutzerraum: Montag 8:00 – 12:00 und 13:00 – 17:00 Uhr Mittwoch 8:00 – 12:00 und 13:00 – 17:00 Uhr
Zur Geschichte der Zweigstelle Tetschen:
http://www.soalitomerice.cz/de/node/292
Hier Hinweis: Písemné pozůstalosti Thun-Hohensteinů (zejména František Thun, místodržící v Čechách) durch PhDr. Helena Smíšková, 2005.
[Hinweis von Reinhard Breymayer: Den Grafen von Thun und Hohenstein gehörte die Herrschaft Tetschen von 1628 bis 1932.]
[…]
Karton 286, Correspondenz zwischen Herrn Grafen von Thun und seinem Oberhofmeister J. N. Weber, 7 Bde; Franz Josef Graf von Thun: Vermischte hingeworffene Skizzen als ausgezogene Bruchstücke zu meiner Encyclopedie, I. Theil von 1798 (enthält Artikel 1 bis 269); II. Theil von 1799 (enthält Artikel 270 bis 382).
[Johann Nikolaus Weber (1734 – 1801), Oberforstmeister und Oberdirektor der Graf-Thunschen Herrschaft in Klösterle an der Eger, versuchte sich seit den Jahren 1793 bis 1794 mit der Herstellung von Porzellan und baute eine Porzellanfabrik in Klösterle auf, die bis zur Verstaatlichung im Jahre 1945 von der Familie Thun-Hohenstein geleitet wurde und noch heute besteht.
Karton 287 – 288, Franz Josef Graf von Thun: Meine Enzyklopädie. 1796 – 1799, ca 2000 Blätter, unfoliiert.
S. 310: [Thun, Franz Josef Graf von], Aus einem Manuskript v. Th. In: Johann Caspar Lavater: Physiognomische Fragmente, Bd. 4. Leipzig, Winterthur 1778, S. 187 – 192.
Thun war mit Lavater befreundet und besuchte ihn später auch einmal in Zürich!
Das Personenregister (S. 319 – 321) ist nicht vollständig und gelegentlich korrekturbedürftig; immerhin leistet es nützliche Dienste. Exemplarisch seien ihm folgende Stellenangaben entnommen; genealogische und Lebensdaten werden im vorliegenden Text von Reinhard Breymayer ergänzt. Grundsätzlich muß darauf hingewiesen werden, daß Lebensdaten in den Nachschlagewerken oft der Korrektur bedürfen – die Angaben differieren häufig, so schon bei dem Sterbejahr des Grafen Franz Joseph von Thun (Cermin gibt „1801“ an, während möglicherweise „1800“ vorzuziehen wäre).
Carl von Eckartshausen wird sehr oft erwähnt: die Forschungen von Antoine Faivre werden berücksichtigt.
Benz, Ernst: 21 – 22
Diderot, Denis 16, 300
Divisch, Prokop 47, 48, 55, 69, 99
Das Buch von Ernst Benz: Theologie der Elektrizität. Zur Begegnung und Auseinandersetzung von Theologie und Naturwissenschaft im 17. und 18. Jahrhundert. Mainz; Wiesbaden (in Kommission) 1971, in dem Divisch gewürdigt wird, ist Cerman bekannt. Vgl. dazu S. 22, Anmerkung 51; S. 47, Anmerkung 150 („Benz, Theologie“), S. 311.
Die von Reinhard Breymayer erstellte Bibliographie zu Prokop Divisch in Bd. 2 der historisch-kritischen Edition von Friedrich Christoph Oetingers Buch über die Lehrtafel der Prinzessin Antonia (1977) wird noch nicht erwähnt und nicht berücksichtigt.
Faivre, Antoine: 12, 14, 15, 21 – 22, 26 – 28, 53 – 54, 67, 86, 154
Hahn, Johann Michael 42, 47 (nur erwähnt)
Lavater, Johann Caspar 13 – 14, 21, 41, 50 – 53, 58, 72, 75 – 76, 82, 84 – 85, 87 – 94, 101 – 108, 113, 118 – 119, 140 – 141, 155 – 156, 301
Mozart, Wolfgang Amadeus 12, 14, 73, 76, 77 – 81, 105, 139, 155 Der Abschnitt „Auf Mozarts Spuren“ (S. 77 – 81) ist besonders wertvoll.
Oetinger, Friedrich Christoph 47 – 48, 65, 67 – 69, 99, 113, 116, 118, 125, 130, 132, 135 - 136, 155 – 156, 298, 299
Stengel, Friedemann 22, 31, 38
Swedenborg wird sehr oft erwähnt. Graf Franz Joseph von Thun-Hohenstein war selbst Geisterseher.
Thun-Hohenstein(-Klösterle), Franz Joseph (Franz de Paula Johann Joseph), Graf von, Erster Majoratsherr von Klösterle, Kaiserlicher Geheimer Rat; geb. in dem S. 91 und 98 erwähnten, an Sachsen angrenzenden nordböhmischen thunschen Schloßgut Tetschen (Děčín) an der Elbe 14. Sept. 1734; gest. Wien 22. August 1800 [1801?]); Sohn von Graf Johann Joseph von Thun-Hohenstein(-Klösterle) aus dessen erster, in Wien am 22. November 1733 geschlossenen, Ehe mit Maria Christina, geb. Comtesse von Hohenzollern-Hechingen [in Wien residierender Gönner Mozarts <seit 1781 mit ihm gut bekannt>, Anhänger Emanuel Swedenborgs; Kenner von Friedrich Christoph Oetingers Theosophie, Brieffreund Lavaters]; Stifter der Linie Klösterle des Adelsgeschlechts Thun-Hohenstein 72, 80, 81
Thun-Hohenstein, Johann Joseph, Reichsgraf von, Fideikommißherr auf Klösterle an der Eger, Tetschen und Choltitz (Klášterec nad Ohří, Děčín, Choltice) in Böhmen, Herr auf Achleiten und Hohenberg in Oberösterreich und Herr auf Kayserburg (einem vermutlich nach dem Hochfürstlichen Hauptmann Hans Kayser benannten Schlößchen im Süden der Stadt Salzburg an der Hellbrunner Allee; dadurch auch geographisch mit Mozarts Geburtsstadt verbunden), geb. Prag 2. Juli 1711, gest. Prag 21. Mai 1788; in seiner ersten Ehe (Hochzeit in Wien am 22. November 1733) Ehemann von Maria Christina Reichsgräfin von Thun und Hohenstein, geb. Comtesse von Hohenzollern-Hechingen, Vater von Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein; begeisterter Anhänger Wolfgang Amadeus Mozarts. In seinem Palais in Prag wohnte Mozart im Januar 1787 in der Zeit, als er Le nozze di Figaro („Figaros Hochzeit“) dirigierte); Mozart widmete ihm seine 36. Sinfonie 75, 76, 79
Thun-Hohenstein, Maria Christina [Christiana?], geb. Comtesse von Hohenzollern-Hechingen [aus dem dortigen Fürstenhaus], * 25. März 1715, gest. in Sehuschitz (Žehušice) bei Kuttenberg (Kutná Hora) in der Region Mittelböhmen 6. August 1749. Sie war die Mutter von Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein sowie von Marie Christine Reichsgräfin (seit 1784 Fürstin) von Dietrichstein, geb. Comtesse von Thun und Hohenstein, außerdem eine Schwester von Philipp Matthäus Hahns Auftraggeber Joseph Friedrich Wilhelm Franz Eugen Johann Franz Xaver Meinrad Reichsgraf, nachmals, seit 4. Juni 1750, sechster Fürst [Titel: „Hoheit“] von Hohenzollern-Hechingen, geb. am 12. November 1718 in Freiburg im Breisgau (damals Vorderösterreich) 1718 [andere Angabe in Bayreuth 1717), gest. Hechingen 9. April 1798): 72
[Anmerkung von Reinhard Breymayer:
„Für eine Beziehung des Fürsten (und seiner Schwester) zu Wien steht die am 25. Juli 1750 in der Donaumetropole geschlossene, freilich nur sehr kurz währende, Ehe mit María Teresa Rosalia, princesa de Silva, Folch de Cardona y [et] Silva, Eril y Borja [et Borgia], geb. Wien 4. September 1732, dort gest. 25. September 1750.“ – Für weitere Informationen siehe unten den Exkurs.
Thun-Hohenstein, Maria Wilhelmina Anna Josepha, Reichsgräfin von, geb. Comtesse von Uhlfeld (Uhlfeldt, Uhlfelt; Ulfeld, Ulfeldt, Ulfelt, Uhlefeld usw.), * Wien 13. Mai 1744, gest. Wien 8. Mai 1800. – Zur Genealogie der Ururenkelin des Königs Christians IV. von Dänemark und Norwegen vgl. unten den Exkurs.
Sie war die in Wien residierende musikalische Ehefrau (Hochzeit: Wien 30. Juli 1761) von Graf Franz Joseph von Thun-Hohenstein; zusammen mit ihrem Ehemann wichtigste Gönnerin Mozarts, seit 1781 in Wien mit ihm befreundet; Inhaberin eines musikalischen Salons in Wien, den neben Mozart auch Beethoven, der Römisch-Deutsche Kaiser und ein berühmter Mann wie der Weltumsegler Georg Forster besuchten. Beethoven widmete ihr das Klaviertrio in b-moll, opus 11. 73, 75 – 80, 105
S. 78: „Eine Schlüsselrolle bekam ihre Protektion erst 1781, als sich Mozart in Wien niederließ. In der Tat wurde seine Rebellion gegen den Salzburger Erzbischof eigentlich von der Gräfin Thun angeregt. Mozarts Wut und Unzufriedenheit in erzbischöflichen Diensten erreichten ihren Höhepunkt, als ihm der Erzbischof verbot, am 8. April 1781 im Salon der Gräfin aufzutreten.“
Der Erzbischof war Hieronymus von Colloredo (1732 – 1812), mit vollem Namen: Hieronymus Franz de Paula Josef, Graf Colloredo von Waldsee und Mels, geb. Wien 31. Mai 1732; gest. Wien 20. Mai 1812. Er war von 1772 bis 1803 Fürst des Erzstifts Salzburg und von 1772 bis 1812 Erzbischof der Erzdiözese Salzburg, also von 1772 bis 1803 der letzte Fürsterzbischof von Salzburg. Er war ein Vertreter der Katholischen Aufklärung und Illuminat.
Waldstein-Wartenberg, Franz Adam, Graf von 111
Waldstein-Wartenberg, Josef Karl, Graf von 111
Nach Cerman: Aufklärung, S. 111 war Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein "nicht der einzige böhmische Adlige, der eine private Enzyklopädie verfasste [...]. [...] Die Existenz einiger dieser anderen privaten Enzyklopädien war lange Zeit unbekannt udn wurde erst im Laufe der Forschungsarbeiten zu diesem Buch entdeckt. Es stellte sich heraus, daß im Nachlass des Grafen Franz Adam von Waldstein-Wartenberg das Gerüst einer unvollständigen Enzyklopädie überliefert ist." Vgl. dazu ebd., S. 111, Anm. 435: "SOA Praha [Státní oblastní archiv Praha, Staatliches Gebietsarchiv Prag], Nachlass Casanova, Sign. U XXXVIIIa."
Siehe ferner ebd., S. 111 f.: "Bekannt sind hingegen die Versuche Giacomo Casanovas der für Waldsteins Bruder Josef Karl in Dux als Bibliothekar arbeitete. In den Jahren 1784 und 1785 erstellte er zhwei kleinere enzyklopädische Schriften, die zum Ziel hatten, die menschliche Narrheit auszulachen. Das erste Manuskripot tärgt den Titel Philocalies, das zweite die Überschrift Essai de critique sur les moeurs. Beide wurden erst [S. 112] im 20. Jahrhundert veröffentlicht." Vgl. dazu ebd., S. 112 die Anm. 437 zu S. 111 f.: "Giacomo Casanova, Philocalies, sur les sottises des mortes, hgg. von Tom Vittelli Salt Lake City 1993; Ders., Essai de critique sur les moeurs sur les sciences et sur les arts hgg. von Gérard Lahouati. Pau 2001." Ebd., S 112: "Im Unterschied zu Thun wollte Casanova den Leser unterhalten." Vgl. auch Cerman: Aufklärung, S. [305]-306: "Archivquellen", hier S. [305]: "SOA Praha, Nachlass Giacomo Casanova Sign. U XXXVIIIa. [Fragment der Enzyklopädie des Grafen Franz Adam von Waldstein-Wartenberg]."
Hier wäre auf eine weitläufige Verschwägerung der Familien Thun-Hohenstein und Hohenzollern-Hechingen mit der Familie Waldstein-Wartenberg hinzuweisen.
- Eine Cousine von Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein, Maria Antonia Anna Fürstin zu Fürstenberg-Stühlingen, geb. Prinzessin von Hohenzollern-Hechingen (1760 – 1797), war seit 1778 nach der designierten ersten die endgültige zweite Ehefrau des Erbprinzen und seit 1783 siebten regierenden Fürsten Joseph Maria von Fürstenberg-Stühlingen (1758 – 1796).
- Dieser angeheiratete Vetter von Franz Joseph v. Thun hatte als Großmutter väterlicherseits Maria Theresia Anna Eleonora Fürstin zu Fürstenberg, geb. Comtesse von Waldstein, nachmals Erbin von Pürglitz (1707 – 1756).
- Maria Theresia Anna Eleonora Fürstin zu Fürstenberg war eine Cousine von Franz Joseph Graf von Waldstein (1709 – 1771; als Witwer Mitglied des Kapuzinerordens), dem Großvater väterlicherseits von Joseph Karl Emanuel Graf von Waldstein (seit 1758 auch Graf von Wartenberg) (1755 – 1814) und seinen jüngeren vier Brüdern und sechs Schwestern, die ihrerseits Vettern bzw. Cousinen dritten Grades von Joseph Maria Fürst von Fürstenberg-Stühlingen, dem angeheirateten Vetter von Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein, waren.
- Genannt seien drei prominente Brüder Joseph Karl Emanuels:
a) Zweites Kind und zweiter Sohn von Joseph Karls Eltern war Johann Friedrich Paternus Graf von Waldstein (seit 1758 auch von Wartenberg), geb. Wien 21. August 1756, gest. 15. April 1812, Salzburger Domherr (aufgeschworen 1782), von 1797 bis 1802 Salzburger Domdechant, von 1802 bis zu seinem Tod Bischof von Seckau in der Steiermark.
b) Viertes Kind und dritter Sohn von Joseph Karls Eltern war Franz Adam (Franz de Paula Adam Norbert Wenzel Ludwig Valentin) Graf von Waldstein und Wartenberg, geb. Wien 14. Februar 1759, gest. Oberleutensdorf in Böhmen 24. Mai 1823; k. k. Kämmerer; ursprünglich Soldat, dann Naturwissenschaftler, besonders (seit 1789) Botaniker.
c) Sechstes Kind und vierter Sohn von Joseph Karls Eltern war Ferdinand Ernst Joseph Gabriel, geb. Wien 24. März 1762, gest. Wien 26. Mai 1823; Kurkölnischer Wirklicher Geheimer Rat in Bonn, Komtur des Deutschen Ordens (bis zum Austritt aus dem Orden im Jahr 1811); zeitweilig Königlich Großbritannischer Generalleutnant; Bewunderer Mozarts und Freund Beethovens. Näheres siehe unten im Exkurs von Reinhard Breymayer.
S. 309 wird als eine Quelle angegeben:
Oetinger, Friedrich Christoph: Biblisches und emblematisches Wörterbuch. Stuttgart 1776 (Nachdruck, Hildesheim 1969). Wünschenswert wäre die Berücksichtigung der historisch-kritischen Edition von 1999; das Wörterbuch ist aus Zensurgründen auch nicht, wie der Herausgeber, Dmitrij Tschižewskij, gemeint hat, im württembergischen Stuttgart erschienen, sondern in der freien Reichsstadt Heilbronn am Neckar beim Kaufmann Johann Adam Zobel, dem angeheirateten Vetter zweiten Grades von Friedrich Christoph Oetinger, wie nachmals ein Schüler Tschižewskijs, Reinhard Breymayer, gezeigt hat.
S. 306 wird erwähnt: Divisch, Prokop / Friedrich Christoph Oetinger, Procopii Divisch Theorie von der meteorologischen electricité […] Frankfurt am Main / Leipzig 1768. [Offenbar nicht in Autopsie aufgenommen; die Heranziehung der Erstausgabe wäre wünschenswert gewesen.]
S. 47 werden einige wesentliche Literaturangaben zu Oetinger aufgeführt; darunter: „Sabine Holtz [u. a.] (Hgg.), Mathesis, Naturphilosophie und Arkanwissenschaft im Umkreis Friedrich Christoph Oetingers (1702 – 1782). Stuttgart 2005. Bibliographie zu seinem Werk verfügbar unter: http://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/handschriften/bestand/nachlaesse-und-autographen/oetinger-archiv/bibliographie-zu-oetinger (aufgerufen am 26.7.2013).“ S. [323] – [324] findet sich eine Anzeige des Franz Steiner Verlags über Bd. 56 – 81 der Reihe Contubernium und hier S. [323] wird als Bd. 63 der von Holtz u. a. herausgegebene Oetinger-Kongreß-Band aufgeführt. Der Kongreßband von 2005 wurde aber wohl nur erwähnt und nicht ausgewertet. – Man vermißt auch die Erwähnung der bedeutenden Arbeiten von Martin Weyer-Menkhoff zu Oetinger.
Der Hinweis darauf, daß Graf Franz Joseph von Thun-Hohenstein, der Gönner Mozarts, ein Kenner Friedrich Christoph Oetingers war, ist sehr wertvoll, geradezu sensationell. Cerman sagt S. 113:
„Der wichtigste Nachweis für die Anlehnung des Grafen von Thun an Pfarrer Oetinger ist jedoch die Tatsache, dass er von ihm zentrale Begriffe und Ansichten über die Anthropologie und Auffassung der Welt übernimmt. […] Gleichwohl gibt es in Thuns Enzyklopädie keinen direkten Hinweis auf das Wörterbuch des schwäbischen Theosophen oder auf dessen Namen.
[Cerman wurde wohl auf Grund der Forschungsliteratur, vor allem der Publikationen Antoine Faivres, zu der Auffassung geführt, daß Thun sich an Oetinger angelehnt habe. Wie Faivre feststellt, zitiert Thun Oetinger allerdings nicht.]
[…] die „Weisheit“ des Laien Thun beruht auf einer gänzlich anderen Grundlage als die Theosophie des Pfarrers Oetinger. Während Oetinger die Absicht hatte, die Bibel auszulegen, und seine Argumente auf sie stützte, ging Thun von der Beobachtung der Natur aus.“
Allerdings hat Cerman auf S. 47 – 48 Oetingers Kenntnisse auf dem Gebiet der Naturwissenschaft durchaus gewürdigt; besser ist also die Aussage auf S. 48:
„Oetinger verband diese wissenschaftlichen Entdeckungen mit einer esoterischen Auslegung der Bibel.
[…] Der auffälligste Aspekt seiner „Theosophie“ – wie er seine Lehre nannte – war jedoch die Verbindung von Metaphysik und Naturwissenschaft, die in die Vergöttlichung unsichtbarer Naturkräfte wie Elektrizität und Magnetismus mündete. Dieser Aspekt findet seinen Niederschlag auch in den religiösen Vorstellungen des Grafen Thun. Ein direkter Kontakt zwischen ihm und Oetinger ist allerdings nicht belegt. Oetinger strebte jedoch immer danach, seine wissenschaftlichen Kenntnisse über die Welt in Einklang mit der Bibel zu bringen.“
[Anmerkung von Reinhard Breymayer: Bei der weiteren buchgeschichtlichen Forschung in Böhmen (u. a. nach Oetingeriana) ist folgendes Werk heranzuziehen:
Bernhard Fabian: Handbuch der historischen Buchbestände, hier der Band, der die Bestände der Tschechoslowakei berücksichtigt.]
Exkurse von Reinhard Breymayer
A) Beziehungen der Familien Hohenzollern-Hechingen und Thun-Hohenstein zu Wien
a) Zur Familie Folch de Cardona der ersten Ehefrau des Fürsten Joseph Friedrich Wilhelm Eugen Johannes Franz Xaver Meinrad von Hohenzollern-Hechingen, einer angeheirateten Tante von Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein
aa) Personengeschichtliches zu der aus Cardona stammenden Familie Folch de Cardona
Für eine Beziehung des Fürsten (und seiner Schwester) zu Wien steht die am 25. Juli 1750 in Wien geschlossene, freilich nur sehr kurz währende, Ehe mit María Teresa Rosalia, princesa de Silva, Folch de Cardona y [et] Silva, Eril y Borja [et Borgia], geb. Wien 4. September 1732, dort gest. 25. September 1750. Während und wegen des Spanischen Erbfolgekriegs (1701 – 1714) waren Angehörige der Familie Folch de Cardona nach Wien übergesiedelt, wie denn auch Leo Reichsgraf von Uhlfeld, der von 1706 bis 1714 Vizekönig von Katalonien gewesen war, 1706 nach Österreich zurückgekehrt war. Möglicherweise hat dieser Großvater väterlicherseits von Maria Wilhelmina Anna Josepha] Reichsgräfin von Thun und Hohenstein, geb. Reichsgräfin von Uhlfeld, der Ehefrau von Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein, die Verbindung zwischen der katalanischen Familie Folch de Cardona und der schwäbischen Familie Hohenzollern-Hechingen hergestellt.
Der Römisch-Deutsche Kaiser Leopold I. Erzherzog von Österreich (1640 - 1705) hatte seinerzeit wegen der Erbstreitigkeiten mit seinem Vetter und Schwager König Ludwig XIV., der väterlicherseits Bourbone, durch seine vom spanischen und österreichischen Zweig der Habsburger abstammende Mutter, Anne d'Autriche, aber auch ein "halber Habsburger" war, die französische Kultur zugunsten der deutschen und spanischen zurückgedrängt. Anna Maria Mauricia von Spanien, genannt von Österreich, gemäß ihrem spanischen Namen Ana de Austria bzw. ihrem späteren französischen Namen Anne d'Autriche, * Valladolid 22. September 1601, gest. Paris † 20. Januar 1666, war eine spanisch-portugiesische Infantin und Erzherzogin von Österreich aus dem Hause Habsburg sowie seit 21. November 1615 als Gemahlin des Königs Königin und von 1643 bis 1651, als Mutter des noch minderjährigen Ludwigs XIV. Regentin von Frankreich. Sie war eine Urenkelin und Urgroßnichte Kaiser Karls V. (Königs Karls I. von Spanien) und Urenkelin von dessen Bruder Kaiser Ferdinand I. sowie Gemahlin des Königs Ludwigs XIII. von Frankreich. Leopold I. seinerseits heiratete in erster Ehe seine Nichte und Cousine Margarita Theresa (spanisch: Margarita Teresa de Austria), * Madrid 12. Juli 1651 in Madrid, gest. Wien 12. März 1673 in Wien. Sie war Infantin von Spanien aus der spanischen Linie der Habsburger und Römisch-Deutsche Kaiserin. Sie war die Tochter von König Philipp IV. von Spanien und von dessen Ehefrau, Maria Anna von Österreich, sowie eine Schwester des letzten spanischen Königs aus dem Haus Habsburg, Karls II. von Spanien (1661 – 1700). Dadurch, daß er am 1. November 1700 kinderlos verstarb, löste er den Spanischen Erbfolgekrieg (1701 –1714) aus.
María Teresa Rosalia, princesa de Silva, war eine Tochter und reiche Erbin des Reichsfürsten Francisco Manuel de Silva, Folch de Cardona y [et] Silva, Marqués de Guadalest e [et] de Castilnovo [Castelnou], Barón de Liori, getauft Villaseca 11. Oktober 1682, gest. 17. April 1739 im Alter von 57 Jahren. Seine Ehefrau war María Antonia, Condesa de Czobor-Szent-Mihály, * um 1708. Wegen ihrer kurz nach der Wiener Hochzeit in Hechingen ausgebrochenen schweren Krankheit war die gemeinsame Tochter nach Wien zurückgekehrt. Sie hinterließ ihr gesamtes Vermögen in Spanien und Deutschland dem Witwer als ihrem Universalerben, der mit der Eheschließung „eine gute Partie“ angestrebt und erreicht hatte.
Das Haus Folch de Cardona gehörte dem katalanischen Adel an. Zu seinem Besitz gehörte die Grafschaft von Cardona, benannt nach der Salzstadt Cardona. Die Fürsten von Hohenzollern-Hechingen führten seither den Titel „Grand von Spanien“ und „Graf von Castilnovo“. Der Landbesitz Cardona in Katalonien freilich mußte veräußert werden; die Burg in Castilnovo wurde 1859 an José Galofre, einen Sekretär und Maler der Königin Isabel II. von Spanien (1830 – 1904; Königin von 1833 bis 1870, offiziell regierend seit 1843), verkauft.
Zu Guadalest: Guadalest (Valencianisch: El Castell de Guadalest) ist heute ein kleiner Ort in der Provinz Alicante in Spanien, im Verwaltungsgebiet der Marina Baixa. König Carlos I. von Spanien (als Römisch-Deutscher Kaiser Karl V.), schuf 1543 die Markgrafschaft Guadalest mit den nahe gelegenen Dörfern Benimantell, Beniardá und Benifato und übertrug die Verantwortung über die Markgrafschaft an das Haus Folch de Cardona, in dessen Besitz sie bis zum Jahr 1699 blieb, als Isidro Tomás Folch de Cardona y Sotomayor, Almirante de Aragón, Séptimo Marqués de Guadalest, geb. 1570, um den 4. oder 5. August 1699 ohne Nachkommen starb. Erster Markgraf von Guadalest wurde 1543 Admiral Sanç Folç de Cardona i Roiç de Liori [i Roís de Liori], Senyor i Primer Marquès de Guadalest (Sancho Folch de Cardona y Ruíz de Liori, Señor y Primero Marqués de Guadalest, Herr und Erster Markgraf von Guadalest), Almirante de Aragón, geb. in Aragonien 1499, gest. auf Hispaniola, Santo Domingo, Dezember 1571. – Roiç [aus Roderich] ist eine alte, Roís die heutige valencianische Namensform, Ruíz die kastilische. – Eine alte Namensform ist auch Lihori.
Er war Sohn von Alfonso Folch de Cardona y Fajardo, Señor de Confrides y de Guadalest, y de la Villa de Ondara [Herr von … Guadalest], geb. um 1455, und von dessen Ehefrau, Isabel Ruíz de Liori y Moncada, Señora de la Baronía de Bechí [Betxí] y de Ribarroja, y des los Valles de Seta y Travadell y de la Villa de Gorga [Herrin von … Gorga]. Die Ehefrau von Sancho Folch de Cardona wurde Señora María Colón de Toledo (Maria Colom y Toledo; 1511 – 1578), eine Enkelin von Christoph Columbus (um 1451 bis 1506). Sie war Tochter des zweiten Vizekönigs von Neuspanien, Diego Columbus (spanisch; Diego Colón, um 1476 bis 1526; dem ältesten Sohn von Christoph Columbus), und von dessen Ehefrau (Hochzeit 1508), Señora María de Toledo (María Álvarez de Toledo y Rojas; um 1490 bis 1549). – Rojas (Burgos, Spanien) ist heute eine Stadt der Provinz Burgos in der autonomen Gemeinschaft Castilla y León. Die Stadt liegt in der Comarca (dem Bezirk) La Bureba. Mancomunidad ist Oña-Bureba-Caderechas. – Die erste Ehefrau von Joseph Friedrich Wilhelm Eugen Johannes Franz Xaver Meinrad 6. Reichsfürst von Hohenzollern-Hechingen, Teresia Rosalia (1732 – 1750) war also eine Urenkelin väterlicherseits von Juan Folch de Cardona, geb. um 1490; dessen ebenfalls von Alonso Folch de Cardona y Fajardo, geb. um 1455, abstammender Bruder Sancho Folch de Cardona, war, wie bereits erwähnt, mit einer Enkelin von Christoph Columbus verheiratet, Reichsfürst Joseph Friedrich Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen also entfernt mit Christoph Columbus verschwägert.
Fajardo (Galicia): Fajardo ist heute eine spanische Stadt der Provinz Coruña in der autonomen Gemeinschaft Galicia. Die Stadt liegt im Bezirk Fajardo. Postleitzahl: E-15594; nördliche Breite: + 43.4472, Länge: – 8.2389.
Zu Confrides: Confrides ist heute eine spanische Stadt der Provinz Alicante in der autonomen Valencianischen Gemeinschaft. Die Stadt liegt in der Comarca (dem Bezirk) Marina Baja.
Zu Ondara: Ondara ist heute eine spanische Kleinstadt der Provinz Alicante in der autonomen Valencianischen Gemeinschaft. Die Stadt liegt in der Comarca (dem Bezirk) Marina Alta. Die Stadt wurde von den Mauren erbaut. Jakob I. König von Aragón gliederte die Stadt 1244 dem Königreich Valencia an, das zur Krone von Aragonien gehörte.
Zu Castilnovo: Die mittelalterliche Burg Castillo de Castilnovo (Castillo Nuevo oder Castillo de Galofre) in der Provinz Segovia in Spanien hat möglicherweise noch maurische Ursprünge. Die Burg liegt in einer Höhe von etwa 1000 Metern über dem Meeresspiegel auf einem natürlichen Felsen etwa zwei Kilometer westlich des Orts Condado de Castilnovo etwa 13 Kilometer (Fahrtstrecke) südlich der Kleinstadt Sepúlveda bzw. etwa 52 Kilometer nordöstlich von Segovia.
Zum Adelsgeschlecht Moncada: Das Haus Montcada (katalanisch casal de Montcada, spanisch casa de Moncada, italienisch famiglia di Moncada, französisch maison de Moncade) ist eine Adelsfamilie katalanischen Ursprungs, die seit dem 11. Jahrhundert bis heute vor allem in Italien, besonders Sizilien, durch Nachkommen vertreten ist. Die namensgebende Stammburg Montcada lag bei der heutigen spanischen Stadt Montcada i Reixac. Diese gehört zu der Provinz Barcelona in der autonomen Gemeinschaft Katalonien. Die Stadt liegt in der Comarca (dem Bezirk) Vallès Occidental und gehört zur Metropolregion Àrea Metropolitana de Barcelona; Barcelona ist benachbart.
Zu Bechí: Bechí (valencianisch: Betxí) ist heute eine spanische Stadt der Provinz Castellón in der autonomen Valencianischem Gemeinschaft. Sie liegt in der Comarca (dem Bezirk) Plana Baja, etwa 69 Kilometer von Valencia entfernt. 1396 wurde aus der Herrschaft (dem Señorío de Bechí) Bechí das Baronat Bechí (die Baronía de Bechí).
Zu Ribarroja: Ribarroja de Turia (valencianisch: Riba-roja de Túria) ist heute eine spanische Stadt der Provinz Valencia in der autonomen Valencianischen Gemeinschaft. Sie liegt in der Comarca (dem Bezirk) Campo de Turia, etwa 20 Kilometer von Valencia entfernt.
Zum Tal des Flusses Seta: El Valle de Seta (valencianisch: La Vall de Seta) ist ein spanisches Tal, in dem die Gemeinde Gorga liegt (siehe dort).
Tal von Travadell: El Valle de Travadell (valencianisch: La Vall de Travadell) ist ein spanisches Tal, in dem neben der Gemeinde Gorga die Städte Benimarfull, Benillup und Millena (Alicante) liegen. Auf dem Gebiet von Millena befindet sich das Schloß Travadell (Castillo de Travadell, valencianisch: Castell de Travadell), 2 Kilometer vom Stadtkern von Millena entfernt. Durch das Tal von Travadell fließen die Nebenflüsse des Río Serpis fließen: Sofre, Benimarfull und Albacar.
Zu Gorga (Comtat, Alicante, Spanien): Gorga ist heute eine spanische Gemeinde der Provinz Alicante in der autonomen Valencianischen Gemeinschaft. Sie liegt in der Comarca (dem Bezirk) Condado de Cocentaina oder Comtat und gehört der valencianischen Sprachzone an, in der eine westkatalanische Varietät des Katalanischen gesprochen wird Hauptstadt des Bezirks ist die Stadt Cocentaina. Gorga liegt an der Einmündung des Setataals und des Travadelltals.
ab) Handelsgeschichtliches zur Bedeutung der Salzstadt Cardona
Erläuterung aus dem Wikipedia-Artikel „Cardona (Barcelona)“ (Abruf vom 19.08.2015): „Cardona (Barcelona) ist eine Gemeinde der Provinz Barcelona und liegt im Landschaftsgebiet der Comarca Bages in der autonomen Region von Katalonien rund 32 km nordwestlich von Manresa. […]
Von 798 bis zum Ende des 16. Jahrhunderts galt Cardona als einer der wichtigsten Orte für die soziale und historische Entwicklung von Katalonien. Viele Faktoren wie die Lage der Festung-, Salzvorkommen und die strategischen Straßenanbindungen waren entscheidend für die Geschichte der Stadt.
In der von Comte Borrell II. [(Barcelona)] verfassten Charta vom 23. April 986 wird der Name der Stadt zum ersten Mal in Bezug auf die Salzvorkommen im Gemeindegebiet genannt. Die Bevölkerung bekam damals nicht nur die Schürfrechte für la Vall Salina, das Tal des Salzes, sondern Cardona erhielt die Markt- und Stadtrechte. Da Salz [Speisesalz] im Mittelalter eine große Bedeutung als Konservierungsmittel für Lebensmittel besaß, wurden ungewöhnlich Maßnahmen zum militärischen Schutz des Gebietes und der Salzbergwerke unternommen und die Festung Castell de Cardona ausgebaut.
Im 10. Jahrhundert, als die Adelsfamilie Folc de Gardona [Folç de Cardona, R. B.] im Schloss Castell de Cardona ihren Wohnsitz gründete, hatte dies für die Bevölkerung nicht nur eine finanzielle sondern auch eine politische Bedeutung für die nachfolgenden Generationen von Cardona. Als einflussreiches Mitglied der königlichen Familie von Spanien und [durch] ihre Dominanz in Katalonien, mit 30 Villen, 21 Burgen, 272 Ländereien und vier Seehäfen so wie die Gerichtsbarkeit über eine Fläche von 6 % Kataloniens waren die Grafen auch die treibenden Kräfte hinter dem Leben der Burg und somit von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung der Salzstadt. Die Bevölkerungszahl wuchs in dieser Zeit deutlich.
Die Adligen waren die Kaufleute, Handwerker und Tuchmacher der Stadt. Diese Ära dauerte bis zum 16. Jahrhundert, als die Familie des Compte sich in Barcelona und Arbeca sowie in Sevilla niederließen. Cardona Schloss war die letzte Hochburg des Widerstands gegen die Besetzung von Katalonien durch die Truppen des kastilischen Felipe V. [Philipp V. König von Spanien] im Jahre 1714.
Danach wurde das Schloss zu einer Kaserne und die Stadt verlor ihre Bedeutung. Es verblieben die einfachen handwerklichen und landwirtschaftlichen Bereiche, die mit dem Salzabbau zusammenhingen. Während des 19. und 20. Jahrhunderts nahmen die sozialen und wirtschaftlichen Aktivitäten der Stadt wieder zu. Mit dem Entstehen der Industrie von 1929 bis 1991 (Textilien und die Ausbeutung von Kali-Minen) gewann Cardona wieder an Bedeutung.“
ac) Überlegungen von Reinhard Breymayer zum möglichen handelsgeschichtlichen Hintergrund des in Wien erschienenen freimaurerischen Buches Das Geheimniß von dem Salz
Das 1770 in Wien bei Johann Paul Krauß erschienene Buch Das Geheimniß von dem Salz, das – laut des Vorworts – im Jahre 1750 in einer Loge „gegeben“ wurde, könnte auf den Angehörigen einer Wiener Freimaurerloge oder einer sonstigen Loge im Bereich der habsburgischen Monarchie (zum Beispiel im Königreich Böhmen, in Tetschen, Klösterle oder Prag etwa) zurückgehen, der mit der Salzstadt Cardona in Verbindung stand. In Frage kommt zum Beispiel ein Mitglied der Familie Folç de Cardona (Folch de Cardona) oder der Familie der Grafen von Thun und Hohenstein. Freilich kommen viele andere Logen in Frage, da es viele andere Salzstädte gab, die wie zum Beispiel Halle an der Saale, nicht selten auch Freimaurerlogen beherbergten. – Das Buch wurde von einem „Elias Artista Hermeticus“ herausgegeben (in der Titelangabe „von Elias Artista Hermetica“ ist „Hermetica“ Satzfehler für den Ablativ bzw. Dativ „Hermetico“). Es ist nicht ganz ausgeschlossen, daß sich hinter diesem Pseudonym der Schwärmer Johann Daniel Müller alias Elias/Elias Artista, geb. 1716 in Wissenbach (Nassau), gest. (in Riga?) nicht vor 1786, verbirgt, jener geheimnisvolle Patron der Illuminés d’Avignon, mit denen später der Graf Thun im Jahr 1785 Kontakt aufgenommen hat. Reinhard Breymayer hat das Pseudonym „Élie Artiste“ des Patrons erstmals in der neueren Forschung entschlüsselt, wie bereits erwähnt. Breymayers entsprechende Veröffentlichungen sind im Artikel Johann Daniel Müller (Musiker) der deutschen Internet-Enzyklopädie Wikipedia zu finden. (Abruf: 21. August 2015.)
Titelaufnahme:
Elias Artista Hermetica [vielmehr Hermeticus (Pseudonym); Hrsg.]:
Das | Geheimniß von dem | Salz, | als dem edelsten Wesen | der höchsten Wohlthat Gottes | in dem Reich der Natur, | beides | in seinem Wesen | und in seinen Eigenschaften | aus eigener Bemühung untersucht. || Göttlicher Weißheit zum Lobe und den | begierigen Forschern zum Vortheil geschrieben | und herausgegeben | von Elias Artista Hermetica [vielmehr: Hermetico]. || Jes[aiae]. 45, 3. | Ich will dir geben die Schätze, so im Finstern liegen, und | was an verborgenen Orten geleget ist, auf daß du erken- | nest, daß ich der Herr der Gott Israel. | [Zierleiste| | [Verlag: Wien, bei Johann Paul Krauß,] 1770. – 142 S. – Standort: Bayerische Staatsbibliothek München, Signatur: Lith. 178.
Zu beachten ist vor allem die alte sächsisch-böhmische Salzstraße Halle an der Saale – Leipzig – Prag. Im 11. bzw. 12. Jahrhundert entstand an der durch den Königswald führenden Salzstraße nach Děčín (Tetschen), dem späteren Sitz der Familie der Grafen von Thun und Hohenstein, eine Feste.
Vgl. den Artikel „Salzstraße“ in der deutschen Internet-Enzyklopädie Wikipedia (Abruf am 19.08.2015), und hier einen Auszug aus dem Abschnitt „Sächsische Salzstraßen (Böhmische Steige)“:
In Sachsen gab es schon vor der Besiedlung des Erzgebirgsvorlandes und des Erzgebirges mehrere sogenannte Böhmische Steige (tschechisch Česká stezka). Die Mehrzahl dieser Handelswege führten, ausgehend von den Salinen bei Halle in Richtung Süd-Osten und Süden durch Sachsen. Sie querten das Erzgebirge über verschiedene Erzgebirgspässe und verbanden Sachsen mit Böhmen. Wegen des in großem Umfang transportierten Gutes, dem Salz, wurden sie auch Salzstraße genannt. Eine dieser Verbindungen verlief von Leipzig über Oederan, Sayda und Brüx (Most) nach Prag.
Eine touristische Entwicklung dieser Salzstraße durch den am 17. Juli 2010 in Halle gegründeten Verein „Alte Salzstraße Halle – Prag“ ist mittelfristig angedacht.
Eine weitere dieser sächsischen Salzstraßen führte von Halle über Leipzig, Chemnitz (siehe auch B 174), Zschopau, Marienberg, Reitzenhain und Komotau ebenfalls nach Prag.
Heimatverein Mortelgrund – Alte Salzstraße e.V. Mortelmühle / Mortelgrund 5 D – 09619 Sayda Vorsitzender: Toralf Richter www.mortelgrund.de
Alte Salzstraße Halle – Prag e. V. | Mit dem weissen Gold in die goldene Stadt; Internetadresse: http://www.altesalzstrasse.eu/de .
Auf der Website (Abruf 19.08.2015) steht folgender Text:
„In Prag konzentrierte sich der wichtigste Salzmarkt Böhmens. Die Stadt wurde sowohl vom Süden (Passau, Salzburg, Gmunden) als auch vom Norden (Halle) mit Salz beliefert. Das in Prag als ‘Meißner’ bezeichnete Salz der halleschen Salinen erreichte die Stadt im 14. – 16. Jahrhundert über den Landweg und über Elbe und Moldau. Die regelmäßige Versorgung des böhmischen Marktes mit Salz aus dem Norden stellte Kaiser Karl IV. durch das ‘Konkurrenzprinzip’ sicher. Gemäß der ‘Goldenen Bulle’ von 1356 bildeten alle Salzvorräte des Landes das ‘Königliche Regal’.
Die Zölle wurden im 14. Jahrhundert im Teynhof (nach den Zolleinnahmen auch Ungelt genannt) in der Prager Altstadt (neben heutiger Teynkirche) eingezogen. Salz wurde gegen Getreide, Wein, Braugerste, Pelze, Holz und Buntmetalle getauscht. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts regierten in Prag die Habsburger, die das österreichische Salz aus Gmunden bevorzugten, so dass die Lieferungen aus Halle schnell absanken. Nach 1620 hatte sich das Monopol für dieses Salz in ganz Böhmen durchgesetzt.“
Netzwerk Alte Salzstraße; Internet-Adresse: http://www.alte-salzstrasse.de/index.php?id=203&L=0
b) Weitere Beziehungen des Hauses Hohenzollern-Hechingen zu Wien.
Vorbemerkung: Hilfreich sind dabei die Angaben im Artikel „Schwäbische Hohenzollern“ der Internet-Enzyklopädie „Wikipedia“.
Weitere Beziehungen des Hauses Hohenzollern-Hechingen, speziell des 6. Reichsfürsten Joseph Friedrich Wilhelm Eugen Johannes Franz Xaver Meinrad von Hohenzollern-Hechingen, zu Wien ergeben sich durch folgende genealogische Fakten:
1) Seine Großtante väterlicherseits Maximiliane Waldburga Gräfin von Hohenzollern-Hechingen, * 1595, gest. Wien 10. April 1639.
2) Seine angeheiratete Tante väterlicherseits Maria Leopoldina Ludovica Reichsfürstin zu Hohenzollern-Hechingen, geb. Gräfin von Sinzendorf, * 11. April 1666, gest. Wien 18. Mai 1709. Sie heiratete in Wien am 22. Juni 1687 Friedrich Wilhelm I. Reichsfürst zu Hohenzollern-Hechingen.
2 a) Deren Vater, Georg Ludwig Graf von Sinzendorf-Neuburg, geb. 17. Januar 1616, gest. Wien 14. Dezember 1681. „Neuburg“ bezieht sich auf Neuburg am Inn.
2 b) Deren Mutter aus der zweiten Ehe des Vaters (Hochzeit Linz an der Donau 30. November 1661), Dorothea Elisabeth Gräfin von Sinzendorf-Neuburg, geb. Prinzessin von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Wiesenburg, * Paderborn 20. November 1645, gest. Wien 8. Januar 1725.
„Wiesenburg“ bezieht sich auf die von 1663 bis 1724 an die Herzöge Philipp Ludwig (1620–1689) bzw. Friedrich (1651 – 1724) von Schleswig-Holstein-Sonderburg verlehnte Herrschaft Wiesenburg; das Schloß Wiesenburg gehört seit 1999 zum Ortsteil Wiesenburg der Stadt Wildenfels im Landkreis Zwickau in Sachsen.
3) Deren Tochter, seine Cousine väterlicherseits Christine Eberhardine Friederike Reichsgräfin von Hohenzollern-Hechingen, * Schloß Hechingen 3. März 1695, gest. Wien 2. Dez. 1754. Sie war eine Schwester des Reichsgenerals der Kavallerie Friedrich Ludwig Reichsfürst zu Hohenzollern-Hechingen, des unvermählt bleibenden Vetters und Vorgängers von Reichsfürst Joseph Friedrich Wilhelm zu Hohenzollern-Hechingen.
Bemerkenswert ist auch eine weitläufige Beziehung zwischen dem Grafengeschlecht von Thun und Hohenstein und dem ebenfalls weitverzweigten von Sinzendorf: Matthias Reichsgraf von Thun und Hohenstein, geb. Juli 1743, gest. 7. August 1810, heiratete in erster Ehe am 12. Oktober 1777 Maria Anna, geb. Comtesse von Sinzendorf, * 23. Januar 1761, gest. 12. Januar 1779. Durch die gemeinsame Abstammung von Anton von Thun, gest. 1522), war er ein Vetter sechsten Grades von Johann Joseph Anton Reichsgraf von Thun und Hohenstein (1711 – 1788).“]
B) Anmerkungen zur Genealogie von Johann Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein
Geb. Prag 2. Juli 1711, gest. Prag 21. Mai 1788; in seiner ersten Ehe (Hochzeit in Wien am 22. November 1733) Ehemann von Maria Christina Reichsgräfin von Thun und Hohenstein, geb. Comtesse von Hohenzollern-Hechingen, Vater von Franz Joseph; Johann Joseph Reichsgraf von Thun war ein begeisterter Anhänger Mozarts; in seinem Palais in Prag wohnte Mozart im Januar 1787 in der Zeit, als er Le nozze di Figaro („Figaros Hochzeit“) dirigierte. Vielleicht geht sogar diese erste Einladung Mozarts nach Prag auf ihn zurück, so daß Eduard Mörike für seine Künstlernovelle Mozart auf der Reise nach Prag auch an dessen erste Pragreise im Januar 1787 hätte anknüpfen können statt an die zweite Pragreise im Oktober 1787 zur Uraufführung der Oper Il dissoluto punito ossia il Don Giovanni (‚Der bestrafte Wüstling oder Don Giovanni‘) am 29. Oktober 1787 im Gräflich Nostitzschen Nationaltheater in Prag. Mozart kam erstmals am 11. Januar 1787 nach Prag und blieb bis zur zweiten Februarwoche dieses Jahres. Der zweite Aufenthalt in Prag währte vom 4. Oktober bis zum 12. oder 13. November 1787. Der dritte Aufenthalt in Prag war am 10. April 1789 auf der Durchreise nach Berlin; auf der Rückreise nach Wien hielt er sich in Prag am 31. Mai 1789 und möglicherweise noch bis 2. Juni auf.
Mozarts fünfte und letzte Reise nach Prag galt der Uraufführung der Opera seria La clemenza di Tito (‚Die Milde des Titus’), die er im Auftrag der böhmischen Stände für die Feier der Krönung des Römischen Kaisers Leopolds II. Erzherzogs von Österreich zum König von Böhmen im September 1791 in Prag komponiert hatte. Die Titelfigur der Oper ist Titus Flavius Vespasianus (39 – 81 n. Chr.); als Römischer Kaiser (79 – 81 n. Chr.) führte er den Namen Imperator Titus Caesar divi Vespasiani filius Vespasianus Augustus. Mozart kam am 28. August 1791 in Prag an und verließ, nachdem die Uraufführung der Oper am 6. September 1791 im Prager Ständetheater stattgefunden hatte, die Stadt in der dritten Septemberwoche dieses Jahres. Er starb in Wien am 5. Dezember 1791.
C) Anmerkungen zur Genealogie von Maria Christina Reichsgräfin von Thun und Hohenstein, geb. Comtesse von Hohenzollern-Hechingen [aus dem dortigen Fürstenhaus]
Geb. 25. März 1715, gest. Schuschitz 6. August 1749. Sie war
a) eine Tochter des kaiserlichen Generalfeldmarschalls (Ernennung 1724) Hermann Friedrich Reichsgraf zu Hohenzollern-Hechingen, geb. Straßburg im Elsaß 1. September 1688, gest. auf Schloß Hechingen 4. Juni 1750, und von dessen zweiter Ehefrau (Hochzeit in Oettingen am 27. Mai 1714), Maria Josepha Theresia Reichsgräfin zu Hohenzollern-Hechingen, geb. Comtesse zu Oettingen-Spielberg, * Oettingen 19. September 1694, gest. Oettingen 20./21. August 1778. – Die erste Ehefrau des Reichsgrafen (Hochzeit 8. September 1704) war Eleonora Magdalena Reichsgräfin von Hohenzollern- Hechingen, geb. markgräfliche Prinzessin von Brandenburg-Bayreuth (1673 – 1711), eine Tochter von Christian Ernst Markgraf von Brandenburg-Bayreuth. Die Beziehung zu den stammverwandten fränkischen Hohenzollern in Bayreuth könnte erklären, daß der spätere Fürst Joseph Friedrich Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen am 12. November 1717 in Bayreuth geboren und getauft wurde, falls die Ortsangabe zutrifft.
b) die erste Ehefrau von Reichsgraf Johann Joseph von Thun-Hohenstein (Hochzeit in Wien am 22. November 1733).
c) die Mutter von Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein sowie von Marie Christine Reichsgräfin (seit 1784) Fürstin von Dietrichstein, geb. Comtesse von Thun und Hohenstein;
d) eine Schwester von Philipp Matthäus Hahns Auftraggeber Joseph Friedrich Wilhelm Eugen Johannes Franz Xaver Meinrad Reichsgraf, nachmals, seit 4. Juni 1750, sechster Reichsfürst [Titel: „Hoheit“] von Hohenzollern-Hechingen, getauft Bayreuth 12. November 1717, gest. Hechingen 9. April 1798; des Heiligen Römischen Reichs Erbkämmerer (mit diesem Amt am 7. Dezember 1750 in Berlin belehnt), Reichs-Generalfeldmarschall, Kaiserlich-Königlicher General der Kavallerie.
D) Verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den mit Mozart persönlich bekannten musikliebenden Familien Thun-Hohenstein und Fürstenberg über die Familie Hohenzollern-Hechingen: Maria Antonia Anna Fürstin zu Fürstenberg, geb. Prinzessin von Hohenzollern-Hechingen, und ihre Donaueschinger Familie
Der bereits erwähnte Herrscher Joseph Friedrich Wilhelm Eugen Johannes Franz Xaver Meinrad Reichgraf, nachmals (seit 4. Juni 1750) sechster Reichsfürst von Hohenzollern-Hechingen (1718 [1717?] – 1798), war in zweiter Ehe mit Maria Theresia, geb. Comtesse von Waldburg zu Zeil und Wurzach (1732 – 1802), verheiratet. Sie war eine Tochter von Franz Ernst Graf von Waldburg zu Zeil und Wurzach.
Dieser Ehe entstammte eine musikliebende Prinzessin aus dem Haus Hohenzollern-Hechingen: Maria Antonia Anna Fürstin zu Fürstenberg, geb. Prinzessin von Hohenzollern-Hechingen, * Hechingen 10. November 1760, gest. Hechingen 25. Juli 1797. Sie heiratete in das mit Leopold Mozart und Wolfgang Amadeus Mozart persönlich bekannte musikliebende Fürstenhaus zu Fürstenberg ein – die Familie Mozart war im Oktober 1766 für etwa zwei Wochen in der Residenz Gast des Fürsten Joseph Wenzel gewesen. Maria Antonia Anna war eine Cousine von Franz Joseph Reichsgraf von Thun und von dessen Schwester Marie Christine Gräfin von Dietrichstein, geb. Comtesse von Thun und Hohenstein, dazu auch eine Cousine von Hermann Otto Reichsfürst von Hohenzollern. Sie heiratete in Hechingen am 15. Januar 1778 als zweite Ehefrau den Erbprinzen und seit 1783 regierenden Fürsten Joseph Maria Benedikt zu Fürstenberg-Stühlingen, geb. Donaueschingen 9. Januar 1758, gest. Donaueschingen 4. Juni 1796, dessen Vormund ihr Vater, Fürst Joseph Friedrich Wilhelm, gewesen war.
Joseph Maria Benedikt war Sohn des Musikliebhabers Joseph Wenzel Fürst zu Fürstenberg-Stühlingen, geb. Prag 21. März 1728, gest. Donaueschingen 2. Juni 1783 (1775 durch den Römisch-Deutschen Kaiser Joseph II. zum Generalmajor ernannt), und von dessen Ehefrau (Hochzeit 9. Juni 1748), Maria Josepha, geb. Comtesse von Waldburg-Scheer-Trauchburg, Tochter von Hans Ernst von Waldburg-Scheer-Trauchburg, und hatte auch durch sein Studium an der Universität Salzburg eine besondere Beziehung zu Wolfgang Amadeus Mozarts Geburtsstadt; er mag dort auch mit der Familie Mozart zusammengetroffen sein. Bemerkenswert ist im Blick auf die Beziehungen des Fürsten Joseph Wenzel zu seinem Schwiegervater Joseph Friedrich Wilhelm Eugen Johannes Franz Xaver Meinrad Fürst zu Hohenzollern-Hechingen als einem Auftraggeber des berühmten Uhrenkonstrukteurs Philipp Matthäus Hahn, daß der Fürst Joseph Wenzel die Uhrmacherei gefördert hat. Bedeutsam sind auch die Beziehungen des Fürsten Joseph Wenzel zu Böhmen und zur Donaumetropole Wien durch seine Vorfahren aus dem böhmischen Herrengeschlecht Waldstein mit dem Stammhaus Burg Waldstein (hrad Valdštejn) bei Turnau (Turnov) und zahlreichen weiteren Gütern in Böhmen. Diese Adelsfamilie war einst durch Albrecht Wenzel Eusebius Reichsgraf von Waldstein Herzog von Friedland und Sagan, genannt Wallenstein (1583 – 1634), bekannt geworden; er erwarb 1620 die im 16. Jahrhundert zur Ruine gewordene Stammburg.
Joseph Wenzel Fürst zu Fürstenberg-Stühlingen war Sohn von Joseph Wilhelm Ernst zu Fürstenberg-Stühlingen, geb. Augsburg 13. April 1699, gest. Wien 29. April 1762, und von dessen Ehefrau (Hochzeit 6. Juni 1723), Maria Theresia Anna Eleonora, geb. Comtesse von Waldstein, Erbin von Pürglitz (Křivoklát) in Mittelböhmen, * Wien 22. Februar 1707, gest. 12. November 1756. Sie war eine Tochter von Johann Joseph Graf von Waldstein und Herrn zu Dux und Oberleutensdorf, geb. 26. Juni 1684, gest. 22. April 1731; 1720 – 1731 Obersthofmarschall von Böhmen. Dieser war seit 1707 Inhaber der 1680 zum Familienfideikommiss erhobenen Herrschaften Dux (Duchcov) und Oberleutensdorf (Horní Litvínov) in Nordböhmen. Diese Herrschaften gingen 1731 als Erbe an Johann Josephs Neffen Franz Joseph Graf von Waldstein (1709 – 1771), einen Vetter also von Maria Theresia Anna Eleonora Fürstin zu Fürstenberg-Stühlingen.
Franz Joseph, mit vollem Namen Franz von Paula Joseph Georg Hermann Adalbert Norbert Ignaz Franz Seraphicus [d. i. Franz von Assisi] Wenzel Johann Baptist Johann Nepomuk Leonhard von Waldstein (seit 1758 auch Graf von Wartenberg), geb. Prag 24. April 1709, gest. Münchengrätz in Mittelböhmen 2. Dez. 1771, heiratete in Wien am 24. April 1729 Maria Josepha Maximiliana, geb. Comtesse von und zu Trauttmannsdorff-Weinsberg, * Leitomischl in Ostböhmen 27. April 1704, gest. Prag 12. Oktober 1757.
Daraufhin erbte die Herrschaften Dux und Oberleutensdorf beider Sohn Emanuel Philibert Graf von Waldstein (seit 1758 auch Graf von Wartenberg; mit vollem Namen Emanuel Philibert Johann Joseph Karl Adam Prosper Peter Franz Graf von Waldstein und Wartenberg), geb. Wien 2. Februar 1731, gest. Trebitsch in Südmähren 22. Mai 1775; Kaiserlicher Kammerherr. Er heiratete am 21. Mai 1754 Maria Anna Theresia Prinzessin von und zu Liechtenstein, * auf Schloß Krumau 15. Oktober 1738, gest. Wien 29. Mai 1814. Ihr Vater war Emanuel Anton Joseph Johann Nepomuk Fürst von und zu Liechtenstein Herzog von Troppau und Jägerndorf, geb. Wien (2./3.) Februar 1700, gest. Wien 15. Januar 1771. Ihre Mutter war Maria Anna Antonia Comtesse von Dietrichstein-Weichselstadt Freiin zu Hollenburg und Finkenstein, * Graz 10. September 1706, gest. Wien (7.8.) Januar 1777. - Zu Emanuel Philiberts Bruder Georg Christian Graf von Waldstein-Wartenberg (1743 – 1791), einem Schwager, d. h. dem Ehemann einer Schwester von Mozarts Gönnerin Maria Wilhelmina Reichsgräfin von Thun-Hohenstein (1744 – 1800), siehe den Exkurs F) von Reinhard Breymayer im vorliegenden Text.
Emanuel Philiberts erstes Kind und erster Sohn, also ein Urgroßneffe von Johann Joseph Graf von Waldstein (1684 – 1731), Joseph Karl Emanuel Graf von Waldstein (seit 1758 auch Graf von Wartenberg) und Herr zu Dux und Oberleutensdorf, geb. 16. Februar 1755, gest. 17. März 1815, wurde 1784 in Wien mit Giacomo Girolamo Casanova, geb. Venedig 2. April 1725, gest. auf Schloß Dux 4. Juni 1798, bekannt und holte ihn 1785 als Schloßbibliothekar nach Dux. Casanova war dort bis zu seinem Tod in diesem Amt tätig. Viele bedeutende Persönlichkeiten, auch Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Ludwig van Beethoven waren in Dux Gäste von Joseph Karl Emanuel Graf von Waldstein. Nach der Schlacht bei Kulm, die am 29. und 30. August 1813 bei den Dörfern Kulm und Karbitz sowie Priesten in der Nähe von Teplitz und Aussig in Nordböhmen stattfand, bewirtete der Graf auch den Zaren Alexander I. von Rußland und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen. Man vermutet, daß Casanova 1787 in Prag mit Wolfgang Amadeus Mozart und dem aus Casanovas Heimatstadt Venedig stammenden Librettisten Lorenzo da Ponte zusammengetroffen ist, als diese dort die Uraufführung der Oper Don Giovanni vorbereiteten.
Ferdinand Ernst Graf von Waldstein-Wartenberg als Freund und Förderer Ludwig van Beethovens
Ein Bruder Joseph Karl Emanuels war Ferdinand Ernst Joseph Gabriel Graf von Waldstein und Wartenberg, geb. Wien 24. März 1762, gest. Wien 26. Mai 1823. Er war seit 1788 in Bonn, seit 1789 dort Wirklicher Geheimer Rat; 1792 – 1811 Komtur des Deutschen Ordens (Austritt 1811). Bedeutsam ist seine Wertschätzung Wolfgang Amadeus Mozarts und sein mäzenatischer Einsatz für Beethoven. Wir zitieren aus dem Wikipedia-Artikel Ferdinand Ernst von Waldstein-Wartenberg (Abruf am 07.09.2015):
"Waldstein beteiligte sich in seiner Bonner Zeit intensiv am gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Residenzstadt und war neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen. Er wurde 1788 Mitglied der Bonner Lesegesellschaft und 1794 deren Direktor und gehörte zu den Subskribenten der Gedichte des damaligen Bonner Professors und späteren Jakobiners Eulogius Schneider.
Waldstein war musikalisch, ein guter Klavierspieler und er komponierte selbst. In Bonn verband ihn eine Freundschaft mit der Familie Breuning, bei der er in Kontakt mit Beethoven kam – spätestens seit einem von ihm organisierten Ritterballett im Jahr 1791. Ein Jahr zuvor hatte Waldstein Beethoven den Auftrag gegeben, Musik für ein Ritterballett zu schreiben. Die Partitur wurde 1791/92 unter dem Titel Variations à quatre mains pour le Pianoforte sur une Thème de Monsieur le Comte de Waldstein par Louis van Beethoven fertiggestellt und 1794 gedruckt.
Eintragung in Beethovens Stammbuch
Ferdinand Ernst von Waldstein war der erste und wahrscheinlich wichtigste Mäzen Beethovens. Er war es, der ihm das Stipendium für seine Reise nach Wien im Jahr 1792 verschaffte. Und als Beethoven im November 1792 seine Geburtsstadt
verließ, schrieb Waldstein am 29. Oktober in Beethovens Stammbuch:
Lieber Beethoven!
Sie reisen itzt nach Wien zur Erfüllung ihrer so lange
bestrittenen Wünsche. Mozart's Genius trauert noch
und beweinet den Tod seines Zöglinges. Bey dem uner=
schöpflichem Hayden fand er Zuflucht, aber keine Beschäf-
tigung; durch ihn wünscht er noch einmal mit jemanden
vereinigt zu werden. Durch ununterbrochenen Fleiß
erhalten Sie: Mozart's Geist aus Haydens Händen.
Bonn d 29t. Oct. 792. Ihr warer Freund Waldstein OT
Obwohl der Komponist 1804 seine Klaviersonate Nr. 21 C-Dur op. 53, die als „Waldsteinsonate“ in die Musikgeschichte eingegangen ist, Ferdinand Ernst von Waldstein widmete, hatten die beiden in ihrer Wiener Zeit offenbar keine näheren Kontakte mehr. Darauf weist eine Eintragung Beethovens vom Dezember 1819 hin: „Der Graf Waldstein war ja in der Nähe. Lebt er jetzt hier?“ [Ende des Zitats aus dem Wikipedia-Artikel.]
Bei einer genaueren Transkription wären folgende Kürzel aufzulösen: "d<en>", 29ten. ["t<en>" über einem Punkt hochgestellt; Oct<obris>." "792" unter einem Querstrich.]
Die Abkürzung "OT" in der Signatur Waldsteins steht für "Ordinis Teutonici", das bedeutet "(Mitglied) des Deutschen Ordens. Darunter steht noch das Kürzel "mppr" für "manu propria", "eigenhändig". [R. B.]
Reichsfürst Hermann Otto von Hohenzollern-Hechingen als Vetter von Franz Joseph Reichsgraf von Thun-Hohenstein
Auf Joseph Friedrich Wilhelm Eugen Johannes Franz Xaver Meinrad Reichsfürst von Hohenzollern-Hechingen folgte dessen Neffe Hermann Maria Friedrich Otto Fürst von Hohenzollern-Hechingen (1751 – 1810). Sein Vater war Franz Xaver Prinz von Hohenzollern-Hechingen (1719 – 1765), ein jüngerer Bruder von Joseph Friedrich Wilhelm Reichsfürst von Hohenzollern-Hechingen. Erbprinz Hermann Otto heiratete in 3. Ehe in Dagstuhl am 26. Juli 1779 Maria Antonia, geb. Comtesse von Waldburg zu Zeil und Wurzach (1753 – 1814). Sie war ebenfalls eine Tochter von Franz Ernst Graf von Waldburg zu Zeil und Wurzach. Erbprinz Hermann Otto heiratete also eine Schwägerin, genauer: eine Schwester der Frau, seines Onkels Joseph Friedrich Wilhelm Reichsfürst von Hohenzollern-Hechingen.
Reichsfürst Hermann Otto von Hohenzollern-Hechingen war über seine Tante Maria Christina Reichsgräfin von Thun und Hohenstein, geb. Comtesse von Hohenzollern-Hechingen [aus dem dortigen Fürstenhaus], * 25. März 1715, gest. Sehuschitz in Böhmen 6. August 1749, ein Vetter von Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein, des Ehemanns von Mozarts wichtigster Gönnerin also, und von Marie Christine Reichsgräfin (seit 1784 Fürstin) von Dietrichstein, geb. Comtesse von Thun und Hohenstein, dazu auch ein Vetter der erwähnten Musikliebhaberin Maria Antonia Anna Fürstin zu Fürstenberg, geb. Prinzessin von Hohenzollern-Hechingen. Die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Familien Thun-Hohenstein, Hohenzollern-Hechingen, Fürstenberg-Stühlingen und Waldstein-Wartenberg können die Wirkung der Familie Thun-Hohenstein im Prager und Wiener Umfeld Mozarts verstärkt haben. Maria Antonia Anna Fürstin zu Fürstenberg war als "Mittelcousine" sozusagen Bindeglied zwischen der Familie Thun-Hohenstein und der Familie Fürstenberg.
Neben dem römisch-katholischen Zweig des Hauses Hohenzollern in Hechingen ist auch der calvinistische Zweig der Hohenzollern in Berlin, vertreten durch König Friedrich Wilhelm II. von Preußen und Kurfürst von Brandenburg (1744 – 1797), zu nennen, der ebenfalls als Förderer Mozarts auftrat, dazu wie Mozart als Freimaurer. Der König war Förderer des Esoterismus, hier besonders des Ordens der Gold- und Rosenkreuzer. Die Hohenzollern in Hechingen und Berlin würdigten trotz der historischen und konfessionellen Distanz durchaus ihre entfernte Verwandtschaft.
E) Anmerkungen zur Genealogie von Maria Wilhelmina von Thun-Hohenstein, geb. Comtesse von Uhlfeld, der wichtigsten Gönnerin Mozarts
Maria Wilhelmina Anna Josepha Reichsgräfin von Thun und Hohenstein, geb. Comtesse von Uhlfeld, wurde in Wien am 13. Mai 1744 geboren und starb in Wien am 8. Mai 1800. Varianten ihres Familiennamens sind Uhlfeld, Uhlfeldt; Ulfeld, Ulfeldt, Ulfelt und Uhlefeld.
Ihr Vater war Corfitz (Cornificius) Anton Graf von Uhlfeld, geb. Kronstadt 15. Juni 1699, gest. Wien 31. Dezember 1769 (andere Angabe: 5. Januar 1700). Ihre Mutter war dessen zweite Ehefrau (Hochzeit 16. April 1743), Maria Elisabeth Anna Josepha Theresia Walburgis Ludmilla Lydweria Clementina Gräfin von Uhlfeld, geb. Prinzessin von Lobkowitz (tschechich: Lobkowicz, Lobkovic), * 23. Nov. 1726, gest. Wien 29. Juli 1786.
Durch die gemeinsame Abstammung von Leonhard von Sinzendorf und Barbara von Sinzendorf, geb. Mühlwanger (die im 15. Jahrhundert lebten), war Anna Maria Gräfin von Uhlfeld, geb. Comtesse von Sinzendorf, die Großmutter von Maria Wilhelmina Gräfin von Thun und Hohenstein, geb. Comtesse von Uhlfeld, eine Cousine 5. Grades des fünften Reichsfürsten Friedrich Ludwig von Hohenzollern-Hechingen, der wiederum ein Vetter des sechsten Reichsfürsten Joseph Friedrich Wilhelm Eugen Johannes Franz Xaver Meinrad von Hohenzollern-Hechingen war.
Fürst Friedrich Ludwig, geb. Straßburg im Elsaß 1. September 1688, gest. Schloß Lindich bei Hechingen 4. Juni 1750, war Sohn des kaiserlichen Generalfeldmarschall-Leutnants Reichsfürst Friedrich Wilhelm I. von Hohenzollern-Hechingen, geb. Hechingen 20. September 1663, gest. Hechingen 14. November 1735, und von dessen erster Ehefrau, Maria Leopoldina Ludovica Reichsfürstin von Hohenzollern-Hechingen, geb. Gräfin von Sinzendorf, * 11. April 1666, gest. Wien 18. Mai 1709.
Anna Maria Gräfin von Uhlfeld stammt von einem Sohn des Ehepaars Sinzendorf / Mühlwanger ab, nämlich von Lorenz von Sinzendorf, gest. 24. Juni 1515; Friedrich Ludwig Reichsfürst von Hohenzollern Hechingen von dessen Bruder Reinprecht von Sinzendorf, gest. 1521.
Maria Wilhelmina Gräfin von Thun und Hohenstein war eine Ururenkelin väterlicherseits von König Christian IV. von Dänemark und Norwegen (1577 – 1648; König von 1588 bis 1648) aus dessen zweiter Ehe zur linken Hand (1615) mit Kirsten, geb. Munk (1598 – 1658).
- Urgroßmutter väterlicherseits war deren Tochter Eleonora („Leonora“) Christina Reichsgräfin von Uhlfeld, geb. Comtesse von Schleswig-Holstein, * auf Schloß Frederiksburg bei Kopenhagen 8. Juli 1621, gest. im Kloster Maribo in Dänemark 16. März 1698. Sie hatte ein abenteuerliches, leidvolles Leben, aus dem sie nachmals als begnadete Schriftstellerin berichtet hat. Ihre erste Autobiographie, die ihr Kerkerleben beschreibt, Jammers Minde, gilt als das bedeutendste dänische Prosawerk des 17. Jahrhunderts.
- Eleonora Christina, geb. Comtesse von Schleswig-Holstein, heiratete 1637 mit 15 Jahren den uradeligen dänischen Staatsmann und Machtpolitiker Corfitz (Cornificius, auch Corfiz) von Uhlfeld, geb. auf Schloß Hagenskov bei Assens, gest. auf der Flucht aus Basel
im Rhein zwischen Basel und Neuenburg am Rhein 20. Februar 1664. Er wurde am 7. August 1641 Reichsgraf, am 10. März 1658 auch schwedischer Graf von Sölvesborg. Der zwischen Dänemark und Schweden oszillierende, intrigante Schaukelpolitiker gilt in Dänemark bis heute als schlimmster Verräter der dänischen Geschichte. Vier Phasen waren entscheidend für sein Leben: 1. Der Aufstieg unter Christian IV. König von Dänemark und Norwegen; 2. Der sinkende Einfluß unter Friedrich III. König von Dänemark und Norwegen und seine anschließende Flucht; 3. Der Abfall zu Schweden; 4. Die Rückkehr nach Dänemark, sein erneuter Verrat und Tod. Der Sohn von Jacob Uhlfeld (1567 – 1630; dänischer Reichskanzler seit 1609) wurde von König Christian IV. 1630 mit dessen erst neunjähriger Lieblingstochter Leonora Christina Comtesse von Schleswig-Holstein verlobt. 1636 wurde er dänischer Reichskanzler, 1637 Statthalter von Kopenhagen, 1643 als dänischer Reichshofmeister der oberste Beamter Dänemarks, als solcher nach Christians IV. Tod 1648 zunächst Regent, verlor jedoch wegen seiner Arroganz unter dem neuen König Friedrich III. und dessen Gemahlin Sophie Amalie an Einfluß – 1652 wurde er als Reichshofmeister entlassen – und wurde von Konkurrenten in bedrohlicher Weise angefeindet. Deshalb floh er nach Holland, zog später mit seiner Ehefrau nach Schweden und unterstützte den neuen König Karl X. Gustav von Schweden in seinem Krieg gegen Dänemark. 1658 wurde er Statthalter des von Dänemark an Schweden abgetretenen Schonen, fiel jedoch wegen der Niederlage Schwedens im Kampf um die völlige Eroberung Dänemarks bei Karl X. in Ungnade und wurde im Mai 1659 zum Tode verurteilt, jedoch begnadigt. Bevor er von der Begnadigung erfuhr, floh er aus Schweden und kehrte wie seine Ehefrau 1660 nach Dänemark zurück, litt jedoch zusammen mit seiner Ehefrau unter der Entmachtung des Adels durch König Friedrich III., die hundert Jahre später noch von Friedrich Gottlieb Klopstock (1724 – 1803) als Befreiung empfunden wurde („O Freyheit! Silberton dem Ohre | Licht dem Verstand, und hoher Flug zu denken!“ ruft er in seiner Ode auf das Jubelfest der Souveränität in Dänemark aus, die in einer späteren Fassung, von Friedrich Hölderlin rezipierten Fassung Das neue Jahrhundert heißt) – der Absolutismus mit der Schaffung einer Zentralgewalt gegenüber der oft bedrängenden Ortsherrschaft einzelner Adeliger war in der Tat eine Zwischenstation auf dem Weg zur Volkssouveränität. Im Sommer 1660 wurden die Eheleute als königliche Staatsgefangene für 17 Monate inhaftiert und erst im Dezember 1661 freigelassen, freilich weitgehend enteignet und zu einem Treueid auf König Friedrich III. verpflichtet. 1662 reiste er mit seiner Ehefrau nach Brügge. Dort bot er aus Rache dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg und Herzog in Preußen (1620 – 1688; 1675 „Großer Kurfürst“ genannt) aus dem Haus Hohenzollern an, diesem durch die Anzettelung einer Revolte zum dänischen Thron zu verhelfen, was dieser jedoch den Dänen mitteilte, die den eidbrüchigen Uhlfeld am 24. Juli 1663 wegen Hochverrats in Abwesenheit zum Tod verurteilten. Sein palastartiges Hofhaus in Kopenhagen wurde abgerissen und an seiner Stelle eine Schandsäule aufgerichtet mit der Aufschrift Forræ- deren: Corfitz WF: Til Æwig Spott: Skam og Skiendsel: (‚Dem Verräter Corfitz zu ewigem Spott, Schmach und Schande‘). „WF“ steht dabei für „VVLFELDT“, d. i. „Uulfeldt“ mit langem „U“, wofür häufig die Schreibweise „Uhlfeldt“ steht. Uhlfeld floh vor den Häschern des dänischen Königs Friedrichs III: durch Europa. Auf der Flucht aus Basel starb er am 20. Februar 1664 auf einem Boot im Rhein zwischen Basel und der damals vorderösterreichischen, also habsburgischen, Stadt Neuenburg, der heutigen Stadt Neuenburg am Rhein, Kreis Breisgau-Hochschwarzwald. Die Schandsäule wurde 1841 abgetragen und befindet sich heute im Hof des Nationalmuseums (dänisch: Nationalmuseet) in Kopenhagen. Uhlfelds Ehefrau wurde nach ihrer Festnahme in Dover 1663 an Dänemark ausgeliefert, wo sie am 8. August dieses Jahres eintraf. 22 Jahre lang, bis 1685, wurde sie im Blảtảrn (Blauen Turm) des Stadtschlosses in Kopenhagen gefangen gehalten. Erst am Abend des 19, Mai 1685 wurde sie auf Weisung des Königs Christians V. von Dänemark und Norwegen (1646 – 1699, seit 1670 König) aus dem Blauen Turm entlassen.
- Von den zehn gemeinsamen Kindern erreichten sieben das Erwachsenenalter. Ein Sohn des Paares, Leo Reichsgraf von Uhlfeld (1651 – 1716), ging nach Österreich und wurde dort Berufsoffizier. Im Jahr 1706 wurde er zum Feldmarschall befördert und zum Vizekönig von Katalonien ernannt. Nachdem Österreich im Jahr 1714 Spanien verloren hatte, ging er von Ksatalonien nach Österreich zurück. Der Enkel Anton Corfitz Reichsgraf von Ulhfeld (1699 – 1760), ein österreichischer Politiker, war der letzte männliche Angehörige des Stammes Uhlfeld.
- Großvater väterlicherseits von Maria Wilhelmina von Thun-Hohenstein war also der erwähnte Leo Reichsgraf von Uhlfeld Virrey de Catalunya, geb. 22. März 1641, gest. Wien 11. April 1716; seit 7. August 1641 Reichsgraf. Er heiratete in Wien 28. Juni 1697 Anna Maria Comtesse von Sinzendorf, * Ödenburg (ungarisch: Sopron) 25. April 1673, gest. Brüssel 31. Juli 1736.
- Diese war Tochter von Rudolf II. von Sinzendorf (als Graf Rudolf I. Reichsgraf und Herr von Sinzendorf, Freiherr von Ernstbrunn, Herr auf Roggendorf und Pöggstall und der Herrschaften Plan, Gottschau, Leiben, Weitenegg und Zelking und Burggraf zu Rheineck), geb. 29. März 1636, gest. Wien 2. September 1677, und von dessen Ehefrau (Hochzeit Wien 16. Februar 1655) Eva Susanna Reichsgräfin von Sinzendorf und Burggräfin zu Rheineck, geb. Freiin von Zinzendorf und Pottendorf, * Pottendorf 29. Mai 1636, gest. Breslau 29. Mai 1709.
- Von 1592 bis 1822 besaßen die Herren von Sinzendorf die Herrschaft Ernstbrunn mit dem Schloß und Gut Ernstbrunn. Heute gehört die im Weinviertel gelegene Marktgemeinde Ernstbrunn zum Politischen Bezirk Korneuburg des Bundeslandes Niederösterreich der Republik Österreich. Zur Marktgemeinde Ernstbrunn gehören 12 Ortschaften und 14 Katastralgemeinden, darunter die Ortschaft und Katastralgemeinde Ernstbrunn.
- Schloß Roggendorf (auch Schloß Pöggstall genannt) ist eine ehemalige Wasserburg in der zum Waldviertel gehörenden Marktgemeinde Pöggstall im Politischen Bezirk Melk des Bundeslandes Niederösterreich der Republik Österreich.
- Die Stadt Plan bei Marienbad ist heute Planá u Mariánských Lázní im Bezirk Tachau (Okres Tachov) der westböhmischen Region Pilsen (Plzeňský kraj) der Tschechischen Republik.
- Die Gemeinde Gottschau ist heute die kleine Gemeinde Kočov in demselben Bezirk Tachau.
- Leiben ist heute eine Marktgemeinde im Bezirk Melk des Bundeslandes Niederösterreich;
- Weitenegg ist eine kleine Ortschaft dieser Marktgemeinde Leiben.
- Die einstige Hangburg Zelking, das Stammhaus der Adelsfamilie Zelking, war von 1634 bis 1802 im Besitz der Reichsgrafen von Zinzendorf; sie ließen die Burg verfallen. Die heutige Burgruine befindet sich in der Gemeinde Zelking-Matzleinsdorf im Politischen Bezirk Melk des Bundeslandes Niederösterreich.
- Die Burg Rheineck ist eine Höhenburg bei Bad Breisig im Landkreis Ahrweiler des Landes Rheinland-Pfalz.
Zu den ursprünglichen Sitzen der Adelsgeschlechter Sinzendorf, Zinzendorf, Pottendorf
Sinzendorf (Nußbach) ist heute eine Ortschaft und Katastralgemeinde der Gemeinde Nußbach im Politischen Bezirk Kirchdorf an der Krems des Bundeslandes Oberösterreich der Republik Österreich. Nußbach gehört dem Traunviertel an. Zinzendorf (Wörth an der Donau) Zinzendorf ist heute ein Dorf und seit 1. April 1971 Ortsteil der Stadt Wörth an der Donau im Landkreis Regensburg, Regierungsbezirk Oberpfalz, im Land Bayern. Das niederösterreichische Herrenstandsgeschlecht von Zinzendorf, dem die Grafen und Herren von Zinzendorf und Pottendorf entstammen, hatte vor Jahrhunderten seinen Sitz in dem Ort Zinzendorf. Der Name des Ortes wird (wie auch der des nahen Zinzenzell) vom Schenkungszeugen Zinzo aus der Opi-Schenkung um 780 an das Kloster Sankt Emmeram in Regensburg abgeleitet. Das Geschlecht wird urkundlich allerdings erst im Jahr 1114 erwähnt und hatte damals sein Stammhaus bei der heutigen Marktgemeinde Sankt Leonhard am Forst im Politischen Bezirk Melk des Bundeslandes Niederösterreich der Republik Österreich. Sankt Leonhard am Forst gehört dem Mostviertel an. Pottendorf ist heute eine Marktgemeinde im Politischen Bezirk Baden des Bundeslandes Niederösterreich der Republik Österreich.
Eva Susanna Gräfin von Sinzendorf war eine Tochter von Otto Heinrich von Zinzendorf und Pottendorf, geb. Pottendorf 1605, gest. Wien 28. März 1655 im Alter von 50 Jahren, und von dessen Ehefrau (Hochzeit Freidegg, Niederösterreich, 4. Mai 1627), Anna Apollonia von Zinzendorf und Pottendorf, geb. Freiin von Zelking, * 1603, gest. 1646 im Alter von 43 Jahren. – Die Burg Zelking in Niederösterreich war bis 1802 im Besitz der Grafen von Sinzendorf, die sie aber verfallen ließen, weil sie nicht dort residierten. Die Burgruine befindet sich im Ortsteil Zelking der heutigen Gemeinde Zelking-Matzleinsdorf.
Eine Urgroßmutter väterlicherseits von Mozarts Gönnerin Maria Wilhelmina Gräfin von Thun und Hohenstein entstammte also wie der bekannte Bischof der Brüderunität Nikolaus Ludwig Reichsgraf von Zinzendorf und Pottendorf (1700 – 1760) dem Haus der Reichsgrafen von Zinzendorf und Pottendorf. – Die Adelsgeschlechter von Sinzendorf und von Zinzendorf und Pottendorf dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
Rudolf II. von Sinzendorf war Sohn von August Freiherrn von Sinzendorf-Ernstbrunn, geb. Ernstbrunn 1590, gest. um 1642, und von dessen Ehefrau, Elisabeth Freifrau von Sinzendorf, geb. von Trautmannsdorf, * 5. Mai 1587, gest. Wien 29, Mai 1652.
F) Eine Schwester von Mozarts Gönnerin Maria Wilhelmin von Thun-Hohenstein als angeheiratete Tante der Musikfreunde Karl Emanuel und Ferdinand von Waldstein-Wartenberg: Elisabeth Maria von Waldstein-Wartenberg, geb. von Uhlfeld
Ein Bruder des bereits erwähnten Grafen Emanuel Philibert von Waldstein und Wartenberg, Georg Christian Anton Michael Joseph Paternus Franz de Paula Graf von Waldstein-Wartenberg, geb. 16. April 1743, gest. 6. Oktober 1791, heiratete Elisabeth Maria Johanna Michaele Januaria Comtesse von Uhlfeld, gest. 19. September 1747, gest. 27. Januar 1791. Deren Vater war Corfitz (Cornificius) Anton Graf von Uhlfeld, geb. Kronstadt 15. Juni 1699, gest. Wien 31. Dezember 1769; deren Mutter war dessen Ehefrau (Hochzeit: <15./16.> April 1743) Maria Elisabeth Anna Josepha Theresia Walburgis Ludmilla Lydweria Clementina von Lobkowitz, * 23. November 1726, gest. Wien 29. Juli 1786. Elisabeth Maria war also eine Schwester von Mozarts Gönnerin Maria Wilhelmina Gräfin von Thun und Hohenstein, geb. Comtesse von Uhlfeld.
Weblinks
- Autorinnen und Autoren in Baden-Württemberg; dort Eintrag unter Breymayer, Reinhard.
- Philipp-Matthäus-Hahn-Preisträger Reinhard Breymayer; dort bio-bibliographische Angaben bis November 2009.
- Umfangreichere bio-bibliographische Angaben zu Reinhard Breymayer bis November 2009.
- Fortführung der bio-bibliographischen Angaben zu Reinhard Breymayer seit Dezember 2009; Wiedergabe in der Internet-Enzyklopädie Questpedia.
- Reinhard Breymayer Philipp-Matthäus-Hahn-Preisträger. Im Jahr 2015 neugestaltete Website.
- Artikel Reinhard Breymayer in der deutschen Internet-Enzyklopädie Wikipedia.
- Reinhard Breymayer - Links auf diese Seite (in der deutschen Internet-Enzyklopädie Wikipedia).
- <Reinhard Breymayer - Links auf diese Seite (in der Internet-Enzyklopädie Questpedia)>.
- Artikel Friedrich Christoph Oetinger in der Internet-Enzyklopädie PlusPedia.
- Artikel über Prokop Diviš in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia. Reinhard Breymayer hat im Jahr 1977 eine international beachtete Bibliographie zu Prokop Diviš veröffentlicht.