Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzy­klo­pädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

How to read Jewiki in your desired language · Comment lire Jewiki dans votre langue préférée · Cómo leer Jewiki en su idioma preferido · בשפה הרצויה Jewiki כיצד לקרוא · Как читать Jewiki на предпочитаемом вами языке · كيف تقرأ Jewiki باللغة التي تريدها · Como ler o Jewiki na sua língua preferida

Benutzer:Michael Kühntopf/WP-Kreuzthematik

Aus Jewiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Kreuzthematik in Wikipedia: Jüdische Meinungsbekundungen dazu

Seit vielen Jahren gibt es in der deutschsprachigen Wikipedia Streit um die Kennzeichnung des Todesdatums jüdischer Persönlichkeiten, bei denen vor dem Sterbedatum ein christliches Kreuz (†) gesetzt wird (ob es das ist oder nicht, ist egal, es wird als solches überwiegend betrachtet).

Das führt natürlich vereinzelt zu Frustration und Zorn, weil es nicht möglich zu sein scheint, eine Ausnahme zu machen und etwa "gest." oder "gestorben" zu schreiben oder ein anderes Zeichen einzusetzen.

Soweit ich sehe, ist die deutschsprachige Wikipedia die einzige Wikipedia, die so verfährt und diese Regel auch mit Zwang brachial durchsetzt.

Allerdings scheint wieder etwas Bewegung in die Angelegenheit zu kommen, weil immer mehr Menschen begreifen, dass diese Praxis unpassend, unsensibel, wenn nicht gar unerträglich für jüdische Menschen ist.

Wie sehen Sie das?/Wie siehst Du das? - Michael Kühntopf

Antworten

  1. "Ihre Anregung ist sehr gut. Ich bin einverstanden. Bei uns lässt so etwas einen bitteren Geschmack hinter. Es ist als ob man jemand mit diesen Symbolik posthum 'taufen' möchte, oder verkünden, in dieser Kultur muss man christliche Symbolik aufnehmen oder ausweichen", Arie Folger, Oberrabbiner Münchens, Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz, 22. Februar 2014
  2. "Ich kann das absolut bestätigen und es stört mich auch", Tamara Guggenheim, Jüdische Gemeinde Mannheim, 22. Februar 2014
  3. "Hi und Gute Woche! Hört sich fast nach einem Blog-Artikel an. Das ist ein Thema, welches mich schon immer sehr genervt hat. Aber man hat es Deutsch gelöst: Stell Dich nicht so an - hieß es immer. Wo muss man unterschreiben? Beste Grüße Chajm", Chajm Guski, Publizist und Autor zu jüdischen Themen, Gelsenkirchen, 22. Februar 2014
  4. "Die gefeierte Intelligenz der Massen! Die deutschsprachige Wikipedia ist so erfolgreich wie ihre anderssprachigen Schwesterprojekte, aber in vielerlei Hinsicht unterbindet die Schwarmintelligenz nicht, dass man nicht zu unvernünftigen Ergebnissen kommt und sich verhält wie der Mainstream in der Offline-Welt. So haben Muhammad/Mohammed, Regina Jonas und Ariel Scharon in der Wikipedia eine Gemeinsamkeit: Ihr Sterbedatum wurde mit einem genealogischen Zeichen versehen, welches den Todestag einer Person markiert. Dummerweise ist dieses Symbol ein Kreuz. Immer wieder sind einzelne Nutzer der deutschsprachigen Wikipedia dagegen Sturm gelaufen (siehe hier oder hier). Gefüllte Bildschirmkilometer. Der Ausgang und der Tenor waren aber klar: »Stellt Euch nicht so an. Mag sein, dass ihr das nicht mögt, euer Problem« Zuletzt kam es zu diesen Auseinandersetzungen wohl zum Tod von Ariel Scharon. Auch sein Sterbedatum wurde mit dem Symbol des Kreuzes versehen. Also einem, das für Juden nicht gerade unbelastet ist. So ist es ja nicht nur das Symbol des Christentums, also einer anderen Religion, sondern steht auch für Zwangstaufen und Verfolgungsdruck. Es ist also reichlich perfide, genau so ein Zeichen den Personendaten verstorbener Juden (oder Muslime) hinzuzufügen. Der Mob argumentiert formalistisch: Es sähe zwar aus, wie ein Kreuz, das genealogische Zeichen (†) sei aber gar kein Kreuz und damit sei (und ist) die Diskussion zu Ende. In anderen Sprachvarianten der Wikipedia ist das kein Thema, hier hat man die Symbole vermieden. Besonders dumm ist aber das Argument derjenigen, die lediglich ihre kulturelle Hegemonialität zeigen wollen und sich hinter Formalien verstecken, wenn man einen Blick in den Wikipedia-Artikel (der Griff der Axt kommt aus dem Wald) Genealogische Zeichen wirft. Dort werden auch entsprechende Symbole für Juden, Muslime und Buddhisten gelistet. 2012 hat das eine evangelische Theologin ebenfalls schon beobachtet (siehe hier). Seitdem ist nicht viel passiert. Aber wir haben gelernt, dass 100 Ignoranten nicht notwendigerweise zu weiseren Entscheidungen kommen, als 1 Ignorant", Chajm Guski, Publizist und Autor zu jüdischen Themen, Gelsenkirchen, 23. Februar 2014 - Link zum Originaltext: Chajms Sicht
  5. "Das Kreuz ist, trotz aller Fortschritte im christlich-jüdischen Verhältnis, für viele Juden immer noch das Zeichen, unter dem sie ungefähr 1.500 Jahre verfolgt und ermordet wurden. Daher ist die Verwendung eines Kreuzes für den Tod eines Juden in doppelter Hinsicht unpassend, da es darüber hinaus auch noch seine jüdische Identität posthum verleugnet. Es ist tatsächlich auch ein deutsch(sprachiges) Phänomen; im englischsprachigen Raum schreibt man zum Beispiel nur b. 1924 d. 2014 für 'born' und 'died'. Übrigens hat der Wikipedia-Artikel über genealogische Zeichen selbst den Davidstern für 'gestorben' bei Juden in der Liste. Habe ich aber, ehrlich gesagt, selbst noch nie so verwendet ... ", Walter Joshua Pannbacker, Vorbeter, Religionslehrer und Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Kiel, 22. Februar 2014
  6. "In einem Wort, das Kreuz stört mich schon immer. Magen David ist auch schwierig, denn dann musst du 100 % sicher sein, dass der Verstorbene Jude war, am Liebsten einfach nichts ...", Roger Reiss, Schriftsteller, ehemaliger Banker, Genf, 22. Februar 2014
  7. Ich bin in dieser Hinsicht pessimistisch und glaube kaum, dass sich da in der deutschen Wikipedia etwas ändern wird. Die massgebenden Kreise wollen ihr "Meinungsbild" durchdrücken, und damit hat sichs. Hierzu meine Bemerkung zu einem kürzlich verstorbenen israelischen Politiker:
Ariel Scharon hätte sich über das Kreuzzeichen wohl kaum geärgert. Eine Bekannte von mir hat mit ihm in seiner Zeit als Landwirtschaftsminister gearbeitet und beschreibt ihn als humorvollen Vorgesetzten. Er hätte das Beharren auf einem für ihn bedeutungslosen Symbol höchstens als typisches Zeichen für deutsche Dummheit angesehen, die durch die obige kilometerlange Diskussion noch überdeutlich bestätigt wird. siehe hier. Gruss --König Alfons der Viertelvorzwölfte (Diskussion) 08:35, 23. Feb. 2014 (CET)