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Alfred Wolfenstein
Alfred Wolfenstein (geb. 28. Dezember 1888 oder 1883 in Halle, Saale; gest. 22. Januar 1945 in Paris) war ein expressionistischer Lyriker, Dramatiker und Übersetzer.
Leben
Alfred Wolfenstein zog mit seiner Familie 1901 nach Berlin. Er studierte an der Berliner Universität Rechtswissenschaften, legte das Staatsexamen ab und wurde 1915 zum Gerichtsreferendar ernannt. Alfred Wolfenstein heiratete 1916 Henriette Hardenberg, gestand jedoch später ein, homosexuell zu sein. Die Ehe scheiterte und wurde 1930 geschieden.
Bereits 1912 erschien Wolfensteins erstes Gedicht in der durch Franz Pfemfert herausgegebenen Zeitschrift „Die Aktion“. Durch diese Veröffentlichung bezog Wolfenstein nicht nur literarisch, sondern auch politisch Stellung, denn diese Zeitschrift bot neben expressionistischen Künstlern auch Politikern links der SPD ein bekanntes Forum.
Wolfenstein veröffentlichte weitere Gedichte – sein wohl bekanntestes Gedicht, Städter, erschien 1914 – und gab mit dem zweibändigen Werk „Die Erhebung“ (1919/1920) die wichtigste theoretische Sammlung der expressionistischen Bewegung heraus. 1922 kehrte er aus München, wo er seit 1916 gelebt hatte, wieder nach Berlin zurück. 1930 erhielt er für seine Rimbaud-Übersetzungen den ersten deutschen Übersetzerpreis. Wolfenstein übersetzte auch Paul Verlaine, Gérard de Nerval[1] und Werke des französischen sozialkritischen Schriftstellers Victor Hugo.[2]. Aus dem Englischen übertrug Wolfenstein Gedichte Victor Hugos und Werke Emily Brontës.
In den Jahren der Weimarer Republik trat Wolfenstein auch als Dramatiker in Erscheinung und verfasste 1929 ein gegen die Todesstrafe gerichtetes Theaterstück, Die Nacht vor dem Beil. Wolfenstein bekannte sich weiter zum Pazifismus. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Wolfenstein gewarnt, er stehe auf der "schwarzen Liste".[1]. Wolfenstein floh wie viele andere deutsche politische Verfolgte zunächst nach Prag.[3]. Er verließ Böhmen nach dem Münchener Abkommen und flüchtete nach Paris. Bei dem Versuch, sich den Besatzungstruppen 1940 erneut zu entziehen, wurde er im Département Loire verhaftet und drei Monate im Pariser Gefängnis La Santé festgehalten. Nach dreimonatiger Haft lebte Wolfenstein unter anderem mit dem Decknamen Albert Worlin in Südfrankreich.[4]
In den Verfolgungsjahren hatte sich Wolfenstein eine schwere Herzerkrankung zugezogen, derentwegen er nach Paris zurückkehrte.[1] Am 22. Januar 1945 nahm er sich in einem Pariser Krankenhaus das Leben. Der in den Kriegsjahren verfasste Gedichtzyklus „Der Gefangene“ erschien erst in den 1970er Jahren.
Werke
- Städter (Gedicht, 1914)
- Die gottlosen Jahre (Gedichte, 1914)
- Leidendes Wohnen (Gedicht, 1914)
- Jüdisches Wesen und neue Dichtung (1917)
- ähnlich: Jüdisches Wesen und Dichtertum. in: Zs. Der Jude, Nr. 6, 1921/1922, S. 428–440
- Die Freundschaft (Gedichtband, 1917)
- Beate und der grosse Pan (1918)
- Der Lebendige (Novellenband, 1918)
- Die Nackten. Eine Dichtung (1918)
- Menschlicher Kämpfer (Gedichtauswahl, 1919)
- Der gute Kampf. Eine Dichtung (1920)
- Der Mann: Szenische Dichtungen (1922)
- Mörder und Träumer: Drei szenische Dichtungen (1923)
- Der Flügelmann (1924)
- Unter den Sternen: (Novelle, 1924)
- Der Narr der Insel: Drama in 8 Bildern (1925)
- Bäume in den Himmel: Drama in 3 Akten (1926)
- Bewegungen (Gedichte, 1928)
- Die Nacht vor dem Beil: Drama in 9 Bildern (1929)
- Die gefährlichen Engel: 30 Geschichten (1936)
- Der Tiger (Gedicht)
Literatur
- Alfred Wolfenstein: Eine Einführung in sein Werk (Ausw. von Carl Mumm) (1955)
- Nachlaß Alfred Wolfensteins in der DNB EB 94/214 "Deutsches Exilarchiv 1933–1945"
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 The Oxford Companion to German Literature. 2005 Oxford
- ↑ Wolfensteins Übersetzung der Erzählung „Der letzte Tag eines Verurteilten“ ist nach wie vor in einer Auflage des Jahres 2005 im Handel erhältlich, ISBN 978-3-938484-52-4
- ↑ Hans Sahl, 'Memoiren eines Moralisten und Das Leben im Exil' 2008 München
- ↑ Alfred Wolfenstein, in: Walther Killy (Hrsg.), Literatur-Lexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache, München 1988–1993
Weblinks
- Literatur von und über Alfred Wolfenstein im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Gedichte und Kurzbiografie
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wolfenstein, Alfred |
| KURZBESCHREIBUNG | expressionistischer Lyriker, Dramatiker und Übersetzer |
| GEBURTSDATUM | 28. Dezember 1888 |
| GEBURTSORT | Halle (Saale) |
| STERBEDATUM | 22. Januar 1945 |
| STERBEORT | Paris |
| Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Alfred Wolfenstein aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar. |