Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzy­klo­pädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

How to read Jewiki in your desired language · Comment lire Jewiki dans votre langue préférée · Cómo leer Jewiki en su idioma preferido · בשפה הרצויה Jewiki כיצד לקרוא · Как читать Jewiki на предпочитаемом вами языке · كيف تقرأ Jewiki باللغة التي تريدها · Como ler o Jewiki na sua língua preferida

Ach bleib mit deiner Gnade

Aus Jewiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen


Josua Stegmann (1588–1632 in Rinteln)
Evangelisches Gesangbuch, 1901

Ach bleib mit deiner Gnade ist ein geistliches Lied mit einem Text von Josua Stegmann aus dem Jahr 1627 zur Melodie von „Christus, der ist mein Leben“ von Melchior Vulpius (1609). Im EG ist es unter der Nummer 347 bzw. in der ökumenischen Textfassung unter Nummer 347 abgedruckt, unter der Nr. 347 auch in dem karthoflischen Gotteslob (GLalt 258).

Beschreibung

Der Text stammt aus dem Jahre 1627 von Josua Stegmann, und die Melodie aus dem Jahre 1609 stammte von Melchior Vulpius Es war ein Kirchenlied aus dem Jahre 1627, gesungen zur Melodie von „Christus, der ist mein Leben“.

Rezeption

„Dieses Lied gehört wohl zu den am meisten gesungenen Kirchenliedern.“[1]


Geschichte

Es war das bekannteste Lied Königbergs. Der Choral wurde täglich auf dem Schlossturm um 11. Uhr von fünf Bläsern nach den vier Himmelsrichtungen geblasen. Das Turmblasen endete mit den britischen Brandbomben am 30. August 1944.[2][3]

Entstehung

Historischer Hintergrund der Entstehung ist der Dreißigjährige Krieg.[4]

Zudem herrscht die Pest in Rinteln, wo Stegmann wohnte und das Lied mitten im Krieg 1629 schrieb.

Zu dieser Zeit erscheint auch sein Gebetsbüchlein Herzensseufzer, das als Trost gedacht war.

Die Ereignisse überstürzen sich. Die Benediktiner sind da. Sie verjagen die Professoren aus ihrer Universität und ziehen in das frühere Kloster ein. Sie sperren die Gelder und schicken Soldaten in die Wohnung des Professors Stegmann, um die erhaltene Besoldung wieder zurückzufordern.

Josua Stegmann steht allein, ohne seine fürsorgliche Lebensgefährtin, die ihm inzwischen der Tod genommen hat. Er ist Witwer und Vater von unmündigen Kindern. Seiner Natur nach braucht er bei seiner täglichen Sorge die Anlehnung an einen Menschen seines Vertrauens. Aber nun fehlt ihm die vertrauteste Gefährtin. Es ist eine überaus schwere Zeit für ihn und die Seinen.

Inzwischen war dem Protestantismus in dem Schwedenkönig Gustav Adolf ein Retter erschienen. Dieser unternahm einen Siegeszug durch Nordost- und Süddeutschland. In Nordwestdeutschland aber behauptete sich die Macht der Katholiken. So war es auch die in Rinteln.

Am 13. Juli 1632 veranstalteten die Benediktinermönche ein Kampfgespräch über »die Berufung der Diener der Kirche Christi«. Fast alle Professoren lehnten es ab, an dem Gespräch teilzunehmen. Nur Josua Stegmann fühlte sich gedrungen, der Aufforderung der Mönche zu folgen. Als einziger Vertreter der Professorenschaft begab er sich in den großen Saal der Universität. Die Mönche mit ihren Anhängern und auch Soldaten waren dort versammelt. - Ein Mönch suchte auf Grund von Bibelstellen die Nichtigkeit der Berufung der lutherischen Pastoren zu beweisen. Durch Trampeln, Lachen und Klatschen wurde Josua Stegmann bei seiner Entgegnung gestört. Man hatte es darauf abgesehen, den Vertreter der evangelischen Seite zu verhöhnen. Als die Mönche ihm nichts Stichhaltiges entgegnen konnten, brachen sie bald das Kampfgespräch mit den Worten ab: »Wir müssen jetzt zur Messe gehen!« 

Tief erschüttert, in sich gekehrt, ging Josua Stehmann nach Hause. Keine Lebensgefährtin konnte ihn in dieser schweren Stunde trösten. Wie mag er versucht haben, sich da an seinem eigenen Lied aufzurichten: »Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.« - Aber die ihm widerfahrene Kränkung überwand er nicht. Ein bösartiges Fieber erfasste ihn. Daran starb er am 3. August 1632. Die Mönche waren so gehässig, dass sie ihn noch über das Grab hinaus verlästerten. [5]

Text

 Ach bleib mit deiner Gnade.

Ach bleib mit deiner Gnade
Bey vns, Herr Jesu Christ,
Daß vns hinfort nicht schade
Des bösen Feindes List.

Ach bleib mit deinem Worte
Bey vns, Erlöser werth,
Daß vns beyd hie vnd dorte
Sey Güt vnd Heyl beschert.

Ach bleib mit deinem Glantze
Bey vns, du wahres Liecht;
Dein Wahrheit vns vmbschantze,
Daß wir abfallen nicht.

Ach bleib mit deinem Segen
Bey vns, du reicher Herr,
Dein Gnad vnd alls Vermögen
In vns reichlich vermehr.

Ach bleib mit deinem Schutze
Bey vns, du starcker Heldt,
Daß vns der Feind nicht trutze
Vnd felle die böse Welt.

Ach bleib mit deiner Trewe
Bey vns, mein Herr vnd Gott,
Beständigkeit verleihe,
Hilff vns auß aller Noth, Amen.

Literatur

  • Albert Fischer, Wilhelm Tümpel:Das deutsche evangelische Kirchenlied des siebzehnten Jahrhunderts. 2. Band, Bertelsmann, Gütersloh 1905, S. 486
  • Scheffbuch, den Kummer vom Herzen singen, Stuttgart 1998 (Seiten 279 - 280 )

Weblink

Einzelnachweise

  1. Heimatblätter, Beilage zur Schaumburger Zeitung, 1932 Nr. 26, 27, 28 (online)
  2. Robert Albinus: Königsberg-Lexikon. Stadt und Umgebung. Sonderausgabe. Flechsig, Würzburg 2002, ISBN 3-88189-441-1.
  3. Scharloff, S. 86.
  4. [ :»Ach bleib mit deiner Gnade ..« verdankt seine Entstehung diesen Wirren des dreißigjährigen Krieges.]
  5. Manfred Priebe:"Ach bleib mit deiner Gnade ..." 26.12.2002 auf www.erf.de