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Ereignisse

  • Nach 350: Rawina (= Rawina I.), Amoräer der 6. Generation, beteiligt an der Redaktion des babylonischen Talmud, Mitarbeiter Aschis
  • Ca. 350–ca. 365: Wirken Hillels II. (Hillel Nasia, Patriarch in Palästina, Nasi, Vorsitzender des Sanhedrins) unter Kaiser Julian Apostata. Hillel II. war Sohn von Jehuda III., Vater von Gamaliel V. und ein Nachkomme Hillels des Älteren; Hillel II. schuf den nach Sonnenjahren rechnenden konstanten, bis in die Gegenwart gültigen jüdischen Kalender
  • Der jüdische Kalender, ha-lu'ach ha-iwri, ist allerdings ein Lunisolarkalender, die Monate sind wie bei einfachen Mondkalendern an den Mondphasen [Mond = Jareach, poetisch Lewana, "die Weisse"; > Feier des jeweiligen Neumondtages; besonderer Monatssegen, Birkat Lewana; Beginn des Frühjahrs- und Herbstfestes – Pessach, Sukkot – bei Vollmond; nachbiblische Mondsage: Mond anfangs so gross wie die Sonne, will noch grösser werden, wird stattdessen verkleinert] ausgerichtet, gleichzeitig existiert jedoch eine Schaltregel zum Angleich an das Sonnenjahr; um einen Ausgleich zu dem um 11 Tage längeren Sonnenjahr zu schaffen (im Unterschied zum Islam, dessen Feste aufgrund des reinen Mondkalenders manchmal in den Sommer und manchmal in den Winter fallen), wird im Zeitraum von 19 Jahren sieben mal ein Schaltmonat = Adar II. hinzugefügt; die jüdischen Feste sind eng mit der Jahreszeit verbunden, sie hängen mit ihren Symbolen zusammen und haben Naturereignisse oder landwirtschaftliche Bräuche zum Inhalt, die jedem Fest seinen besonderen Charakter verleihen; jeder hebräische Monat beginnt heute ungefähr bei Neumond (im Altertum wurde der Monatsbeginn nach dem sichtbaren Beweis der "Geburt des Mondes" durch Zeugen bestimmt). Der Patriarch Hillel II. legte (345?) den bis heute gültigen Kalender fest, damit nicht die Römer durch Verfolgung und Behinderung der Gerichte das jüdische Leben gefährdeten. Anhand dieses Kalenders weiss jeder im voraus, welcher Monat 29 und welcher 30 Tage hat. Der jüdische Kalender rechnet den Tag vom Abend zum Abend "und es war Abend und es war Morgen, ein Tag" (Gen. 1,5). Der Tag endet, wenn mindestens drei Sterne sichtbar werden. "Der zweite Feiertag": Trafen die Boten des Gerichts in Jerusalem nicht rechtzeitig bei den in der Diaspora lebenden Juden ein, um ihnen das genaue Datum des Monatsbeginns mitzuteilen, feierten diese zur Sicherheit jedes in der Tora erwähnte Fest zwei Tage lang anstelle von nur einem, denn sie wussten ja nicht, ob der vorherige Monat 29 oder 30 Tage gehabt hatte. Um einem Irrtum vorzubeugen und um das Fest nicht zu entweihen, führten sie diesen Feiertag ein. Und das ist nun der "zweite Feiertag in der Diaspora" geworden, ein Brauch, der sich bis heute erhalten hat. Nur der Versöhnungstag wird an einem einzigen Tag begangen, da es dem Menschen schwerfällt, hintereinander 48 Stunden zu fasten. Auch im Land Israel dauert das Neujahrsfest zwei Tage, weil man selbst dort nicht immer wusste, ob der Monat Tischri nach 29 oder 30 Tagen beginnen würde. Zur Sicherheit hörte das Volk am Ende des 29 Elul zu arbeiten auf und "tat heilig" wie an einem gewöhnlichen Feiertag. Um irgendwelche Irrtümer von vorneherein auszuschliessen, ordneten die Weisen schliesslich die zweitägige Dauer des Festes an. Trotz des später exakten Kalenders feiert man in der Diaspora immer noch den "zweiten Feiertag", denn es ist ja "Brauch der Vorfahren"; heutige Form des jüdischen Kalenders seit 13. Jhdt., Beginn des Jahres im Herbst, in biblischer Zeit im Frühjahr; das regelmässige Jahr hat 354 Tage, 12 Monate, im Schaltjahr 13 Monate, mit je 29-30 Tagen, 50½ Wochen zu 7 Tagen; die Monatsnamen Nissan, Ijar usw. sind chaldäisch und stammen aus dem babylonischen Exil; der Monat Nissan ist der erste im hebräischen Kalender; er gilt als der Neumond der Monate, weil er der Monat der Erlösung ist, in dem die jüdischen Vorfahren aus Ägypten auszogen; wenn auch die Menschheit im Monat Tischri erschaffen wurde, überwiegt die Bedeutung der Erlösung die der Schöpfung; aus diesem Grund wird der Nissan als erster Monat des Jahres betrachtet, von dem ausgehend nach der Tora die übrigen Monate gezählt werden, d. h. der Nissan ist der erste Monat des religiösen jüdischen Kalenders und zugleich der siebte Monat des bürgerlichen jüdischen Kalenders (der mit dem Monat Tischri beginnt, der zugleich der siebte Monat nach dem religiösen jüdischen Kalender ist) – Literatur: E. Mahler, Handbuch der jüdischen Chronologie, 1916)
  • Der jüdische Kalender zu 12 Monaten / die jüdischen Feste und Anlässe im Jahresablauf (zum Teil wesentlich später eingeführt, wegen einer zusammenhängenden Darstellung hier trotzdem komplett aufgeführt):
  • 1) Tischri / Tischrei (Sept.-Okt.), hat immer 30 Tage (7. Monat des religiösen jüdischen Kalenders, 1. Monat nach dem "bürgerlichen" jüdischen Kalender; die Bezeichnung „Tischri“ stammt von dem akkadischen Wort tašrītu „Anfang“ ab, was auf seine Funktion als erster Monat hinweist. Ähnlich ist „Tischri“ auch im Ugaritischen bezeugt. Seinen Namen erhielt der Monat in der jüdischen Tradition erst in der Zeit des babylonischen Exils. Im Tanach kommt die Bezeichnung „Tischri“ nicht vor, es ist lediglich vom 7. Monat bzw. „Monat der Etanim“ (z.B. 1 Kön 8,2) die Rede. Dies ist offenbar die Bezeichnung nach dem alten (vorexilischen Kalender). „Etanim“ sind die „starken (Wasserströme)“, d.h. in diesem Monat beginnen die Flüsse, permanent Wasser zu führen) Rosch ha-Schana/Neujahr (1.-2. Tischri) [Rosch ha-Schana. Das Neujahrsfest, 1.-2. Tischri (fällt in den September oder Oktober). Dauert zwei Tage. Jahresbeginn. Mit ihm beginnt eine Reihe von zehn Busstagen, die Jomim noraim (ehrfürchtige Tage), und zwar die zehn Tage zwischen Rosch ha-Schana (1. Tischri) und Jom Kippur (10. Tischri). Der Schabbat zwischen Neumond (Rosch ha-Schana) und dem Zehnten heisst der "Schabbat kehre um" (Schabbat Tschuwa), nach der Haftara, die an diesem Tag gelesen wird. Ausserdem wird dieser Schabbat auch als "Schabbat der Busse" bezeichnet, weil er zu den zehn Busstagen gehört. Rosch ha-Schana laut Talmud Beginn und in der Folge Jahrestag der Weltschöpfung, steht aber auch für den Jahrestag der Geburt Adams. Es ist der Tag der Forderung, Bilanz zu ziehen über das moralische und religiöse Verhalten im abgelaufenen Jahr, und es wird mit Gebeten für eine gute Zukunft vor Gott getreten. Tag des Schofar-Blasens. Kein Trauertag, sondern ein Fest, an dem der Jude sich - wegen Gottes Erbarmen - freuen soll. Ausser dem Hallel, das an Neujahr ausgelassen wird, gleicht es in seinen feierlichen Merkmalen allen anderen Festen: Kleidung, Waschen, Haareschneiden, innere Vorbereitung und festliche Mahlzeiten. Rosch Haschana ist auch "Jom Hadin", Tag des Gerichts: Am Neujahrsfest werden drei Bücher geöffnet: Ins erste werden die ganz Gerechten eingetragen, die sofort das Siegel des Lebens erhalten. Ins zweite Buch werden die ganz Bösen eingetragen, die das Siegel des Todes erhalten. Und das dritte Buch ist für die Mittelmässigen bestimmt, die sowohl Sünden wie Verdienste vorweisen können. Das endgültige Urteil bleibt in der Zeit vom Neujahrstag bis zum Versöhnungstag offen. Durch Einkehr und Umkehr ist es möglich, das Siegel des Lebens zu erhalten. Die Ordnung von Gebeten, Schofarblasen, Kiddusch und Mahlzeiten, die für den ersten Neujahrstag gültig ist, gilt auch für den zweiten Neujahrstag. Es ist aber kein "zweiter Feiertag", wie er im Ausland bei den anderen Feiertagen üblich ist. Beide Tage zusammen bezeichnet der Talmud als einen 48 Stunden langen Feiertag. Wegen dieser Vorschrift besteht die Befürchtung, dass man möglicherweise "unnötige Segenssprüche" beim Schehechejanu, Kerzenanzünden und dem Kaddisch am zweiten Tag sagt. Um diese Zweifel aus dem Weg zu räumen, zieht man am zweiten Neujahrstag im allgemeinen ein neues Kleidungsstück an und stellt eine Schale auf den Tisch, die Früchte enthält, die man zu dieser Jahreszeit noch nicht gegessen hat. Die Segenssprüche bezieht man nun darauf. Taschlich: Hebräisch "Du sollst werfen", das Taschlichgebet (" ... du wirfst alle unsere Sünden in die Tiefe des Meeres hinab ...", Micha 7, 18-20; und andere Gebete) wird vor Sonnenuntergang am ersten oder, wenn der erste auf einen Schabbat fällt, am zweiten Neujahrstag am Ufer eines Flusses, am Meeresstrand oder zum Beispiel in Jerusalem mindestens in der Nähe einer Quelle oder eines wasserhaltigen Brunnens gesprochen. Das Taschlichgebet ist ein Flehen um Vergebung und Vergessen der Sünden. Es enthält auch die Bitte um ein Jahr des Lebens, des Friedens und der Erfüllung der Wünsche. Dabei werden im allgemeinen die Taschen ausgeschüttelt und die Säume der Kleider ausgebürstet oder Brotkrumen ins Wasser gestreut. Damit will man symbolisch alle Sünden des vergangenen Jahres, die möglicherweise hängen geblieben sind, abschütteln und im Wasser versenken; ebenso wird dadurch um Verzeihung gebeten. Speisesitten an Rosch ha-Schana: Genuss von Honigkuchen (Chonek Lejkech), Weintrauben, süssem Wein. In Honig getauchte Apfel- (oder auch Challa-) scheiben drücken die Hoffnung auf ein gutes, süsses Jahr aus. Ebenfalls wird zuweilen ein symbolisches Stück von einem Fisch- oder Schafskopf mit den Worten "Möge es dein Wille sein, dass wir zum Kopf und nicht zum Schwanz werden" gegessen. Ein weiterer Brauch ist das Essen von Granatäpfeln, die viele Kerne enthalten. Dazu sagt man: "Möge es dein Wille sein, dass unsere Rechte sich wie der Granatapfel mehren". In Jiddisch sprechenden Gemeinden wurden Möhren (mehren) mit den Worten "Möge es dein Wille sein, dass sich unsere Rechte mehren" gegessen. Manchmal werden auch Datteln gegessen, wobei gesagt wird: "Möge es dein Wille sein, dass unsere Verleumder und Ankläger zugrunde gehen". Segensspruch nach dem Gottesdienst: "Leschana towa tikatewu" ("Ihr möget zu einem guten Jahr eingeschrieben werden"). Vor Rosch Ha Schana besucht man die Gräber der verstorbenen Angehörigen und der Gerechten, um sich durch die Erinnerung an deren Leben für das kommende Jahr inspirieren zu lassen. Am Morgen vor dem Neujahrsfest findet nach dem Morgengebet das "Entbinden von Gelübden" statt (vor drei Gläubigen, die für diesen Zweck ein "Gericht" gebildet haben)] Fasten Gedalja (3. Tischri) [Fasten Gedalja, folgt auf den Neujahrstag; am 3. Tischri. Gedenken an die Ermordung Gedaljas ben Achikam, durch die der Untergang des Reiches Juda besiegelt wurde. Nach der Eroberung Jerusalems 597 v.d.Z. durch den babylonischen König Nebukadnezar II. wurde Gedalja 586 v.d. Z. zum Statthalter ernannt. Fällt der Neujahrstag auf einen Donnerstag und Freitag, wird das Fasten auf Sonntag verschoben, da am Schabbat kein öffentliches Fasten gehalten wird] Jom Kippur/Versöhnungstag (10. Tischri) [Jom Kippur, "Tag der Sühne", Versöhnungstag = grosser Versöhnungstag; im Gegensatz zum "Kleinen Versöhnungstag", dem jeweiligen Vorabend des Neumondtages, der teilweise auch als Fast- und Busstag begangen wird; Jom Kippur = Höchster Feiertag. Reinigung von den Sünden, die man Gott gegenüber begangen hat, - nicht jedoch die unter den Menschen: Vergehen an Menschen müssen aktiv gesühnt werden; am Morgen des Vorabends von Jom Kippur ist es Brauch, vor drei männlichen Personen Gelübde zu lösen, falls man dies nicht schon am Vortag von Rosch ha-Schana getan hat. Bei der Mahlzeit am Vorabend des Versöhnungstages wird viel gegessen; zuvor war man in der Mikwe und hat sich dann feierlich gekleidet; -Hühnerschwenken (Kapparot): Am Vorabend des Versöhnungstages nimmt man zur Sühne ein geschlachtetes Huhn, einen Hahn oder eine Henne, je nach dem Geschlecht des "Sünders"; eine schwangere Frau nimmt beide. Weisse Hühner sind als Zeichen für die Vergebung von Sünden erwünscht, es geht aber auch ohne sie. Anstelle von Hühnern können auch andere Tiere genommen werden, wie zum Beispiel Fische. Ausgenommen davon sind Turteltauben oder andere Tauben, weil sie als Opfertiere im Tempel dienten. Stattdessen kann man aber auch Münzen an die Armen verteilen - denn auch die zur Sühne genommenen Hühner werden anschliessend an die Armen verteilt. Dieser Brauch wird von dem Satz im Gebetbuch hergeleitet: "Und seine Sühne sei wie die Sünde eines Bockes, der in die Wüste geschickt wird." Man schwenkt Huhn oder Fisch um den Kopf und sagt dreimal: "Das ist mein Stellvertreter; das ist mein Auslöser; das ist meine Sühne; dieses Huhn / oder dieser Hahn / geht dem Tode entgegen, ich aber gehe einem guten Leben und Frieden entgegen." Für eine ganze Familie reichen zwei Hühner zur Sühne: ein Hahn für alle männlichen Familienmitglieder und eine Henne für alle weiblichen. Einige jüdische Weise untersagten diese Sitte. Ebenfalls der Schulchan Aruch. Trotzdem hat sich dieser Brauch erhalten, weil er als ein alter, überlieferter betrachtet wird. Erew Jom Kippur: Man nimmt Gebetbuch und Tallit und geht mit der ganzen Familie in die Synagoge. Dort muss man noch vor Sonnenuntergang eintreffen. Das Kol Nidre wird gebetet, eine Erklärung, die besagt, dass Vergehen gegen Gott und die Tora in sozialem Zwang ihre Ursache haben, hergeleitet aus der Marranenzeit in Spanien, als sich Juden wie Christen benehmen mussten: "Unsere Gelübde sind keine Gelübde, unsere Verbote sind keine Verbote, unsere Eide sind keine Eide." Im Abendgebet schliesst sich der Amida die "Beichte" an, ein Gebet mit einer langen Liste begangener Sünden. Bei der Aufzählung jeder Sünde schlägt man sich mit der geballten Faust auf das Herz. Es ist so etwas wie ein Verweis für das Herz, weil es den Verlockungen des Lebens nicht widerstand und den Menschen das ganze Jahr über zu Sünden verleitet hat. Nach den Gebeten wünscht man sich gegenseitig "Ein Ende mit guter Besiegelung" und versucht, sich nicht von der Weihe des Tages ablenken zu lassen. Neben den üblichen Kerzen wird vor Beginn des Versöhnungstages zu Hause wie in der Synagoge ein "Seelenlicht" angezündet. Es ist dabei Brauch, eine lange brennende Kerze ins Schlafzimmer zu stellen, die die Hausbewohner auch beim Schlafengehen daran erinnern soll, dass dies die Nacht des Versöhnungstages ist. Verpflichtungen und Bräuche am Jom Kippur: Jom Kippur ist ein Buss-, Fast- (24 Std. keine feste Nahrung, keinen Tropfen Flüssigkeit), Trauer- und Versöhnungstag. Auch wenn Jom Kippur auf den Schabbat fällt, wird gefastet. Schwangere und stillende Frauen müssen fasten; aber nicht die Frauen, die gerade entbunden haben. Gottes Urteil wird anerkannt. Absolute Werk- und Genusslosigkeit. Man wäscht sich nicht, salbt den Körper nicht. Man kleidet sich ganz in Weiss. Trägt keine Lederschuhe, sondern Gummi- oder Turnschuhe. Kein Geschlechtsverkehr. Hängenlassen der Seele. Der Versöhnungstag ermöglicht es jedem Menschen, eine neue Seite in seinem Leben aufzuschlagen und dadurch auf den rechten Weg zurückzukehren. Am Versöhnungstag selbst wird in der Synagoge auch Jiskor gebetet. Es ist dann aber um zwei Abschnitte erweitert, und zwar einmal um das Totengebet zum Andenken an die Opfer der Massenvernichtungen während des Zweiten Weltkriegs und zum zweiten um das Totengebet zum Andenken an die in Israels Kriegen Gefallenen. Jeder, dessen Eltern noch am Leben sind, verlässt während des "Jiskor" die Synagoge. Im Mussafgebet ist es Brauch, dass die Gemeinde niederkniet und Gott dankt, dabei neigen alle Gläubigen ihr Gesicht bis auf den Boden. Einmal im Jahr werden an einem Tag fünf Gebete gesprochen. Dieses fünfte Gebet ist das Neila-Gebet (Schluss-Gebet) am Versöhnungstag. Zu dieser Stunde wurden am Versöhnungstag die Tore des Tempels geschlossen, und der Gottesdienst war beendet. Zu dieser Zeit schliessen sich auch die Tore des Himmels. Die den Versöhnungstag begehenden Juden klopfen also mit "letzter Kraft" an die Tore der Barmherzigkeit, damit sie ihnen nicht verschlossen werden. Zum Schluss wünscht man sich "Nächstes Jahr im wiedererbauten Jerusalem"] Sukkot / Laubhüttenfest (15.-23. Tischri) [einwöchiges Fest, Sukka = Obdach, Hütte, das am fünften Tag nach Jom Kippur beginnt, zur Erinnerung an die Hütten, in denen die Kinder Israels während ihrer Wüstenwanderung lebten; Sukkot, "Hütten" = Laubhüttenfest, drittes der drei Wallfahrtsfeste, grösstes und vielleicht ältestes, acht Tage lang, beginnend am 15. Tischri. 15. und 16. Tischri Feiertage (16. zur Zeit des Tempels das Wasserschöpfefest), 17.-21. Tischri Halbfeiertage, am 21. besondere Feier: Hoschana rabba, Palmfest; 22. Feiertag (Schemini Azeret); 23. Torafreudenfest (Simchat Tora). Sukkot ist ein sehr fröhliches Fest der Freude und Danksagung, allgemeines Erntedankfest. Die Freude an Sukkot ist als Pflicht mehrfach geboten. Sukkot ist eines der drei Wallfahrtsfeste (an denen die Israeliten zum Tempel in Jerusalem pilgern und dort das Fest begehen mussten. Die anderen sind: Pessach und Schawuot. Diese drei Hauptfeste haben historische und auf die Ernte bezogene Bedeutung). Die Sukka. Symbole von Sukkot: das wichtigste Symbol, die Sukka, eine Laubhütte, in der die Familie acht Tage lang wohnt (und übernachtet!), zur Erinnerung daran, dass das Volk nach dem Auszug aus Ägypten während des Zuges durch die Wüste in Hütten wohnte. Das Gebot, sich in der Laubhütte aufzuhalten, erinnert demnach an den Auszug aus Ägypten und an den festen Glauben der jüdischen Vorfahren an die Macht des Herrn, sie durch die Wüste zu führen und sie schliesslich in ihr Land zu bringen, es ihnen zuzuteilen und es blühend und fruchtbar zu machen. Wie am Schabbat und den anderen Feiertagen werden Kerzen angezündet. Dies geschieht in der Sukka mit dem Segensspruch Lehadlik ner schel jom tow und an den ersten zwei Abenden mit dem zusätzlichen Segen Schehechejanu. Die Laubhütte soll direkt unter dem freien Himmel stehen. In ihr soll mehr Schatten als Licht sein. Die Dachbedeckung ist gerade richtig, wenn durch das Dach nachts Sterne zu sehen sind. Fällt in die Hütte mehr Sonne als Schatten, ist die Hütte nicht koscher; sieht man jedoch Sterne durchs Dach, ist sie koscher. Zulässige Masse der Sukka: von 1 m bis 9,5 m hoch; jede Wand mind. 70 cm breit. Die Hütte wird geschmückt, im allgemeinen mit den sieben Arten, mit denen das Land Israel gesegnet war (Sieben Arten, schiwa haminim, die "sieben Arten", mit denen Israel gesegnet war, nämlich: "Ein Land von 1. Weizen und 2. Gerste, 3. Weinstock, 4. Feige und 5. Granatapfel, ein Land von 6. Öl (= Oliven) und 7. Honig" (Honig bezieht sich hier auf die Datteln)). Hinzu kommen Vorhänge oder Plakate mit Versen, die sich auf das Fest beziehen, die "Gästeliste" (s.u.), bunte Tücher, weitere Früchte (z. B. Kürbisse) usw. Ausserhalb der Laubhütte darf nichts gegessen werden. Und dieses Verbot gilt für alle sieben Tage. Frauen sind vom Gebot, in der Laubhütte zu wohnen, befreit, weil es ein zeitbedingtes ist. Auch "zu Bedauernde", d.h. Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht im Freien schlafen dürfen, sind von diesem Gebot befreit. Aus dem gleichen Grund darf man die Laubhütte auch bei starkem Regen verlassen oder wenn das aufgetragene Essen völlig verregnet und dadurch sein Geschmack und seine Qualität ernsthaft beeinträchtigt wird. Die Gäste (Uschpesin) In die Laubhütte jedes gesetzestreuen Juden kommen jeden Tag während des Festes sieben "hohe, heilige Uschpesin", d. h. Gäste. Das sind die Seelen 1. Abrahams, 2. Isaaks, 3. Jakobs, 4. Josefs, 5. Moses, 6. Aarons und 7. Davids. Sie wechseln sich so ab, so dass jeder einmal als der Erste am Tisch sitzt. Jeder dieser Gäste, die Erzväter des Volkes, wusste aus eigener Anschauung, was Wandern ist. Um mit dem Besuch dieser Gäste beehrt zu werden und sich des Festes voll erfreuen zu dürfen, muss man auch Gäste aus Fleisch und Blut einladen. Dabei muss man sich besonders um die Einsamen, die Obdachlosen und die Armen kümmern, die die Gebote nicht befolgen und keine Laubhütte errichten können, und diese in der eigenen Laubhütte bewirten. Dievier Arten Weiteres Symbol der Fest-Strauss aus den arba Minim, den vier Arten: 1. Etrog (Zweig vom Zitrusbaum, Paradiesapfel (?)), 2. Lulaw (Zweig einer Dattelpalme, der grösste Zweig im Feststrauss an Sukkot; - mit Lulaw ist auch der ganze Strauss gemeint), 3. Myrtenzweige (Chadassim), 4. Weidenzweige (Bachweide; Arawot). Die vier Arten sollen die Einheit des Volkes und die gegenseitige Verantwortung der Menschen füreinander symbolisieren. Sie symbolisieren auch die gesamte Pflanzenwelt. Fasst man sie als Bündel zusammen, weiht man sie Gott. Schüttelt man sie in alle Richtungen, wird Gott dadurch über die ganze Welt zum König gekrönt. Der Grund, warum ausgerechnet diese vier Pflanzenarten gewählt wurden, ist ihre Verschiedenartigkeit. Jede Art symbolisiert zudem einen bestimmten jüdischen Menschentyp: Der Etrog ist eine Frucht des Zitrusbaums, der "dichtbelaubte Baum": Wohlgeruch und Wohlgeschmack = Studium der Tora und Tun der Gebote. (Der Etrog muss schön aussehen, unten am Stiel, an dem er am Baum hing, breiter und oben schmaler sein. Darauf achten, nicht etwa aus Versehen eine Zitrone zu verwenden. Den Unterschied erkennt man an der Schale: Die Zitrone hat eine glatte Schale, die Schale des Etrogs weist dagegen Grübchen und Warzen auf.) Der Lulaw/Palmwedel kommt von einem Baum, dessen Früchte, die Datteln, geruchlos, aber wohlschmeckend sind: einer, der nicht viel weiss und nicht intensiv die Tora studiert hat, aber nach den Geboten handelt. (Der Palmwedel, soll gerade sein, die einzelnen Rispen sollten dicht beieinander liegen. Der mittlere Zweig darf nicht gespalten sein, beide Teile müssen fest zusammensitzen. Das Gebot der vier Arten hat seinen Namen vom Palmwedel erhalten, vom sogenannten "Lulaw"-Schütteln, weil er der auffallendste der vier Arten ist und die drei anderen an ihn gebunden werden. Der Palmwedel muss mindestens eine Spanne = 20 cm über die Myrten hinausragen.) Der Myrtenzweig wiederum duftet zwar lieblich, ist aber geschmacklos: einer, der zwar viel studiert, aber sich selbst nicht daran hält. (Für die Myrte braucht man drei Zweige. Jeder Spross der Myrte muss drei Blättchen aufweisen, denn damit entspricht er der Bedingung von "dichtbelaubt". Die Myrte wird rechts an den Palmwedel gebunden, den der Betende am Stiel hält. Die Myrtenzweige müssen länger als die Bachweiden sein, die an die linke Seite des Palmwedels kommen.) Die Bachweide hat weder Wohlgeruch noch Wohlgeschmack: einer, der weder die Tora studiert hat noch ihre Gebote befolgt. (Für die Bachweide genügen zwei Zweige. Der Stiel der Bachweide soll rötlich sein; die Blätter sollen schmal und lang, ihre Spitzen vollkommen sein. Die Bachweiden müssen frisch sein, sie werden im Laufe des Festes erneuert. Erwünscht sind grosse Bachweiden, die am Bachufer wachsen, es ist aber nicht unbedingt notwendig. Man sollte sie nicht mit Eukalyptuszweigen verwechseln, die ihnen sehr ähnlich sind.) Da Gott nicht das Verderben will, werden alle diese unterschiedlichen Charaktere zu einem Bündel zusammengenommen, damit der eine für den anderen sühnt. Am Morgen jedes Festtages nimmt man nun vor dem Gebet den Palmwedel in die rechte und den Etrog in die linke Hand. Den Etrog drückt man mit dem Stiel nach oben mit dem Auswuchs nach unten an den Palmwedel, so dass er umgekehrt wie sonst am Baum liegt. Nach den vorgesehenen Segenssprüchen dreht man den Etrog wieder um und schüttelt die vier Arten in sechs verschiedene Richtungen (vier Himmelsrichtungen sowie oben und unten). Vor dem "Lulaw"-Schütteln darf man nichts essen. Allerdings darf dieses Gebot eigentlich zu jeder Tageszeit erfüllt werden. An Sukkot Genuss von Früchten, Strudel mit Trockenobst, Suppe mit "Kreplech"] Hoschana rabba / Palmfest [Hoschana, "So hilf doch!" Der siebte Tag von Sukkot; gleichzeitig der letzte Tag der "hohen Feiertage"; entsprechend der jüdischen Kabbala war und ist es ein Tag, an dem "Zettel in den Himmel" geschickt werden, um das dort gefällte Urteil, das für jeden Juden für das ganze kommende Jahr bereits festliegt, vielleicht doch noch zu beeinflussen; und im Rahmen dieser Tradition wünscht jeder dem Nächsten "Ein gutes Zettelchen!" oder, wie man auf Jiddisch sagt, "A gutt Kwittel!" Am Morgen von Hoschana Rabba steht der Vorbeter vor dem Toraschrank in einem weissen Kittel genau wie am Neujahrsfest und am Versöhnungstag; in der Synagoge erfolgen sieben Rundgänge = Hakkafot mit der Torarolle bzw. den Torarollen und mit Lulav und Etrog bzw. den vier Arten, als Symbol der Befreiung vom Übel; nach den sieben Hakkafot erfolgt das rituelle Schlagen mit den Weidenzweigen; man legt die vier Arten beiseite und nimmt statt dessen eine Gruppe von fünf Bachweidenzweigen, die zusammengebunden sind, in die Hand; nach Beendigung des Kaddisch werden die Weidenzweige fünfmal auf den Boden oder auf eine Stuhllehne geschlagen; dann wirft man sie an einen Ort, an dem niemand auf sie treten kann; entsprechend der Gästeliste ist nach traditionell-jüdischem Verständnis König David am Tag von Hoschana Rabba zu Gast; aus diesem Grund werden am Abend von Hoschana Rabba Verse gelesen, die mit König David zusammenhängen] Schemini Azeret [Schmini Azeret, "der Achte der Versammlung" = des Festes, achter und letzter Tag von Sukkkot, am 22. Tischri. Schlussfest. "Gott sprach zu Israel am Ende der sieben Wallfahrtstage: Versammle sich mein Volk noch einen weiteren Tag, denn der Abschied von euch fällt mir schwer." Am achten Tag gelten die Gebote in Bezug auf die Laubhütte und die vier Arten nicht mehr. Schmini Azeret hat mit Sukkot direkt nichts mehr zu tun, sondern ist ein eigenständiger Feiertag mit eigener Identität. Ein ein wenig wehmütiges Fest des Abschieds von den Feiertagen des Tischri. An ihm darf man keine schwere Arbeit verrichten. Von diesem Tag an wird um Regen gebetet. Lesung aus dem Buch Kohelet. Seelenfeier (Jiskor). Schmini Azeret geht unmittelbar in Simchat Tora über; Simchat Tora = 2. Tag Schemini Azeret (in Israel damit identisch) Simchat Tora/(Fest der) "Gesetzesfreude" (23. Tischri) [Abschluss der jährlichen Tora-Vorlesungen und Beginn eines neuen Zyklus; zugleich Erntedank. Simchat Thora. Am 22. (in Israel) bzw. 23. (in der Diaspora) Tischri, folgt unmittelbar nach Schmini Azeret. Ist Freudenfest der Thora aus Anlass des Endes des Lese-Zyklus. Nachdem der Zyklus der Lesung der fünf Bücher Moses beendet ist, finden freudvolle, manchmal ausgelassene Umzüge (Hakkafot) mit den Thorarollen in der Synagoge statt. Nach dem Lesen des letzten Abschnittes des fünften Buches Moses wird - um zu betonen, dass das Studium der Tora nie beendet wird - das 1. Buch Moses geöffnet, um mit einem neuen Zyklus zu beginnen. Chatan Tora und Chatan Bereschit (Bräutigam der Tora bzw. des "im Anfang") An diesem Tag ist es eine besondere Pflicht, jeden einzelnen Anwesenden zum Vorlesen aus der Tora aufzurufen. Die ganze Gemeinde Jakobs hat die Tora empfangen und ist mit gleichen Rechten und Pflichten an ihr beteiligt; niemand kann einen ausschliesslichen Anspruch auf sie erheben; sie ist nicht erblich, sondern sie steht nur jenen zu, die sie studieren und sich mit ihr beschäftigen, d.h. den "ihr Anverlobten". Deshalb werden die zum Vorlesen aus der Tora Aufgerufenen - diejenigen, die das 5. Buch Mose beenden, und diejenigen, die im 1. Buch Mose neu beginnen (im allgemeinen der Rabbiner der Synagoge, ein anderer Bibelgelehrter oder jemand von den Honoratioren der Gemeinde) – auch als "Bräutigame" bezeichnet. Aber an diesem Festtag werden nicht nur die Erwachsenen zur Tora gerufen, sondern auch Kinder und Jugendliche. Sie versammeln sich um die Bima und schliessen sich dem Segensspruch des zur Tora Aufgerufenen an. Wie ein einziger Mann drängen sie sich unter dem Tallit zusammen, der über sie ausgebreitet wird, und gemeinsam sagen sie die Segenssprüche. Hakkafot (Umzüge mit den Torarollen) An Simchat Tora finden sieben Hakkafot, Umzüge mit den Torarollen im Arm, um die Bima statt. Die gleiche Anzahl von Torarollen tragen die Gläubigen in ihren Armen. Auch die Kinder in der Synagoge schliessen sich dieser "Torafreude" an und nehmen an der Prozession teil. Sie halten kleine Torarollen oder besondere Fähnchen für Simchat Tora. Nach den Gebeten, die bei jeder Hakkafa gesprochen werden, singt und tanzt die Gemeinde mit den Torarollen. Im Land Israel finden auch am Ausgang von Simchat Tora Hakkafot statt, die so genannten "zweiten Hakkafot". Diese Hakkafot bringen die Identifizierung mit den Juden in der Diaspora zum Ausdruck, bei denen Simchat Tora erst beginnt, wenn es in Israel schon zu Ende geht. Sie beziehen das ganze Volk ein und werden im allgemeinen von einem Orchester oder von Musikinstrumenten musikalisch begleitet. Das Judentum weiss jede Freude zu schätzen, und sie wird heilig, wenn sie mit der Torafreude vereint ist. Die ganze Freude - die innere wie die äussere - kommt während der Umzüge zum Ausdruck]
  • 2) Cheschwan (kurz für: Marcheschwan) (Okt.-Nov.), 29 oder 30 Tage (8. Monat nach dem religiösen Kalender, 2. Monat nach dem „bürgerlichen“ jüdischen Kalender. „Marcheschwan“ stammt vom akkadischen (W)araḫ samnu ab und bedeutet schlicht „Achter Monat“, was darauf hinweist, dass zur Zeit der Übernahme akkadischer Monatsbezeichnungen in die jüdische Tradition während des babylonischen Exils noch der alte judäische Kalender in Gebrauch war, bei welchem der Jahresanfang im Monat Nisan liegt. In der Tradition wurde „Mar“ als Präfix missverstanden bzw. umgedeutet, so dass die Kurzform „Cheschwan“ entstand. „mar“, das hebräische Wort für „bitter“, bezog man darauf, dass kein Fest in diesen Monat fällt. Davon ausgenommen sind jedoch die äthiopischen Juden, welche am 29. des Monats das Fest der Übergabe der Tora am Sinai feiern. Im Tanach taucht die Bezeichnung „(Mar)Cheschwan“ nicht auf, statt dessen ist vom achten Monat bzw. „Monat Bul“ die Rede (z. B. 1 Kön 6,38). Die Bedeutung dieses Namens ist unklar. Mögliche Ableitungen beziehen sich auf "belila", das Bereiten des Viehfutters, oder "jevul", den Ernteertrag)
  • 3) Kislew (Nov.-Dez.), 30 Tage (oder 29 Tage) (9. Monat nach dem religiösen Kalender, 3. Monat nach dem „bürgerlichen“ jüdischen Kalender. Die Bezeichnung Kislew stammt aus dem Akkadischen und bedeutet „dick“, was auf die dicken Regenwolken des einsetzenden Winterregens hinweist. Seinen Namen erhielt der Monat in der jüdischen Tradition erst in der Zeit des babylonischen Exils. Im Tanach ist die Bezeichnung Kislew zweimal (Sach 7,1 und Neh 1,1) belegt. Nach Mischna Rosch ha-Schana 1,3 gehörte der Kislew zu den Monaten, in denen man Boten wegen der Bekanntmachung des beobachteten Neumondes ausschickte. Grund dafür ist, dass das Fest Chanukka, welches am 25. des Monats beginnt, gemeinsam begangen werden sollte) Chanukka (25. erster Tag Chanukka) [abendliches Lichterzünden, anschliessendes Singen des Chanukka-Liedes Maos Zur / Moaus Zur, צור מעוז , "Schutzwehr und Fels"; Chanukka = "Weihung", achttägiges Lichterfest, beginnend am 25. Kislew (Nov./Dez.). Mit dem Anzünden des Chanukkaleuchters während der acht Tage des Chanukkafestes wird an das Wunder im zweiten Tempel erinnert. König Antiochus IV. Epiphanes, syrischer Herrscher, verbot 167 v.d.Z. das Ausüben der jüdischen Religion. Dadurch rief er den Widerstand der Makkabäer (auch Hasmonäer genannt): des Priesters Mattatias aus dem Dorf Modi´in und seiner fünf Söhne Jehudah, Schimeon, Jochanan, Jonathan und Eleasar hervor. Der Sieg fiel (am 25. Kislew 165 v.u.Z.) zugunsten der Juden gegen die griechischen Herren und ihre Götzenkultur aus. Im entweihten Tempel, der am gleichen Tag noch neu geweiht wurde, fanden die Makkabäer ein Kännchen reines Öl, das eigentlich nur der Menge für einen Tag entsprach, aber dann unerwartet acht Tage für das ewige Licht ausreichte. Der Kampf gegen die Griechen fand auf einer ideologischen und geistigen Ebene statt. Es handelte sich nicht um einen physischen Kampf, sein Ziel war nicht etwa eine Eroberung, die Annexion von Gebieten, die Erweiterung eines Königreiches – angestrebt wurde vielmehr eine volle Autonomie, um ein jüdisches Leben führen zu können und sich von dem Zwang einer Fremdherrschaft zu befreien. Chanukka soll ein Fest der Freude und des Lobs sein, an dem jede Nacht brennende Lichter in die Hauseingänge gestellt werden, die an das Wunder erinnern und von ihm zeugen sollen. Diese Tage werden als Chanukka bezeichnet. An ihnen ist jede Trauer untersagt, genau wie zu Purim. Während des Chanukkafestes ist die Arbeit nicht untersagt, und viele nutzen die Gelegenheit, um ins Grüne zu fahren, wie zum Beispiel dorthin, wo sich die historischen Ereignisse abgespielt haben, wie in Modi´in, oder sie besuchen Verwandte, die ausserhalb der Heimatstadt wohnen. Die Reihenfolge, in der die Kerzen angezündet werden. Wieviel Kerzen werden zum Chanukkafest angezündet? Es gibt unterschiedliche Traditionen. Durchgesetzt hat sich die Schule Hillels: am ersten Abend ein Licht und an jedem weiteren Abend ein Licht mehr, so dass am achten Abend insgesamt acht Lichter angezündet werden. Zu diesem Zweck verwendet man einen Chanukkaleuchter mit acht Flammen. Die Kerzen werden angezündet, sobald am Himmel die ersten Sterne zu sehen sind, d.h. sofort nach dem Abendgebet. Solange die Lichter brennen, ruht jede Arbeit. Die Lichter müssen mindestens eine halbe Stunde lang brennen. Der Chanukkaleuchter muss so aufgestellt werden, dass er ins Auge fällt, denn hinter diesem Gebot steht ja die Absicht, das Wunder zu bezeugen und das Wissen darüber zu verbreiten, damit so viele wie möglich von ihm erfahren. Die dabei verwendeten Lichter dürfen keinem anderen Zweck dienen. Von ihnen darf man keinen Nutzen haben, man darf sie nur anschauen. Daher ist es üblich geworden, sich mit Spielen zu beschäftigen, während die Lichter brennen. Bei vielen steht der Chanukkaleuchter im Hauseingang, genauer: links von ihm, der Mesusa gegenüber, die ja rechts angebracht ist (auch in der Synagoge werden täglich Chanukkalichter angezündet). Die Lichter im Chanukkaleuchter werden mit einem weiteren Licht, dem sogenannten Schamasch, "Diener", angezündet, und zwar nicht nur, weil es verboten ist, ein Licht mit dem anderen anzuzünden, sondern auch, weil diese Lichter zu keinem anderen Zweck verwendet werden dürfen: Man darf sie nur betrachten. Am ersten Tag wird das Licht rechts vom Anzündenden angezündet. Dabei sagt man drei Segenssprüche: 1. Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns geheiligt durch deine Gebote und uns befohlen, das Chanukkalicht anzuzünden. 2. Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du Wunder erwiesen unseren Vätern in jenen Tagen zu dieser Zeit. 3. Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns hast Leben und Erhaltung gegeben und uns hast diese Zeit erleben lassen. - Nach dem ersten Tag werden nur die beiden ersten Segenssprüche gesagt. An den Tagen darauf kommt jeweils links von dem ersten Licht ein weiteres hinzu, angezündet wird das neu dazugekommene Licht dann als erstes, d.h.: Die Lichter werden von rechts nach links aufgestellt und von links nach rechts angezündet. Am Freitag Abend werden die Lichter für Chanukka vor den Sabbatlichtern angezündet, also im Hellen, sonst immer, wenn es schon dunkel ist. Nach dem Anzünden der Lichter rezitieren die sephardischen Juden Psalm 30, während die aschkenasischen Juden das Lied "Maos Zur" singen, das heisst: "Oh mächtiger Fels". Bräuche zu Chanukka: Genuss von Latkes, das sind Pfannkuchen (Kartoffelpuffer), und Sufganiot (Berliner). Beide erinnern an das Fläschchen Öl, denn sie werden in Öl gebacken. Man isst auch Milchspeisen. Um die Kinder in die festliche Chanukkastimmung einzubeziehen, erhalten sie das so genannte "Chanukkageld" und werden eine Stunde früher als sonst vom Torastudium befreit. Ausserdem gibt es für die Kinder besondere Spiele zum Chanukkafest, eines davon ist das Spiel mit dem Kreisel (Dreidel, Sevivon), auf dem die Buchstaben Nun, Gimmel, Heh und Pe aufgezeichnet sind, die Initialen für den Satz "Nes gadol haja po". Im Ausland wird das Pe für "hier" durch ein Schin für "dort" ersetzt. Man spielt auch Karten um Geld, obwohl das verboten ist. Auch die Geschichte von Judith und Holofernes wird üblicherweise mit dem Wunder und der Feier von Chanukka verbunden]
  • 4) Tewet (Dez.-Jan.), hat immer 29 Tage (10. Monat nach dem religiösen Kalender, 4. Monat nach dem „bürgerlichen“ jüdischen Kalender. Im Tanach ist die Bezeichnung „Tevet“ einmal belegt: Es wurde aber Ester zum König Ahasveros gebracht in den königlichen Palast im zehnten Monat, der da heisst Tebet, im siebenten Jahr seiner Herrschaft. Häufiger ist vom „Zehnten Monat“ die Rede. Der Begriff stammt aus dem Akkadischen und bezeichnet etwas, worin man einsinkt. Vermutlich ist damit auf den durch die Winterregen aufgeweichten, schlammigen Erdboden angespielt) 2. Tewet (oder am 3. Tewet, in Abhängigkeit von der Länge des Kislews) = 8. Tag Chanukka Fasten des 10. Tewet (Beginn der Belagerung Jerusalems unter Nebukadnezar) [An diesem Tag begann die Belagerung Jerusalems durch die Babylonier 597 v.d.Z. König Nebukadnezar II. liess nach Aufständen im Königreich die Stadt erstürmen. So markiert der zehnte Tewet den Anfang der grossen Katastrophe, die zur Zerstörung des Tempels und zur Verbannung des jüdischen Volkes in Babylonien geführt hat. Am 10. Tewet wird vom Sonnenaufgang bis zum Leuchten der ersten Sterne gefastet. Fällt der 10. Tewet auf einen Freitag, wird am gleichen Tag gefastet, man verlegt ihn nicht, denn es heisst ja: "am heutigen Tag" (Ezechiel 24,2). Der 10. Tewet wurde auch als "Tag des allgemeinen Kaddisch" zum Andenken an die Opfer der Massenvernichtungen während der Shoah festgelegt, deren Todestag unbekannt ist. An diesem Tag zündet man ein Gedächtnislicht an, spricht das Kaddisch und studiert Abschnitte über das Erheben der Seelen]
  • 5) Schewat / Schwat / Schevat (Jan.-Febr.), hat immer 30 Tage (11. Monat nach dem religiösen Kalender, 5. Monat nach dem „bürgerlichen“ jüdischen Kalender. Die Bezeichnung „Schevat“ stammt aus dem Akkadischen und bedeutet Stamm bzw. Stab. Im Tanach ist der Monatsname nur einmal belegt. Nach der jüdischen Tradition fällt in den Monat Schevat das Neujahrsfest der Bäume. Nach Meinung des Hauses Schammai fällt es auf den 1. Schewat, nach Meinung des Hauses Hillel auf den 15. des Monats (Mischna Rosch ha-Schana 1,1). Letztere Meinung ist traditionsbestimmend geworden) Tu bi-Schwat, Neujahr der Bäume, 15. Schwat [Tu be Schewat. Am 15. Schwat ( = Tu bi-Schwat; im Februar). Neujahr der Bäume (zu diesem Zeitpunkt bereits die ersten Knospen zu sehen). Dieser Termin markiert das Ende der Regenzeit und damit den Beginn der idealen Pflanzperiode in Israel. Das Datum ist wichtig für die Vorschriften für die Orla, d.h. Altersbestimmung der Bäume. Das Fest gründet sich auf das Verbot, die Früchte von neu gepflanzten Bäumen unter drei Jahre nicht zu geniessen, sie im vierten Jahr im Tempel darzubieten und erst im fünften Jahr zu essen. Tu bi-Schwat zeigt das Ende des Winters an und symbolisiert das Blühen Israels, seine Besiedlung, die Schönheit der Natur und die guten Früchte, die seine Erde hervorbringt. Tag, an dem Früchte/Fruchtsalat gegessen werden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine Tradition, die im Buch Chemdat ha-Jamin ihren Niederschlag fand, später noch in dem Buch Pri Etz Hadar, das die Aggada des 15. Schwat wurde. In der Diaspora ist es Brauch, möglichst fünfzehn Früchte zusammenzustellen und zu verzehren, die an das Land Israel erinnern. Es gibt Juden, die an diesem Tag fünfzig verschiedene Arten von Früchten essen. Auch heute deckt man am 15. Schwat den Tisch, indem man die schönsten Früchte aus dem Land Israel aufträgt, insbesondere jedoch die "sieben Arten", mit denen das Land gesegnet war. Dabei versucht man, frische Früchte zu finden, die man in diesem Jahr noch nicht gegessen hat, damit man über sie den Segensspruch "Schehechejanu" sagen kann. An Tu bi-Schwat ist es auch verboten zu fasten, und man spricht auch keine Trauerrede. Vorausgesetzt, dass es kein Brachjahr ist, an dem jede Feldarbeit verboten ist, fährt man ins Grüne, und oft pflanzt man neue Bäume]
  • 6) Adar (Adar I) (Febr.-März), 29 Tage (12. Monat nach dem religiösen Kalender) Fasten Esther (13. Adar/ im März) [Taanit Esther, "Fasten der Königin Esther"; der 13. Adar, der Vortag des Purimfestes, ist ein Fastentag, das so genannte Taanit Esther. Die Vorschriften für das Taanit Esther sind praktisch die gleichen wie für die anderen öffentlichen Fastentage wie das Fasten Gedalja, das Fasten am 10. Tewet und am 17. Tammus. Das Fasten beginnt früh morgens vor Sonnenaufgang. Beim Minchagebet findet auch die Zeremonie zum Andenken an den "halben Schekel" statt, der gezahlt wurde, als der Tempel noch stand: In einen tiefen Teller in der Synagoge werden drei besondere Münzen gelegt, die diesen Namen tragen. Warum ausgerechnet drei Münzen? Um damit an Esters Bitte an das ganze in der Zerstreuung lebende jüdische Volk zu erinnern, drei Tage lang zu fasten und reuige Umkehr zu halten, um sich auf das erflehte Wunder vorzubereiten. Um also den Boden für das bevorstehende Wunder vorzubereiten, musste sich das Volk Israel durch Fasten, Weinen und Trauer läutern, und zum Andenken daran hält man auch heute noch das Fasten der Königin Esther ein. Wie bei anderen jüdischen Festen, an denen unvermittelt die Freude unterbrochen wird, um der Toten zu gedenken, ist auch der Übergang vom Fasten, dem Taanit Esther, zur Freude des Purimfestes sehr unvermittelt. Auch in diesem Fall soll man daran erinnert werden, dass es auf dieser Welt keine Freude gibt, in die sich nicht eine Spur von Trauer mischt; Megillath Esther, das Buch Esther, wird gelesen] Purim / Losfest (14. Adar) [Purim. Am 14. und 15. Adar (Februar/März). Pur = hebr. "Los". Dieses Losfest ist ein Freudenfest. Es erinnert an die Legende der Rettung der Juden in Persien durch Königin Esther und ihren Onkel und Vormund Mordechai (im 5. Jhdt. v.u.Z.?). Esther ("Stern") ist persischer Name der jüdischen Jungfrau Hadassa ("Myrte"), Pflegetochter des Mordechai am persischen Hof in Susa. Sie vereitelte als Gemahlin des persischen Königs Ahasveros (Xerxes I.) einen Mordanschlag des Wesirs Haman gegen die Juden, verhalf Mordechai zur Wesirswürde und ihren jüdischen Glaubensbrüdern zur blutigen Rache. Haman, der Minister ihres Gatten, des Königs Ahasveros, wollte alle Juden im Reiche des Königs, von Indien bis Äthiopien, umbringen, weil der Jude Mordechai sich ihm nicht unterwerfen wollte. Haman befragte das Los, in welchem Monat er sein Ziel erreichen würde. Das Buch Esther ist eine historische Novelle, doch voll von geschichtlichen Ungenauigkeiten. Entstehung zwischen dem 4. und Ende des 2. Jhdts. v.u.Z. Der Esther-Stoff, der die Erhöhung der Demut und den Sturz des Hochmuts sinnfällig macht, wurde seit dem 16. Jhdt. wiederholt dramatisiert (Hans Sachs, Lope de Vega, Racine, Grillparzer, Max Brod). An welchem Tag wirdPurim gefeiert? In ganz Israel und in der Diaspora wird das Purimfest am 14. Adar gefeiert. In Jerusalem und in Jericho wie in der damaligen (persischen) Hauptstadt Susa sowie in allen Städten, die zur Zeit Josuas, des Sohnes Nuns, von einer Mauer umgeben waren, wird das Purimfest am 15. Adar begangen. Dieses Purim heisst "Schuschan Purim" oder "Purim der Städte" auf Grund der Tatsache, dass es nur in den früher von einer Mauer umgebenen Städten gefeiert wird, - im Gegensatz zum "Purim der Provinzstädte", das in offenen Städten begangen wird. In Städten, in denen Zweifel in Bezug auf das Datum ihrer Entstehung und auf Mauern um sie herum bestehen - z.B. Akko, Tiberias, Jaffa - wird Purim sowohl am 14. wie am 15. Adar gefeiert. Der Grund ist folgender: Am 13. Adar führten die Juden gegen ihre Feinde einen Rettungs- und Erlösungskampf, und am 14. Adar ruhten sie sich davon aus. Deshalb gilt dieser Tag als Tag der Freude und des Festmahls. Dagegen erhielten die Juden in der Hauptstadt Susa die Erlaubnis, sowohl am 13. als auch am 14. Adar gegen ihre Feinde zu kämpfen, und erst am 15. Adar ruhten sie sich von den Kämpfen aus. Deshalb wurde der 15. Adar als der Freudentag für die Juden in der Hauptstadt festgelegt. Um das Land Israel zu ehren, das zur damaligen Zeit öde und leer war, beschlossen die Weisen, auch auf die Städte im Land Israel, die zur Zeit Josuas von einer Mauer umgeben waren, etwas von der Einzigartigkeit der Hauptstadt Susa zu übertragen. Purim meschulasch (dreimal Purim) Es kann der Fall eintreten, dass das Purimfest insgesamt drei Tage lang dauert: wenn der 15. Adar auf einen Schabbat fällt in einer von Mauern umgebenen Stadt. Dann gilt folgendes: 14. Adar: Lesen der Megilla und Geschenke für die Armen, 15. Adar (Schabbat): Gebet "Über die Wunder", Lesen der Tora, 16. Adar (Sonntag): Festmahlzeit und Geschenksendungen an die Nächsten. Purim - ein Freudenfest Im Gegensatz zu Chanukka, an dem die Juden des Kampfes gedenken, der um die geistige Existenz des Volkes Israel und die Einzigartigkeit der Tora geführt wurde, stand beim Kampf zwischen Hamann einerseits und Mordechai und Ester andererseits die physische Existenz des jüdischen Volkes auf dem Spiel. Deshalb wird Purim nicht nur mit geistigen Freuden gefeiert, sondern findet seinen Ausdruck auch in materiellen Freuden, die gleichsam sagen sollen: Hier sind wir - wir leben, wir essen und trinken, und wir sind fröhlich. Die Freude an Purim ist darüber hinaus als eine Art Botschaft an alle Erben Hamans gedacht, die in jeder Generation seinem Vorbild folgten. Sieben Pflichten an Purim 1) Vollständige Lesung des Buches Ester (Megillat Ester). Kein Wort darf dem Juden entgehen. Deshalb muss der Vorlesende an den Stellen, an denen die Gemeinde beim Hören des Namens Haman mit Knarren klappert, mit Rasseln rasselt oder sonst Geräusche macht ("Haman-Klopfen", Klopfen auf das Pult, zum Teil mit besonderen Hämmerchen), eine Pause einlegen, bis sich der Lärm gelegt hat. 2) Geschenksendungen an den Nächsten/Freunde ("Mischloach Manot"). Minimum: eine Sendung, die mindestens aus zwei verschiedenen Speisen besteht. Die Sendung muss am Feiertag selbst geschickt werden, nicht am Vorabend. 3) Geschenke für die Armen ("Matanot Laewjonim" / "Matanot L'evyonim"). Minimum: zwei Geschenke an zwei Arme, d.h. ein Geschenk pro Person (üblich und erwünscht sind Geldspenden). 4) Lesen der Tora. 5) Sagen des "Über die Wunder" beim Gebet und beim Tischgebet über die Speisen. 6) Festmahlzeiten und Freude / Seudat Purim. Purim ist ein Tag, den die Juden mit Essen und Trinken feiern. Im Zusammenhang damit muss man auch (viel) Wein trinken. Und dazu sagten die jüdischen Weisen: "Jeder muss so viel Wein trinken, bis er nicht mehr unterscheiden kann zwischen "Verflucht sei Haman" und "Gelobt sei Mordechai" " – möglichst viele l'Chaims trinken, "Haman-Taschen" essen 7) Verbot von Trauerreden und Fasten. Purimbräuche In einem Meer von Leid, Sorgen und Pogromen an den übrigen Tagen des Jahres bildete und bildet noch heute das Purimfest eine einsame Insel der Lebensfreude, des Humors und der Freude am Leben, die typisch für das jüdische Volk sind. Die Menschen wurden mit einer besonderen Purimliteratur unterhalten, wie auch mit Masken und Verkleidungen erheitert. Aufführungen und Darstellungen ("Purimspiele") wie die des "Rabbi von Purim", launenhafte Possen, zum Teil Parodien biblischer Ereignisse und Gestalten waren einmal im Jahr erlaubt, eben zu Purim - und die Gemeindemitglieder nutzten sie, um die Honoratioren der Gemeinde aufs Korn zu nehmen und "mit ihnen abzurechnen". Auf den Strassen sind bunte Kleider und Kostüme wie im Karneval zu sehen. In Israel werden diese lustigen, bunten Umzüge als Ad-lo-jada bezeichnet, "bis man nicht mehr weiss" (was man tut). Ebenso ist es üblich, gekochte Bohnen und Erbsen zu essen, Gebäck in Form von Taschen zu backen, die mit Marmelade und Mohnsamen gefüllt werden und aus irgendeinem Grund als "Hamentaschen" (ihr jiddischer Name) bezeichnet werden. Jede ethnische Gruppe, jede Gemeinde hat mit besonderen Gerichten und besonderer Unterhaltung ihre eigenen Traditionen entwickelt. – auch örtliche Gedenktage ähnlichen Anlasses werden "Purim" genannt, z. B. "Purim Vincenz" in Frankfurt am Main/Fettmilch-Aufstand 1614] *während der Schaltjahre wird der zusätzlich eingefügte Monat Adar II genannt, das kommt daher, weil der Adar der hebräischen Bibel entsprechend als letzter Monat des Jahres angesehen wird

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