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2006

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Ereignisse

  • 19.9.2006: Herzls Kinder: Am Mittwoch, dem 19.9.2006, finden die sterblichen

Überreste zweier Kinder des Zionistenführers Theodor Herzl neben ihm auf dem Herzl-Berg in Jerusalem ihre letzte Ruhestätte. In seinem Testament hatte Herzl – er starb 1904 – bestimmt, dass dereinst alle seine nahen Angehörigen in dem neuen Staat der Juden bestattet werden sollten, wenn denn der Traum Wirklichkeit geworden sei. Tatsächlich holte der gerade ein Jahr alte Staat Israel 1949 Herzls Sarg aus seinem Grab bei Wien und bettete auch seine Eltern und seine Schwester nach Jerusalem um. Doch bei seinen Kindern gab es Widerstand. Ohne Papiere herumvagabundierend von der französischen Polizei aufgegriffen, verarmt und von der zionistischen Organisation (World Zionist Organization) im Stich gelassen, starb Herzls älteste Tochter Paulina (Pauline, 29.3.1890-Sept. 1930) rauschgiftsüchtig mit 30 Jahren im September 1930 und wurde auf dem jüdischen Friedhof von Bordeaux beigesetzt. Schon vor ihrer Rauschgiftsucht hatte sie ihr Leben lang unter schweren gesundheitlichen und psychischen Störungen gelitten. Ihr Bruder Hans (10.6.1891-1930), eng mit der Schwester verbunden, die er innig geliebt hatte, kam zu spät in Bordeaux an und konnte Paulina nur noch im Leichenhaus identifizieren. Voller Schuldgefühle beging der 39 Jahre alte Mann noch vor Paulinas Beerdigung Suizid (erschoss sich) und wurde mit ihr beerdigt (im Abschiedsbrief hatte er den Wunsch geäussert, im Sarg seiner Schwester begraben zu werden). Das jüngste Kind Herzls, Margarethe (Trude, geb. 20.5.1893 in Paris, verheiratet: Margarete Neumann), hatte zeitlebens schwere psychische Probleme und wurde im September 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 17. März 1943 ein Opfer der Shoah wurde. Ihr Leichnam wurde verbrannt. Ihr einziger Sohn Stephan (Stephan Theodor Norman Neumann, geb. 1918, der einzige Enkel Herzls, aus der Ehe Trudes mit einem reichen Geschäftsmann stammend), der nach Amerika gelangt war (er hatte in der britischen Armee gedient und 1945 Palästina besucht, wo man ihm eine Führungsposition in der zionistischen Bewegung angeboten hatte), sprang 1946 von einer Brücke in Washington in den Tod, als er erfuhr, dass seine Eltern in den Nazi-Lagern umgekommen waren (auch er wurde später auf dem Herzlberg beigesetzt, im Dezember 2007). Herzls Familie ist damit ausgestorben. Hans Herzl war sein Leben lang bemüht, die Erwartungen des Vaters und der World Zionist Organization zu erfüllen, und hatte ebenfalls schwere seelische Probleme. Die Organisation kam auch für seine Erziehung auf, denn sein Vater starb, als er gerade dreizehn Jahre alt war. Als 1907 dann auch die Mutter starb, blieben die Waisen mittellos zurück. Hans Herzl erhielt dennoch eine gute Ausbildung, konnte in Cambridge studieren. Doch er sah sich stets im Schatten seines Vaters – als Versager. 1924 konvertierte er zum Christentum und wurde Mitglied verschiedener Sekten. Die Vision eines Judenstaats hielt er für falsch: „Die transzendentale Identität der Juden ist so ein grosses Privileg, dass sie froh sein sollten, keinen Staat zu haben“, schrieb er: „Mein Vater war ein grosser Mann, und ich liebte ihn sehr, doch er irrte, als er seinen Idealismus darauf beschränkte, einen Staat gründen zu wollen.“ Paulina und Hans Herzl sollten also nach dem letzten Willen ihres Vaters neben ihm ruhen. Doch weil Hans Christ geworden war und gegen das jüdische Gebot Selbsttötung begangen hatte, beeilte sich Israel nicht, die Geschwister nach Jerusalem zu holen. Der Widerstand konnte erst spät überwunden werden dank Premierminister Ehud Olmert und der Jewish Agency. Vor allem aber half dabei, dass der orientalische israelische Oberrabbiner Shlomo Amar davon überzeugt werden konnte, Hans sei in seinen letzten Jahren zum Judentum zurückgekehrt und habe deswegen auch auf dem jüdischen Friedhof von Bordeaux bestattet werden können.





  • 26. November 2006: Die jüdische Lauder Chabad-Schule in Wien-Leopoldstadt wird von einem 24-jährigen Touristen aus Kroatien verwüstet; weit nach Mitternacht drang er mit einer Eisenstange, die er von einer Baustelle entwendet hatte, ins Gebäude ein und liess seiner Zerstörungswut freien Lauf, 162 Fensterscheiben gingen zu Bruch, zahlreiche Türen, Toiletten- und Waschräume wurden erheblich in Mitleidenschaft gezogen; „Es sind zu viele Juden in diesem Land“, gab der Mann nach seiner Festnahme zu Protokoll
  • 11.12.2006-12.12.2006: In Teheran findet, organisiert vom Ministerium für Politische und Internationale Studien (IPIS) und mit Billigung und Unterstützung von Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad, eine „Holocaustkonferenz“ statt, die die „Wahrheit“ über den Holocaust herausfinden soll, in Wirklichkeit aber eine reine Show-Veranstaltung der Gemeinde der bekannten (z. B. Robert Faurisson, der frühere französische Literaturprofessor, der wegen Leugnung des Holocausts mehrfach verurteilt worden war, oder der Amerikaner David Duke, Chef des rassistischen Geheimbundes Ku Klux Klan) und unbekannten Holocaust-Leugner und -verharmloser zum Zwecke der politischen Instrumentalisierung für die merkwürdigen Absichten Irans darstellt. Stars der Veranstaltung waren fünf orthodoxe Rabbiner, Mitglieder der den Staat Israel ablehnenden Neturei Karta, überwiegend aus Amerika. Sie trugen Anhänger mit dem Motto „Jude, nicht Zionist“. Rabbi Mosche David Weiss aus New York schlug eine „friedliche Auflösung Israels“ vor. Rabbi (oder besser: Rabbinerdarsteller) Moische Ayre Friedman aus Wien, eine sehr zweifelhafte Figur, mit der die Juden Österreichs nichts zu schaffen haben wollen, der sich als „alter Freund der islamischen Republik Iran“ bekannte, sagte: „Das Land Palästina gehört nicht den Juden“. „Hunderttausende Juden auf Erden beteten für die Auflösung oder Zerstörung (sic!) Israels“. Für ihn ist der Holocaust eine „erfolgreiche historische Fiktion“. Die Versammlung in Teheran hat sich den Titel gegeben „Studium der Massenvernichtung, eine globale Perspektive“ bzw. „Studien zum Holocaust: Die Sicht der Welt“, und das Ziel der Konferenz sei die Aufdeckung „verborgener und offener Aspekte“. Dazu passt es gut, dass man Personen, die auf der Konferenz gegenteilige Meinungen äussern wollten, erst gar nicht hatte einreisen lassen oder anderweitig fernhielt. Bereits in den Monaten, die der „Konferenz“ vorangingen, hatte der iranische Präsident immer wieder die Ermordung von Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs in Frage gestellt. Den europäischen Staaten warf er vor, mit Hilfe des „Mythos vom Holocaust“ Israels Gründung im Jahr 1948 erzwungen zu haben.
  • 23.12.2006: Grösster Ecstasy-Händler der Welt am Strand verhaftet: Der Mann wurde per Haftbefehl in den USA, Israel, Brasilien und Uruguay gesucht. Nun wurde der 35-jährige Israeli El Al Joram verhaftet, als er einen Strandspaziergang im Nobelviertel Ipanema in Rio de Janeiro machte. Die Festnahme war das Ergebnis einer gemeinsamen Aktion der Behörden der vier Länder gewesen, teilte ein Sprecher der Bundespolizei in Rio mit. Der Drogendealer war den Angaben zufolge unter anderem für den grössten Transport von Ecstasy in die USA verantwortlich. Die US-Antidrogenbehörde DEA stellte 2004 rund 1,4 Millionen Pillen sicher. Der Israeli war bereits im Jahr zuvor in Uruguay festgenommen worden, konnte aber wenige Tage später nach Brasilien fliehen.
  • 30.12.2006: Saddam Hussein in den frühen Morgenstunden bei Bagdad durch den Strang hingerichtet, nachdem er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt und eine Berufung gegen dieses Urteil abgelehnt worden war. Ein illegal mitgeschnittenes Video der kompletten Exekution kursiert Stunden später im Internet und kann seither von jedermann angeschaut werden.

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