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1973
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Ereignisse
- 1973: Grosse amerikanische Ölgesellschaften unterstützten die arabische Sache in der Öffentlichkeit und arbeiteten in der Stille darauf hin, die amerikanische Hilfe für Israel zu kappen. Das ARAMCO-Konsortium – Exxon, Mobil, Texaco und SOCAL – hatte im Krieg von 1973 versucht, die amerikanische Luftbrücke nach Israel zu verhindern. Die in dem Verband zusammengeschlossenen Gesellschaften kooperierten ausserdem eng mit Saudi-Arabien, bis hin zu dem Plan, der amerikanischen Marine kein Öl und keinen Treibstoff mehr zu liefern.
- 7. Juni 1973: Brandt besucht als erster Bundeskanzler offiziell Israel
- 1.7.1973: Washington D. C. Yosef (Joe) Allon, Angehöriger der israelischen Botschaft in Washington, auf offener Strasse erschossen
- 23.7.1973: Monica Lewinsky (Monica Samille Lewinsky) in San Francisco, Kalifornien, geboren (der Vater stammt aus einer Familie deutsch-jüdischer Immigranten, die Mutter ist russisch-jüdischer Herkunft); sie arbeitete Mitte der 1990er-Jahre als Praktikantin im Weissen Haus sowie im Pentagon in Washington und erreichte durch eine sexuelle Beziehung zum damaligen US-amerikanischen Präsidenten Bill Clinton weltweite Bekanntheit („Lewinsky-Affäre“, „Monicagate“); die Beziehung wurde 1998 öffentlich, als Lewinskys Freundin Linda Tripp Telefonmitschnitte an den Staatsanwalt und Sonderermittler Kenneth Starr weitergab; dadurch kam es nicht nur zu einem weltweiten Medieninteresse, sondern 1998 zu einem Amtsenthebungsverfahren gegen den amerikanischen Präsidenten wegen Falschaussage, das jedoch scheiterte; Clinton hatte zunächst alle Vorwürfe öffentlich zurückgewiesen, relativierte später aber seine Aussage und entschuldigte sich in einer Fernsehansprache an die Nation
- 21. August 1973: Sergej Brin (Sergey Brin, Sergei Michailowitsch Brin) geboren, er entwickelte zusammen mit Larry Page die Suchmaschine Google; Sergej Brin wurde in Moskau als Sohn eines Mathematikers und Ökonomen geboren, der sich wegen seines jüdischen Hintergrundes und dem verdeckten Antisemitismus in der UDSSR zur Auswanderung in die USA gezwungen sah (1979, als Sergej 6 Jahre alt war); Sergej Brin studierte in den USA Informatik an der Stanford University, begann – ebenso wie Page – eine Promotion, die er – ebenso wie Page – wegen der Google-Gründung bis heute nicht abgeschlossen hat; Brin ist heute (2007) President of Technology bei Google (die beiden hatten zuvor Eric Schmidt als Chairman und CEO für Google engagiert); wie Page auch, ist Brin mittlerweile Multimilliardär (Vermögen September 2007 ca. 18,5 Mrd. Dollar); seit 2007 ist er mit Anne Wojcicki verheiratet
- 11. September 1973: Bei einem Militärputsch wird Chiles Präsident Salvador Allende ermordet.
- September 1973: Carl Gustav XVI. wird König von Schweden
- 6.10.1973: Ausbruch des Jom-Kippur-Kriegs (Generalstabschef David Elasar) am höchsten jüdischen Feiertag. Ägypten und Syrien landen einen simultanen Überraschungsangriff auf Israel und konnten der israelischen Armee Zahal schwere Niederlagen beifügen (auf den Golanhöhen standen etwa 180 israelische Panzer dem Ansturm von 1 400 syrischen Panzern gegenüber; entlang des Suezkanals wurden weniger als 500 israelische Soldaten von 80 000 Ägyptern angegriffen). Die Bedrohung ist für Israel sehr gross. Israel bleibt jedoch siegreich. Die Invasoren konnten nach der Mobilisierung der israelischen Reserven zurückgeschlagen und das Land zurückerobert, der Gazastreifen erobert werden (Dauer: 6.10.1973-26.10.1973). Die arabischen Staaten wurden von der Sowjetunion unterstützt, die den amerikanischen Bemühungen um eine sofortige Feuereinstellung ablehnend gegenüberstand. Daraufhin begannen die USA – etwas verzögert – mit der Errichtung einer Luftbrücke nach Israel. Zwei Wochen später wurde Ägypten vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vor einer katastrophalen Niederlage bewahrt – von demselben Sicherheitsrat, der, solange die Vorzeichen für die Araber günstig standen, stillgehalten hatte. So lange es aussah, als würden die arabischen Angreifer den Krieg gewinnen, zeigte die Sowjetunion keinerlei Interesse, sich um einen Friedensschluss zu bemühen. Eine ähnliche Haltung legte der damalige UN-Generalsekretär Kurt Waldheim an den Tag (Waldheim wurde nach seiner Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten 1986 die Einreise in die USA verweigert, nachdem sich herausstellte, dass er im Zweiten Weltkrieg an Kriegsverbrechen der Deutschen auf dem Balkan beteiligt gewesen war). Am 22. Oktober 1973 erliess der Sicherheitsrat Resolution 338, in der alle Parteien aufgerufen wurden, „sofort das Feuer einzustellen“. Der Beschluss erfolgte an dem Tag, an dem die israelischen Streitkräfte die Dritte Ägyptische Armee abgeschnitten und isoliert hatten und sie folglich hätten vernichten können. Trotz des militärischen Erfolgs seiner Streitkräfte wertete Israel den Krieg als diplomatische und militärische Niederlage. Insgesamt waren 2 688 israelische Soldaten ums Leben gekommen. In einigen Gebieten wurden UN-Friedenstruppen stationiert. Im Ergebnis war die israelische Gesellschaft nach dem Krieg nachhaltig über die eigene Verwundbarkeit geschockt, und die israelische Regierung begann Verhandlungen über die Sicherheit an den Staatsgrenzen. Golda Meir und Mosche Dajan wurden in der Öffentlichkeit stark kritisiert, später sah sich Golda Meir und damit das ganze Kabinett zum Rücktritt gezwungen, nachdem hohe Offiziere und Generäle, durch eine gerichtliche Untersuchungskommission dazu veranlasst, demissionierten. Ihr Nachfolger im Amt des Parteivorsitzenden der Arbeitspartei und im Amt des Ministerpräsidenten wurde Jitzchak Rabin; der innerparteiliche Rivale Rabins, Schimon Peres, wurde Verteidigungsminister. Damit hatten die so genannten „Jungen Wilden“, die junge Generation der Arbeitspartei, die Macht übernommen. International hatte der Krieg ein arabisches Öl-Embargo für die Staaten, die mit Israel Handel trieben, zur Folge. Daraufhin erklärte am 22.11.1974 die japanische Regierung, sie würde ihre Beziehungen zu Israel überdenken, wenn Israel sich nicht aus allen im Sechstagekrieg eroberten Gebieten zurückziehen würde. Ägypten und Syrien waren nicht die einzigen am Krieg beteiligten arabischen Staaten. Mindestens neun arabische Staaten, darunter vier, die nicht in der Krisenregion liegen, haben die ägyptisch-syrischen Kriegsbestrebungen aktiv unterstützt. Wenige Monate vor dem Jom-Kippur-Krieg entsandte der Irak eine Schwadron Kampfflugzeuge nach Ägypten. Während des Krieges wurden eine 18 000 Mann starke irakische Abteilung und mehrere hundert Panzer auf den Golanhöhen stationiert; sie nahmen am 16. Oktober am Angriff gegen die israelischen Stellungen teil. Bereits am 8. Oktober, dem dritten Kriegstag, wurden irakische MiGs auf den Golanhöhen eingesetzt. Saudi-Arabien und Kuwait leisteten nicht nur finanzielle Schützenhilfe, sondern schickten ebenfalls Soldaten in die Schlacht. Eine saudische Brigade von etwa 3 000 Mann wurde nach Syrien versetzt, wo sie an den Kämpfen gegen die Israelis, die auf Damaskus vorrückten, teilnahmen. Libyen verstiess gegen das in Paris beschlossene Transfer-Verbot für Waffen französischer Herkunft und schickte Mirage-Kampfjäger nach Ägypten (von 1971 bis 1973 zahlte der libysche Präsident Muammar Quaddafi über eine Milliarde Dollar für die Wiederaufrüstung Ägyptens, hauptsächlich an die Sowjets). Auch andere nordafrikanische Länder entsprachen dem arabischen und sowjetischen Aufruf zur Unterstützung der Frontstaaten. Algerien schickte drei Schwadronen Kampfflugzeuge und Bomber, eine bewaffnete Brigade und 150 Panzer. Am Nildelta wurden zwischen 1 000 und 2 000 tunesische Soldaten stationiert. Der Sudan entsandte 3 500 Mann nach Südägypten, und Marokko schickte drei Brigaden an die Front, davon 2 500 Mann nach Syrien. Die syrische Luftverteidigung arbeitete mit libanesischen Radareinheiten. Und der Libanon liess es zu, dass palästinensische Terroristen von libanesischem Gebiet aus zivile israelische Siedlungen unter Beschuss nahmen. Palästinenser kämpften an der Südfront an der Seite von Ägyptern und Kuwaitis. König Hussein von Jordanien schickte zwei seiner besten Einheiten – die vierzigste und die sechzigste bewaffnete Brigade – nach Syrien. Weiter waren drei jordanische Artillerieeinheiten mit ca. 100 Panzern beteiligt.
- Dezember 1973: Der syrische Verteidigungsminister Mustafa Tlas schildert vor der syrischen Nationalversammlung das folgende Beispiel für die „höchste Tapferkeit“ der syrischen Truppen: „Es handelt sich um den Fall eines Rekruten aus Aleppo, der ganz allein 28 jüdische Soldaten ermordet hat. Er hat sie hingemetzelt wie Schafe. Seine bewaffneten Kameraden waren Zeugen. Drei von ihnen schlachtete er mit der Axt ab und enthauptete sie … Mit einem von ihnen geriet er in den Nahkampf. Dem brach er mit einem Axthieb das Genick und verschlang vor den Augen seiner Kameraden sein Fleisch. Dieser Fall ist ein ganz besonderes Beispiel für Heldenmut; der Mann verdient die Medaille der Republik. Ich werde diese Medaille jedem Soldaten verleihen, dem es gelingt, 28 Juden zu töten, und werde ihn für seinen Mut mit Anerkennung und Ehren überhäufen.“
- 8.12.1973: Israelische Truppen hatten auf den Golanhöhen die Leichen israelischer Kameraden entdeckt, die an Händen und Füssen gefesselt waren und denen man die Augen ausgedrückt hatte. Sie waren aus nächster Nähe erschossen worden. Syrien hatte auch israelische Kriegsgefangene zum Verhör an speziell dafür ausgebildete sowjetische Militärs ausgeliefert, „die Verhörenden … wandten medizinische und andere Foltertechniken an, um den Widerstand der Israelis zu brechen“, hiess es dazu später in einem Bericht der London Sunday Times.
- 9.12.1973: Bericht über die Behandlung israelischer Soldaten, die sich an der ägyptischen Front ergeben hatten, sie bekamen nichts zu essen, wurden geschlagen und mussten Auspeitschungen, sexuelle Misshandlungen und Verbrennungen über sich ergehen lassen – viele von ihnen wurden zum Schluss erschossen.
- 20. Dezember 1973: Spaniens Ministerpräsident Carrero Blanco von baskischen Extremisten ermordet
- 1973/1974: Winter 1973/1974 Energiekrise in Westeuropa nach Drosselung der arabischen Öllieferungen
- 1973-1978: Ephraim Katzir Präsident Israels
- 1973-1998: Hayim David HaLevi sephardischer Grossrabbiner Tel Aviv-Jaffas
Bücher
- S. P. Brock - Ch. T. Fritsch - S. Jellicoe, A Classified Bibliography of the Septuagint, Leiden 1973
- Th. Middendorp, Die Stellung Jesu Ben Siras zwischen Judentum und Hellenismus, Leiden 1973
- J. Schiloni et alii (Hrsg.), Jalqut Schim'oni: Genesis, 2 Bände, Jerusalem 1973
- J. Neusner (Hrsg.), The Modern Study of the Mishnah, Leiden 1973
- J. Neusner, Invitation to the Talmud. A Teaching Book, New York 1973
- M. Mansoor, The book of direction to the duties of the heart. From the original Arabic version of Bahya ben Joseph Ibn Paquda's ... Introduction, Translation and notes, London 1973
- E. Schürer, The History of the Jewish People in the Age of Jesus Christ. A New English Version Revised and Edited by G. Vermes, F. Millar, M. Black, Edinburg I. 1973 (II. 1979)
Zeitungen und Zeitschriften
- 1973 ff.: Jüdische Allgemeine: überregionale jüdische Wochenzeitung in Deutschland; sie wurde 1946 als Jüdisches Gemeindeblatt für die Nord-Rheinprovinz und Westfalen mit Sitz in Düsseldorf gegründet und noch im selben Jahr in Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone umbenannt; nach einigen weiteren Namenswechseln hiess sie ab 1973 Allgemeine Jüdische Wochenzeitung, ab 2002 dann Jüdische Allgemeine; Gründungsherausgeber und erster Chefredakteur war Karl Marx (1897-1966); die Redaktion zog 1985 nach Bonn, 1999 nach Berlin; Herausgeber der Jüdischen Allgemeinen ist der Zentralrat der Juden in Deutschland; er finanziert sie etwa zu einem Drittel, je ein weiteres Drittel tragen Anzeigen und Abonnements bei; die Zeitschrift sieht sich in der Tradition der Allgemeinen Zeitung des Judenthums, die 1837 gegründet wurde, 1922 in der Publikation CV-Zeitung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens aufging und am 3. November 1938 eingestellt werden musste