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1967
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Ereignisse
- 5.6.1967-10.6.1967: Truppen des arabischen Militärkommandos waren an Israels Grenzen aufmarschiert, Israel war umzingelt von etwa 250 000 Soldaten (fast die Hälfte davon im Sinai), über 2 000 Panzern und 700 Flugzeugen. Nasser hatte die Strasse von Tiran schliessen lassen und die UNEF aus Ägypten gedrängt. Die israelische Luftwaffe griff daraufhin am 5. Juni in einem Präventivschlag Luftbasen in Ägypten, Jordanien und Syrien an. König Hussein bin Talal von Jordanien ordnete daraufhin den Angriff auf Israel an. Nach dem jordanischen Angriff flohen etwa 325 000 in der Westbank lebende Palästinenser. Im Sechs-Tage-Krieg erobert Israel die Golanhöhen, das Westjordanland mit Ost-Jerusalem, den Gazastreifen und die Sinai-Halbinsel. Ägypten, Syrien und Jordanien erleiden eine vernichtende Niederlage. Im Anschluss Waffenstillstand gemäss UN-Sicherheitsresolutionen 253 und 236, denen alle Parteien zugestimmt hatten. Nach dem Sechstagekrieg (Generalstabschef Itzhak Rabin, Verteidigungsminister Mosche Dajan) wird Jerusalem wiedervereinigt; die Juden können wieder in den Ostteil der Stadt (die zuvor jordanisch besetzte Altstadt) und an der Klagemauer beten (seither als Jom Jeruschalajim begangen); bei Kriegsende ist Jerusalem zum erstenmal seit 2000 Jahren unter jüdischer Souveränität vereint. Weltweite Euphorie unter den Juden. Allerdings war der Sieg teuer erkauft worden. Bei der Erstürmung der Golan-Höhen fielen 115 Israelis. Insgesamt waren 777 Tote und 2 586 Verletzte unter den Israelis zu beklagen. Ausserdem verlor die israelische Luftwaffe trotz der schier unglaublichen Erfolge des Luftangriffs 46 ihrer 200 Piloten. Hätten die Israelis – wie sie es 1973 machten – gewartet, bis die Araber den ersten Schritt taten, und sich nicht zum Präventivschlag entschlossen, wären die Verluste zweifellos noch sehr viel höher und der Sieg keineswegs sicher gewesen. Zum israelischen Staat gehörten jetzt über eine Dreiviertelmillion Palästinenser, von denen die meisten der Regierung gegenüber eine feindselige Haltung einnahmen. Dennoch wurden 1967 über 9 000 palästinensische Familien wieder zusammengeführt. Letztlich durften über 60 000 Palästinenser zurückkehren. Die israelischen Behörden haben alles getan, um die Auswirkungen der Militärverwaltung für die palästinensische Bevölkerung zu minimieren. Die Verwaltung versuchte, sich so wenig wie möglich in das Leben der Bevölkerung einzumischen; sie bestand lediglich auf der Forderung, in den Schulbüchern anti-israelische und antisemitische Äusserungen zu beseitigen. Darüber hinaus leistete Israel den Palästinensern wirtschaftliche Hilfe – zum Beispiel wurden sie im Gazastreifen aus den Lagern entlassen und durften in neue Häuser einziehen. Das führte zu Protesten aus Ägypten, das während seiner Herrschaft über das Gebiet nichts für die Flüchtlinge getan hatte. Die Araber durften sich frei bewegen; auch die Aus- und Einreise nach Jordanien wurde nicht behindert. Die Araber in Ostjerusalem konnten zwischen der jordanischen und der israelischen Staatsbürgerschaft wählen. Sie wurden als Bürger des geeinten Jerusalem anerkannt, erhielten das Wahlrecht und durften für den Stadtrat kandidieren. Demgegenüber war Jordanien nicht sehr zimperlich mit den religiösen Gefühlen der Juden und überhaupt mit dem jüdischen Andenken umgegangen. König Hussein hatte den Bau einer Strasse zum Intercontinental Hotel, die über den Friedhof auf dem Ölberg verläuft, erlaubt. Dabei wurden Hunderte jüdischer Gräber von einer Autobahn zerstört, die problemlos hätte verlegt werden können. Die Grabsteine, die das Andenken von Rabbis und Weisen ehrten, wurden von der Bauabteilung der jordanischen Arabischen Legion für Fussböden und Latrinen verwendet (die Inschriften auf den Steinen waren bei der Rückeroberung der Stadt noch sichtbar). Das alte jüdische Viertel der Altstadt wurde verwüstet, 58 Jerusalemer Synagogen – manche davon Jahrhunderte alt – wurden zerstört, andere wurden als Vieh- und Hühnerställe genutzt. Direkt neben der Westmauer entstanden Slumsiedlungen. Wie die früheren islamischen Herrscher hatte auch König Hussein Jerusalem verkommen lassen. Nach der Eroberung der Altstadt im Jahr 1967 zeigte sich das ganze Ausmass dieser Vernachlässigung, als zu Tage trat, dass es einem Grossteil der Stadt an der Versorgung mit dem Grundlegendsten fehlte – an Wasser- und Abwasserrohren, Gas- und Stromleitungen und Elektrizität. Nach der Wiedervereinigung wurden die arabischen Häuser und Läden in Ostjerusalem mit diesen und anderen dringend nötigen städtischen Annehmlichkeiten ausgestattet. Hunderten von Hausbesetzern im jüdischen Viertel wurden israelischerseits Entschädigungen oder alternative Wohnmöglichkeiten angeboten. Die Haltung der UN zum Status Jerusalems nach 1967 war zumindest unlogisch. Nach 1948 stimmte die Vollversammlung der Vereinten Nationen in drei Resolutionen dafür, Jerusalem zu internationalisieren. Danach wurde die Sache jedoch fallen gelassen, bis Israel die Kontrolle über die Stadt erlangt hatte. Seit 1967 haben die Vereinten Nationen, die die jordanische Besetzung der Stadt 19 Jahre lang ignoriert hatten, dann zahlreiche Resolutionen verabschiedet, in denen Israel verurteilt wird, weil es den Status von Jerusalem geändert hat. Nach dem Krieg von 1967 hob Israel sämtliche diskriminierenden jordanischen Gesetze auf und formulierte eigene strenge Massstäbe für die Sicherung der Religionsfreiheit und des ungehinderten Zugangs zu den verschiedenen Heiligtümern der Religionen. Die Verwaltung der heiligen Stätten übertrug der israelische Staat den betreffenden religiösen Körperschaften. So zum Beispiel dem islamischen Waqf die Zuständigkeit für die Moscheen auf dem Tempelberg (obwohl der Tempelberg das höchste Heiligtum des Judentums darstellt, während, wie bekannt, der Tempelberg für die Muslime bezüglich der Heiligkeit nach Mekka und Medina erst an dritter Stelle kommt). Der islamische Waqf übt die Zivilhoheit auf dem Tempelberg aus. Die Israelis sind lediglich am Eingang des Tempelberges präsent, um sicherzustellen, dass Angehörige aller Religionen Zugang zu den heiligen Stätten erhalten. In Zeiten massiver Spannungen, wenn die Gefahr gewalttätiger Ausschreitungen es nötig macht, hat Israel allerdings auch weiterhin das Recht, die Anzahl der Besucher einzuschränken, wovon es auch schon Gebrauch gemacht hat. Der ehemalige amerikanische Präsident Jimmy Carter hob hervor, dass die Religionsfreiheit unter israelischer Herrschaft mehr Raum bekommen hat. Seiner Aussage nach besteht „kein Zweifel“ daran, dass Israel besser über den Zugang zu den heiligen Stätten der Stadt wachte als Jordanien. „Heute haben alle ungehinderten Zugang“, so Carter, „was von 1948 bis 1967 nicht der Fall war“ (Near East Report, 2.4.1990).
- seit 1967: Linker Antisemitismus: Seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 richtete sich das Augenmerk vieler westdeutscher Antiimperialisten – ähnlich wie im arabisch-islamischen Raum – auf das Zusammenspiel der Weltmacht USA mit dem von ihr unterstützten Staat Israel. Die Kritik daran führte zur Solidarisierung mit dem „Befreiungskampf des palästinensischen Volkes“ gegen den angeblichen „Stellvertreter des US-Imperialismus in Nahost“. Dabei unterstützten manche antiimperialistischen Gruppen kritiklos auch Palästinenser-Organisationen, die Israels Existenzrecht verneinen. Die antizionistische Kritik am Staat Israel bediente vereinzelt auch antisemitische Stereotypen: So forderte das linksgerichtete Magazin „Kult“ (Coburg) 2002 öffentlich: „Don´t buy Jewish!“ In den 1980er-Jahren rief eine längere Kampagne der antiimperialistischen Linken zum Boykott gegen Israel auf. Zudem wird die israelische Besetzung palästinensischer Gebiete oft mit der Besatzungspolitik der Nazis in Polen oder der Sowjetunion verglichen.
- seit 1967: Jamit, israelische Stadt auf der Sinai-Halbinsel mit zuletzt (1982) ca. 1200 Einwohnern; sie wurde während der israelischen Besetzung der Halbinsel seit Ende des Sechstagekrieges gebaut und bei Übergabe dieses Gebiets an Ägypten nach dem israelisch-ägyptischen Friedensvertrag 1982 geräumt; ursprünglich waren Einwohnerzahlen von bis zu 200 000 vorgesehen; Menachem Begin entschied, alles niederzureissen, statt sich von Ägypten 80 Mio USD dafür bezahlen zu lassen (er fürchtete, die Siedler würden sonst in ihre Häuser zurückkehren und dadurch Spannungen mit Ägypten verursachen); die Abriss-Entscheidung rief starke Proteste in der ägyptischen Öffentlichkeit hervor
- nach 1967: In der Sowjetunion kommt es zu einem Aufleben des populären Antisemitismus. In Osteuropa trat der Antisemitismus insbesondere unter dem Deckmantel des Antizionismus auf. Unter Kossygin entstanden antizionistische Karikaturen, Schriften und Filme mit offensichtlichen Parallelen zum Stürmer-Stil. Juden („Zionisten“) wurden wieder als Bedrohung für die Welt dargestellt und das Weltjudentum bzw. der internationale Zionismus wird als Verbündeter des US-Imperialismus charakterisiert. Juden wurde zudem vorgeworfen, sie hätten nach der Herrschaft über den letzten Zaren gestrebt und steckten hinter den antisowjetischen Unabhängigkeitsbestrebungen Polens und des Prager Frühlings. In Polen kommt es nach Protesten gegen die Absetzung eines Dramas von Adam Mickiewicz zu antisemitischen Übergriffen und Massenentlassungen von Juden. Fast alle Juden verlassen daraufhin das Land. Auch in Ungarn wurde der „Zionismus“ für oppositionelle Entwicklungen verantwortlich gemacht und antisemitische Stereotype der Bevölkerung in Krisenzeiten ausgenutzt. Auch die DDR folgte der antizionistischen Politik, in Jugoslawien war die Entwicklung besonders heftig. Eine Ausnahme unter den Ostblockstaaten bildete Rumänien, das als einziger Staat normale Beziehungen zu Israel unterhielt.
Bücher
- Midrasch Haggadol on the Pentateuch: Numeri, hrsg. Z. M. Rabinowitz, Jerusalem 1967
- Jalqut Schim'oni, 2 Bände, Jerusalem 1967
- Sefer ha-Jaschar, Jerusalem 1967
- D. Pagis (Hrsg.), The secular poems of Moses Ibn Ezra, Jerusalem 1967 (hebr.)
- G. D. Cohen, A Critical Edition with an Introduction and Notes of the Book of Tradition (Sefer ha-Qabbalah) by Abraham Ibn Daud, Philadelphia 1967
- M. Benayahu, The Toledoth Ha-Ari and Luria's "Manner of Life" (Hanhagoth), Jerusalem 1967 (hebr.)
- M. Hadas, Fables of a Jewish Aesop, New York 1967 (über Berechja ha-Naqdan)
- H. Hominer (Hrsg.), Josiphon, mit einer Einführung von A. J. Wertheimer, Jerusalem 1967
- Alexander und Margarete Mitscherlich, Die Unfähigkeit zu trauern, 1967
- Israel Konovitz, Tannaitic Symposa. Complete Collected Sayings, in Halakah and Aggadah, in the Talmudic and Midrashic Literature, 4 Bände, Jerusalem 1967-1969 (hebräisch)
- S. D. F. Goitein, A Mediterranean Society. The Jewish Communities of the Arab World as Portrayed in the Documents of the Cairo Geniza, 2 Bände, Berkeley 1967-1971