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1901

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Ereignisse

  • 1901: Hilfsverein der Juden in Deutschland, gegründet 1901 in Berlin, Wohlfahrtsorganisation, umfassende Hilfsleistungen für notleidende Juden in Russland und Galizien, Gründung von Kindergärten in Palästina, später dann engagiert für jüdische Auswanderungsangelegenheiten, gab heraus: "Korrespondenzblatt über Auswanderung- und Siedlungswesen"
  • 1901: in Frankfurt am Main schliesst das Stammhaus der Bank Rothschild seine Pforten wegen des latenten Antisemitismus
  • 1901: L. Wollenberg italienischer Finanzminister
  • 1901: Benno Straucher und Mayer Ebner gründen in Czernowitz den Jüdischen Volksverein
  • 1901: Alfred Lichtenstein geboren, Flötist
  • 2.1.1901: Herzl beim Fürsten Eulenburg, auch ihm erzählt Herzl, dass er dem Sultan „seine Anleihen verderben wolle, wenn er ihn, Herzl, durchaus nicht anhören wolle“
  • 4.1.1901: Als die Presse von – unwahrscheinlichen, aber möglichen – Plänen berichtet, Deutschland und England könnten Cypern und Deutsch-Ostafrika untereinander tauschen (so dass also England Deutsch-Ostafrika erhält und Deutschland dafür Cypern), überlegt Herzl, ob es nicht das Beste sei, dass die Juden zunächst nach Cypern gehen „und eines Tages nach Erez Israel hinüberfahren u. es mit Gewalt nehmen, wie man es uns einst genommen hat …“
  • 4.1.1901: Herzl zu Ministerpräsident Ernst von Koerber gerufen, Hauptthema ist die mögliche Gründung einer der Regierungspolitik gegenüber gefügigeren Zeitung (mit Herzl an der Spitze) als es die Neue Freie Presse ist oder alternativ der Kauf derselben; Herzl erhielt vom Ministerpräsidenten den Auftrag, mit Leopold Graf Auersperg darüber in Verhandlungen einzutreten
  • 7.1.1901: Herzl zu Eulenburg gerufen
  • 8.1.1901–9.2.1971: Leonard Steckel, geb. in Knihinin/Ungarn, gest. bei Aitrang/Bayern, Schauspieler und Regisseur, ging in Berlin zur Schule und wurde dort in den 20er-Jahren einer der bedeutendsten Charakterdarsteller; 1933 emigrierte er nach Zürich und war Mitglied des Zürcher Schauspielhauses bis 1953; 1943 inszenierte er die Uraufführung des "Guten Menschen von Sezuan" und des "Galilei" von Bert Brecht; 1957-1959 war er Intendant der Freien Volksbühne in Berlin; er kam bei einem Eisenbahnunglück ums Leben
  • 9.1.1901: Herzl schreibt, nachdem ihm angedeutet wurde, ein Empfang beim Sultan stehe bevor, einen geharnischten Antwortbrief an die türkische Diplomatie, in dem er u. a. mitteilt, er stehe ein letztes Mal zur Verfügung, werde sich aber nicht länger zum Narren halten lassen; sein „Ultimatum“ verlängert er bis zum 20. Januar 1901
  • 22.1.1901: Victoria, Königin von Grossbritannien und Irland, Kaiserin von Indien, Symbol eines grossen Zeitalters, stirbt auf der Isle of Wight in den Armen ihres Enkels, Kaiser Wilhelm II., in ihrem 64. Regierungsjahr; mit ihr versinkt auch das nach ihr benannte Zeitalter; Eduard (Edward) VII. (1841-1910) König von England (bis 1910)
  • 26.1.1901: Herzl in seinen Tagebüchern: „Von Crespi [türkischer Mittelsmann] ein alberner Brief: ich solle garantiren, dass kein „tollé générale“ [„allgemeines Protestgeschrei“] in Europa entstünde, wenn der Sultan mich empfinge. Ich antworte: sie sollen mir die Audienz verschaffen u. das Uebrige Allah überlassen u. den Audienzbakschisch einstecken“
  • 2.2.1901–10.12.1987: Jascha Heifetz (eigentlich Iossif Ruwimowitsch Heifetz), geb. in Vilnius, gest. in Los Angeles; US-amerikanischer Violinvirtuose russisch-jüdischer Herkunft, einer der bekanntesten Geiger des 20. Jahrhunderts und einer der weltbesten Geiger seiner Zeit; u. a. Schüler von Leopold von Auer; nach seinem Debüt 1907 (!) beeindruckte er durch vollendetes, ebenmässiges Spiel, das sich durch Präzision und Sinnlichkeit auszeichnete; emigrierte 1917 in die USA; wurde 1959 Professor an der University of California; auch Kammermusiker
  • 9.-12. Februar 1901: Konferenz der russischen Aktionskomitee-Mitglieder in Odessa (u. a. wurde der Vorschlag formuliert, nur alle zwei Jahren einen grossen Zionistenkongress und in den dazwischen liegenden Jahren einen kleinen Kongress abzuhalten)
  • 13.2.1901–30.8.1976: Paul F. Lazarsfeld (Paul Felix Lazarsfeld), geb. Wien, gest. New York City, österreichisch-amerikanisch-jüdischer Soziologe und Wissenschaftsorganisator, gilt als Begründer der modernen empirischen Sozialforschung; wurde Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs, Studium der Mathematik an der Universität Wien, 1924-1925 Post-Graduierten-Studium in Frankreich, wird Mitglied der Parti Socialiste, 1925-1929 Gymnasiallehrer für Mathematik in Wien, 1929-1933 Mitarbeiter am Psychologischen Institut der Universität Wien, 1926 heiratet er Marie Jahoda (1934 geschieden); 1933 Emigration in die USA (amerikanische Staatsbürgerschaft 1943); dort Stipendiat der Rockefeller Foundation, 1934 Direktor des Institute for Social Research der Universität Princeton, 1935-1936 Supervisor der National Youth Administration in New Jersey, 1936-1937 Direktor des Research Center der University of Newark, New Jersey; die zweite Ehe mit Herta Herzog wird bereits 1936 wieder geschieden; ab 1937 Forschungs- und zahlreiche weitere Tätigkeiten in Princeton und an der Columbia University, 1948-1949 Gastprofessur an der Universität in Oslo, ab 1949 in dritter Ehe verheiratet mit der Sozialwissenschaftlerin Patricia Louise Kendall, 1963 gründet er zusammen mit Oskar Morgenstern das Institut für Höhere Studien in Wien, 1962-1963 und 1967-1968 Gastprofessor an der Sorbonne, bis 1976 arbeitet er als Soziologie-Professor an der University of Pittsburgh, Pennsylvania; arbeitete vor allem auch über Meinungsforschung; Hauptwerke: Jugend und Beruf, 1928; Die Arbeitslosen von Marienthal, 1933; Radio and the printed page, 1940; The people's choice, 1944; Mass communication, 1948; Mathematical thinking in the social sciences, 1954; Am Puls der Gesellschaft, 1968
  • 20.2.1901: Herzl erhielt vom türkischen Mittelsmann Crespi eine Depesche und wird darin um die Erneuerung des Darlehensantrags vom November gebeten, da die türkische Regierung wieder Geld brauche; Herzl antwortet umgehend: „Je ne ferai absolument rien, avant d’être appelé“
  • 27.2.1901: Konferenz des Odessaer Komitees in Odessa. Thema: zur Lage im Jischuv
  • 13. März 1901: Brief Herzls an Max E. Mandelstamm, Kiew/Russland: "Theurer Freund, Dank für Ihren lieben Brief. Ich kann Ihnen von mir nichts Gutes melden. Ich bin nahezu aufgerieben. Ihr werdet Euch bald nach einem anderen Führer umsehen müssen. Meine Energie u. Ideation ermüdet. Wenn ich noch Anknüpfungsideen habe, bin ich durch die Geldmisèren der Actions-Comité Kasse verhindert, sie auszuführen. Ich habe die Grenze erreicht u. überschritten, wo das was ich für die Bewegung hergebe kein Verbrechen an meinen Kindern ist. Es ist nicht mehr, wie in den Jahren 1895-98 wo ich einfach in meine Tasche griff u. Agenten auf Reisen schickte, zu Cohn [Codewort für den Sultan] oder Anderen. Die Kasse des AC ist leer, diese Woche musste ich schon wieder einen wenn auch kleinen Betrag vorstrecken. Von grösseren, wie ehemals, kann keine Rede mehr sein. Nun hätte ich wieder einen Mann [gemeint ist Arminius Vámbéry] zu Cohn schicken wollen, der mit Cohn an einem Tisch sitzt u. aus einer Schüssel (mit den Fingern! malerischer Weise) isst. Er versprach mir schon im Herbst, er wolle im Frühjahr fahren, u. iterum unsere Sache, wenigstens meine Berufung zur Sprache bringen. Wüsste ich, dass es ihm gelingt, würde ich ja mein letztes Hemd dafür hergeben. Aber ich weiss es nicht sicher. Darum wage ich nicht, ihn an sein Versprechen zu erinnern. Denn wenn er es hält, muss man ihm elegante Reisespesen geben – das kostet ein paar Tausend Gulden, u. wir haben nicht einmal die 1200-1500 Gulden, die Kokesch am Ersten für Bureau u. Personal braucht. Dabei warten die armen Leute überall, dass man etwas thue, klagen mich vielleicht der Sorglosigkeit oder Unthätigkeit an. Ich habe ein schweres Kreuz auf mich geladen. Ich schreibe Ihnen diese Misère, vielleicht könnt Ihr Russen helfen. Von anderswoher ist ohnehin nichts, absolut nichts zu erwarten. Die anderen Landesorganisationen verlangen zumeist von uns noch Geld. Das ist der Humor davon ... Nur das Gefühl der übernommenen Pflicht hält mich jetzt noch aufrecht. Herzlich, Ihr getreuer Benjamin [= Herzl] "
  • März 1901: erster österreichischer Zionistentag in Olmütz; zum Präsidenten der österreichischen zionistischen Landesorganisationen wird Salomon Krenberger gewählt (Ende 1905 trat er von diesem Amt zurück)
  • 26.3.1901–2.1.1982: Leo Stern (eigentlich Jonas Leib Stern), geb. in Woloka bei Czernowitz, gest. in Halle/Saale, Kommunist und einer der bekanntesten Historiker der DDR, trat 1921 der SPÖ bei, promovierte 1925 zum Dr. rer. pol., kam ins KZ Wöllersdorf (Niederösterreich), emigrierte 1935-1945 in die CSR und in die Sowjetunion und nahm am Spanischen Bürgerkrieg teil, 1940 habilitierte er sich an der Universität Moskau für Neuere Geschichte, 1941-1945 war er Offizier der Roten Armee, 1945 wurde er Prof. in Wien, 1950-1966 in Halle (dort 1953 bis 1959 Rektor der Universität); er wurde Direktor der Forschungsstelle für Geschichte an der Akademie der Wissenschaften der DDR und dort wiederholt ausgezeichnet; Hauptwerk: Melanchthon, 1963; - Leo Stern wurde als eines von 12 Kindern, darunter vier Söhnen, in eine kleinbäuerliche jüdische Familie geboren; zwei seiner Brüder, Manfred Stern und Wolf Stern wurden später ebenfalls Kommunisten; Manfred wurde als General Kléber im Spanischen Bürgerkrieg bekannt; Wolf nahm in der DDR bedeutende Funktionen ein
  • 27.3.1901: Herzl im Tagebuch: „Von Crespi ein Mumpitzbrief. Ich möge ihm schreiben, die Zionisten würden eine Wucheranleihe, die der Sultan bei Krupp aufnehmen will, bekämpfen. Pas si bête. Ich sitze ihm natürlich nicht auf, antworte gar nicht. Denn mit meinem Briefe würde er Chantagen u. Betrügereien machen.“ – Crespi erhielt später von der zionistischen Organisation ein „Monatsgehalt“ in Höhe von 1 000 francs, eine Art kontinuierlichen Bestechungsgeldes, um beim Sultan zu vermitteln und sich im Sinne der Zionisten nützlich zu machen
  • 5.4.1901-25.12.1991: Curt Bois, geb. u. gest. Berlin, als Schauspieler erfolgreicher Kinderstar, dann eher der komische Typ; Bruder von Ilse Bois; der Schauspieler Curt Bois war einer der ersten Kinderstars überhaupt; er spielte 1908 in der Operette "Der fidele Bauer" die Rolle des Heinerle; die Operette wurde gleichzeitig auf Schallplatte aufgenommen und als Tonbild aufgezeichnet, dem Vorgänger der laufenden Bilder; danach folgten zahlreiche weitere Kinderrollen auf der Bühne, in denen Curt Bois brillierte; als Kind und Jugendlicher stand er für die Filmproduktionen "Mutterliebe" (1909), "Der kleine Detektiv" (1909), "Des Pfarrers Töchterlein" (1912), "Streichhölzer, kauft Streichhölzer" (1916), "Die Spinne" (1916), "Das unruhige Hotel" (1917) und "Das grosse Los" (1917) vor der Kamera; in den kommenden Jahren arbeitete er parallel für das Theater und den Film; ins Erwachsenenalter gekommen, spielte er in der Stummfilmzeit in den Filmen "Die Austernprinzessin" (1919), "Sie und die Drei" (1922), "Wehe, wenn sie losgelassen" (1926), "Der Jüngling aus der Konfektion" (1926), "Dr. Bessels Verwandlung" (1927) und "Anschluss um Mitternacht" (1929); im deutschen Tonfilm konnte man Curt Bois nur noch selten bewundern; sein erster Tonfilm "Der Schlemihl" (1931) wurde ein grosser Erfolg, danach trat er nur noch in den Filmen "Ein steinreicher Mann" (1932) und "Scherben bringen Glück" (1932) mit auf, ehe er 1933 ins Ausland fliehen musste; über mehrere Stationen gelangte er schliesslich 1934 nach New York, wo er zunächst Beschäftigung am Broadway fand, später ging er nach Hollywood, wo er eine beeindruckende Karriere in kleinen Nebenrollen aufbauen konnte; in den 30er und 40er Jahren spielte er neben den grössten Stars des amerikanischen Films; zu der illustren Gesellschaft zählen Claudette Colbert, Charles Boyer, Basil Rathbone, Dick Powell, John Barrymore, Edward G. Robinson, Humphrey Bogart, Ray Milland, Charles Laughton, Rita Hayworth, Glenn Ford, Loretta Young, Melville Douglas, Clark Gable, Spencer Tracy, Don Ameche, Olivia de Havilland, Paulette Goddard, Ingrid Bergman, Charles Coburn, Gary Cooper, Gene Kelly, Mary Astor, James Mason, David Niven, Jane Wyman, Buster Keaton, Gregory Peck und Ava Gardner; zu den bekanntesten Filmen dieser Jahre gehören "The Amazing Dr. Clitterhouse - Das Doppelleben des Dr. Clitterhouse" (1938), "The Hunchback of Notre Dame - Der Glöckner von Notre Dame" (1939), "Casablanca" (1942), "Cover Girl - Es tanzt die Göttin" (1944), "Vendetta" (1946), "Caught - Gefangen" (1948) und "The Great Sinner - Der Spieler" (1949); 1950 kehrte Curt Bois nach Deutschland zurück und ging in den Ostteil von Berlin; dort spielte er wieder Theater und trat in seinem einzigen Film "Herr Puntila und sein Knecht Matti" (1955) auf; da interessante Rollen ausblieben, ging Curt Bois nach West-Berlin, wo er zunächst boykottiert wurde; erst ab 1957 konnte er wieder grössere Rollen am Theater übernehmen, der Film wurde ab 1958 wieder sein Arbeitgeber; die Filme "Das Spukschloss im Spessart" (1960), "Ganovenehre" (1966) und "Der Zauberberg" (1967) gehören zu den bekanntesten Produktionen der 60er Jahre, in denen man Curt Bois auf der Leinwand bzw. im Fernsehen betrachten konnte; danach konzentrierte sich Curt Bois vermehrt auf Fernsehfilme, wo er u. a die Hauptrolle in "Der Pott" (1970) und in der Serie "Die feine englische Art" (1982) verkörperte, aber auch mit kleineren Auftritten wusste er zu überzeugen, so in "Strychnin und saure Drops" (1974), "Das Rentenspiel" (1977), "Die Alten kommen" (1979), "Das Boot ist voll" (1980) und schliesslich "Der Himmel über Berlin" (1987), wofür er 1988 mit dem europäischen Filmpreis als bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde
  • 18.4.1901: Herzl bei Koerber; verschiedene Themen, u. a. erneut die mögliche Zeitungsgründung
  • 30.4.–2.5.1901: Delegiertentag der deutschen Zionisten in Berlin
  • 30.4.1901–8.7.1985: Simon Kuznets (Simon Smith Kuznets), geb. in Pinsk, Russisches Reich; gest. in Cambridge, Mass., US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler russisch-jüdischer Herkunft; lehrte u. a. an der Harvard University in Cambridge, Mass.; befasste sich insbesondere mit Konjunkturforschung und analysierte die Bestimmungsgründe für das Wachstum der Volkswirtschaften; führte den Begriff des Bruttosozialprodukts ein; 1971 Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften
  • 1.5.1901–27.1.1945: Antal Szerb (Aussprache: sserb), geb. in Budapest, ungarischer Schriftsteller; er schrieb auch unter dem Pseudonym A. H. Redcliff; der Sohn zum Katholizismus konvertierter Juden studierte erst in Graz klassische und moderne Philologie und ab 1920 in Budapest Hungarologie, Germanistik und Anglistik; von 1924 bis 1929 lebte er in Italien und Frankreich, 1930 in London; er promovierte 1924 und war von 1937 an Literaturprofessor an der Universität in Szeged; 1934 erschien seine bis heute gelesene Ungarische Literaturgeschichte (A magyar irodalom története), 1938 seine Romantheorie Die Suche nach dem Wunder. Umschau und Problematik in der modernen Romanliteratur (unter dem eingedeutschten Namen Anton Szerb); 1941 wurde seine Literaturgeschichte der Welt veröffentlicht; er wurde am 27. Januar 1945 im Internierungslager Balf in West-Ungarn von Aufsehern erschlagen; Antal Szerb ist in Ungarn einer der meistgelesenen Autoren des 20. Jahrhunderts; seit 2003 gewinnt er nach neuen Übersetzungen auch in Deutschland an Popularität; weitere Werke (Auswahl): Az angol irodalom kistükre, 1929 (Englische Literatur); Cynthia, 1932; A Pendragon legenda, 1934; Szerelem a palackban, 1935 (Liebe in der Flasche, Kurzgeschichten); Budapesti útikalauz marslakók számára, 1935; Utas és holdvilág, 1937; VII. Olivér, 1943 (Oliver der VII, veröffentlicht unter dem Pseudonym A. H. Redcliff); A királyné nyaklánca, 1943 (Das Halsband der Königin); Száz vers, 1943/1944 (100 Gedichte); Übersetzungen ins Deutsche (Auswahl): Die Pendragon-Legende, 1966; Der Wanderer und der Mond, 1974; Reise im Mondlicht, 2003; Das Halsband der Königin, 2005
  • 10.11.1901-30.3.1983: Lisette Model, geb. in Wien als Elise Amelie Felicie Stern, römisch-katholisch getauft (ihr Vater, der sie später auch sexuell belästigte, war italienisch-österreichischer Arzt jüdischer Herkunft, ihre Mutter war römisch-katholische Französin), gest. in New York, US-amerikanische Fotografin, die mit ihren unsentimentalen, unretuschierten Eitelkeit, Unsicherheit und Einsamkeit thematisierenden close-up Bildern Aufsehen erregte; nachdem sie ab 1920 Harmonielehre und Kontrapunkt bei Schönberg und ab 1926 Gesang studiert hatte, wandte sie sich 1933 völlig von der Musik ab und widmete sich der Fotografie; bei einer Reise nach Nizza lernte sie ihren Mann, den französisch-jüdischen Maler Evsa Model, kennen; sie fotografierte die „reichen Nichtstuer“ in Nizza; diese Bilder wurden von einem kommunistischen Magazin gedruckt; sie nahm Unterricht bei Florence Henri; 1938 emigrierte sie mit ihrem Mann in die Vereinigten Staaten; schnell bekam sie Kontakt zu einflussreichen Persönlichkeiten wie Alexey Brodovitch, dem legendären Art Director von Harper's Bazaar und den Fotografen Ansel Adams und Berenice Abbott (sie wurde ihre langjährige Freundin); auf den Strassen New Yorks fotografierte sie Spiegelungen in Schaufensterscheiben und laufende Beine; zu den bekannten Persönlichkeiten, die sie portraitierte, gehören Frank Sinatra und Georges Simenon; 1952 begann sie eine Serie über Jazz, fotografierte unter anderem Louis Armstrong und Ella Fitzgerald; ab 1957 unterrichtete sie Fotografie; ihr Arbeitsmotto war: "Fotografiere niemals etwas, das dich gleichgültig lässt"; ihre bekannteste Schülerin wurde Diane Arbus
  • 15. November 1901 - 19. Februar 1982: Gerhard Leibholz
  • 17.11.1901-17.2.1982: Lee Strasberg (gebürtig Israel Strasberg), geb. in Budzanów, Österreich-Ungarn (heute Budaniw, Ukraine), gest. in New York, Schauspieler und Schauspiellehrer, der weltweit wohl berühmteste Schauspiel-Pädagoge ("Schauspiel ist die Fähigkeit, absolute Realität auf der Bühne zu erzeugen"); er wurde im Jahr 1901 im früheren Österreich-Ungarn als Sohn von Baruch Meyer Strasberg und Chaia Dina geboren und hatte drei Geschwister; 1909 emigrierte die Familie nach New York; er besuchte dort die hebräische High School; 1920 wurde er eingeladen, der Schauspielgruppe Students of Arts and Drama beizutreten; 1923 sah Strasberg Aufführungen von Stanislawskis Moskauer Künstlertheater während dessen Tournee in Amerika und war tief beeindruckt; im Folgejahr begann er eine Schauspielausbildung bei zwei der Moskauer Schauspieler am American Laboratory Theatre in New York; 1931 gründete er zusammen mit Harold Clurman und Cheryl Crawford das legendäre Group Theatre; 1933 führte er Regie bei dem Stück Men in White, für das die Gruppe den Pulitzer-Preis erhielt; 1936 war er der Regisseur von Johnny Johnson, einem der ersten in Amerika produzierten Anti-Kriegsstücke; kurze Zeit später wurde er amerikanischer Staatsbürger; 1948 übernahm Strasberg als Intendant die künstlerische Leitung des New Yorker Actors Studio, die er bis zu seinem Tode innehatte; er entwickelte das Method Acting, das die Eindringlichkeit der schauspielerischen Darstellung steigern soll, indem der Schauspieler sich möglichst vollkommen mit der Rolle identifiziert; berühmte Schüler Strasbergs sind u. a. Marilyn Monroe, Nico, Rod Steiger, James Dean, Dustin Hoffman, Paul Newman, Harvey Keitel, Robert De Niro und Al Pacino; auch nach seinem Tod gilt das Method Acting immer noch als erfolgreiche Methode für einen Schauspieler, ein Höchstmass an Identifikation mit der darzustellenden Rollenfigur zu erreichen, und wird auch weiterhin am Actors Studio gelehrt; auch nachfolgende Schauspielergenerationen und so bekannte Vertreter wie Johnny Depp, Angelina Jolie, Jack Nicholson und Anthony Hopkins machen sich die Methode für ihre Rollenarbeiten zu eigen; Strasberg wirkte selbst als Darsteller in einigen Filmen mit, so z. B. in der Rolle des Hyman Roth im zweiten Teil von Coppolas Pate-Trilogie; für diese Leistungen erhielt er Nominierungen für den Oscar und den Golden Globe Award als Bester Nachwuchsdarsteller
  • 1901–1963: Lester Cohen, US-amerikanisch-jüdischer Schriftsteller

Bücher

  • M. Sachs, Die religiöse Poesie der Juden in Spanien, 21901 (zahlreiche Übersetzungen)
  • Ginzburg/Marek, erste jüdische Volksliedsammlung, 1901
  • P. D. Hartmann, Das Buch Ruth in der Midrasch-Literatur, Frankfurt/M. 1901
  • Protokolle jüdischer Geheimsitzungen in Frankreich, 1901
  • Markus Horovitz, Avne Zikkaron. Die Inschriften des alten Friedhofes der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M., Frankfurt/M. 1901
  • Samson Rothschild, Aus Vergangenheit und Gegenwart der israelitischen Gemeinde Worms, 2. Auflage 1901
  • Markus Hirsch Friedländer, Das Talmudstudium in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Jeschibot zu Nikolsburg, Posen und Pressburg, Wien 1901
  • Heinrich Grünau, Exil. Drama aus dem jüdischen Leben, Dresden 1901

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1901–1904: Jeschurun, in Pleschen und Posen erschienen

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