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1900

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Ereignisse

  • Vor 1900: Nathaniel Meyer Freiherr von Rothschild liess Ende des 19. Jhdts. das Schloss Rothschild in Reichenau an der Rax (Niederösterreich) errichten
  • um 1900: geschätzte Zahl der Mischehen zwischen Juden und Nichtjuden in Deutschland: 720 000
  • 1900: Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser (Hamburg 1, Grosse Bäckerstrasse 6), gegründet 1900, gab periodisch (etwa quartalsweise) Verzeichnisse der unter Aufsicht gesetzestreuer Rabbiner stehenden Speisehäuser heraus
  • um 1900: Die jüdische Sportbewegung Makkabi wurde in Deutschland begründet. Hier entstanden um 1900 die ersten jüdischen Turnvereine zu einer Zeit, als Sport mehr war als reines Freizeitvergnügen. Im Kampf gegen den Antisemitismus, aber auch in Abgrenzung zu eigenen Traditionen wollten jüdische Sportler ein neues, modernes Menschenbild prägen. Nach 1933 gehörten diese Vereine zu den letzten Orten, wo Juden eine geschützte Gemeinschaft finden konnten. – "Der Makkabi", seit 1900 in Berlin monatlich in deutscher Sprache herausgegebenes zionistisches Organ der Makkabi-Bewegung
  • 1900: Dessau: Gründung der Baron Moritz von Cohn-Stiftung (zur Unterstützung bedürftiger Personen und Familien anhaltinischer Staatsangehörigkeit ohne Unterschied der Konfession) durch Baronin Julie Cohn Oppenheim (vgl. 1905)
  • 1900: angeblicher Ritualmord in Konitz
  • um 1900: Chaim S. Schor Oberrabbiner in Bukarest
  • 1900: jüdische Bevölkerung in Palästina, ca. 50 000 Seelen
  • um 1900: Ansiedlung von etwa 150 Juden in den zypriotischen Kolonien Cholmakchi, Kuklin und Margo durch die Jewish Colonization Association
  • um 1900: Wilna: um die Jahrhundertwende bei mehr als 150 000 Einwohnern fast 50% jüdische Einwohner
  • um 1900: Elieser Ben-Jehuda (1858–1922), der Wiedererwecker des Hebräischen, setzt den Gebrauch der Sprache durch.
  • 1900: Boxeraufstand, fremdenfeindlicher Aufstand in Nordostchina, der von einer chinesischen Geheimsekte entfacht wurde; nach Angriffen auf ausländische Vertretungen und Ermordung des deutschen Gesandten von Ketteler von einem Expeditionskorps der europäischen Grossmächte niedergeworfen; unter den deutschen Truppen kämpften 35 Juden
  • Um 1900: Buenos Aires. Zumeist vermittelt durch jüdische Zuhälter/innen bzw. Frauenhändler/innen, landeten Tausende von Frauen aus dem Zarenreich und der k.u.k.-Monarchie in den Bordellen Europas und vor allem Lateinamerikas. In Buenos Aires waren um 1900 mehr als 4000 Jüdinnen als Prostituierte registriert, womit sie rund ein Viertel aller in diesem Gewerbe tätigen Frauen ausmachten.
  • 1900: Max Band in Naumestis, Litauen, geboren, Maler, seit 1924 in Paris, schuf besonders charakteristische Kinderporträts
  • 1900: Hans Meisel geboren, Schriftsteller (Prosa, Dramen)
  • um 1900: Mark Günzburg, Pianist
  • um 1900: Andreas Weissgerber geboren, Violinist
  • um 1900: Simon Goldberg geboren, Violinist
  • um 1900: Boris Schwarz geboren, Violinist
  • um 1900: Frieda Mosheim geboren, Violinistin
  • um 1900: Stefan Frenkel geboren, Violinist
  • 1.1.1900: Baron Rothschild stellt die Hilfe für die jüdischen Dörfer in Palästina ein und überträgt ihre Betreuung der Jewish Colonization Association (J. C. A.)
  • 12.1.1900: Uraufführung von Herzls „I love you“ (einaktiges Lustspiel) am Burgtheater (insgesamt 8 Aufführungen)
  • 12.1.1900–24.1.1951: Eleonora von Mendelssohn (verheiratete Fischer, verheiratete Jessenski, verheiratete Forster, verheiratete Kosleck), Schauspielerin, geb. in Berlin, Selbsttötung New York City; Eleonora (Eleonore) von Mendelssohn, Tochter des Bankiers und Cellisten Robert von Mendelssohn (1857–1917) und der Konzertpianistin Giulietta Gordigiani sowie Bruder des Übersetzers, Theaterdirektors, Cellisten und Schauspielers Francesco von Mendelssohn (1901–1972), erhielt ihren Vornamen nach ihrer Taufpatin, der Schauspielerin Eleonora Duse (1858–1924); sie studierte Schauspiel und Klavier in Berlin; 1925 erhielt sie ihr erstes Engagement am Schauspielhaus in Düsseldorf; nach Theatertourneen durch Europa in Produktionen von Max Reinhardt erhielt sie Engagements an den Kammerspielen in München und am Preussischen Staatstheater in Berlin; Eleonora von Mendelssohn wurde als Jüdin 1933 entlassen und emigrierte nach Wien, wo sie ein Engagement am Theater in der Josefstadt von Max Reinhardt hatte; hier heiratete sie 1936 den Pianisten, Dirigenten, Musikpädagogen, Komponisten und Schriftsteller Edwin Fischer (1886–1960); das Ehepaar verbrachte seine Flitterwochen im Haus der Kunstmäzenin Jenny Mautner (1856–1938), Witwe des Grossindustriellen Isidor Mautner (1852–1930), der seit 1925 auch Besitzer der Textilfabrik Marienthal war; nach ihrer Scheidung heiratete Eleonora von Mendelssohn den ehemaligen österreichisch-ungarischen Offizier und nunmehrigen Reiter und Piloten Jedre Jessenski, von dem sie aber ebenfalls bald geschieden wurde; schliesslich ehelichte sie den Schauspieler Rudolf Forster (1884–1968); 1937 emigrierte sie mit ihrem Ehemann in die USA; Rudolf Forster, von dem sie geschieden wurde, kehrte 1945 nach Österreich zurück; nach Filmarbeiten in Hollywood versuchte sie vergeblich, auf dem Theater Fuss zu fassen; sie engagierte sich auch bei Exilorganisationen und war Mitglied der »Selfhelp«; sie nahm insbesondere an den kulturellen Aktivitäten des »German Jewish Club« in New York teil; seit 1945 trat sie auf Bühnen in New York und Boston auf und unterhielt einen bekannten Künstlerzirkel in ihrer Wohnung; 1947 heiratete Eleonora von Mendelssohn den Schauspieler Martin Kosleck (1904–1994); nach dem gescheiterten Versuch, ihre Drogenabhängigkeit zu bekämpfen, wählte sie den Freitod
  • Seit Januar 1900: Die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerlöf hält sich mehrere Monate in Jerusalem auf und schreibt später ihr berühmtes Buch "Jerusalem", für das sie den Nobelpreis erhält
  • 19.1.1900: Brief Herzls an David Wolffsohn in Köln (aber vermutlich nicht abgeschickt): "Lieber Freund, ich will Ihnen nur mit zwei Worten meine Empörung darüber ausdrücken, dass Sie mit dem absolut unfähigen Secretär Loewe [der Banksekretär James Henry Loewe in London] einen 5 jährigen Vertrag abgeschlossen haben. Einen Menschen, der nicht einmal fähig war, Allotmentbriefe zu machen – die grellsten Beispiele lasse ich jetzt zusammenstellen – engagirt man für 5 Jahre. Ich begreife nicht, dass Sie dazu Ihre Einwilligung geben konnten, da Ihnen meine Ansichten bekannt waren. Machen Sie diesen Vertrag ungeschehen, das ist das Einzige, was ich Ihnen sagen kann. Ich habe mich über Ihren Brief heute derartig geärgert, dass ich nach ruhigen Worten suche. Sie sind natürlich ein braver Kerl, aber für die Herren Kann u. Lourie zu schwach. Wenn die wenigstens tüchtig wären. Aber sie sind es nicht u. wenden nur auf dem unrichtigen Platze Gewalt an. Meine Geduld ist zu Ende. Mit herzlichem Gruss, Ihr Benjamin ... Ueber die Anstellung Louries wird das grosse AC [Actions Comité] das sich am 18. Februar in Wien versammelt, entscheiden. Von Ihrer Ehrenhaftigkeit und Freundschaft für mich erwarte ich, dass Sie den 5 jährigen Vertrag mit Loewe annuliren u. fortab keinerlei Beschlüsse zulassen werden, durch welche die Controle des Aufsichtsrathes zu Schanden gemacht wird. Ich würde, wenn Sie mir darin keine Beruhigung geben, zu meinem Schmerze bedauern müssen, dass ich ein so unbegrenztes Vertrauen in Sie gesetzt habe. Zumindest müssen Sie erwirken, dass auch der Vertrag Loewe der Zustimmung des grossen AC vorbehalten bleibe"
  • 26.1.1900–1942: Yva = Ilse Neulaender-Simon, geb. am 26. Januar 1900 in Berlin als Else Ernestine Neuländer, umgekommen höchstwahrscheinlich 1942 im Konzentrationslager Majdanek, deutsch-jüdische Fotografin; die Tochter eines Kaufmanns und einer Modistin war die jüngste von neun Geschwistern; mit 25 (= 1925) gründete sie ihr erstes Photoatelier in Berlin in der Friedrich-Wilhelm-Strasse 17 (lebte und arbeitete dort 1925-1930); danach wechselte sie ihre Adresse noch zweimal, zuerst zog sie in die Bleibtreustrasse 17 (1930-1934), dann in die Schlüterstrasse 45 (1938 zwangsweise Umzug in die Düsseldorfer Strasse); 1926 arbeitete sie kurzzeitig mit dem Fotografen Heinz Hajek-Halke zusammen; seit 1929 arbeitete sie für den Ullstein-Verlag, so dass Yvas Arbeiten in den Zeitschriften des Verlags erschienen; 1932 Beteilung an der 1. Biennale Internazionale d'Arte Fotografica Roma; 1933 Beteilung an der Ausstellung The Modern Spirit in Photography, Royal Photographic Society of Great Britain, London, und La Beauté de la femme, 1. Internationaler Salon der Akt-Photographie, Paris; nach der Machterlangung der NSDAP 1933 erhielt sie wegen ihrer jüdischen Herkunft Berufsverbot als Presse-Fotografin; 1934 heiratete sie Alfred Simon und konnte mit dessen Hilfe ihre Arbeit noch einige Zeit fortsetzen; einer „arischen“ Freundin (Charlotte Weidler) übergab sie dann 1936 die offizielle Leitung des Ateliers, um weiterarbeiten zu können; im selben Jahr begann die Ausbildung des später berühmten Fotografen Helmut Newton als Lehrling; 1938 musste Yva das Atelier (in dem bis zu zehn Angestellte tätig waren) und die Wohnräume ganz aufgeben, da sie nun komplettes Berufsverbot erhielt; sie hielt sich dann über Wasser als Röntgenassistentin im Jüdischen Krankenhaus (Exerzierstrasse) im Wedding; 1942 wurde sie enteignet (die Akten ihres Ateliers sind vernichtet), verhaftet und am 1.6.1942 in das KZ Majdanek deportiert, nachdem sie vorher noch Vorbereitungen zur Auswanderung getroffen hatte; im Konzentrationslager wurde sie höchstwahrscheinlich noch in 1942 umgebracht, aber erst am 31. Dezember 1944 für tot erklärt; "Yva" hatte sich besonders der Aktfotografie und der Modefotografie gewidmet; ihre Fotos wurden unter anderem veröffentlicht in: Uhu, Die Dame, Elegante Welt, Berliner Illustrirte Zeitung und Das Deutsche Lichtbild, Das Illustrirte Blatt, Wiener Magazin, Moden-Spiegel, Münchner Illustrierte Presse; Literatur: "Frauengeschichte(n) aus Tiergarten 1850-1950", 1999; Marion Beckers, Elisabeth Moortgat, "Yva. Photographien 1925-1938", 2001
  • 28.1.1900: zionistische Festversammlung in Köln zu Ehren des Kaisers Wilhelm II. anlässlich seines Geburtstags (die Versammlung schickte eine Grussadresse an Herzl)
  • 28.1.1900–3.5.1996: Hermann Kesten, geb. in Podwołoczyska, Galizien; gest. in Basel, Schriftsteller, einer der Hauptvertreter der literarischen Neuen Sachlichkeit während der 1920er Jahre in Deutschland; Dr. phil., war seit 1927 Lektor, später literarischer Leiter des Kiepenheuer-Verlages in Berlin, leidenschaftlicher Förderer schriftstellerischer Talente; 1933 floh er nach Amsterdam und leitete einen Emigranten-Verlag; 1939 ging er über Paris nach New York; seine zeitkritischen Romane handeln von Freiheit, Gerechtigkeit und Toleranz gegenüber Verblendung und Gewalt; 1974 erhielt er den Büchner-Preis, 1977 den Nelly-Sachs-Preis; 1975 wurde ein Preis nach ihm benannt; Romane (in mehrere Sprachen übersetzt): Der Scharlatan, 1932; Gens heureux, 1933 (deutsch "Glückliche Menschen", 1948); Der Gerechte, 1934; Ferdinand und Isabella, 1936 (= Sieg der Dämonen, 1953); König Philipp II., 1938 (= Ich, der König, 1950); Die Kinder von Guernika, 1939; Die Zwillinge von Nürnberg, 1946; Die fremden Götter, 1949; Ein Sohn des Glücks, 1955; Die Abenteuer eines Moralisten, 1961 (autobiographisch); Biographien: Copernicus, 1953; Lauter Literaten, 1963; Dichter im Café, 1959; Gesammelte Werke 1969 ff.; Roman: Ein Mann von 60 Jahren, 1975; Josef sucht die Freiheit, 1977; Glückliche Menschen, 1981
  • 30.1.1900–1978: Max Kreutzberger, geb. in Königshütte/Schlesien, gest. in Locarno, Sozialpolitiker; Sozialarbeiter, promoviert, war Direktor der Zentralwohlfahrtstelle der deutschen Juden in Berlin bis 1936, der Vereinigung der Einwanderer aus Deutschland (Hitachduth Olej Germania) in Tel Aviv, nach dem Krieg der Jewish Agency in Deutschland, 1955-1967 des Leo-Baeck-Instituts in New York, dessen Bibliothek und Archiv er aufbaute; er war 1936 nach Ceylon emigriert
  • 1.2.1900: Brief eines A. S. Rappaport aus Roman/Rumänien an Herzl, in welchem dieser "im Namen von 1000 Familien" in Rumänien um Herzls Rat zu einer Kolonisation in Anatolien bzw. ersatzweise Amerika bittet; Herzl antwortet sehr zurückhaltend (mit Brief vom 9.2.1900)
  • 15.2.1900: Herzl beim österreichischen Ministerpräsidenten Koerber (halbstündige Audienz in freundlicher Atmosphäre, es ging um die Nichtbehinderung der Jüdischen Colonialbank)
  • Seit Februar 1900: ein gewisser S. Leresku, "Schauspieler und jüdischer Volksdichter" in Sanok/Galizien, hatte ein Theaterstück "Dr. Theodor Herzl" verfasst und in der Folge mehrfach zur Aufführung gebracht – ohne Einverständnis und gegen Herzls erklärten Willen
  • 28.2.1900: Brief Herzls an Martin Buber in Berlin, worin auch Herzls Unzufriedenheit mit der "Stagnation unserer Bewegung in der deutschen Hauptstadt" zum Ausdruck kommt
  • 2.3.1900–3.4.1950: Kurt Weill (Kurt Julian Weill), geb. in Dessau, gest. in New York, aussergewöhnlich vielseitiger US-amerikanischer Komponist deutsch-jüdischer Herkunft; zwei Mal verheiratet mit Lotte Lenya; emigrierte 1935 in die USA; entwickelte für Brechts episches Theater einen neuen Typus der Bühnenmusik (insbesondere „Songs“), der eine Synthese aus Unterhaltungsmusik, Moritat, kabarettistischem Chanson und klassizistischen Elementen der Kunstmusik darstellt; in den USA schrieb Weill insbesondere für Theater des Broadway; erzielte mit der Dreigroschenoper 1928 (nach J. Pepuschs „Beggar’s Opera“ von 1728 in der Bearbeitung von Bert Brecht) einen Welterfolg; weitere Bühnenwerke u.a.: „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“, 1930; „Die Bürgschaft“, 1932; „Lady in the Dark“, 1941; „Down in the Valley“, 1948; „Lost in the Stars“, 1949; Ballett mit Gesang „Die sieben Todsünden“, 1933 (nach Brecht); schrieb daneben Kammermusik, Filmmusik und Lieder
  • 6.3.1900–18.5.1973: Avraham Shlonsky, israelischer Schriftsteller und Übersetzer
  • 10.3.1900: Herzl erneut Audienz bei Ministerpräsident Koerber; Herzl, Zigarre rauchend, erfährt, dass man Herzls Vorschläge bezüglich der Banksache folgen werde, auch wenn das nicht ganz legal sei; Bedingung sei, dass nichts an die Öffentlichkeit gelangen, nichts in den Blättern verlautbart werden dürfe
  • 16.6.1900: Herzl besucht Vámbéry in Tirol und schreibt darüber in seinen Tagebüchern: „Ich habe einen der interessantesten Menschen kennen gelernt in diesem hinkenden 70jährigen, ungarischen Juden, der nicht weiss ob er mehr Türke oder Engländer ist, deutsch schriftstellert, 12 Sprachen mit gleicher Perfection spricht u. 5 Religionen bekannt hat, wovon er in zweien Priester war. Bei der intimen Kenntniss so vieler Religionen musste er natürlich Atheist werden. Er erzählte mir 1001 Geschichte [sic] aus dem Orient, von seiner Intimität mit dem Sultan etc. Er fasste sofort volles Vertrauen zu mir u. sagte mir unter Ehrenwort, er sei englischer u. türkischer Geheimagent. Die Professur in Ungarn ein Aushängeschild, nachdem es lange eine Marter gewesen inmitten einer judenfeindlichen Gesellschaft. Er zeigte mir eine Menge geheimer Schriftstücke, allerdings in türkischer Sprache, die ich nicht lesen, nur bewundern kann. U. A. eigenhändige Aufzeichnungen des Sultans. Hechler schickte er gleich schroff weg er wollte mit mir allein sein. Er begann: „Ich will kein Geld haben ich bin ein reicher Mann. Goldene Beefsteaks kann ich nicht essen. Eine viertel Million hab’ ich, ich brauche nicht die Hälfte meiner Zinsen. Wenn ich Ihnen helfe ist’s wegen der Sache.“ Er liess sich von mir alle Details unseres Planes, Geld etc. sagen. Er vertraute mir an, der Sultan habe ihn gerufen, um in den europäischen Blättern Stimmung für ihn zu machen. Ob ich da mithelfen könne? Ich antwortete evasiv. Zwischendurch kam er immer wieder auf die Denkwürdigkeiten seines Lebens zurück, die allerdings gross waren. Durch Disraeli wurde er Agent Englands. In der Türkei begann er als Sänger in Kaffeehäusern, anderthalb Jahre später war er Intimus des Grossveziers. Er könnte in Yildiz [in den Gemächern des Sultans] schlafen, meint aber, man könne ihn da ermorden. Er isst an des Sultans Tisch – in der Intimität mit den Fingern aus der Schüssel – aber er kann den Gedanken der Vergiftung nicht loskriegen. Und hundert andere solche pittoreske Sachen. Ich sagte ihm … schreiben Sie dem Sultan er möge mich empfangen, 1. weil ich ihm in der Presse Dienste leisten kann, 2. weil die blosse Thatsache meines Erscheinens ihm seinen Credit hebt. Am liebsten wäre mir, wenn Sie der Dolmetsch wären. Aber er fürchtet die Strapazen der Sommerreise. Meine Zeit war um. Es blieb im Ungewissen, ob er was thun wird … Aber er umarmte und küsste mich, als ich Abschied nahm … „
  • 19.11.1900–1.6.1983: Anna Seghers, Schriftstellerin, bürgerlich Netty Radványi, gebürtig Reiling, das Pseudonym „Seghers“ entlieh sie dem von ihr geschätzten niederländischen Radierer und Maler Hercules Pieterszoon/Pietersz Seghers (ca. 1590 – ca. 1638, auch: Segers); Anna Seghers wurde geboren in Mainz und starb in Berlin Ost; sie war das einzige Kind des Mainzer Kunsthändlers Isidor Reiling und seiner Frau Hedwig (geb. Fuld); die Familie bekannte sich zum orthodoxen Judentum; allerdings war das abgegriffenste Buch in der Familienbibliothek der Reilings die Lutherbibel; sie heiratete einen ungarischen Sozialisten, 1928 Mitglied der KPD; als Emigrantin seit 1933 in Frankreich und Mexiko; seit 1947 in Ostberlin, dort Nationalpreisträgerin und Präsidentin des Schriftstellerverbands; gegenüber dem Unrecht, vom DDR-Regime begangen an Walter Janka, dem Leiter des Aufbau-Verlags, der auch ihre Bücher verlegte, an Heiner Müller, an Wolf Biermann und vielen anderen, blieb sie stumm; ihre Parteitreue und unverhohlene Stalin-Begeisterung irritiert; Erzählungen und Romane (Auswahl): „Der Aufstand der Fischer von St. Barbara“, 1928; „Die Rettung“, 1937; „Das siebte Kreuz“, 1942; „Transit“, spanisch 1944, deutsch 1948; „Der Ausflug der toten Mädchen“, 1946; „Die Toten bleiben jung“, 1949; „Die Entscheidung“, 1959; „Das Vertrauen“, 1969; „Überfahrt“, 1971; „Steinzeitliche Wiederbegegnung“, 1977

Bücher

  • Salomon Bamberger, Historische Berichte über die Juden in der Stadt und des ehemaligen Fürstbistums Aschaffenburg, Strassburg 1900
  • M. Rosenmann, Jüdische Realpolitik in Oesterreich, Wien 1900
  • General Elections 1900. Opinions of Parliamentary Candidates on Zionism, hrsg. von der English Zionist Federation
  • Ludwig Müller, Aus fünf Jahrhunderten. Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinden im Ries, Augsburg 1900
  • Alphonse Levy, Geschichte der Juden in Sachsen, Berlin 1900
  • Robert Jaffe, Ahasver, Berlin 1900
  • Emil Kautzsch (Hrsg.), Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments, 2 Bde., Tübingen 1900 (in Verbindung mit Fachgenossen)
  • Prof. Hermann Leberecht Strack, Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit, 1900
  • Emil Kronberger, Zionisten und Christen. Ein Beitrag zur Erkenntnis des Zionismus, Leipzig 1900
  • Theodor Herzl, Philosophische Erzählungen, Berlin 1900 (Sammlung von 17 Feuilletons aus den Jahren 1887-1900)

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1900: Der Schadchen, in New York wöchentlich erscheinende, der Vermittlung jüdischer Ehen dienende Zeitschrift
  • 1900: Die von Herzl seit 1897 in Wien herausgegebene Welt bekommt eine ebenfalls in Wien wöchentlich herausgegebene jiddische Parallel-Ausgabe (die sich dann aber nur ein Jahr halten kann)
  • 1900: Israelitisches Wochenblatt, in Berlin wöchentlich in deutscher Sprache erscheinend
  • 1900–1934: Jüdische Volksstimme; Herausgeber: Max Hickl (1900-1920), Gustav Kohn (1920) u.a.; Redaktion: Jakob Fingermann, Isaak Zandner, Arnold Hickl u.a.; erschien seit Februar 1900 wöchentlich im Brünner Verlag von Max Hickl; zur Jahresmitte 1934 wurde das Blatt eingestellt; die "Jüdische Volksstimme" war 1900 von dem Brünner Verleger Max Hickl (1874-1924) ins Leben gerufen worden und fand ihr Hauptabsatzgebiet zunächst vor allem in den östlichen Regionen der k.u.k. Monarchie Österreich-Ungarn; neben Herzls "Welt" (1897-1914) wurde die Zeitschrift bald zum zweiten überregionalen Organ, das sich mit grosser Resonanz der Unterstützung des zionistischen Programms widmete; die Wochenschrift, die mit Änderung des Verlagsorts kurzzeitig unter dem Titel "Wiener Jüdische Volksstimme" erschien, richtete sich insbesondere an die jüdische Arbeiter- und Handwerkerschaft; berichtet wurde über alle Lebensbereiche und Tagesereignisse, die das Judentum bzw. den Zionismus bzw. den militanter werdenden Antisemitismus betrafen; einen besonderen Schwerpunkt bildete die Berichterstattung über das Ostjudentum, dessen gefährdete Existenz dem weitgehend assimilierten Westen vermittelt werden sollte
  • 1900–1935: Jung Juda, in Prag erschienen

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