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1898
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Ereignisse
- 1898: Gründung des Berliner TuS Makkabi (jüdischer „Turn- und Sportverein“ Makkabi), ebenso Gründung der "Jüdischen Turnerschaft" auf nationaljüdischer Basis, die 1921 im Deutschen Makkabikreis E. V. aufging (1935 waren es 133 Vereine mit ca. 22 000 Mitgliedern, einschl. Makkabi Hazair; seit 1934 eigenes Leistungsabzeichen, sportliche, aber auch geistige Prüfung)
- 1898: ebenfalls in Berlin gründet Heinrich Loewe den Turnverein "Bar Kochba"
- 1898: Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg gegründet
- 1898: Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands, gegründet 1898, Berufsorganisation der liberalen Rabbiner
- 1898: "Jordania. Einzelverein des Zion" von Isidor Schalit u. a. in Wien gegründet, Vereinigung jüdischer Handlungsgehilfen und Privatbeamter
- 1898: Tobias Marcus (auch: Tobias Markus) aus Meran war einer der ersten Zionisten Italiens (Meran gehörte seinerzeit allerdings noch zu Österreich), Meraner Vertreter auf dem 1. Zionistenkongress, seine Frau Bertha Marcus zählte zu den wenigen weiblichen Delegierten; im Jahr 1898 (genaues Datum unbekannt / Anfang September ?) riet Tobias Marcus Herzl zum Kontakt mit Arminius Vámbéry, um über diesen eine Audienz beim Sultan zu erlangen
- 1898: Frankreich. Antisemitische Massenunruhen, bei denen in Paris, Marseille, Nantes, Rouen, Lyon, Bordeaux und anderen Zentren Juden körperlich bedroht, ihre Synagogen und Geschäfte angegriffen und zum Teil demoliert wurden
- 1898: Judenverfolgungen in Algerien
- 1898: gegen Spanien (Spanisch-Amerikanischer Krieg) stritten 400 jüdische Freiwillige, darunter General Salomon, Major Weinstock
- um 1898: Elise Rosenberg Präsidentin des neugegründeten Frauenvereins "Chibas-Zion" in Caiuti/Rumänien (Cauitz/Moldavien)
- 1898: Otto Zarek geboren, Schriftsteller (Romane, Dramen)
- 1898: Paul Frischauer geboren, Schriftsteller (Prosa, Dramen)
- 1898: Joseph Kessel geboren, französisch-jüdischer Schriftsteller
- 5. Januar 1898: Premiere von Herzls „Das (neue) Ghetto“ am Wiener Carl-Theater (wurde in der gleichen Spielzeit 25 Mal aufgeführt)
- 13. Januar 1898: Émile Zola (Paris 1840 – Paris 1902; 1908 im Pantheon beigesetzt) versuchte am 13.1.1898 mit einem offenen Brief an den Staatspräsidenten, sein persönliches Prestige für den zu Unrecht als angeblichen prodeutschen Spion verurteilten Hauptmann Alfred Dreyfus einzusetzen. Dieser Brief (für ihre Ausgabe vom 13. Januar räumt die kleine, auf Literaturliebhaber spezialisierte Zeitung „L’Aurore“ ihre gesamte erste Seite und einen Teil der zweiten für einen der aggressivsten, polemischsten und erfolgreichsten Texte in der Geschichte des Journalismus frei, für das Meisterwerk des Emile Zola, seinen offenen Brief an Felix Faure, den Präsidenten der Republik; „L’Aurore“ hat normalerweise eine Auflage von 20 000 Exemplaren, an diesem Tag sind es 200 000; der Artikel trägt als Überschrift einen Satz, der im Text achtmal vorkommt wie der regelmässige Schlag einer Glocke: „J’Accuse“, ich klage an) mit dem Titel „J´Accuse“ entfachte einen ungeahnten innenpolitischen Sturm, der Frankreich für Jahre, oft bis in die Familien hinein, spaltete in „Dreyfusards“ und „Antidreyfusards“, d. h. ein progressives linkes Lager und ein konservatives rechtes, das zugleich militant nationalistisch und antisemitisch war. Zola selbst wurde noch 1898 vom Kriegsminister sowie von einigen Privatpersonen verklagt und in durchaus politischen Prozessen wegen „Diffamierung“ zu einer Geld- und (kurzen) Gefängnisstrafe verurteilt, der er sich jedoch durch Flucht nach London entzog, wo er fast ein Jahr blieb. Der Tod Zolas durch eine Rauchvergiftung in seiner Pariser Wohnung zu Beginn der Heizperiode 1902 war möglicherweise das Werk eines nationalistischen Ofensetzers, der im Sommer zu einer Reparatur dagewesen war. Sechs Jahre nach Zolas Tod wurden seine sterblichen Überreste in das Panthéon überführt, auch in Erinnerung an sein Engagement in der Affäre Dreyfus.
- 22.1.1898–11.2.1948: Sergej (Michailowitsch) Eisenstein, geb. in Riga, gest. in Moskau (an einem Herzinfarkt, der ihn mitten in seiner Arbeit am Text zur Geschichte des sowjetischen Films traf), russisch-jüdischer Filmregisseur (mit jüdisch-deutschbaltischen und russischen Vorfahren), schuf absolute Klassiker und gilt als einer der grössten Regisseure und Visionäre der Filmgeschichte; nach dem zweiten Weltkrieg wurde er Zielscheibe antisemitischer sowjetischer Propaganda, die weiteres kreatives Arbeiten unmöglich machte (seine Filme wurden zum Teil dann auch Opfer der Zensur); Eisenstein thematisierte in seinen Filmen das Spannungsverhältnis von Kollektiv und Individuum, trug dazu bei, den Film als eigenständige Kunstform zu etablieren, geriet – wie nicht anders zu erwarten – auch zeitweise in Konflikt mit der offiziellen sowjetischen Kunstpolitik; Filme (Auswahl): „Streik“, 1924; „Panzerkreuzer Potemkin“, 1925 (die berühmte Filmszene des die Treppe von Odessa herrenlos herunterrollenden Kinderwagens); „Oktober“ („Zehn Tage, die die Welt erschütterten“), 1927; „Das Alte und das Neue“, 1929; „Alexander Newsky“, 1938; „Iwan der Schreckliche“, Teil I (dafür den Stalinpreis), Teil II (Aufführungsverbot) und III (unvollendet), 1944-1946 (hierbei Zusammenarbeit mit dem Komponisten Sergej Prokofjew); neben seinem grossen cineastischen Werk hinterliess er auch zahlreiche Schriften zur Filmtheorie und Memoiren, die erst viele Jahre nach seinem Tod veröffentlicht wurden.
- 22.1.1898–2.11.2001: Rabbi Elasar Menachem Schach (Elazar oder Eleazar Menachem Shach / Rav Leizer Shach / Eliezer Schach; geb.in Wabolnick, nördliches Litauen, gest. in Tel Aviv; führender haredischer Rabbi in Israel, talmudische Kapazität, anerkannt und gefördert durch den Brisker Rav und durch Rabbi Isser Zalman Meltzer; Schach war Autor des Avi Ezri-Kommentars zur Mischne Tora des Rambam, war Rosch-Jeschiba der Ponevezh yeshiva in Bnei Brak, er hatte dort Tausende von Schülern, unter seinem Einfluss wurde das Vollzeitstudium jüdischer (haredischer) Männer in Jeschibot und Kollels (wieder) üblich und verbreitet; Elasar Schach war auch Gründer der Degel HaTorah und wurde von einigen als Gadol HaDor (höchster religiöser Führer der lebenden Generation) angesehen; Rabbi Schach war extrem antizionistisch und verachtete die säkulare israelische kulturelle Identität, bezeichnete beispielsweise in einer Rede 1990 Kibbuzbewohner als Kaninchen- und Schweinezüchter, die nicht wissen, was der Jom Kippur ist, er war auch gegen die Demokratie, die er ein Krebsgeschwür nannte; auch kritisierte er israelische Siedlungstätigkeit in West Bank und Gazastreifen, nannte sie einen eklatanten Versuch, die internationale Gemeinschaft zu provozieren, und appellierte an alle Haredim, sich von diesen Siedlungen fernzuhalten; Rabbi Schach war auch Gegner von Rabbi Menachem Mendel Schneerson, des Rebben der Chabad-Lubavitch-Bewegung, den er als Häretiker bezeichnete und seine Anhänger als Anhänger eines falschen Messias; in vielen jüdischen Fragen – Halacha, religiösen und praktischen Fragen – waren Schneerson und Schach vollkommen gegensätzlicher Meinung - Streitigkeiten, die sich unter den jeweiligen Anhängern multiplizierten; Rabbi Schach hatte drei Kinder, alle in den 1920er Jahren in Kletsk geboren: Miriam Raisel, Devorah und Ephraim; seine Frau, Rebbetzin Guttel Schach, starb 1969 an Komplikationen, die von ihrem Diabetes herrührten
- 25.1.1898: Aus einem Brief Herzls an Nordau (Nordau hatte Herzl mitgeteilt, dass er am 20.1.1898 die verwitwete Anna Kaufmann, eine protestantische Dänin, geheiratet habe, und Bedenken geäussert, wie dieser Umstand in jüdisch/zionistischen Kreisen aufgenommen würde ... [Textbasis unsicher, aus der blossen Erinnerung Nordaus]): "Zu Ihrer Vermählung wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen Glück ... Ihre Bedenken über die Aufnahme Ihrer Mischehe in jüdischen Zelotenkreisen sind vielleicht übertrieben. Ich glaube nicht, dass man in anständiger Denkweise und guter Logik Ihnen daraus einen Vorwurf machen kann. Was sind wir heute? Bürger des idealen Judenstaates, den wir auf die Erde zu setzen als den besten Inhalt unseres Lebens ansehen. Wäre unser Werk heute schon vollbracht, so wäre es doch wohl einem jüdischen Staatsbürger, das heisst einem Bürger des bestehenden Judenstaates, nicht verwehrt, eine Ausländerin zu heiraten. Sie würde dadurch eine Jüdin, ungeachtet der Konfession. Wenn sie Kinder haben, werden es Juden sein, was ja unter den gegenwärtigen Umständen auch nur bei den Söhnen in Betracht kommt. Uebrigens können Sie sich auf gute Beispiele berufen. Wenn ich nicht irre, war Moses mit einer Midianiterin vermählt. Und dann: Glauben Sie, dass ich mich einen Augenblick über den kommenden Umschlag in der Volksmeinung täusche? Sollte es uns gelingen, das Werk zu vollenden, so wird niemand so befeindet werden, wie Sie und ich. "Gott zerbricht die Werkzeuge, die er gebraucht!" ist ein schöner und gedankenvoller Spruch ... ";- Nordau selbst hatte am 22.1.1898 an Herzl geschrieben: " Ich ... halte Mischehen für durchaus unempfehlenswert. Würde ich meine Frau heute kennenlernen, hätte ich sie in den letzten anderthalb Jahren kennen gelernt, ich hätte jede aufkeimende Neigung in mir mannhaft bekämpft und mir gesagt, dass ich als Jude nicht das Recht habe, meine Gefühle frei walten zu lassen"
- Jahresanfang 1898: In Algerien kommt es im Zusammenhang mit dem Dreyfus-Prozess zu schweren Pogromen
- 8.2.1898–18.9.1975: Dr. Felix Weil (Lucio Felix José Weil), geb. in Buenos Aires, Argentinien, gest. in Dover, Delaware, USA, bedeutender deutsch-argentinischer Mäzen; er war der Sohn und Erbe des Multimillionärs und Getreidegrosshändlers Hermann Weil und von Rosa Weil; bereits mit neun Jahren war er Schüler des Goethe-Gymnasiums und studierte danach Nationalökonomie in Tübingen und Frankfurt am Main; 1919 wurde ihm die Promotion in Tübingen auf Grund seines revolutionär orientierten politischen Engagements verboten, und so promovierte er in Frankfurt am Main über Sozialisierung; er heiratete Käthe Badiert und zog für ein Jahr in sein Geburtsland Argentinien; 1922 organisierte Weil die „Erste marxistische Arbeitswoche“ in Ilmenau (Thüringen), an der zahlreiche namhafte Marxisten der 1920er-Jahre wie Georg Lukács, Karl Korsch, Karl August Wittfogel und Friedrich Pollock teilnahmen; bei diesem Treffen wurde der wissenschaftliche Grundstein für die Gründung des Institutes für Sozialforschung gelegt; er setzte grosse Teile seines Erbes für die wissenschaftliche sozialistische Theorienentwicklung ein und gründete 1924 in Frankfurt das Institut für Sozialforschung; dieses Institut erlangte im Verlauf der Studentenbewegung von 1968 einen legendären Ruf, deren Hauptexponenten und ihre Lehren wurden bald als "Frankfurter Schule" berühmt; seit 1945 lebte Felix Weil dauerhaft in Kalifornien; zuvor hatte er Vorlesungen gehalten und an der argentinischen Steuergesetzgebung mitgearbeitet; er übersetzte auch Paul Wilhelm Massings Standardwerk Rehearsal for Destruction: A Study Of Political Anti-Semitism in Imperial Germany in die deutsche Sprache; anlässlich seines 65. Geburtstages ehrte ihn die Stadt Frankfurt am Main mit ihrer Ehrenplakette; am 18. September 1975 verstarb er in Dover, Delaware
- 11.2.1898–30.5.1964: Leó Szilárd, geb. in Budapest, gest. in La Jolla, Kalifornien, US-amerikanischer Physiker und Molekularbiologe ungarisch-jüdischer Herkunft; er ist vor allem bekannt durch seine Beteiligung an der Konstruktion der ersten U.S.-amerikanischen Atombombe (Manhattan-Projekt); weniger bekannt ist die Tatsache, dass er nach erfolgreicher technischer Konstruktion der Bombe entschieden von ihrem Einsatz im Krieg abriet; den ersten Einsatz bei Hiroshima hielt er für einen Fehler, den zweiten bei Nagasaki für eine Grausamkeit; Szilárd war ein hochbegabter Theoretiker, ein ideenreicher rastloser Erfinder und Visonär und galt als originelle, z.T. skurrile Persönlichkeit; beunruhigt über die Erstarkung des Nationalsozialismus und Faschismus in Europa überredete er 1939 gemeinsam mit anderen Forschern Einstein, einen vorformulierten Brief an Präsident Roosevelt zu unterschreiben, in dem dieser dazu aufgefordert wurde, eine Atombombe entwickeln zu lassen, um einer möglichen Entwicklung von Nuklearwaffen durch Nazi-Deutschland zuvorzukommen; dieser Brief wird als ein entscheidendes Dokument für das Ingangkommen des Manhattan-Projektes zur Konstruktion der ersten Nuklearwaffen angesehen; drei andere am Manhattan-Projekt direkt oder indirekt beteiligte Personen hatten fast parallele Lebensläufe zu dem von Szilárd: Edward Teller, John von Neumann und Eugene Wigner; alle stammten aus Budapester jüdischen Familien mit deutschem kulturellem Hintergrund; alle waren aus Ungarn nach Deutschland emigriert, hatten dort studiert und intensiv wissenschaftlich gearbeitet, und alle hatten wegen des Nationalsozialismus 1933 erneut emigrieren müssen; Szilárd sprach aufgrund dieser Parallelen gelegentlich ironisch von einer „ungarischen Konspiration“; die vier Ungarn wurden von ihren amerikanischen Kollegen aufgrund ihrer scheinbar „ausserirdischen“ intellektuellen Fähigkeiten auch respektvoll Martians (Marsianer) genannt; gemeinsam mit Enrico Fermi erzeugte Szilárd am 2. Dezember 1942 die erste Kettenreaktion in einem Reaktor und damit den ersten funktionierenden Atomreaktor; Frédéric Joliot (Paris) erzielte ebenfalls in dieser Zeit eine Kettenreaktion; die wichtigsten Ergebnisse wurden trotz Szilárds Drängen auf Geheimhaltung erst von Joliot und schliesslich doch von allen Wissenschaftlern veröffentlicht; seine Patentrechte an der Atomenergie musste Szilárd 1943 auf Druck der U.S. Regierung an diese verkaufen; 1945 versuchte Szilárd vergeblich, den Einsatz der konstruierten Bomben in Gesprächen mit am Manhattan-Projekt beteiligten Physikern zu verhindern; er war auch einer der Mitunterzeichner des Franck Reports; vergeblich ersuchte er um Gesprächstermine bei den Präsidenten Roosevelt und Truman; unter dem Eindruck dieses "Sündenfalls" der modernen Physik, aber auch beeindruckt vom Fortschritt der Molekularbiologie, wandte sich Szilárd ab 1946 der Molekularbiologie zu; hier forschte er vor allem an Bakteriophagen und Bakterien und widmete sich Fragen der theoretischen Biologie; die für ihn charakteristische Exzentrizität kam noch einmal zum Vorschein, als er 1959 an Blasenkrebs erkrankte; er unterzog sich daraufhin einer selbstentworfenen Strahlentherapie am Memorial Hospital in New York City und wurde tatsächlich geheilt; in seinen späteren Lebensjahren war er in der Bewegung für internationale Abrüstung aktiv und u. a. Teilnehmer an mehreren Pugwash-Konferenzen; er übte z.T. heftige öffentliche Kritik an der Politik der U.S. Administration; Szilárd war auch ein brillanter Schriftsteller, der seine Gedanken sogar in einigen wenigen Science-Fiction-Kurzgeschichten zu Papier brachte, die von Kennern der Materie als absolute Klassiker des Genres angesehen werden
- August 1898: Herzl beendet das gesellschaftskritische Lustspiel „Unser Käthchen“ (unter dem Arbeitstitel „Die Fleischtöpfe Ägyptens“ hatte er an dieser bitteren, nicht ganz von autobiographischen Elementen freien Ehekomödie seit Juni 1891 immer wieder gearbeitet); am 3.2.1899 wurde es im Wiener Deutschen Volkstheater uraufgeführt (nachdem es kurz zuvor im Kaiserlichen Burgtheater Wien verboten worden war) und im Juni 1899 auch in Prag gespielt
- 30. August 1898: Major Hubert Joseph Henry gesteht, die Unterlagen gefälscht zu haben, die den angeblichen Landesverrat von Dreyfus „bewiesen“ hatten; am folgenden Tag nimmt sich Henry das Leben.
- 2. September 1898: Herzl mit Hechler beim Grossherzog von Baden auf Schloss Meinau (zweistündige gute, „hochpolitische“ Unterredung)
- 16. September 1898: Herzl bei Philipp Eulenburg
- 16.9.1898–24.3.1973: Chajim Hasas, israelischer Schriftsteller.
- 18. September 1898: Herzl bei Bernhard von Bülow, dem deutschen Minister des Auswärtigen
- 27. September 1898: Herzl war es gelungen, über den Grossherzog Friedrich von Baden Zugang zum deutschen Kaiser zu erhalten. Wilhelm II. liess ihm im September 1898 (Brief Eulenburgs aus Rominten/Ostpreussen 27.9.1898 und „Geheime Nachschrift“ vom 28.9.1898) durch den Grafen Philipp Eulenburg, damals Botschafter in Wien, seine Bereitschaft zusichern, ihn auf seiner bevorstehenden Reise nach Konstantinopel und Palästina zu empfangen, sich beim Sultan für ihn bzw. für die zionistische Sache zu verwenden und selbst das Protektorat über die für die Besiedlung des Landes zu gründende Landgesellschaft zu übernehmen.
- 7. Oktober 1898: Herzl bei Eulenburg auf dessen Rittergut Liebenberg (Mark Brandenburg, nördlich von Berlin); Eulenburg versichert nochmals, dass er den Kaiser für die zionistische Sache „warm gemacht“ habe, der Kaiser „wünsche eine Deputation der Zionisten in Jerusalem zu empfangen“
- 8. Oktober 1898: Herzl bei von Bülow, wird dort dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe vorgestellt
- 14. Oktober 1898: Herzl reist mit dem Zug nach Konstantinopel; von Ben-Jehuda hatte er eine Warnung erhalten, man könne in Palästina Herzl nach dem Leben trachten
- Oktober 1898: Kaiser Wilhelm II. nimmt bei seinem Palästinabesuch die Grundsteinlegung der Dormitio (-Sanctae-Mariae) Kirche in Jerusalem vor (der Name knüpft an eine Überlieferung, dass Maria an diesem Ort entschlafen sei), die dann in den Jahren 1901 bis 1910 in romanischem Stil erbaut wurde; sie wurde und wird von Benediktinern betreut; das Grundstück der „Dormition“, auf dem sie errichtet wurde – ein Teilstück des Jerusalemer Zionsbergs – hatte Sultan Abd ul-Hamid dem deutschen Kaiser geschenkt, der es seinerseits den deutschen Katholiken überliess
- 18. Oktober 1898: Herzl wird am Nachmittag in Stambul von Kaiser Wilhelm II. in Privataudienz empfangen. Bülow ist auch zugegen. Die Unterredung dauerte eine knappe Stunde. Der Kaiser erklärt Herzl, dass und warum ihm die „zionistische Bewegung“ (eine Vokabel, die er schon flüssig und selbstverständlich benutzt) zusage; Bülow ist dagegen, darf aber nicht „Nein“ sagen, weil der Kaiser dafür ist. Das in freier Atmosphäre geführte Gespräch bot Herzl Gelegenheit, alle seine Argumente auszubreiten und den Kaiser für sich einzunehmen. Wolffsohn hatte draussen im Wagen in nervöser Aufregung gewartet. Im Hôtel de Londres warteten Schnirer, Seidener, Bodenheimer ebenfalls in grosser Aufregung auf den Ausgang dieser wichtigen Unterredung.
- 27. Oktober 1898: Ankunft der Delegation (Herzl, Wolffsohn, Bodenheimer, Joseph Seidener, Moses Schnirer) in Rischon le Zion. Die Reise per Schiff hatte folgende Route gehabt: von Konstantinopel über Smyrna, Piräus nach Alexandria und von dort über Port Said nach Jaffa; Herzl sollte und durfte in Palästina nicht im Namen der Jerusalemer Juden sprechen; ein entsprechendes Schreiben hatte der Oberrabbiner von Konstantinopel (Chacham baschi Moses ha-Levi) an seinen Kollegen in Jerusalem (Elisar) geschickt; davon, Herzl offiziös zu bannen (wie Herzl befürchtete), war aber keine Rede
- 28. Oktober 1898: erstes – eher zufälliges – Zusammentreffen des Kaisers mit Herzl in Mikwe-Israel; der Kaiser mit Gefolge zu Pferde; Herzl lässt den Schülerchor von Mikwe die „preussische Hymne“ „Heil dir im Siegerkranz“ absingen; diese kurze, nichtssagende Unterredung zwischen Herzl und dem deutschen Kaiser in Mikwe-Israel wurde fotografisch von Wolffsohn so stümperhaft festgehalten, dass man aus zwei misslungenen Bildern notdürftig eine Fotomontage erstellte. Diese diente v. a. dazu, das Ansehen Herzls unter den Juden Europas zu stärken und dort für das zionistische Anliegen zu werben. Doch inhaltlich war diese und die folgende Begegnung eine herbe Enttäuschung, der Kaiser vermied jede Aussage, die als Unterstützung des Zionismus ausgelegt werden könnte. Unter dem Eindruck des türkischen Widerstands gegen die zionistischen Pläne und beeinflusst durch den Aussenminister Bernhard von Bülow, der über die ablehnende Haltung der reichen Juden informiert war und die deutsche Aussenpolitik nicht in ein ihm darum aussichtslos erscheinendes Unternehmen verstrickt sehen wollte, blieben die Unterredungen ohne weitere Folgen. Die deutsche Aussenpolitik hat sich in den beiden folgenden Jahrzehnten den zionistischen Bestrebungen gegenüber kühl verhalten.
- 29.10.1898: Kaiser Wilhelm II. reitet majestätisch in Jerusalem ein: in schneeweisser Paradeuniform auf einem schwarzen Hengst durch eine eigens für ihn in die mittelalterlichen Stadtmauern geschlagene Bresche am Jaffa-Tor.
- 31.10.1898: Die deutsche evangelische Erlöserkirche, in Jerusalem unweit der Grabeskirche gelegen, wird in Gegenwart des deutschen Kaiserpaares geweiht. Herzl bleibt auf dem Hotelzimmer, um nicht von seinen jüdischen Kritikern mit diesem Ereignis in Verbindung gebracht werden zu können.
- 2.11.1898: Am 2.11.1898 kamen Herzl (mit der Delegation) und Wilhelm II. (auch Bülow war anwesend) zum letzten Mal zusammen (die vereinbarte Audienz, bei der Herzl eine vorbereitete und zuvor in geänderter Fassung genehmigte Rede vorlas, anschliessend einige wenige Minuten unverbindliches Geplauder). Der Eindruck verstärkte sich, dass der Kaiser trotz diplomatisch freundlicher Worte mittlerweile sein Interesse am Zionismus verloren hatte, weil er sein Bündnis mit dem Osmanischen Reich nicht aufs Spiel setzen wollte.
- 1898–1933: Rudolf Hallo, Kunsthistoriker in Kassel, schrieb u. a. eine Abhandlung zur jüdischen Kunstgeschichte
Bücher
- Ludwig (= Lajos) Blau, Das Altjüdische Zauberwesen, Strasbourg 1898
- Riehm, Handwörterbuch des biblischen Altertums (2. Aufl. 1898)
- Salomon Carlebach, Geschichte der Juden in Lübeck und Moisling, 1898
- Adolf Eckstein, Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg, Bamberg 1898
- Armin Human, Geschichte der Juden im Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen, Hildburghausen 1898
- Leopold Löwenstein, Nathanael Weil, Oberrabbiner in Karlsruhe und seine Familie, Frankfurt/M. 1898
- Bernard Friedberg, Keser Kehuna. Geschichte des Stammbaumes des berühmten Casuisten Sabbatai Cohen, Verfasser des "Sifse Kohen", seine Biographie, nebst Biographien seiner Enkel und seiner ganzen Nachkommenschaft, Drohobycz 1898 (hebr.)
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Galizien, Wien 1898
Zeitungen und Zeitschriften
- 1898: Israelitisches Familienblatt bzw. Hamburger Israelitisches Familienblatt von Max Lessmann in Hamburg gegründet, erschien wöchentlich (später in Berlin) als jüdisch-neutrales Unterhaltungsblatt mit Sonderausgaben für Berlin, Frankfurt/M., Hamburg (Auflage 1935: 37 000, Red. Dr. Alfred Kupferberg) (erschien bis 1938)
- 1898: Freies Wort, in Liverpool in jiddischer Sprache erscheinendes anarchistisches Blatt
- 1898: La Verdad, in Sofia wöchentlich in spaniolischer Sprache erscheinende Zeitschrift wissenschaftlichen Charakters
- 1898: Der Widerhall, frühe jiddische Zeitung in Argentinien
1898 in Wikipedia
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