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1897

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Ereignisse

  • 1897: Schekel; der vom ersten Zionistenkongress eingeführte jährliche Mitgliedsbeitrag für die zionistische Organisation; der Name wurde von der alten jüdischen Münze genommen (Gewichtseinheit, altisraelitische Silbermünze, seit der Makkabäerzeit geprägt, der halbe Schekel war die vorgeschriebene Tempelabgabe), später dann Währung im Staat Israel
  • 1897: Gründung der Deutschen Palästinabank als Zweig der Deutschen Orientbank; Niederlassungen in Jerusalem, Jaffa, Haifa und Beirut
  • 1897: Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands, gegründet 1897 von Israel Hildesheimer, Berlin, förderte durch Gedankenaustausch und gemeinsame Unternehmungen die Interessen des überlieferten Judentums in den deutschen Gemeinden
  • 1897: Manoli. Name einer deutschen Zigarettenfabrik, von Jakob Mandelbaum gegründet (zunächst als "Zigaretten-Fabrik Argos"), seit 1897 unter dem Namen Manoli; seit 1898 machte auf einem Gebäude am Berliner Alexanderplatz das so genannte Manoli-Rad mit einem Radius von zweieinhalb Metern Leucht-Werbung für eines der grössten Tabak-Häuser in Deutschland, es war nach der Ehefrau seines Gründers und Besitzers Jakob Mandelbaum benannt, sie hiess Ilona M. - rückwärts gelesen: Manoli; nach dieser bisher unbekannten Leuchtwerbung, bei der im Logo die Buchstaben einen bunten Lichtkreis durchwanderten, entstand die Redensart "du bist wohl manoli" für überdreht, verrückt
  • 1897: Alexander Hirschl (Kaufmann in Belgrad, entfernter Verwandter Theodor Herzls) in Belgrad zum Vorsteher der aschkenasisch-serbischen Gemeinde gewählt
  • 1897: Judenverfolgungen in Algerien
  • 29.8.1897-31.8.1897: Erster zionistischer Weltkongress in Basel, an dem 204 festlich gekleidete Vertreter des Judentums aus allen Ländern der Welt teilnehmen; Verabschiedung des Basler Programms mit dem Ziel, „eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte des jüdischen Volkes“ in Palästina zu schaffen. – Herzl hatte es auch verstanden, die würdige Atmosphäre des Kongresses dadurch zu steigern, dass er „Frack und weisse Halsbinde“ zumindest für die Eröffnungssitzung vorschrieb, Nordau musste er förmlich überreden und ihn bitten, ihm – Herzl – zu Liebe sich entsprechend umzuziehen: „Er liess sich umstimmen, wofür ich ihn dankbar umarmte. Nach einer Viertelstunde kam er im Frack wieder“; Nordau hielt dann eine grandiose Rede beim ersten Kongress: „Ich [Herzl] gab Nordau das Wort. Er sprach herrlich. Seine Rede ist u. bleibt ein Denkmal aus unserer Zeit. Als er wieder zum Präsidialtisch hinaufkam ging ich ihm entgegen u. sagte ihm: Monumentum aere perennius“ [„ein Monument, dauerhafter als Erz“, nach einem bekannten Horaz-Vers“]; - nach Abschluss des Kongresses schrieb Herzl in sein Tagebuch die denkwürdigen (und prophetisch zutreffenden!) Worte (3.9.1897, Wien): „Fasse ich den Baseler Congress in ein Wort zusammen – das ich mich hüten werde öffentlich auszusprechen – so ist es dieses: in Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig wird es Jeder einsehen.“ Das "(engere) Actionscomité" war gebildet aus: Dr. Herzl, Dr. Schnirer, J. Kremenezky, Kokesch, Dr. Mintz; - am ersten Kongress nahmen auch 14 Frauen teil: Rachel Alcalay (Belgrad), Blanche Bahar (Paris), Ernestine-Esther Ehrenpreis (Djakovar), Sara Gitelewitz (Marjapol), Klara Hirschensohn (Jassy), Dr. Wilhelmine Kornblüh (Freistadt), Bertha Markus (Meran), M. Reinus (Zürich), Klara Schapira (Heidelberg), Esther Schlaposchnikow (Charkow), Maria Sokolow (Warschau), Rosa Sonnenschein (New York), Hulda Tomaschewsky (Berlin), Antonia Zimmern (Ashfore) – ; Israel Zangwill fasste seine Eindrücke vom ersten Zionistenkongress in die Worte: "Die Juden sassen an den Flüssen Babylons und haben geweint, als sie an Zion dachten. Am Rhein bei Basel haben sie beschlossen, nicht mehr zu weinen"; die deutsche Delegation verfasste einen Kongressbericht, den sie auch dem Kaiser zuschickte; Wilhelm II. notierte eigenhändig darauf: "Ich bin sehr dafür, dass die Mauschels nach Palästina gehen, je eher sie dorthin gehen, desto besser. Ich werde ihnen keine Schwierigkeiten in den Weg legen"; - von 1897-1901 wurden jährliche, danach zweijährliche Versammlungen der Delegierten aller zionistischen Teilorganisationen und Parteien veranstaltet; zwischen 1939-1946 mussten sie entfallen, seither findet der „World Jewish Congress“ nach Bedarf statt
  • 22. Oktober 1897: Brief Herzls an Kaiser Wilhelm II. in Berlin: [Bitte um Audienz] " ... Blätter verschiedenster Richtung ... stimmten darin überein, dass eine solche Conferenz [zur Judenfrage] nötig sei. Abgesehen davon, dass mit der Judenfrage auch ein Stück Orientfrage gelöst würde, wäre eine coloniale Ableitung des nicht resorbirbaren Theiles der Judenschaft eine Erleichterung für die meisten Länder, wo die Juden entweder in schwerem materiellen Elend verkommen, oder durch die gesellschaftliche Aechtung den Umsturzparteien zugedrängt werden, oder endlich den Finanzverkehr in einer von uns Nicht-Geldjuden selbst tief bedauerten Weise beherrschen ... Unsere heute schon weit verbreitete Bewegung hat überall einen erbitterten Kampf mit den Umsturzparteien zu bestehen, die in ihr mit Recht einen Feind wittern. Wir brauchen eine Ermuthigung, wäre es auch nur eine sorgfältig geheimzuhaltende. Ich setze alle Hoffnung auf den Kaiser, der mit weltweitem Blick über die Meere schaut und von dessen Thaten die Geschichte gerade diejenigen am höchsten preisen wird, die von kleinen Leuten der Gegenwart nicht verstanden werden. Wann und wohin immer Ew. Majestät mich zur Audienz befehlen, werde ich unverzüglich zur Stelle sein ..."
  • 31. Oktober 1897: Frankfurter Konferenz [in Frankfurt am Main] der deutschen Zionisten, auf der sich aus der in Bingen gegründeten "National-Jüdischen Vereinigung für Deutschland" die "Zionistische Vereinigung für Deutschland" konstituierte; dies geschah auf Anraten Hermann Schapiras: "Ich habe ... den Freunden in Köln den Antrag gestellt, sie mögen ihre Benennung "National-jüdische Vereinigung", welche ganz sinnlose Wuth veranlasst, ohne irgend welchen Nutzen zu bringen und ohne, dass der Ausdruck in dem vom Congress sanctionierten Programm enthalten ist, fallen lassen und dafür lieber etwa "Zionistische Vereinigung" anzunehmen (Brief Schapiras vom 15.10.1897 an Herzl)
  • 29.11.1897: Herzl erhält Brief vom Grossherzog von Baden, in dem dieser ihm mitteilt, der deutsche Kaiser könne Herzl nicht empfangen, würde sich aber freuen, dessen Schrift über den Basler Congress zu lesen; Herzl schickt daraufhin seine für den Kaiser bestimmte Broschüre „Der Baseler Congress“ mit Brief vom 1. Dezember an Friedrich Karl Hermann von Lucanus, den Chef des Zivilkabinetts von Kaiser Wilhelm II.

Bücher

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1897: Gut Woch, in Berlin wöchentlich [geplant] in deutscher Sprache erscheinendes antizionistisches Witzblatt (nur 1 Nr. erschienen)
  • 1897: Der Zionist, in New York erscheinende zionistische Monatsschrift in jiddischer Sprache
  • 1897: Toleranz, in New York erscheinendes zionistisches Blatt in jiddischer Sprache