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1896
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Ereignisse
- 17.1.1896: Herzls erster zionistischer Artikel im Jewish Chronicle ("A solution of the Jewish Question") erscheint
- 7.2.1896: Im niederösterreichischen Landtag fordert der Abgeordnete v. Pacher (Paul Pacher von Theinburg, Führer der Deutschnationalen; kandidierte auch gegen Lueger für das Amt des Wiener Bürgermeisters), dass Jedem, der nachweisbar von jüdischen Vorfahren abstammt, das Bürgerrecht entzogen werden könne.
- 10.2.1896: Herzl liest erstmals Pinskers „Autoemancipation“ und findet „verblüffende Uebereinstimmung im kritischen, grosse Aehnlichkeit im constructiven Theil“ – „Schade, dass ich die Schrift nicht vor dem Imprimatur der meinigen gelesen habe. Und doch wieder gut, dass ich sie nicht kannte – ich hätte mein Werk vielleicht unterlassen …“
- 14.2.1896: Nationaljüdische Strömung. Unter dem Eindruck der Dreyfus-Affäre in Frankreich schreibt Theodor Herzl sein am Freitag, dem 14. Februar 1896, im Verlag Max Breitensteins, Leipzig und Wien (nachdem Cronbach in Berlin und Duncker & Humblot abgelehnt hatten) erschienenes Buch „Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage“ und begründete damit den politischen Zionismus (oder besser: gab ihm die entscheidende Wende). Kernthese des Buches: Die Gründung eines jüdischen Staates sei notwendig und durchführbar. – Aus der Vorrede: „Ist das, was ich sage, heute noch nicht richtig? Bin ich meiner Zeit voraus? Sind die Leiden der Juden noch nicht gross genug? Wir werden sehen. Es hängt also von den Juden selbst ab, ob diese Staatsschrift vorläufig nur ein Staatsroman ist. Wenn die jetzige Generation noch zu dumpf ist, wird eine andere, höhere, bessere kommen. Die Juden, die wollen, werden ihren Staat haben und sie werden ihn verdienen.“
- Februar 1896: Herzl wird von Joseph Samuel Bloch zum Vortrag in die bisher antizionistische Österreichisch-Israelitische Union eingeladen; Bloch war – obwohl er sich Dritten gegenüber rühmte, Teile von Herzls „Judenstaat“ ihm eingegeben zu haben (in Wahrheit war jedes Wort von Herzl selbst) – vorher strikt antizionistisch eingestellt, bekannte aber, nun von Herzl komplett zum Zionismus bekehrt worden und nun bereit zu sein, „seine Liegenschaften mit Verlust zu verkaufen und hinüberzugehen …“
- März 1896: Kontakt Herzls zu Bertha von Suttner und zu Marie Ebner-Eschenbach
- 23.4.1896: Herzl mit Hechler beim Grossherzog von Baden in Karlsruhe, zweieinhalbstündige Audienz, ruhiges, sachliches Gespräch; im Grundsatz stimmte der Grossherzog zu
- Mai 1896: erstes ortsfestes Kino in Deutschland, das noch nicht „Kino“ hiess; man ging nicht ins Kino, sondern zum „Kinematographen“, um sich „lebende Photographien“ anzusehen; auf den Schriftsteller Leo Leipziger („Roland von Berlin“) geht (angeblich) die Gründung dieses ersten Kinematographen in Berlin zurück
- 19.5.1896: Herzl hat eine Audienz beim päpstlichen Nuntius Agliardi; dieser zurückhaltend bis ablehnend
- 19.6.1896: Herzl mit Newlinski (Philipp Michael von/de Newlinski / auch: Michael Philipp de Newlinski, 1841-1899, ehemaliger österreichischer Diplomat mit guten Beziehungen zur Hohen Pforte, der sich von Herzl für seine Vermittlungsdienste ein Gut in Galizien versprechen liess) in Stambul, um beim Sultan (Abd ul-Hamid II.) vorzusprechen; abends kommt Newlinski, der zunächst allein beim Sultan war, zurück und berichtet Herzl: „Es ist nichts. Der grosse Herr will nicht darauf eingehen!“ Der Sultan habe gesagt: „Wenn Herr Herzl in solchem Masse Ihr Freund ist, wie Sie der meinige, dann rathen Sie ihm, keinen Schritt weiter in dieser Sache zu thun. Ich kann keinen Fuss breit Landes veräussern, denn es gehört nicht mir, sondern meinem Volke. Mein Volk hat dieses Reich mit seinem Blut erkämpft und gedüngt. Wir müssen es wieder mit unserem Blut bedecken, bevor man es uns entreisst. Zwei meiner Regimenter aus Syrien und Palästina haben sich Mann für Mann bei Plewna umbringen lassen. Gewichen ist keiner, alle Mann sind todt auf diesem Schlachtfeld geblieben. Das türkische Reich gehört nicht mir, sondern dem türkischen Volke. Ich kann davon nichts hergeben. Die Juden sollen sich ihre Milliarden aufsparen. Wenn mein Reich zertheilt wird, bekommen sie vielleicht Palästina umsonst. Aber theilen wird man erst unseren Cadaver. Eine Vivisection gebe ich nicht zu.“ Der Sultan empfing Herzl nicht, auch weil er sich über Bacher und die Neue Freie Presse sehr geärgert hatte, die es nicht unterliess, den Sultan in ihren redaktionellen Berichten scharf anzugreifen; er stellte ihm aber eine Audienz „als Freund“ in Aussicht, nachdem er ihm „Dienste“ geleistet haben würde, nämlich als Journalist darauf hinzuwirken, dass man in europäischen Blättern (London, Paris, Berlin, Wien) die „armenische Frage türkenfreundlicher behandle“; (Herzl:) „theils möge ich direct auf die armenischen Führer einwirken, zu dem Zwecke, dass sie sich ihm [dem Sultan] unterwerfen, worauf er ihnen alle möglichen Zugeständnisse machen wolle“; Herzl war dazu bereit, bestand aber auf einer Audienz – zuvor – um mit dem Sultan diesbezüglich alles Nötige zu besprechen und sich direkt instruieren zu lassen; die Audienz kam nicht zustande (wenngleich Newlinski wiederholt Zugang zum Sultan hatte)
- 21.6.1896: Herzl mit Newlinski bei Izzet Bey (vgl. zu seiner Person unter 1924) zu einer absichtlich belanglosen Unterredung aus reiner Höflichkeit. Schöne Szene nach der Verabschiedung (in Herzls Erinnerungen:) „Newlinski hatte mir vorher gesagt, dass man allen Dienern Bakschisch geben müsse. Izzets Diener nahm im Wandelgang des ersten Stockes zwei Medschidies [Goldmünze im Wert von einem türkischen Pfund], der Diener im Erdgeschoss, der meinen Stock gehalten hatte, nahm eine Medschidie. Am Yildizausgang aber wurde die Sache komisch. Da befanden sich zwei Thürsteher. Als ich in die Tasche griff, hielten sie Beide nebeneinander die Hand auf, und ich verzögerte absichtlich die Gabe um einige Sekunden, um das symbolische Schauspiel dieser Bakschischiden am Hofthor etwas länger zu geniessen. Jeder bekam eine Medschidie“
- 22.9.1896–8.5.1981: U. Z. Grünberg, neuhebräischer und jiddischer Dichter und Politiker
- 27.12.1896-18.1.1977: Carl Zuckmayer, geb. in Nackenheim (Rheinhessen), gest. in Visp (Wallis, Schweiz), deutscher Schriftsteller (die Mutter stammte aus einer assimilierten jüdischen Familie); 1939-1946 im Exil in den USA, seit 1958 in der Schweiz; erfolgreich mit bühnenwirksamen, lebensnahen und Zeitprobleme behandelnden Stücken: „Der fröhliche Weinberg“, 1925; „Schinderhannes“, 1927; „Katharina Knie“, 1929; „Der Hauptmann von Köpenick“, 1930; „Des Teufels General“, 1946; „Barbara Blomberg“, 1949; „Der Gesang im Feuerofen“, 1950; „Das kalte Licht“, 1955; Lyrik: „Der Baum“, 1926; „Gedichte“, 1960; Erzähltes: „Der Seelenbräu“, 1945; „Die Fastnachtsbeichte“, 1959; „Als wär’s ein Stück von mir“ (Erinnerungen, 1966)
- 1896–1981: Uri Zwi Greenberg, jüdischer Dichter. - Als Sohn einer chassidischen Familie wurde Uri Zwi Greenberg in Lemberg erzogen und erhielt eine traditionelle religiöse Erziehung. Vor seinem zwanzigsten Lebensjahr erschienen seine ersten, in jiddischer und hebräischer Sprache geschriebenen Gedichte. 1915 wurde er in die österreichische Armee eingezogen und diente in ihr, bis er zwei Jahre später desertierte. Als Greenberg nach Lemberg zurückkehrte, wurde er Zeuge des Pogroms vom November 1918, eine Erfahrung, die ihn nachhaltig beeinflusste. Greenberg lebte in Warschau und Berlin, schrieb und publizierte weiterhin auf Hebräisch und Jiddisch. 1924 übersiedelte er nach Eretz Israel und schrieb ab diesem Zeitpunkt nur mehr in hebräischer Sprache. Obwohl er anfangs als Dichter der Arbeiterbewegung und als regelmässiger Beitragender zu „Dawar", der Tageszeitung der Arbeiterpartei, gesehen wurde, distanzierte sich Greenberg gegen Ende der Zwanzigerjahre von der politischen Führung des Jischuw und wandte sich den Revisionisten zu. Nach den arabischen Aufständen von 1929 wurde er eines der extremsten Parteimitglieder und einige Jahre lang ihr Repräsentant in Polen und auf Zionistischen Kongressen. In den Dreissigerjahren und besonders nach den Unruhen von 1936 bedauerte Greenberg, was er für eine übertrieben gemässigte Reaktion des Jischuw und eine ehrerbietige, selbstbeherrschte Haltung den Briten und Arabern gegenüber hielt. Greenberg, der sich beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Polen aufhielt, schaffte die Flucht nach Eretz Israel, aber der Rest seiner Familie wurde während der Schoa ermordet. In seinem jiddischen Gedicht "Im Malchus fun Tselem" - "Im Königreich des Kreuzes", 1922, hatte Greenberg bereits die Vernichtung des europäischen Judentums vorausgesehen und davor gewarnt. So war die Schoa für ihn das tragische, aber fast unausweichliche Ergebnis der Gleichgültigkeit der Juden gegenüber ihrem Schicksal. Bereits von da an ist seine Dichtung Ausdruck von Schreckensvisionen: "Der Leichenturm" (1936). In "Rehovot ha Nahar" (1951) schrieb Greenberg einen der bewegendsten Trauergesänge über den Holocaust. Die Tragödie war für ihn der logische Höhepunkt der zweitausendjährigen Konfrontation zwischen Kreuz und Davidstern. Die sechs Millionen Toten sind die unüberwindbare Barriere, die für ewige Zeiten Juden und Christen trennen wird. Der Holocaust stellt nicht nur die Theodizee Gottes in Frage, sondern erscheint als ein schrecklicher Streich, den Gott und die Geschichte den Juden spielten: "Du hast versprochen, eines Tages zu kommen, sie zu sammeln und stolz nach Zion zu führen und ihr Königreich wiederzuerrichten, ihren König zu erheben. Aber, siehe da, du bist nicht gekommen, oh Gott. Der Feind kam und sammelte sie alle, eine Sammlung der Exilierten für die Vernichtung. Jetzt ist Erlösung nicht nötig. Bleib sitzen, Gott, in deinen Himmeln." Aber Greenbergs Gott bewegt sich ausserhalb der rationalen Dimension, und plötzlich erhascht der Dichter die Vision vom Kommen des Messias. Die göttliche Geschichte ist Teil der jüdischen Geschichte und basiert auf einem Paradoxon: Aus der Asche der Krematorien wird die Erlösung aufsteigen, aus der Verzweiflung Glaube. Der Holocaust und die jüdische Souveränität sind zwei Seiten derselben Medaille der Geschichte. Für Greenberg sind die Idee von Judentum sowie der wesentliche, unantastbare Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden die Grundlage seines Denkens. Greenberg glaubte, dass der Bund mit Abraham, der später mit den Juden am Sinai erneuert wurde, die Basis des jüdischen Daseins darstellt. Es kann nicht geleugnet werden, dass göttliche Erwählung und alles, was Juden im Geist der messianischen Erlösung tun, den Sinn hat, die Bedeutung der Erwähltheit zu fördern und zu realisieren. Die Vergangenheit ist die Grundlage der Zukunft, und das Königreich Israel, das unter David seinen Zenit erreichte, wird wiederbelebt werden. Daher kommt Greenbergs Antipathie gegenüber einer humanistischen oder universalistischen Annäherung an das Judentum; im Gegenteil: jüdisch sein bedeutet, von Nichtjuden verschieden und fern zu sein. Wenn Juden ihren Weg ignorieren, führt dies zu einer Fortsetzung der Gewalt ihnen gegenüber, wie es die Geschichte immer wieder gezeigt hat. Greenberg beschuldigte die Welt für ihr Schweigen während der Schoa, und die Juden beschuldigte er für ihre Blindheit. Indem sie das Land ihrer Väter besiedeln, hilft ihnen der Zionismus, die ihnen versprochene Erlösung zu verwirklichen. Für Greenberg liegt der Sinn der hebräischen Poesie darin, die messianische Vision auszudrücken. Greenberg hielt sein ganzes Leben an der rechtsgerichteten Politik fest. In der Mandatszeit war er Mitglied des Irgun und nach der Staatsgründung für die Cherut Partei in der Ersten Knesset. Nach dem Sechs-Tage-Krieg schloss er sich dem „Gross-Israel"-Lager an. Trotz seiner, wie viele meinten, extremen politischen Ansichten war sein Werk anerkannt. 1957 wurde er für seine Beiträge zur hebräischen Literatur mit dem Israel Preis ausgezeichnet. 1976 hielt die Knesset zu seinem achtzigsten Geburtstag eine Ehrensitzung.
Bücher
- W. Bacher, Die Bibelexegese Moses Maimûnis, Budapest 1896
- D. Kaufmann (Hrsg.), Die Memoiren der Glückel von Hameln 1645-1719, Frankfurt 1896 (jidd.)
- Philonis Alexandrini opera quae supersunt, ed. L. Cohn-P. Wendland-S. Reiter, 7 Bände, Berlin 1896-1930
Zeitungen und Zeitschriften
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