Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzy­klo­pädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

How to read Jewiki in your desired language · Comment lire Jewiki dans votre langue préférée · Cómo leer Jewiki en su idioma preferido · בשפה הרצויה Jewiki כיצד לקרוא · Как читать Jewiki на предпочитаемом вами языке · كيف تقرأ Jewiki باللغة التي تريدها · Como ler o Jewiki na sua língua preferida

1891

Aus Jewiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Portal Geschichte | Portal Biografien | Aktuelle Ereignisse | Jahreskalender

| 18. Jahrhundert | 19. Jahrhundert | 20. Jahrhundert |
| 1860er | 1870er | 1880er | 1890er | 1900er | 1910er | 1920er |
◄◄ | | 1887 | 1888 | 1889 | 1890 | 1891 | 1892 | 1893 | 1894 | 1895 | | ►►

Ereignisse

  • 1891: Viele Juden zogen es vor, in nichtreligiösen und nichtnationalistischen Gruppen mitzuarbeiten, z. B. dem linksliberalen „Verein für Sozialpolitik“. Sie hofften, durch Anpassung und Verbergen ihres Judeseins bis hin zur Selbstaufgabe von Nichtjuden akzeptiert zu werden. Sie hatten die rechtliche Gleichstellung nur um den Preis ihres „Nationalbewusstseins" erhalten und bejahten dies in der Hoffnung, dass der Liberalismus den Antisemitismus allmählich überwinden würde. So gründeten liberale und zum Christentum konvertierte Juden (unter Mitwirkung des Staatsrechtlers Rudolf von Gneist) erst 1891 den Verein zur Abwehr des Antisemitismus (existierte bis 1933).
  • 1891: „The Maccabaeans“, 1891 in London gegründeter Club berufstätiger Juden „zur Förderung des geselligen Verkehrs und der Zusammenarbeit seiner Mitglieder mit dem Zweck, für die Interessen der Judenheit zu wirken“; erster Präsident war der Maler Solomon Joseph Solomon (1860-1927)
  • 1891: angebliche Ritualmorde in Xanten (s.u.) und auf Korfu
  • 1891: In Odessa/Ukraine stirbt Leon Pinsker.
  • 1891: Jüdische Kolonisierungsvereinigung - 1891 gegründete Organisation, um jüdische Emigration aus Ländern zu unterstützen, in denen Juden verfolgt wurden oder in denen eine schlechte wirtschaftliche Situation herrschte, Jewish Colonization Association, J.C.A., auch Ica, Auswanderer- und Fürsorgegesellschaft, gegründet 1891 von Baron M. von Hirsch in Form einer Aktiengesellschaft nach englischem Recht; Verwaltungsrat gebildet aus Vertretern der Aktionäre, jüdische Organisationen in Deutschland, England, Belgien und Frankreich; Hauptsitz London, Verwaltung in Paris, 29 Rue de la Bienfaisance; Ica hatte Ackerbaukolonien in Argentinien, USA, Kanada, Brasilien, Russland, Bessarabien, Polen geschaffen; sie verwaltete 1900-1924 die von Baron E. Rothschild gegründeten palästinischen Kolonien
  • 1891: Die türkische Regierung gestattet russischen Juden die Niederlassung nur noch nach vorher erteilter Genehmigung, bietet ihnen aber für "Gegenleistungen" grössere Gebiete im türkischen Asien
  • 1891: Lachisch ausgegraben, altjüdische Stadt westlich von Hebron
  • 1891: Bernhard Zondek in Wronke geboren. Gynäkologe, 1926-1933 a. o. Prof. in Berlin, Leiter des Hadassa-Rothschild-Krankenhauses Jerusalem, wichtige Arbeiten über den Zusammenhang der Absonderung der Hypophyse mit den Eierstöcken, arbeitete zusammen mit Aschheim die Diagnostik der Schwangerschaft aus dem Urin aus
  • 1891: Arthur Korn geboren, jüdischer Architekt, in Berlin tätig
  • 1891: E. A. Dupont in Zeitz geboren, Regisseur (Variété, Atlantic)
  • 1891: C. Z. Klötzel geboren, Reiseschriftsteller
  • 1891: Erik Ernst Schwabach geboren, Schriftsteller (Prosa, Dramen)
  • 1891: Georg Fröschel geboren, Schriftsteller (Unterhaltungsromane)
  • 1891: Moritz Löwi geboren, jüdischer Pädagoge
  • 1891: Carl Landau geboren, Volkswirtschaftler (beschäftigte sich mit der Planwirtschaft)
  • 1891: Fritz Nathan geboren, jüdischer Architekt, tätig in Frankfurt/Main
  • 1891: Edvard Moritz geboren, Komponist
  • 1891: Frederic Jacobi geboren, jüdischer Komponist in Amerika
  • 15.1.1891–27.12.1938: Ossip Mandelstam (Osip Emiljewitsch Mandelschtam), geb. in Warschau als Sohn eines jüdischen Lederhändlers, gest. bei Wladiwostok in der Haft; russisch-jüdischer Lyriker und Literaturtheoretiker; neben Anna Achmatowa und Nikolai Gumiljow der entschiedenste Vertreter des Akmeismus, einer russischen literarischen Strömung gegen das Mystische im Symbolismus (Zeitschrift „Apollon“, 1909-1917); schrieb der Traditon verbundene klangvolle Lyrik; die Zeit nach der Oktoberrevolution ist für Mandelstam eine ruhelose Zeit; rastlos und im „inneren Exil“ lebt er mit seiner Frau Nadeschda abwechselnd in Moskau, Petersburg und Tiflis, stets ohne wirkliche materielle Basis; dennoch sind die 20er Jahre für ihn angefüllt mit Arbeit; Gedichtsammlungen wie „Tristia“ (1922), „Das zweite Buch“ (Вторая книга, 1923), „Gedichte“ (Стихотворения, 1928) zeigen seine dichterische Vielseitigkeit; Essaysammlungen wie „Über Poesie“ (1928) zeigen sein Talent als hervorragender Literaturtheoretiker und -kritiker; sein Prosastück „Rauschen der Zeit“ (Шум времени, 1925) spiegelt sein Gefühl der Fremdheit im sowjetischen System; dennoch dürfen – im Gegensatz zur Achmatowa und anderen Dichtern – in den 20er Jahren seine Bücher noch erscheinen, angeblich auf Fürsprache Nikolai Bucharins, des Vorsitzenden der Komintern und Chefredakteurs der Iswestija; in den Dreissiger Jahren beginnt die Zeit der Säuberungen unter Stalin und der offenen Repressionen gegen den Dichter; einzig seine Übersetzungen französischer, deutscher und englischer Prosa halten ihn materiell und geistig am Leben; dank Bucharins Protektion darf er 1930 nach Armenien reisen, von wo er eine Fülle an Inspirationen und Ideen mitbringt, woraus im Herbst 1933 „Die Reise nach Armenien“ entsteht, das 1934 in der Zeitschrift „Swesda“ erscheint; diese Texte und ein Gedicht mit dem Anfang „Wir Lebenden spüren den Boden nicht mehr … “ vom Herbst 1934, das sich überdeutlich auf Stalin und seinen Terror bezieht, führen im Mai darauf zu Mandelstams erster Verhaftung; im Gedicht heisst es: „Wir Lebenden spüren den Boden nicht mehr, Wir reden, dass uns auf zehn Schritt keiner hört, Doch wo wir noch Sprechen vernehmen, - Betrifft’s den Gebirgler im Kreml. Seine Finger sind dick und, wie Würmer, so fett, Und Zentnergewichte wiegts Wort, das er fällt, Sein Schnauzbart lacht Fühler von Schaben, Der Stiefelschaft glänzt so erhaben. Schmalnackige Führerbrut geht bei ihm um, Mit dienstbaren Halbmenschen spielt er herum, Die pfeifen, miaun oder jammern. Er allein schlägt den Takt mit dem Hammer. Befehle zertrampeln mit Hufeisenschlag: In den Leib, in die Stirn, in die Augen, - ins Grab, Wie Himbeeren schmeckt ihm das Töten – Und breit schwillt die Brust des Osseten“; einem harten Urteil entgeht Mandelstam nach einem Selbstmordversuch; er wird zunächst nur nach Tscherdyn, später Woronesch verbannt, wo er drei Jahre verbringt; um diese erste Verhaftung ranken sich Legenden, dass Stalin persönlich bei Mandelstams Freund und Kollegen Pasternak angerufen habe, um über Mandelstams Schicksal zu sprechen; in Woronesch arbeitet Mandelstam für Zeitungen und Zeitschriften; seine letzten Gedichte „Die Woronescher Hefte“ entstehen hier; als er am 2. Mai 1938 erneut verhaftet wird, wird er zu fünf Jahren Lager wegen konterrevolutionärer Aktivitäten verurteilt und in ein Arbeitslager in der Nähe von Wladiwostok gebracht; am 27. Dezember 1938 stirbt er in der Krankenbaracke eines Übergangslagers und wird in einem Massengrab beerdigt; seine Frau Nadeschda Mandelstam und Freunde des Dichters bewahrten viele seiner Gedichte (teils durch Auswendiglernen der nicht niedergeschriebenen Texte) und ermöglichten damit ihre Veröffentlichung in den 60er Jahren
  • 21.1.1891: Mischa Elman in Talnoje (Ukraine) geboren, berühmter Violinvirtuose von brillanter Technik
  • 22.1.1891: Moïse Kisling in Krakau geboren, Maler, seit 1910 in Paris, anfangs Kubist, später eindringlicher Realist, besonders als Bildnismaler bedeutend; er starb 1953 in Sanary-sur-Mer, Südfrankreich; - C. Einstein, Moise Kisling, 1922
  • 25.1.1891–19.6.1963: Erich Mosse, geb. in Berlin, gest. in New York, Autor und Arzt, Neffe des Verlegers Rudolf Mosse, entkam über Paris 1934 nach New York, schrieb unter Pseudonym "Peter Flamm" expressionistische Dramen "Zugvögel", "Tod und die Maske", 1920, die Komödie "Himmel auf Erden", 1921, die Novelle "Du", 1929, psychoanalytische Arbeiten (u. a. "The Conquest of Loneliness", 1957)
  • 27.1.1891–31.8.1967: Ilja Ehrenburg (Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg), geb. in Kiew, gest. in Nowo-Jerusalem bei Moskau, sowjetrussisch-jüdischer Schriftsteller und Journalist; zeitweise Hassprediger und Kriegspropagandist für die Rote Armee, den Hitler zum „Hausjuden Stalins“ erklärt hatte [ - dabei war Ehrenburg für Stalin nur ein „nützlicher Idiot“, den er mal gebrauchen konnte, mal ignorierte, mal überlegte, liquidieren zu lassen – und von vorne … ein häufig zitiertes Beispiel für Ehrenburgs Einpeitscherei ist der Aufruf „Töte!“ (убей!) in der „Krasnaja Swesda“ vom 24. Juli 1942: „… Wir wissen alles. Wir erinnern uns an alles. Wir haben verstanden: Die Deutschen sind keine Menschen. Von nun an ist das Wort „Deutscher“ für uns wie ein entsetzlicher Fluch. Von jetzt an lässt das Wort „Deutscher“ das Gewehr von allein losgehen. Wir werden nichts sagen. Wir werden uns nicht empören. Wir werden töten. Wenn du nicht pro Tag wenigstens einen Deutschen getötet hast, war es ein verlorener Tag. … Wenn du den Deutschen nicht tötest, tötet er dich. Er nimmt deine Nächsten und quält sie in seinem verfluchten Deutschland. … Wenn du den Deutschen leben lässt, hängt er den russischen Mann auf und schändet die russische Frau. Wenn du einen Deutschen getötet hast, töte einen zweiten – nichts stimmt uns froher als deutsche Leichen. Zähle nicht die Tage. Zähle nicht die Werste. Zähle nur eins: die von dir getöteten Deutschen. Töte den Deutschen! bittet dich die alte Mutter. Töte den Deutschen! fleht dich das Kind an. Töte den Deutschen! schreit die Heimaterde. Ziel nicht vorbei. Schiess nicht daneben. Töte!“ - der Text stammt aus der Zeit, als die Wehrmacht den ganzen Süden der Sowjetunion erobert hatte und auf Stalingrad zumarschierte; in dieser Periode verfasste Ehrenburg seine aggressivsten Artikel; Ehrenburg hat mit seinen unverhohlenen Ausrottungsaufrufen, die keinen Unterschied machten zwischen legitimem und illegitimem militärischen Vorgehen, zwischen Soldaten und Zivilisten, sicherlich zur Entmenschlichung des Gegners und zur Enthemmung der Roten Armee beigetragen (wenn auch das, was Ehrenburg schrieb, so gut wie nichts war „im Gegensatz zu dem, was die russischen Soldaten mit ihren eigenen Ohren hören, mit ihren eigenen Augen sehen und mit ihrer eigenen Nase riechen konnten. Denn wo auch immer die Deutschen gewesen waren, hing der Geruch verwesender Leichen in der Luft“ [Alexander Werth, 1965]; hingegen ist ein Flugblatt, das zur Vergewaltigung deutscher Frauen [tatsächlich wurden weit über 1 Million deutscher Frauen damals von sowjetischen Soldaten vergewaltigt] aufrief – und Sätze enthielt wie die folgenden: „Brecht mit Gewalt den Rassenhochmut der deutschen Frauen! Nehmt sie als rechtmässige Beute!“ – aller Wahrscheinlichkeit nach nicht authentisch, sondern eine Fälschung des deutschen Propagandaministeriums]; Ehrenburg gehört zu den produktivsten und profiliertesten Autoren der Sowjetunion und veröffentlichte rund hundert Bücher und tausende von Artikeln: Kriegsreportagen, propagandistische, satirische, kritische Zeitromane und Erzählungen: „Die ungewöhnlichen Abenteuer des Julio Jurenito“, 1922; „Leben und Untergang Nikolaj Kurbows“, 1923; „Die Liebe der Jeanne Ney“, 1926; „Tauwetter“ (Оттепель), 1954-1956 (daher der Name „Tauwetter-Periode“ für die Phase der Liberalisierung nach Stalins Tod und der Rehabilitation von Opfern der stalinistischen Verfolgungen); weitere Werke (nur eine kleine Auswahl): „Unwahrscheinliche Geschichten“, 1922;„Das bewegte Leben des Lasik Roitschwantz“, 1928; „Moskau glaubt nicht an Tränen“, 1933; „Der Fall von Paris“, 1942; „Die neunte Woge“, 1952; „Menschen Jahre Leben“ (6 Bände, über 1 000 Seiten); „Das Schwarzbuch. Der Genozid an den sowjetischen Juden“ (für seinen Einsatz als Chronist der Shoah vgl. unter dem August 1941); Ehrenburg wurde in eine bürgerliche, nichtreligiöse Familie geboren, lernte die religiösen Bräuche aber bei einem Grossvater mütterlicherseits kennen; Ilja Ehrenburg schloss sich nie einer Religionsgemeinschaft an und lernte auch nie Jiddisch, er verstand sich zeitlebens als Russe und später als Sowjetbürger und schrieb auf Russisch, auch in seinen Exiljahren; doch legte er grossen Wert auf seine Herkunft und verleugnete nie sein Jüdischsein; noch in einer Radioansprache zu seinem 70. Geburtstag erklärte er: „Ich bin ein russischer Schriftsteller. Und solange auf der Welt auch nur ein einziger Antisemit existiert, werde ich auf die Frage nach der Nationalität stolz antworten: „Jude“; im Pariser Exil (seit 1908) liebäugelte er mit dem Katholizismus, schrieb auch selbst katholische Gedichte, etwa auf die „Jungfrau Maria“ oder Papst Innozenz XI., doch schloss er sich dieser Religion nie an; zeitlebens hatte Ehrenburg während seiner langen Ehe (mit Ljuba Michailowna) ganz offene Liebesgeschichten mit anderen Frauen; mit Ossip Mandelstam verband ihn eine enge Freundschaft
  • 7.2.1891–14.11.1982: Joachim Stutschewsky (Joachim-Yehoyachin Stutschewsky, im Hebräischen sein Name nicht parallel zu Jehojakim; russisch Иоахим Стучевский), geb. in Romni (Romny)/Poltawa, Ukraine, gest. in Tel Aviv, österreichisch-israelischer Cellist, Komponist, Musikforscher ukrainisch-jüdischer Herkunft; sein Vater, Kalman-Leib Stutschewsky, war Klarinettist; seine Frau war die schweizerische Cellistin Rewekka (Regina) "Wecki" Schein (1908-1999); er war bedeutender Vorkämpfer und Propagandist neuer jüdischer Musik; er wurde in eine bekannte Klezmer-Familie in der Ukraine geboren und erhielt mit fünf Jahren Violinunterricht; mit elf wechselte er zum Cello; schon ein Jahr später wurde er Mitglied des Symphonieorchesters in Nikolaew; 1909 ging Stutschewsky nach Leipzig, um bei Julius Klengel zu studieren; nach dem Abschluss seiner Studien 1912 entfaltete er eine intensive Konzerttätigkeit als Solist und Kammermusiker; mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges übersiedelte er in die Schweiz, wo er ab 1918 die ersten Konzerte jüdischer Kunstmusik organisierte; 1924 zog er nach Wien und wurde dort zusammen mit Rudolf Kolisch Mitbegründer des berühmten Wiener Streichquartetts, das sich u.a. mit Uraufführungen von Werken der Neuen Wiener Schule um Arnold Schönberg einen internationalen Namen machte; in Wien setzte Stutschewsky auch seine Tätigkeit auf dem Gebiet jüdischer Musik als Komponist, Interpret, Publizist und Organisator fort; er war der spiritus rector des 1928 gegründeten Vereins zur Förderung jüdischer Musik und avancierte in den 1930er Jahren zum wichtigsten Theoretiker und Vermittler der Neuen Jüdischen Schule; er organisierte u.a. Konzerte mit solcher Musik in vielen europäischen Ländern und koordinierte ein umfangreiches Netzwerk jüdischer Musikorganisationen; 1938 floh er kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in die Schweiz und wanderte im selben Jahr nach Palästina aus, wo er zunächst weitere Konzerte neuer jüdischer Musik und Vorträge im ganzen Land durchführte; seit den 1950er Jahren widmete er sich fast ausschliesslich dem Komponieren; in seinem Schaffen verschmolz er das traditionelle jüdische Idiom mit einer bisweilen avancierten Musiksprache
  • 13.2.1891–14.5.1978: Alexander Kipnis, geb. in Schytomyr (russisches Reich, heute Ukraine), gest. in Westport, Connecticut, USA, war ein russischer, ab 1931 US-amerikanischer Opernsänger (Bass) jüdischer Herkunft; er studierte in Warschau und Berlin und debütierte 1915 in Hamburg; 1916-1918 sang er in Wiesbaden, 1919-1930 an der Deutschen Oper Berlin (1927-1933 auch regelmässig in Bayreuth: Gourmenanz, Pogner, Wotan; wirkte auch in Hamburg, Wien und Salzburg), 1932-1935 an der Berliner Staatsoper, 1940 bis 1952 an der Metropolitan Opera in New York (wo er auch am College of Music unterrichtete); seit 1924 gab er bereits weltweit an den grössten Opern und bei den bedeutendsten Festivals Gastspiele, sowohl in seriösen (Sarastro, Boris Godunow, König Marke, Golaud) als auch in Buffo-Partien (Leporello); nach seinem Rücktritt als Sänger lehrte er in New York Gesang; Kipnis galt auch als hervorragender Lied-Interpret, insbesondere des Liedgutes der Spätromantik (Johannes Brahms, Hugo Wolf); Alexander Kipnis war ohne Zweifel der Superstar unter den Bässen seiner Zeit; seine mächtige, doch fein nuancierende Stimme und seine Begabung für Fremdsprachen erlaubten ihm die Pflege eines riesigen Repertoires
  • 17.2.1891–15.10.1965: Abraham Fraenkel (Adolf Abraham Halevi Fraenkel, auch Abraham Adolf Fraenkel, Adolf Fraenkel etc.), geb. in München, gest. in Jerusalem, deutsch-israelischer Mathematiker; er war das erste von fünf Kindern des jüdischen Wollhändlers Sigmund Fraenkel und seiner Frau Charlotte aus München; ab dem Alter von fünf Jahren lernte er Hebräisch bei einer Privatlehrerin und besuchte zunächst eine Münchner Volksschule, danach das humanistische Luitpold-Gymnasium, wo er im Juli 1909 das Abitur in allen Fächern mit „sehr gut“ bestand; wie die meisten Studenten seiner Zeit studierte er an mehreren Universitäten und verbrachte einige Semester an den Universitäten in München, Marburg sowie in Berlin und für sein letztes Studienjahr in Breslau; 1914 promovierte Fraenkel – wieder zurück in Marburg – summa cum laude mit seiner Dissertation Über die Teiler der Null und die Zerlegung von Ringen; obwohl er von 1914–1918 Kriegsdienst leistete, konnte er sich 1916 habilitieren und während eines Heimaturlaubs von der französischen Front am 12. Juli 1916 in Marburg seine Antrittsvorlesung halten; 1919 heiratete er Wilhelmina Malka A. Prins, mit der er – wegen der herrschenden Wohnungsnot im Nachkriegsdeutschland – einige Jahre zur Untermiete bei Professor Hensel wohnte; 1928 verliess Fraenkel Marburg, um für ein Jahr an der Universität Kiel zu unterrichten; als überzeugter Zionist verliess er 1929 Deutschland und folgte, vier Jahre nach deren Gründung, einem Ruf an die Hebräische Universität von Jerusalem; dort verbrachte er auch den Rest seiner beruflichen Karriere, wurde zum ersten Dekan der mathematischen Fakultät und später zum Rektor der Universität ernannt; seinen Namen hatte er in Abraham Halevi Fraenkel geändert; auch nach seiner Emeritierung 1959 beteiligte er sich intensiv am Aufbau des Bildungssystems in Israel; Fraenkels erste Arbeit widmete sich Kurt Hensels p-adischen Zahlen und der Theorie der Ringe; weltbekannt jedoch wurde Fraenkel für seine Arbeiten zur Mengenlehre; die Einleitung in die Mengenlehre, sein erstes bedeutendes Werk zu dem Thema, das er später selbst ins Englische und Hebräische übertrug, schrieb er 1917/18, und es erschien 1919; er knüpfte an die Arbeit von Ernst Zermelo an und optimierte die Zermelo-Mengenlehre von 1907, vor allem indem er 1921 das Ersetzungsaxiom ergänzte, das fester Bestandteil der heute massgeblichen Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre wurde; im Jahr 1956 erhielt Abraham Fraenkel den Israel Preis für exakte Wissenschaften; -- Werke (Auswahl): Einleitung in die Mengenlehre, Berlin 1919; Zu den Grundlagen der Cantor-Zermeloschen Mengenlehre, 1921; Zehn Vorlesungen über die Grundlegung der Mengenlehre, Leipzig 1927; Abstract set theory, Amsterdam 1953; Lebenskreise. Aus den Erinnerungen eines jüdischen Mathematikers, Stuttgart 1967
  • 16.5.1891-8.1.1948: Richard Tauber (eigentl. Richard Denemy), geb. in Linz a. D., Oberösterreich, gest. in London, österreichischer Tenor und auch Schauspieler, von der Presse und der Werbung wurde ihm der Name „König des Belcanto“ verliehen; er hiess auch „der Mann mit dem Monokel“ (Monokel und Zylinder, elegant gekleidet, umgeben von schönen Frauen, so kannte man ihn); der berühmte Opernsänger Richard Tauber gehörte zu den grössten Tenoren seiner Zeit, dessen legendärer Ruf sich bis heute erhalten hat; dabei widmete sich Richard Tauber nicht nur der ernsten Musik, sondern setzte seine Stimme auch für Operetten und Schlager ein, was von einschlägigen Kritikern negativ goutiert wurde - zu Unrecht; seine grössten Erfolge waren "Dein ist mein ganzes Herz" (aus der Lehár-Operette „Land des Lächelns“, womit Tauber über Nacht zum Weltstar wurde) und "Gern hab' ich die Frau’n geküsst"; geboren wurde Richard Tauber als unehelicher Sohn einer katholischen Sängerin (Elisabeth Denemy, verwitwete Seifferth) und eines jüdischen (allerdings bereits katholisch konvertierten) Schauspielers (Anton Richard Tauber, er war 14 Jahre jünger als Taubers Mutter, deshalb wurde wohl nichts aus einer Hochzeit) in einem Linzer Hotel (Eintrag im Taufregister „Richard Denemy“, erst 1913 mit der Adoption durch den Vater geändert, Tauber hiess nun „Denemy-Tauber“, nannte sich aber nur Tauber; nach dem Willen des Vaters sollte er katholischer Priester werden); bedingt durch den Beruf der Mutter, wuchs Tauber in Linz bei Pflegeeltern auf und besuchte dort auch die Volksschule; mit zwölf Jahren zog Tauber 1903 zu seinem Vater nach Wiesbaden und besuchte dort für die nächsten fünf Jahre das Gymnasium; Richard Tauber schwärmte für die Musik und wollte Sänger werden; aufgrund der freundschaftlichen Beziehungen seines Vaters zu dem Wiener Bariton Leopold Demuth erhielt er die Gelegenheit, diesem vorzusingen; die Beurteilung des Sängers war niederschmetternd: "Um Gottes Willen, halte Deinen Sohn davon ab, Sänger zu werden. Was er besitzt, ist ein Zwirnsfaden, keine Stimme", schrieb Demuth damals an Taubers Vater; Richard Tauber liess sich davon aber nicht entmutigen; nach einer Musik- (Klavier, Komposition, Dirigieren), Opern- und Operettenausbildung errang er erste Aufmerksamkeit mit Liedern von Schubert und Mozart; danach folgte eine einzigartige Karriere (1913-1918 „königlicher Hofopernsänger“ in Dresden), die ihren Höhepunkt in den 20er und 30er Jahren fand; in den 20er Jahren schaffte er zunächst den Durchbruch in Opern (genialer Mozart-Interpret), später folgten grosse Erfolge mit Operetten, wobei seine Auftritte für seinen Hauskomponisten Franz Lehár, der ihm Stücke auf den Leib schrieb, besonders populär waren; 1926 heiratete Tauber die Hamburger Soubrette Carlotta Vanconti, die er seit zwei Jahren kannte; nach zweijähriger Ehe trennten sich die Eheleute und wurden 1928 geschieden; diese Scheidung sorgte für Schlagzeilen als bekannt wurde, dass Vanconti mit 1 Mio. Mark abgefunden worden war; die Tagespresse nannte Vanconti „äusserlich eine Soubrette und innerlich ein Krokodil“; kaum war der deutsche Tonfilm etabliert, wurde Richard Tauber und vor allem seine Stimme effektvoll in diesem Medium eingesetzt; seine erste filmische Arbeit entstand als Sänger für "Ich küsse Ihre Hand, Madame" (1929), ab 1930 folgten schliesslich auch Rollen, die Richard Tauber als Darsteller zeigten (mit der von ihm gegründeten „Richard-Tauber-Tonfilm-Gesellschaft“ ging er 1931 in Konkurs); zu seinen wenigen Filmen in Deutschland gehören "Ich glaub' nie mehr an eine Frau" (1930), "Die grosse Attraktion" (1930), "Das lockende Ziel" (1930), "Das Land des Lächelns" (1930) und "Melodie der Liebe" (1932); 1933 wurde Richard Tauber in Berlin vor dem Hotel Kempinski von einem SA-Trupp mit den Worten „Judenlümmel, raus aus Deutschland“ angegriffen und niedergeschlagen; eigentlich wollte Tauber sofort emigrieren, blieb dann aber doch, um an seiner Operette „Der singende Traum“ zu arbeiten; das aus diesem Stück stammende Lied „Du bist die Welt für mich“ widmete er seinem Tenorkollegen und Freund Joseph Schmidt; Richard Tauber emigrierte dann später nach England, wo er seine Laufbahn nahtlos fortsetzen konnte und auch in weiteren Filmen wie "Blossom Time/April Romance" (1934), "Heart's Desire" (1935) und "A Clown Must Laugh/Pagliacci - Der Bajazzo" (1936) auftrat; zur Zeit seiner Emigration lebte er mit der Sängerin Mary Losseff zusammen (die Beziehung bestand schon, als er noch mit Carlotta Vanconti verheiratet war und endete tragisch durch die Alkoholkrankheit der Geliebten); nach dem Krieg blieb Richard Tauber in England, wo er mit der englischen Schauspielerin und Sängerin Diana Napier lebte (er hatte sie 1936 geheiratet, die Ehe war aber auch nicht von Dauer, später lebte er mit Esther Moncrieff zusammen); 1940 wurde er britischer Staatsbürger; zu seinen letzten filmischen Arbeiten gehören "Waltz Time" (1945) und "Lisbon Story" (1946); Richard Tauber war ein Liebling der Frauen, dem seine Schlager, Opern und Operetten Ruhm und Reichtum einbrachten; er genoss sein Leben und gab sein Vermögen mit leichter Hand wieder aus; als er nach seinem Auftritt in der Oper "Don Giovanni" im Alter von 56 Jahren an Lungenkrebs starb (er ist beerdigt auf dem Brompton Cemetery in London), hinterliess er trotz horrender Einnahmen einen grossen Schuldenberg (750 000 Mark Steuerschulden); während der Trauerfeier in der Royal Albert Hall wurde für seine Beerdigung unter den 7 000 Anwesenden gesammelt; Tauber soll zu allem und jedem „Schnappula“ gesagt haben, wenn er Spass hatte; er las angeblich nur Bücher von Karl May, ass am liebsten Gulasch und war ein leidenschaftlicher Hobbyfilmer; weitere Filme mit Richard Tauber: Land Without Music/Forbidden Music (1936), The Big Broadcast of 1936 (1936)
  • 1891/1892: Xantener Ritualmordvorwurf
  • 1891–1954: Meir Aschkenazi (Shanghai)

Bücher

  • A. Berliner, Censur und Confiscation hebräischer Bücher im Kirchenstaate, Frankfurt / M. 1891
  • Alsberg, Rassenmischung im Judentum, Hamburg 1891
  • A. Epstein, Eldad ha-Dani, seine Berichte über die 10 Stämme und deren Ritus, mit Einleitungen und Anmerkungen, Pressburg/Wien 1891
  • A. Epstein, Moses had-Darschan aus Narbonne, Fragmente seiner literarischen Erzeugnisse ... mit Einleitung und Anmerkungen, Wien 1891
  • M. Lambert, Commentaire sur le Séfer Yesira ou le livre de la Création par le Gaon Saadya de Fayyoum, Paris 1891
  • Blankenhorn, Grundzüge der Geologie und physikalischen Geographie von Nordsyrien, Berlin 1891
  • Hart, Fauna und Flora of Sinai, 1891

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1891: Centralanzeiger für jüdische Literatur, in Frankfurt a. M. in deutscher Sprache von N. Brüll herausgegeben (vgl. 1874 und 1890)

1891 in Wikipedia


Dieser Artikel / Artikelstub / diese Liste wurde in Jewiki verfasst und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. Hauptautor des Artikels (siehe Autorenliste) war Michael Kühntopf. Weitere Artikel, an denen dieser Autor / diese Autorin maßgeblich beteiligt war: 2.657 Artikel (davon 1.533 in Jewiki angelegt und 1.124 aus Wikipedia übernommen). Bitte beachten Sie die Hinweise auf der Seite Jewiki:Statistik.