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1890

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Ereignisse

  • 1890: Auf dem Antisemitentag in Bochum am 10. und 11. Juni 1889 konnten sich die verschiedenen Gruppen erneut nicht einigen. Stoecker und Sonnenberg wollten konservative Wähler nicht verschrecken und den kleinbürgerlichen Mittelstand für den Nationalstaat gewinnen; ihre Anhänger bildeten die neue Deutschsoziale Partei. Böckel dagegen wollte seine Ziele schon im Parteinamen zeigen. Dazu gründete er mit weiteren Gruppen 1890 die Antisemitische Volkspartei. Beide neuen Parteien forderten die Aufhebung der Emanzipationsgesetze, verhöhnten liberale Gleichstellungsparteien im Wahlkampf als „Judenschutztruppe“ und gewannen bei den Reichstagswahlen desselben Jahres zusammen knapp drei Prozent der Stimmen.
  • 1890: 1890 trat der wegen Unterschlagung aus dem Schuldienst entlassene Lehrer Hermann Ahlwardt (1846-1914) mit dem Buch „Der Verzweiflungskampf der arischen Völker mit dem Judentum“ (Berlin) hervor. Ein Grossteil davon beschrieb nur seine eigenen Finanzprobleme. Ein weiteres Buch, „Der Eid eines Juden“, bezichtigte Gerson von Bleichröder, Bankier und Freund Bismarcks, der Korruption. Dafür wurde Ahlwardt wegen Verleumdung zu vier Monaten Gefängnishaft verurteilt. Danach behauptete er in der Schrift „Judenflinten“, der jüdische Waffenfabrikant Ludwig Löwe habe den preussischen Truppen in geheimer Absprache mit den Franzosen untaugliche Gewehre geliefert, um die deutsche Wehrfähigkeit zu lähmen. Dafür erhielt er weitere fünf Monate Gefängnis. Da er seit 1893 Reichstagsabgeordneter war, musste er die Strafe nicht absitzen. Er wurde von Bauern in der Region Arnswalde-Friedeberg – wo es kaum Juden gab – gewählt, indem er in persönlichen Gesprächen „Junker und Juden“ für ihre ökonomische Not verantwortlich machte. 1894 legte er ein Programm vor, das vorsah, alle Grossgrundbesitzer zu enteignen und ihren Besitz in Gemeineigentum zu überführen. Die übrigen Antisemiten lehnten dies ab. Später emigrierte er in die USA und versuchte dort erfolglos, ebenfalls antisemitische Gruppen zu bilden.
  • 1890: Jüdische Lehrlingsfürsorge: Bestrebungen zur Betreuung jüdischer Lehrlinge und Förderung ihrer Ausbildung begannen in Deutschland um 1890: Gründung von Lehrlingsheimen in Berlin-Pankow, Düsseldorf, München u. a.
  • 1890: Berlin: Martin Ephraim-Stiftung zu wohltätigen Zwecken gegründet
  • 1890: Tschechoslowakei. Mit dem im Zuge der nationalen Bewegungen des 19. Jhdts. einhergehenden Gegensatz zwischen Tschechen und Deutschen mussten die Juden sich für die Zugehörigkeit zu einer dieser Volksgruppen und der damit zusammenhängenden Kultur entscheiden. Ergebnis war eine verstärkte „Germanisierung“ der tschechischen Juden, so dass z. B. 1890 74 Prozent der Prager Juden Deutsch als ihre Umgangssprache angaben. In Böhmen und Mähren war ab 1867 die volle Gleichberechtigung der Juden gesetzlich garantiert. Dennoch wurden die Juden mit „Deutschtum“ und kapitalistischer Ausbeutung in Zusammenhang gebracht. Nach dem gescheiterten Versuch der Wiener Regierung, sowohl deutsch als auch tschechisch zur Amtssprache zu erheben, kam es im ganzen Land zu einem Sturm auf deutsche Institutionen und darauf folgenden antisemitischen Ausschreitungen. Grosses Aufsehen erregte im Jahr 1899 die so genannte Hilsner-Affäre, als in Nordböhmen ein ermordetes Mädchen aufgefunden wurde. Der Verdacht fiel auf den aus Polna stammenden herumziehenden jüdischen Schustergehilfen Leopold Hilsner (Hülsner, 1877-1927), dem vorgeworfen wurde, das Mädchen aus rituellen Gründen ermordet zu haben, um ihr Blut beim Pessachfest zu benutzen. Hilsner wurde in einem zweifelhaften Indizienprozess im September 1899 zum Tode verurteilt (später in eine lebenslange Haft umgewandelt, 1916 begnadigt und aus dem Zuchthaus entlassen) (vgl. noch 1899)
  • 1890: Theodor Herzl, „Was wird man sagen?“
  • Ca. 1890: Nathan Birnbaum prägt den Begriff Zionismus (abgeleitet von „Zion“, dem Namen des Jerusalemer Tempelberges). Aber Birnbaum ist nicht der Schöpfer dieses Begriffs, der Begriff war schon in Gebrauch, z. B. steht in einem Brief Ruben Bierers vom 9.12.1888 der Ausdruck "zionistischer Brudergruss"; "Zionist" findet sich schon 1877 in einer rumänisch geschriebenen Broschüre (Jahresbericht des Ordens "Zion" in Bukarest)
  • 1890: In Russland taucht eine hebräische Version der "Protokolle der Weisen von Zion" auf
  • 1890: Rechowoth/Rehovot, eine 1890 von Mitgliedern der ersten Alijah (von B’nei Mosche aus Warschau, also von polnischen Juden) gegründete Landwirtschaftssiedlung / palästinische Landstadt; sie wollten eine von der Hilfe Baron Edmond de Rothschilds unabhängige Stadt errichten, einer der Gründer war Israel Belkind, der (basierend auf Gen 26, 22) den Namen Rechowot ("Weite") vorschlug; die Siedlung war spezialisiert auf Trauben, Orangen, Mandeln, Oliven und Gemüse, später auch Getreide (arabische und jüdische Lohnarbeiter), wirtschaftlich gesund und unabhängig; ihr Administrator war Elijahu Se’ev Levin-Epstein; Rechowoth war damals das Schekelzahlerzentrum in Palästina, geistiges Zentrum der Hitachdut ha-Ikkarim (Pflanzerverband unter Führung von Smilansky), Sitz der Landwirtschaftlichen Versuchsstation und des Sieff-Forschungsinstitut für Agrikulturchemie (Weizmann)
  • 1890: Mischmar ha-Jarden ca. 12 km nördlich vom See Genezareth gegründet
  • 1890: Ben Jehuda gründet den "Rat für die Hebräische Sprache"
  • 1890: Sir William Flinders Petrie (1853–1942, Nichtjude) wurde zum eigentlichen Pionier der archälogischen Forschung in Palästina, als er 1890 eine Expedition nach Tel el-Hesi unternahm. Als erster erkannte er, dass Keramikfunde anhand der Bodenschichten datiert werden konnten, in denen man sie gefunden hatte. Dies liess Schlussfolgerungen für die gesamte Geschichte des antiken Palästina zu. Petrie war eigentlich Spezialist für ägyptische Altertümer, und er blieb auch nur eine Grabungssaison in Palästina und wandte sich dann wieder Ägypten zu. Er wurde aber zum Lehrer einer ganzen Generation junger Archäologen, die später in Palästina wirkten.
  • 1890: Max H. Kuczynski geboren, Mediziner (Pathologie) in Berlin, sein Sohn war zeitweise Premierminister von Peru
  • 1890: Michael Taube geboren, Kammerdirigent
  • 1890: Hans Gál geboren, Opernkomponist
  • 1890: Samuel Feinberg geboren, jüdischer Komponist in Russland
  • 1890: Selma Täubler-Stern geboren, Historikerin (Neuere Geschichte)
  • 1890: Israel Rubin geboren, jüdischer Pädagoge
  • 1890: Aron Goodelman geboren, jüdischer Bildhauer
  • 1890: Manfred Gurlitt geboren, Komponist (vgl. bei Louis Gurlitt, 1812-1897)
  • 1890: Gabriel Grad geboren, jüdischer, in Erez Israel wirkender Komponist und Musiker
  • 1890: Ernst Lothar geboren, Schriftsteller (Romane, Novellen)
  • 1890: Rudolf Fuchs geboren, Schriftsteller (Gedichte)
  • 1890: Otto Zoff geboren, Schriftsteller (Dramen, Romane)
  • 1890: Gladys B. Stern geboren, englisch-jüdische Schriftstellerin
  • 1890: Samuel Ornitz geboren, US-amerikanisch-jüdischer Schriftsteller
  • 1890: Morris J. Karpf geboren, jüdischer Sozialpolitiker in Amerika (engagiert in der jüdischen Sozialausbildung)
  • 9.1.1890–21.12.1935: Kurt Tucholsky, scharfzüngiger, humanistischer und überaus produktiver deutsch-jüdischer Journalist und Schriftsteller, auch Literaturkritiker (u. a. Rubrik „Auf dem Nachttisch“ in der „Weltbühne“, hier machte er z. B. auf Kafka aufmerksam, kritisierte James Joyces „Ulysses“ als „über weite Partien schlicht langweilig“), Freimaurer, zählte zu den bedeutendsten (auch zu den gefragtesten und am besten bezahlten) Publizisten der Weimarer Republik (Pseudonyme: Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, Igna[t]z Wrobel, die er vor allem verwendete, um die „Weltbühne“ nicht zu Tucholsky-lastig erscheinen zu lassen; weitere, selten verwendete Pseudonyme: Paulus Bünzly, Theobald Körner, Old Shatterhand), geb. Berlin-Moabit, gest. in Göteborg; Journalist in Berlin und Paris, Mitarbeiter und (kurzfristig Mit-) Herausgeber der Zeitschrift „Die Weltbühne“; Pazifist, Kritiker von Spiessertum, Nationalismus und Militarismus (bekanntes Zitat: „Soldaten sind Mörder“), seine frühe Kindheit verbrachte er in Stettin, wohin sein Vater aus beruflichen Gründen versetzt worden war, 1920 heiratete er die Ärztin Else Weil, lebte ab 1929 in Schweden, 1933 aus Deutschland ausgebürgert, schrieb satirische Gedichte, sarkastische und heitere Erzählungen; „Rheinsberg, ein Bilderbuch für Verliebte“, 1912 (auch über eine „Bücherbar“ auf dem Kurfürstendamm von Tucholsky, zusammen mit Szafranski, der die im verspielt-erotischen Ton verfasste Erzählung illustriert hatte, vertrieben: Jeder Käufer bekam zusätzlich zum Buch noch einen Schnaps eingeschenkt); „Fromme Gesänge“, 1919; „Träumereien an preussischen Kaminen“, 1920; „Ein Pyrenäenbuch“, 1927 (Reisebericht); „Deutschland, Deutschland über alles“, 1929 (grundstürzende Kritik und gleichzeitig eine Liebeserklärung an Deutschland, „das auch ihm gehört“); „Schloss Gripsholm“, 1931; Tucholskys Vater starb früh (1905, an den Folgen einer Syphilis-Erkrankung), hinterliess der Familie aber ein beachtliches Vermögen, das es dem ältesten Sohn (Kurt hatte zwei jüngere Geschwister: Fritz und Ellen) gestattete, ohne finanzielle Sorgen 1909 sein Studium (Rechtswissenschaft) aufzunehmen; im September 1911 trifft sich Tucholsky in Prag mit Max Brod und auch mit Kafka; Tucholsky verzichtet auf die juristische Staatsprüfung, da er gegen Ende seines Studiums bereits zu stark journalistisch engagiert war; ab 1913 Mitarbeit und langfristiges Engagement für die „Schaubühne“ („Weltbühne“); 1915 juristische Promotion in Jena (mit einer Arbeit zum Hypothekenrecht), dann eingezogen an die Ostfront (zunächst Armierungssoldat, dann Kompanieschreiber); von November 1916 an brachte er die Feldzeitung „Der Flieger“ heraus, seine Tätigkeiten ermöglichten ihm, einen Dienst im Schützengraben zu umgehen, 1918 als Vizefeldwebel und Feldpolizeikommissar nach Rumänien versetzt, im rumänischen Drobeta Turnu Severin liess er sich im Sommer 1918 protestantisch taufen, aus der jüdischen Gemeinde war er bereits am 1.7.1914 ausgetreten; im Herbst 1918 kehrt er als überzeugter Antimilitarist und Pazifist aus dem Krieg zurück; im Dezember 1918 übernahm er die Chefredaktion des „Ulk“, der wöchentlichen satirischen Beilage des linksliberalen Berliner Tageblatts des Verlegers Rudolf Mosse; auch für die Weltbühne arbeitete er nun wieder regelmässig; in der unmittelbaren Nachkriegszeit arbeitet er auch gegen gute Bezahlung für das Propagandablatt „Pieron“, das im Auftrag der Reichsregierung antipolnische Stimmung machen sollte (um die endgültige Grenzziehung zwischen Polen und Deutschland für Deutschland positiv zu beeinflussen) – ein Engagement, das Tucholsky später bereut und als Fehler eingesehen hat; im Januar 1919 in der Weltbühne die antimilitaristische Artikelserie „Militaria“; 1920 tritt er in die USPD ein (verbleibt in der Partei bis 1922); im Herbst 1922 befällt ihn eine schwere Depression, er zweifelt am Sinn des Schreibens und soll sogar einen ersten Selbsttötungsversuch unternommen haben; ab März 1923 war er im Berliner Bankhaus Bett, Simon & Co. als Privatsekretär des Seniorchefs Hugo Simon tätig, ab 1924 arbeitete er wieder für die Weltbühne und ging als deren Korrespondent (sowie als Korrespondent der angesehenen Vossischen Zeitung) nach Paris; 1924 Scheidung von Else Weil (sie beklagte, dass Tucholsky es mit der ehelichen Treue nicht zu genau nehme; von ihr soll der Satz überliefert sein: „Als ich über die Damen wegsteigen musste, um in mein Bett zu kommen, liess ich mich scheiden“), sechs Monate nach der Scheidung heiratete er Mary Gerold, die er aus seiner Militärzeit kannte und mit der er seither in lockerem Kontakt geblieben war; die Heirat änderte nichts daran, dass sie sich einander entfremdet hatten, und so hielten sie es auch nicht lange miteinander aus (endgültige Trennung 1928; 1927 hatte Tucholsky Lisa Matthias kennengelernt, mit der er 1929 einen Urlaub in Schweden verbrachte; sie schilderte ihn später in ihrer 1962 erschienenen Autobiographie als beziehungsunfähigen Erotomanen, der sie – selbst eine Geliebte – gleichzeitig mit mehreren Frauen betrogen habe); Tucholsky verbrachte ab diesem Zeitpunkt die meiste Zeit im Ausland und kehrte nur noch sporadisch zurück; um 1928 näherte er sich der KPD und veröffentlicht klassenkämpferische Propaganda-Gedichte, auch wird gegen ihn ein Prozess wegen Gotteslästerung eingeleitet (wegen seines Gedichts „Gesang der englischen Chorknaben“); 1931 erscheint bei Rowohlt sein (vom Schweden-Urlaub mit Lisa Matthias inspirierter) Kurzroman „Schloss Gripsholm“, in dem noch einmal jugendliche Unbeschwertheit und Leichtigkeit anklingt; Tucholsky hat sehr hellsichtig erkannt, wohin es mit Deutschland gehen sollte, Jahre vor der „Machtergreifung“ schrieb er von der „Rüstung für eine Reise ins Dritte Reich“, konnte natürlich die Entwicklung nicht aufhalten, Erich Kästner nannte ihn rückblickend den „kleinen dicken Berliner, … der mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten wollte …“; 1930 verlegte Tucholsky seinen Wohnsitz dauerhaft ins schwedische Hindas bei Göteborg; der Weltbühne-Prozess gegen Carl von Ossietzky und Walter Kreiser, die wegen Landesverrats und Verrats militärischer Geheimnisse angeklagt (und dann auch verurteilt) worden waren, zeigte ihm, wie es mittlerweile in Deutschland um kritische Publizistik stand; Tucholsky verstummte zusehends, private und gesundheitliche Probleme kamen hinzu, 1933 verboten die Nationalsozialisten die Weltbühne, verbrannten Tucholskys Bücher und bürgerten ihn als einen der Ersten aus; Tucholskys letzte Geliebte ist die Zürcher Ärztin Hedwig Müller, die er „Nuuna“ nannte, in Briefen an sie nannte er sich einen „aufgehörten Deutschen“ und einen „aufgehörten Dichter“, er verfiel nicht der Illusion vieler Exilanten, dass Hitlers Diktatur bald zusammenbrechen werde, er stellte fest, dass die Mehrheit der Deutschen sich damit arrangierte, dass das Ausland Deutschland akzeptierte, er rechnete mit einem Krieg binnen weniger Jahre; an der entstehenden Exil-Presse sich zu beteiligen, lehnte er strikt ab, nach eigener Aussage war er mit Deutschland „fertig“, engagierte sich aber dennoch und stand z. B. seinem inhaftierten Freund Ossietzky bei (der u. a. von Knut Hamsun angegriffen wurde, ohne sich wehren zu können, da er im KZ Papenburg-Esterwegen einsass), so gut er konnte und war aktiv beteiligt an der Verleihung des Friedensnobelpreises an ihn – den Erfolg seiner Bemühungen hat Tucholsky nicht mehr erleben können; Tucholsky war auch verstummt, weil er die Passivität der deutschen Juden angesichts der Entwicklung in Deutschland nicht begreifen konnte; in seinem letzten längeren Brief (an den nach Palästina emigrierten Arnold Zweig) vom 15.12.1935 schreibt Tucholsky: „Das ist bitter, zu erkennen. Ich weiss es seit 1929 – da habe ich eine Vortragsreise gemacht und „unsere Leute“ von Angesicht zu Angesicht gesehen, vor dem Podium, Gegner und Anhänger, und da habe ich es begriffen, und von da an bin ich immer stiller geworden. Mein Leben ist mir zu kostbar, mich unter einen Apfelbaum zu stellen und ihn zu bitten, Birnen zu produzieren. Ich nicht mehr. Ich habe mit diesem Land, dessen Sprache ich so wenig wie möglich spreche, nichts mehr zu schaffen. Möge es verrecken – möge es Russland erobern – ich bin damit fertig“; am Abend des 20. Dezember 1935 nahm Tucholsky in seinem Haus in Hindas eine Überdosis Schlaftabletten, wurde am nächsten Tag, im Koma liegend, gefunden und verstarb am Abend des 21. Dezember im Sahlgrenschen Krankenhaus in Göteborg; neuerdings wird der Suizid angezweifelt und ersetzt durch eine These einer Selbsttötung aus Versehen; die Asche Tucholskys wurde im Sommer 1936 unter einer Eiche nahe Schloss Gripsholm im schwedischen Mariefred beigesetzt; die Grabplatte mit der Inschrift „Alles Vergängliche ist Nur Ein Gleichnis“ aus Goethes Faust II wurde erst nach dem Ende des 2. Weltkriegs auf das Grab gelegt; Tucholsky selbst hatte 1923 in der Satire „Requiem“ folgenden Grabspruch für sein Pseudonym Ignaz Wrobel vorgeschlagen: „Hier ruht ein goldenes Herz und eine eiserne Schnauze. Gute Nacht - !“ Gerschom Scholem bezeichnete Tucholsky – nicht zuletzt wegen dessen „Wendriner-Geschichten“ – als einen der „begabtesten und widerwärtigsten jüdischen Antisemiten“; dagegen wurde vorgebracht, dass Tucholsky in der Figur des „Herrn Wendriner“ nicht den Juden blossstelle, sondern den Bourgeois – ihm ging es darum, die gesinnungslose Mentalität eines Teils des konservativen jüdischen Bürgertums anzuprangern, der selbst die grössten Demütigungen durch eine nationalistische Umwelt hinnehme, so lange er nur seinen Geschäften nachgehen könne (diese Haltung hatte beispielsweise schon Herzl kritisiert – und zu Recht); Scholems Kritik ist umso bemerkenswerter, da Tucholsky selbst aus der Sicht der Konservativen und Rechtsextremen – auch der deutschnationalen Juden – geradezu das perfekte Feindbild vom „zersetzenden, jüdischen Literaten“ abgab; dass Tucholsky sich bei den Juden abgemeldet hatte und sich hatte taufen lassen, spielte für diese Art Kritik keine Rolle; 1970 brachte die DDR eine Tucholsky-Gedenkbriefmarke heraus
  • 16.1.1890–3.5.1969: Carl Freund (Karl Freund), geb. in Königinhof bzw. Königsdorf (Dvur Kralove), Böhmen, gest. in Santa Monica, Kalifornien, deutsch-jüdischer Kameramann, einer der bedeutendsten Kameraleute der Stummfilmzeit; später war er auch als Regisseur tätig; der Sohn des Glasers Julius Freund und seiner Frau Marie, geborene Hermann, zog 1901 mit seinen Eltern nach Berlin; er begann 1906 als Filmvorführer und war danach als Kameramann zwischenzeitlich in Belgrad und Wien und ab 1913 in Neubabelsberg tätig; er filmte in der Zeit des Ersten Weltkriegs besonders mit Asta Nielsen und Henny Porten; 1919 machte er sich mit der Gründung der Karl Freund-Film GmbH selbständig; in der Folge entwickelte er sich zum stilprägenden Kameramann des deutschen Kammerfilms und arbeitete forthin mit allen Grössen des deutschen Stummfilms; eine besonders enge Zusammenarabeit ergab sich mit Friedrich Wilhelm Murnau; Karl Freund wird die Methode der „entfesselten“ Kamera zugeschrieben, die er in dem Film „Der letzte Mann“ (1924) von Murnau einsetzte; er war nicht der Erste, der die Kamera ohne Stativ verwendete, jedoch sind seine Aufnahmen in „Der letzte Mann“ von einer Beweglichkeit gekennzeichnet, die kaum zuvor zu sehen war; einen weiteren Höhepunkt in seinem Schaffen bildeten die Aufnahmen zu dem Monumentalfilm „Metropolis“ (1926) unter der Regie von Fritz Lang; ab 1929 war Karl Freund wegen des grossen Erfolges von „Der letzte Mann“ in Hollywood tätig, wo er später auch als Regisseur arbeitete; sein Film „Die Mumie“ von 1932 mit Boris Karloff in der Hauptrolle ist seine bekannteste Regiearbeit, der ein Jahr zuvor entstandene „Dracula“ mit Bela Lugosi seine wohl beste amerikanische Kameraarbeit; für „Die gute Erde“ (1937) erhielt er einen Oscar; er war auch Kameramann bei Fred Zinnemanns „Das siebte Kreuz“ (1944); 1960 zog Freund sich auf seine Farm im San Fernando Valley zurück; bis zuletzt war er als Kapazität auf dem Gebiet der Filmtechnik geschätzt; er war in erster Ehe 1915 bis 1918 mit der Tochter des Musikantiquars Leo Liepmannssohn verheiratet und wurde Vater einer Tochter; die Schauspielerin Gertrude Hoffmann war ab 1920 seine zweite Ehefrau, bekannt als Trude Freund; Werkauswahl (Kamera oder Regie): Engelein (1914); Eine venezianische Nacht (1914); Vordertreppe – Hintertreppe (1915); Rausch (1919); Die Spinnen (1920); Der Golem, wie er in die Welt kam (1920); Der brennende Acker (1922); Lucrezia Borga (1922); Michael (1924); Der letzte Mann (1924); Varieté (1925); Tartüff (1926); Metropolis (1927); Fräulein Else (1929); Dracula (1931); Mad Love (1935); Der grosse Ziegfeld (1936); Maria Waleska (1937); Die gute Erde (1937); Stolz und Vorurteil (1940); Tortilla Flat (1942); Das siebte Kreuz (1944); Gangster in Key Largo (1948)
  • 23.1.1890–1942: Cora Berliner, geb. in Hannover, 1942 verschollen; Sozialwissenschaftlerin, Dr. rer. pol. über jüdische Jugendvereine, 1919-1933 u. a. im Reichswirtschaftsministerium tätig, Prof. am Berufspädagogischen Institut, seitdem in der Reichsvertretung der deutschen Juden in Berlin, wo sie sich besonders der jüdischen Jugend widmete; am 19.6.1942 wurde sie von Berlin in ein Vernichtungslager deportiert und ist seitdem verschollen; sie harrte bewusst in Deutschland aus und wurde zur Märtyrerin ihrer Überzeugung; sie war die Tochter von Manfred Berliner (1853-1931)
  • 27.1.1890–1987: Erna Pinner (eigentlich: Wilhelmine Pinner), geb. in Frankfurt/M., gest. in London, Malerin, Grafikerin, Illustratorin, Puppenkünstlerin, Schriftstellerin und Naturwissenschaftlerin, studierte in Berlin und Paris, bekannt vor allem durch graziöse Tierzeichnungen, emigrierte 1935 nach England, lebte in London; erhielt 1960 das Bundesverdienstkreuz; Hauptwerke: Das Schweinebuch. Von der Geburt bis zur Wurst, 1921; Tierskizzen aus dem Frankfurter Zoo, 1927; Eine Dame in Griechenland, 1927; Ich reise durch die Welt, 1931; Tierbücher "Wunder der Wirklichkeit", 1955; Panorama des Lebens, 1961; Unglaublich und doch wahr, 1964
  • 6. Februar 1890: das folgenreiche Duell der Studenten Carl Vering und Eduard Salomon
  • 10.2.1890–3.9.1918: Fanny Kaplan (Fanja Kaplan, Fania Kaplan, russ. Фанни Ефимовна Каплан, ursprünglich: Фейга Хаимовна Ройдман), geb. im Gouvernement Wolhynien, Ukraine; getötet in Moskau, russische Anarchistin und Sozialrevolutionärin, die heute vor allem für ihr Attentat auf Lenin bekannt ist, das sie 1918 begangen haben soll; Feiga Roitman war eines von acht Kindern des Lehrers einer jüdischen Grundschule, Nachim Roitman; von ihrem Vater, der selbst loyal zur Obrigkeit stand, wurde sie zuhause unterrichtet; um 1905 wurde sie Anarchistin und bewegte sich mit Decknamen „Dora“ in revolutionären Zirkeln; 1906 beteiligte sie sich an einem Attentat auf einen Regierungsbeamten, und ein Kiewer Gericht verurteilte sie zum Tode; das Urteil wurde später in lebenslänglich umgewandelt; durch die Bombenexplosion hatte sie schwere Sehschäden erlitten; zuerst im Gefängnis, wurde sie nach Akatui in der transbaikalischen Bergregion Nertschinsk verbracht, wo schwere Zwangsarbeit ihre Gesundheit ruinierte; unter dem Einfluss Maria Spiridonowas wandte sie sich vom Anarchismus ab und wurde Sozialrevolutionärin; ihre Familie wanderte 1911 in die USA aus, sie selbst wurde während der Februarrevolution entlassen und reiste im April 1917 nach Moskau; Parteigenossen entschieden, sie zur Erholung in ein Sanatorium auf die Krim zu bringen; während der Oktoberrevolution befand sie sich zu einer Augenoperation in Charkow, um dann erneut auf die Krim zu gehen, diesmal nach Simferopol; - das Attentat: am 30. August 1918 wurde Lenin, der nach dem Attentat noch knapp 6 Jahre leben sollte, beim Verlassen einer Moskauer Fabrik, in der er eine Rede gehalten hatte, von zwei Kugeln getroffen; Kaplan wurde als Attentäterin festgenommen; im Verhör durch den Tschekisten Jakow Michailowitsch Jurowski und Staatsoberhaupt Swerdlow gab sie die folgende Erklärung ab: Ich heisse Fanja Kaplan. Heute habe ich auf Lenin geschossen. Ich tat das nach eigener Entscheidung. Ich werde nicht sagen, von wem ich den Revolver bekommen habe. Ich werde keine Details nennen. Ich hatte schon lange beschlossen, Lenin zu töten. Ich halte ihn für einen Verräter der Revolution. Ich war wegen meiner Teilnahme an einem Attentat gegen einen zaristischen Beamten in Kiew nach Akatui verbannt und habe elf Jahre in der Zwangsarbeit verbracht. Nach der Revolution wurde ich freigelassen. Ich war Anhängerin der verfassungsgebenden Versammlung und bin es heute noch; sie erklärte auch, dass sie eine extrem negative Einstellung zur Oktoberrevolution und die Entscheidung zum Attentat im Februar 1918 (nach der gewaltsamen Auflösung der Konstituante durch die Bolschewiken) in Simferopol getroffen habe; Lenin sei ein Verräter der Revolution, der die sozialistische Idee der letzten zehn Jahre durch persönliche Entscheidungen und ohne irgendeine Partei ausgelöscht habe; nachdem deutlich geworden war, dass Kaplan keine weiteren Angaben machen würde, wurde sie von der Tscheka ohne formelles Gerichtsverfahren in einem Hof des Moskauer Kreml erschossen; ihre sterblichen Überreste wurden nicht begraben, sondern von der Tscheka vernichtet; es gibt Zweifel, ob sie tatsächlich das Attentat durchführte oder nur als Sündenbock herhalten musste bzw. einen anderen Täter deckte; der Initiator der schnellen Erschiessung war Swerdlow persönlich
  • 10.2.1890–30.5.1960: Boris Pasternak (Boris Leonidowitsch Pasternak), russisch-jüdischer Schriftsteller, geb. Moskau, gest. Peredelkino bei Moskau; sein Vater Leonid war Künstler und Professor an der Moskauer Schule für Malerei, seine Mutter die bekannte Pianistin Rosa Kaufmann; Pasternak wuchs in einem intellektuellen und künstlerischen Milieu auf, zu Hause begegneten ihm Musiker, Künstler, Schriftsteller, z. B. Lew Tolstoi; Begegnungen mit Skrjabin brachten ihn dazu, Pianist und Komponist werden zu wollen, nach Abschluss des Moskauer deutschen Gymnasiums 1908 studierte er jedoch an der Moskauer Universität Philosophie, verbringt auch ein Auslandssemester in Marburg (Studium u. a. bei Hermann Cohen und Nicolai Hartmann), und entschliesst sich, sich der Poesie zuzuwenden („meiner Meinung nach sollte Philosophie dem Leben und der Kunst als Gewürz beigegeben werden, wer sich ausschliesslich mit Philosophie beschäftigt, kommt mir vor wie ein Mensch, der nur Meerrettich isst“); Pasternak begann als ein dem Symbolismus und Futurismus nahestehender Lyriker, fand mit seinen bildreichen, musikalischen Gedichten jedoch bald eigene Ausdrucksformen; seine Eltern und Geschwister wanderten 1921, als Auslandsreisen erlaubt wurden, nach Deutschland aus (er sah sie nie wieder); 1922 heiratete Pasternak Ewgenija Wladimirowna Lourie und hatte mit ihr einen Sohn, die Ehe wurde 1931 geschieden; in der Stalin-Zeit zum Schweigen gezwungen, war er zur Sicherung des Lebensunterhaltes als Übersetzer tätig (zum Teil berühmte Übersetzungen von Verlaine, Goethes „Faust“, Rilke, Kleist, Shakespeare); 1934 ging er eine zweite Ehe mit Sinaida Nikolajewna Neuhaus ein, die Familie zog 1936 in die Künstlerkolonie Peredelkino bei Moskau. Sein Roman Doktor Schiwago (an dem Pasternak ein halbes Leben lang gearbeitet hat), der sich bei der Darstellung der russischen Revolution nicht an die parteioffizielle Linie hielt, erschien (nachdem der Roman 1956 von der Veröffentlichung in der Sowjetunion ausgeschlossen worden war) 1957 im Ausland (in Mailand in italienischer Sprache, und erregte weltweit Aufsehen, danach Übersetzung in 18 andere Sprachen – ein internationaler Erfolg) und erst 1988 aus politischen Zwängen in der Sowjetunion unter Gorbatschow (Pasternak schildert in diesem Roman die Lebens- und Leidensgeschichte des Arztes, Wissenschaftlers und Dichters Jurij Andrejewitsch Schiwago von 1903 bis 1929 und entwirft dabei ein Bild des vor- und nachrevolutionären Russland, wie es von keinem anderen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts geschaffen worden ist. Schiwago entscheidet sich nach der Machtübernahme der Bolschewiken, Bürger, d. h. frei und unengagiert zu bleiben, sich nicht »umerziehen« zu lassen; als Vorbild für Lara, die weibliche Hauptfigur des Romans, soll Pasternaks langjährige Geliebte Olga Iwinskaja fungiert haben; der Film „Dr. Schiwago“ mit Omar Sharif und Julie Christie, Regie David Lean, 1965, gewann 1966 fünf Oscars und war ein internationaler Kinoerfolg); den ihm 1958 verliehenen Literatur-Nobelpreis musste Pasternak, nachdem er ihn zunächst angenommen hatte, unter politischem Druck ablehnen – dennoch wurde er in der Folge aus dem sowjetischen Schriftstellerverband ausgeschlossen; aus einem persönlichen Brief Pasternaks an Chruschtschow geht hervor, dass Pasternak trotz aller Angriffe auf ihn und seine Arbeit auf keinen Fall Russland verlassen wollte (in einer besonderen Zeremonie nahm sein Sohn den von Pasternak „abgelehnten“ Nobelpreis 1989 in Stockholm stellvertretend für seinen Vater entgegen). Voller Pläne und Ideen für weitere Gedichte und Romane starb Boris Pasternak am 30. Mai 1960 an Lungenkrebs in Peredelkino. Weitere Werke (Auswahl): „Zwilling in Wolken“, 1914; „Über die Barrieren“, 1917; „Meine Schwester, das Leben“, 1922; „Lüvers Kindheit“, 1922; „Briefe aus Tula“, 1922; „Das Jahr 1905“, 1927; „Geleitbrief. Erinnerungen“ 1931; „Spektorskij. Versroman“, 1931; „In den Frühzügen“, 1943; „Irdische Weite“, 1945; Autobiografie „Über mich selbst“, 1959
  • 12.7.1890-18.1.1941: Anton Kuh, geb. in Wien, gest. in New York an einem Herzinfarkt, österreichisch-jüdischer Journalist, Essayist, Erzähler, Kaffeehausliterat und genialer Stegreifredner; unter seinem eigenen Namen und unter dem Pseudonym Yorick veröffentlichte Anton Kuh u. a. Satiren und zahlreiche kurze Prosastücke, in denen er sich im Sinne von Pazifismus und Demokratie kritisch, witzig und hellsichtig mit seiner Zeit auseinandersetzte; Kuh würdigte früh die überragende Bedeutung Franz Kafkas und sprach sich bereits in den 1920er Jahren prophetisch warnend gegen den aufkommenden rechten Zeitgeist aus; bekannt war Kuh zu Lebzeiten vor allem als Vortragskünstler; Tucholsky nannte ihn einen „Sprechsteller“, was angesichts eines doch recht umfangreichen publizierten Œuvres nicht ganz zutreffend erscheint; eine von Kuhs bekanntesten Stegreifreden, Der Affe Zarathustras, eine am 25. Oktober 1925 im Wiener Konzerthaus gehaltene Polemik gegen Karl Kraus, bei der es zu tumultuösen Szenen kam und die Polizei vorbeischauen musste, ist nur durch stenografische Mitschriften überliefert; in ihr attackierte Kuh nicht nur die schauspielerhafte Eitelkeit des Schriftstellers und Rezitators Kraus sowie dessen Publikumsverachtung, sondern vor allem das elitär apolitische „Krausianertum“ seiner Anhängergemeinde. („Sie spazieren im Labyrinth seiner dunkel gewundenen Drehs wie Alumnen unter Klosterkreuzgängen. Wie kühl es da ist, wie weit weg von Moskau und Berlin“; zwei Wochen vor dem „Anschluss“ und damit dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich fragte Kuh in seiner letzten Wiener Stegreifrede: „Sind die Juden intelligent?“ und appellierte: „Wenn ja, rettet Euch. Es ist höchste Zeit!“ Kuh lebte zunächst in Prag und Wien, zog dann 1928 nach Berlin, weil er lieber „in Berlin unter Wienern, statt in Wien unter Kremsern“ leben wollte; von den Nazis als „Kulturbolschewik“ geschmäht, musste er Deutschland 1933 verlassen; nach dem deutschen Einmarsch in Österreich emigrierte er 1938 in die USA; seine Werke wurden in den 1960er Jahren neu entdeckt; Werke: Juden und Deutsche, Berlin 1921; Von Goethe abwärts. Essays in Aussprüchen, Leipzig, Wien Zürich 1922; Börne der Zeitgenosse. Eine Auswahl eingeleitet und herausgegeben von Anton Kuh, Leipzig u. Wien 1922; Der Affe Zarathustras, 1925; Der unsterbliche Österreicher, München 1931; Werkausgaben: Luftlinien. Feuilletons, Essays und Publizistik, hg. von Ruth Greuner, Wien 1981; Zeitgeist im Literatur-Cafe. Feuilletons, Essays und Publizistik, neue Sammlung, hg. von Ulrike Lehner, Wien 1985; Juden und Deutsche Hg. und mit einer Einleitung von Andreas B. Kilcher, Wien 2003; noch ein bekanntes Zitat von ihm: "Wie sich der kleine Moritz die Weltgeschichte vorstellt - genau so ist sie."; viele weitere Zitate des Wortgewaltigen könnte man bringen, z. B.: "Das Unglück der Deutschen ist, dass sie glauben, das Wort Erotik käme von erröten"
  • 27.8.1890-18.11.1976: Man Ray (eigentlich Emmanuel Rudnitzky), geb. Philadelphia, Pennsylvania, gest. Paris; US-amerikanischer Fotograf, Maler und Filmschaffender; war ein mittelmässiger surrealistischer Maler, aber genialer Fotograf; er schuf "Readymades", deren berühmtestes das "Geschenk" (ein Bügeleisen mit 14 Nägeln) ist; als Fotograf einer der Erfinder der Fotografik (Rayogramm); mit seinen "Rayographien" (Fotomontagen und Fotogrammen) entwickelte er neue künstlerische Ausdrucksmittel; 1927 drehte er die Filme "Seestern" und "Die Geheimnisse von Château de Dé"; berühmte Fotografie „Kiki, le violon d´Ingres“ (1924), sie setzt durch die aufretuschierten Schalllöcher den nackten Rücken der sitzenden Frau mit einem Musikinstrument gleich; Modell war Man Rays Lebensgefährtin Kiki de Montparnasse
  • 1890-1969: Jecheskel Sarne

Bücher etc.

  • 1890: Juristischer Verlag Otto Liebmann; medizinischer Verlag S. Karger, Berlin (Samuel Karger)
  • Joseph Samuel Bloch, Acten und Gutachten in dem Prozesse Rohling contra Bloch, 1890
  • Friedrich Engels, Über den Antisemitismus, 1890
  • Theodor Hertzka, Freiland: Ein soziales Zukunftsbild, Leipzig 1890
  • A. Loisy, Histoire du canon de l'Ancien Testament, Paris 1890
  • Siegmund Maybaum, Jüdische Homiletik nebst einer Auswahl von Texten und Themen, Berlin 1890
  • David Lieben, Die Eröffnung des neuen zweiten Israel. Wolschaner Friedhofes, Prag 1890
  • Moses Braunschweiger, Die Lehrer der Mischnah. Ihr Leben und Wirken für Schule und Haus nach den Quellen bearbeitet, Frankfurt am Main, Kauffmann 1890
  • A. Schwarz, Tosifta juxta Mischnarum Ordinem recomposita et Commentario instructa, I. Wilna 1890 (II. Frankfurt/M. 1902)
  • J. Hildesheimer (Hrsg.), Halachoth Gedoloth nach dem Texte der Handschrift der Vaticana, Berlin 1890
  • M. Klotz, Der talmudische Tractat Ebel Rabbati, Berlin 1890
  • Reinhold Röhricht, Bibliotheca Geographica Palästinae, Berlin 1890
  • Karte von Palästina, bearbeitet von Fischer und Guthe, Leipzig 1890
  • Bibl. topogr. Karte aus Palästina bearb. von Leuzinger und Furrer, Leipzig 1890
  • Conrad v. Orelli, Durch's heilige Land (Tagebuchblätter), 4. Aufl., Basel 1890
  • Guy le Strange, Palestine under the moslems, London 1890

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1890: Central-Anzeiger für Jüdische Litteratur. Blätter für neuere und ältere Litteratur des Judentums; Herausgeber: Nehemias Brüll; erschien zwischen Januar 1890 und Dezember 1890 in Frankfurt a. M.; der "Central-Anzeiger", herausgegeben von dem Frankfurter Reformrabbiner Nehemias Brüll (1843-1891), sollte als Nachfolgeorgan die Aufgaben der renommierten Zeitschrift für "Hebräische Bibliographie" des jüdischen Gelehrten Moritz Steinschneider (1816-1907) übernehmen; in Form eines "fortwährenden Wegweisers auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur" sah das Blatt seine "Hauptaufgabe in der wissenschaftlichen Registrierung der sämmtlichen ihr angehörigen neu erscheinenden Schriften"; der "Central-Anzeiger" sollte als "Verzeichnis der jüdischen und hebräischen Litteratur" dienen und alle Schriften, "die das Judentum und seine Wissenschaft betreffen", kritisch kommentieren; darüber hinaus wurden Anzeigen von Bücherkatalogen und Mitteilungen über Buchhandel und Bücherwesen berücksichtigt und kleinere "Litterarhistorische Abhandlungen und Miscellen" veröffentlicht; aufgrund des frühen Todes des Herausgebers musste die Zeitschrift ihr Erscheinen bereits zum Jahresende 1890 wieder einstellen
  • Um 1890: In Johannesburg beginnt der Jewish Star sein Erscheinen (Wochenschrift, englisch)

1890 in Wikipedia


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