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1890

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Ereignisse

  • 1890: Auf dem Antisemitentag in Bochum am 10. und 11. Juni 1889 konnten sich die verschiedenen Gruppen erneut nicht einigen. Stoecker und Sonnenberg wollten konservative Wähler nicht verschrecken und den kleinbürgerlichen Mittelstand für den Nationalstaat gewinnen; ihre Anhänger bildeten die neue Deutschsoziale Partei. Böckel dagegen wollte seine Ziele schon im Parteinamen zeigen. Dazu gründete er mit weiteren Gruppen 1890 die Antisemitische Volkspartei. Beide neuen Parteien forderten die Aufhebung der Emanzipationsgesetze, verhöhnten liberale Gleichstellungsparteien im Wahlkampf als „Judenschutztruppe“ und gewannen bei den Reichstagswahlen desselben Jahres zusammen knapp drei Prozent der Stimmen.
  • 1890: 1890 trat der wegen Unterschlagung aus dem Schuldienst entlassene Lehrer Hermann Ahlwardt (1846-1914) mit dem Buch „Der Verzweiflungskampf der arischen Völker mit dem Judentum“ (Berlin) hervor. Ein Grossteil davon beschrieb nur seine eigenen Finanzprobleme. Ein weiteres Buch, „Der Eid eines Juden“, bezichtigte Gerson von Bleichröder, Bankier und Freund Bismarcks, der Korruption. Dafür wurde Ahlwardt wegen Verleumdung zu vier Monaten Gefängnishaft verurteilt. Danach behauptete er in der Schrift „Judenflinten“, der jüdische Waffenfabrikant Ludwig Löwe habe den preussischen Truppen in geheimer Absprache mit den Franzosen untaugliche Gewehre geliefert, um die deutsche Wehrfähigkeit zu lähmen. Dafür erhielt er weitere fünf Monate Gefängnis. Da er seit 1893 Reichstagsabgeordneter war, musste er die Strafe nicht absitzen. Er wurde von Bauern in der Region Arnswalde-Friedeberg – wo es kaum Juden gab – gewählt, indem er in persönlichen Gesprächen „Junker und Juden“ für ihre ökonomische Not verantwortlich machte. 1894 legte er ein Programm vor, das vorsah, alle Grossgrundbesitzer zu enteignen und ihren Besitz in Gemeineigentum zu überführen. Die übrigen Antisemiten lehnten dies ab. Später emigrierte er in die USA und versuchte dort erfolglos, ebenfalls antisemitische Gruppen zu bilden.
  • 1890: Jüdische Lehrlingsfürsorge: Bestrebungen zur Betreuung jüdischer Lehrlinge und Förderung ihrer Ausbildung begannen in Deutschland um 1890: Gründung von Lehrlingsheimen in Berlin-Pankow, Düsseldorf, München u. a.
  • 1890: Berlin: Martin Ephraim-Stiftung zu wohltätigen Zwecken gegründet
  • 1890: Tschechoslowakei. Mit dem im Zuge der nationalen Bewegungen des 19. Jhdts. einhergehenden Gegensatz zwischen Tschechen und Deutschen mussten die Juden sich für die Zugehörigkeit zu einer dieser Volksgruppen und der damit zusammenhängenden Kultur entscheiden. Ergebnis war eine verstärkte „Germanisierung“ der tschechischen Juden, so dass z. B. 1890 74 Prozent der Prager Juden Deutsch als ihre Umgangssprache angaben. In Böhmen und Mähren war ab 1867 die volle Gleichberechtigung der Juden gesetzlich garantiert. Dennoch wurden die Juden mit „Deutschtum“ und kapitalistischer Ausbeutung in Zusammenhang gebracht. Nach dem gescheiterten Versuch der Wiener Regierung, sowohl deutsch als auch tschechisch zur Amtssprache zu erheben, kam es im ganzen Land zu einem Sturm auf deutsche Institutionen und darauf folgenden antisemitischen Ausschreitungen. Grosses Aufsehen erregte im Jahr 1899 die so genannte Hilsner-Affäre, als in Nordböhmen ein ermordetes Mädchen aufgefunden wurde. Der Verdacht fiel auf den aus Polna stammenden herumziehenden jüdischen Schustergehilfen Leopold Hilsner (Hülsner, 1877-1927), dem vorgeworfen wurde, das Mädchen aus rituellen Gründen ermordet zu haben, um ihr Blut beim Pessachfest zu benutzen. Hilsner wurde in einem zweifelhaften Indizienprozess im September 1899 zum Tode verurteilt (später in eine lebenslange Haft umgewandelt, 1916 begnadigt und aus dem Zuchthaus entlassen) (vgl. noch 1899)
  • 1890: Theodor Herzl, „Was wird man sagen?“
  • Ca. 1890: Nathan Birnbaum prägt den Begriff Zionismus (abgeleitet von „Zion“, dem Namen des Jerusalemer Tempelberges). Aber Birnbaum ist nicht der Schöpfer dieses Begriffs, der Begriff war schon in Gebrauch, z. B. steht in einem Brief Ruben Bierers vom 9.12.1888 der Ausdruck "zionistischer Brudergruss"; "Zionist" findet sich schon 1877 in einer rumänisch geschriebenen Broschüre (Jahresbericht des Ordens "Zion" in Bukarest)
  • 1890: In Russland taucht eine hebräische Version der "Protokolle der Weisen von Zion" auf
  • 1890: Rechowoth/Rehovot, eine 1890 von Mitgliedern der ersten Alijah (von B’nei Mosche aus Warschau, also von polnischen Juden) gegründete Landwirtschaftssiedlung / palästinische Landstadt; sie wollten eine von der Hilfe Baron Edmond de Rothschilds unabhängige Stadt errichten, einer der Gründer war Israel Belkind, der (basierend auf Gen 26, 22) den Namen Rechowot ("Weite") vorschlug; die Siedlung war spezialisiert auf Trauben, Orangen, Mandeln, Oliven und Gemüse, später auch Getreide (arabische und jüdische Lohnarbeiter), wirtschaftlich gesund und unabhängig; ihr Administrator war Elijahu Se’ev Levin-Epstein; Rechowoth war damals das Schekelzahlerzentrum in Palästina, geistiges Zentrum der Hitachdut ha-Ikkarim (Pflanzerverband unter Führung von Smilansky), Sitz der Landwirtschaftlichen Versuchsstation und des Sieff-Forschungsinstitut für Agrikulturchemie (Weizmann)
  • 1890: Mischmar ha-Jarden ca. 12 km nördlich vom See Genezareth gegründet
  • 1890: Ben Jehuda gründet den "Rat für die Hebräische Sprache"
  • 1890: Sir William Flinders Petrie (1853–1942, Nichtjude) wurde zum eigentlichen Pionier der archälogischen Forschung in Palästina, als er 1890 eine Expedition nach Tel el-Hesi unternahm. Als erster erkannte er, dass Keramikfunde anhand der Bodenschichten datiert werden konnten, in denen man sie gefunden hatte. Dies liess Schlussfolgerungen für die gesamte Geschichte des antiken Palästina zu. Petrie war eigentlich Spezialist für ägyptische Altertümer, und er blieb auch nur eine Grabungssaison in Palästina und wandte sich dann wieder Ägypten zu. Er wurde aber zum Lehrer einer ganzen Generation junger Archäologen, die später in Palästina wirkten.
  • 1890: Max H. Kuczynski geboren, Mediziner (Pathologie) in Berlin, sein Sohn war zeitweise Premierminister von Peru
  • 1890: Michael Taube geboren, Kammerdirigent
  • 1890: Hans Gál geboren, Opernkomponist
  • 1890: Samuel Feinberg geboren, jüdischer Komponist in Russland
  • 1890: Selma Täubler-Stern geboren, Historikerin (Neuere Geschichte)
  • 1890: Israel Rubin geboren, jüdischer Pädagoge
  • 1890: Aron Goodelman geboren, jüdischer Bildhauer
  • 1890: Manfred Gurlitt geboren, Komponist (vgl. bei Louis Gurlitt, 1812-1897)
  • 1890: Gabriel Grad geboren, jüdischer, in Erez Israel wirkender Komponist und Musiker
  • 1890: Ernst Lothar geboren, Schriftsteller (Romane, Novellen)
  • 1890: Rudolf Fuchs geboren, Schriftsteller (Gedichte)
  • 1890: Otto Zoff geboren, Schriftsteller (Dramen, Romane)
  • 1890: Gladys B. Stern geboren, englisch-jüdische Schriftstellerin
  • 1890: Samuel Ornitz geboren, US-amerikanisch-jüdischer Schriftsteller
  • 1890: Morris J. Karpf geboren, jüdischer Sozialpolitiker in Amerika (engagiert in der jüdischen Sozialausbildung)
  • 6. Februar 1890: das folgenreiche Duell der Studenten Carl Vering und Eduard Salomon
  • 12.7.1890-18.1.1941: Anton Kuh, geb. in Wien, gest. in New York an einem Herzinfarkt, österreichisch-jüdischer Journalist, Essayist, Erzähler, Kaffeehausliterat und genialer Stegreifredner; unter seinem eigenen Namen und unter dem Pseudonym Yorick veröffentlichte Anton Kuh u. a. Satiren und zahlreiche kurze Prosastücke, in denen er sich im Sinne von Pazifismus und Demokratie kritisch, witzig und hellsichtig mit seiner Zeit auseinandersetzte; Kuh würdigte früh die überragende Bedeutung Franz Kafkas und sprach sich bereits in den 1920er Jahren prophetisch warnend gegen den aufkommenden rechten Zeitgeist aus; bekannt war Kuh zu Lebzeiten vor allem als Vortragskünstler; Tucholsky nannte ihn einen „Sprechsteller“, was angesichts eines doch recht umfangreichen publizierten Œuvres nicht ganz zutreffend erscheint; eine von Kuhs bekanntesten Stegreifreden, Der Affe Zarathustras, eine am 25. Oktober 1925 im Wiener Konzerthaus gehaltene Polemik gegen Karl Kraus, bei der es zu tumultuösen Szenen kam und die Polizei vorbeischauen musste, ist nur durch stenografische Mitschriften überliefert; in ihr attackierte Kuh nicht nur die schauspielerhafte Eitelkeit des Schriftstellers und Rezitators Kraus sowie dessen Publikumsverachtung, sondern vor allem das elitär apolitische „Krausianertum“ seiner Anhängergemeinde. („Sie spazieren im Labyrinth seiner dunkel gewundenen Drehs wie Alumnen unter Klosterkreuzgängen. Wie kühl es da ist, wie weit weg von Moskau und Berlin“; zwei Wochen vor dem „Anschluss“ und damit dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich fragte Kuh in seiner letzten Wiener Stegreifrede: „Sind die Juden intelligent?“ und appellierte: „Wenn ja, rettet Euch. Es ist höchste Zeit!“ Kuh lebte zunächst in Prag und Wien, zog dann 1928 nach Berlin, weil er lieber „in Berlin unter Wienern, statt in Wien unter Kremsern“ leben wollte; von den Nazis als „Kulturbolschewik“ geschmäht, musste er Deutschland 1933 verlassen; nach dem deutschen Einmarsch in Österreich emigrierte er 1938 in die USA; seine Werke wurden in den 1960er Jahren neu entdeckt; Werke: Juden und Deutsche, Berlin 1921; Von Goethe abwärts. Essays in Aussprüchen, Leipzig, Wien Zürich 1922; Börne der Zeitgenosse. Eine Auswahl eingeleitet und herausgegeben von Anton Kuh, Leipzig u. Wien 1922; Der Affe Zarathustras, 1925; Der unsterbliche Österreicher, München 1931; Werkausgaben: Luftlinien. Feuilletons, Essays und Publizistik, hg. von Ruth Greuner, Wien 1981; Zeitgeist im Literatur-Cafe. Feuilletons, Essays und Publizistik, neue Sammlung, hg. von Ulrike Lehner, Wien 1985; Juden und Deutsche Hg. und mit einer Einleitung von Andreas B. Kilcher, Wien 2003; noch ein bekanntes Zitat von ihm: "Wie sich der kleine Moritz die Weltgeschichte vorstellt - genau so ist sie."; viele weitere Zitate des Wortgewaltigen könnte man bringen, z. B.: "Das Unglück der Deutschen ist, dass sie glauben, das Wort Erotik käme von erröten"
  • 27.8.1890-18.11.1976: Man Ray (eigentlich Emmanuel Rudnitzky), geb. Philadelphia, Pennsylvania, gest. Paris; US-amerikanischer Fotograf, Maler und Filmschaffender; war ein mittelmässiger surrealistischer Maler, aber genialer Fotograf; er schuf "Readymades", deren berühmtestes das "Geschenk" (ein Bügeleisen mit 14 Nägeln) ist; als Fotograf einer der Erfinder der Fotografik (Rayogramm); mit seinen "Rayographien" (Fotomontagen und Fotogrammen) entwickelte er neue künstlerische Ausdrucksmittel; 1927 drehte er die Filme "Seestern" und "Die Geheimnisse von Château de Dé"; berühmte Fotografie „Kiki, le violon d´Ingres“ (1924), sie setzt durch die aufretuschierten Schalllöcher den nackten Rücken der sitzenden Frau mit einem Musikinstrument gleich; Modell war Man Rays Lebensgefährtin Kiki de Montparnasse
  • 1890-1969: Jecheskel Sarne

Bücher etc.

  • 1890: Juristischer Verlag Otto Liebmann; medizinischer Verlag S. Karger, Berlin (Samuel Karger)
  • Joseph Samuel Bloch, Acten und Gutachten in dem Prozesse Rohling contra Bloch, 1890
  • Friedrich Engels, Über den Antisemitismus, 1890
  • Theodor Hertzka, Freiland: Ein soziales Zukunftsbild, Leipzig 1890
  • A. Loisy, Histoire du canon de l'Ancien Testament, Paris 1890
  • Siegmund Maybaum, Jüdische Homiletik nebst einer Auswahl von Texten und Themen, Berlin 1890
  • David Lieben, Die Eröffnung des neuen zweiten Israel. Wolschaner Friedhofes, Prag 1890
  • Moses Braunschweiger, Die Lehrer der Mischnah. Ihr Leben und Wirken für Schule und Haus nach den Quellen bearbeitet, Frankfurt am Main, Kauffmann 1890
  • A. Schwarz, Tosifta juxta Mischnarum Ordinem recomposita et Commentario instructa, I. Wilna 1890 (II. Frankfurt/M. 1902)
  • J. Hildesheimer (Hrsg.), Halachoth Gedoloth nach dem Texte der Handschrift der Vaticana, Berlin 1890
  • M. Klotz, Der talmudische Tractat Ebel Rabbati, Berlin 1890
  • Reinhold Röhricht, Bibliotheca Geographica Palästinae, Berlin 1890
  • Karte von Palästina, bearbeitet von Fischer und Guthe, Leipzig 1890
  • Bibl. topogr. Karte aus Palästina bearb. von Leuzinger und Furrer, Leipzig 1890
  • Conrad v. Orelli, Durch's heilige Land (Tagebuchblätter), 4. Aufl., Basel 1890
  • Guy le Strange, Palestine under the moslems, London 1890

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1890: Central-Anzeiger für Jüdische Litteratur. Blätter für neuere und ältere Litteratur des Judentums; Herausgeber: Nehemias Brüll; erschien zwischen Januar 1890 und Dezember 1890 in Frankfurt a. M.; der "Central-Anzeiger", herausgegeben von dem Frankfurter Reformrabbiner Nehemias Brüll (1843-1891), sollte als Nachfolgeorgan die Aufgaben der renommierten Zeitschrift für "Hebräische Bibliographie" des jüdischen Gelehrten Moritz Steinschneider (1816-1907) übernehmen; in Form eines "fortwährenden Wegweisers auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur" sah das Blatt seine "Hauptaufgabe in der wissenschaftlichen Registrierung der sämmtlichen ihr angehörigen neu erscheinenden Schriften"; der "Central-Anzeiger" sollte als "Verzeichnis der jüdischen und hebräischen Litteratur" dienen und alle Schriften, "die das Judentum und seine Wissenschaft betreffen", kritisch kommentieren; darüber hinaus wurden Anzeigen von Bücherkatalogen und Mitteilungen über Buchhandel und Bücherwesen berücksichtigt und kleinere "Litterarhistorische Abhandlungen und Miscellen" veröffentlicht; aufgrund des frühen Todes des Herausgebers musste die Zeitschrift ihr Erscheinen bereits zum Jahresende 1890 wieder einstellen
  • Um 1890: In Johannesburg beginnt der Jewish Star sein Erscheinen (Wochenschrift, englisch)

1890 in Wikipedia


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