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1887

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Ereignisse

  • 1887: Der Orientalist und konservative Politiker Paul de Lagarde (Paul Anton de Lagarde, bis 1854 Paul Bötticher, Lebensdaten: 2.11.1827-22.12.1891), Vorläufer des "völkischen" Gedankens, fordert die Loslösung des Christentums vom Alten Testament und die Austreibung der Juden, fordert in „Juden und Indogermanen“ 1887 die Einheit von „Rasse und Volk“ unter Ausschluss des Judentums. Er beklagte, dass in Berlin mehr Juden lebten als in Palästina, und forderte, „dies wuchernde Ungeziefer zu zertreten“. „Mit Trichinen und Bacillen wird nicht verhandelt, Trichinen und Bacillen werden auch nicht erzogen, sie werden so rasch und so gründlich wie möglich vernichtet. De Lagarde lieferte sich auch eine heftige Polemik mit Leopold Zunz; der Herausgeber der antisemitischen Zeitschrift "Der Hammer", Theodor Fritsch, bearbeitete Nietzsche, um ihn von der Richtigkeit der merkwürdigen Rassentheorie und der Berechtigung des Antisemitismus zu überzeugen; Nietzsche antwortete unter anderem (in einem Brief, Nizza 23.3.1887): " ... Die Juden sind mir, objektiv geredet, interessanter als die Deutschen; ihre Geschichte gibt grundsätzlich Probleme auf. Ich gestehe übrigens, dass ich mich dem jetzigen "deutschen Geist" zu fremd fühle, um seinen einzelnen Idiosynkrasien ohne viel Ungeduld zusehen zu können. Zu diesen rechne ich die Sonderheit des Antisemitismus. Oh, wenn Sie wüssten, was ich im vorigen Frühling über die Bücher jenes ebenso gespreizten, wie sentimentalen Querkopfes, der Paul Lagarde heisst, gelacht habe ..." (vgl. Brief vom 29.4.1887)
  • 1887: Eugen Altschul geboren, Volkswirtschaftler (Konjunkturforschung)
  • 1887: In Prag Karl Arnstein geboren, Ingenieur, 1915 Chefkonstrukteur in den Zeppelinwerken („ZR III“), seit 1924 Generaldirektor der Goodyear Zeppelin Co. (USA), gest. 1974 in Bryan, Ohio
  • 1887: Hermann Badt geboren, Verwaltungsjurist
  • 1887: Georg Polya geboren, Mathematiker (Zürich)
  • 1887: Harald Bohr geboren, Mathematiker (Kopenhagen)
  • 1887: Egon Lustgarten geboren, österreichisch-jüdischer Komponist
  • 1887: Philipp Ellinger geboren, Pharmakologe in Düsseldorf
  • 1887: Arthur Felix geboren, Mediziner (Bakteriologie) in London
  • 1887: Max Jessner geboren, Mediziner (Dermatologie) in Breslau
  • 1887: Adhémar Gelb geboren, Psychologe
  • 1887: Erich Unger geboren, Religionsphilosoph
  • 1887: Salman Schneur (Chneour) geboren in Schklow (Weissrussland), lebte in Paris, neu-hebräischer (und jiddischer) Dichter, eine der führenden Erscheinungen der modernen hebräischen Literatur seiner Zeit, Lyriker und Epiker mit revolutionärem Pathos
  • 1887: Hermann Zondek in Wronke geboren, Internist, seit 1921 a. o. Prof., 1926-1933 Direktor am Urban-Krankenhaus Berlin; Hauptgebiet: Lehre von der inneren Sekretion
  • 1887: Kontakt Herzls zu Karl Emil Franzos
  • 1887: E. Cohn-Reiss, Bahnbrecher der modernen hebräischen Schule, wird Leiter der Waisenhaus-Lämelschule
  • 1887: Kastinie: Nahe dem Mittelmeer, etwa 40 km südlich von Jaffa, war 1887 von Baron Rothschild Land erworben worden, auf dem mit seiner Hilfe die Siedlung Kastinie gegründet wurde, benannt nach dem arabischen Dorf, von dem das Land ursprünglich gekauft worden war. Die Siedler litten jedoch unter Wassermangel und unter der weiten Entfernung von anderen jüdischen Siedlungen, weshalb sie Kastinie verliessen. 1896 wurde der Ort von Chowewe Zion wiederbesiedelt, die ihn zu einer Mustersiedlung machen wollten, ein Versuch, der jedoch nicht gelang
  • 1.1.1887–7.10.1954: Josef Opatoschu (den Nachnamen nahm er nach seiner Übersiedlung in die USA an; auch: Joseph Opatoschu oder Opatoszu, Józef, eigentlich: Josef Meir Opatowski), geb. in Mława bei Plock, gest. in New-York, jiddischsprachiger Schriftsteller, einer der bedeutendsten Novellisten und Romanciers der jiddisch-amerikanischen Literatur; Romantrilogie "In den polnischen Wäldern", Darstellung des jüdisch-polnischen Lebens im 19. Jhdt. (dt. Übersetzung "Der letzte Waldjude" u. a.); Josef Opatoschu wuchs in Polen auf und war Sohn eines angesehenen Waldhändlers; er besuchte die Handelsschule in Warschau und seit 1906 das Polytechnikum in Nancy; 1907 emigrierte er in die USA (New York City), war dort Fabrikarbeiter, Hebräischlehrer und setzte parallel seine Studien fort, die er 1914 als Ingenieur beendete; ab 1914 schrieb er 40 Jahre lang für die New Yorker jiddische Tageszeitung Der Tog; er veröffentlichte hunderte Erzählungen, Novellen und Romane, die in mehreren jiddischen Zeitschriften erschienen, und gilt als wichtigster und begabtester Vertreter der Schriftstellergruppe Di Yunge (Die Jungen), die sich Anfang des 20. Jahrhunderts in New York formierte und der jiddisch-amerikanischen Literatur wichtige Impulse verlieh; zu Opatoschus Freunden zählte Marc Chagall, der ihn porträtierte und das Frontispiz zu seinem Roman A tog in Regensburg (Ein Tag in Regensburg) schuf; Opatoschu starb am Jom-Kippur-Tag 1954; sein Grab befindet sich auf dem Arbeter Ring Cemetery in New York City, nahe den Gräbern von Scholem Alejchem und Yehoash (Solomon Blumgarten, 1870–1927); -- Werke (Auswahl): Of jener sat brick, 1910 (sein literarisches Debüt); Morris in san sin Filipp, 1913 ("Morris und sein Sohn Philipp". in Ignatoffs Sammelband "Schriften"); Vin New Yorker Ghetto, 1914 (Erzählungen, erschienen im Sammelbuch Die naie heim, das er mit herausgab); Roman vin a Ferdsganef, 1917 ("Roman eines Pferdediebes"; in Ignatoffs Sammelband "Schriften"; 1971 verfilmt; die Geschichte eines Pferdediebes, den Opatoschu als Kind kennengelernt hatte und später als eine Art modernen Robin Hood glorifiziert); Aleyn, 1919 ("Allein", Roman); Ouf seitige wegn, 1919 (Novelle); Farloyrene Mentschen, 1919 ("Verlorene Menschen"; beschreibt das Leben der jüdischen Emigranten in Amerika); In pojlische welder, 1921 ("In polnischen Wäldern", Romantrilogie: 1. Teil: In pojlische welder, 2. Teil: 1863, 3. Teil: A Roman vin a Waldmädel, sein Hauptwerk, an dem er zehn Jahre arbeitete, zum Teil auch ins Hebräische übersetzt von Mordechai Lipson, wurde dann auch in weiteren Übersetzungen - Englisch, Französisch, Deutsch, Polnisch - Bestandteil der Weltliteratur; Opatoschu thematisiert hier in diesem weit ausholenden romantischen Erzählwerk das chassidische Leben in Kotzk, dem Wallfahrtsort der polnischen Chassidim, den Kotzker Rebben, den Baal mophes = Rabbi Itze, den polnischen Aufstand von 1863, Überbleibsel der Schabbetai-Zvi-Bewegung, Napoleon, polnische Edelleute und jüdische "Waldmenschen"); Arum die churbes, 1922; Rase, 1923; Di Tentserin, 1929; Der Aufstand, 1929; Arum Grand Street, 1929; A tog in Regensburg, 1932 ("Ein Tag in Regensburg", Darstellung des mittelalterlichen Deutschlands einschliesslich mit grosser erzählerischer Lust vorgetragener Milieuschilderungen der bisher tabuisierten jüdischen Halb- und Unterwelt, ins Hebräische übersetzt 1943, ins Englische übersetzt 1968 durch Jacob Sloan); Der letzter Oyfstand, 1948-1952 ("Der letzte Aufstand", Roman in 2 Bänden, über Bar Kochba und den Alltag der Juden im 2. nachchristlichen Jahrhundert, ins Englische übersetzt 1952 durch Moshe Spiegel, ins Hebräische 1953 durch Ascher Ben-Jisrael); - Ohne Jahr bzw. nicht ermittelt; Amerikanisierung; Die naie Welt; Hibro; Lehrer; Schatten; Unbegrenzte Möglichkeiten; Unterwelt; Zigeuner
  • 28.1.1887–20.12.1982: Arthur Rubinstein. - Der amerikanische Pianist mit polnisch-jüdischen Wurzeln Arthur Rubinstein wurde am 28.1.1887 in Lódz geboren. Seine pianistische Biographie begann früh. Als klassisches Wunderkind am Klavier gab er bereits mit fünf Jahren sein erstes Konzert. Sein Ausnahmetalent ermöglichte ihm Studien bei Ausnahmelehrern wie Rózycki und Paderewski in Warschau. Im Alter von zehn Jahren studierte Rubinstein bei Max Bruch in Berlin. Schon zu dieser Zeit führten ihn Konzertauftritte durch ganz Europa und die USA. 1906 zog er nach Paris und lebte während des ersten Weltkrieges in England. Während des Zweiten Weltkriegs lebte er in den USA und nahm später auch die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1954 kehrte Rubinstein nach Paris zurück. Lange Zeit war sein pianistisches Wesen ausschliesslich durch sein Talent geprägt. Kritiker warfen Rubinstein vor, sich zu sehr auf sein Genie zu verlassen und dabei den sprichwörtlichen Schweiss zu vernachlässigen. In Europa und USA wurde ihm seine Nachlässigkeit in seinem Spiel kaum verziehen. Dies änderte sich, als Rubinstein 1937 ein Comeback in den USA feierte. Rubinstein war wie ausgewechselt. Es schien, als hätte er sich endgültig dazu entschieden, ein grosser Pianist werden zu wollen, was ihm folgend auch unzweifelhaft gelang. Besonders seine Interpretationen des Klavierwerks von Brahms und Beethoven gelten heute als meisterliche Instrumentalkunst. Weltweit berühmt machte ihn jedoch sein unverwechselbares Chopin-Spiel, welches für viele bis heute als unübertroffen gilt. Rubinsteins starb am 20.12.1982 in Genf. - Joachim Kaiser über Arthur Rubinstein: "Wunderbar, erstaunlich, unbegreiflich aber mutet nicht bloss die technische Klarheit seines Spiels an, die rührende, in langsamen Sätzen herzbewegende Erlauchtheit seiner Phrasierung, das stürmische Temperament seiner Ausbrüche. Das alles wiegt viel, will erobert, bewahrt und lebendig gehalten sein..."
  • 29.1.1887–14.9.1974: René Spitz (René A. Spitz, René Arpad Spitz), geb. in Wien, gest. in Denver/Colorado, Psychoanalytiker, Wegbereiter von Säuglingsforschung und Entwicklungspsychologie; seit 1933 Psychotherapeut, bis 1938 Hochschullehrer in Paris, ging dann in die USA, wo er 1940-1957 in New York am Psychoanalytischen Institut, danach als Prof. an der Universität Denver arbeitete, ging nach seiner Emeritierung in die Schweiz; Hauptwerke: Entstehung der ersten Objekt-Beziehung, 1956; Nein und Ja, die Ursprünge der menschlichen Kommunikation, 1959; Vom Säugling zum Kleinkind, 1967; Vom Dialog, 1976
  • 7.2.1887–16.9.1960: Leo Spitzer, geb. in Wien, gest. in Forte dei Marmi, Italien, bedeutender Romanist (Katalanisch, übrige ibero-romanische Sprachen etc.) und Literaturtheoretiker, wurde 1925 Prof. in Marburg, 1930 in Köln, 1933 in Istanbul, 1936 in Baltimore/USA; er war Herausgeber der Meisterwerke der romanischen Sprachwissenschaft, 2 Bde., 1929 f., und schrieb u. a. "Romanische Stil- und Literaturstudien", 1931, und "A method of interpreting literature, 1949 (deutsch 1966); weitere Werke: "Die Wortbildung als stilistisches Mittel", 1910; "Aufsätze zur romanischen Syntax und Stilistik", 1918
  • 11.2.1887–24.9.1911: Dmitri Bogrow (Dmitri Grigorjewitsch Bogrow, auch: Mordko Gerschkowitsch Bogrow, auch: Bagrow), geb. in Kiew, gehängt in Kiew, Student der Rechte, Informant der russischen Geheimpolizei in Kiew und Mörder des zaristischen Premierministers Pjotr Arkadjewitsch Stolypin; Bogrow stammte aus einer wohlhabenden Familie assimilierter Juden; er studierte in Kiew Jura und nahm im Jahr 1906 erstmals Beziehungen zu einer anarchistischen Gruppe auf; im Jahr 1907 wurde er Informant des Geheimdienstes der Ochrana; Bogrow erwarb das volle Vertrauen des Chefs der Kiewer Geheimpolizei, Oberstleuntnants N. N. Kuljabko; von ihm erhielt er auch eine Eintrittskarte zu einer Jubiläumsfeier in der Oper von Kiew am 18.9.1911; Bogrow konnte sich auf diese Weise einen Eintritt zu der bewachten Oper verschaffen, in der auch Zar Nikolaus II. anwesend war; aus einer Browning schoss Bogrow auf Stolypin, dem die Kugel in die Brust drang, seine Leber verletzte und am Rückgrat eine tödliche Wunde verursachte; am 22.9.1911 wurde Bogrow zum Tode durch den Strang verurteilt; das Urteil wurde am 24. September in der Kiewer Festung Lysa Hora vollzogen; die Witwe von Stolypin hatte sich vergeblich dafür eingesetzt, das junge Leben des Attentäters zu schonen; die Nachforschungen der Hintergründe des Attentats erstreckten sich über ein Jahr; durch Intervention des Zaren wurden weitere Untersuchungen untersagt; nicht nur die schnelle Vollstreckung des Urteils hat zahlreiche Spekulationen über die Hintergründe der Tat genährt; einige Historiker sind der Auffassung, dass die Kiewer Sektion der Ochrana damit im Zusammenhang stand; Beweise für diese These konnten aus den vorhandenen Unterlagen aber bisher nicht erbracht werden
  • März 1887: Kontakt Herzls zu Hermann Sudermann

Bücher

  • H. L. Strack, Einleitung in den Talmud, Leipzig 1887
  • A. Harkavy, Responsen der Geonim, Berlin 1887
  • D. Hoffmann, Zur Einleitung in die halachischen Midraschim, Berlin 1887
  • S. Bamberger, Lekach Tob (Pesikta Sutrata). Ein agad. Kommentar zu Megillat Ruth, Aschaffenburg 1887
  • A. Epstein, Me-Qadmoniot ha-Jehudim. Beiträge zur jüdischen Alterthumskunde, Wien 1887
  • S. Schechter, Textausgabe Abot de Rabbi Natan, Wien 1887
  • H. Hirschfeld, Das Buch al-Chazari im arabischen Urtext sowie in der hebr. Übersetzung, Leipzig 1887
  • Otto Ankel, Grundzüge der Landesnatur des Westjordanlandes, Frankfurt 1887
  • Richard v. Riess, Bibel Atlas in 10 Karten nebst geogr. Index, Freiburg 1887
  • A. Neubauer (Hrsg.), Mediaeval Jewish Chronicles, 2 Bände, Oxford 1887-1895 (hebr. mit engl. Einführung)

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1887: erscheint in New York das kurzlebige deutschsprachige Blatt Der Jude

1887 in Wikipedia


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