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1886

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Ereignisse

  • 1886: S. Fischer Verlag
  • 1886: Der Kyffhäuserverband schloss Juden 1886 als erster aus seinen Reihen aus. Bis 1896 folgten die meisten Burschenschaften. Dagegen erklärte der Allgemeine Deutsche Burschenbund 1905: Um deutsch zu sein, müsse man nicht rein germanischer Abstammung sein. Über andere Themen wie etwa die Flottenaufrüstung oder Schutzzölle gegen englische Importe konnte sich das Bild der „jüdischen Ausbeuter“ und ihrer „zersetzenden“ Demokratie-Ideen in breiten Bevölkerungsschichten festsetzen. Besonders folgenreich war der Antisemitismus an den Hochschulen. Viele dort ausgebildete Akademiker, Juristen, Ärzte, Ingenieure, Lehrer und Pastoren beteiligten sich dauerhaft an der antisemitischen Agitation, benachteiligten Juden aktiv und trugen so zu ihrer zunehmenden Verdrängung aus staatlichen Ämtern und zu ihrer gesellschaftlichen Ächtung bei. Auch ihre Fachverbände wurden seit etwa 1890 von der antisemitischen Welle erfasst.
  • 1886: Wegen der Ausgrenzung jüdischer Studenten aus den meisten Studentenverbindungen kam es mit der Viadrina in Breslau 1886 zur ersten rein jüdischen Studentenverbindung, 1896 zum ersten Kartellconvent jüdischer Verbindungen (KC) / Kartell-Convent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens ("deutsch-jüdischer" Richtung). Diese bekannten sich bewusst gleichermassen zu Deutschtum und Judentum (waren nicht etwa nationaljüdisch wie das K.J.V.) und versuchten, ihre Mitglieder durch Sport zu ertüchtigen, um in Duellforderungen ihre Ehre gegen Antisemiten zu erkämpfen.
  • 1886: Der Marburger Bibliothekar Otto Böckel (1859-1923) fand bei der Landbevölkerung in Hessen mit antisemitischer Agitation viel Zustimmung. 1886 gründete er seine „Deutsche Reformpartei“, die sich noch im selben Jahr mit dem Verein von Fritsch zusammenschloss. Bei der Reichstagswahl am 21. Februar 1887 errang Böckel im Wahlkreis Kassel als erster bekennender Antisemit ein Reichstagsmandat, das er bis 1907 innehatte.
  • 1886: Zar Alexander III. lässt in Jerusalem auf dem Ölberg im traditionellen russischen Stil die russisch-orthodoxe Maria-Magdalena-Kirche mit sieben vergoldeten Zwiebeltürmen erbauen; in der Krypta befindet sich die letzte Ruhestätte der von der russisch-orthodoxen Kirche als heilige Märtyrerin verehrten Elisabeth von Hessen-Darmstadt sowie ihrer Nichte Alice von Battenberg; unter dem nächtlichen Flutlicht wirkt die Kirche wie eine phantastische Hochzeitstorte
  • 1886: Schenkung der Gräber der Könige durch die Familie Pereire: Gräber der Angehörigen der Familie der Königin Helena von Adiabene (Parthien) aus dem 1. Jhdt. n. Chr., die unweit der Strasse nach Nablus liegen; das französische Bankhaus Pereire wurde von den Brüdern Jacques Emile Pereire (1800-1875) und Isaac Pereire (1806-1880) gegründet; mit Eisenbahnbau und Spekulationen machten sie ein grosses Vermögen; 1864 kaufte Isaac Pereire die Gräber der Könige, 1886 wurden sie von seiner Familie der französischen Regierung geschenkt
  • 1886: Kurt Singer geboren, Volkswirtschaftler (Wirtschaftsgeschichte)
  • 1886: Giorgio Levi della Vida geboren, Orientalist
  • 1886: Erwin Gutkind geboren, jüdischer Architekt, in Berlin tätig
  • 1886: Joseph Achron geboren, jüdischer Komponist in Russland
  • 1886: Mark Aldanow geboren, russisch-jüdischer Schriftsteller
  • 1886: Gustav Erlanger geboren, Mediziner (Augenheilkunde) in Berlin
  • 1886: Kurt Koffka geboren, Psychologe (experimentelle Psychologie)
  • 2.1.1886–7.3.1931: Lupu Pick, geb. in Jassy, Rumänien, gest. in Berlin (an einem Magenleiden), Schauspieler (oft herangezogen für Rollen von älteren Männern, obwohl er selbst noch jung war; diese Rollen verkörperte er meisterhaft) und Filmregisseur; sein Vater war Österreicher, seine Mutter rumänischer Herkunft; er begann als Bühnenschauspieler in Hamburg, Flensburg und Berlin, bevor er 1910 erstmals im Film auftrat; er spielte unter Gerhard Lamprecht, Richard Oswald, Fritz Lang und auch in seinen eigenen Filmen; 1917 Mitgründer der Filmgesellschaft Rex-Film AG; Lupu Pick war auch gesellschaftlich engagiert, 1919 plädierte er gegen die Todesstrafe in seinem Film „Misericordia – Tötet nicht mehr!“ Gemeinsam mit dem Drehbuchautor Carl Mayer wandte er sich dem Kammerspielfilm zu und schuf mit „Scherben“ (1921) und „Sylvester“ (1924) wichtige Beispiele dieser Gattung; sein letzter Stummfilm ist 1929 der historisch-psychologische Film „Napoleon auf St. Helena“; Lupu Pick drehte nur einen einzigen Tonfilm („Gassenhauer“); seine Frau, die Schauspielerin Edith Posca, beging knapp vier Monate nach seinem Tod Suizid; weitere Filme: „Schlemihl“, 1915; „Hoffmanns Erzählungen“, 1916; „Homunculus“, 1916; „Das unheimliche Haus“, 1916; „Es werde Licht“, 1918; „Mr. Wu“, 1919; „Aus den Erinnerungen eines Frauenarztes“, 1922; „Spione“, 1928; „Gassenhauer“, 1931
  • 2.1.1886: Heinrich Schalit geboren in Wien, einer der wenigen jüdischen Komponisten in Deutschland, die das jüdische Element (im Anschluss an jüdische Volks- und Synagogalmusik) in ihrem Schaffen betonten; Organist und Musiklehrer in München, ab 1933 Chordirigent im Exil in Rom; ab 1940 in den USA; schuf den "Hebräischen Lobgesang"; erhielt den österreichischen Staatspreis für ein Klavierquartett; schrieb Lieder und Kammermusik; Freitagabend-Gottesdienst, 1933; starb am 3.2.1976 in Evergreen/Colorado, USA
  • 8.1.1886–12.3.1967: Max Ostermann, geb. in Tauroggen, gest. in Basel, Medizinhistoriker, seit 1890 in Wien, ging 1938 nach Basel ins Exil, war Herausgeber der Ars Medici; Hauptwerke: Diagnostisch-Therapeutisches Handbuch, 10. Aufl. 1964; Praktikum der physikalisch-diätetischen Therapie, 3. Aufl. 1952
  • 9.1.1886-16.10.1941: Dr. med. et phil. Arthur Kronfeld, geb. in Berlin, Suizid in Moskau, Pionier der Psychologie, Sexualwissenschaft und schulenunabhängigen Psychotherapie in Berlin
  • 9.1.1886–6.2.1955: Paul Aron, geb. in Dresden, gest. in New York, N.Y., Pianist, Komponist, Regisseur, Dirigent, Veranstalter, Bearbeiter, Pädagoge und Übersetzer, der 1933 vor den Nationalsozialisten in die Tschechoslowakei, 1939 nach Kuba fliehen musste und ab 1941 in den USA im Exil lebte
  • 16.1.1886–7.3.1947: Ludwig Hardt, geb. in Neustadt-Gödens (Neustadtgödens?) (Ostfriesland), gest. in New York, zu seiner Zeit sehr bekannter, vielseitiger Vortragskünstler/Rezitator in Berlin, bemerkenswert durch seine feinsinnig zusammengestellten literarischen Programme (Heine und viele andere jüdische Dichter); war Lehrer an der Schauspielschule Reichers (Emanuel Reicher), Mitglied des Märkischen Wandertheaters und für kurze Zeit Lektor für Vortragskunst am Deutschen Theater; ursprünglich Schauspieler, ging er um 1910 zur Rezitation über und hat auf diesem Gebiet Hervorragendes geleistet; seit 1933 im Rahmen des Jüdischen Kulturbundes tätig; 1937 ging er nach Österreich, 1938 in die CSR, 1939 in die USA
  • 22.1.1886–12.10.1949: Oskar Jellinek, geb. in Brünn als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie, gest. in Los Angeles, Calif.; Schriftsteller, schrieb hauptsächlich Novellen; Jurastudium in Wien, Offizier im ersten Weltkrieg, war erst Richter (bis 1919), dann seit 1924 freier Schriftsteller, floh 1938 von Wien über Prag nach Paris, 1940 in die USA, wo er 1949 starb; Hauptwerke: Das Burgtheater eines Zwanzigjährigen, 1907; Der Bauernrichter, 1925; Die Mutter der Neun, 1926; Der Sohn, 1928; Das ganze Dorf war in Aufruhr, 1930; Die Seherin von Daroschitz, 1933; Die Geistes- und Lebenstragödie der Enkel Goethes, 1938; Raacher Silberfeier (Gedichte), 1947; Gesammelte Novellen, 1950
  • 7.2.1886–19.9.1976: Jechezqel Abramsky (Reb Chatzkel Abramsky), geb. in Litauen, einer der bedeutendsten orthodoxen Rabbiner des 20. Jhdts.; 17 Jahre stand er dem Londoner Bet Din vor; er ist Autor des letzten grossen traditionellen Tossefta-Kommentars (Chazon Jechezqel, 24 Bände, fand grosse Anerkennung sowohl von rabbinischer wie von Seiten der Gelehrten); er starb in Jerusalem (24. Elul 5736), an seiner Beerdigung nahmen über 40 000 Menschen teil, eine der grössten Beerdigungen, die Jerusalem bis dahin gesehen hatte
  • 13.4.1886–27.12.1970: Paul Schwarzkopf, geb. in Prag, gest. in Reutte/Tirol, Metallurge, Erfinder, Industrieller; war in leitenden Stellungen der Industrie tätig, 1911 in Berlin im Wolfram-Laboratorium (1911 gelang ihm die Erfindung des gezogenen Wolframfadens), 1919 bei der Deutschen Glühfadenfabrik in Berlin, 1921 Gründung des Metallwerks Plansee in Reutte, hatte 1920 die Powder Metallurgy (Pulvermetallurgie) erfunden; musste 1936 in die USA emigrieren, seit 1939 bei der American Electro Metal Corp in Yonkers, N. Y., 1947 Rückkehr nach Europa, ab 1955 Prof. in Innsbruck (1956 dort Ehrensenator); Hauptwerk: Das Leben der Metalle, Wien 1961
  • 18.4.1886–13.9.1966: Luitpold Stern (J. L. Stern, Josef Luitpold Stern), geb. u. gest. in Wien, Pseudonym: Josef Luitpold, Autor ("Arbeiterdichter"), sozialdemokratischer Bildungspolitiker, Journalist; Dr. phil., Kriegsteilnehmer, leitete 1926-1934 die Arbeiterhochschule in Wien-Döbling, floh 1934 in die CSR, 1938 nach Frankreich, 1940 in die USA, wo er Dozent in Philadelphia war, kehrte 1948 nach Österreich zurück und war 1948-1954 Rektor der Arbeiterhochschule Weinberg in Oberösterreich sowie 1954-1959 Bildungsreferent des Österreichischen Gewerkschaftsbundes; er machte sich vor allem als Balladendichter einen Namen; erhielt 1958 den Staatspreis Österreichs für Volksbildung; wurde Prof. h. c.; Gesammelte Werke, 10 Bände, 1963-1966
  • 20.4.1886–11.4.1948: Paul Weingarten, geb. in Brünn, gest. in Wien, böhmisch-jüdischer Pianist, Schüler von Emil von Sauer, Robert Fuchs, Guido Adler; er unterrichtete Klavier an der Wiener Musikhochschule (u. a. der Jazz-Pianist Joe Zawinul war sein Schüler), bis er 1939 fliehen musste; Paul Weingarten war verheiratet mit Anna Maria Josefa Elisabeth von Batthyány-Strattmann (23.3.1909 bis 21.9.1992), Tochter von Ladislaus Batthyány-Strattmann
  • 1.11.1886-30.5.1951: Hermann Broch, österreichischer Schriftsteller, Erzähler, dessen meiste Werke jüdische Probleme berühren; geb. in Wien, gest. in New Haven, Conn. (USA); Textilindustrieller (trat 1908 in die Firma des Vaters ein und leitete sie bis 1927), katholisch getauft; studierte Philosophie, Psychologie und Mathematik; als Jude 1938 von der Gestapo verhaftet, Flucht über England in die USA, wo er an der Yale University über Massenwahntheorie arbeitete; veröffentlichte ab 1913 Schriften zur Ästhetik, Geschichtsphilosophie und Werttheorie; seine Kritik des Neopositivismus ging in die geschichtsphilosophisch fundierte Romantrilogie "Die Schlafwandler" (1930-1932) ein, in der der Zerfall der Werte der europäischen Kultur dargestellt und formal im Zerfall der Romanform reflektiert wird (er erhielt später dafür den Kleistpreis); in seinem Roman "Der Tod des Vergil" (1945) rechnete er mit der ethischen Unzulänglichkeit seines Werkes ab; Brochs 1942 entstandene "Psychische Selbstbiographie" erschien erstmals 1999; weitere Werke (Auswahl): "Die Schuldlosen", 1949; "Der Versucher", 1953; Gesammelte Werke, 10 Bände, 1952-1961; Kommentierte Werkausgabe in 13 = 17 Bänden, 1974-1981
  • 23.12.1886-8.4.1950: Albert Ehrenstein, selbstbewusst-jüdischer, aber antizionistischer österreichischer Lyriker und Erzähler, auch Übersetzer/Nachdichter chinesischer Lyrik (enttäuscht von der "teuflischen Durchschnittsethik unserer Judenchristen" hatte er sich der chinesischen Gedankenwelt zugewandt), Übersetzer auch aus dem Griechischen (Lukian), kulturkritischer Essayist; Sohn ungarisch-jüdischer Eltern (der Vater war Kassierer bei einer Brauerei, die Familie war arm; sein jüngerer Bruder war der Dichter Carl Ehrenstein, 1892-1971); Albert Ehrenstein wurde geboren im Wiener Arbeitervorort Ottakring, starb verarmt in New York; er studierte zunächst Geschichte und Philosophie (Promotion 1910 über ungarische Geschichte, nach eigenen Angaben: „kaum Universitätsstudium; aber durch fünf Jahre angeblichen Studiums sicherte ich mir die Freiheit: Zeit zu dichterischer Freiheit. Durch tolerantes Überhören an mich gerichteter Fragen und Beleidigtsein über zu leichte zog ich mir sogar den Doktortitel zu“), ab 1910 publizierte er in verschiedenen Zeitschriften („Fackel“, „Der Sturm“, „Die Aktion“, „Neue Jugend“ [dadaistisch]), 1911 Übersiedlung nach Berlin; er wurde schnell zu einer der wichtigsten Stimmen des Expressionismus, stand in engem Kontakt zu Lasker-Schüler, Benn und Franz Werfel; nicht alle mochten seine rücksichtslosen Produkte, es kursierte der Spottvers „Hoch schätzt man den Ehrensteinen, nur seine Verse stören einen“; während des Krieges lernte er die begnadete Schauspielerin Elisabeth Bergner kennen, der er mit zum Durchbruch verhalf, und verliebte sich hoffnungslos in sie, widmete ihr viele Gedichte; bei der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wurden auch seine Bücher auf den „Scheiterhaufen“ geworfen; er war einer jener unbestechlichen Kritiker und Freigeister, der sich sein Leben lang zwischen alle Stühle gesetzt hat, er nahm nie ein Blatt vor den Mund, wo immer er eine Anmassung, Unwahrheit oder Unrecht witterte, in Politik, Staat, Gesellschaft, in Literatur, Kunst oder Religion, darin bestand aber auch das Verhängnis seines Lebens, das ihm das Schicksal eines Aussenseiters und letztendlich den Tod im Exil beschied, er stand immer über allen Parteien und kannte keine Loyalitäten, ausser der vielleicht zur Wahrheit und zur Menschlichkeit; er wurde Ende 1932 zur Emigration in die Schweiz (Tessin) gezwungen (wo sich Hermann Hesse nicht sehr erfolgreich für ihn einsetzte), von wo er dann 1941 weiter (über England, Frankreich, Spanien) nach New York floh, lebte dort verbittert und in Armut (er fand kein Auskommen, konnte nur einige wenige Artikel für den „Aufbau“ loswerden, wurde von George Grosz finanziell unterstützt), schrieb expressionistische Gedichte und phantastische Erzählungen; 1949 kehrte er erst in die Schweiz, dann nach Deutschland zurück, fand jedoch keinen Verleger und ging dann schliesslich enttäuscht wieder nach New York; nach zwei Schlaganfällen wurde er in ein Armenhospiz auf Welfare Island verbracht, wo er am 8. April 1950 starb; nach seinem Tod sammelten Freunde Geld, damit seine Urne nach England verschifft werden konnte, wo sein Bruder Carl immer noch lebte; Ehrensteins Asche wurde schliesslich auf dem Bromley Hill Cemetery in London beigesetzt; Werke (Auswahl): „Wanderers Lied“, 1910 (ein Gedicht, das Karl Kraus in der „Fackel“ veröffentlichte, und das Ehrenstein über Nacht bekannt machte); „Tubutsch“ (durch Ehrensteins Freund Oskar Kokoschka illustriert), 1911; „Der Selbstmord eines Katers“, 1912; „Die weisse Zeit“, 1914; „Der Mensch schreit“, 1916 (gegen die Kriegsbegeisterung); „Nicht da nicht dort“, 1916; „Schinkenstern“, 1916; „Die rote Zeit“, 1917; „Bericht aus einem Tollhaus“, 1912 [2. Aufl. 1919] (Neufassung des Selbstmord-Katers); „Zaubermärchen“, 1919 (Neufassung von „Nicht da nicht dort“); „Den ermordeten Brüdern“, 1919; „Mammutbaum“, 1919; „Karl Kraus“, 1920; „Die Nacht wird. Gedichte und Erzählungen“, 1920; „Der ewige Olymp. Novellen und Gedichte“, 1921; “Wien“, 1921; „Die Heimkehr des Falken“, 1921; „Briefe an Gott. Gedichte in Prosa“, 1921; „Schi-King. Nachdichtungen chinesischer Lyrik“, 1922; „Herbst“, 1923; „Pe-Lo-Thien. Nachdichtungen chinesischer Lyrik“, 1923; „China klagt. Nachdichtungen revolutionärer chinesischer Lyrik aus drei Jahrtausenden“, 1924; „Lukian“, 1925; „Ritter des Todes“, 1926; „Menschen und Affen“, 1926; „Räuber und Soldaten. Roman frei nach dem Chinesischen“, 1927; „Mein Lied“, 1931; „Mörder aus Gerechtigkeit“, 1931 (ein recht erfolgreicher Roman nach einem chinesischen Vorbild); „Das gelbe Lied. Nachdichtungen chinesischer Lyrik“, 1933
  • 25.12.1886-10.12.1929 Franz Rosenzweig, geb. Kassel, gest. Frankfurt am Main, jüdischer Religionsphilosoph, „Bahnbrecher des jüdisch-christlichen Dialogs“, gründete in Frankfurt das Freie Jüdische Lehrhaus zur Vermittlung von Wissen über das Judentum (dort konnte man neben Rosenzweig und vielen anderen Martin Buber, Siegfried Kracauer und Erich Fromm hören), war – auch in der Auseinandersetzung mit seinen christlichen Freunden und im Sinne eines Angebots für einen interreligiösen Dialog – auf der Suche nach einer Synthese von abendländischer Philosophie mit biblisch-jüdischem Denken; begann mit Martin Buber eine bedeutende Bibelübertragung ins Deutsche; Rosenzweig wuchs in gutsituierten Verhältnissen auf, in seiner Familie wurde ein emanzipiertes, liberales Judentum gepflegt; ab 1905 Studium der Medizin in Göttingen, München und Freiburg/Breisgau; ab 1907 Studium der Geschichte und Philosophie in Freiburg und Berlin; 1912 Promotion bei Friedrich Meinecke mit einer antihegelianischen Arbeit (später angewachsen zur Habilitationsschrift „Hegel und der Staat“, 1920); 1913 beschloss er unter dem Einfluss von Freunden und bereits konvertierten Familienmitgliedern (Vetter Hans Ehrenberg), zum evangelischen Glauben überzutreten – widerrief aber diesen Entschluss und vertiefte sich in die jüdische Überlieferung; er liess sich einige Monate von Hermann Cohen in Berlin unterrichten und entschloss sich dann zum weiteren Studium des Judentums; im ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig und wurde als Sanitäter und bei der Artillerie eingesetzt; von der Front führte er seit 1916 einen Dialog in Feldpostbriefen mit dem christlichen (ursprünglich jüdischen) Rechtshistoriker Eugen Rosenstock-Huessy, den er 1929 unter dem Titel „Briefe eines Nichtzionisten an einen Antizionisten“ veröffentlichte; noch im Krieg begann er mit der Verfassung des „Stern der Erlösung“ (1921), seinem philosophischen Hauptwerk, das in strenger Systematik eine philosophisch-theologische Reflexion des Glaubens liefern will; 1922 erkrankte Franz Rosenzweig an der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), die mit starken Bewegungs- und Sprachstörungen verbunden ist (1922 erschien auch sein „Büchlein vom gesunden und kranken Menschenverstand“); er musste die Leitung des Lehrhauses aufgeben, die fortschreitende Lähmung hinderte ihn auch an der Vollendung vieler geplanter Schriften; trotz seiner Krankheit erschienen jedoch die Übersetzung der Hymnen und Gedichte des Jehuda Halevi sowie die ersten Teile der „Verdeutschung der Schrift“ (Die fünf Bücher der Weisung, 1925), an denen er gemeinsam mit seinem Freund Martin Buber arbeitete, der das Werk nach Rosenzweigs Tod vollendete; seine philosophische Abhandlung „Das neue Denken“, 1925, diktierte er – inzwischen völlig gelähmt – seiner Frau mit den Augenlidern; 1926 erschien „Zweistromland“ (Essays); bis heute wird jährlich die Buber-Rosenzweig-Medaille durch den Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit an Personen verliehen, die sich besonders für den christlich-jüdischen Dialog einsetzen; seine Briefe erschienen 1935
  • 1886–1944: Max Bergmann, jüdischer Chemiker, erster Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Lederforschung in Dresden; Pionier der angewandten Wissenschaften, er hatte sich auf das Entschlüsseln von Protein-und Peptid-Strukturen spezialisiert, forschte auch an deren Synthese; Bergmann verliess Deutschland und sein Institut 1933 und war danach an der Rockefeller Universität in New York tätig; dort war er der Hauptwissenschaftler für Protein-Chemie und trug massgeblich dazu bei, dass die USA auf dem Gebiet der molekularen Biologie eine Spitzenposition erreichten; in seinem berühmten Labor arbeiteten zwei spätere Nobelpreisträger

Bücher

  • S. Buber, Sammlung agadischer Commentare zum Buch Esther, Wilna 1886
  • Carl Diener, Der Libanon, Wien 1886
  • Sortet, La Syrie d'aujourdhui, Paris 1886
  • Theodor Herzl, Seine Hoheit, 1886
  • Dr. Josef Kopp, Zur Judenfrage nach den Akten des Prozesses Rohling-Bloch, Leipzig 1886 (Verlag von Julius Klinkhardt) (Nachweis der Lügenhaftigkeit der Anschuldigungen gegen den Talmud)

Zeitungen und Zeitschriften

1886 in Wikipedia


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