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1884

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Ereignisse

  • 1884: Theodor Fritsch (1852-1933) unternimmt einen neuen Anlauf zur Sammlung der zerstrittenen Antisemiten. Er gründete 1884 die „Deutsche Antisemitische Vereinigung“ mit Untergruppen in sächsischen Kleinstädten; 1885 gab er dazu die Zeitung „Antisemitische Correspondenz“ heraus. 1887 verfasste er den berüchtigten „Antisemitenkatechismus“, der alle judenfeindlichen Klischees sammelte, weit verbreitet wurde und bis 1945 immer neue Auflagen erlebte. Fritsch zog aus den Misserfolgen seiner Vorgänger den Schluss: „Unser Ziel muss es sein, alle Parteien mit dem antisemitischen Gedanken zu durchsetzen … Sobald wir als politische Partei auf den Plan treten, haben wir nicht mehr allein die Juden zu Gegnern, sondern zugleich alle anderen politischen Parteien.“
  • 1884: David Wolffsohn wird Mitinhaber und Filialleiter in Papenburg (Niedersachsen) der Holzhandelsfirma Bernstein (A. Bernstein), die dann als Bernstein & Wolffsohn firmierte. 1888 verlegte sie ihren Sitz nach Köln.
  • 1884: Emil Starkenstein geboren, Pharmakologe in Prag
  • 1884: Louis T. Grünberg geboren, jüdischer Komponist in Amerika
  • 1884: Arnold Zadikow in Kolberg geboren, Bildhauer, zu seiner Zeit neben Benno Elkan einer der führenden Vertreter moderner jüdischer Plastik in Deutschland; Bildnisbüsten, Grabdenkmäler; Statue „Der junge David“; von München aus, wo er u. a. viele Grabsteine auf dem Alten Israelitischen Friedhof gestaltet hatte, wurde er in die Vernichtungslager deportiert und kam dort 1943 ums Leben
  • 1884: Richard Salomon geboren, Historiker (Neuere Geschichte)
  • 1884: Marcel Cohen geboren, Orientalist
  • 1884: Ernst Kahn geboren, Journalist an der Frankfurter Zeitung
  • 1884: August Saenger geboren, Jurist (Handels- und Wirtschaftsrecht)
  • 1884: Fritz Noether geboren, Mathematiker (Breslau)
  • 1884: Felix Aaron Theilhaber (Sohn des Gynäkologen Adolf Theilhaber) in Bamberg geboren, Ethnologe und Schriftsteller; "Kampf um Gott, Volk und Land"
  • 1884: Elias Hurwicz geboren, beschäftigte sich mit Völkerpsychologie
  • 1884: Erich Frank geboren, Mediziner (Innere Medizin) in Istanbul
  • 1884: Siegfried Loewe geboren, Pharmakologe in Heidelberg
  • 1884: Andor Fodor in Budapest geboren, o. Prof. in Halle, seit 1923 Leiter des Chemischen Instituts Jerusalem, erfolgreiche Studien über die Kolloidchemie der Fermente
  • 1884: Gründung des Allgemeinen Rabbinerverbands in Deutschland (reorganisiert 1896) zur "Förderung der in deutschen Gemeinden tätigen Rabbiner in ihrer rechtlichen und beruflichen Stellung und bei ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit"
  • 1884: Gründung des "Admath Jeschurun" durch Rabbiner Spitzer
  • 2.1.1884–9.11.1938: John Höxter, geb. in Hannover, gest. in Berlin, Maler und Schriftsteller des Expressionismus, Dadaismus und der Bohème der Berliner Kunstszene am Anfang des 20. Jahrhunderts; die Künstler der Szene trafen sich zunächst im Café des Westens, später im Romanischen Café; bekannt wurde der morphiumabhängige (und sich zu seiner Sucht offen bekennende) Höxter durch seine Überlebenskunst als Edelschnorrer; zusammen mit George Grosz rief er die Satirezeitschrift Der blutige Ernst ins Leben; darüber hinaus schrieb er für die Zeitschrift Aktion; nach der Pogromnacht 1938 nahm sich Höxter das Leben; Werke: Apropoésies Bohémiennes. Privatdruck (vermutlich Berlin um 1935, Zeichnungen und Bilder Höxters); So lebten wir. 25 Jahre Berliner Boheme (1929, Biko-Verlag); Ich bin noch ein ungeübter Selbstmörder. Postskriptum Verlag, Hannover 1988 (Randfiguren der Moderne); Friedrich Hollaender schrieb über John Höxter: "Ich pendle langsam zwischen allen Tischen. / Ab zwanzig Uhr beherrsch ich dieses Reich. / Ich will mir einen edlen Gönner fischen / Vor mir sind Rassen und Parteien gleich. / Irrenärzte, Komödianten, / Junge Boxer, alte Tanten / Jeder kommt mal an die Reihe / Jeder kriegt von mir die Weihe: / Könn'se mir fumpfzig Pfennje borgen? / Nur bis morgen? / Ehrenwort!"
  • 8.3.1884–2.11.1974: Richard Kroner, geb. in Breslau, gest. in Mammern/Thurgau, Philosoph, wurde 1919 Prof. in Freiburg i. Br., 1924 in Dresden, 1928 in Kiel (bis 1935), 1938 emigrierte er nach England, 1941 als Prof. nach New York; er behandelte besonders Religionsphilosophie; Werke: Von Kant bis Hegel, 1921-1924 (2 Bände); Die Selbstverwirklichung des Geistes, 1928; Kulturphilosophische Grundlegung der Politik, 1931; The religious function of imagination, 1941; The primacy of faith, 1951; Speculation and revelation in the history of philosophy, 3 Bände, 1957-1961; Between faith and thought, 1966; Freiheit und Gnade, 1969
  • 15.6.1884–19.6.1962: Georg Altman, Regisseur und Theatermann
  • 6.-11. November 1884: "Kattowitzer Konferenz": Die Chovevei Zion-Mitglieder begrüssten PinskersAutoemanzipation“ enthusiastisch. Sie drängten Pinsker, die Entscheidung der westlichen Juden nicht abzuwarten, sondern sich sofort für eine Heimat in Eretz Israel ans Werk zu machen. Diskussionen mit Führern der Bewegung wie Moses Lilienblum, Hermann Schapira und Max Mandelstamm überzeugten ihn. Er war massgeblich an der Gründung der Chovevei Zion-Gruppe von Odessa beteiligt (dem damaligen Zentrum der Bewegung), die mit anderen Gruppen in Kontakt war. Pinsker war der Vorsitzende ihrer Gründungskonferenz im November 1884 in Kattowitz (die eine organisatorische Verbesserung der Zusammenarbeit der isolierten einzelnen Chowewe-Zion-Vereine zum Ziele hatte und beschloss, einen "Montefiore-Verband zur Förderung des Ackerbaus unter den Juden und zur Unterstützung der jüdischen Kolonisten in Palästina" zu gründen). Hier betonte er die Notwendigkeit der jüdischen Rückkehr zur Bearbeitung des Landes, vermied aber Diskussionen über Staatsbürgerschaft oder Unabhängigkeit, um die westeuropäischen Juden nicht zu befremden. – [Lit.: N. M. Gelber (Hrsg.), Die Kattowitzer Konferenz 1884, Protokolle, Wien-Brünn 1919]
  • 1884–1926: Eugen Zak, Maler und Grafiker
  • 1884–1933: Charles „King“ Solomon, amerikanisch-jüdisches Gangster-Oberhaupt in Boston, kontrollierte während der Prohibition Schmuggel, Drogenhandel und die illegale Spielszene in ganz Neu-England
  • 1884–1946: Cheskija Josef Mischkovsky, Rabbiner

Bücher

  • S. Buber (Hrsg.), Midrasch Leqach Tob, Wilna 1884 (Lekach tob, Pesikta sutarta, ein agadischer Commentar zum ersten und zweiten Buche Mosis von R. Tobia ben Elieser)
  • B. Heidingsfelder, Allgemeines Lexicon sämmtlicher jüdischen Gemeinden Deutschlands nebst statistischen und historischen Angaben, Frankfurt/M. 1884
  • The survey of Western Palestine, 9 Bde., London 1884

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1884: Der Polnischer Jüdel, in London wöchentlich in jiddischer Sprache erscheinendes sozialistisches Blatt
  • 1884: La Verdad, in Smyrna in Spaniolisch erscheinend

1884 in Wikipedia


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