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1882

Aus Jewiki
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Ereignisse

  • seit 1882: Einwanderungsverbot der Pforte (Türkei) für Juden nach Palästina, lange vor Entstehung des politischen Zionismus
  • 9.2.1882: Theodor Herzl setzt sich in seinem Jugendtagebuch mit Dühring auseinander. Auszüge: „Dühring. Die Judenfrage. – Ein infames Buch. Und leider so gut geschrieben, als hätte es nicht gemeiner Neid mit der giftgetauchten Feder der persönlichen Rachsucht geschrieben. – Wenn so infames Zeug so ehrlich vorgetragen wird, wenn so viel geschulter und durchdringender Verstand, wie ihn Dühring unleugbar besitzt, in Gemeinschaft mit gelehrter und wirklich universeller Bildung also schreiben kann – was ist dann vom bildungsfessellosen Haufen zu erwarten! - - Er behandelt die Judenfrage als Racenfrage, und er sieht in dieser „niederträchtigen Race“ nur niederträchtige und infame Eigenschaften. Schon das verdächtigt die Klarheit seiner Auffassung ein wenig. Wie hätte sich eine solche niedrige, talentlose Race so lange erhalten können, durch anderthalb Jahrtausende unmenschlichen Druckes, wenn gar nichts Gutes an ihr wäre. Und dieser scheinliberale Faselhans von Dühring, der immer nur von „Treue“ und abermals von „Treue“ spricht – imponirt ihm nicht die heldenhafte Treue dieses ahasverischen Volkes gegen seinen Gott? – Nein, der chassirte Professor ist nur von Rachsucht und ohnmächtigem Hass, von ekelhafter Galle geschwollen und wenn er sich auch Anfangs beherrscht und wissenschaftliche Allüren annimmt, so geht das scheue Pferd, Hass geheissen später doch mit ihm durch, und krampfhaft an seine Mähne geklammert, rast Dühring über Stock und Stein dahin. Anfangs ist man in der Täuschung befangen, ein offenherziger Gelehrter wolle sich über eine brennende Frage (sagen wir lieber über eine künstlich angefachte Frage) ehrlich äussern, aber bald entdeckt man, dass die Bosheit, die ohnmächtige Wuth des weggejagten Universitätsprofessors keift und geifert. Die Outrance rächt sich an Dühring: Anfangs ist er gefährlich – später wird er erbärmlich und lächerlich. – Gewisse ekelhafte und niederträchtige Eigenschaften der Juden und Jobber haben in ihm einen grausamen, aber genauen Beobachter gefunden – dass ihn Rachsucht zu dieser Beobachtung getrieben, ist dabei zwar nebensächlich, wenn nur die Beobachtung wahrheitlich ist; aber so wenig ein entlassener Bedienter, der seinen gewesenen Herrn wegen einer begangenen Schlechtigkeit verfolgt, ein Ehrenmann ist, so wenig ist es Dühring. In seinen ersten Capiteln ist das Buch trotz seiner Uebertreibungen und offenliegenden Gehässigkeiten lehrreich genug, und jeder Jude sollte es lesen. Die Schiefe der Judenmoral und der Mangel an sittlichem Ernst in vielen (Dühring sagt: in allen) Handlungen der Juden sind schonungslos aufgedeckt und gekennzeichnet. Daraus ist viel zu lernen! Wenn man aber weiter liest, so sieht man allmälig ein, dass zu einigem Wahren sehr viel Falsches und absichtlich, infam Gefälschtes hinzugemischt wird, und Dühring wird läppisch, nachdem er gefährlich war“ … (folgt ein Dühringsches Beispiel: Heinrich Heine …) „ …Das ist ein getreues Beispiel von Dühring´s Manier. Erst eine halbwegs wahre Bemerkung und nachstürzend ein Schwall pöbelhafter oder erlogener Behauptungen. – Wenn er nun zur geschichtlichen Begründung seiner Judenthesen übergeht, so weiss ich nicht, ob ich die Böswilligkeit oder den Unverstand seiner Folgerungen höher stellen soll …“ (folgen weitere ausführliche, überzeugende Erläuterungen) „ …Auf den mittelalterlichen Holzstoss, der etwas feucht geworden und nicht mehr recht brennen will, muss modernes Petroleum gegossen werden, dass er lustig aufflackere und das prasselnde Fett der geschmorten Juden die angenehmsten Gerüche entsende in die ungebogenen Nasen der protestantischen und selbst „freidenkerischen“ (siehe Herrn Dühring) Nachfolger der Dominikaner, die dies im übelriechenden Mittelalter besorgt hatten. Und vom Brande geht´s dann zur Plünderung (oder umgekehrt) und die Herren von Dühring´s und seiner Consorten Schlag gehen dann Beute suchen und finden. Der eine wirft sich auf die Nationalökonomie, der Andere auf die öffentliche Meinung, und Herr Dühring wird wahrscheinlich Chefredacteur der grossen Zeitung „Die Treue“. – Beutegier ist das niedrige, stinkende Motiv aller Bewegungen gegen die Juden, die Jahrhunderte haben an dieser Christenmoral nichts geändert. Man ist nur gelehrter, klüger (Bösewichtklugheit) und raffinirter geworden … „ (folgen weitere, gute, scharfsinnige Erläuterungen) „ … Dieser Dühring ist aber nicht nur plünderungsbegierig; er ist auch ein Heuchler, ein schlimmer Schurke, ein Seitenstück zu den Gott im Munde führenden Jesuiten. Er führt die Freiheit im ungewaschenen Maul und ist darum ein bösartiger Freiheitsjesuit, ein infamer Freiheitspfaffe. Dieser Spitzbube, dem man die Zähne einschlagen sollte, aus deren Gehege seine freiheitsschänderischen Schuftigkeiten hervorsprudeln, er verdreht scheinfreiheitlich schurkisch die Augen und sagt: Allen Menschen die ungeschmälertste Freiheit, aber für die Juden ein „Ausnahmegesetz“, das ist der moderne Ausdruck für den mittelalterlichen Begriff des „Ghetto“. – Und dieser Mensch wagt es, den heiligen Namen der Freiheit in sein Pfaffenmaul zu nehmen!! … gegen Lassalle, der mehr Ehrlichkeit, Volksliebe, Wissen, Verstand, Charakter und Eigennutzlosigkeit hatte, wie Hundert, wie Tausend solcher weggejagter, ärgerlicher, ordinärer Professoren, solcher schäbiger Freiheitspfaffen vom lumpigen Schlage des Herrn Dühring. – Und umso empörter war ich, als dieses Buch in einem so köstlich reinen, vorzüglichen Deutsch geschrieben ist …“

Bücher

  • 1882-1885: Markus Horovitz, Frankfurter Rabbinen. Ein Beitrag zur Geschichte der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M., 4 Hefte, Frankfurt/M. 1882-1885
  • 1882-1903: Wetzer und Welter's Kirchenlexikon

Zeitungen und Zeitschriften

  • seit 1882: Israelitische Monatsschrift, in Berlin monatlich in deutscher Sprache erscheinendes orthodoxes Blatt
  • seit 1882: Mitteilungen des Pressausschusses des Comités zur Unterstützung bedrängter russischer Juden, in Frankfurt a. M. in deutscher Sprache erscheinende Mitteilungsblätter
  • seit 1882: Egyenlöség, in Budapest VI wöchentlich in Ungarisch erscheinende ungarisch-jüdische Zeitschrift
  • seit 1882: Voice of Jacob, in Gibraltar in englischer Sprache erscheinende Zeitschrift
  • seit 1882: Kol Jisrael, in Oran (Algier) erscheinendes jüdisches Wochenblatt in arabischer Sprache
  • seit 1882: Gazette de Jerusalem, in Jerusalem in französischer Sprache erscheinendes orthodoxes Blatt
  • seit 1882: Jeruschalajim, in Palästina erscheinend, von Abraham Moses Luncz als historisch-archäologische Zeitschrift gegründet
  • 1882-1896: Karmi Scheli, in Adrianopel, Bulgarien, wöchentlich erscheinendes hebräisches Blatt
  • 1882-1897: Hitközsegi Hivataluok, in Budapest monatlich in ungarischer Sprache erscheinende Zeitschrift
  • 1882-1939: Magyar Zsidók Lapja, in Ungarn erschienen (Micha und Lajos Szabolcsi)