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1881

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Ereignisse

  • 1881: in Wien Gründung des ersten österreichischen Vereins für Palästinakolonisation, "Ahawath Zion" (56 Mitglieder), durch Ruben Bierer; der Verein, der bald in anderen Orten Zweigvereine bildete, bestand nominell bis 1885, konnte aber nur ein Jahr – mit mässigem Erfolg – arbeiten
  • 1. März 1881: Russland. Erst unter Alexander II. durften einige reiche russische Juden ausserhalb der Ghettos wohnen und ihre Kinder auf höhere Schulen schicken. Seine Ermordung am 1. März 1881 aber löste eine Pogromwelle aus: Staatlich lancierte Gerüchte lasteten den Mord und die schlechte Versorgungslage der jüdischen Minderheit an, um den Unzufriedenen ein Ventil für das Ausbleiben einer vom Zaren versprochenen Landreform zu öffnen. In den Folgemonaten verwüsteten und plünderten arbeitslose verarmte Bauern, die sich dabei auf einen angeblichen Zaren-Befehl beriefen, über 100 jüdische Gemeinden vor allem in der Ukraine. Die Behörden blieben untätig, und die christliche Stadtbevölkerung duldete die Übergriffe. Nur wenige orthodoxe Kleriker versuchten, die Bauern von den Exzessen abzubringen. Zar Alexander III. verordnete dann am 3. Mai 1882 Knebelgesetze, die die Juden an freier Berufswahl hinderten, ihnen die Gewerbefreiheit nahmen und sie vielfach in noch grössere Armut stürzten. Der Prozentanteil jüdischer Gymnasiasten wurde auf 10 Prozent beschränkt. Diese deutliche Verschlechterung der Situation löste die erste Alija (Einwanderungswelle) von Juden nach Palästina aus. In dieser Zeit begannen einige Intellektuelle gegen die judenfeindlichen Staatsmassnahmen zu protestieren, darunter Odessas Erzbischof Nikanor. Auch der „russische Lessing“, der Religionsphilosoph Wladimir Sergejewitsch Solowjow, setzte sich neben der Wiedervereinigung von orthodoxer und katholischer Kirche für nachhaltige gegenseitige Achtung von Juden und Christen ein („Das Judentum und die christliche Frage“, 1884). Er fand die volle Zustimmung von Leo Tolstoj. Andererseits griff die judenfeindliche Hetze gerade in der Priesterschaft um sich. Bildungsrückstand und traditionelle Verbindung von staatlicher Despotie und Kirche trugen dazu bei. So fand die Ritualmordanklage im 19. Jhdt. gerade in Russland prominente Fürsprecher und Popularität. Seit 1881 kam die Gleichsetzung des Judentums mit revolutionären Umtrieben hinzu, die wegen der Bildung einer jüdischen sozialistischen Partei und dem relativ hohen Anteil von Juden in der russischen Sozialdemokratie plausibel wirkte. Die Gegenrevolutionäre vereinten sich in Gruppen wie dem „Bund des russischen Volkes“ oder dem „Erzengel-Michael-Bund“, die unter orthodoxen Priestern viel Zulauf fanden. Die Pogrome seit 1881 lösten die jüdische Amerikawanderung aus, doch ermöglichte die Auslesepolitik der Regierung das Entstehen einer russisch gebildeten jüdischen Grosskaufmann- und Akademikerschaft in den Hauptstädten, die die Führung im Kampf um die Gleichberechtigung in Russland und in der zionistischen Bewegung übernahm; der bolschewistische Umsturz, an dem auch Intellektuelle jüdischer Herkunft (manche sagen: massgeblichen oder sogar überwiegenden) Anteil hatten, bekämpfte dann die jüdische Religion ebenso wie den Zionismus, vernichtete das jüdische Bürgertum, deklassierte das jüdische Handwerk, förderte aber jüdische Industriearbeiter und (mit Hilfe des Agrojoint) Landwirte
  • 11.6.1881: Theodor Herzl schlägt als Burschenschafter der Albia seine einzig bekannt gewordene Mensur, sekundiert durch Franz Staerk, den späteren Architekten und Vizebürgermeister von Graz

Bücher

  • J. Abrahams, The sources of the Midrash Echah rabbah, Dessau 1881
  • Ch. M. Horowitz, Sammlung kleiner Midraschim, I. Teil, Berlin 1881 (2. und 3. Teil: Frankfurt/M. 1881-1882)
  • C. Zander, Handbuch, enthaltend die sämmtlichen Bestimmungen über die Verhältnisse der Juden im preussischen Staate, Leipzig 1881

Zeitungen und Zeitschriften