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1878

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Ereignisse

  • 1878: Herzl beginnt in Wien sein Jura-Studium und war dort für mehrere Jahre Mitglied der Studentenverbindung „Albia“.
  • 1878: Archibald Philip Primrose, 5th Earl of Roseberry (1847-1929), britischer Politiker, Schriftsteller, Direktor verschiedener Universitäten, 1894-1895 britischer Premierminister, heiratet Hannah, die einzige Tochter von Baron Meyer de Rothschild
  • 1878: Bulgarien. Im Jahr 1878 wurden im Unterschied zu Rumänien, wo sie bis nach dem Ersten Weltkrieg als meist Staatenlose der Willkür der Behörden preisgegeben waren, alle Juden eingebürgert. Nach 1878 gab es erstmals vereinzelte antisemitische Übergriffe.
  • 1878: Guido Gialdini geboren. Populärer jüdischer Kunstpfeifer, vermutlich in den Vierzigern im KZ umgekommen
  • 1878: Die „Alliance Israélite Universelle“ errichtet in Tunis eine erste Schule.
  • 1878: Herbert H. Lehmann in New York geboren, amerikanischer Staatsmann, seit 1933 Gouverneur von New York
  • 1878: Friedrich Hertz in Wien geboren, Anthropologe, bis 1933 o. Prof. in Halle; "Kultur und Rasse", 1924 (Widerlegung Chamberlains)
  • 1878: Richard Freund geboren, Gynäkologe in Berlin
  • 1878: Ernst Löwenstein geboren, Mediziner (Bakteriologie) in Wien
  • 1878: Max Dehn geboren, Mathematiker (Frankfurt)
  • 1878: Arthur Liebert geboren, Philosoph (Dialektik)
  • 1878: Benedikt Lachmann geboren, Sprachphilosoph/Sprachkritiker im Gefolge Mauthners
  • 1878: Paul Adler in Zbraslav bei Prag geboren, deutschsprachiger, dem Expressionismus nahestehender Schriftsteller, Dr. jur., ging 1933 aus Hellerau bei Dresden in die CSR, wo er sich verbarg; er schrieb unter verschiedenen Pseudonymen für die "Prager Presse" und übersetzte aus dem Französischen, Italienischen, Englischen, Spanischen und Russischen; Hauptwerke: Legenden Elohim, 1914; Romane Nämlich, 1915; Die Zauberflöte, 1916; über Japanische Literatur, 1925; er starb 1946 - Diss. über Paul Adler von Ludo Abicht, 1972
  • 1878: Giorgio del Vecchio in Bologna geboren, italienischer Rechtsphilosoph (Naturrechtsschule), Prof. an der Universität Rom
  • 1878: Erich Lehmann geboren, Chemiker (Photochemie); 1896-1900 Studium der Chemie an der TH Berlin; 1904-1914 Assistent am Photochemischen Laboratorium der TH Berlin; 1908-1933 Privatdozent, später a.o. Professor für Photochemie und Reproduktionstechnik, Vorsteher des Photochemischen Laboratoriums und der Staatlichen Prüf- und Versuchsanstalt für Kinotechnik an der TH Berlin
  • 1878: Meir Auerbach, aschkenasischer Grossrabbiner Jerusalems 1878
  • 2.1.1878–22.4.1962: Paul Frankl, geb. in Prag, gest. in Princeton, deutsch-jüdischer Kunsthistoriker; er studierte zuerst Baukunst, ab 1907 in München Kunstgeschichte; 1910 Promotion; 1921 Prof. in Halle, 1933 "Beurlaubung"; Ende der Dreissiger Jahre Emigration in die USA, wo er seit 1940 am Institute for Advanced Studies in Princeton tätig war; Werkauswahl: Die Renaissancearchitektur in Italien, 1912; Die Entwicklungsphasen der neueren Baukunst, 1914; Meinungen über Wesen und Herkunft der Gotik, 1923; Das System der Kunstwissenschaft, 1938; The secret of the medieval mason, 1945
  • 3.1.1878–2.9.1938: Max Deri (eigentlich Max Deutsch), geb. in Pressburg, gest. in Los Angeles, deutsch-jüdisch-amerikanischer Kunsthistoriker, Kunstkritiker und Psychologe
  • 12.1.1878-1.4.1952: Ferenc Molnár, Franz Molnár (eigentlich: Ferenc Neumann; um als ungarischer Autor kenntlich zu sein, änderte er 1896 seinen deutschen Nachnamen Neumann in Molnár), geb. Budapest, Österreich-Ungarn (als zweiter Sohn seines Vaters, Dr. Mor Neumann, Militärarzt, gest. 1908; seine Mutter, Jozefa Wallfisch, war eine zarte, wortkarge, häufig bettlägerige Frau, sie starb 1898; 1881 wurde Ferenc’ Schwester Erzsébet geboren, sein älterer Bruder, Laszlo, war schon vor Ferenc’ Geburt verstorben), gest. in New York (an den Folgen von Magenkrebs), phänomenal produktiver ungarisch-jüdischer Dramatiker, Romancier, Übersetzer und Journalist, dessen geistreiche Komödien ("Der Teufel", "Spiel im Schloss" und viele andere) Welterfolge errangen; er gilt als der bedeutendste ungarische Dramatiker des 20. Jhdts.; sein bekanntestes Werk ist das Theaterstück (Tragikomödie, eine „Vorstadtlegende“, die die Erlebnisse eines Budapester Karussell-Ausrufers darstellt) „Liliom“ (1909); Molnar studierte Rechtswissenschaften und Kriminalistik in Genf und Budapest, wurde in Budapest schnell bekannt durch Zeitungsartikel, Romane und Boulevardstücke; sie zeichneten sich aus durch Witz und saloppe Frechheit ebenso wie durch präzise Milieubeschreibungen: Er spiesste sie auf, die Kleinbürger mit ihrer Doppelmoral; ab 1901 veröffentlichte Molnár Prosawerke; 1906 heiratete er Margit Vészi, die Ehe war jedoch unglücklich und wurde 1910 wieder geschieden (Selbstmord Margit Vészis 1961 in Spanien), 1911 missglückter Selbstmordversuch Molnárs; sein Grübeln über den ehelichen Schiffbruch war allerdings nicht von langer Dauer, wenige Monate nach der Trennung war er ein Verhältnis mit Irén Varsányi eingegangen, Ungarns bedeutendste Schauspielerin und Frau des wohlhabenden Fabrikanten Illés Szécsi; Molnars Liebesaffären waren bekannt und berüchtigt, nach dem Duell mit dem eifersüchtigen Szécsi erhielt Molnar eine zweiwöchige Gefängnisstrafe; 1922 heiratete Molnar Ungarns Primadonna Sári Fedák nach zehnjähriger stürmischer Liebesaffäre; auch diese Ehe wurde bald wieder geschieden (Sari Fedak starb 1955 in Budapest), wieder waren es zwei Stars, die sich verbunden hatten, und erneut hatten sie versucht, sich gegenseitig in den Schatten zu stellen, die tratschsüchtigen Kolumnisten der Zeitungen berichteten ausführlich über die heftigen verbalen und Kämpfe anderer Art im Hause Molnar; Molnar wurde zusehends kritisiert und isoliert, auch beneidet: zwischen 1920 und 1930 hatte Molnár ein so imposantes Einkommen - über eine Million US-Dollar -, dass er sich den Unterhalt seines sogenannten „Fünf-Zimmer-Apartments“ ebenso leisten konnte wie die besten Hotelsuiten in Budapest, Wien, Karlsbad, Venedig und Nizza, Molnar wurde mit Ehrungen überhäuft, 1927, nach der Pariser Premiere von „Der Schwan“, wurde er mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet, danach wurde ihm in Amerika ein heldenhafter Empfang bereitet, nach seiner Ankunft in New York bestürmten ihn Theaterdirektoren und Verleger mit Angeboten und Einladungen, er wurde von Präsident Calvin Coolidge im Weissen Haus empfangen, Molnars 50. Geburtstag wurde mit grossem Aufwand am Broadway gefeiert; als Molnar Sari Fedak heiratete, war er bereits mit einer anderen Schauspielerin liiert – Lili Darvas, ein sechzehnjähriger Bühnenstar aus Budapest; in „Launzi“ spielte die Darvas die Hauptrolle so gut, dass Molnar für sie „Die rote Mühle“ und „Der gläserne Pantoffel“ schrieb; die erzürnte Fedak reagierte prompt: Um sich zu rächen, bat sie Melchior Lengyel, einen bekannten ungarischen Dramatiker, für sie ein Stück zu schreiben; diese öffentliche Demütigung beantwortete Molnar damit, dass er sich von der Fedak 1924 scheiden liess; in dritter Ehe war Molnar dann mit Lili Darvas verheiratet und blieb mit ihr verheiratet trotz Trennung und Zusammenleben mit Wanda, s. u. (Lili Darvas starb 1974 in New York.); 1907 hatte Molnar seinen ersten Erfolg als Theaterautor mit „Der Teufel“; wie man im Handumdrehen aus einem Kommunisten einen Kapitalisten macht, zeigt Molnars schnelle Komödie „Eins, Zwei, Drei“ („Egy, kettő, három“), die - 1929 in Budapest uraufgeführt - sehr bald auch ihren Weg nach Berlin findet, mit Max Pallenberg in der Rolle des Bankpräsidenten Norrison, dem Vorbild für Billy Wilders Coca-Cola-Verkäufer MacNamara in seiner Film-Adaption („One, Two, Three“) aus dem Jahr 1961 (unvergesslich: Liselotte Pulvers Tisch-Tanz, Horst Bucholz' Naivität, dazu James Cagneys ausserordentliches Sprachtempo und die noch vor dem Mauerbau 1961 freie Fahrt durchs Brandenburger Tor); zu Welterfolg gelangte Franz Molnár durch einen anderen Autor, nämlich Alfred Polgar, der das Molnár’sche Theaterstück „Liliom“ kongenial ins Deutsche übersetzt (deutschsprachige Erstaufführung 1912 im Wiener Theater in der Josefstadt), das ungarische Original war bei der Uraufführung am 7. Dezember 1909 mit Pauken und Trompeten durchgefallen; Höhepunkte waren 1934 die Liliom-Verfilmung durch den renommierten Regisseur Fritz Lang (unter dessen Regie auch Filme entstanden wie „M - eine Stadt sucht einen Mörder“, mit Peter Lorre in der Hauptrolle, sowie „Metropolis“) und die Aufführung als Musical von Rogers und Hamerstein 1945 am Broadway unter dem Titel „Carousel“; da lebte Franz Molnár bereits seit einigen Jahren in New York und schrieb in englischer Sprache (bis 1940 erschienen Molnárs Werke zuerst auf Ungarisch und etwas später in deutscher Übersetzung; ab 1940 erschienen seine Werke zuerst auf Englisch); mit seiner Lebensgefährtin Wanda Bartha (die er 1932 kennen gelernt hatte, sie war eine geschiedene Ungarin, die schliesslich auch seine ihm ergebene Sekretärin und Begleiterin wurde und bis zu ihrer Selbsttötung 1947 bei ihm blieb) hatte der längst arrivierte Publizist 1937 das faschistische Ungarn fluchtartig verlassen und war über die Schweiz (wo er sich in Genf häufig mit Emmerich Kalman traf) in die USA exiliert, lebte dort für den Rest seines Lebens in den besten Hotels; der Verlust der Heimat, der Freunde und die Sprachumstellung trieben Molnár in schwere Depressionen; umso bewundernswerter, dass er trotz dieser psychischen Stress-Situation weiter geschrieben hat: Filmdrehbücher oder Theaterstücke wie „Panoptikum“ (Aufführung am Broadway 1949) und seine Autobiographie, die er noch 1950, zwei Jahre vor seinem Tod, veröffentlichen konnte; beachtenswert ist der tiefere Sinn seiner amüsanten Boulevardstücke; die tragischen Momente wechseln effektvoll mit humorvollen Pointen, treffsicher gesetzt vor allzumenschlichem Schwächen, zwischen Sein und Schein; geradezu modern ist das Changieren zwischen Realität und Fiktion, zwischen Traum und Wirklichkeit bei seinen Bühnenstücken; persönlich war Molnár das Gegenteil von einem Witzbold, nämlich zeitlebens ein Grübler; vielleicht auch deshalb, weil es ihn betroffen machte, wie seine scharfe Form von Gesellschaftskritik an den sogenannten „besseren Kreisen“ damals als „unsittlich“ angeprangert wurde; Tatsache ist, dass er Skandale und Literaturfehden ausgelöst hat, deren Aufregung man heute überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann; im kommunistischen Ungarn war die Aufführung von Molnárs Werken verboten, seit 1989 erlebte er jedoch dort eine Renaissance
  • 21.1.1878–16.3.1938: Egon Friedell (eigentlich Egon Friedmann), vielseitiger österreichisch-jüdischer Schriftsteller (Essays, Dramatisches), Kulturphilosoph und Schauspieler, geb. in Wien; jüdischer Konvertit; Suizid in Wien nach dem Einmarsch der deutschen Truppen; kulturhistorische und philosophische Schriften („Kulturgeschichte der Neuzeit“, drei Bände, 1927-1932), Lustspiele, geistreiche Aphorismen, aber auch eine "Judastragödie"; Schrift über das Jesusproblem
  • Anfang 1878: Anfang 1878 gründete der lutherische Hofprediger (Berliner Hof- und Domprediger 1874-1889) Adolf Stoecker (1835 Halberstadt, Sachsen -1909 Gries bei Bozen, Südtirol) die Christlich-Soziale Arbeiterpartei (später: Christlich-Soziale Partei) gegen die Sozialdemokratie, zunächst um die Arbeiter für eine „Rechristianisierung“ der Gesellschaft und Akzeptanz des vom protestantisch-konservativen Preussen geführten Kaiserreichs zu gewinnen. Doch fand er weitaus mehr Anhänger im ökonomisch bedrohten Kleinbürgertum und Mittelstand, die ihn drängten, sich zur „Judenfrage“ zu positionieren. Daraufhin forderte er seit September 1879 (er war Mitglied des preussischen Abgeordnetenhauses 1879-1898 und des Reichstags 1881-1893) die Begrenzung des vermeintlich jüdischen Einflusses auf die Politik und wurde so populär. Seine Partei schloss sich jedoch bereits 1881 der Deutschkonservativen Partei an.
  • 1.2.1878–12.11.1955: Alfréd Hajós (Aussprache: Hajosch), geboren in Budapest als Arnold Guttmann, ungarischer Schwimmer (vielleicht erfolgte die Konzentration auf diese Sportart, weil er als Kind hilflos hatte mitansehen müssen, wie sein Vater in der Donau ertrank) und Architekt (u. a. Schwimmstadion von Budapest, ausgezeichnet 1924). Gewann am 11. April 1896 in Athen die erste Schwimm-Olympiamedaille der Neuzeit. Beim anschliessenen Gala-Dinner antwortete Hajós auf die Frage der griechischen Kronprinzessin, wo er so gut schwimmen gelernt habe, treffend: „Im Wasser“. Am selben Tag gewann er auch den Wettbewerb über 1 200 m Freistil. Österreichischer Landesmeister im Schwimmen. 1898 auch ungarischer Leichtathletikmeister über 100 m, 400 m Hürden und im Diskuswerfen, spielte auch viermal für die ungarische Fussballnationalmannschaft.
  • 5.2.1878–1935: André Citroën, geb. u. gest. in Paris, Begründer des bekannten französischen Automobilunternehmens, entstammte einer holländisch-jüdischen Familie; während des Ersten Weltkriegs baute er zunächst eine Munitionsfabrik auf, in der nach 1918 die ersten Automodelle der Marke Citroën hergestellt wurden
  • 7.2.1878–14.9.1936: Ossip Gabrilowitsch (russisch Осип Соломонович Габрилович), geb. in St. Petersburg, gest. in Detroit, war ein russisch-amerikanischer Pianist, Dirigent und Komponist; er studierte Klavier und Komposition am Sankt Petersburger Konservatorium bei Anton Rubinstein, Anatoli Ljadow, Alexander Glasunow und Nikolai Medtner; nach seinem Abschluss 1894 ging er nach Wien, wo er weitere zwei Jahre bei Teodor Leszetycki studierte; anschliessend war er als freischaffender Pianist tätig, erwarb sich sehr bald ein grosses Ansehen und war ein gefragter Künstler; im Juli 1905 wurde er als einer der ersten Pianisten von der Firma M. Welte & Söhne in deren Leipziger Aufnahmestudio eingeladen, wo er zehn Stücke für Welte-Mignon einspielte; von 1910 bis 1914 war er Dirigent des Münchner Konzertvereins, den heutigen Münchner Philharmonikern; er ging anschliessend in die USA und hatte dort als Pianist von Weltruf viele erfolgreiche Auftritte; 1918 wurde er Gründungsdirigent des Detroit Symphony Orchestra; bevor er diesen Posten akzeptierte, forderte er den Bau einer neuen Konzerthalle, dies gab den Anstoss zum Bau der Orchestra Hall in Detroit; auch nach dem 1. Weltkrieg unternahm er zahlreiche Tourneen durch die USA und Europa; 1906 heiratete er Mark Twains Tochter Clara Clemens (1874-1962), eine Sängerin, die er bei ihren Auftritten begleitete; er komponierte wenige Werke, vorwiegend Klavierstücke für den eigenen Gebrauch; er liegt zusammen mit seiner Frau und deren Vater auf dem Woodlawn Cemetery in Elmira, New York, begraben
  • 8.2.1878-13.6.1965: Martin Buber, geboren in Wien, gest. in Jerusalem; jüdischer Religionsphilosoph und Schriftsteller von ganz eigener Art (Glaube als tätige Lebensheiligung aus dem Geist des Chassidismus, eine Art religiöser Sozialismus), innerjüdisch bedeutungslos geblieben, war er hingegen ein grosser Vermittler zwischen Juden und Christen; Dr. h. c. vieler Universitäten Europas und Amerikas; seine späte Alija wurde ihm jüdischerseits sehr verübelt; seine Frau war Nichtjüdin (katholisch); Buber wirkte seit 1898 in der zionistischen Bewegung; 1923-1933 Lehrauftrag für jüdische Religionsphilosophie und -geschichte an der Universität Frankfurt am Main (seit 1930 als Prof.), 1933 entlassen, leitete er dort die Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung, 1938 Emigration nach Jerusalem, 1938-1951 Professor für Sozialphilosophie in Jerusalem; Forschungen zum jüdischen Chassidismus Osteuropas; trat für eine arabisch-jüdische Verständigung ein; übersetzte mit Franz Rosenzweig – eng angelehnt an die Ursprungssprache – das Alte Testament aus dem Hebräischen ins Deutsche (15 Bände, 1926-1938); Martin Buber wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. 1953 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels; die Bundespost gab 1978 eine Gedenkmarke heraus; Hauptwerke: Ich und Du, 1923; Königtum Gottes, 1932; Zwei Glaubensweisen, 1950
  • 10.8.1878-26.6.1957: Alfred Döblin, geb. 10.8.1878 Stettin (aus einer bürgerlichen jüdischen Familie), gest. 26.6.1957 Emmendingen bei Freiburg, Baden (Baden-Württemberg); Schriftsteller, Nervenarzt in Berlin, früh schon Psychoanalytiker (fühlte sich nach eigener Aussage nur "unter Kindern und Irren" wohl); Sozialist, 1910 (mit Herwarth Walden) Mitgründer der expressionistischen Zeitschrift "Der Sturm" (zu deren wichtigsten Mitarbeitern er gehörte), trat 1918 aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus; 1933 emigrierte er über die Schweiz nach Paris und wurde französischer Staatsbürger; 1940 Flucht in die USA, blieb dort 1940-1945 und wurde dort 1941 katholisch; 1945 kehrte er als Kulturberater der französischen Militärregierung nach Deutschland zurück; 1946-1951 gab er die Literaturzeitschrift "Das goldene Tor" heraus; seit 1953 lebte er wieder in Paris; eigenwilliger und widerspruchsvoller, expressiver und revolutionärer Erzähler, der zuerst das Kollektivseelische und Naturelementare zu gestalten suchte, später zu theologischer Deutung neigte; Erzählungen: "Die Ermordung einer Butterblume", 1913; Romane: "Die drei Sprünge des Wang-Lun", 1915; "Wallenstein", 1920; "Berge, Meere und Giganten", 1924; "Berlin Alexanderplatz", 1929 (ein Welterfolg, verfilmt 1931); "Pardon wird nicht gegeben", 1935; "Südamerika-Trilogie", 1937-1948; "Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende", 1956; Epos: "Manas" (indischer Mythos), 1927; Essays; – zu seiner Einschätzung der Orthodoxie und des "wahren Judentums" vgl. den Brief an Nathan Birnbaum vom 8.2.1935; eine interessante Erkenntnis vermittelt auch der Brief an Birnbaum vom 28.7.1934 (Original Zionistisches Zentralarchiv Jerusalem): " ... [Die Schwätzer] ... sagen gewiss: in der Bibel steht, wer "Gott" ist, der Missbrauch des Wortes ist kein Argument. Ich habe schon früher viel in der Bibel gelesen (deutsch, ich kann leider nicht hebräisch, nicht einmal jiddisch, was mir heute bitter leid tut; ich würde, wenn ich könnte, nur jiddisch schreiben wollen [Döblin begann dann 1935 das Jiddische zu erlernen]), im letzten Jahr mehr als früher. Mein Gefühl und mein Denken deckt sich weit mit dem, was ich da lese; ich kann allem folgen ... aber wer sagt mir, dass die Frommen mit "Gott" nicht wie mit einem vertrauten oder ihnen sogar besonders zugänglichen Ding umgehen, dass sie also nicht Verletzer und Vernachlässiger des Geheimnisses des Urwesens sind? Und genug hat mir die Betrachtung in [? unleserlich] und Kabala [sic] in Westen und Osten gezeigt, dass hier niemand mehr die Schuhe vor "Ihm" auszieht (sie ziehen sie im Osten nur noch äusserlich aus). Aber es ist das Wichtigste, Elementarste, die Wahrheit und Realität des Urwesens unabgeschwächt auf alles Lebende wirken zu lassen, und weil man es sich bequem gemacht hat und man "fromm" geworden ist, nur weil man glaubt mit "Ihm" beinah auf Du und Du zu stehen, darum trenne ich mich von diesen Ahnungslosen; sie sind nicht "fromm" ... "; weitere Werke: Der unsterbliche Mensch (Essay), 1946; November 1918 (Roman), 1948-1950; Schicksalsreise (Autobiographie), 1949; 11 Bände ausgewählte Werke erschienen 1960 ff.; Theaterkritiken 1977
  • 3. November 1878: Am 3. November 1878 trafen sich ungarische und Jerusalemer Juden in einem Sumpfgebiet der judäischen Ebene, um dort eine neue Stadt zu gründen. Mit finanzieller Unterstützung von Baron Rothschild entstand Petach Tikwa - das "Tor zur Hoffnung", die erste jüdische landwirtschaftliche Siedlung in Palästina. Heute (2013) ist Petach Tikwa mit ca. 190 000 Einwohnern eine der grössten Städte in Israel.

Bücher

  • Samuel Baeck, Geschichte des jüdischen Volkes und seiner Literatur vom babylonischen Exile bis auf die Gegenwart, Lissa 1878
  • Markus Hirsch Friedländer, Tiferet Jisrael: Schilderungen aus dem inneren Leben der Juden in Mähren in vormärzlichen Zeiten; ein Beitrag zur Cultur- und Sittengeschichte, Brünn 1878
  • J. Müller, Masechet Soferim. Der thalmudische Tractat der Schreiber, Leipzig 1878 (mit ausführlichem deutschen Kommentar)

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1878: wird die erste jüdisch-sozialistische Zeitung in hebräischer Sprache „Ha-Emet“ („Die Wahrheit“) in Wien herausgegeben

1878 in Wikipedia