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1875

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Ereignisse

  • 1875: Österreich-Ungarische Monarchie. Ab 1875 entstand auch in Österreich wie im deutschen Kaiserreich eine „christlich-soziale“ bzw. „völkische“ Bewegung. Hauptvertreter war der Konvertit ‚Karl von Vogelsang, Redakteur der Wiener konservativen Zeitung „Vaterland“. Er sah das Land „mit Juden überschwemmt“, „ … weil der liberale Umschwung, mit dem man uns beglückt, durch und durch von jüdischem Geiste durchdrungen ist … uns selbst hat der Judengeist angesteckt, in unseren Institutionen ist er incarniert, unsere ganze Lebensanschauung, unser Handel und Wandel ist davon durchzogen … Mit Sondergesetzen gegen Juden sei nichts gewonnen. Die Gesellschaft müsse sich wieder dem Christentum und der Ständegesellschaft zuwenden, dann werde sie die Juden „absorbieren“ und so die „Judenüberflutung“ beenden. Er distanzierte sich 1881 von plumper „Judenhetze“, wie sie damals im Berliner Antisemitismusstreit hervortrat. Aber auch er griff die „goldene Internationale“ des „Finanzjudentums“ an und polemisierte gegen die angebliche Weltherrschaft des Hauses Rothschild, gegen arme „Hausierjuden“ und russische „schachernde und wuchernde Talmudjuden“. Wie Vogelsang sahen Prinz Aloys von Liechtenstein und der Moraltheologe Franz Martin Schindler Antisemitismus als natürliche Reaktion auf den Kapitalismus dort, wo Juden angeblich sozial privilegiert seien. Offen rassistisch hetzte seit 1877 das Monatsblatt „Österreichischer Volksfreund“ unter Carl von Zerboni: Talmudjuden wollten die „regierende Race des Erdballs werden“ (Nr. 1), „Gegenwehr gegen die Verjudung“ sei nötig (Nr. 5). Ab Nr. 9 stand über jeder Ausgabe in Grossbuchstaben: „Kauft nur bei Christen!“ Ab 1882 wurde das Blatt Presseorgan der aus verschiedenen antisemitischen Handwerkervereinen hervorgehenden „Österreichischen Reformpartei“ unter dem Rechtsanwalt Robert Pattai. Er sah „Manchesterliberalismus“ und Judenemanzipation als identische Vorgänge und strebte dagegen einen „gesunden Staatssozialismus“ an: „Sollte es aber nicht gelingen, der Judenfrage durch diese notwendigen Reformen die Wurzel abzuschneiden und das natürliche Gleichgewicht wiederherzustellen, dann müssten eben die vielbegehrten Ausnahmegesetze gegen das Judentum notwendig werden“. Dies unterstützte Ludwig Psenner, seit 1884 neuer Herausgeber des „Volksfreunds“, den er bis 1897 führte. Er suchte wie Vogelsang in der Rückbesinnung auf „christliche Werte“ das Heilmittel gegen die „Verjudung“ der Kultur und Gesellschaft. Doch 1886 zerbrach die Reformpartei daran, dass ein radikaler Flügel unter Georg Ritter von Schönerer den grossdeutschen „Pangermanismus“ zum Programm erheben wollte. Daraufhin gründeten Psenner, Ernst Schneider und Adam Latschka einen Verein, aus dem 1887 die „Christlich-Soziale Partei“ (CSP) hervorging. Bei der Gründungsversammlung übertrafen sich die Redner, u. a. der Ungar Franz Komlossy und der Wiener Reichstagsabgeordnete Karl Lueger, gegenseitig in antisemitischen Hetzreden, die die etwa 1 000 Anwesenden mit stürmischem Beifall bedachten. Für Regionalwahlen bildete die CSP sofort eine antiliberale Koalition mit deutschnationalen und antisemitischen Gruppen, die „Vereinigten Christen“. Der Antisemitismus war das Bindeglied, auf das alle Beteiligten sich einigen konnten. Das Programm forderte einen Einwanderungsstop für Juden, ihren Ausschluss aus Staatsdienst, Justiz- und Arztberufen, Einzelhandel und das Ende gemeinsamen Schulunterrichts mit Nichtjuden. Im „Deutschen Volksblatt“ wurde das Ziel umrissen: „Radical antisemitisch, streng national und entschieden christlich-social rühren wir alle Tage die Werbetrommel für die grosse Armee der Judenfeinde …, um deren Vereinigung in einer einzigen grossen Volkspartei zu erreichen“. 1888 bei einer Kundgebung für Papst Leo XIII. errang Karl Lueger die Führungsrolle. Er forderte 1890 im Reichstag, die „Hauptursachen des christlichen Antisemitismus“ zu beseitigen: die „judenliberale Presse“, das „erdrückende Grosskapital“, das in jüdischer Hand sei, die „Unterdrückung der Christen durch die Juden“, das „Martyrium der Deutschen“ unter den jüdischen „Raubtieren in Menschengestalt“.
  • 1875: Ede Sebestyén geboren, ungarischer Jude, Journalist, veröffentlichte 1895 im „Pesti Hirlap“ eine Reportage über eine Russlandreise; seit 1900 an Nationalitätenfragen interessiert; Teilnehmer eines Treffens mit Herzl in Pest am 4.2.1900
  • 8.1.1875–20.11.1945: Albin Oppenheim, Zahnmediziner in Wien und den USA
  • 12.1.1875–15.5.1939: Max Naumann, Rechtsanwalt und Notar in Berlin, führte den "Verband Nationaldeutscher Juden" seit seiner Gründung (1921; vgl.: 1921–1935)
  • 16.1.1875–8.10.1949: Leonor Michaelis, deutsch-US-amerikanischer Biochemiker und Mediziner
  • 25.1.1875-10.11.1943: Alfred Klee, Rechtsanwalt in Berlin und aktiver Zionistenführer in Deutschland
  • 28.2.1875–21.1.1941: Hans v. Baeyer, Mediziner (Orthopädie) in Basel
  • 4.3.1875–30.1.1937: Henri Duvernois, französisch-jüdischer Schriftsteller
  • 6.4.1875: Moses Hess stirbt in Paris.
  • 18.4.1875–25.3.1941: Selmar Meyrowitz, jüdischer Dirigent in Berlin
  • 26.4.1875–9.5.1964: Rudolf Keller, US-amerikanischer Biochemiker, Publizist sowie Verleger
  • 26.7.1875–1964: Paul Rosenstein, deutscher Urologe
  • 26.9.1875–3.10.1940: Max Meyerfeld, deutscher Journalist und Übersetzer
  • 30.9.1875-11.5.1923: Richard Wengraf, Schriftsteller und Verleger
  • 1875–1943: Otto Driesen, Pädagoge und Philologe, seit 1921 Leiter des Philanthropins
  • 1875–1954: August Laqueur, Mediziner (Innere Medizin) in Berlin

Bücher

  • J. Freudenthal, Hellenistische Studien 1-2: Alexander Polyhistor und die von ihm erhaltenen Reste judäischer und samaritanischer Geschichtswerke, Breslau 1875

Zeitungen und Zeitschriften

  • 1875: The Dialectic, in Melbourne erscheinende jüdische Monatsschrift

1875 in Wikipedia