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1873

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Ereignisse

  • 13.1.1873-14.11.1934: Walther Bensemann, jüdische Gründerfigur des deutschen Fussballs, geb. Berlin, gest. Montreux, gründete mit vierzehn Jahren seinen ersten Verein in Montreux, wo er ein Internat besuchte, zwei Jahre später, mit sechzehn Jahren, gründete er den Karlsruher FV, in Leipzig half er, den DFB zu gründen (1900, der Name des DFB geht auf ihn zurück), 1920 gründete er den „Kicker“, eine illustrierte Fussballzeitschrift, die er selbst redigierte und in der er mehrfach seine liberalen Ansichten veröffentlichte, musste 1933 als Herausgeber des „Kicker“ zurücktreten, ging ins Exil in die Schweiz, wo er mittellos und unbeachtet verstarb.
  • 23.5.1873-2.11.1956: Leo Baeck (auch: Bäck), reformjüdischer Rabbiner, bedeutender jüdischer Theologe und kantianisch orientierter Religionsphilosoph, Vertreter des deutschen (liberalen) Judentums, Sohn von Samuel Baeck (1837-1912) und dessen Frau Eva, geb. Placzek; er wurde geb. am 23.5.1873 in Lissa (Posen), starb am 2.11.1956 in London (begraben Golders Green, London); Studium am konservativen Rabbinerseminar (Jüdisch-Theologisches Seminar) in Breslau, 1894 Wechsel an die liberale „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“ in Berlin (seine Lehrer dort waren Heymann Steinthal und Sigmund Maybaum; Promotion dort 1895 bei Wilhelm Dilthey über Spinoza), 1897 nahm er eine Rabbinerstelle in Oppeln (Oberschlesien) an (dort entstand sein als Antwortschrift auf Harnacks „Das Wesen des Christentums“ konzipiertes Hauptwerk „Das Wesen des Judentums“, das 1905 erschien; darin setzte er sich kritisch mit den Positionen des evangelischen Theologen Adolf von Harnack auseinander und wehrte sich gegen die Darstellung des Judentums als überholter Gesetzesreligion). Von 1907 bis 1912 amtierte er in Düsseldorf, ab 1912 unterrichtete er an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, wo er auch Gemeinderabbiner war (zu der Zeit zählte die Jüdische Gemeinde Berlin ungefähr 150 000 Mitglieder); am Ersten Weltkrieg nahm Leo Baeck als Feldrabbiner teil, in der Weimarer Republik wurde er zum bekanntesten Vertreter des liberalen deutschen Judentums und übernahm mehrere repräsentative Ämter in jüdischen Organisationen wie der deutschen Sektion von B´nai B´rith (1924); 1922 Vorsitz im Allgemeinen Deutschen Rabbinerverband (der Rabbiner aller Richtungen umfasste); ab 1925 war er Vorsitzender des Wohlfahrtsverbandes „Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden“; 1927-1929 Mitglied des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (der im Wesentlichen das Assimilationsjudentum repräsentierte) und gleichzeitig war er (dieser Widerspruch wurde ihm nicht verübelt!) Mitglied der Jewish Agency for Palestine und des Keren Hajessod. 1933 wurde Baeck Präsident der Reichsvertretung der Deutschen Juden (ab 1939: „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“; nebenbei: die, teilweise unter Zwang zustande gekommene, Entwicklung der Namen jüdischer Zusammenschlüsse ist ein guter Beleg für die zunehmende Diskriminierung, Entrechtung, ja Verachtung, die Juden in Deutschland entgegenschlug), die eine Dachorganisation der jüdischen Organisationen darstellte und zu deren Leitung er mit seinen Fähigkeiten zu vermitteln besonders geeignet war. Die Aufgaben der Reichsvertretung in der Zeit der schwersten antijüdischen Verfolgung reichten von der humanitären Unterstützung für die verelendete jüdische Bevölkerung, der Bildung für die aus den Schulen getriebenen Schülerinnen und Schüler bis zur Unterstützung bei der Auswanderung. Die Nazis entzogen durch die Einbindung der Reichsvertretung ab 1939 anderen jüdischen Einrichtungen die Selbständigkeit und versuchten, über die Gestapo die Aktivitäten direkt zu kontrollieren. Auch unter diesem Druck lehnte Leo Baeck Angebote zur Emigration ab und unterhielt Kontakte zur Widerstandsgruppe um Carl Friedrich Goerdeler. 1943 wurde Baeck (mit der Nummer 187 894) wie die meisten anderen Vertreter der Reichsvertretung in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Die „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ wurde von der Gestapo geschlossen. In Theresienstadt wurde Baeck Mitglied im Ältestenrat und kümmerte sich unter schwierigsten Bedingungen – unterstützt von Regina Jonas und Viktor Frankl – um die Gemeinde, versuchte, ihr moralischen Halt zu geben und Hoffnung zu vermitteln, u. a. hielt er eine Vortragsreihe ab, beginnend mit einem Vortrag über Platon. Bereits im August 1943 hatte Baeck in Theresienstadt erfahren, dass Auschwitz ein Vernichtungslager war, traf aber die Entscheidung, seinen Mitgefangenen nichts davon zu sagen. Er überlebte (schwer misshandelt, seine vier Schwestern waren im Ghetto umgekommen) den Holocaust und ging als Präsident der „Weltunion für progressives Judentum“ nach London (1945). Folgender Ausspruch von Leo Baeck nach dem Zweiten Weltkrieg wird immer wieder zitiert: „Unser Glaube war es, dass deutscher und jüdischer Geist auf deutschem Boden sich treffen und durch ihre Vermählung zum Segen werden könnten. Dies war eine Illusion – die Epoche der Juden in Deutschland ist ein für alle Mal vorbei.“ 1947 gründete er das später nach ihm benannte „Institut zur Erforschung des Judentums in Deutschland seit der Aufklärung“. 1948 übernahm er zudem eine Professur am „Hebrew Union College“ in Cincinnati. Bis heute erforscht das (Name seit 1954:) Leo-Baeck-Institut in New York, London und Jerusalem besonders die Geschichte der deutschen Juden. Der Name Leo Baeck wird von einer Vielzahl von Institutionen als Erinnerung an ihn und auch als Auszeichnung verwendet: von Schulen, Logen, Synagogen und Gemeindezentren auf der ganzen Welt. – Weitere Werke (Auswahl): Romantische Religion (1922); Wege im Judentum (1933); Pharisäer (1937); The faith of Paul (1952); Dieses Volk (1954); Geschichte der Juden, 3 Bände (1954-1959, 1965); Aus drei Jahrtausenden (1958); die Deutsche Bundespost gab zum ersten Todestag eine Gedenkbriefmarke mit der Abbildung Leo Baecks heraus; Biographie von Albert H. Friedlander, 1973; - Leo Baeck Institut (LBI) mit Sitz in Jerusalem, London und New York, 1954 gegründet zur Erforschung und Veröffentlichung von Material über die Geschichte des deutschen Judentums (Jahrbücher erscheinen seit 1956: Leo Baeck Institute Year Book LBIYB, hrsg. London 1956-1999, New York 2000 ff.); Leo Baeck College 1956 in London von der Vereinigung britischer Reform-(liberaler) Synagogengemeinden errichtete jüdisch-theologische Lehranstalt; Leo Baeck Preis, vom Zentralrat und der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland 1956 gestiftet, seit 1957 (theoretisch) jährlich vergeben an "Personen, deren Charakter und Tätigkeit dazu beitragen, Religiosität, Achtung vor Geisteswissenschaft, Wohltätigkeit und Humanität im Sinne Baecks fortzupflanzen": 1957: Peter Adler, Stuttgart; Hermann L. Goldschmidt, Zürich; 1958: H. G. Adler, London; Ernst L. Ehrlich, Basel; Erwin Sylvanus, Völlinghausen (Westf.); 1959: Eleonore Sterling, Frankfurt/M.; Schalom Ben Chorin, Jerusalem; 1960: Karl Otten, Locarno; Heinrich Strauss, Jerusalem; 1961: Joseph Wulf, Berlin; Walter Kaufmann, Princeton (N. J.); 1962: David Baumgardt, Long Beach (N. Y.); Reinhold Mayer, Tübingen; Franz Rödel, Jetzendorf; 1963: Hans-Joachim Herberg, Köln; Helmut Paul, Linz am Rhein; Julius I. Löwenstein, Ramat Chen (Israel); Pnina Navé, Jerusalem; 1964: Konrad Schilling, Köln; 1965: Ernst Blum, Saarbrücken; 1966: Ludwig Wörl, München; 1967: Charles H. Jordan (posthum); 1970: Franz Böhm, Johannes Giesberts; 1971: Rolf Vogel; 1973: Hendrik George van Dam (posthum); 1975: Jeanette Wolff; 1977: Josef Neuberger (posthum); 1980/81: Bernhard Brilling, Anton Maria Keim, Robert Weltsch; 1988/89: Gisbert von Putlitz, Gerhard Rau; 1990: Heiner Lichtenstein; 1992: Norddeutscher Rundfunk; 1994: Richard von Weizsäcker; 1995: Johannes Rau; 1996: "Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums", Otto Romberg; 1997: Helmut Kohl; 1998: Roman Herzog; 1999: Berthold Beitz, Else Beitz; 2000: Friede Springer; 2001: Hans-Jochen Vogel; 2002: Iris Berben; 2003: Ralph Giordano; 2004: Joschka Fischer; 2005: Peter Hommelhoff; 2006: Hubert Burda; 2007: Angela Merkel; 2009: Theo Zwanziger; --- Leo-Baeck-Medaille, seit 1978 in unregelmässigen Abständen vom Leo Baeck Institut in New York an Personen vergeben, die sich in besonderer Weise um die deutsch-jüdische Aussöhnung verdient gemacht haben: 1978: Axel Springer, Verleger, Berlin; 1980: Fred W. Lessing, Vorstandsmitglied des Leo-Baeck-Instituts New York; 1995: Fred Grubel, Sekretär und Vizepräsident des Leo-Baeck-Instituts New York; 1996: Ernst Cramer, Vorstandschef der Axel-Springer-Stiftung in Berlin; 1997: Helmut Sonnenfeldt, Politikberater und ehemaliges Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates der USA; 1998: George L. Mosse, Professor an der Universität von Wisconsin, USA und der Hebräischen Universität in Jerusalem; 1999: Werner Michael Blumenthal, Direktor des Jüdischen Museums Berlin; 2000: Edgar Bronfman sen., Präsident des Jüdischen Weltkongresses, New York; 2001: Johannes Rau, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland; 2002: Ruth K. Westheimer, Psychotherapeutin und Autorin, New York; 2003: Daniel Libeskind, Architekt; 2004: Fritz Stern, Historiker und Autor, New York; 2005: Otto Schily, Bundesminister des Innern der Bundesrepublik Deutschland; 2006: James D. Wolfensohn, Präsident der Weltbank a. D.; 2007: Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des deutschen Medienunternehmens Axel Springer AG; 2008: Wolfgang Ischinger, ehemaliger Botschafter; 2009: Joschka Fischer; 2010: Angela Merkel

Bücher

Zeitungen und Zeitschriften

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