| Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.
Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ... Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten) |
How to read Jewiki in your desired language · Comment lire Jewiki dans votre langue préférée · Cómo leer Jewiki en su idioma preferido · בשפה הרצויה Jewiki כיצד לקרוא · Как читать Jewiki на предпочитаемом вами языке · كيف تقرأ Jewiki باللغة التي تريدها · Como ler o Jewiki na sua língua preferida |
1872
Zur Navigation springen
Zur Suche springen
Portal Geschichte | Portal Biografien | Aktuelle Ereignisse | Jahreskalender
◄ |
18. Jahrhundert |
19. Jahrhundert
| 20. Jahrhundert
| ►
◄ |
1840er |
1850er |
1860er |
1870er
| 1880er
| 1890er
| 1900er
| ►
◄◄ |
◄ |
1868 |
1869 |
1870 |
1871 |
1872
| 1873
| 1874
| 1875
| 1876
| ►
| ►►
Ereignisse
- 1872: Gründung der „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“ (Berlin, Artilleriestrasse 14), wissenschaftliche Hochschule, Rabbiner- und Lehrerseminar, Bibliothek (50 000 Bände); Name 1883-1922 und erneut 1933-1942 (Jahr der Schliessung): "Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums", hervorragende Dozenten: A. Geiger, H. Steinthal, S. Maybaum, I. Elbogen, L. Baeck ... Neben der Hochschule (bzw. Lehranstalt) für die Wissenschaft des Judentums existiert bis heute die ebenfalls in Berlin (und zwar im Jahr 1919) als freie Stätte der Forschung gegründete Akademie für die Wissenschaft des Judentums, die auf Initiative Hermann Cohens, angeregt durch Franz Rosenzweigs Schrift Zeit ist's, zustande kam
- 1872: Der österreichische Kulturhistoriker Friedrich von Hellwald (1842-1892) schrieb anknüpfend an Renan 1872 in einem Zeitungsartikel, Juden seien aus Asien eingewanderte Fremdrassige; dies würden Europäer „instinktiv“ spüren. Das so genannte Vorurteil gegen Juden sei also durch zivilisatorischen Fortschritt nie zu überwinden. Als Kosmopolit sei der Jude dem ehrlichen Arier an Schläue überlegen. Von Osteuropa aus grabe er sich als Krebsgeschwür in die übrigen Völker ein. Ausbeutung des Volkes sei sein einziges Ziel. Egoismus und Feigheit seien seine Haupteigenschaften; Selbstaufopferung und Patriotismus seien ihm völlig fremd.
- 1872: Gottschalk Lewi gründet den Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina
- 1872: Arbeit macht frei, eine Parole, die in erster Linie durch ihre Verwendung als Tor-Aufschrift an den nationalsozialistischen Konzentrationslagern bekannt wurde; „Arbeit macht frei“ ist der Titel eines 1872 in Wien erstveröffentlichten Romans des deutschnationalen Autors Lorenz Diefenbach; 1922 druckte der antisemitische Deutsche Schulverein Wien Beitragsmarken mit der Aufschrift Arbeit macht frei; wie es in deutschnationalen Kreisen zu einer Affinität zu diesem Spruch kam, ist unbekannt, er wurde aber immer wieder in antisemitischen Kreisen verwendet; in den Konzentrationslagern während der Zeit des Nationalsozialismus war die Tor-Aufschrift eine zynische Umschreibung für den angeblichen "Erziehungszweck" der Lager, die in Tat und Wahrheit nach dem Prinzip der "Vernichtung durch Arbeit" angelegt waren; der Historiker Harold Marcuse führt die Verwendung als KZ-Motto auf den ersten SS-Kommandanten des KZ Dachau, Theodor Eicke, zurück; zusätzlich zur Tor-Aufschrift wurde in einigen Konzentrationslagern, unter anderem Dachau, Sachsenhausen und Neuengamme, gut sichtbar die folgende, von Himmler stammende Parole angebracht: Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heissen: Gehorsam, Fleiss, Ehrlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Nüchternheit, Wahrhaftigkeit, Opfersinn und Liebe zum Vaterland! Am Tor des Stammlagers Auschwitz befindet sich der Schriftzug „Arbeit macht frei“ mit einem auf dem Kopf stehenden Buchstaben "B"; ehemalige Auschwitz-Häftlinge berichten, es habe sich um einen heimlichen Protest ihres Mitgefangenen Jan Liwacz gehandelt, der als Kunstschlosser mehrere Auftragsarbeiten für die SS ausführen musste; im KZ Dachau schrieb Jura Soyfer das bekannte Dachau-Lied, in dessen Refrain der Spruch „Arbeit macht frei“ verwendet wird; einziges KZ mit einer abweichenden Torüberschrift war das KZ Buchenwald mit dem Spruch Jedem das Seine - der in der lateinischen Fassung "suum cuique" der Wahlspruch der preussischen Monarchen war (vgl. Juli 1937)
- 1872: James Breit geboren, Jurist (Handels- und Wirtschaftsrecht)
- 1872: Richard Mühsam geboren, Mediziner (Chirurg) in Berlin
- 1872: Walther Bruck geboren, Zahnmediziner in Breslau
- 1872: H. H. A. Kistemaekers geboren, belgisch-jüdischer, französisch schreibender Schriftsteller
- 11.1.1872–12.11.1963: Georg Karo, geb. in Venedig, gest. in Freiburg i. Br., Archäologe, evangelisch getauft, war 1905–1919 und 1930–1936 Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen, dazwischen Prof. in Halle, emigrierte 1939 in die USA, kehrte 1952 nach Deutschland zurück und war 1954 Prof. in Freiburg; Hauptwerke: Die Schachtgräber von Mykenai, 2 Bde., 1930/33; Greek Personality in Archaic Sculpture, 1948; Greifen am Thron, 1959; 50 Jahre aus dem Leben eines Archäologen, 1959
- 29.1.1872–14.2.1945: Sir William Rothenstein, angesehener englischer Maler, bekannt besonders durch charakteristische Porträtzeichnungen
- 4.2.1872–21.1.1944: Wilhelm Caspari, Mediziner (Krebsforschung) in Frankfurt
- 6.2.1872–8.4.1942: Alfred Mombert, geboren in Karlsruhe, gest. in Winterthur, Dichter, Freund und (von diesem selbst als solcher anerkannter) Nachfolger Richard Dehmels (Nichtjude) und Moeller van den Brucks; erst Rechtsanwalt 1899-1906, wandte sich dann der Dichtung und philosophischen Studien zu; seine hymnisch-mystischen Dichtungen gehören zu den wichtigsten Zeugnissen der deutschen Lyrik aus dieser Zeit; lebte in Heidelberg; Armin Knab vertonte seine "Musik der Welt"; 1933 aus der Preussischen Akademie der Dichtkunst ausgeschlossen (Verbot seiner Werke 1934), kam er in Frankreich 1940 in das KZ Gurs (bis April 1941), dann als Kranker durch Bemühungen von Freunden im Oktober 1941 in die Schweiz, wo er am 8. April 1942 an den gesundheitlichen Folgen des Lageraufenthalts verstarb; er dichtete eine mythische Kosmologie, die dem Gedanken der Seelenwanderung neue Form gab; wird mit Hölderlin und Nietzsche gleichgesetzt; Werkauswahl: Der Sonne Geist, 1905; Der himmlische Zecher, 1909; Aeon vor Syrakus (Drama), 1911; Der Held der Erde, 1919; Atair, 1925; Sfaira, der Alte, 2 Teile, 1936-1942
- 6.2.1872–6.8.1942: Dr. phil. Michael Guttmann (Mihály Guttmann), geboren in Félegyháza (Ungarn), gestorben in Budapest, jüdischer Gelehrter und Rabbiner, forschte auf den Gebieten Halacha und talmudische Methodologie sowie, vor allem unter apologetischem Blickwinkel, über das Verhältnis des Judentums zur nichtjüdischen Umgebung, auch historisch-mathematische Forschungen gehörten zu seinem weit gespannten Tätigkeitsgebiet; er erhielt den ersten Unterricht in Bibel und Talmud bei seinem Vater Alexander (gest. 1899), nahm Unterricht bei Rabbiner Moses Pollak (gest. 1888) in Bonyhad, besuchte mehrere Jeschiwot (zuletzt die in Pressburg), die Universität Budapest und das Budapester Landesrabbinerseminar seit 1895; 1903 Abschluss des Seminars sowie Promotion an der Universität, 1903-1907 Rabbiner in Csongrád (Südungarn), 1907-1921 Prof. an der Landesrabbinerschule in Budapest, 1921-1925 Mitherausgeber der Zeitschrift "Hazofe", 1924-1925 Gastvorlesungen an der Hebräischen Universität in Jerusalem, 1922-1934 Rabbiner und Prof. am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau; 1934-1942 Direktor des Rabbinerseminars in Budapest; Werke (Auswahl): Maphteach hatalmud / Clavis Talmudis ("Schlüssel zum Talmud", auf 12 Bände angelegt, 1906 ff., unvollendet); Einleitung in die Halacha (I. 1909, II. 1915); Abraham ben Chija, "Chibbur hamschichah wehatischboreth", Berlin 1913/1914 (ins Katalanische übersetzt durch Prof. I. Millas, Barcelona 1931); Das Judentum und seine Umwelt, Berlin 1927 (umfassendes apologetisches Werk, auch unvollendet); Untersuchungen über die Zählung und den Geltungsumfang der mosaischen Gebote (Breslau 1928); "Enthüllte Talmudzitate", Berlin 1930; - Bibliographie Guttmanns: A. Scheiber, List of Writings of Michael Guttmann (1900-1946), in: Jewish Studies in Memory of Michael Guttmann, Budapest 1946
- 8.2.1872–31.8.1933: Theodor Lessing, deutsch-jüdischer Arzt, Schriftsteller und Philosoph, besonders aufsässig, gerade heraus, respektlos, unangepasst und unkonventionell, origineller Denker als Kultur- und Geschichtsphilosoph, deshalb extrem verhasst, vor allem in der „feinen Gesellschaft“, geb. in Hannover; niedergeschossen von nationalsozialistischen Auftragsmördern in Marienbad am 30.8.1933; er war ein schlechter und unglücklicher Schüler; Jugendfreundschaft mit Ludwig Klages, die von Klages beendet wird (antisemitischer Zusammenhang?); 1908-1926 ist Theodor Lessing umstrittener Dozent für Philosophie an der Technischen Hochschule in Hannover, als solcher eine absolute Randerscheinung an dieser Einrichtung (Person und Fach); Lessing war kreativ-produktiver Vertreter einer geistfeindlich-kulturpessimistischen Geschichtsdeutung; Werke (Auswahl): „Europa und Asien“, 1916; „Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen“, 1919; „Jäö oder wie ein Franzose auszog um in Hannover das „raanste“ Deutsch zu lernen“ (Theodore le Singe), 1919; „Haarmann. Die Geschichte eines Werwolfs“, 1925; „Nietzsche“, 1925; „Meine Tiere“, 1926; „Blumen“, 1928; „Der jüdische Selbsthass“, 1930; - die Ermordung Lessings durch die Nazis hatte sich angekündigt, war Höhepunkt einer langen Reihe von gewaltsamen Übergriffen und Hetztiraden; nachdem die Nationalsozialisten sein Haus in Hannover demoliert hatten, floh der Philosophie-Dozent, von "Schutzhaft" bedroht, über die tschechische Grenze; lange vor Hitlers Machtergreifung gehörte Lessing wegen seines kompromisslosen Kampfes gegen den deutschen Militarismus zu den verfolgten Gegnern der Nationalsozialisten; das änderte sich auch im tschechischen Exil nicht; bald erfuhr Lessing, dass das Deutsche Reich 80 000 Reichsmark auf seinen Kopf ausgesetzt hat; „Es ist nicht leicht, vom Schicksal zum Zweiflertum dieses Judas bestimmt zu sein“, schreibt Theodor Lessing im Prager Tagblatt vom 7. Juni 1925; sein "Offener Brief an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg" nimmt die komplette Titelseite ein; darin bekennt sich der jüdische Philosoph zu einer „nationalen Tradition kritischer und wahrhaftiger Meinungsäusserung“; Judas in seiner Rolle als Zweifler sei „von allen Jüngern der gläubigste gewesen“, schreibt Lessing in seinem Appell an Hindenburg und an die deutsche Bevölkerung; solange seine kritischen Äusserungen dem Wohle des Volkes dienen, sei er bereit, dafür unterzugehen; Theodor Lessing war einer der Intellektuellen, die mit Ihrem Appell an die Öffentlichkeit scheiterten; anstatt das deutsche Volk von seinem Anliegen zu überzeugen, erreichte er mit seinem Offenen Brief im Prager Tagblatt genau das Gegenteil; in seinem Wohnort Hannover wurde er seines Lebens nicht mehr froh; Auslöser der Affäre war ein ebenfalls im Prager Tagblatt veröffentlichter, mit kritischen Anmerkungen versehener Artikel über den Reichspräsidentschaftskandidaten Paul von Hindenburg; nach dessen Wahlerfolg zitierte eine Zeitung in Hannover den Text verkürzt und antisemitisch kommentiert; Lessing hatte u. a. geschrieben: "Nach Plato sollen die Philosophen Führer der Völker sein. Ein Philosoph würde mit Hindenburg nun eben nicht den Thronstuhl besteigen. Nur ein repräsentatives Symbol, ein Fragezeichen, ein Zero. Man kann sagen: "besser ein Zero als ein Nero". Leider zeigt die Geschichte, dass hinter einem Zero immer ein künftiger Nero verborgen steht" ("Hindenburg", in: Prager Tagblatt, 25. April 1925); 1935 erschien, aus dem Nachlass herausgegeben: "Einmal und nie wieder" (autobiographisch zu seiner Jugendzeit); - Literatur (kleine Auswahl): August Messer, Der Fall Lessing, eine objektive Darstellung und kritische Würdigung, Bielefeld 1926; Ekkehard Hieronimus, Theodor Lessing, Otto Meyerhof, Leonard Nelson. Bedeutende Juden in Niedersachsen, Hannover 1964; Rainer Marwedel, Theodor Lessing, 1987; Julius H. Schoeps, Der ungeliebte Aussenseiter, 1997
- 4.3.1872–30.7.1933: Louis Forest, französisch-jüdischer Prosa-Schriftsteller
- 20.3.1872–8.12.1934: Bernhard Sekles, geb. u. gest. in Frankfurt/M., Komponist, "Neuromantiker"; Oper "Schahrazade", Orchestervorspiel zum "Dybuk", zahlreiche Kammermusikwerke und Lieder
- 5.4.1872–11.8.1959: David Pinski (selten auch: David Pinsky; Pseudonym als Sachbuchautor zeitweise: D. Puls), geb. in Mogilew am Dnjepr, gest. in Haifa, angesehener jiddischer Erzähler, Dramatiker und Journalist, der sich besonders sozialer Themen annahm und den Typus des jüdischen Arbeiters in einen literarischen Rang erhob; in den ersten Jahrzehnten nach 1900 gehörte er in Russland und Amerika zu den meistgespielten modernen Autoren; er lebte in Moskau, Warschau (seit 1892, Besuche bei Perez brachten ihn von seinem ursprünglichen Wunsch eines Medizinstudiums ab und überzeugten ihn, eine literarische Karriere anzustreben; hier veröffentlichte er u. a. auch kürzere Artikel in Spektors Hausfreund), Berlin (seit 1896, hier trat er u. a. in näheren Kontakt zu Chaim Schitlowski) und der Schweiz; seit 1894 begann er eine intensive Tätigkeit innerhalb der jiddischen Literatur und war u. a. Hauptmitarbeiter der Jom Tow Bletlech von Perez; im Dezember 1899 übersiedelte er nach Berufung zum verantwortlichen belletristischen Mitarbeiter der "Arbeiterzeitung" in die USA, lebte und arbeitete in New York; er war Journalist (u. a. Ovend Blatt [seit 1896], Die Arbeiterzeitung, Der Tog in New York), Dramatiker und Erzähler, aktiv in der jüdischen Arbeiterbewegung (1913 in New York Mitgründer der Farband Labor Zionist Order) und lebte seit 1949 in Israel, wo er weiter jiddische Stücke schrieb, die aber kaum noch ein jiddischsprechendes Publikum fanden; -- Werke (Auswahl): Eisik Scheftel, 1899 (naturalistisches Arbeiterdrama in zwei Akten, das die Ausbeutung des Erfindergeistes eines einfachen Arbeiters durch seinen Arbeitgeber beschreibt; als zweiten Teil dieses Dramas veröffentlichte Pinski Isaak Piniew. Eine Tragödie aus der revolutionären Arbeiterbewegung); Die Mutter, 1901; Die Familie Zwi. Tragödie von dem letzten und einzigen Juden, 1903 (Drama); Der Oizer, 1906 (Tragikomödie in vier Akten, Uraufführung unter Reinhardt in Berlin 1910); Yankel der Schmid, 1906 (Drama, behandelt erstmals im jiddischsprachigen Theater das Thema sexueller Leidenschaft); Der eibiger Jid oder Der Fremder, 1906 (einaktiges Drama; schildert einen jüdischen Bauern, der auf der ewigen erfolglosen Suche nach dem Messias nicht aufgeben will); Gabri und die Frauen, 1908; Dos jiddische drama. Ein iberblik iber ir entwiklung, New York 1909 (literaturgeschichtliches Werk); Der schtummer Meschiach, 1911 (aufgeführt 1919 im jüdischen Kunsttheater in New York: Ein als Messias verehrter Arzt, dem man bei einer Folterung seine Zunge herausgerissen hatte, will seine aus Illyrien ausgewiesenen jüdischen Landsleute nach Palästina führen, doch kaum bessert sich die Lage im Heimatland, verlassen sie ihn und kehren um); Jeder mit san Gott, 1912; Duvd Hamelech un sane Waber, 1912; Die Bergsteiger, 1912; Mit Siegerfahnen, 1916; Berg Steiner, 1918; Glücksvergessen, 1918; Die krimme Wegen fun Liebe, 1918; Arnold Levenberg, 1919 (Roman, behandelt Assimilation und nachlassende Kräfte der Jüdischkeit am Beispiel des Romanhelden, eines kraftlosen, verfeinerten Nachfahren aus deutsch-jüdischer Aristokratenfamilie); Der letzter Sach hakl, 1923; The House of Noah Edon, 1929 (Erzählung; das jiddische Original erschien erst 1939; beschreibt die fortschreitende Assimilation einer ostjüdischen Familie über mehrere Generationen hinweg); eine eigene Erwähnung verdient Pinskis fiktionales literarisches Grossprojekt zu den Frauen Salomos; er hatte geplant, alle "tausend Frauen Salomos" zu porträtieren; an diesem Zyklus arbeitete er von 1921 bis 1936; in diesem Zeitraum vollendete er 105 Erzählungen zu diesem Thema; Herausgeberschaften (Auswahl): Der Arbeiter, 1904-1911 (sozialistische Wochenschrift, gemeinsam mit dem Publizisten Jos. Schlossberg); Die jiddische Wochenschrift, 1912 (kurzlebige literarisch-sozialistische Zeitschrift, ebenfalls gemeinsam mit Schlossberg); weitere Tätigkeiten als Redakteur (Auswahl): Der jüdische Kämpfer, seit 1916 (literarisch hochstehendes poalezionistisches Organ); Die Zeit, September 1920 bis April 1922 (Tageszeitung, als Chefredakteur dieses weitverbreiteten Blattes); Werkausgaben: Gesamtausgabe der Dramen, New York 1918-1920 (5 Bände); Oysgeklibene Shriftn, Buenos Aires 1969
- 9.4.1872–30.3.1950: Léon Blum, geboren in Paris, gest. in Jouy-en-Josas, Département Seine-et-Oise; zusammen mit J. Jaurès 1902 Gründer der Sozialistischen Partei Frankreichs, seit 1919 deren Führer; 1936/1937 und 1938 Ministerpräsident der Volksfrontregierung; 1940 von der Vichy-Regierung verhaftet, 1943-1945 in Deutschland interniert, 1946 nochmals Ministerpräsident; Vertreter eines humanistischen Sozialismus; war auch Förderer von Keren Hajessod und Comité France-Palestine
- 13.4.1872: "Roda Roda" (Alexander Roda Roda, eigentlich: Sándor Friedrich Rosenfeld) geboren in Drnowitz/Mähren (nach anderen Quellen in Pusta Zdenci/Slawonien), Schriftsteller; liess sich 1894 katholisch taufen; 1892-1902 österreichischer Offizier; Kriegsberichterstatter während des Ersten Weltkriegs; sein erbitterter Gegner war Karl Kraus, der sich über Roda Rodas Kriegseuphorie und seine verklärte Sehnsucht nach der Monarchie lustig machte; 1938 emigrierte Roda Roda über die Schweiz in die USA, wo er am 20. August 1945 in New York an Leukämie starb; er schrieb zahlreiche Sammlungen meisterhaft pointierter Anekdoten, Lustspiele u. a.; einer seiner Aussprüche: "Aus dem Antisemitismus könnte schon was werden, wenn sich nur die Juden seiner annehmen würden ... "; seine Schwester Gisela, die nicht emigrieren konnte, wurde nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet
- 19.4.1872–30.8.1948: Dr. phil. (1908 [1906?]), Dr. med. h. c. (1932) Alice Salomon, deutsch-jüdische Frauenrechtlerin und Sozialpolitikerin, geb. in Berlin, vereinsamt gestorben in New York; 1893 Mitbegründerin der "Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit" in Berlin, in denen sie die Idee der Verpflichtung der Frau zu sozialer Hilfsarbeit verbreitete; sie nahm an der Entwicklung der modernen Armenpflege durch die Begründung verschiedener Wohlfahrtsvereine führenden Anteil, schuf und leitete 1908-1924 die Soziale Frauenschule in Berlin und leitete dann von 1925-1933 die von ihr gegründete Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit in Berlin; sie befasste sich mit dem Schutz der Arbeiterin, war führend im Bund deutscher Frauenvereine sowie im Internationalen Frauenbund und schuf in Deutschland u. a. den Beruf der Fürsorgerin; sie war die zweite Tochter und das dritte von acht Kindern des Albert Salomon (1834-1886) und dessen Ehefrau Anna, geborene Potocky-Nelken (1838-1914); 1914 [1916?] trat sie vom Judentum zur evangelischen Kirche über; 1933 wegen ihrer jüdischen Herkunft aus allen Ämtern verdrängt, wurde sie sechs Jahre später nach Gestapo-Verhören zur Emigration gezwungen und ging über Zwischenstationen in die USA und lebte fortan in New York; ihre Memoiren fanden weder in den USA noch in ihrem Heimatland einen Verleger (Erstveröffentlichung dann 1983 in Deutschland, 2004 dann in den USA); noch zu Lebzeiten erhielt sie für ihre Leistungen, insbesondere für die Schaffung eines eigenständigen von den verschiedenen soziologischen Trägern ausgehendes Kulturarbeitsgebiets, des sozialen Aus- und Fortbildungswesens, von der Preussischen Staatsregierung und vom Ministerium für Volkswohlfahrt die Silberne Staatsmedaille und von der medizinischen Fakultät der Universität Berlin den Ehrendoktor, heute tragen ein ICE, eine Briefmarke der Deutschen Bundespost, eine Hochschule, einige weitere Schulen und ein Platz in Berlin ihren Namen; Werke (nur kleine Auswahl): Leitfaden der Wohlfahrtspflege, 1921; Die Ausbildung zum sozialen Beruf, 1927; Heroische Frauen, 1936; Education for social work, 1937
- 2.5.1872–7.10.1932: Arthur Kahane, geb. in Wien, gest. in Berlin, Lyriker, Romanschriftsteller, Essayist, Dramaturg des Berliner Deutschen Theaters, Freund und enger Mitarbeiter von Max Reinhardt, an den meisten seiner Inszenierungen beteiligt; 1918-1920 redigierte er die Monatsschrift für Literatur und Theater "Das junge Deutschland"; Werke (Auswahl): Gedichte, 1908; Lieder, 1910; Clemens und seine Mädchen, 1918 (Roman); Willkommen und Abschied, 1919 (Roman); Die Tarnkappe, 1920 (Roman); Der Schauspieler, 1925 (Roman); Tagebuch eines Dramaturgen, 1928 (schildert u. a. verschiedene Lebensläufe berühmter jüdischer Künstler); Aus dem Tagebuch eines Theatermanns, 1930; Das Judenbuch, 1931 (Bekenntnis Kahanes zum Judentum)
- 8.5.1872–21.5.1967: Ilona Eibenschütz, ungarisch-jüdische Pianistin aus Budapest, musikalisches Wunderkind schon mit fünf Jahren, spielte vor den gekrönten Häuptern ihrer Zeit
- 18.5.1872–15.1.1960: Ernst Peter Pick, Pharmakologe in Wien
- 24.5.1872–18.9.1945: Hermann Vallentin, geb. in Berlin, gest. in Tel Aviv, deutsch-jüdischer Schauspieler, Sohn des Grossindustriellen Felix Vallentin, Bruder der Schauspielerin und Kabarettistin Rosa Valetti; erstes Engagement 1895/1896 am Zentraltheater Berlin, dann Auftritte an verschiedenen Berliner Bühnen; seit 1914 auch viel beschäftigter Filmschauspieler; er verkörperte meist Familienväter, Patriarchen und Direktoren, aber auch kleinkarierte Spiessbürger; in der Filmversion „Der Hauptmann von Köpenick“ von 1931 spielte er den Uniformschneider Adolph Wormser; die Machtübernahme der Nationalsozialisten beendete abrupt seine Filmkarriere; 1933 emigrierte er in die Tschechoslowakei, wo er an deutschen Bühnen in Aussig und Prag auftrat; 1938 ging er in die Schweiz und wirkte am Stadttheater Basel und am Schauspielhaus Zürich; 1939 wanderte er nach Palästina aus; da er des Hebräischen nicht mächtig war, musste er die Schauspielerei ganz einstellen, hielt Vorträge, Dichterlesungen und war zeitweilig Sprecher deutschsprachiger Nachrichten im Palestine Broadcasting Service (P. B. S.); Filme (Auswahl): „Das ganze Deutschland soll es sein!“, 1914; „Der geheimnisvolle Wanderer“, 1915; „Das Geschöpf“, 1917; „Fesseln“, 1918; „Schloss Vogelöd“, 1921; „Die Ratten“, 1921; „Hanneles Himmelfahrt“, 1922; „Schlagende Wetter“, 1922; „Die Buddenbrooks“, 1923; „Der letzte Mann“, 1924; „Des Lebens Würfelspiel“, 1925; „Madame wünscht keine Kinder“, 1926; „Sprung ins Glück“, 1927; „Lotte“, 1928; „Frau im Mond“, 1929; „Cyankali“, 1930; „Er oder ich“, 1930; „Schneider Wibbel“, 1930; „Der Hauptmann von Köpenick“, 1931; „Das erste Recht des Kindes“, 1932 (auf persönliche Intervention Himmlers verboten); „Sprung in den Abgrund“, 1933
- 4.7.1872–7.8.1940: Eugenie ("Genia") Schwarzwald, geb. in Polupanowka bei Tarnopol, Galizien; gest. in Zürich; gebürtige Nussbaum, Wiener Schulreformerin und Journalistin; bekannt ist sie insbesondere als Pionierin in der Mädchenbildung; die erste koedukative Volksschule Österreichs geht auf ihre Initiative zurück; die von ihr gegründete Schwarzwaldschule in Wien war das erste Gymnasium Österreichs, an dem Mädchen die Matura ablegen konnten; Eugenie Schwarzwald absolvierte ihre Schulen in Czernowitz, bevor sie von 1895 bis 1900 Philosophie und Germanistik an der Universität Zürich studierte (der damals einzigen Hochschule im deutschsprachigen Raum, die Frauen zum regulären Studium zuliess; sie promovierte 1900 als eine der ersten Österreicherinnen zum Dr. phil.; nach ihrer Heirat 1900 mit Herrmann Schwarzwald lebte sie in Wien und übernahm dort 1901 das Mädchenlyzeum von Eleonore Jeiteles; 1904 wurde ihr die Unterrichtsbefugnis entzogen (angeblich, weil die Nostrifikation ihres Studiums in Österreich-Ungarn negativ oder nicht möglich war), weshalb sie Lehrer einstellen musste, darunter so grosse Namen wie Oskar Kokoschka (Malen und Zeichnen), Adolf Loos (Architektur), Arnold Schönberg und Egon Wellesz (Musik) oder Hans Kelsen (Soziologie und VWL) und Otto Rommel (Literatur); in Schwarzwalds Salon verkehrten illustre Persönlichkeiten des damaligen Wien, darunter neben den oben Genannten Elias Canetti, Robert Musil, Karl Raimund Popper und Jakob Wassermann; während des Ersten Weltkrieges war sie zudem gemeinnützig tätig; nach dem Tod ihres Mannes und der Schliessung ihrer Schule durch die Nationalsozialisten emigrierte sie 1938 über Dänemark in die Schweiz, wo sie am 7. August 1940 starb
- 15.7.1872–17.4.1942: Alfred Hertz, Dirigent in Amerika, deutsch-jüdischer Herkunft
- 4.8.1872-1952: Friedrich Leppmann, Mediziner (Gerichtsmedizin) in Berlin
- 12.8.1872-22.9.1942: Leo Nachtlicht, jüdischer Architekt, in Berlin tätig
- 15.8.1872–6.3.1936: Rubin Goldmark, jüdischer Komponist in Amerika
- 3.10.1872–24.2.1936: Gotthold Herxheimer, Mediziner (Pathologie) in Wiesbaden
- 8.11.1872–15.7.1943: Friedrich Kitzinger, Strafrechtler
- 12.12.1872-29.10.1941: Bruno Cassirer, Verleger und Galerist in Berlin. 12.12.1872 Breslau – 20.10.1941 Oxford; Cousin von Paul Cassirer; zusammen mit ihm Sekretär der Berliner Secession; in den drei gemeinsamen Jahren machten sie die Berliner Kunst- und Literaturszene mit den neuesten belgischen, englischen, französischen und russischen Strömungen bekannt; seit 1903 arbeitete Christian Morgenstern in Bruno Cassirers Verlag; neben seiner Verlagstätigkeit beschäftigte Bruno Cassirer sich mit der Traberzucht, besass zwei Rennställe und war Vorsitzender der Obersten Behörde für Traberzucht und -rennen. 1938 Emigration nach Grossbritannien.
- 25.12.1872–30.9.1943: Naum Aronson, jüdischer Bildhauer
- 1872–1927: Jehoasch (eigentlich Salomo Blumengarten), geb. in Wirballen, gest. in New York, jiddischer Dichter (lyrische Gedichte, Epos), Übersetzung der Bibel ins Jiddische
Bücher
Zeitungen und Zeitschriften
- 1872: El Telegrapho, in Konstantinopel wöchentlich in Spaniolisch erscheinendes nationaljüdisches Blatt
- 1872: El Tiempo, in Konstantinopel in Spaniolisch erscheinend
- 1872: New Yorker Jiddische Zeitung, in New York erscheinendes orthodoxes Wochenblatt