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1871
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Ereignisse
- 1871: Die volle Gleichberechtigung der Juden wird gesamtdeutsches Staatsgesetz im Kaiserreich.
- 1871: Versiegen der jüdischen Auswanderung aus Deutschland seit der Reichsgründung
- 1871: Zum Zeitpunkt der Reichsgründung leben im deutschsprachigen Raum etwa 512 000 Juden (auf 1 000 Reichsdeutsche kommen etwa 12-13 Juden).
- 1871: Anglo-Jewish Association (A. J. A.), englisch-jüdische philanthropische Organisation gegründet nach dem Vorbild der französischen Alliance Israélite Universelle zur Förderung des Schulwesens in den orientalischen Ländern, steht seit 1925 positiv zur Jewish Agency; von 1895-1921 war Claude Montefiore ihr Präsident; 1893 erhielt sie von Baron Hirsch finanzielle Unterstützung durch Abtretung eines Teils seiner Anteilsscheine an der Jewish Colonization Association
- 1871: Russland. Durch die Türkenkriege und die drei polnischen Teilungen im 18. Jhdt. gelangten zahlreiche Judengemeinden in den eroberten Gebieten unter russische Herrschaft. Bereits 1790 verbot Katharina II. Juden nach anfänglicher Toleranz den Kaufmannsberuf und erlegte ihnen doppelte Steuern auf, um die Moskauer Kaufleute vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen. Gleichwohl mussten sich die leibeigenen Bauern häufig beim jüdischen Kleinbürgertum verschulden, um die hohen Auflagen ihrer Grundherren auszugleichen. Auf dieser Basis kam es schon 1825, dann erneut 1841 und 1871 in Odessa zu Ausschreitungen gegen die Juden der Region. Die auf dem Land verbreitete Judenverachtung spiegelt sich auch in der damaligen Literatur, etwa in Turgenews „Aufzeichnungen eines Jägers“ (1852).
- 1871: Max Skaller geboren, Mediziner (Innere Medizin) in Berlin
- 1871: Zoltán Bálínt in Budapest geboren, jüdischer Architekt
- 1871: Leo S. Rowe geboren, Volkswirtschaftler in den USA
- 1871: James Rothstein geboren, Opernkomponist
- 1871: Martin Spinner geboren, studierte in Wien und war Angehöriger der nationaljüdischen Studentenverbindung "Unitas", später Bankdirektor in Galatz, Rumänien; übersetzte Herzls "Judenstaat" ins Rumänische (erschien noch 1896)
- 10.1.1871–24.6.1940: Curt Sobernheim, geb. in Berlin, gest. in Paris, Bankier; Bruder von Walter Sobernheim (1869-1945) und Stiefsohn von Eugen Landau (1852-1935), der ihn protegierte und ihm die Wege ebnete; Curt Sobernheim war tätig an leitenden Stellen der Nationalbank für Deutschland und seit 1911 im Vorstand der Commerz- und Disconto-Bank in Berlin, wo er mit der zu Zeiten von Krieg und Weltwirtschaftskrise schwierigen Aufgabe betraut war, die Beziehungen zu in- und ausländischen Industrie- und Handelskreisen auszubauen; er zog viel Kritik auf sich und wurde schliesslich 1932 veranlasst, aus dem Vorstand der Bank auszuscheiden; Dr. Ing. h. c.; flüchtete 1933 nach Paris, wo er vermutlich später in Gestapohaft zu Tode gebracht wurde
- 14.1.1871–20.9.1937: Felix Warburg, Bankier, jüdischer Philanthrop, Mitbegründer der Jewish Agency
- 16.1.1871–14.5.1912: Raoul Richter, Philosoph (Nietzscheaner)
- 22.1.1871–4.1.1942: Leon Jessel, geb. in Stettin; in Berlin von der Gestapo schwer misshandelt und an den Folgen gestorben; er war ein deutsch-jüdischer national orientierter Komponist, der mit den Nazis sympathisierte und dennoch wegen seines Judentums umgebracht wurde; er komponierte vor allem Operetten; der Sohn eines Kaufmanns war ab 1891 zunächst in Gelsenkirchen und Mülheim an der Ruhr, später auch in Freiberg (Sachsen), Kiel, Stettin und Chemnitz als Kapellmeister tätig; 1896 heiratete er Clara Luise Grunewald (Nichtjüdin, wegen ihr war er aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten); von 1899 bis 1905 wirkte Jessel als Kapellmeister am Wilhelm-Theater in Lübeck und war anschliessend Direktor der Liedertafel des Gewerkvereins Lübeck; im Jahre 1909 wurde seine Tochter Eva Maria geboren, 1911 übersiedelte die Familie nach Berlin; 1919 wurde die erste Ehe geschieden, 1921 heiratete er seine zweite Ehefrau Anna; in seiner Berliner Zeit ab 1911 wandte sich Jessel verstärkt der Komposition von Operetten und Singspielen zu, die vor allem in Berlin, später auch in München, Hamburg und Königsberg uraufgeführt wurden; seinen grössten Erfolg feierte er mit der Operette "Das Schwarzwaldmädel" (Libretto von August Neidhart), die 1917 in der Komischen Oper Berlin uraufgeführt wurde; der Erfolg des Schwarzwaldmädel lässt sich daran ermessen, dass es innerhalb der folgenden 10 Jahre rund 6000 mal national und international aufgeführt wurde, unter anderem 1922 am Teatro Coliseo in Buenos Aires; einen zweiten grossen Erfolg konnte er 1921 mit der Operette "Die Postmeisterin" feiern; den Nationalsozialisten auf Grund seiner deutschnationalen Ansichten zunächst offenbar eher wohlwollend gegenüberstehend, ersuchte Jessel nach der Machtergreifung um Aufnahme in den Kampfbund für deutsche Kultur Alfred Rosenbergs; er wurde jedoch abgewiesen und wenig später auf Grund seiner jüdischen Abstammung mit Aufführungsverbot belegt, obwohl er bereits 1894 aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten war und sich zum christlichen Glauben bekannt hatte; am 15. Dezember 1941 wurde Jessel zur Gestapo-Leitstelle in Berlin-Mitte vorgeladen und festgenommen; Grund war ein 1939 geschriebener, bei einer Hausdurchsuchung gefundener Brief an seinen Librettisten Wilhelm Sterk nach Wien, in dem Jessel geschrieben hatte: "Ich kann nicht arbeiten in einer Zeit, wo Judenhetze mein Volk zu vernichten droht, wo ich nicht weiss, wann das grausige Schicksal auch an meine Tür klopfen wird"; von der Gestapo wurde Jessel in einem Keller des Polizei-Präsidiums am Alexanderplatz so schwer misshandelt, dass er schwer erkrankte und am 4. Januar 1942 im Jüdischen Krankenhaus Berlin verstarb; seine letzten Worte an seine Frau waren "Gestapo, Gestapo, Gestapo"; Werke: Die beiden Husaren (Operette; Text: Wilhelm Jacoby u. Rudolf Schanzer, Uraufführung: 6. Februar 1913 im Theater des Westens, Berlin); Wer zuletzt lacht (musikalisches Lustspiel, Text: Arthur Lippschitz u. A. Bernstein-Sawersky, Uraufführung: 31. Dezember 1913 im Theater an der Weidendammer Brücke, Berlin); Das Schwarzwaldmädel (Operette, Text: August Neidhart, Uraufführung: 25. August 1917 in der Komischen Oper Berlin); Ein modernes Mädel (Operette, Text evtl. Fritz Grünbaum u. Wilhelm Sterk, Uraufführung: 28. Juni 1918, Volkstheater München); Schwalbenhochzeit (Operette, Text: Pordes-Milo, Uraufführung: 28. Januar 1921 im Theater des Westens, Berlin); Die Postmeisterin (Operette, Text: August Neidhart, Uraufführung: 3. Februar 1921 im Central-Theater, Berlin); Des Königs Nachbarin (Singspiel, Text: Fritz Grünbaum u. Wilhelm Sterk, Uraufführung: 15. April 1923, Wallner-Theater, Berlin); Die goldene Mühle (Singspiel, Text: Wilhelm Sterk, teilweise nach Carl Costa, 1936 in Olten in der Schweiz uraufgeführt, da Jessel in Deutschland nicht mehr gespielt werden durfte); - Literatur: Albrecht Dümling: Die verweigerte Heimat. Leon Jessel, der Komponist des "Schwarzwaldmädel". Düsseldorf 1992
- 3.2.1871–23.9.1934: Ludwig Vogelstein, geb. in Pilsen; gest. in New York, war ein Industrieller und Philanthrop (sehr engagiert u. a. in der Good Will Union in Amerika); 1896 zog er als Vertreter der Metallfirma Aaron Hirsch & Sohn aus Halberstadt in die USA; später gründete er sein eigenes sehr erfolgreiches Metallunternehmen; er war ein entschiedener Befürworter und Führungsfigur des Reformjudentums, ein Gegner des Zionismus und aktiv im jüdischen Gemeindeleben; unter anderem war er Vizepräsident der World Union for Progressive Judaism; Ludwig Vogelstein war der zweite Sohn von Heinemann Vogelstein und Bruder von Hermann und Theodor Vogelstein sowie von Julie Braun-Vogelstein
- 21.2.1871–7.1.1926: Paul Cassirer, legendärer deutsch-jüdischer Verleger (u. a. Zeitschrift "Pan") und Kunsthändler, 21.2.1871 Görlitz – 7.1.1926 Berlin (Selbsttötung); gründete 1898 in Berlin zusammen mit seinem Vetter Bruno Cassirer (Breslau 1872–Oxford 1941) einen Kunstsalon, aus dem sich später ein Verlag („Bruno-Cassirer-Verlag“) entwickelte (der die Zeitschrift "Kunst und Künstler" und Kunstliteratur herausgab); Paul Cassirer förderte u. a. den Impressionismus und die Berliner Sezession; nach seinem Tod wurde die Firma von seinen Partnern (Dr. W. Feilchenfeldt und Dr. Grete Ring) weitergeführt, bis der „jüdische“ Verlag 1933 zu einem erzwungenen Ende kam, während die Kunsthandlung in den Exilländern Holland, England und der Schweiz fortgesetzt werden konnte; Paul Cassirer war verheiratet mit Tilla Durieux
- 10.4.1871–29.9.1950: Alfred Meissner, geboren in Jungbunzlau (Böhmen), gestorben in Prag, einer der Führer der tschechischen Sozialdemokratie, 1929 Justizminister
- 29.5.1871–2.9.1968: Stefan Jellinek, Mediziner (Pathologie) in Wien
- 10.8.1871–5.7.1941: Oscar Fried, jüdischer Dirigent in Berlin
- 11.8.1871–3.9.1957: Eugen Heltai, ungarisch-jüdischer Schriftsteller
- 18.8.1871–1936: Jakob Plessner, jüdischer Bildhauer in Deutschland
- 6.9.1871–25.4.1953: Martin Wassermann, deutscher bzw. argentinischer Jurist (Warenzeichenrecht)
- 9.10.1871–1.8.1959:Oscar Fehr, Mediziner (Augenheilkunde) in Berlin
- 11.12.1871–5.1.1940: Alfred Bielschowsky, Mediziner (Augenheilkunde) in Breslau
- 1871–1943: Bruno Heymann, Mediziner (Hygieniker) in Berlin
Bücher
- Th. Kroner (Rabbiner in Hannover und Seminardirektor), Entstelltes, Unwahres und Erfundenes in dem „Talmudjuden“ Professor Dr. August Rohling´s. Nachgewiesen vom Rabbiner Dr. Kroner, Seminardirektor, Münster 1871 (darin der Nachweis, dass die meisten Behauptungen Rohlings in den angegebenen Quellen nicht oder nicht so zu finden waren und dass Rohling aus Eisenmenger (ebenfalls ein Machwerk), vor allem aber aus dem 1869 in Paris erschienenen Pamphlet des Roger Gougenot des Mousseaux „Le Juif, le judaisme et la judaisation des peuples chrétiens“ abgeschrieben hatte, ohne die Quellen zu nennen. Kroner kam zum Ergebnis: „Der Herr Professor kennt den Talmud fast gar nicht und kann nicht ein Blatt in demselben ohne Fehler lesen, wenn er nicht vorher noch lange Studien an der Hand eines Talmudkundigen gemacht“.
- Ludwig Geiger, Geschichte der Juden in Berlin. Als Festschrift zur zweiten Säkular-Feier, 2 Bände, Berlin 1871 (grundlegendes Werk, wenn auch skizzenhaft und unvollendet; erstmals Berücksichtigung archivalischer Quellen)
- M. Schwab, Le Talmud de Jérusalem, 9 Bände, Paris 1871–1889 (unzuverlässig)