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Tschechien

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Česká republika
Tschechische Republik
Flagge Wappen
Wahlspruch: Pravda vítězí
(„Die Wahrheit siegt“)
Amtssprache Tschechisch
Hauptstadt Prag
Staatsform Parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt Präsident Václav Klaus
Regierungschef Ministerpräsident Petr Nečas
Fläche 78.864 km²
Einwohnerzahl 10.526.685[1] (09/2010)
Bevölkerungsdichte 130 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt nominal (2007)[2] 175.309 Mio. US$ (40.)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 17.070 US$ (37.)
Human Development Index 0,841 (28.)
Währung Tschechische Krone (CZK)
Gründung 1. Januar 1993
Nationalhymne Kde domov můj
Zeitzone UTC +1
Kfz-Kennzeichen CZ
Internet-TLD .cz
Telefonvorwahl +420

Tschechien (amtlich Tschechische Republik, tschechisch Česká republika 12px hören?/i beziehungsweise Česko) ist ein Staat in Mitteleuropa und umfasst die drei historischen Länder Böhmen, Mähren und Tschechisch-Schlesien. Die Amtssprache ist tschechisch.[3]

Die Tschechische Republik entstand am 1. Januar 1993 als Nachfolgestaat der Tschechoslowakei. Der Staat wurde 1999, acht Jahre nach Auflösung des Warschauer Pakts, Mitglied der NATO und trat am 1. Mai 2004 der Europäischen Union bei.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Tschechien, ein Binnenstaat, hat durch seine Randgebirge eine topografisch klare Gliederung: es besteht aus mehreren Beckenlandschaften, die von Gebirgen umgeben und unterteilt werden. Deswegen sagt man zum Beispiel in Oberösterreich „ich fahre ins Böhmische hinein“ – und nicht hinüber.

Die Tschechische Republik grenzt an Deutschland (810 km) im Westen und Nordwesten, an Polen (762 km) im Norden, die Slowakei (252 km) im Osten und Österreich (466 km) im Süden.

An der Südwestgrenze Tschechiens liegt der Böhmerwald (Šumava, 1.000 bis 1.400 m), im Nordwesten das Erzgebirge (Krušné hory, Keilberg 1.244 m) und im Norden die Sudeten (Sudety), welche im Riesengebirge (Krkonoše) mit der Schneekoppe (Sněžka) 1.602 m erreichen. Südöstlich des Erzgebirges breitet sich zu beiden Seiten der Elbe (tschech. Labe) das Böhmische Mittelgebirge aus.

Böhmen und Mähren werden durch die niedrige Böhmisch-Mährische Höhe (600 bis 800 m) voneinander getrennt. Mähren hat im Osten Anteil am Karpatenvorland und im Süden am Wiener Becken. Seine Ostgrenze zur Slowakei bilden die Beskiden und Weißen Karpaten und die March, und nur die Südgrenze zu Niederösterreich bildet großteils ein Fluss – die stark mäandrierende Thaya (Dyje).

Auf den Gipfeln vom Böhmerwald, Böhmischen Mittelgebirge, den Beskiden und dem ersten Ausläufer der Karpaten verläuft die Europäische Wasserscheide.

Die Beckenlandschaften sind sehr fruchtbar. So wird in Böhmen, vor allem im Saazer Becken, Hopfen angebaut (Böhmen ist eines der traditionellen Bierbrauerländer), in Mähren wird Wein angebaut.

Tschechien liegt in der gemäßigten Temperaturzone der Erde. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 7,9 °C bei milden Wintern (Februar: 0,5 °C) und kühlen Sommern (Juni: 18,6 °C). Die Jahresniederschlagssumme beträgt 508 mm in Prag; ein relativ geringer Wert aufgrund der Lee-Lage östlich beziehungsweise südöstlich des Böhmerwalds, des Oberpfälzer Walds und des Erzgebirges.

Bevölkerung

Ethnische Gruppen

Am 30. Juni 2009 zählte Tschechien 10.489.183 Einwohner[4]. Bei der letzten Volkszählung 2001 bildeten die Tschechen mit 90,5 % die größte Gruppe, gefolgt von den Mährern mit 3,7 % und den Slowaken mit tschechischer Staatsbürgerschaft mit 1,9 %. Tschechen und Mährer wurden bis 1980 nicht getrennt erfasst. Die Angabe der mährischen Nationalität in der Volkszählung wird eher als Ausdruck des mährischen Patriotismus verstanden. So gaben 1991 bei der ersten Erhebung noch 13,2 % der Bevölkerung an, mährisch zu sein. 0,1 % der Bevölkerung gaben bei der letzten Erfassung 2001 an, Schlesier zu sein (1991 noch 0,4 %). Die Tendenz ist bei nahezu allen ethnischen Minderheiten stark rückläufig. So sank in denselben zehn Jahren die Zahl der (offiziell gezählten) ethnischen Polen – besonders im Teschener Gebiet wohnhaft – von 59.383 (0,6 %) auf 51.968 (0,5 %), die der Deutschen (ohne deutsche Staatsbürger mit Aufenthaltsrecht, aber einschl. Deutsche mit doppelter Staatsbürgerschaft) sogar von 48.556 (0,5 %) auf 39.106 (0,4 %).[5]

Der tatsächliche Bevölkerungsanteil der Roma dürfte weit höher liegen als die letzte Volkszählung vermuten lässt. Man vermutet rund 250.000 bis 300.000 Roma in Tschechien,[6] was etwa 3 % der Gesamtbevölkerung wären. Viele Roma wohnen in den Randgebieten des Landes und in sozial schwächeren Großstadtvierteln. Aus verschiedenen Gründen (schwaches nationales Bewusstsein, Diskriminierung, Identifizierung als Tschechen) tendieren viele ihrer Angehörigen dazu, in Volkszählungen eine andere Ethnie anzugeben.

Die Zahl der Ausländer steigt seit 2000 stetig an und hat sich binnen 9 Jahren bis 2008 auf 410.000 mehr als verdoppelt. Insgesamt lebten zum Stichtag 31. Mai 2008 3,9 % Ausländer in der Tschechischen Republik, dies ist trotz des starken Anstiegs immer noch deutlich unter dem EU-weiten Schnitt. Unter diesen bilden die Ukrainer mit 1,21 % Bevölkerungsanteil die größte Gruppe, gefolgt von den Slowaken mit slowakischer Staatsbürgerschaft mit 0,67 %, den Vietnamesen mit 0,54 %, den Russen mit 0,24 %, den Polen mit 0,20 % und den Deutschen mit 0,17 %.[7]


Statistik

Rund 75 % der Einwohner Tschechiens leben in Städten. Die Lebenserwartung der Männer beträgt 72 Jahre, der Frauen 79 Jahre. Zur Gruppe der 0- bis 14-Jährigen zählen 15,4 %, zur Gruppe der 15- bis 64-Jährigen 70,6 % und zu den über 65-Jährigen zählen 14,0 %. Das Bevölkerungswachstum betrug 2005 0,36 %, die Fruchtbarkeitsrate 1,28 Geb./Frau.

Die Mehrheit der Tschechen wohnt in eigenen Immobilien: 2008 bewohnten rund 40 Prozent der Haushalte in Tschechien ihr eigenes Haus und 20 Prozent der Haushalte die eigene Wohnung. 23 Prozent wohnten zur Miete, weitere 12 Prozent in Genossenschaftswohnungen. 1995 wohnten nur 2 Prozent in der eigenen Wohnung, 2005 waren es schon 18 Prozent. Im gleichen Zeitraum sank der Anteil der Haushalte, die zur Miete wohnten, von 40 auf 25 Prozent.[8]

Religionen

59 % der Einwohner Tschechiens sind konfessionslos; 26,8 % sind römisch-katholisch und 2,3 % sind Protestanten (darunter: Tschechoslowakische Hussitische Kirche, Schlesische Evangelische Kirche A.B. und Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder; 3,2 % gehören sonstigen Religionsgruppen an, unter ihnen etwa 15.000 Zeugen Jehovas[9], 7000 Buddhisten, 5000 tschechische Juden und etwa 3700 Muslime.[10] Eine Besonderheit stellt die Orthodoxe Kirche der tschechischen Länder und der Slowakei dar, da diese nach der Auflösung der Tschechoslowakei bis heute eine binationale Glaubensgemeinschaft bildet. Von den insgesamt 77.053 orthodoxen Tschechen und Slowaken bekannten sich 2001 23.053 Tschechen zu dieser Glaubensgemeinschaft. Ein wichtiger Feiertag für Christen ist der 5. Juli, der an die Ankunft der Slawenapostel Kyrill und Method in Großmähren im Jahr 862 erinnert.

Größte Städte

Stadt Region Einwohner
1. März 2001
Einwohner
30. Juni 2010
Praha (Prag) hl.m.Praha (Hauptstadt Prag) 1.169.106 1.249.026
Brno (Brünn) Jihomoravský (Südmährische) 376.172 371.399
Ostrava (Ostrau) Moravskoslezský (Mährisch-Schlesien) 316.744 306.006
Plzeň (Pilsen) Plzeňský (Pilsen) 165.259 169.935
Liberec (Reichenberg) Liberecký (Reichenberg) 99.102 101.625
Olomouc (Olmütz) Olomoucký (Olmütz) 102.607 100.362
Ústí nad Labem (Aussig an der Elbe) Ústecký (Aussig) 95.436 95.477
České Budějovice (Budweis bzw. Böhmisch Budweis) Jihočeský (Südböhmische) 97.339 94.865
Hradec Králové (Königgrätz) Královéhradecký (Königgrätz) 97.155 94.493
Pardubice (Pardubitz) Pardubický (Pardubitz) 90.668 90.778
Havířov Moravskoslezský (Mährisch-Schlesien) 85.855 82.896
Zlín (Zlin) Zlínský (Zlin) 80.854 75.714
Kladno Středočeský (Mittelböhmischen) 71.132 69.938
Most (Brüx) Ústecký (Aussig) 68.263 67.518
Karviná (Karwin) Moravskoslezský (Mährisch-Schlesien) 65.141 61.948
Frýdek-Místek (Friedeck-Mistek) Moravskoslezský (Mährisch-Schlesien) 61.400 58.582
Opava (Troppau) Moravskoslezský (Mährisch-Schlesien) 61.382 58.440
Děčín (Tetschen) Ústecký (Aussig) 52.506 52.260
Karlovy Vary (Karlsbad) Karlovarský (Karlsbad) 53.358 51.320
Jihlava (Iglau) Vysočina (Hochland) 50.702 51.222
Teplice (Teplitz) Ústecký (Aussig) 51.060 51.208
Chomutov (Komotau) Ústecký (Aussig) 51.007 49.795
Přerov (Prerau) Olomoucký (Olmütz) 48.335 46.254
Jablonec nad Nisou (Gablonz an der Neiße) Liberecký (Reichenberg) 45.266 45.328
Prostějov (Proßnitz in Mähren) Olomoucký (Olmütz) 48.159 45.324
Mladá Boleslav (Jungbunzlau) Středočeský (Mittelböhmische) 44.255 44.750


Kurzform des Landesnamens

Im Deutschen

Die Bezeichnung „Tschechei“ wird seit der Bildung der Tschechoslowakei 1918 verwendet – in Anlehnung an „Türkei“, „Mongolei“, „Lombardei“, …, als Kontamination von „Tschechien“ und „Slowakei“ oder gelegentlich auch als Kontraktion von „Tschechoslowakei“ (hierbei also den Gesamtstaat Tschechoslowakei meinend). Eine breitere Verwendung des Wortes „Tschechei“ ist seit den 1930er Jahren festzustellen. Gleichzeitig kam der ältere Begriff „Tschechien“ nahezu vollständig außer Gebrauch, so dass er heute von vielen als Wortneuschöpfung empfunden wird.[11] Der Begriff „Tschechei“ besitzt für viele einen negativen Klang wegen der Verwendung im NS-Sprachgebrauch, insbesondere bei der Bezeichnung „Rest-Tschechei“. Vor allem die Tschechen selbst verbinden mit dem Begriff die NS-Zeit ihres Landes.[12]

Wegen des Zerfalls der Tschechoslowakei am 1. Januar 1993 musste eine offizielle deutsche Bezeichnung für den neuen Staat beschlossen werden. In Erwägung der obigen Argumente schlug eine staatliche Kommission damals hierfür „Tschechien“ vor, unterstützt von deutschen und österreichischen Sprachforschern. Dementsprechend ist auch seit 1992 in deutschen Nachschlagewerken ausschließlich „Tschechien“ als Kurzform für die Tschechische Republik vorzufinden.

Laut der Staatenliste auf der Internetseite des deutschen Auswärtigen Amtes ist die Kurzform „Tschechien“ jedoch nur im nichtamtlichen Gebrauch zulässig.[13][14] Die Tatsache, dass die Kurzform im Ausland als nicht offiziell gilt, ist wohl darauf zurückzuführen, dass die tschechischsprachige Kurzform in der entsprechenden Tabelle des Kartographischen Dienstes der UNO fehlt. Jeder Staat muss hier selbst eine Kurzform angeben, der Kartographische Dienst hat dazu keine Befugnis. Gerade dies hat die Tschechische Republik jedoch nicht getan, so dass nach Ablauf einer Frist hier nur die Langform eingetragen wurde. Der Grund für die Nichtangabe eines Kurznamens liegt darin, dass in Tschechien selbst die tschechischsprachige Entsprechung zu "Tschechien", nämlich "Česko", amtlich nicht verwendet wird. Bereits 1993 empfahl das Außenministerium aber in einem Memorandum an die tschechischen Botschaften die Verwendung der Kurzform "Tschechien" in deutscher Sprache als legitim und äquivalent. Laut Duden sowie gemäß tschechischen Normen über die Verwendung fremdsprachlicher Äquivalente des Staatsnamens ist Tschechien also eine übliche Kurzform des Staatsnamens.[15]

Im Tschechischen

Čechy ist das tschechische Wort für Böhmen, es wird aber manchmal simplifizierend auch für das gesamte Tschechien (inklusive Mähren und Tschechisch-Schlesien) verwendet. Nach einer Sage ist der Urvater Čech (Tschech) der Gründer des Volkes der Tschechen.

Česko ist hingegen das tschechische Wort für Tschechien. Der Begriff ist seit 1777 belegt, wurde aber vor 1992 − außer in Fachkreisen und als Äquivalent zu Slovensko (Slowakei) in den politischen Diskussionen um 1918 und 1968 − selten verwendet. Er war in der Öffentlichkeit weitestgehend unbekannt und galt als archaisch, war aber im offiziellen Wörterbuch der tschechischen Sprache sowie in den Terminologie-Listen enthalten.

Die Eigenschaftswörter tschechisch und böhmisch heißen in der tschechischen Sprache identisch (český), weshalb sich einige Vertreter der Mähren und Tschechischen Schlesier für Českomoravsko (Tschechomähren) oder Čechy, Morava a Slezsko (Böhmen, Mähren und Schlesien) als Landesnamen aussprachen.

In den 1990er Jahren gab es in den Medien und der Öffentlichkeit einen Streit: die Kurzform Česko galt bei einem großen Teil der älteren Bevölkerung als minderwertig – obwohl im Tschechischen eine analoge Wortform auch für andere Staaten verwendet wird (z. B. Irsko für Irland und Japonsko für Japan).

Obwohl sich vor allem die englischsprachige Welt und zum Teil die ältere Generation Tschechiens immer noch weigert, die neu entstandene Form „Česko“ (Czechia) zu verwenden, mit dem Fehlen eines kurzen Namens aber diverse wirtschaftliche und andere Schwierigkeiten verbunden sind, empfahl der tschechische Senat am 11. Mai 2004 in einer Sondersitzung offiziell die Verwendung von Česko anstelle von Česká republika (Kodifizierung und offizielle Empfehlungen gab es jedoch schon vorher).

Geschichte

Vor- und Frühgeschichte

Datei:Vestonicka venuse.jpg
Venus von Unter-Wisternitz/Dolní Věstonice
Datei:Great moravia svatopluk.png
Großmähren in seiner größten Ausdehnung unter Sventopluk

Jungpaläolithische Besiedlung des Landes ist insbesondere in Mittel- und Nordböhmen und in Mittel- und Südmähren nachgewiesen. Die ältesten Funde von Homo sapiens sapiens werden auf 35.000 bis 30.000 B.P. datiert.[16] Ab 5300 bis 4500 v. Chr. ist eine weitreichende neolithische Besiedlung belegt. Am Ende des Spätneolithikum ist die Schnurkeramik mit mehreren großen Gräberfeldern in Nordböhmen und die Glockenbecherkultur vertreten. In der Bronzezeit ist besonders die Aunjetitzer Kultur zu nennen. Es folgen Hügelgräberkulturen und Urnenfelderkulturen. In der Latènezeit wurden Teile des Gebiets des heutigen Tschechiens vom keltischen Stamm der Boier besiedelt, dessen lateinischer Name, Boiohaemum, die Namensgebung für Böhmen ist. Den Kelten folgten am Beginn des ersten Jahrhunderts nach Chr. germanische Stämme, die Markomannen in Böhmen und die Quaden in Mähren. Während der Völkerwanderungszeit wird nach archäologischen und historischen Quellen von einer Entvölkerung des Gebietes ausgegangen. Um 550 wanderten Slawen ein, ihr Ursprung wird östlich des Dnepr vermutet. Sie herrschten von 623 bis 658 über ein erstes Herrschaftsgebilde, das sogenannte Reich des Samo. Von 768 bis 814 lag Böhmen wahrscheinlich in der fränkischen Herrschaftssphäre unter Karl dem Großen.

Vom 8. Jahrhundert bis 833 bestand in Mähren das Mährische Fürstentum, aus dem 833 Großmähren unter Fürst Mojmír I. hervorging; ihm folgten die Fürsten Rastislav im Jahr 846 und Svatopluk im Jahr 871. 864 kamen die byzantinischen Mönche Kyrill und Method in Großmähren an. Sie begründeten die slawische Liturgie. 869 starb Kyrill, was das Ende der byzantinischen Mission bedeutete. Von 888/890 bis 895 war Böhmen Teil des Großmährischen Reichs. 894 starb Rastislavs Nachfolger Svatopluk, dies bedeutete den Beginn des Zerfalls des Großmährischen Reichs, und die Rückkehr zur westlichen lateinischen Kirche und Kultur.

Die Přemyslidendynastie

895 akzeptierte Fürst Spytihněv in Regensburg die ostfränkische Oberherrschaft über Böhmen. 907 kam es zum Zerfall Großmährens. Der Přemyslide Wenzel (Hl. Wenzel, später fälschlicherweise König Wenzel in einem Weihnachtslied genannt) wurde 929 (935) von seinem Bruder Boleslav ermordet und dadurch der Schutzheilige des Landes. 973 erteilte der Heilige Wolfgang, Bischof von Regensburg, seine Erlaubnis zur Gründung eines Bistums in Prag. Erster Bischof wurde Thietmar, zweiter Bischof der Heilige Adalbert (Vojtěch). 1003 eroberte Boleslaw I. von Polen Böhmen (bis 1004), 1031 wurde Mähren an Böhmen angeschlossen (und 1182 zur Markgrafschaft erhoben). 1038 fiel Břetislav I. von Böhmen in Polen ein und entführte die Gebeine Adalberts aus Gnesen.

1085 wurde der Přemyslide Vratislav II. zum ersten böhmischen König gekrönt (der Titel ist ihm von Heinrich IV., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, verliehen worden). Im 12./13. Jahrhundert kam es zur Zuwanderung von deutschen Siedlern in die böhmischen Randgebiete. 1212 wurde dem böhmischen Herrscher Ottokar I. Přemysl vom Kaiser Friedrich II. die Erblichkeit des Königstitels zugesichert. Fortan war das Königreich Böhmen in das Heilige Römische Reich eingegliedert, jedoch mit weitreichender Autonomie. Die böhmischen Herrscher gehörten zu den sieben Kurfürsten. Als Mitglied dieses Kollegiums besaß der böhmische König oft eine große politische Bedeutung innerhalb des Reiches.

Seit 1300 bestand für eine kurze Zeit eine Böhmisch-Polnische Personalunion unter Wenzel II. und Wenzel III. (Titularkönig in Polen). 1306 wurde Wenzel III. in Olmütz ermordet, dies bedeutete das Ende der Přemyslidendynastie.

Heiliges Römisches Reich

1310 heiratete Johann von Luxemburg, Sohn des römischen Kaisers Heinrich VII., die böhmische Prinzessin Elisabeth, Tochter von Wenzel II., und wurde böhmischer König bis 1346. Nach seinem Tod in der Schlacht von Crécy folgte ihm 1347 sein Sohn Karl IV. als König von Böhmen (als Karl I.). 1348 gründete Karl IV. die Karls-Universität Prag als erste Universität nördlich der Alpen.

1355 wurde Karl IV. in Rom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Er wählte Prag zu seiner Residenzstadt. Im Jahr 1356 erließ Karl IV. eine Goldene Bulle, das wichtigste der „Grundgesetze“ des Heiligen Römischen Reiches bis zum Ende des Alten Reiches 1806. In der Goldenen Bulle Karls IV. wurden u.a. die Modalitäten der Wahl der römisch-deutschen Könige durch die Kurfürsten und ihrer Krönung geregelt. Im Jahr 1378 teilte Karl IV. in seinem Testament seine Erblande unter seinen Söhnen auf. Das Kerngebiet Königreich Böhmen erhielt sein Sohn Wenzel IV., der auch deutscher König wurde. Seine Nachfolger als böhmische Könige (ab 1419) waren Sigismund, Albrecht II. und Ladislaus Postumus.

Hussiten-Bewegung

Datei:Jan Hus at the Stake.jpg
Jan Hus wurde 1415 während des Konstanzer Konzils auf dem Scheiterhaufen verbrannt

1415 wurde der Kirchenreformator Jan Hus während des Konstanzer Konzils als Ketzer verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dadurch wurde die weitere Entwicklung der Hussiten-Bewegung markiert. Zwischen 1415 und 1434 wurde die politische und religiöse Situation in Böhmen maßgeblich von den Hussiten bestimmt. Nach mehreren Niederlagen seiner Heere in Böhmen war der Machtbereich des böhmischen und ungarischen Königs und römischen Kaisers Sigismund in seinen Erblanden zeitweilig nur auf einige Randgebiete (u.a. Südböhmen unter der Herrschaft der Adelsfamilie Rosenberg), auf die beiden Lausitzen, Schlesien und auf Teile des Markgraftums Mähren beschränkt. Die wichtigsten Feldherren der Hussiten waren Jan Žižka und nach seinem Tod 1424 Prokop Holý. Als Zentrum der Hussiten-Bewegung wurde die Stadt Tábor gegründet. Der radikale Flügel der Bewegung wurde erst 1434 in der Schlacht von Lipan entscheidend besiegt. 1458 wurde Jiří z Poděbrad von den böhmischen Ständen zum König von Böhmen und damit zum ersten de facto protestantischen König in Europa gewählt.

Herrschaft der Jagiellonen

Nach dem Tod des Königs Jiří z Poděbrad 1471 entschieden sich die böhmischen Stände für die polnisch-litauische Dynastie der Jagiellonen als neue Herrscher des Königreiches. Zuerst war Vladislav II. der gewählte König von Böhmen. Der zweite Herrscher aus dieser Dynastie Ludwig II. starb in der Schlacht bei Mohács gegen die Türken, die mit einer folgenreichen Niederlage seines Heeres endete. Dadurch waren die böhmische und die ungarische Krone wieder frei.

Herrschaft der Habsburger

Von 1526 bis 1918 war das Königreich Böhmen, das heutige Tschechien, mit allen Ländern der Wenzelskrone Teil des Herrschaftsgebiets der Habsburger. Die böhmischen Stände akzeptierten 1526 den Habsburger Ferdinand I. als König von Böhmen. 1547 kam es zu einem Aufstand der böhmischen Stände gegen Ferdinand I. Nach dessen Niederschlagung wurden erste Einschränkungen der bisherigen Sonderrechte des Königreiches Böhmen, nicht jedoch der faktischen Religionsfreiheit, verfügt.

1583 zog Kaiser Rudolf II., der Enkel Ferdinands I., mit dem gesamten Hof von Wien nach Prag. Die Hauptstadt Böhmens wurde dadurch wieder zum bedeutenden Zentrum von Politik, Kunst und Wissenschaft. 1609 erließ Rudolf II. den Majestätsbrief über die Religionsfreiheit. Am 23. Mai 1611, noch zu Lebzeiten Rudolfs II., übernahm sein Bruder Matthias die Macht im Königreich Böhmen. Nach Rudolfs Tod wurde Matthias am 20. Januar 1612 auch zum römischen Kaiser gewählt. Seither entflammten die Konfessionszwistigkeiten in Böhmen aufs Neue.

Dreißigjähriger Krieg

Auf dem Höhepunkt der Unzufriedenheit mit der Politik des Kaisers gegenüber ihrem Land drangen 1618 mehrere Vertreter der überwiegend protestantischen böhmischen Stände in die Kanzlei der Prager Burg (des Hradschin) und warfen zwei kaiserliche Statthalter und einen Schreiber aus dem Fenster. Alle drei Personen überlebten das Attentat kaum verletzt. Dieser sogenannte zweite Prager Fenstersturz leitete den böhmischen Aufstand gegen den Kaiser ein. Dieser Aufstand war der Auftakt zum Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), der weite Teile Europas und vor allem Deutschlands verwüsten sollte.

1619 starb Kaiser Matthias. Im August wählten die böhmischen Stände den deutschen Protestanten Friedrich von der Pfalz zum neuen König von Böhmen. Nachdem Friedrich im Herbst in Prag gekrönt wurde und dort seine Residenz aufnahm, wurde der Konflikt mit den Habsburgern zu einer Reichsangelegenheit. 1620 kam es zur Schlacht am Weißen Berg bei Prag, die mit einer entscheidenden Niederlage der böhmischen Stände und einem Sieg des kaiserlichen Heeres endete.

Friedrich von der Pfalz floh aus dem Land („Winterkönig“, da er nur einen Winter regierte). Die Anführer des böhmischen Aufstandes, insgesamt 27 Adlige und Prager Bürger sowohl tschechischer als auch deutscher Abstammung, wurden am 21. Juni 1621 auf dem Altstädter Ring in Prag, einige von ihnen auf grausame Art und Weise, hingerichtet. Viele Protestanten, unter ihnen bedeutende Vertreter des böhmischen Adels und des geistigen Lebens wie der Bischof der Böhmischen Brüder Johann Amos Comenius, verliessen das Land und wählten das Exil. Ihre umfangreichen Güter wurden konfisziert und den Parteigängern der katholischen Seite und bedeutenden Heerführern des Kaisers, z. B. Wallenstein, zugeteilt.

Die nach der für Böhmen schicksalshaften Schlacht am Weißen Berg beginnende Epoche wird in der tschechischen Historiographie als die Epoche des temno, die Zeit der Dunkelheit, bezeichnet. Noch während des Dreißigjährigen Krieges setzte Kaiser Ferdinand II. (1619–1637) eine rigorose Unterdrückungspolitik gegen die Nicht-Katholiken in seinem Herrschaftsbereich, insbesondere in den Habsburger Erblanden einschließlich des Königreiches Böhmen, durch. In den böhmischen Ländern wurde Deutsch zunächst zur zweiten Amtssprache erhoben, drängte aber Tschechisch bald aus dem Ämtern und auch aus dem gehobenen Gebrauch fast vollständig hinaus. Die staatsrechtliche Sonderstellung des Königreiches Böhmen im Reich wurde formal nur teilweise eingeschränkt, faktisch wurde die Unabhängigkeit des Landes jedoch auf lange Zeit beseitigt. Die Herrschaft über das Land wurde von dieser Zeit an bis 1918 von Wien aus ausgeübt, wo sich der kaiserliche Hof und die Reichsregierung befanden.

Nationale Wiedergeburt der Tschechen

Zwischen 1780 und 1790 führte Kaiser Joseph II. unter dem Leitsatz „Alles für das Volk; nichts durch das Volk“ seine josephinischen Reformen im Sinne des aufgeklärten Absolutismus durch. Eine bedeutende Reform war beispielsweise 1781 die Aufhebung der Leibeigenschaft.

Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ungefähr 1885 kam es zur Nationalen Wiedergeburt der Tschechen. Als Reaktion auf den Wiener Zentralismus formierten sich seit dem Ende des 18. Jahrhundert Intellektuelle in der tschechischen Nationalbewegung (Wiedergeburt). Sie förderten die Pflege, Anerkennung und Verwendung der tschechischen Sprache (unterstützt auch von den deutschen Romantikern). Dem folgte später das Verlangen nach politischer Autonomie. Der Wunsch nach kultureller Autonomie führte zur Gründung von wissenschaftlichen Gesellschaften, wie zum Beispiel Matice česká und Matice moravská, sowie der Turnbewegung Sokol.

Unmittelbar nach dem Slawenkongress in Prag im Juni 1848 wurde der Prager Pfingstaufstand niedergeschlagen. Die Industrialisierung begann, und Böhmen wurde das „industrielle Rückgrat“ der Donaumonarchie.

Nachdem Kaiser Franz Joseph den Neoabsolutismus mit dem Silvesterpatent von 1851 sanktioniert hatte, gab es mit dem Oktoberdiplom von 1860, dem Februarpatent von 1861 und der Dezemberverfassung von 1867 mehrere Ansätze, den Tschechen gewisse Freiheiten zu verschaffen. Nach wie vor waren und fühlten sie sich allerdings gegenüber den Deutschen und Ungarn zurückgesetzt. Zwar bestand das Königreich Böhmen bis 1918, aber nicht alle Habsburger hielten es für der Mühe wert, sich überhaupt in Prag zum Böhmischen König krönen zu lassen. Während Ungarn als Königreich in Personalunion mit Österreich viele nationale Rechte gewährt wurden, durften in den Ländern der Böhmischen Krone (Böhmen, Mähren, Österreichisch Schlesien) nicht einmal tschechischsprachige Zeitungen verlegt werden.

Im Sinne eines angestrebten österreichisch-tschechischen Ausgleichs erließ der österreichische Ministerpräsident Badeni 1897 eine Nationalitätenverordnung, wonach alle politischen Gemeinden in Böhmen und Mähren zweisprachig zu verwalten waren. Damit avancierte Tschechisch in beiden Kronländern von einer Minderheitensprache zur Nationalsprache. Daraufhin legten deutsche Abgeordnete den österreichischen Reichsrat lahm, und 1899 wurde die Nationalitätenverordnung wieder aufgehoben. Auch der Mährische Ausgleich von 1905 erzielte keine dauerhaften Erfolge, so dass der böhmische Landtag schließlich durch kaiserliches Patent vom 26. Juli 1913 aufgelöst wurde.

Datei:Czechoslovakia01.png
Tschechoslowakei 1918-1938

Tschechoslowakei

Von 1914 bis 1918 kämpften Tschechen im Ersten Weltkrieg. Gegen die Monarchie bildeten sich im Exil eine tschechische und slowakische, von Tomáš Garrigue Masaryk angeführte Opposition. Am 28. Oktober 1918 kam es zur Gründung der Tschechoslowakei, T. G. Masaryk wurde erster Staatspräsident. Die bis dahin Ungarn administrativ unterstellte Slowakei schloss sich dem neuen Staat an (Milan Rastislav Štefánik). 1919 fand der Beitritt der Karpatoukraine (nach 1945 fällt sie an die Sowjetunion) statt, 1920 der Anschluss Teschens. Von 1918 bis 1938 bestand die sogenannte Erste Tschechoslowakische Republik.

Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg

Es gab in der Tschechoslowakei eine starke deutsche Minderheit, die im Sudetenland die Mehrheit bildete. Bei der Volkszählung im Jahre 1930 betrug der Bevölkerungsanteil auf dem Gesamtgebiet der heutigen Tschechischen Republik 29,5 %.[17] Die Deutschen in der Tschechoslowakei waren seit 1919 durch die Deutsche Nationalpartei vertreten. Die deutschen Sozialdemokraten waren von 1920 bis 1935 die stärkste deutsche Fraktion im Prager Abgeordnetenhaus und wurden ab 1929 mit ihrem Vorsitzenden Ludwig Czech, der verschiedene Ministerposten bekleidete, auch Regierungspartei. 1933 gründete Konrad Henlein die Sudetendeutsche Partei (SdP). Mit deutscher Unterstützung forderte die SdP immer weitergehende Autonomie und Abtrennung des deutschsprachigen Landesteils von der Tschechoslowakei und verschärfte mit dem Karlsbader Programm vom 24. April 1938 die Sudetenkrise.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs drohte Hitler mit dem Einmarsch in das Sudetenland. Großbritannien und Frankreich hatten als Schutzmächte nach dem Vertrag von Saint Germain Schutzpflichten gegenüber der Tschechoslowakei. Außerdem gab es noch zusätzliche Bündnisverträge Frankreichs und der Sowjetunion mit der ČSR. Die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens waren der Auffassung, durch Nachgeben („Appeasement-Politik“) einen drohenden Krieg verhindern zu können. Ohne die Beteiligung der tschechoslowakischen Regierung unterzeichneten Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier am 29. September 1938 das Münchner Abkommen, nach dem die Tschechoslowakei das Sudetenland an Deutschland abtreten sollte. Die Tschechen nennen diese Vereinbarung das „Münchner Diktat“ oder den „Münchner Verrat“. Etwa ein Drittel des Staatsgebietes fiel damit an das Deutsche Reich.

Am 5. Oktober 1938 trat Präsident Edvard Beneš zurück und ging ins Exil nach Großbritannien. Sein Nachfolger wurde Emil Hácha. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen am 15. März 1939 in die „Rest-Tschechei“ wurde das Protektorat Böhmen und Mähren errichtet. Die Erste Slowakische Republik wurde ein Satellitenstaat des Deutschen Reiches. Am 27. September 1941 folgte auf den dauerhaft beurlaubten Statthalter Neurath als neuer Reichsprotektor Reinhard Heydrich. Am 27. Mai 1942 wurde auf Heydrich ein Attentat verübt, an dessen Folgen er am 4. Juni 1942 starb. Als Vergeltungsmaßnahmen wurden unter anderem die Bewohner der Dörfer Lidice und Ležáky ermordet. Während der deutschen Besetzung befanden sich auf tschechischem Boden das KZ Theresienstadt sowie mehrere Außenlager des KZ Flossenbürg, darunter die „Richard“-Gruben. 1945 fand die faktische Wiederherstellung der Tschechoslowakei durch das „Kaschauer Programm“ der neuen Regierung unter Premierminister Zdeněk Fierlinger statt. US-amerikanische, sowjetische und tschechoslowakische Truppen befreiten das Land. Die in der Erklärung von Jalta vereinbarte Demarkationslinie zwischen dem von den USA und dem von der UdSSR verwalteten Gebiet verlief entlang der Städte Budweis, Pilsen und Karlsbad.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Am 5. Mai 1945 begann der Prager Aufstand gegen die deutsche Besatzungsmacht und Weltkriegsende war der 8. Mai 1945. Am 9. Mai 1945 marschierten sowjetische Truppen in Prag ein. Präsident Beneš übernahm wieder die Regierungsgewalt. Zur Wiederherstellung des Staates wurden die Beneš-Dekrete erlassen. Neben gewöhnlichen Verwaltungsangelegenheiten regelten diese auch die Bestrafung, Vermögensenteignung und ethnische Säuberung durch Deportation der als „Staatsfeinde“ angesehenen Deutschen und Ungarn.

Am 26. Mai 1946 gewann die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei (KSČ) die Wahlen, wurde Bestandteil der Regierung und konnte einen gewaltigen politischen Einfluss ausüben. Klement Gottwald (KSČ) wurde in der Folge Ministerpräsident. Am 24. Oktober 1946 war die Vertreibung von 2,7 Mio. Sudetendeutschen abgeschlossen. Beginnend gleich nach Kriegsende werden die Sudetendeutschen[18] sowohl geplant als auch spontan nach Österreich[19] und der Rest sanktioniert durch das Potsdamer Kommuniqués (Protokoll) aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Im August 1945 bestimmten die drei Hauptalliierten des Zweiten Weltkrieges in diesem Kommuniqués die Nachkriegsordnung. Darin akzeptierten sie die kollektive Vertreibungen Deutscher ohne jede Prüfung individueller Schuld, verlangten lediglich „einen geordneten Transfer der deutschen Bevölkerungsteile“ aus der Tschechoslowakei.[20] Zwischen Februar und Oktober 1946 erfolgte die „geordnete“ Vollstreckung des Potsdamer Kommuniqués und die Zwangsaussiedlung nach Westdeutschland. Aufgrund des Beneš-Dekretes 108 wurde das Vermögen der deutschen Einwohner konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt. Seitens der Tschechoslowakei erfolgte keine Abgeltung für das eingezogene Vermögen. Die in Österreich befindlichen Sudetendeutschen wurden zum Großteil, in Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-Zielen der Alliierten, nach Deutschland weiter transferiert.

Realsozialismus

Am 25. Februar 1948 fand die vollständige Machtergreifung durch die Kommunisten (KSČ) statt. Es kam zur Verfassungsänderung und Umgestaltung des Landes nach sowjetischem Muster. Erster sog. „Arbeiterpräsident“ wurde Klement Gottwald. Im November 1952 wurde Rudolf Slánský zusammen mit elf weiteren Angeklagten im „Slánský-Prozess“ zum Tode verurteilt. 1957 wurde Antonín Novotný Präsident. Auf der Kafka-Konferenz 1964 in Liblice wurde Franz Kafka rehabilitiert. Rufe nach Reformen wurden laut und kulminierten auf dem vierten tschechischen Schriftstellerkongress im Juni 1967 in direkter Kritik an der politischen Führung.

Prager Frühling

Zwischen dem 3. und dem 5. Januar 1968 wurde Novotný vom ZK abgesetzt. Alexander Dubček wurde Vorsitzender der KSČ. Präsident wurde General Ludvík Svoboda. Anfang März folgte die Aufhebung der Zensur. Der „Prager Frühling“ begann, die Weiterentwicklung verlief überwiegend spontan. Am 5. April 1968 wurde ein Aktionsprogramm der KSČ unter Alexander Dubček verabschiedet. Ein „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ wurde angestrebt (Verbürgte Versammlungsfreiheit, kleines Unternehmertum, Freilassung der politischen Gefangenen).

Am 21. August 1968 begann eine militärische Intervention: sowjetische und weitere Truppen des Warschauer Pakts besetzten die Tschechoslowakei. Im Zuge dieser Besetzung erließ Moskau die Breschnew-Doktrin der „Begrenzten Souveränität der sozialistischen Staaten“. In der Folge emigrierten viele Tschechen. Die nachfolgende politische Etappe wurde „Normalisierung“ genannt. Am 1. Januar 1969 entstand mit dem Inkrafttreten des Verfassungsgesetzes über die tschechoslowakische Föderation die Tschechische Sozialistische Republik als eine der beiden Teilrepubliken der Tschechoslowakei. Am 17. April 1969 erfolgte die Ablösung Dubčeks und die Wahl Gustáv Husáks zum Generalsekretär der KSČ.

Aufsehen erregte die Selbstverbrennung der Studenten Jan Palach (16. Januar) und Jan Zajíc (25. Februar) zu Beginn der „Normalisierung“.

In der Folge wurde die ČSSR einer der konservativsten Mitgliedsstaaten des Ostblocks. Am 1. Januar 1977 wurde die Bürgerbewegung „Charta 77“ gegründet.

Die Samtene Revolution

Am 17. November 1989 unterdrückte die Polizei brutal eine Studenten-Demonstration, was Großdemonstrationen von bis zu 750.000 Menschen nach sich zog. Am 19. November 1989 wurde das Bürgerforum zur tragenden Kraft der „Samtenen Revolution“ in der Tschechoslowakei. Am 10. Dezember 1989 erklärte Staatspräsident Gustáv Husák seinen Rücktritt.

Am 28. Dezember 1989 wurde Alexander Dubček zum Präsidenten der Föderalversammlung gewählt. Am 29. Dezember 1989 wurde Václav Havel von der Föderalversammlung zum Präsidenten der ČSSR gewählt. Anfang 1990 wurde die Tschechische Sozialistische Republik in Tschechische Republik umbenannt. Am 23. April 1990 – nach dem sogenannten Gedankenstrich-Krieg – folgte die Umbenennung der Tschechoslowakei in Tschechische und Slowakische Föderative Republik (ČSFR).

Am 8. Juni 1990 fanden die ersten freien Parlamentswahlen in der ČSFR statt. Am 5. Juli 1990 wurde Václav Havel zum Präsidenten der ČSFR gewählt. Am 21. Februar 1991 trat die ČSFR dem Europarat bei. Am 16. Dezember 1991 folgte die Unterzeichnung des EG-Assoziierungsabkommens. Am 5. Juni 1992 fanden Parlamentswahlen in der ČSFR statt. Der Ökonom Václav Klaus (ODS) wurde Ministerpräsident. Er vertritt eine vom Thatcherismus inspirierte Wirtschaftspolitik („Marktwirtschaft ohne Adjektiv“).

Durch eine Coupon-Privatisierung wurden 8 Mio. Tschechen Anteilseigner von privatisierten Firmen.

Vladimír Mečiar wurde Ministerpräsident in der Slowakei. Klaus und Mečiar vereinbarten gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung[21] eine Teilung der Tschechoslowakei in zwei Staaten. Am 20. Juli 1992 trat Präsident Václav Havel von seinem Amt zurück. Am 25. November 1992 wurde das Gesetz über die Auflösung der ČSFR im föderalen Parlament verabschiedet.

Am 16. Dezember 1992 wurde die neue Verfassung der Tschechischen Republik als „demokratischer Rechtsstaat“ verabschiedet. Die Charta der Grundrechte und -freiheiten, die nach dem Umbruch im Januar 1991 von der tschechoslowakischen Bundesversammlung beschlossen worden war, wurde unverändert von Tschechien übernommen.

Tschechische Republik

Mit dem 1. Januar 1993 bildeten Tschechen und Slowaken zwei unabhängige Staaten. Am 2. Februar 1993 fand die Vereidigung des neugewählten Präsidenten Václav Havel statt.

Am 30. Juni 1993 trat das nun unabhängige Tschechien dem Europarat bei. 1994–1995 war das Land nicht-ständiges Mitglied des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. Am 1. Februar 1995 trat das neue EU-Assoziierungsabkommen in Kraft. Nach drei Jahren negativen Wirtschaftswachstums (1994–1996) wuchs die Wirtschaft wieder; 1997 folgte aber wieder eine Rezession. Am 28. November 1995 wurde die OECD-Beitrittsurkunde in Paris unterzeichnet.

Am 31. Mai und 1. Juni 1996 fanden Wahlen zum Abgeordnetenhaus statt. Die regierende Mitte-rechts-Koalition wurde bestätigt, verlor jedoch ihre Mehrheit. Klaus trat am 23. Juli 1996 mit seinem zweiten Kabinett das Amt neuerlich an. Seine Regierung musste sich jedoch von den Sozialdemokraten Miloš Zemans tolerieren lassen. 1997 endete die wirtschaftliche Wachstumsphase in einem Bankenkrach, im Laufe dessen 12 Finanzinstitute Insolvenz anmelden mussten. Die Schuld lag unter anderem an der Verflechtung industrieller Großkomplexe, die durch faule Kredite künstlich aufrechterhalten worden waren. Die tschechische Wirtschaft fiel in eine Rezession.

Am 21. Januar 1997 wurde die Deutsch-Tschechische Erklärung unterzeichnet und am 24. April hielt Präsident Havel vor dem Deutschen Bundestag eine Rede. Im Juni desselben Jahres mussten infolge des Oderhochwassers 40.000 Menschen evakuiert werden, der Gesamtschaden betrug 2,5 Mrd. Euro. Ministerpräsident Václav Klaus trat am 30. November 1997 aufgrund einer Spendenaffäre zurück. Sein Nachfolger wurde Josef Tošovský.

Am 20. Januar 1998 wurde Václav Havel als Präsident wiedergewählt. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 28. Juni 1998 gewannen die Sozialdemokraten mit Miloš Zeman (32 %) und konnten die Regierung bilden; sie wurden von der oppositionellen ODS toleriert (der sogenannte „Oppositionsvertrag“).

Am 12. März 1999 erfolgte der Beitritt zur NATO (zusammen mit Polen und Ungarn). Die Auseinandersetzungen um die Besetzung des Intendanten des Tschechischen Fernsehens Česká televize löste die größten Demonstrationen in Tschechien seit 1989 aus.

Neueste Entwicklungen

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Präsident Václav Klaus (ODS) (seit 2003)
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Ministerpräsident Petr Nečas (ODS) (seit 2010)

Am 28. Februar 2003 wurde der bisherige Präsident des Abgeordnetenhauses des Parlaments Václav Klaus zum Präsidenten der Tschechischen Republik gewählt.

Am 1. Mai 2004 trat die Tschechische Republik der Europäischen Union bei (siehe: EU-Erweiterung 2004). Von den 55,21% der tschechischen Wahlberechtigten, die am Referendum teilnahmen, stimmten einem Beitritt 77,33% zu, also 42,7% aller tschechischen Wahlberechtigten.

Am 2. und 3. Juni 2006 wurde bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus die sozialdemokratische ČSSD von der konservativen ODS geschlagen, große Verluste erlitten auch die Kommunisten (KSČM). Die grüne Strana zelených (SZ) übersprang erstmals die Fünf-Prozent-Hürde. Die Regierungsbildung gestaltete sich aufgrund eines Patts im Abgeordnetenhaus zwischen den beiden Lagern schwierig. Erst Anfang 2007 fand die neue blau-schwarz-grüne Regierungskoalition im Parlament die notwendige Unterstützung, nachdem zwei ČSSD-Abgeordnete angekündigt hatte, diese zu tolerieren. So verfügte die neue Regierung über eine Mehrheit von 102 zu 98 Abgeordneten.

Die tschechische Regierung führte 2007 eine Steuerreform durch. Die Einkommensteuer wurde auf einen einheitlichen Satz (Flat Tax) von etwa 20% des Bruttoeinkommens gesenkt. Offiziell wird der Steuersatz als 15 Prozent angegeben. Dieser Satz bezieht sich jedoch auf die Summe des Bruttoeinkommens und der Sozial- und Krankenversicherungsbeiträge; dies lässt den Steuersatz niedriger als in der Realität erscheinen. Zuvor gab es eine Steuerprogression mit vier Steuerklassen. Zugleich wurde die Körperschaftssteuer von 25% auf 19% gesenkt und der ermäßigte Umsatzsteuer-Satz erhöht. Mit dieser und anderen Maßnahmen wollte das Land die Staatsfinanzen sanieren, der sog. Eurotauglichkeit näher kommen und für ausländische Investoren Anreize schaffen.[22]

Seit dem 21. Dezember 2007 entfallen aufgrund des Schengener Abkommens alle Grenzkontrollen zu den vier Nachbarländern Tschechiens.

Am 1. Januar 2009 übernahm die Tschechische Republik unter Ministerpräsident Mirek Topolánek zum ersten Mal die Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union. Die tschechische Ratspräsidentschaft war von der weltweiten Finanzkrise geprägt.

Am 24. März sprach das tschechische Abgeordnetenhaus der Regierung Topolánek II das Misstrauen aus. Staatspräsident Václav Klaus beauftragte am 9. April 2009 den Leiter des Tschechischen Statistikamtes Jan Fischer mit der Bildung einer Übergangsregierung. Die Regierung Fischer wurde am 9. Mai 2009 angelobt und sollte die Regierungsgeschäfte bis zu geplanten vorgezogenen Neuwahlen im Oktober 2009 führen. Im September 2009 wurde das Gesetz zur Durchführung der vorgezogenen Wahl zum Abgeordnetenhaus vom Verfassungsgericht der Tschechischen Republik für verfassungswidrig erklärt. Die für den 9. und 10. Oktober 2009 geplante Wahl zum Abgeordnetenhaus wurde damit noch in der Vorbereitungsphase gestoppt und erst Ende Mai 2010 durchgeführt (Parlamentswahlen in Tschechien 2010). Am 13. Juli 2010 wurde von einer Koalition der bürgerlich-konservativen Parteien ODS und TOP 09 sowie der durch die Wahl erstarkten Partei Věci veřejné die Regierung Nečas gebildet. Die sozialdemokratische ČSSD, die die relativ meisten Sitze im Abgeordnetenhaus errang, und die KSČM bilden seither die Opposition. Die grüne Strana zelených und die KDU-ČSL scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde und erhielten damit keine Mandate im Abgeordnetenhaus.

Politik

Tschechien ist eine parlamentarische Republik. Das Staatsoberhaupt ist der Präsident. Der Regierungschef besitzt aber erweiterte Rechte gegenüber dem Staatsoberhaupt. Legislatives Organ ist das Parlament. Das Zweikammersystem besteht aus dem Abgeordnetenhaus und dem Senat.

Der Präsident ist das Staatsoberhaupt und wird vom Parlament gewählt. Die Amtszeit beträgt 5 Jahre, Wiederwahl ist einmal möglich. Der Präsident ernennt oder enthebt den Ministerpräsidenten und weitere Regierungsmitglieder. In bestimmten Krisensituationen kann er das Abgeordnetenhaus auflösen.

Im Legislativverfahren verfügt der Präsident über ein suspensives Veto und kann so einen Gesetzesentwurf an das Parlament zurückleiten. Der Präsident kann ebenfalls Strafen erlassen oder mildern, des Weiteren anordnen, ein Strafverfahren einzustellen beziehungsweise nicht einzuleiten. Zusammen mit dem Senat ernennt er die Verfassungsrichter. Der Präsident kann nicht strafrechtlich verfolgt werden und er trägt von Amts wegen keine Verantwortung.

Das Parlament besteht aus zwei Kammern. Das Abgeordnetenhaus wird nach einem Verhältniswahlverfahren gewählt. Die politischen Parteien stellen in einzelnen Wahlkreisen (die mit den Gebieten der 14 Regionen übereinstimmen) Listen mit Kandidaten auf. Es gibt eine Sperrklausel von 5 %. Das Abgeordnetenhaus bilden 200 Abgeordnete. Die Legislaturperiode beträgt 4 Jahre.

Der Senat besteht aus 81 Senatoren und wird nach einem Mehrheitswahlverfahren gewählt. Die Legislaturperiode eines Senators beträgt 6 Jahre. Das Mindestalter der Kandidaten beträgt im Fall des Senats 40 Jahre. Die Wahlen erfolgen im Abstand von zwei Jahren, wobei jeweils in einem Drittel der 81 Wahlkreise gewählt wird. Der Kandidat, der im betreffenden Wahlkreis im ersten Wahlgang mehr als 50 % der Stimmen erhält, wird zum Senator gewählt. Falls kein Kandidat im ersten Wahlgang die nötige Stimmenzahl erhält, findet ein zweiter Wahlgang statt, an dem die zwei erfolgreichsten Kandidaten des ersten Wahlgangs teilnehmen. Im zweiten Wahlgang genügt eine relative Mehrheit.

Wahlberechtigt ist jeder Staatsbürger Tschechiens, der das 18. Lebensjahr vollendet hat.

Die Regierung ist das höchste Organ der Exekutive und besteht aus dem Ministerpräsidenten und den Ministern. Der Ministerpräsident wird vom Präsidenten der Republik ernannt. Nach seinem Vorschlag ernennt der Präsident daraufhin auch die weiteren Regierungsmitglieder. Die Regierung muss sich danach einer Vertrauensabstimmung im Parlament unterziehen.

In der Hierarchie folgen der Regierung und deren zentralen Behörden die Selbstverwaltungsgebietseinheiten. Höhere selbstverwaltende Gebietseinheiten sind die 14 Regionen (kraj), elementare selbstverwaltende Gebietseinheiten sind die Gemeinden.

Die Judikative besteht aus dem Verfassungsgericht und einem vierstufigen System allgemeiner Gerichte. An der Spitze stehen zwei oberste Gerichte (Oberstes Gericht und Oberstes Verwaltungsgericht).

Verwaltung

Amtssprache

Eine Amtssprache ist in Tschechien nicht allgemein festgelegt (im Gegensatz zur Vorkriegs-Tschechoslowakei, wo die Staatssprache mit dem Gesetz 122/1920 Sb. geregelt war). Tschechisch als Amtssprache ergibt sich erst aus einzelnen Gesetzen für konkrete Bereiche.

Neben Tschechisch wird im Verwaltungsverfahrensgesetz (500/2004 Sb., § 16/1) und im Finanzverwaltungsgesetz (337/1992 Sb., § 3/1) Slowakisch ausdrücklich der tschechischen Sprache in diesen Bereichen gleichgestellt. Ausgehend aus dem Art. 25/2 der tschechischen "Charta der Grundrechte und Grundfreiheiten" räumt § 9 des Gesetzes 273/2001 Sb. in Tschechien lebenden Minderheiten, "die traditionell und langfristig auf dem Gebiet der Tschechischen Republik leben", das Recht ein, ihre eigene Sprache gegenüber Ämtern zu benutzen, ohne jedoch diese Minderheiten zu benennen. Allgemein wird darunter ein Recht auf eine Übersetzung oder einen Dolmetscher verstanden, teilweise auf Staatskosten (§ 16/4 des Verwaltungsverfahrensgesetzes 500/2004 Sb., § 3/2 des Finanzverwaltungsgesetzes 337/1992 Sb., § 18 der Zivilprozessordnung 99/1963 Sb., § 2 der Strafprozessordnung 141/1961 Sb.).

Verwaltungsgliederung

Datei:CZ Cechy Morava kraje.gif
Höhere selbstverwaltende Gebietseinheiten in Tschechien mit historischer Einteilung (Böhmen (grün), Mähren (blau) und Tschechisch-Schlesien (orange)


Das Staatsgebiet Tschechiens umfasst die drei historischen Länder Böhmen, Mähren und Tschechisch-Schlesien. Der Art. 99 der tschechischen Verfassung gliedert die Tschechische Republik in Gemeinden (obec), welche sog. elementare selbstverwaltende Gebietseinheiten sind, und in Regionen (kraj), welche sog. höhere selbstverwaltende Gebietseinheiten sind. Die 14 höheren selbstverwaltenden Gebietseinheiten wurden durch das Verfassungsgesetz zum 1. Januar 2000 errichtet. Die Grenzen der Regionen wurden durch das Gebiet der okresy und das Stadtgebiet Prags definiert.

Militär

Die Tschechischen Streitkräfte (Armáda České republiky, kurz AČR) sind eine Berufsarmee. Die Hauptbereiche sind in den Gemeinsamen Kräften (Společné síly) zusammengefasst, welche aus den Organisationsbereichen Heer (Pozemní síly), Luftwaffe (Vzdušné síly) und Unterstützungsstreitkräfte (Podpůrný komplet společných sil) bestehen. Die Truppenstärke betrug zum 1. Januar 2008 25.177 Soldaten. Oberster Befehlshaber ist der Staatspräsident.

Infrastruktur

Fernstraßen

Datei:Czech Highways 2012.png
Autobahnen und Schnellstraßen in Tschechien


Der Bau des tschechischen Autobahnnetzes reicht bis zum Jahr 1967 zurück. Während bis 1990 weitgehend nur die Strecken Prag–Brünn und Brünn–Pressburg fertiggestellt wurden, wurde das Netz in den folgenden Jahren stetig ausgebaut. Die Baumaßnahmen konzentrierten sich bislang auf die Autobahn D5 PragPilsen–deutsche Grenze/A6Nürnberg und D8 Prag–deutsche Grenze/A17Dresden. Beide Strecken wurden mit Ausnahme eines kleinen Teilstückes auf der D8 2006 fertiggestellt. Zum Jahresende 2006 betrug die Länge des Autobahnnetzes damit etwa 630 km. Weitere zirka 200 km befinden sich im Bau, darunter vor allem Abschnitte der D1 zwischen Brünn und Ostrau. Diese und andere Bauarbeiten werden jedoch durch zahlreiche Einwände erheblich verzögert. Mittelfristig wird der Ausbau des Autobahnnetzes bis auf eine Gesamtlänge von etwa 1.000 km angestrebt. Geplant ist dafür insbesondere noch der Bau einer von Prag über České Budějovice nach Linz führenden Strecke sowie die Verlängerung der D11 bis an die polnische Grenze nach Trutnov. Auf den tschechischen Autobahnen gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h.

Unterhalb des Autobahnnetzes existiert ein über 55.000 km langes Straßennetz, welches sich in 336 km Schnellstraßen, 6.156 km Straßen erster Ordnung, 14.669 km Straßen zweiter Ordnung und 34.128 km Straßen dritter Ordnung gliedert.

Für die Benutzung der Autobahnen sowie der Schnellstraßen ist eine Maut zu bezahlen. Autofahrer sind verpflichtet, eine Autobahnvignette zu kaufen, die von innen an die Windschutzscheibe geklebt werden muss.

Trotz niedrigerer Verkehrsdichte war die Mortalität im Straßenverkehr (bezogen auf Bevölkerungsanzahl) mit 1.215 Toten im Jahr 2004 ungefähr 1,6 mal höher als in Deutschland.

Flugverkehr

Wichtige tschechische Verkehrsflughäfen sind Prag (12,6 Millionen Passagiere im Jahr 2008), Brünn, Ostrava und Karlsbad. Die meisten Hauptstädte der Regionen können über Sportflugplätze angeflogen werden.

Den innerstaatlichen Flugverkehr betreibt die Fluggesellschaft ČSA auf der Strecke Prag, Ostrava, Brünn und Karlsbad. Man kann ebenfalls die Charter-Fluggesellschaften nutzen, die Aussichtsflüge oder den Verkehr mit kleinen Flugzeugen in viele Orte Tschechiens anbieten.

Schienenverkehr

Der Schienenverkehr in Tschechien hat eine 160-jährige Tradition. Beim Stand von 2010 ist das Streckennetz mit 9.620 Kilometern, gleichauf mit der Schweiz und abgesehen von den Stadtstaaten Monaco und Vatikanstaat, das dichteste Eisenbahnnetz der Welt. Die meisten Strecken werden von der derzeit noch 100% staatlichen Aktiengesellschaft České dráhy (Tschechische Bahnen) betrieben. Bedingt durch die Lage in Mitteleuropa, ist die Tschechische Republik zu einem wichtigen Transitland geworden. Durch das Staatsgebiet führen verschiedene EuroCity-Korridore (z. B. Berlin–Prag–Wien oder Hamburg–Berlin–Prag–Bratislava–Budapest). Die meisten Strecken werden im Halbstunden-, Stunden- oder Zweistundentakt befahren. Seit 2005 wird der tschechische Pendolino BR 680 als SuperCity von Prag nach Ostrava, Bratislava und Wien eingesetzt.

Aktuell wird das Streckennetz in vier sogenannten Korridoren ausgebaut. Fertiggestellt ist der 1. Korridor (Dresden–)DěčínPragBrünnBřeclav(–Wien). Hier wurde eine Streckenhöchstgeschwindigkeit von 160 km/h realisiert. Von dieser Strecke zweigt in Česká Třebová der 2. Korridor über Olomouc in Richtung Slowakei und Polen ab. Der 3. Korridor führt von der Ostgrenze bei Mosty u Jablunkova über Ostrava nach Prag und wird von dort über Pilsen nach Cheb(–Nürnberg) ausgebaut. Der 4. Korridor durchschneidet Tschechien in Nord-Süd-Richtung.

Busverkehr

Den Busverkehr betreiben in ganz Tschechien Privatverkehrsgesellschaften. Die Netzdichte ist vergleichsweise hoch. Im Gegensatz zum Zugverkehr sind die regionalen Busverbindungen am Wochenende eingeschränkt.

Wasserverkehr

In Tschechien ist der Wasserverkehr auf den Flüssen Elbe und Moldau und auf geschlossenen Wasserflächen (Stauseen u. Seen), die für die Schifffahrt geeignet sind, nur zum Teil erschlossen. Die Abschnitte der Elbe und Moldau mit internationalem Status sind mit dem europäischen Wasserwege-System verbunden, das heißt mit Flüssen zu den Seehäfen (Elbe-Hamburg) und mit dem System der europäischen Kanäle zu anderen Flüssen und ihren Binnen- und Seehäfen (Magdeburg, Duisburg, Rotterdam).

Mit dem Moldauhafen besitzt die Tschechische Republik im Hamburger Hafen einen Freihafen mit direktem Zugang zur Nordsee. Dieses 30.000 Quadratmeter große Gebiet ist bis 2028 an Tschechien, als Rechtsnachfolger der ČSSR verpachtet.

Stadtverkehr

In größeren Städten sind Straßenbahn und Bus die üblichen öffentlichen Verkehrsmittel. In kleineren Städten fahren nur Busse. In der Hauptstadt Prag betreiben die dortigen Verkehrsbetriebe die Prager Metro mit drei U-Bahnlinien, die das Zentrum mit den Stadträndern verbindet. Die Preise der Fahrkarten sind in den einzelnen Städten unterschiedlich. Fahrkarten werden an Schaltern, Automaten und teilweise in den Fahrzeugen selbst angeboten. In Prag und anderen größeren Städten sind Touristenkarten für mehrere Fahrten, wie Wochenfahrkarten, im Verkauf. Beim Betreten der Verkehrsmittel müssen die Tickets in der Regel sofort entwertet werden.

Radfahren

In den Hauptzentren des Fremdenverkehrs und in den Städten wird ein ausgedehntes Radwegenetz ausgebaut, dort kann man auch Straßenräder oder Mountainbikes leihen. Eine Anzahl europäischer Radwege durchquert Tschechien. Viele Radwege führen durch hügeliges Terrain, wie etwa die vielen Routen im Böhmerwald, die weiter in den Bayerischen Wald führen. Fahrrad fahren ist in Tschechien weit verbreitet, in den letzten Jahren wurde daher intensiv an einem nationalen Radnetz gearbeitet. Eine landesweit einheitliche Ausschilderung mit gelben Radweg-Schildern und nummerierten Radwegen ist Fahrradtouristen sehr hilfreich.

Grundvorschriften im Straßenverkehr

  • Seit dem 1. Juli 2006 muss ganzjährig mit Licht gefahren werden.
  • Die Geschwindigkeitsbeschränkungen betragen innerorts 50 km/h, außerorts 90 km/h und auf den Autobahnen 130 km/h.
  • Kinder bis 36 kg oder kleiner als 150 cm müssen während der Fahrt durch einen Kindersitz gesichert werden.
  • Es gilt 0 Promille, das bedeutet absolutes Alkoholverbot beim Lenken von Fahrzeugen.
  • Telefonieren ist dem Lenker während der Fahrt nur mit einer Freisprechanlage erlaubt.
  • Die Sicherheitsgurte müssen während der ganzen Fahrt angelegt sein.
  • Motorradfahrer und ihre Mitfahrer sind verpflichtet, Motorradhelme zu tragen.
  • Es sind stets Ersatzglühlampen für vorne und hinten mitzuführen.
  • Warnwestenpflicht für gewerblich genutzte Fahrzeuge.

Telefon

In Tschechien ist für Ortsgespräche die ehemalige Vorwahlnummer erforderlich, sie gehört nun zur Anschlussnummer. Die Null für innerstaatliche Ferngespräche entfällt, siehe auch Telefonvorwahl.

Post

Das staatliche Postunternehmen ist die Česká pošta. Im Jahr 1973 wurde das tschechische Postleitzahlensystem eingeführt.

Polizei

Neben der staatlichen Polizei der Tschechischen Republik (Policie České republiky) existieren uniformierte Gemeindepolizeien (obecní policie) bzw. Stadtpolizeien (městská policie) und die für das Militär zuständige Militärpolizei (Vojenská policie).

Wirtschaft

Aktuelle Wirtschaftslage

Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag 2005 bei 12.304 Euro (unter den EU-Ländern zwischen dem Portugals und Ungarns), das Wachstum bei 3,7 %, die Inflationsrate bei 3,2 %. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards nähert sich Tschechien immer mehr dem Durchschnitt der EU-27 an. Schwankte das BIP pro Kopf zwischen 1997 und 2003 zwischen 68,4% und 73,4% des EU-Durchschnitts, stieg es seit dem EU-Beitritt 2004 stetig an. In diesem Jahr erreichte Tschechien 75,1%, 2005 75,9, 2006 77,4% und 2007 schließlich 80,3% des EU-27-Durchschnitts. Dies bedeutet Platz 16 hinter Slowenien und vor Malta.[23] Bemerkenswert dabei sind jedoch die starken Unterschiede zwischen den Regionen. So erreichte die Hauptstadt Prag in der regionalen Aufschlüsselung des Jahres 2005 einen Wert von 160,3% des EU-Durchschnittes, während die Statistikregion Mittelmähren, bestehend aus dem Olomoucký kraj und dem Zlínský kraj, lediglich 59,8% des EU-Durchschnitts erreichte.[24]

Die Arbeitslosenquote beträgt im November 2008 5,3 %. Dies entspricht rund 300.000 Menschen. Es gibt jedoch große Unterschiede zwischen den Regionen. So liegt die Arbeitslosenquote im Bezirk Prag bei nur 2 %, im Bezirk Most dagegen bei 12,1 %.[25]

Die tschechische Krone gewinnt seit Jahren gegenüber dem Euro. Kostete 1 Euro bei seiner Einführung Anfang 1999 noch 35,11 Kronen und im März desselben Jahres sogar 38,58 Kronen, so waren fünf Jahre später nur noch 32,40 Kronen zu zahlen. Anschließend erstarkte die Krone gegenüber dem Euro weiter, bis sie Ende Juli 2008 mit 22,97 Kronen für 1 Euro ihren bisherigen stärksten Wechselkurs erzielte.

Währung: 1 Tschechische Krone (Kč, CZK) = 100 Heller

Der Heller wird jedoch mit der Abschaffung der 50-Heller-Münze zum 1. September 2008 nicht mehr im Bargeldzahlungsverkehr verwendet.

Kurs: 1 EUR = 25,711 CZK (Stand 31. Mai 2013)

Bruttonationaleinkommen (BNE): 46,7 Mrd. Euro (BNE/Kopf: 4.567 Euro)

Wachstumsrate des BIP: 6,0 % (2. Vierteljahr 2007)[26]

Arbeitslosenquote: 5,8 % (1. Vierteljahr 2009)[27]

Wirtschaftsgeschichte

Die Wirtschaft der Tschechoslowakei gehörte traditionell zu den am meisten entwickelten in Europa. Sie erreichte insbesondere in der Zeit von 1918 bis 1939 einen hohen Stand.

Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1948 gehörte die Tschechoslowakei zwar zu den meist entwickelten Ländern des kommunistischen Ostblocks, infolge der Übernahme der Zentralverwaltungswirtschaft als die herrschende Wirtschaftsform und infolge der aufgezwungenen Ausrichtung auf die Bedürfnisse des RGW konnte sie sich nicht so stark entwickeln, um an der Weltspitze zu bleiben.

Nach der sog. samtenen Revolution von 1989 wurde die Wirtschaft des Landes privatisiert und erfreut sich erneut einer schnellen positiven Entwicklung. Das Gros des Bruttoinlandsproduktes wird im Dienstleistungssektor erzeugt.

Industrie

Einen großen Teil der Industrie bildet die Erzeugung moderner Industrieanlagen und Industriekomplexe, die überwiegend für Westeuropa und andere hochentwickelte Staaten der Welt bestimmt sind, sowie die Automobilindustrie (die Škoda-Auto-Werke gehören zu den größten Betrieben des Landes und bilden den wesentlichen Teil des tschechischen Exportes). Weitere wichtige Bereiche: die Metallurgie, Maschinen-, Lebensmittel- und Holzindustrie, ferner die chemische, petrochemische und pharmazeutische Industrie, Glas- und Keramikerzeugung.

In Böhmen hat die Glasindustrie Tradition. Viele der Glashütten können besichtigt werden, allerdings ist die Glasindustrie heute nur noch von geringer wirtschaftlicher Bedeutung.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft betreibt vorwiegend den Anbau von Weizen, Mais, Gerste, Zuckerrüben, Kartoffeln, Rüben, Futterpflanzen, Weinreben, Gemüse und Obst. Besonders wichtig ist die Hopfenproduktion als Grundlage der Tschechischen Braukultur. Außerdem werden Rinder und Schweine gezüchtet. Zusätzlich sind die Jagd und die Fischzucht von wirtschaftlicher Bedeutung. Auch die Holzindustrie ist für das Land wichtig. Seit dem EU-Beitritt Tschechiens im Mai 2004 nahm das durchschnittliche Einkommen eines Beschäftigten in der Landwirtschaft um 108 Euro zu. Der Anteil von Beschäftigten in der Landwirtschaft beträgt ungefähr 4 % der Tschechischen Bevölkerung.


Bodenschätze

In Tschechien werden Stein- und Braunkohle, Kaolin, Ton, Graphit, Kalkstein, Quarzsand und bei Dolní Rožínka Uran gefördert. Der Großteil des Erdöls und Erdgases wird aus Russland eingeführt. Ein Drittel des Gebietes bedecken Wälder, die auch Holz für den Export produzieren.

Wirtschaftskennzahlen

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP)
in % gegenüber dem Vorjahr (real)
Jahr 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Veränderung in % gg. Vj. −1,1 1,2 3,6 2,5 1,9 3,6 4,2 6,1 6,0 ~ 5
Quelle: bfai[28]
Entwicklung der Inflationsrate
in % gegenüber dem Vorjahr
Entwicklung des Haushaltssaldos
in % des BIP
(„minus“ bedeutet Defizit im Staatshaushalt)
Jahr 2003 2004 2005 2006 Jahr 2003 2004 2005
Inflationsrate 0,1 2,8 1,9 2,8 Haushaltssaldo −6,6 −2,9 −2,6
Quelle: bfai[29]
Entwicklung des Außenhandels
(Außenhandel in Mrd. US$ und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
2003 2004 2005 2006
Mrd. US$  % gg. Vj. Mrd. US$  % gg. Vj. Mrd. US$  % gg. Vj. Mrd. US$
(1.Hj.)
 % gg.Vj.
Einfuhr 45,2 5,1 54,9 21,4 61,5 12,0 35,1 21,4
Ausfuhr 43,1 5,7 54,1 25,6 62,8 16,1 36,4 20,7
Saldo −2,2 −0,8 1,3 1,3
Quelle: bfai[30]


Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 90,2 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 78,9 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 5,9 % des BIP.[31]
Die Staatsverschuldung betrug 2009 65,5 Mrd. US-Dollar oder 34,1 % des BIP.[31]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 6,9 %[32]
  • Bildung: 4,4 % (2004) [31]
  • Militär: 1,6 % (2007) [31]

Bildung

Kultur

Musik, Literatur, Film

Tschechische Kinospielfilmproduktion[33]
Jahr Anzahl
1985 53
1995 23
2005 20

Tschechien ist reich an kulturhistorischen Denkmälern. Neben zahlreichen weltberühmten Bauwerken aus verschiedensten Epochen sind vor allem die Vertreter der Musik des 19. Jahrhunderts wie Bedřich Smetana und Antonín Dvořák bekannt. Von internationaler Bedeutung ist das Musikfestival Prager Frühling. In der Literatur erreichten vor allem Franz Kafka und Milan Kundera Weltruf. Auch der Filmsektor ist in der Tschechischen Republik stark entwickelt (Prager Filmstudios). Alljährlich findet das Internationale Filmfestival Karlovy Vary statt. Regisseure wie Miloš Forman (Einer flog über das Kuckucksnest), Jan Svěrák (Kolya) und Jiří Menzel erhielten für ihre Produktionen Oscars.


Medien und Telekommunikation

In Tschechien erscheinen 75 Tageszeitungen, die von 19,9 % der Bevölkerung gelesen werden. Daneben werden 62 Periodika herausgegeben, die von 8,9 % der Einwohner konsumiert werden. Über insgesamt 3.405.834 Fernsehanschlüsse – womit 331,8 von 1000 Tschechen über einen solchen verfügen – können 150 Fernsehsender empfangen werden; der durchschnittliche tägliche Fernsehkonsum beträgt 194 Minuten.[34] 2007 verfügten 23,59 % der Tschechen über einen telefonischen Festnetzanschluss; die Verbreitung von Mobiltelefonverträgen lag bei knapp 125 % der Bevölkerung. 49 % der Einwohner verfügten 2007 über einen Internetanschluss; die Breitbandverbreitungsquote lag bei 12,9 %.[35]

Sport

Der Sport mit dem höchsten Stellenwert in Tschechien ist Eishockey, in dem die Tschechen mehrmals Weltmeister (zuletzt am 23. Mai 2010 in Köln mit 2:1 gegen Russland) und 1998 in Nagano auch Olympiasieger wurden.

Schätzungsweise 15 % der tschechischen Bevölkerung sind in Sportvereinen organisiert.

Auch der Wintersport ist in Tschechien beliebt. Bekannte Regionen für Wintersport sind das Riesengebirge im Norden und auch der Böhmerwald im Westen des Landes. Im tschechischen Teil des Erzgebirges bietet der Keilberg (Klínovec) ideale Wintersportbedingungen.

In Harrachov und in Liberec sind die Zentren des Nordischen Spitzensports. Hier finden regelmäßig FIS Weltcup-Springen statt. Im Jahr 2009 fand die Nordische Ski-WM in Liberec statt. Aushängeschild des Nordischen Spitzensports sind Jakub Janda, Gewinner des Gesamtweltcups im Skispringen in der Saison 2005/06 und Lukáš Bauer, der unter anderem die Tour de Ski 2007/2008 und die Tour de Ski 2009/2010 gewann.

Fußball

Die erste Liga (Gambrinus-Liga) umfasst 16 Mannschaften. Zwei davon steigen am Ende der Saison, also nach 30 Spieltagen, in die landesweite 2. Liga (Druhá fotbalová liga) ab. Von dort steigen dementsprechend zwei Teams in die 1. Liga auf. Die dritthöchste Spielklasse ist zweigeteilt. Den westlichen Teil (Böhmen) deckt die CFL (Česká fotbalová liga, „Tschechische Fußballliga“, 18 Teams) ab, den östlichen Teil des Landes (Mähren und Schlesien) die MSFL (Moravsko-Slezská fotbalová liga, „Mährisch-Schlesische Fußballliga“, 16 Teams). Der jeweilige Meister der beiden dritten Ligen steigt in die zweite Liga auf. Der Abstieg aus der zweiten Liga bestimmt auch den Abstieg aus den Ligen darunter mit, denn es können zum Beispiel zwei Mannschaften aus der 2. Liga absteigen, die beide in den Bereich der CFL oder eben der MSFL fallen, womit dort eine Mannschaft zu viel wäre. Es muss also noch eine zusätzliche Mannschaft absteigen.

Der Unterbau des dritten Levels ist fünfgeteilt. Unterhalb der CFL gibt es drei Gruppen (A, B, C) der Divize, unterhalb der MSFL zwei (D und E). Von diesen Ligen steigt jeweils der Meister in die CFL beziehungsweise MSFL auf, die jeweils letzten zwei in einen der regionalen „Krajský Prebor“ ab, je nach Zugehörigkeit. Insgesamt gibt es nach einer Reform 2002/2003 nun 13 Gruppen solcher fünften Ligen (zuvor lediglich 10), 9 als Unterbau der CFL beziehungsweise der Divize A, B, C und 5 als Unterbau der MSFL beziehungsweise der Divize D und E.

Motorsport

Bei Šternberk findet jährlich ein Lauf zur Europa-Bergmeisterschaft statt (Ecce Homo). Josef Kopecky (1994), Otakar Krámský (1995, 1997, 1998), Robert Senkyr (2003, 2004), Miroslav Jakes (2008) und Vaclav Janik (2009) wurden Meister dieser Serie. 2008 und 2009 belegten tschechische Fahrer Platz eins bis drei der EBM. Weitere Bergrennstrecken sind bei Ústí nad Orlicí (Ústecká 21), Lanškroun und Malá Bystřice.

Mit dem Automotodrom Brno steht bei Brünn eine internationalen Ansprüchen genügende Rundstrecke zur Verfügung, die von der DTM genutzt wurde, und im Rahmen der WTCC angefahren wird.

Auch in Most besteht eine Rennstrecke (Autodrom Most). Die wird international vor allem für die Truck Race Serie sowie zum Teil auch für Tourenwagen genützt.

Feiertage

In Tschechien werden unter anderem drei besonders wichtige staatliche Feiertage gefeiert. Am 1. Januar der Tag der Erneuerung des selbständigen tschechischen Staates und am 28. September, am Todestag des Nationalschutzpatrons – des hl. Wenzels, der Tag der tschechischen Staatlichkeit, sowie am 28. Oktober die Entstehung eines selbstständigen tschechoslowakischen Staates 1918.

Einzelnachweise

  1. czso.cz
  2. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  3. In Verwaltungsverfahren wird seitens Privatrechtssubjekten allgemein slowakisch akzeptiert (§ 16/1 des Gesetzes Nr. 500/2004 Sb.). Dies gilt ausdrücklich auch für Finanzbehörden (§ 3 des Gesetzes 337/1992 Sb.).
  4. CZSO-Population
  5. CZSO Population by nationality: as measured by 1921–2001 censuses
  6. European Roma Rights Centre, zit. nach Současná romská komunita v Evropě (Gegenwärtige Roma-Gemeinschaft in Europa) romove.radio.cz, tschechisch, abgerufen am 31. März 2010
  7. Tschechisches Statistisches Amt: Informationen, Ausländer.
  8. Tschechisches Amt für Statistik: Lebensverhältnisse (2007)
  9. Angaben der Zeugen Jehovas von 2008
  10. Tschechisches Amt für Statistik: Zusammensetzung der Bevölkerung nach Konfession (2003)
  11. H. Lemberg: Haben wir wieder eine „Tschechei“? In: Bohemia. Band 34, Heft 1, 1993, S. 106–114 (PDF)
  12. Alexander Stich: Čech, Český, Čechy, Česko. Ein Land und seine Namen. In: Walter Koschmal (Hrsg.): Deutsche und Tschechen. Geschichte, Kultur, Politik. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-45954-4, S.  14–23, hier: S. 19.
  13. FAQL.de
  14. Website Auswärtiges Amt
  15. duden.de
  16. Jiří Svoboda, Vojen Ložek, Emanuel Vlček: Hunters between East and West: the Paleolithic of Moravia. Springer 1996, ISBN 978-0-306-45250-5, S. 56.
  17. Population by nationality: as measured by 1921–2001 censuses
  18. Alfred Schickel: Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei: Geschichte, Hintergründe, Bewertungen Hrsg.: Bundesministerium für Vertriebene und Flüchtlinge, Dokumentation, ISBN 3-89182-014-3
  19. Cornelia Znoy:Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  20. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
    Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945–1947. Frankfurt am Main/Bern/New York/ Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost-und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996.
  21. Karel Vodička, Ladislav Cabada: Politický systém České republiky. Portál, Prag 2003, ISBN 80-7178-718-3, S. 127
  22. taz: Tschechien plant Steuerparadies 5. April 2007
  23. Eurostat Pressemitteilung 11. Dezember 2008: „BIP pro Kopf in Kaufkraftstandards“
  24. epp.eurostat.ec.europa.eu
  25. radio.cz
  26. Tschechisches Statistisches Amt: Gross domestic product
  27. Tschechisches Statistisches Amt: Employment and unemployment in the ČR as measured by the LFSS
  28. Entwicklung des BIP Tschechiens bfai, 2006
  29. Entwicklung der Inflationsrate Tschechiens: bfai, 2006
  30. Entwicklung des Außenhandels Tschechiens: bfai, 2006
  31. 31,0 31,1 31,2 31,3 The World Factbook
  32. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4
  33. Weltfilmproduktionsbericht (Auszug), Screen Digest, Juni 2006, S. 205–207 (eingesehen am 15. Juni 2007)
  34. THE CZECH REPUBLIC Press, Media, TV, Radio, Newspapers; Stand: 29. Januar 2009
  35. International Telecommunication Union – BDT; Stand: 29. Januar 2009

Weblinks

Portal Portal:Tschechien – Überblick über vorhandene Artikel sowie Möglichkeiten zur Mitarbeit

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Wiktionary: Tschechien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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