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Kreuzrippengewölbe

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Vierteiliges Kreuzrippengewölbe im Langhaus der Kathedrale von Salisbury

Ein Kreuzrippengewölbe ist ein Gewölbe, das durch selbsttragende Rippen (Kreuzrippen) gebildet und gehalten wird. Die Rippen kreuzen sich dabei wie die Diagonalen in einem Rechteck; sie leiten die Druck- und Schubkräfte des Gewölbes auf die Pfeiler ab. Jede Kreuzrippe setzt sich aus mehreren profilierten Werksteinen zusammen. An der Stelle, an der sich die Rippen kreuzen, befindet sich ein Schlussstein.

Das Kreuzrippengewölbe ist ein typisches Element der gotischen Architektur. Es ermöglichte hohe Kirchenräume. Die Wände wurden im Vergleich zum Tonnengewölbe entlastet und konnten mit größeren Fensterflächen versehen werden.

Als eines der ersten Kreuzrippengewölbe gilt das – noch spätromanische – Querhausgewölbe des Speyerer Doms (nach 1081).

Konstruktion

Ein Kreuzrippengewölbe besteht aus den vier Rippenbögen, den entsprechenden vier Widerlagerpunkten in den Ecken und dem mittigen Schlussstein. Obwohl die Kappen zwischen den Rippen nur als Füllwerk konstruiert wurden, ergaben statische Untersuchungen, dass die hauptsächliche Last erstaunlicherweise über die Zwischenräume abgetragen wird.

Rippen und Kappen sind im Regelfall nicht kraftschlüssig miteinander verbunden und weisen eine eigene Tragwirkung auf. Die standfesten Kreuzrippenbögen sind an der Lastabtragung der Kappen kaum beteiligt.[1]

Bei der sogenannten Skelettbauweise werden zuerst die Gewölberippen auf Lehrbögen gebaut. Mit dem Einsetzen des Schlusssteins werden sie kraftschlüssig. Danach werden die Kappen aus Mauersteinen oder Natursteinen gemauert. Auf eine Schalung kann teilweise vollständig verzichtet werden.

Wenn in der Längsachse des Baus mehrere Gewölbe aufeinander folgen, bezeichnet man die an die Längswand anstoßenden Bögen als Schildbögen, die Bögen zwischen den einzelnen Gewölben dagegen als Gurtbögen oder Gurte. Liegen die Gewölbe von Mittel- und Seitenschiffen auf gleicher Höhe (Hallenkirche), werden die Gewölbebögen, die die Längsschiffe längs voneinander trennen, als Scheidebögen bezeichnet.

Das Kreuzrippengewölbe ermöglichte freiere und komplexere Grundrisse, gebundenes System mit sechsteiligem Gewölbe im Mittelschiff der Kathedrale von Laon.
Schubkräfte in einem Kreuzgewölbe
Kreuzrippengewölbe im architektonischen Zusammenhang gotischer Bauweise

Architektonische Konsequenzen

Durch die Konstruktion der Kreuzrippengewölbe konnte der Kirchenraum überhöht werden. Es wurde möglich, im Vergleich zum Tonnengewölbe wesentlich höhere Räume herzustellen. Baumeister mussten nicht mehr ein Gewölbe auf dicken Mauern und Seitenschiffen aufrichten, um die statischen Kräfte abzufangen. Die Mauerwände konnte lichtdurchflutet gestaltet werden. Die statischen Kräfte konnten mit größeren Raumhöhen auf die Mauern oder Pfeiler abgeleitet werden.

Ferner war die Wölbung über rechteckigen Grundrissen und nicht nur über quadratischen möglich. Bei Verwendung von Spitzbögen war eine weitgehende Grundrissfreiheit gegeben, da nun unterschiedliche Spannweiten der Schildbögen und Diagonalbögen nicht wie bei Rundbögen zwangsweise zu unterschiedlichen Höhen der Bögen führen.

Damit war nicht nur ein geringerer Aufwand für Schalungen erforderlich, sondern die Gewölbekappen konnten zwischen den Kreuzrippen frei aufgemauert werden ohne wie bisher eine komplette Verschalung aus Holz erstellen zu müssen. Die Gestaltung von Raumwölbungen wurde auf diesem Weg freier und weniger aufwendig als in der Romanik.

Mit der Konstruktion der Kreuzrippen war es ferner möglich den Schub, besonders im Scheitel, zu überwinden. Die Gewölbekappen, die in der Romanik nur radial gewölbt und an den quadratischen Grundriss gebunden waren, konnten nunmehr mit unterschiedlicher Stützweite gebaut werden, während die romanischen Rundbögen bei gleicher Scheitelhöhe die gleiche Stützweite haben mussten.

Typen

Die Grundform mit zwei sich kreuzenden Rippen wird als vierteiliges Gewölbe bezeichnet. Ist dieses Gewölbe in der Querrichtung durch eine vom Schlussstein zu den Außenwänden gehende Rippe in sechs Kappen unterteilt, spricht man von einem sechsteiligen Gewölbe, das typisch für frühgotische Kirchenbauten ist. Bei Verwendung der sechsteiligen Gewölbe entsteht das sog. gebundene System, bei dem einem Mittelschiffsgewölbe auf jeder Seite zwei Seitenschiffsgewölbe zugeordnet sind. Liegt auch in Längsrichtung eine Scheitelrippe, entsteht ein achtteiliges Gewölbe.

Kreuzrippengewölbe können durch weitere Rippen unterstützt werden, sodass Rippenfächer, Rippensterne, Rippennetze oder andere Muster entstehen können. Dann werden die Gewölbe auch entsprechend bezeichnet (Fächergewölbe, Sterngewölbe, Netzgewölbe, Schlingrippengewölbe u. a.).

Entstehung in der Spätromanik

Kreuzrippengewölbe im Kreuzgang vom Kloster Bebenhausen, Aquarell von Eduard von Kallee, 1854

Kreuzrippengewölbe sind der Form nach den zuvor entwickelten Kreuzgratgewölben ähnlich, in der Konstruktion unterscheiden sie sich jedoch grundlegend, da die Rippen nun tragende Funktion übernahmen. In der Romanik entstanden die ersten Kreuzrippengewölbe, indem auf den Grat eine flache Bandrippe aufgesetzt wurde (daher auch als Bandrippengewölbe bezeichnet), die zunächst eine dekorative und konstruktiv gesehen anfänglich noch keine tragende Funktion hatte. Als erste romanische Kreuzrippengewölbe gelten die Querhausgewölbe des Speyerer Doms (nach 1081).[2] Ungefähr gleichzeitig entstand ab 1093 mit den Kreuzrippengewölben der Kathedrale von Durham der erste einheitlich in allen Teilen mit Kreuzrippen eingewölbte Bau. In dieser Entwicklungsphase prägten einfache Querschnitte die Rippenformen (quadratisch, mandelförmig, birnenförmig etc.), aus denen sich dann das Gewölbe mit tragenden Kreuzrippen entwickelte.

Bestimmte Rippenquerschnittsformen standen in Zusammenhang mit einzelnen Mönchsorden bzw. einzelnen Klöstern. Beispielsweise bevorzugten die mit Bauaufgaben betrauten Konversen (Laienbrüder) im zisterziensischen Kloster Clairvaux Rippenformen von quadratischem Querschnitt (die sogenannte Kastenrippe). Diese sind auch in allen Tochterklöstern von Clairvaux nachweisbar. Über die zisterziensischen Konversen Clairvaux' gelangte diese Rippenform auch in die weltliche Architektur, so in die Burgen und Kastelle Friedrichs II. in Süditalien (Castel del Monte etc.).[3]

Literatur

  • Hans Koepf: Bildwörterbuch der Architektur (= Kröners Taschenausgabe. 194). 3. Auflage. Kröner, Stuttgart 1999, ISBN 3-520-19403-1, S. 289.
  • Joseph Eich: Die Gewölbe, ihr Wesen, ihre Gestalt und ihr Bau. Teil 1: Gewölbeformen. Hittenkofer, Strelitz 1921, DNB 365574333.
  • Norbert Nußbaum, Sabine Lepsky: Das gotische Gewölbe. Eine Geschichte seiner Form und Konstruktion. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 1999, ISBN 3-422-06278-5.
  • Waldemar Swida: Statik der Bogen und Gewölbe. Theorie des Einzelbogens. Berechnungsbeispiele unter Berücksichtigung der neuesten Belastungsannahmen (DIN 1072) und Berechnungsbestimmungen (DIN 1075). C. F. Müller, Karlsruhe 1954, DNB 454971303.

Weblinks

 Commons: Gewölbe – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary: Kreuzrippengewölbe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Norbert Nußbaum, Sabine Lepsky: Das gotische Gewölbe. Eine Geschichte seiner Form und Konstruktion. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1999, ISBN 3-534-01584-3, S. 62.
  2. Die Datierung der Speyerer Querhaus-Gewölbe ist umstritten; hielt man sie bisher für nach 1159 entstanden, so plädiert Dethard von Winterfeld für eine Entstehung um 1100. (Dethard von Winterfeld: Worms, Speyer, Mainz und der Beginn der Spätromanik am Oberrhein. In: Franz J. Much (Hrsg.): Baukunst des Mittelalters in Europa. Hans Erich Kubach zum 75. Geburtstag. Stuttgarter Gesellschaft für Kunst und Denkmalpflege, Stuttgart 1988, ISBN 3-926168-00-5, S. 213–250; Dethard von Winterfeld: Die Kaiserdome Speyer, Mainz, Worms und ihr romanisches Umfeld. Zodiaque-Echter, Würzburg 1993, ISBN 3-429-01489-1, S. 88).
  3. Vgl. Alexander Knaak: Prolegomena zu einem Corpuswerk der Architektur Friedrich II. von Hohenstaufen im Königreich Sizilien. (1220–1250) (= Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. 16). Jonas, Marburg 2001, ISBN 3-89445-278-1, bes. S. 10 ff. und S. 110 ff. (Zugleich: Tübingen, Universität, phil. Dissertation, 1998), zum Einfluß der Konversen von Clairvaux auf die Bauwerke im hohenstaufischen Königreich Sizilien und die Verwendung der Kastenrippe in diesen Gebäuden.
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