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Friedrich Christoph Oetinger

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Friedrich Christoph Oetinger, Porträt von Georg Adam Eger, 1775

Friedrich Christoph Oetinger (* 2. Mai 1702 in Göppingen; † 10. Februar 1782 in Murrhardt) war ein deutscher Theologe und führender Vertreter des württembergischen Pietismus.

Leben

Als Theologiestudent im Evangelischen Stift Tübingen begegnete Oetinger 1725 den Schriften Jakob Böhmes, mit denen er sich fortan intensiv beschäftigte. Außerdem wurde er in seiner Hochachtung vor der Bibel entscheidend geprägt von Johann Albrecht Bengel, der zur gleichen Zeit in sein Blickfeld trat. Nach dem Studium unternahm Oetinger eine ausgedehnte Reise durch Deutschland, auf der er in Frankfurt ersten Zugang zur Kabbala fand. In Herrnhut lernte er die Arbeit des jungen Nikolaus Ludwig Grafen von Zinzendorf kennen. Im April 1731 wurde Oetinger Repetent im Tübinger Stift. Nach einer Reise Zinzendorfs nach Württemberg im Jahr 1733 reiste Oetinger nochmals für längere Zeit in die Oberlausitz. Es folgt eine kurze Dozententätigkeit in Halle (1736), ehe sich Oetingers langer innerer Kampf für oder gegen eine Pfarrstelle in Württemberg entschied: Im Frühjahr 1738 wurde er Pfarrer in Hirsau bei Calw und heiratete im selben Jahr Christiana Dorothea Linsenmann aus Urach (Württemberg) (seit 1983 Bad Urach).

Um in der Nähe seines verehrten Lehrers Johann Albrecht Bengel sein zu können, wechselte Oetinger 1743 auf die Pfarrstelle Schnaitheim bei Heidenheim. 1746 wurde er Pfarrer in Walddorf (bei Tübingen), ehe er 1752 Stadtpfarrer von Weinsberg und Spezialsuperintendent (Dekan) des Kirchenbezirks Weinsberg wurde. 1759 wurde er Stadtpfarrer und Spezialsuperintendent in Herrenberg, 1765 (Ernennung; Amtsantritt 1766) Stadtpfarrer in Murrhardt (das dem Spezialsuperintendenten in Backnang unterstand), gleichzeitig Abt und Prälat des (evangelischen) Klosters Murrhardt, dazu Herzoglicher Rat und Landschaftsabgeordneter.

Oetinger-Epitaph in der Stadtkirche Murrhardt

Zeitlebens war der vielseitig interessierte Mann umstritten. So ließ das Stuttgarter Konsistorium (Kirchenleitung) im März 1766 sämtliche Exemplare seines Werks Swedenborgs und anderer Irrdische und himmlische Philosophie aus dem Jahr 1765 beschlagnahmen. Oetinger verteidigte darin Swedenborgs Anschauung vom Reich der Geister, distanzierte sich aber in den Folgejahren von dessen allegorischer, zu wenig 'leiblicher' Deutung der Apokalypse des Johannes. Selbst gegenüber Johann Albrecht Bengels nicht selten 'spirituell' deutender Exegese der Apokalypse und gegenüber Oetingers einstigem Herrenberger Vikar Philipp Matthäus Hahn, der zunächst lange Zeit Bengels Deutung folgte, spitzte Oetinger jetzt seinen Biblischen Realismus zu. Er fand in seinem Werk Biblisches und Emblematisches Wörterbuch (Heilbronn am Neckar 1776, S. 407) zu dem berühmten Satz: „Leiblichkeit ist das Ende der Werke Gottes, wie aus der Stadt Gottes klar erhellet […].“ Oetingers Denken ist – auch in der aufklärungskritischen Grundhaltung – verwandt mit dem von Johann Georg Hamann: „Hamann wie Oetinger geht es darum, die Einheit von Geschichte und Natur zu denken, angesichts der Gefährdung der Tradition und angesichts einer Wissenschaft, die als moderne Naturwissenschaft Natur quantifiziert und in der experimentellen Isolierung zum Objekt macht. Beider Ziel ist es, daß der Mensch nicht des Sinnes verlustig gehe, den er in Vermittlung mit der Überlieferung gewinne [...] und daß der Mensch sich als Einheit von Geist und Leiblichkeit, als dem, womit er Natur ist, verstehen kann.“[1]

Oetinger wird das sehr bekannte Gelassenheitsgebet zugeschrieben, das allerdings tatsächlich von Reinhold Niebuhr stammt.

Sein Grab findet sich in der Stadtkirche Murrhardt.

Oetinger hat viele Dichter und Denker wie Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller, Friedrich Hölderlin, Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (besonders dessen Mittel- und Spätphase), Justinus Kerner, Eduard Mörike und Hermann Hesse beeinflusst. Selbst in der Bibliothek von Wolfgang Amadeus Mozart befand sich ein Werk Oetingers aus dessen Murrhardter Zeit, Die Metaphysic in Connexion mit der Chemie. Schw[äbisch] Hall [1770], das musiktheoretische Ausführungen, die auf der Theorie von Johann Ludwig Fricker beruhren, enthält.

Bibliographie der Werke Friedrich Christoph Oetingers

  • Die Werke Friedrich Christoph Oetingers. Chronologisch-systematische Bibliographie 1707 – 2014, bearbeitet von Martin Weyer-Menkhoff und Reinhard Breymayer. (Berlin; München; Boston [, Massachusetts, USA] : ) (Walter) de Gruyter (GmbH), [März] 2015 (Bibliographie zur Geschichte des Pietismus, Band 3. Im Auftrag der Historischen Kommission zur Erforschung des Pietismus [Hannover, bei der Union Evangelischer Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland] hrsg. von Hans Schneider, Hans Otte, Hans-Jürgen Schrader). – VIII, 445 S.[2]

Zu den Exkursen vgl. Reinhard Breymayer [Hauptverfasser]: "Bibliographisch-biographische Exkurse". In: Die Werke Friedrich Christoph Oetingers (2015), S. 378 – 421. [29 Exkurse.]


Einzelne Hauptwerke Oetingers in historisch-kritischer Edition

  • Die Lehrtafel der Prinzessin Antonia. Herausgegeben von Reinhard Breymayer und Friedrich Häußermann. De Gruyter, Berlin, New York : Walter de Gruyter & Co. GmbH 1977, ISBN 13: ISBN 9783110414509; ISBN 10: ISBN 3-11-004130-8.
    • Vorlage ist das Werk von Friedrich Christoph Oetinger: Offentliches [Öffentliches] Denckmahl Der Lehr-Tafel einer weyl[and]. Würtembergischen Princeßin Antonia [...]. Tübingen 1763, in dem Oetinger nachdrücklich auf die von der Prinzessin Antonia von Württemberg (1613-1679) in die Dreifaltigkeitskirche in Teinach (heute Bad Teinach-Zavelstein) gestiftete kabbalistische Lehrtafel hinweist. Es handelt sich dabei um eine Christianisierung der Kabbala.
  • Theologia ex idea vitae deducta. Herausgegeben von Konrad Ohly. De Gruyter, Berlin, New York : Walter de Gruyter & Co. GmbH 1979, ISBN 1O: ISBN 3-11-004872-8.
  • Biblisches und Emblematisches Wörterbuch. Herausgegeben von Gerhard Schäfer in Verbindung mit Otto Betz [Tübingen], Reinhard Breymayer, Eberhard [Martin] Gutekunst, Ursula Hardmeier, Roland Pietsch, Guntram Spindler. De Gruyter, Berlin, New York : Walter de Gruyter & Co. GmbH 1999, ISBN 10: ISBN 3-11-004903-1.

Ausgaben von Oetingers Autobiographie

a. Volksausgabe:

  • Friedrich Christoph Oetinger: Selbstbiographie. Genealogie der reellen Gedanken eines Gottesgelehrten. Hrsg. und mit Einführung versehen von J[ulius] [Otto] Roessle [Rößle]. Metzingen (Württ[emberg]) : Ernst Franz Verlag 1990, ISBN 3-7722-0035-4.

b. Historisch-kritische Editionen:

  • Ulrike Kummer: Autobiographie und Pietismus. Friedrich Christoph Oetingers. Genealogie der reellen Gedancken eines Gottes=Gelehrten. Untersuchungen und Edition. Frankfurt am Main : Peter Lang 2010, ISBN 978-3-631-60070-2. [Erste historisch-kritische Edition mit Kommentar. Berücksichtigt auch die alchemische und hermetische Tradition, in der Oetinger stand.]
  • Friedrich Christoph Oetinger: Genealogie der reellen Gedancken eines Gottes-Gelehrten. Eine Selbstbiographie. Hrsg. von Dieter Ising, Edition Pietismustexte, Band 1. Leipzig : Evangelische Verlagsanstalt 2010, ISBN 978-3-374-02797-2.

Die von Oetinger angeregte Schulschrift des Pädagogen Johann Friedrich Jüdler

Württemberg auf dem Weg zu seiner ersten Realschule in Nürtingen (1783)

  • Johann Friedrich Jüdler, Friedrich Christoph Oetinger, Erhard Weigel: Realvorteile zum Informieren.
    • Johann Friedrich Jüdlers ehmaligen Schulmeisters zu Stetten im Ramstal [Remstal] Realvorteile zum Informieren für die Anfänger in deutschen und lateinischen Schulen nach den Absichten der Realschule zu Berlin. Aus dem Mund und Gespräch des Herrn Spezialsuperintendenten [Friedrich Christoph] Oetingers geschöpft und dem Druck übergeben (1758). Wiederentdeckt und hrsg. von Reinhard Breymayer.
    • (Historisch-kritische Edition und Faksimile-Neudruck der Ausgabe Heilbronn [am Neckar] : Johann Friedrich Majer, 1758.) – Dußlingen : Noûs-Verlag Thomas Leon Heck 2014, ISBN 978-3-924249-56-4.

Gedenktag

Pseudonyme

  • Halatophilus Irenaeus ["Salzlieb Friedlich" nach Markus 9, 49]; Bibliophilus Irenaeus ["Bibelfreund Friedlich"].

Forschungsliteratur

Vor 1945

  • Heinrich Doering: Die gelehrten Theologen Deutschlands im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert. Verlag Johann Karl Gottfried Wagner, Bd. 3. Neustadt an der Orla 1833, S. 120 – 128, (online)
  • A[lbrecht] Ritschl: Oetinger, Friedrich Christoph. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 24. Leipzig : Duncker & Humblot 1887, S. 538 – 541.

Zusammenstellung der Forschungsliteratur aus den Jahren 1945 – 1990

  • Reinhard Breymayer (Bearbeiter): Oetinger, Friedrich Christoph 1702 – 1782. In: Heiner Schmidt (Hauptbearbeiter und Hrsg.): Quellenlexikon zur deutschen Literaturgeschichte, Bd. 24. Duisburg : Verlag für Pädagogische Dokumentation 2000, S. 106 – 114.

Neuere Forschungsliteratur

  • Friedhelm Groth: Die Wiederbringung aller Dinge im Württembergischen Pietismus. Theologiegeschichtliche Studien zum eschatologischen Heilsuniversalismus württembergischer Pietisten des 18. Jahrhunderts. Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht 1984, S. 89 – 146. (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 21.)
  • Martin Weyer-Menkhoff: Christus, das Heil der Natur. Entstehung und Systematik der Theologie Friedrich Christoph Oetingers. Bibliographie. Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht 1990, S. 272 – 326. (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 27.)
  • Martin Weyer-Menkhoff: Friedrich Christoph Oetinger. Bildbiographie. Wuppertal und Zürich : R. Brockhaus 1990, ISBN 3-417-21107-7. (Metzingen/Württ. : Ernst Franz Verlag) 1990, ISBN 3-7722-0215-2.)
  • Martin Weyer-Menkhoff: Oetinger, Friedrich Christoph. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, S. 466–468 (Onlinefassung).
  • R[einhard] Br[eymayer]: Die Metaphysick in Connexion mit der Chemie, von J. Oetinger, Schw. Halle. In: Ulrich Konrad, Martin Staehelin (Hrsg.): allzeit ein buch. Die Bibliothek Wolfgang Amadeus Mozarts. Weinheim [an der Bergstraße] : VCH, Acta humaniora 1991, ISBN 3-527-17827-9, S. 73 – 75. (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek [Wolfenbüttel], Nr. 66) [Zum Thema "Mozart und Oetinger."]
  • Reinhard Breymayer: Oetinger, Friedrich Christoph (pseudonyms: Halatophilus Irenaeus, Bibliophilus Irenaeus). In: Wouter J. Hanegraaff u. a. (Hrsg.): Dictionary of Gnosis & Western Esotericism. Vol. 2. Leiden, Boston : Brill 2005, S. 889 – 894.
  • Sabine Holtz, Gerhard Betsch, Eberhard Zwink (Hrsg.): Mathesis, Naturphilosophie und Arkanwissenschaft im Umkreis Friedrich Christoph Oetingers (1702 – 1782). Stuttgart : Franz Steiner Verlag 2005, ISBN 3-515-08439-8. (Contubernium, 63.)
  • Friedrich Christoph Oetinger. In: Wouter J[acobus] Hanegraaff: Swedenborg. Oetinger. Kant. Three Perspectives on the Secrets of Heaven. Vorwort Inge Jonsson. West Chester, Pennsylvania : The Swedenborg Foundation 2007, ISBN 978-0-87785-321-3, S. 67 – 85. (Swedenborg Studies Series, no. 18.)
  • Tonino Griffero: Il corpo spirituale. Ontologie "sottili" da Paolo di Tarso a Friedrich Christoph Oetinger. Mimesis Edizioni 2006, ISBN 88-8483-413-9, S. 417 – 510 umfassende Bibliographie der Forschungsliteratur.
  • Douglas H. Shantz: The Harvest of Pietist Theology: F. C. Oetinger’s Quest for Truth as recounted in his Selbstbiographie of 1762. In: Michel Desjardins, Harold Remus (Ed.): Tradition and Formation: Claiming An Inheritance. Essays in Honour of Peter C[hristian]. Erb. Pandora Press 2008, S. 121 – 134.
  • Reinhard Breymayer: Prälat Oetingers Neffe Eberhard Christoph v. Oetinger […]. 2., verbesserte Auflage. Tübingen : Noûs-Verlag Thomas Leon Heck 2010, ISBN 978-3-924249-49-6. [Beziehungen F. C. Oetingers und seiner Familie zu Goethe – Eberhard Christoph Ritter und Edler von Oetinger hatte seit 1784 als Gattin eine Verwandte und Freundin ('Amasia') Goethes, Charlotte Louise Ernestine Edle von Oetinger, geb. von Barckhaus genannt von Wiesenhütten, der Goethe wahrscheinlich in seinem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers <1774> in der Gestalt der "Fräulein von B.." ein literarisches Denkmal gesetzt hat.]
  • Reinhard Breymayer: Oetinger, Friedrich Christoph, auch: Halatophilus Irenaeus. In:
    [Walther] Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraumes. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Hrsg. von Wilhelm Kühlmann in Verbindung mit Achim Aurnhammer, Jürgen Egyptien [u. a.], Bd. 8. (Redaktion: Christine Henschel <Leitung> und Bruno Jahn.) Berlin, New York: Walter de Gruyter & Co. GmbH 2010, S. 686 f.
  • Reinhard Breymayer: Zwischen Prinzessin Antonia von Württemberg und Kleists Käthchen von Heilbronn. Neues zum Magnet- und Spannungsfeld des Prälaten Friedrich Christoph Oetinger. Dußlingen : Noûs-Verlag Thomas Leon Heck 2010, ISBN 978-3-924249-51-9. [Zur Ausstrahlung des Kabbalakenners und Magnetismus-Sympathisanten Oetinger auf das Umfeld von Hölderlin, Hegel und Heinrich von Kleist.]
  • Reinhard Breymayer: Goethe, Oetinger und kein Ende. Charlotte Edle von Oetinger, geborene von Barckhaus-Wiesenhütten, als Wertherische "Fräulein von B..".[4] Dußlingen : Noûs-Verlag Thomas Leon Heck 2012. – 143 S. DIN A 4, ISBN 978-3-924249-54-0.
    S. 13 – 26. 53 – 82. 93 f. 107 – 121 zu Charlotte von Barckhaus-Wiesenhüttens durch den Liebeskummer in die Katastrophe getriebenem Verehrer Heinrich Julius von Lindau, Freund Goethes, Pflegevater von dessen späterem Ziehsohn Peter im Baumgarten, Werther im Waffenrock.
  • Reinhard Breymayer: Friedrich Christoph Steinhofer – ein pietistischer Theologe zwischen Oetinger, Zinzendorf und Goethe. Mit der Lösung eines quellenkritischen Problems bei Karl Barth.
    • In: Dichtung – Gelehrsamkeit – Disputationskultur. Festschrift für Hanspeter Marti zum 65. Geburtstag. Hrsg. von Reimund B. Sdzuj, Robert Seidel und Bernd Zegowitz. Wien, Köln, Weimar [in Thüringen]: Böhlau Verlag 2012, S. (196) – 230. – ISBN 978-3-412-20876-9.
  • Reinhard Breymayer: Friedrich Christoph Steinhofer. Ein pietistischer Theologe zwischen Oetinger, Zinzendorf und Goethe. Mit der Lösung eines quellenkritischen Problems bei Karl Barth und einem Exkurs über die Bedeutung von Tugendlehre und Biblischen Summarien für die Lehrtafel in Steinhofers Amtsort Teinach. Noûs-Verlag Thomas Leon Heck, Dußlingen 2012, ISBN 978-3-924249-53-3. [Wesentlich erweiterte Fassung der Ausführungen über Friedrich Christoph Steinhofer und über die erfolgreiche Lösung quellenkritischer Problematik mit Hilfe von Netzwerkanalysen.]
    • Vgl. zur Würdigung des quellenkritischen Fortschritts Hans-Anton Drewes in: Karl Barth-Gesamtausgabe, Bd. 3 [= Bd. 48 der Gesamtfolge], Teil 3. Zürich: Theologischer Verlag, 2012, S. XVIII und 567.[5]
  • Ivo Cerman: Aufklärung oder Illuminismus? Die Enzyklopädie des Grafen Franz Josef Thun. (Stuttgart) : Franz Steiner Verlag (2015) (Contubernium. Tübinger Beiträge zur Universitäts- und Wirtschaftsgeschichte. Hrsg. von Jörg Baten, Ewald Frie, Sigrid Hirbodian, Andreas Holzem, Ulrich Köpf, Anton Schindling, Jan Thiessen und Urban Wiesing, Bd. 82). – 322, [II] S.
    • Zu Oetinger vgl. S. 47 f. 65. 67 – 69. 99. 113. 116. 118. 125. 130. 132. 135 f. 155 f. 298 f.
    • Franz Joseph Reichsgraf von Thun und Hohenstein (1734 – 1800 oder 1801) war ein Anhänger Oetingers und des animalischen Magnetismus. Bedeutsam ist auch die Verbindung zu Leopold Mozart und vor allem Wolfgang Amadeus Mozart durch seine Ehefrau, Maria Wilhelmina Anna Josepha Reichsgräfin von Thun und Hohenstein, geb. Comtesse von Uhlfeld (1744 – 1800), die in Wien einen musikalischen Salon unterhielt, in dem Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und der Römisch-Deutsche Kaiser verkehrten. Sie war als Mäzenatin die wichtigste Gönnerin Mozarts.
    • Reinhard Breymayer weist darauf hin, daß der Mechanikfreund Graf Franz Joseph von Thun ein Neffe von Joseph Friedrich Wilhelm Franz Eugen Reichsfürst von Hohenzollern-Hechingen (um 1718 – 1798) war, dem Auftraggeber des Mechanikerpfarrers Philipp Matthäus Hahn (1739 – 1790).

Am 11. März 2016 ist folgender Beitrag über den Mathematiker, Astronomen, Philosophen und Pädagogen Erhard Weigel erschienen:

  • Reinhard Breymayer: Erhard Weigels Schüler Detlev Clüver und sein Einfluss auf Friedrich Christoph Oetinger (1702–1782) – Zur Schlüsselrolle des Sindringer Kalenderstreits von 1744. <Anmerkung*: Dem Andenken des bed[eutenden]. Oetinger-Forschers Guntram Spindler (1940 – 2014).> In:
    • Katharina Habermann, Klaus-Dieter Herbst (Hrsg.): Erhard Weigel (1625 – 1699) und seine Schüler. Beiträge des 7. Erhard-Weigel-Kolloquiums 2014. (Göttingen [Niedersachsen]) : Universitätsverlag Göttingen ([der] Georg August Universität Göttingen), 2016, S. (269) – 323.

Eine Monographie über die Ausstrahlung der Liebestheologie von Oetingers einstigem Vikar Philipp Matthäus Hahn, einem Astronomen und Pfarrer, auf Friedrich Schiller und auf das Wiener Umfeld Ludwig van Beethovens

Ende Dezember 2016 ist die folgende Oetingers und Philipp Matthäus Hahns Nachwirkung berücksichtigende Monographie erschienen:

  • Reinhard Breymayer: Astronomie, Kalenderstreit und Liebestheologie. Von Erhard Weigel und seinem Schüler Detlev Clüver über Friedrich Christoph Oetinger und Philipp Matthäus Hahn zu Friedrich Schiller, Johann Andreas Streicher, Franz Joseph Graf von Thun und Hohenstein, Mozart und Beethoven. Dem Andenken des bedeutenden Oetinger-Forschers Guntram Spindler (1940–2014) und des bedeutenden Aufklärungsforschers Reinhard Aulich (1947–2016). [Motto:] Brüder – überm Sternenzelt muß ein lieber Vater wohnen. SCHILLER. Dußlingen : Noûs-Verlag Thomas Leon Heck, Dezember 2016. – 239 S. – ISBN 3-924249-58-X; ISBN 978-3-924249-58-8; EAN 9783924249588.

Einzelnachweise

  1. Rainer Piepmeier: Aporien des Lebensbegriffs seit Oetinger. Verlag Karl Alber, Freiburg/München 1978, ISBN 3-495-47392-0, S. 289.
  2. Die Bibliographie beruht auf jahrzehntelanger, intensiver Vorarbeit.
    • Vgl. die Information des Verlags Walter de Gruyter GmbH über die neue Oetinger-Bibliographie: [1]
    "For the first time, a lucid, annotated bibliography that strives for completeness is available for the often rare and hard to find printed works of the pietistic theologian, philosopher, and polymath Friedrich Christoph Oetinger. The work is structured to provide an overview of his complicated, interconnected body of work. With many new discoveries, directories, 29 excursuses, and 5 indices, the bibliography is an 18th century treasure trove."
    • Zur langen Vorgeschichte vgl. Martin Weyer-Menkhoff: Friedrich Christoph Oetinger (1702 – 1782) oder die angesichts der Ewigkeit kurze Geschichte einer Bibliographie. In: WLBforum. Mitteilungen der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart. Hrsg. von der Direktion [Direktor: Hannsjörg Kowark]. Redaktion: Jörg Ennen, Edith Gruber, Christian Herrmann,
    Hannsjörg Kowark, Martina Lüll, Birgit Mack, Jörg Oberfell. Stuttgart, Jahrgang 14 (2012), [Heft] 1, S. 23 – 25. – ISSN 1615-3820. [2]
  3. Friedrich Christoph Oetinger im Ökumenischen Heiligenlexikon
  4. Charlotte (Louise Ernestine) Edle von Oetinger, geborene von Barckhaus genannt von Wiesenhütten (1756 – 1823), war seit 1784 verheiratet mit Eberhard Christoph Ritter und Edlem von Oetinger (1743 – 1805), 1784–1805 Reichskammergerichts-Assessor (urteilender Richter) in Wetzlar, einem vormals in Stuttgart seit 1774 aktiven Freimaurer und unter dem Ordensnamen "Tessin" Illuminatenchef. Er war ein Neffe des pietistischen Prälaten Friedrich Christoph Oetinger. Die weitere Verbindung zu Frankfurt am Main wurde durch die am 11. November 1785 erfolgende Aufnahme v. Oetingers in die Frankfurter patrizische Gesellschaft Zum Frauenstein gefördert.
    Nach dem Zeugnis des mit Johann Wolfgang von Goethe bekannten Frankfurter Kaufmanns Johann Isaak Gerning aus dem Jahre 1793 war das junge Fräulein Charlotte v. Barckhaus-Wiesenhütten einst eine Geliebte ("Amasia") Goethes.
    Nach der ohne Widerspruch des Dichters gebliebenen Aussage von Goethes Freund Johann Jakob von Willemer, dem Frankfurter Bankier, Freimaurer und Illuminaten, gegenüber Goethe selbst aus dem Jahre 1824 hat ihr dieser 1774 im Briefroman Die Leiden des jungen Werthers in der Gestalt der adeligen 'zweiten Lotte' "Fräulein von B..", d. h. 'von Barckhaus', ein literarisches Denkmal gesetzt.
    Goethe war während seines zehntägigen Frankfurter Aufenthalts im September 1814 sowohl mit Willemer und dessen zukünftiger Ehefrau Marianne, geb. Pirngruber, genannt Jung, zusammengetroffen (vgl. Paul Raabe: Zu Goethes Briefen. 2013, S. 11) als auch mit Charlotte Edler von Oetingers Schwester Louise van Panhuys (1763 &ndash: 1843).
    Ein Porträt von Charlotte Edler von Oetinger, geb. von Barckhaus genannt von Wiesenhütten
    In Privatbesitz in Darmstadt befindet sich ein Porträt (Brustbild) von Charlotte Louise Ernestine Edler von Oetinger, geb. von Barckhaus genannt von Wiesenhütten, etwa aus dem Jahr 1791 oder 1792 oder vorhergehender Zeit. Der Maler Johann Friedrich Dryander hat es als Pastell auf Papier in den Maßen 55 cm x 65 cm ausgeführt.
    Eine farbige photographische Reproduktion gehört zur Bildersammlung der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz (Inventarnummer 104).
    Eine Abbildung in den Maßen 18, 5 x 16 cm findet sich in dem Ausstellungskatalog Saarlandmuseum [Körperschaft]: Johann Friedrich Dryander.Ein Künstler zwischen Fürstenhof und Bürgertum, 16. September 2006 – 7. Januar 2007. (Anläßlich der Ausstellung [...] im Saarlandmuseum, Alte Sammlung.) Hrsg. von Ralph Melcher. Mit Beiträgen von Roland Augustin, Stefan Heinlein, Sibylle Nöth, Eva Wolf und Ralph Melcher. Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Saarlandmuseum, Saarbrücken, 2006, ISBN 978-3932036217, S. 73, Tafel P 11. Vgl. den Hinweis durch das Hessische Staatsarchiv Darmstadt (Bestand R 4, Bildersammlung) unter der Internetadresse [3].
    Neil Jeffares berücksichtigt das Porträt in der Online Edition seines Dictionary of pastellists before 1800 unter der Internetadresse [4] (Abruf 28. August 2015), hier das mittlere Porträt auf S. 2, Sp. 3, der drei Bildseiten des Artikels "Dryander, Johann Friedrich".
    Goethe hat als Dichter seine künstlerische Autonomie gewahrt, aber in seinen Briefroman Die Leiden des jungen Werthers die Realität mit der poetischen Fiktion verwoben.
    Werther spricht von deutlicher Ähnlichkeit zwischen Lotte (Charlotte S.) und dem "Fräulein von B.." Vgl. die historisch-kritische Edition der anonymen Erstausgabe [Johann Wolfgang Goethe:] Die Leiden des jungen Werthers. Erster [Zweiter] Theil. Leipzig, in der Weygandschen Buchhandlung [Inhaber: Christian Friedrich Weygand]. 1774.:
    (Goethe:) Die Leiden des jungen Werthers | Leiden des jungen Werthers | Paralleldruck der Fassungen von 1774 und 1787 [Fassung A und B]. In: Johann Wolfgang Goethe: Die Leiden des jungen Werthers. Die Wahlverwandtschaften. Kleine Prosa. Epen. In Zusammenarbeit mit Christoph Brecht hrsg. von Waltraud Wiethölter. (Frankfurt am Main 1994) = Johann Wolfgang Goethe: Sämtliche Werke. Briefe, Tagebücher und Gespräche. Vierzig Bände [Frankfurter Ausgabe]. Hrsg. von Friedmar Apel, Hendrik Birus [u. a.], Abt. 1. Sämtliche Werke, Bd. 8. S. 9 – 267; hier S. 134. 136 Werthers Brief (Fassung A [1774]) an Lotte "am 20. Jan." [1772], hier S. 134, Z. 30 – 37, und S. 136, Z. 1 – 8, über "Fräulein von B.."
    Siehe besonders S. 134, Z. 30 – 32: "Ein einzig weiblich Geschöpf hab ich hier gefunden. Eine Fräulein von B.. Sie gleicht Ihnen liebe Lotte, wenn man Ihnen gleichen kann."
    Ein ähnliches Porträt von Charlotte Kestner, geb. Buff
    Der Charlotte ("Lotte") S. des Briefromans entspricht in der Realität bekanntlich Charlotte ("Lotte") Sophie Henriette Buff, seit dem 4. April 1773 in Wetzlar verehelichte Kestner, * Wetzlar 11. Januar 1753, gest. Hannover 16. Januar 1828, nach der oben erwähnten Aussage Johann Jakob von Willemers der "Fräulein von B.." des Briefromans in der Realität Charlotte von Barckhaus genannt von Wiesenhütten, nachmals verehelichte Edle von Oetinger. Damit ist die Frage legitim, ob auch in der Realität eine deutliche Ähnlichkeit zwischen den beiden Lotten bemerkbar war, also zwischen der adeligen Fräulein Charlotte Louise Ernestine von Barckhaus genannt von Wiesenhütten, * Frankfurt am Main 9. Oktober 1756, gest. auf dem Gut Schönhof bei Bockenheim 1. September 1823, seit 9. September 1784 in Frankfurt am Main verehelichter Edler von Oetinger, und der bürgerlichen Jungfer Charlotte Buff. In der Tat bietet ein Porträt von Charlotte Kestner deutliche Ähnlichkeit mit dem erwähnten Bildnis von Charlotte Edler von Oetinger, geb. von Barckhaus-Wiesenhütten. Dem Gesamteindruck, der Johann Jakob von Willemers Aussage stützen kann, stehen einzelne Unterschiede, wie der versonnene Gesichtsausdruck Charlotte Kestners gegenüber dem kecken Charlotte Edler von Oetingers, nicht entgegen.
    Die Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen besitzt dieses Porträt (Brustbild) von Charlotte Kestner aus dem Jahr 1782 (Inventarnummer: Ge 1223). Der Porträtmaler Johann Heinrich Schröder, geb. Meiningen 28. August 1757, gest. Meiningen 29. Januar 1812, hat es als Pastell ausgeführt.
    Der Kunsthistoriker Neil Jeffares berücksichtigt das Porträt in der Online Edition seines Dictionary of pastellists before 1800 unter der Internetadresse [5] (Abruf 21. September 2015), hier neben dem etwa im Jahr 1782 ausgeführten Pastellporträt des Ehemanns Johann Georg Christian Kestner (1741 – 1800) das zweite Porträt auf S. 13, Spalte 2, nach Textzeile 3, der dreizehn Bildseiten des Artikels Schröder, Johann Heinrich.
    Die Bildlegende findet sich auf S. 12, Spalte 3, Textzeile 3 von unten, bis S. 13, Spalte 1, Textzeile 3. Es folgt der Hinweis: "Photos courtesy [mit freundlicher Unterstützung durch die] Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen
    Jeffares bezieht sich mit dem Vermerk "Göttingen 1924" auf eine Ausstellung, die im Februar 1925 in Göttingen (Niedersachsen) stattgefunden hat. Der Katalog hat folgenden Titel: Deutsche Bildnisse aus zwei Jahrhunderten (1700 – 1875) in Göttinger Privatbesitz. Im Auftrag des Vorstandes der Vereinigung Göttinger Kunstfreunde hrsg. von Wolfgang Stechow. (Vorwort: Hermann Thiersch.) Göttingen : Turm-Verlag W. H. Lange, 1925 (Bücher der Spinnstube / Kulturkundliche Reihe, 9). – 40 S., 29 Blatt Tafeln.
    Dazuhin bezieht sich Jeffares auf folgende Forschungsliteratur:
    Der Meininger Porträtmaler Johann Heinrich Schröder (1757 – 1812). Monographie und Werkverzeichnis. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung der Staatlichen Museen Meiningen im Schloss Elisabethenburg vom 6. Juli bis 17 September 1995. (Hrsg.: Staatliche Museen Meiningen.) Katalog: Marieluise Spangenberg. (Katalogredaktion: Ingrid Reissland.) Meiningen : Staatliche Museen 1995, Nr. 219 [ohne Reproduktion].
    Rasch aufrufbar ist eine anspruchslose Wiedergabe des erwähnten Porträts im Artikel Charlotte Buff der polnischen Internet-Enzyklopädie Wikipedia | Wolna encyklopedia unter der Internetadresse [6] (Abruf 21. September 2015).
  5. Siehe dazu die Weblinks Karl Barth: Vorträge und kleinere Arbeiten 1914 – 1921, S. XVIII, [7] und Karl Barth: Vorträge und kleinere Arbeiten 1914 – 1921, S. 567 [8].

Weblinks

 Commons: Friedrich Christoph Oetinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


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