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Fibel (Schließe)

Aus Jewiki
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Latènezeitliche Certosa-Fibel (oben); römische Zwiebelknopffibel (unten) beide Rekonstruktionen
Germanische Prunkfibel aus Untersiebenbrunn, frühes 5. Jh.
Fibel von Braganza
Brillenfibel aus Eisen, thrakisch-kimmerisch, 9./8. Jh. v. Chr.
Silberne Fibel der vorrömischen Eisenzeit aus Hamburg-Fuhlsbüttel, 4.–1. Jh. v. Chr.
Hallstatt-Gehängefibel

Eine Fibel (lateinisch fibula „Klammer, Bolzen, Spange, Schnalle‚ Heftnadel, Schließe“) ist eine metallene, dem Prinzip der Sicherheitsnadel entsprechende Gewandnadel, deren älteste nachgewiesene Formen aus der Bronzezeit stammen und die bis ins Hochmittelalter verwendet wurden.

Funktion

Fibeln wurden benutzt, um Kleider, Umhänge und Mäntel zusammenzuhalten (Gewandschließen). Sie lösten die Gewand-Nadel ab. Neben ihrer praktischen Funktion dienten sie auch als Schmuck und konnten mit Anhängern (Pendilien) versehen werden. Sie waren oft zugleich Symbolträger (z. B. Rangabzeichen) oder sollten als Glücksbringer mit einer besonderen Ornamentik Unheil abwehren. Sie bestehen aus einer Nadel und einem Bügel oder einer Decke. Die ältesten Fibeln bestehen aus zwei Teilen, bei den jüngeren Exemplaren sind Nadel und Bügel durch eine federnde Spirale oder durch ein Scharnier verbunden. Man kann sie am ehesten mit einer heutigen Brosche oder Sicherheitsnadel vergleichen. Der Vorteil der Fibel gegenüber der zuvor verwendeten Nadel bestand darin, dass die schließbare Fibel nicht so leicht aus der Kleidung rutschte und – je nach Gestaltung – ein Überstand über die Nadelspitze die Wahrscheinlichkeit von Verletzungen minderte. Fibeln wurden schon in antiker Zeit teilweise durch Schnallen abgelöst. Mit dem Aufkommen des Knopfes kamen sie ganz aus der Mode.

Aufbau

Man kann grundsätzlich zwischen Scharnier- und Spiralfibeln unterscheiden. Beides sind Arten, des Verschlussmechanismus. Zu jeder Fibel gehört auch ein Nadelhalter. Dieser befindet sich am Fuss der Fibel. Der große, sichtbare und oftmals reich verzierte Teil einer Fibel wird als Bügel bezeichnet. Die Spiralkonstruktion ist nicht nur bei römischen Fibeln anzutreffen, sondern man kann sie auch bei vielen vorrömischen und mittelalterlichen Fibeltypen antreffen. Die Scharnierfibeln sind hingegen fast ausschließlich römisch.

Herstellung

Die meisten Fibeln wurden aus Bronze hergestellt. Es gibt aber auch Funde  aus Eisen, Gold oder Silber. Die Oberflächen von Bronzefibeln können auch noch einen Überzug aus anderen Metallen aufweisen. Solche bestehen aus Weißmetall (d. h. Zinn), Silber oder Gold. Wobei die Verzinnung recht häufig ist, wohingegen die Versilberung, wie auch die Vergoldung sehr selten zur Anwendung kam.

Fibeln wurden zuerst gegossen. Dazu wurde das Wachsausschmelzverfahren mit verlorener Form benützt. Das heißt, dass die Lehmgussformen nach einmaliger Benützung zerstört wurden, also verloren gingen. Nach dem Guss, wurden die Fibeln durch Schmieden oder Kaltverformen (z. B. Hämmern) nachbearbeitet. Die meisten Fibeln wurden aus einem Gussstück gefertigt. Es gibt aber auch Fibeltypen die aus mehreren Teilen bestehen und zusammengelötet wurden.

Die noch rohen Fibeln wurden noch auf vielfältige Art und Weise verziert. So kann der Fibelkörper durch Punktierungen, Stempelverzierungen, Gravuren, Kerbungen oder Facettierungen verziert werden. Außerdem gab es auch noch die Möglichkeit der Einlagen und Auflagen auf den Fibelkörper. Diese konnten aus Blech, Glas, Buntmetall, Perlen etc. bestehen.

Vorkommen

Fibeln wurden sowohl in den schriftlosen prähistorischen Kulturen als auch bei den Griechen, Römern und Byzantinern benutzt. Die ältesten zweiteiligen Fibeln (z. B. Urfibeln) sind seit der älteren Bronzezeit bekannt. Die einteilige Konstruktion kam im 14. bzw. 13. Jahrhundert vor Christus im Bereich südlich der Alpen auf. Fibeln blieben bis ins 14. Jahrhundert nach Christus in Gebrauch, als sie zuerst von der Haftel, dann von Knopf und Knopfloch abgelöst wurden. Als Schmuckstück erhält sie sich aber vermutlich in der Brosche.

Agraffe

Nicht genau definiert ist die Abgrenzung der Fibel von der Agraffe, die im Spätmittelalter auftritt und meist rund oder vierpass-, sechspass- oder achtpass-förmig ist. Sie dient dem Zusammenhalten zweier Kleidungsstücke, ist entweder an dem einen Stoffteil fest angenäht und durch einen Haken in eine am anderen Stoffteil befestigte Öse eingehängt, oder sie ist an beiden Seiten eingehakt und kann vom Kleidungsstück abgenommen werden. Sie dient als Schmuckstück in der geistlichen und weltlichen Kleidung.[1] Der grüne Dresdner Diamant ist Bestandteil einer Agraffe.

Archäologische Bedeutung

Vor allem der Bügel wurde regional und zeitlich sehr unterschiedlich ausgestaltet und diente auch als Schmuck. Dadurch sind viele Fibelformen für Archäologen als „Leitfossil“ ein wichtiger Anhaltspunkt bei der Datierung von Funden und Befunden. Die große Menge von Fundstücken mit zeitlich und regional typischen Dekorationselementen ermöglichte die Aufstellung einer kompletten Typologie zeitlich aufeinander folgender Fibelformen.

Terminologie und Typologie (Beispiele)

Nach der Form der Fibel unterscheidet man viele unterschiedliche Fibelarten. Die Benennung erfolgt in vielen Fällen nach der Form, so etwa bei:

Auch Details der Konstruktion oder der Verzierung können bei der Namengebung ausschlaggebend sein, vgl. etwa die:

Benennungen nach einzelnen Fundorten oder Fundregionen sind ebenfalls gebräuchlich, so bei den:

Benennung nach dem vermutlichen Hersteller eines Fibeltypes:

Manchmal werden die Formen nach den Gliederungen der Bearbeiter benannt, bekannt ist etwa die typologische Einordnung kaiserzeitlicher Fibeln durch den schwedischen Prähistoriker Oscar Almgren.

Die Zeitstellung kann ebenfalls in die Benennung einfließen, so etwa bei einigen latènezeitlichen Formen (z. B. Frühlatène-Schema).

Bedeutende Fibelsammlungen

Bedeutende Fibelsammlungen finden sich in folgenden Museen:

Literatur

  • Oscar Almgren: Studien über nordeuropäische Fibelformen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte. 2. Auflage. Leipzig 1923.
  • Heinrich Beck u. a. (Hrsg.): Fibel und Fibeltracht. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 8. de Gruyter, Berlin / New York 1994, ISBN 3-11-016858-8, S. 411–607.
  • Ulrich Boelicke: Die Fibeln aus dem Areal der Colonia Ulpia Traiana. Xantener Berichte Band 10, 2002.
  • Herbert Kühn: Die Bügelfibeln der Völkerwanderungszeit in Nord- und ehemaligen Ost-Deutschland. Graz 1979.
  • Johannes A. Potratz: Vorgeschichtliche Geräte. Murnau 1957.
  • Jasper von Richthofen: Fibelgebrauch – gebrauchte Fibeln. Studien an Fibeln der älteren Römischen Kaiserzeit. Dr. Rudolf Habelt, Bonn 2000, ISBN 3-7749-3010-4
  • Ernst-Günter Strauß: Studien zur Fibeltracht der Merowingerzeit. Dr. Rudolf Habelt, Bonn 1992, ISBN 3-7749-2590-9
  • Ronald Heynowski: Fibeln – erkennen, bestimmen, beschreiben. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 2012, ISBN 978-3-422-07119-3
  • J. Birmingham: The Development of the Fibula in Cyprus and the Levant. In: Palestine Exploration Quarterly, 95, 1963, S. 80–112.
  • Efi Sapouna-Sakellarakis: Die Fibeln der griechischen Inseln. In: Prähistorische Bronzefunde, XIV 4. Beck, München 1978, ISBN 978-3-406-00773-6.
  • E. Caner: Fibeln in Anatolien 1. In: Prähistorische Bronzefunde, XIV 8. Beck, München 1983, ISBN 978-3-406-09015-8.
  • Friedhelm Pedde: Vorderasiatische Fibeln. Von der Levante bis Iran. In: Abhandlungen der Deutschen Orient-Gesellschaft, 24. Saarbrücker Druckerei und Verlag, Saarbrücken 2000, ISBN 3-930843-57-9.
  • Friedhelm Pedde: Development and Extension of Near Eastern Fibulae in the Iron Age. In: R. Eichmann, H. Parzinger (Hrsg.): Migration und Kulturtransfer. Der Wandel vorder- und zentralasiatischer Kulturen im Umbruch vom 2. zum 1. vorchristlichen Jahrtausend. Akten des Internationalen Kolloquiums 23.-26. November 1999 Berlin. Rudolf Habelt, Bonn 2001, ISBN 3-7749-3068-6, S. 485–496
  • Friedhelm Pedde: Fibeln in Gräbern. Workshop „Totenreligion im Kulturvergleich. Der Alte Orient und das Niltal“. In: Altorientalische Forschungen, 30. Berlin 2001, Akademie Verlag, Berlin 2003, S. 85–92.
  • E. Riha, Die römischen Fibeln aus Augst und Kaiseraugst : die Neufunde seit 1975. Forschungen in Augst. Römermuseum Augst, Augst 1994.
  • E. Riha/R. Fichter/C. Hochhaus, Die römischen Fibeln aus Augst und Kaiseraugst. Forschungen in Augst. Römermuseum Augst, Augst 1979
  • E. Ettlinger, Die römischen Fibeln in der Schweiz. Handbuch der Schweiz zur Roemer- und Merowingerzeit. Francke Verlag, Bern 1973.
  • J. von Richthofen, Fibelgebrauch - gebrauchte Fibeln: Studien an Fibeln der älteren Römischen Kaiserzeit. Archäologische Berichte 13. Selbstverlag der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Bonn 2000.

Weblinks

 Commons: Fibeln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Fibel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Elisabeth Moses: Agraffe. In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Band 1. Stuttgart 1933, Sp. 216–220.
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